Alles hat ein Ende_Irgendwann einmal.

Ein König fällt vom Thron

Bild mit Uhrenvergleich

Schlechte Verlierer sehen anders aus

Marmor, Stein und Bein bricht

Quo vadis, Fortuna?

96 Meilensteine bis zur Rückkehr

Das war es. Also für mich. Die Berufungsverhandlung ist durch, alle Spieler haben ihre persönlichen Strafen erhalten, die Strafen für beide Vereine sind auch da, allerdings noch nicht rechtskräftig. Fortuna Düsseldorf spielt in der kommenden Saison 1. Liga. Ein guter Moment, um den letzten Ball zu spielen. Den bekommen zwar zunächst noch übermäßig viele Berliner, aber am Ende des Berichts hält doch nur noch der beste Verein der Welt die Kugel in den eigenen Reihen. Auf zum letzten Pass!

Ein König fällt vom Thron

Am 25.05.2012 wies auch das Bundesgericht des DFB nach rund neunstündiger Verhandlung den Antrag der Berliner zurück. Die Wertung des Spiels wurde aufrecht erhalten. Nun kann ich zwar nicht gerade als objektiv gelten, allerdings konnten sich auch völlig neutrale Beobachter dem Eindruck nicht ganz verschließen, dass sich Hertha BSC noch ein wenig mehr blamiert hatte. Denn was die mittlerweile auffuhren, um sich den Klassenerhalt am Grünen Tisch zu sichern, ging nun wirklich nicht mehr auf die berühmte Kuhhaut.

Hertha-Anwalt Schickhardt, der mediale Erstschläger, hatte ja schon im Vorfeld angekündigt, noch „Asse im Ärmel“ zu haben. Hertha-Manager Preetz hatte verkündet, es sähe „sehr, sehr gut aus“ – am Abend vor der Verhandlung. Die hatten anscheinend immer noch nicht verstanden, dass ihr arrogant ausgelebter Hauptstadtstatus vielleicht bei gewissen Medien noch zieht, aber vor Gericht nicht unbedingt den besten Eindruck macht. Dass sie diesbezüglich überhaupt nichts begriffen hatten, bewiesen sie direkt mit ihrem ersten neuen Zeugen, der bei der ersten Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht noch nicht aufgetaucht war: Schickhardt holte als erstes „Ass“ Trainer Otto Rehhagel in den Zeugenstand.

Das hätte er mal lieber lassen sollen. „König Otto“ hat man in der Vergangenheit ein wenig zu oft erzählt, er wäre ein Throninhaber. Gerade er, der früher gerne etwas kritischer in der Betrachtung bestimmter Medien war, scheint deren Gesabbel, sofern es mal positiv war, durchaus verinnerlicht zu haben. Und so stieg er in die Verhandlung auf die simple formelle Frage des Richters nach seinen Personalien mit folgendem Bonmot ein: „Es weiß doch jeder was ich in meinem Leben gemacht habe. Wir leben in einer Mediengesellschaft. Wenn ich jetzt den Arm hebe macht es Klick, klick und in Australien weiß jeder: Otto hat den Arm gehoben.“

Es sollte mich schwer wundern, wenn es in diesem Moment nicht auch im Hirn des Richters mal kurz „klick klick“ gemacht hätte. Und wer es nicht glaubt, kann sich bei seiner nächsten Verhandlung vor einem Zivilgericht ja mal einen solchen Einstieg erlauben und schauen, wie lustig der Richter so etwas findet. Dass der Hertha-Erstschläger den „König“ daraufhin nicht sofort aus dem Zeugenstand holte, bevor der sich noch mehr blamieren konnte, zeigt schon, wie verzweifelt seine Lage war. Denn dies war eins der von Schickhardt so gepriesenen „Asse“: nachdem man in der ersten Verhandlung dem Schiri noch am Zeug flicken wollte und dies absolut nicht gelang, versuchte man es beim zweiten Termin damit, die Umstände der Nachspielzeit genauer darzustellen und für „irregulär“ zu erklären. Die zuvor kolportierten fehlenden Elfmeterpunkte und Eckfahnen während der Nachspielzeit hätten dazu natürlich nicht gereicht, denn anscheinend hatte auch bei Hertha BSC in der Zwischenzeit mal jemand die Regeln ihres Berufs nachgelesen und festgestellt, dass beispielsweise das Wort „Elfmeterpunkt“ darin nicht ein einziges Mal erwähnt wird (es heißt nur „Strafstoßmarke“, und wie die aussieht, ist völlig undefiniert, Hauptsache, der Schiri kann erkennen, von wo aus es elf Meter bis zum Tor sind, nur mal als Beispiel). Deshalb war der Anwalt nun auf die Idee gekommen, das Irreguläre dahin gehend auszulegen, dass kein normale Coaching mehr möglich gewesen wäre und hatte dafür als mediales Schwergewicht den weltbekannten Coach selbst aufgeboten. Kein schlechter Schachzug, eigentlich. Aber der Allerschlechteste, wenn der Coach Otto Rehhagel heißt. Denn der wollte eigentlich auch gar nicht, wie er zwei Tage später in einem Interview in der Bild am Sonntag zugab: „Ich habe mich total unwohl gefühlt. Ich habe dies eigentlich nur Hertha zuliebe gemacht.“ Druck also. Das ehrt ihn, ist aber keine Entschuldigung für das, was er anschließend von sich gab.

