Freiheitsberaubung im Borussen-Park!

Freiheitsberaubung im Borussen-Park!

Am 14.05.2005 war es so weit: Fortuna Düsseldorf hatte in der Regionalliga Nord spielfrei. Und wer jetzt gedacht hat, der Artikel wäre damit beendet, dem muss ich leider sagen: Pech gehabt! Für so einen Dreizeiler setz ich mich doch nicht vor die Tastatur! Da dieser Termin nämlich schon etwas länger feststand, dachte ich bereits zu Jahresbeginn, ich könnte mir mal etwas Neues gönnen:

Zum Beispiel einen Besuch im Borussia-Park, der neuen Heimat von Borussia Mönchengladbach. Wie ich der Borussia-Park-eigenen Website entnehmen konnte, ist „Borussia-Park“ nicht nur der Name des neuen Stadions der Ostholländer, sondern des gesamten Geländes, welches das Stadion, die Trainingsplätze und die vereinseigenen Parkmöglichkeiten umfasst.
Es standen noch weitere interessante Dinge auf dieser Website. Endlich mal Zeit genug, diese einer kritischen Würdigung zu unterziehen. Ganz nebenbei gab es natürlich noch Bundesliga-Fußball, Mönchengladbach gegen Hertha BSC Berlin. Leider entging mir da schon etwas, ich will ehrlich sein, ich hätte mich schlapp gelacht, wenn die Mönchengladbacher mit diesem Spiel abgestiegen wären. Nicht, weil ich übermäßig etwas gegen die Borussia hätte, nein, sie ist mir so ziemlich egal. Aber diese Arroganz, mit der man in der Winterpause als „Kaufhaus des Westens“ auftrat und alles verpflichtete, was nicht bei Drei auf dem Baum war, fand ich schon beachtlich. Als ich das Sprüchlein des Präsidenten las, wonach er gar nicht verstehe, warum sich andere Vereine öffentlich „Sorgen“ um den seinen machen würde, er könne sie alle beruhigen, allein die Sponsoreneinnahmen der Saison würden die Spielerverpflichtungen bei weitem decken, da wusste ich: da musst du hin! Da, wo der Erfolg mal wieder planbar ist. Ich ließ mich auch durch den kleinen Misston, der kurze Zeit später auftrat, nicht schrecken, als es hieß, dass es mit dem Geld nun doch nicht so weit her sei, und man deshalb einen Teil des Etats der nächsten Saison und damit auch diese Spielerverpflichtungen halt einfach vorweg genommen habe. Mein Gott, was fällt einem nicht alles im Nachhinein auf! Anschließend konnte ich mir monatelang das Grinsen nicht verkneifen, als ein Spiel nach dem anderen in die Hose ging, immer begleitet von beruhigenden Worten, dass die nächste Saison viel besser werden würde. Erst als man akut Gefahr lief, die nächste Saison mit einem zünftigen Auswärtsspiel bei Wacker Burghausen eröffnen zu dürfen, zog der Trainer die Reißleine und trat zurück – und der Verein sorgte sogleich bei mir persönlich für weitere Lachanfälle, ausgelöst durch die Gestalt des tapferen Retters Horst Köppel, über den ich mittlerweile ziemlich gut lachen kann, auch wenn er maßgeblich an Fortunas grandiosem Durchmarsch von der Ersten in die Oberliga (damals noch 3. Liga) Anfang der Neunziger Jahre beteiligt war. Aber das ist ja lange her. Der Horst rettete die Gladbacher mal eben kurz mit einem einzigen guten Spiel sowie drei überragenden 0:0 und drückte sich als Cheftrainer hoch. Darauf freu ich mich nächste Saison schon, aber das nur am Rande. Fakt war, dass die Gladbacher vor dem letzten Heimspiel gegen Berlin noch einen einzigen Punkt brauchten (und den eigentlich auch nicht so richtig), um sich zu retten, trotz grottenschlechter Rückrunde, weil es eben drei Teams gab, die in den entscheidenden Momenten tatsächlich noch schlechter waren. Ich würde also keinen Abstieg, sondern im Gegenteil eine Klassenerhalt-Party miterleben. Nicht gerade das Nonplusultra für mich, aber da musste ich jetzt durch. Schließlich hatte ich die Karten bereits im Januar gekauft. So ein Besuch will ja gut vorbereitet sein, der Borussia-Park ist schließlich regelmäßig ausverkauft, so auch diesmal.
Aber lassen wir die Fakten doch selbst sprechen: laut Website des Vereins kostet ein Sitzplatz-Ticket für die Südtribüne Unterrang 24,50 €. Nicht gerade billig, aber das hatte ich von Mönchengladbach auch nicht erwartet, auf der Abrisshalde Bökelberg war es zum Teil auch schon heftig teuer. Die wissen halt, dass ihr Mythos zieht, und die Bude immer voll ist. Aber okay, für einen einmaligen Besuch, da wollte ich mal nicht so sein…also flugs die Karten bestellt, und noch nicht einmal eine Woche später trafen sie ein. Prima Service!