Es wurde nämlich schnell offenkundig, dass Rehhagel – ich setze mal voraus, vom Anwalt entsprechend gebrieft, ansonsten würde der seinen Job wirklich nicht verstehen – genau da weitermachte, wo Schickhardt seinen medialen Erstschlag gesetzt hatte. Der hatte von „Todesangst“ und „Blutbad“ gesprochen, Rehhagel ging noch weiter und zog Vergleiche zur Love Parade in Duisburg und zur Stadion-Katastrophe von Brüssel 1985. Auch rückte er die Geschehnisse in die Nähe des Zweiten Weltkriegs, als er, vom Richter befragt, ob er Angst gehabt habe, mit dem hübschen Wort „Halbangst“ antwortete und gleich darauf unterstrich, wann er wirklich Angst gehabt habe: 1943 im Luftschutzkeller in Essen bei einem amerikanischen Bombenangriff. Kein Vergleich von Bombardements im Krieg mit den Zuständen in diesem Spiel, gewiss, aber doch eine Annäherung, die durchaus beabsichtigt war.

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: ein verfrühter Platzsturm, schon `zigmal vorgekommen in der Bundesliga, bislang stets ohne weitere Folgen. Ein Haufen Deppen, die das Feld zu früh stürmen, aber niemanden behelligen und auch ruckzuck wieder vom Platz runter sind, als ihnen klar wird, welchen Mist sie gebaut haben. Eine fette Strafe für den gastgebenden Verein, das ist klar. Aber eben nicht „Gewalt“, „Randale“, „Ausschreitungen“ und was die Medien sonst noch im ersten Katastrophen-Wahn daraus gemacht haben. Und Hertha BSC Berlin geht hin und spricht – in offiziellen Aussagen, nicht bei irgendeinem Tratsch im Nachtcafé! – von Todesangst und Blutbad, von Heysel und Duisburg, beschwört Bilder vom Zweiten Weltkrieg herauf. Mir fällt dazu nur eine einzige Erklärung ein, alles Andere macht keinen Sinn: was muss es Hertha BSC Berlin gestört haben, dass es bei diesem Durcheinander keine Toten und keine Verletzten gegeben hat! So sehr sie auch gesucht haben, sie haben einfach keine gefunden. Im Gegenteil, man könnte ja eigentlich sagen, der einzige Verletzte im Stadion war Schiri Stark, von einem Hertha-Spieler umgehauen, die Verletzung vom eigenen Mannschaftsarzt bestätigt und mit einer schönen Strafanzeige gegen den Spieler abgerundet. Wenn man aber die für ein Wiederholungsspiel so dringend benötigten Toten und Verletzten gerade nicht zur Hand hat, dann versucht man wenigstens, dem Richter und seinen Beisitzern die entsprechenden Bilder ins Hirn zu brennen, um damit die Annullierung eines Sportergebnisses zu erreichen. Das mag legitim sein, das mag bei Rechtsverdrehern zum guten Ton gehören, mich persönlich widert es an, sorry. Und das würde ich auch schreiben, wenn mein Verein so etwas versuchen würde.