Tja, und jetzt befindet sich meine Karte in meinem Ticket-Fundus aus der Saison 2004/05. „Block 4 rechts“ steht drauf, „Reihe 2, Platz 7, Tor Süd“. Wohl unzweifelhaft eine Karte für den Unterrang der Südtribüne. Und hier der Preis: 29,50 €. Inklusive „Amateur Rahmen Veranstaltung“ und inklusive Mehrwertsteuer. Allerdings zuzüglich System-Verkaufsgebühr, nicht dass hier jemand auf dumme Gedanken kommt. Die Rechnung liegt mir schließlich noch vor. Also noch mal 2 Euro Gebühr plus – natürlich 0,55 Euro Porto. Da war ich schon Monate vor dem Spiel begeistert vom Gladbacher Optimismus. Denn da weder auf der Website noch auf der Rechnung selbst ein Hinweis darauf zu finden war, woher diese 5 zusätzlichen Euro kommen könnten, konnte es natürlich nur so sein, dass man angesichts der Winterpausenaufrüstung schon mal vorsorglich für dieses Spiel einen Top-Zuschlag draufgesattelt hatte, konnte es doch nur das „Endspiel“ zur Champions-League-Qualifikation sein. Gesunder Optimismus auf anderer Leute Kosten – das ist das, was unser Land derzeit braucht.

Also die Anfahrt kann man getrost als bequem bezeichnen, wenn man aus Bonn kommt und früh genug dran ist. Wir fuhren in Rheinbach auf die A 61 und eine Dreiviertelstunde später in Mönchengladbach-Nordpark wieder herunter. Die Strecke ist sogar kürzer, als wenn ich mich zur LTU-Arena nach Düsseldorf aufmache. Die Parkplätze sind direkt nach der Autobahnabfahrt ausgeschildert, man wird recht flink dort hin geleitet.
Ich wollte ja besonders clever sein. Angesichts der Berichte über ein gewisses Verkehrschaos bei An- und Abreise sowie aufgrund der Tatsache, dass es doch recht früh war, wählte ich den Parkplatz, der am weitesten vom Stadion entfernt war, nämlich P6, in der geistreichen Annahme, dass es weiter vorne, insbesondere auf P4, wohl am vollsten werden würde. Das Parken kostet dort zwar unfassbare 4 Euro, aber mein Gott, was will man machen, ist ja alles neu. Viertelstunde Fußmarsch zum Stadion bei bedecktem Himmel, aber es war trocken und halbwegs warm. Dann standen wir vor dem Eingang.

Und zwar vor dem Eingang Nord. Das hatte man leider vergessen mitzuteilen. Tagesparkern werden ausdrücklich die Parkplätze P4 bis P6 empfohlen, über die man zwangsläufig zum Eingang Nord kommt. Nun ist es aber so, dass man Tageskarten fast nur für die Südtribüne bekommt, insbesondere die Nordtribüne, auf der sich die Stehplätze befinden, ist eigentlich schon durch die Dauerkarten ausverkauft. Schade eigentlich, darauf hätte man vielleicht hinweisen können. Also einmal ums komplette Stadion rum.
Dies entpuppte sich als nicht so einfach, denn wenn man an der Osttribüne um die Ecke biegt und den Eingang Süd erblicken möchte, sieht man erst einmal einen großen eingezäunten Käfig, nämlich einen weiteren Parkplatz. Da die Tore in diesen Zäunen leider nicht geöffnet waren, mussten wir entlang dieses Parkplatzes weiterwandern, bis wir auf die Hauptstraße stießen, an der sich auch die Parkplätze für die Reisebusse befinden. Erst dort konnte man über den Parkplatz auf den Südeingang losmarschieren. Da war es schon nicht mehr ganz so früh.

Nach Betreten des Stadiongeländes muss man sagen: doch, sehr gut gelungen. Mir gefällt es. Nun aber die Verpflegung. An einem kleinen Stand Würstchen für 2 Euro, an etwas größeren Ständen, bei denen versucht wird, durch Absperrungen den Käuferandrang zu regulieren, gab es dann auch einige Dinge mehr, darunter auch den Klassiker aller mir bekannten Bundeswehrkantinen: Schnipo – also Schnitzel mit Pommes. Warum das allerdings 5 Euro kosten muss, war mir ein Rätsel.
Genial die Lösung bei den Getränken. Hier tritt man zunächst an einen ebensolchen Stand, bei denen der Kunde durch ein Absperrsystem geleitet wird, kauft sich sein Bier oder was auch immer, im Plastikbecher mit einem Euro Pfand. Und dieses Pfand kann man an wahllos vor dem Block verteilten Palettenbehältern wieder einkassieren. Genau dort wird auch die Stadionzeitschrift, das „Fohlenecho“, verkauft, welches pfiffigerweise ebenfalls einen Euro kostet und somit sogleich gegen den leeren Becher eingetauscht werden kann. Vor soviel Geschäftssinn zog ich den Hut und erwarb eine Zeitschrift zum Gegenwert eines Bechers. Gute Idee!

Nun aber flugs das Stadion geentert und den gebuchten Platz belegt! Doch, es sieht gut aus von innen, natürlich ein reines Fußballstadion ohne irgendwelche Laufbahnen oder Hochsprung-Installationen. Unsere Plätze waren in der zweiten Reihe, direkt hinter dem Tor. Das Fangnetz erschwerte zwar zunächst den Durchblick, aber man hatte sich schnell daran gewöhnt. Dafür war man auf dieser Seite wirklich hautnah dran, es waren keine fünf Meter bis zur Torlinie. Zufrieden über die Platzwahl schaute ich dankbar gen Himmel. Dabei traf mich fast der Schlag. Die vorderen Reihen sind nicht überdacht! Doch, doch, ich habe mehrfach ungläubig nach oben geschaut, es stimmt! Wenn es regnet, wird man hübsch nass, das ist wohl der Preis, wenn man ganz nah dabei sein will. Für mich eine ziemliche Unverschämtheit.

Dazu sind ein paar klärende Worte fällig. Ich habe nix dagegen, beim Fußball ein wenig nass zu werden. Mein Gott, ich habe zwei Jahre Oberliga hinter mir, da bin ich oft genug etwas angefeuchtet nach Hause gekommen. Auch brauche ich nicht unbedingt einen Sitzplatz, aber es ging ja nicht anders, da ich nicht unbedingt in die Fan-Blöcke wollte. Ich kann mich noch gut an das Jahr des Herrn 1993 erinnern, als ich ein Spiel des HSV im Wedau-Stadion im Duisburger Fan-Block verfolgte. Als der HSV den 1:0-Siegtreffer erzielte, wäre mir meine spontane Reaktion beinahe zum Verhängnis geworden. Also bei solchen Spielen lieber Sitzplatz.
Und was diesen betraf, konnte ich mich auch noch an etwas erinnern, was bei weitem nicht so lange her war wie die eben geschilderte Episode. Nämlich an den Eintrag auf der stadioneigenen Website: „Die Zuschauerränge sind komplett überdacht.“ Ach ja? Also derjenige, der das auf der Südtribüne getestet hat, muss wohl ne Parallaxe im Auge haben, anders ist das nicht zu erklären. Aber gut, kann passieren. Wenn da nicht dieser Eintrittspreis gewesen wäre. Wenn ich schon fette 29,50 Euro für eine Karte für ein Spiel hinlegen muss (oder für Nostalgiker: fast sechzig D-Mark…) – ich finde, dann kann ich auch verlangen, dass ich bei Regen nicht pitschnass werde! Oder erwarte ich da etwa zuviel von der Servicewüste Deutschland? Anscheinend.