Dem Otto kann man durchaus anrechnen, dass er aus Loyalität für den Verein, bei dem er noch unter Vertrag steht, etwas rausholen wollte. Vielleicht auch für die eigene Reputation, denn wer geht schon gerne als Absteiger, aber das will ich ihm noch nicht einmal unterstellen, das hat er eigentlich nicht mehr nötig. Loyalität ist eine Sache, sich instrumentalisieren zu lassen eine andere. Und so erklärte der Otto nahezu eine Dreiviertelstunde lang, dass die Zustände „irregulär“ gewesen seien. Schon während des noch laufenden Spiels hätten um ihn herum 50 bis 100 Leute gestanden, ein normales Coaching sei nicht mehr möglich gewesen. Es sei „ein Ausnahmezustand“ gewesen. Während der Unterbrechung hätten die Spieler „wie paralysiert“ in der Kabine gesessen.

Und mit zwei Anfragen des Fortuna-Anwalts Horst Kletke fiel das Kartenhaus dann auch in sich zusammen. Zunächst musste Rehhagel einräumen, keiner seiner „paralysierten“ Spieler habe geäußert, er wolle aus Angst vor körperlicher Unversehrtheit nicht mehr hinaus. Wie auch, das fiel ihnen ja erst später ein. Und eine ganz simple Frage, die jedem glasklar sein musste, der nur aufmerksam das Spiel verfolgt hatte, ließ die Majestät dann vom Thron stürzen: wenn das Coaching doch schon ab der 85. Minute nicht mehr regulär gewesen sei, wie könne er sich dann die Einwechslung von Bastians für den Brasilianer Ronny in der 90 + 4. Minute erklären? Antwort: Gar nicht – der „König“ verweigerte die Antwort und brummelte nur in seinen nicht vorhandenen Bart. Die Antwort musste ihm tatsächlich der Richter abnehmen, indem der einfach im Spielbericht nachblätterte, der auf seinem Tisch lag! Immerhin konnte Otto sich noch daran erinnern, warum er Bastians eingewechselt hatte, nämlich um ihn wegen seiner Kopfballstärke nach vorne zu beordern. Der Mann ist von Haus aus Abwehrspieler. Also ein ganz stinknormaler Wechsel nach taktischen Erwägungen, die auch umgesetzt wurden – obwohl doch kein Coaching mehr möglich war? Ja ne, is klar.

In diesem Moment war die Otto-Aussage durch, und das wusste er auch. Bezeichnend seine Reaktion, traurig und erklärend zugleich: der „König“ geriet derart in Wallung darüber, dass man es wagte, seine Aussagen zu hinterfragen, dass der Hertha-Anwalt den Coach in einer eigens anberaumten Prozessunterbrechung wegen der vermeintlichen Majestätsbeleidigung beruhigen musste. Fortuna-Anwalt Kletke schickte noch hinterher, dass er sich sicherlich nicht dafür entschuldigen müsse, Herrn Rehhagel eine Frage zu stellen. Antwort Schickhardt: nein, das müsse er nicht persönlich tun, er, Schickhardt, werde des Kletkes Entschuldigung dem wütenden Otto im Vorraum übermitteln. Diese Reaktionen zeigen aber ganz klar eines: das Vorbringen der Hertha stand offenkundig auf dermaßen schwachen Füßen, dass der Anwalt sich entschlossen hatte, den Trainer zu verheizen in der Hoffnung, man würde sich nicht trauen, die Aussage dieser Lichtgestalt zu anzuzweifeln und ihr unangenehme Fragen zu stellen. Dazu noch Heysel und die Love Parade, und die Entscheidungsträger sollten vor Ehrfurcht und Angst erstarren. Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man darüber lachen.

Bild mit Uhrenvergleich

Insgesamt wurden elf Zeugen gehört, aber nur der Otto verdient es, genauer unter die Lupe genommen zu werden. Der Rest sagte nichts Neues aus, kein Wunder, es waren ja auch fast alle dieselben Zeugen wie im ersten Verfahren, in der Hauptsache Hertha-Spieler. Interessant wurde es noch, als Schickhardt Bilder und Videos vorlegte, was ihm in der ersten Verhandlung noch verwehrt geblieben war. Die zeigten jetzt eigentlich nichts Neues und schon gar nichts, was auf Heysel, Love Parade und andere Blutbäder hinweisen konnte, aber eines sorgte schon im Vorfeld für ein wenig Aufregung. Das Bild zeigte einen Fortuna-Fan mit brennender bengalischer Fackel auf dem Platz, bis zur Nasenspitze vermummt. Dieses Bild war die Antwort des Anwalts auf das Urteil der ersten Instanz, in dem der Sportrichter den friedlichen Charakter des Platzsturms betont hatte. Schickhardt hatte bereits in seinem Kommentar zum Urteil diese Formulierung als „lustig“ für das umschrieben, was auf dem Platz geschehen sei und was er in der Berufung noch nachweisen würde. Unter anderem, wörtlich: „Da waren Vermummte auf dem Platz.“ Einen solchen Vermummten präsentierte er nun passgenau in der zweiten Verhandlung. Eine böse Bedrohung.