Die auf der Eintrittskarte wahrscheinlich nur prophylaktisch angekündigte Amateur-Rahmen-Veranstaltung bekam ich natürlich ebenfalls nicht zu sehen. Es sei denn, die Damen und Herren Schornsteinfeger, die vor dem Spiel einmal die Runde ums Spielfeld machen, wobei sie tapfer ihre Gladbach-Schals schwenken, werden als solche eingeordnet. Oder die Animationsveranstaltung von Stadionsprecher Matthias Opdenhövel, bekannt aus Funk und Fernsehen, der nach gefühlt dreistündiger Werbung sowie dem Verlesen der Mannschaftsaufstellungen mal eben die eingesprungene La Olà zelebrieren ließ. Spontane Stimmung, hier bist du zuhause!

Naja, das mit der Stimmung verging mir bald, denn das Spiel war ziemlich mau. Erste Halbzeit noch in Ordnung, in der zweiten wurde es dann ziemlich schlimm. Besonders als ein psychologisch bestens geschulter Bediener der Anzeigetafel (oder wer auch immer dafür zuständig war) Mitte der zweiten Halbzeit die 1:0-Führung des VfL Bochum gegen den VfB Stuttgart über die Mattscheibe flimmern ließ. Da wurden den Gladbachern doch trotz all ihres Vorsprungs auf Bochum sichtbar die Beine schwer. Fortan versuchte man nur noch, das 0:0 zu halten und glänzte im Spiel nach vorne lediglich mit einigen der unglaublichsten Fernschüsse, die ich je gesehen habe. Wenn die alle im Fernsehen gelaufen wären, mein Gott, was für eine Werbung für den deutschen Fußball! Keine Ahnung, was die in den letzten Monaten trainiert haben, platzierte Torschüsse aus mehr als 16 Metern Entfernung können es definitiv nicht gewesen sein. Wahrscheinlich waren sie alle so nervös, dass sie die Kugel auch aus diesen Positionen einfach nur wegdreschen wollten, aktive Verteidigung beginnt ja bekanntlich am gegnerischen Strafraum. Ich glaub, einmal sprang sogar ein Einwurf für Hertha dabei heraus.

Da die Berliner auch nicht mehr konnten oder wollten, trennte man sich mit dem Horst-Köppel-Standardergebnis, und Gladbach war endgültig gerettet. Dies führte natürlich zu diversen Freudenausbrüchen nach Spielschluss, die in eine schöne Fan-Party mündeten. Mir war’s egal, ich hatte eh Zeit. Eingedenk eindringlicher Warnungen hatten wir es nämlich nicht eilig, zum Fahrzeug zurückzukehren. Lieber eine halbe Stunde warten, dann hat sich das Ganze ein wenig entzerrt, war uns zuvor geraten worden.

Also versuchte ich zunächst, noch so ein Krabbenbrötchen von dem draußen vor dem Block befindlichen Transporter zu erhaschen – vergebens! Alles, was dort vor dem Spiel nach Fisch ausgesehen hatte, war ausverkauft, der komplette Wagen ratzekahl leergefegt. Schade! Aber behaupte noch einer, nur Norddeutsche seien Fischköppe…

Wir befolgten die uns erteilten Ratschläge und ließen uns beim Rückmarsch zum Parkplatz P6 viel Zeit. Auf dem Weg dorthin staunten wir noch über ein Dixie-Klo, das auf P5 aufgestellt war. Wozu braucht man hier, in unmittelbarer Nähe des Stadions, ein Dixie-Klo? Es hätte uns misstrauisch machen sollen…

Wir erreichten den Wagen genau eine Dreiviertelstunde nach Spielschluss, stiegen ein – und das war’s dann! Nichts ging, man konnte nicht mal ausparken, denn auf der Straße standen bereits die Wagen anderer Besucher, die früher als wir ihr Gefährt erreicht hatten. Standen, wohlgemerkt. Der ganze Parkplatz stand. Kein Abfluss von Fahrzeugen, gar nichts. Die Herrschaften im Wagen, der vor uns auf der Straße stand, waren wohl nicht zum ersten Mal hier. Sie waren mit einem kleinen Transporter unterwegs, der Fahrer saß mal vorsichtshalber am Steuer, falls es irgendwann weitergehen sollte, die restliche Meute stand an der geöffneten Heckklappe und bediente sich aus dem im Kofferraum untergebrachten Bierkasten. Anscheinend macht Borussia Mönchengladbach das Feierabendbier, bei dem man gerne mal versackt, wieder modern. Auch beim Wagen rechts von uns war der Kofferraum geöffnet und eine ganze Familie labte sich an eigens mitgebrachten Frikadellen. Bei deren Anblick wurde mir flau. Wenn die alteingesessenen Fans sich schon komplette Lebensmittelrationen mitbringen, wie lange sollte das hier noch dauern?

Ziemlich lange. Nach einer halben Stunden ging es mal vorwärts, aber die Jungs vom Transporter hatten natürlich den Durchblick, sie machten die Heckklappe gar nicht erst zu. Und in der Tat, der Wagen rollte ca. 5 Meter, dann stand wieder alles und konnte den Motor erneut abstellen. Vielleicht hätte man an diesen Stellen ein leichtes Gefälle einbauen können, das würde enorm Sprit sparen. Immerhin gelang es mir, die Lücke zu nutzen und wenigstens schon mal auszuparken. Jetzt stand ich also auf der Straße, die von den Parkbuchten auf die Ringstraße führt, die um die Parkplätze läuft und irgendwann wieder auf die Hauptstraße mündet. Zentimeter für Zentimeter ging es vorwärts, bis ich schließlich aus reinem Zufall genau auf der Kreuzung mit der Ringstraße zum Stehen kam, und sich abermals nichts mehr tat. Und das alles in Sichtweite der Autobahn, man guckt ja genau auf den Zubringer drauf!

Zwischenzeitlich waren einige Fahrer dazu übergegangen, von der Ringstraße quer über den Rasen und einige Sandflächen via Bürgersteig auf die parallel zur Ringstraße verlaufende Straße überzusetzen, die allerdings nicht zur A 61 führte. Egal, als links von mir auch niemand mehr auf der Ringstraße erschien, zog ich in diese Richtung und fuhr in den nächsten Parallelweg mit Parkbuchten den Weg wieder zurück, fröhlich ignorierend, dass für diese Richtung ein Durchfahrt-verboten-Schild am Beginn des Weges stand, und tatsächlich eingewunken von so einem Männeken in orange, der hoffte, mit dieser zweiten Ausfahrt und der hierfür angeordneten Verkehrsregelübertretung das Chaos ein wenig zu entzerren, denn er und seine Kollegen hatten schon längst den Überblick verloren. Ich wurde also auf die Parallelstraße zur Ringstraße geleitet und musste in die andere Richtung, welche von der Autobahn wegführte, abbiegen. Egal, bloß weg von hier! Um 19.15 Uhr, satte 2 Stunden nach Spielschluss, verließ ich den Parkplatz. Wir riskierten noch einen Blick zurück und sahen die endlose Schlange der Wagen, die auf der Ringstraße und den Parkplätzen immer noch bewegungslos standen, bis zum Horizont, bis zur Autobahnauffahrt. Ich glaube, die stehen immer noch da. Wir hatten Glück, dass wir genau auf der Kreuzung standen und Manövrierspielraum hatten.
Das Ganze ist schon nicht mehr unverschämt, das ist Freiheitsberaubung. Ein Spiel dauert neunzig Minuten, aber vom Parkplatz runterzukommen zwei Stunden??? Und ich darf nochmals daran erinnern, dass es sich laut Website um vereinseigene Parkplätze handelt. Das kommt einem wirklich so vor, als hätten die Planer gesagt: Okay, wir bauen ein Stadion für 53.000 Zuschauer. Wir sorgen auch für die entsprechenden Parkmöglichkeiten (es gibt insgesamt über 9.000 Parkplätze). Aber, mein Gott, bei unserer Krampentruppe werden doch niemals so viele Zuschauer kommen! Also kann uns doch auch egal sein, wie die Leute wieder wegkommen. Und überhaupt, was interessieren die uns denn nach dem Spiel? Da haben sie ja schließlich schon bezahlt!

Also, ich habe schon wirklich viel erlebt. Am kleinen Stadion in Düsseldorf gibt es kaum Parkplätze, wenn man da mal einen findet, ist es auch ziemlich schwierig, wieder wegzukommen. Die großen Parkflächen an der LTU-Arena sind auch nicht sehr gelungen, aber es sind die ehemaligen Rheinstadion-Parkplätze, die vor einigen Jahrzehnten gebaut wurden, außerdem ist dort halt ringsum aufgrund der Messegebäude und des Rheins nicht mehr Platz. Hier konnte eine solide Infrastruktur in einem brachliegenden Industriegebiet (bzw. einem ehemaligen Flieger-Gelände) in aller Seelenruhe geplant werden. Und was kommt dabei heraus? Zwei Stunden Wartezeit nach einem Spiel!
Vielleicht hätte ich es noch verstanden, wenn ausgerechnet an diesem Spieltag der Zuschauerandrang besonders groß gewesen wäre. Aber nein, auf der stadion-eigenen Website wird ja noch locker damit geprotzt, dass fast jedes Heimspiel in dieser Saison ausverkauft war. Geändert oder gar verbessert hat sich nur wenig. Und ich lasse mir von einem Verein nicht so gerne vorschreiben, wieviel Zeit ich noch auf seinem Parkplatz zu verbringen habe. Ein Armutszeugnis für die momentan modernste Arena in Deutschland!

Der Rest ist schnell erzählt: nun ging es also in die verkehrte Richtung, immerhin war die A 52 ausgeschildert. Im Schneckentempo, denn wir waren ja nicht die einzigen, die über diese Nebenstrecke abgeleitet wurden, kroch man durch Mönchengladbach-Hehn (glaube ich zumindest) und Mönchengladbach-Hardt. Dazwischen viel Bäume, schöne Stücke Landstraße, aber auch immer wieder kleine Ortskerne mit lustigen Ampeln, die natürlich alle eingeschaltet waren. Am Ende erreichten wir die A 52 Richtung Düsseldorf, fuhren auf, und stießen bei der nächsten Abfahrt auf das Autobahnkreuz Mönchengladbach Nord, von welchem die A 61 abging, also die Auffahrt, die man vom Parkplatz sehen konnte und die trotzdem so unerreichbar für uns war. Wir waren vom Parkplatz aus also erst in die entgegengesetzte Richtung gefahren, um dann „von hinten durch die Brust ins Auge“ wieder auf die richtige Strecke zu stoßen. Und danach war es dann auch ein Kinderspiel, binnen einer Dreiviertelstunde wieder nach Hause zu finden.

Mein Fazit: ein wirklich schönes Stadion, hat mir gut gefallen. Das Drumherum eigentlich weniger. Nirgendwo ausgewiesene Kartenpreiserhöhungen, nicht überdachte Plätze, obwohl dies ausdrücklich anders verlautbart wird, ellenlange Fußmärsche aufgrund schlichter Nichtinformation sowie ein „Parkleitsystem“, dessen Erfinder im Knast sitzen müsste aufgrund zigtausendfacher Freiheitsberaubung alle zwei Wochen, können dem anscheinend unwürdigen Tageskarten-Besitzer die Freude an diesem schönen Stadion wirklich gründlich vergällen. Bei mir haben sie es jedenfalls eindrucksvoll geschafft. Es war, als wollte Borussia Mönchengladbach mir sagen: Wir brauchen dich nicht. Wir sind der Mythos, und wir haben genug Leute, die sich das alle 14 Tage antun und sogar noch gutes Geld dafür bezahlen. Wir wollen dich nicht. Also bleib weg, wenn du dich nicht ärgern möchtest. Aber wenn du doch unbedingt kommen möchtest – vergiss nicht, den Videorekorder zu programmieren, wenn du eine Sendung um 20.15 Uhr sehen willst…

Immerhin ist ein Besuch in diesem Stadion prächtig für Beziehungskisten geeignet. Man kann viel miteinander sprechen. Sehr viel. Und wenn man dann nach ganzen 80 Kilometern Wegstrecke irgendwann nach Hause gelangt, weiß man vielleicht sogar noch, wie das Spiel ausgegangen ist, welches drei Stunden zuvor abgepfiffen wurde.

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