Gemäß seiner medialen Erstschlag-Theorie hatte der Anwalt die entsprechenden Bilder natürlich schon, nachdem sie im ersten Verfahren abgelehnt worden waren, der befreundeten Presse zugespielt, selbstverständlich mit dem Hinweis, diese Bilder würden im zweiten Verfahren sicherlich vorgelegt werden. Dies sah auch ein Fotograf der Zeitung reviersport. Und da der gemeine Berliner sich in dieser Angelegenheit eh schon von lauter Verschwörern umzingelt sieht, verzichte ich mal auf den Hinweis, dass mit „Revier“ der Ruhrpott gemeint ist, und die somit nicht automatisch als Freunde der Landeshauptstadt gelten, die mit dem Ruhrpott so viel zu tun hat wie die Kuh mit dem Eierlegen. Glaubt mir in der Bundeshauptstadt eh niemand.
Also, der Fotograf von der reviersport sah dieses Foto und wurde etwas stutzig. Denn ein solches Bild hatte er auch gemacht. Es zeigte denselben Herrn mit derselben Fackel und vor allem – an derselben Stelle auf dem Platz. Was jetzt nicht so ganz in die Wahrheitsfindung à la Hertha hinein passte: der Fotograf konnte nachweisen, dass das Bild um 22.51 Uhr entstanden war – somit nachweislich nach dem Schlusspfiff und beim anschließenden „richtigen“ Platzsturm. Nicht während der Unterbrechung durch die Frühchen, auf die sich der Anwalt wiederum bezog… Der Fotograf wurde von Fortuna noch als Zeuge im Hintergrund parat gehalten, falls es weiter ausufern sollte, ebenso Abwehrspieler Johannes van den Bergh, dem Sonnenschein Christian Lell während der Unterbrechung auf dessen Frage, was er mit seinen provokanten Gesten gegenüber den Platzstürmern bezwecke (die im Video recht gut zu erkennen sind), geantwortet haben soll, dass er natürlich jetzt versuchen werde, einen Spielabbruch zu provozieren. Und auch Abwehrspieler Juanan hätte noch aussagen können, dass Herthas kolumbianischer Stürmer Ramos während der Unterbrechung mit ihm noch einen kleinen Schnack an der Außenlinie geführt hatte. Von Todesangst keine Spur, Ramos gratulierte Juanan sogar schon zum Aufstieg, weil er kurzzeitig meinte, das Spiel wäre schon beendet. All diese Zeugen wurden nicht mehr gehört.

Nach einstündiger Beratung fiel an jenem Freitagabend gegen 22.30 Uhr dann das Urteil: Der Einspruch der Hertha wurde zurück gewiesen, die Spielwertung aufrecht erhalten. Wieder einmal. Fortuna somit zum dritten Mal binnen zehn Tagen aufgestiegen.

Hertha-Anwalt Schickhardt sagte hinterher enttäuscht in die ihm reichlich vorgehaltenen Mikrofone und Kameras, das Urteil setze ein schlechtes Zeichen, nämlich dass man ruhig vorzeitig den Platz stürmen könne und das Spiel trotzdem gewertet werde. Da helfe ich ihm mit der Vergangenheitsbewältigung gerne ein bisschen nach – genau dies war bei allen vorzeitigen Platzstürmen geschehen, von denen es in der 1. und 2. Bundesliga nicht gerade wenig gegeben hat. Als Beispiele nenne ich auch nochmal gerne Bayern gegen Dortmund 1990, Duisburg gegen Hertha 1991 oder Wattenscheid gegen Nürnberg 1991, alles bei youtube zu besichtigen, und nicht der Weisheit letzter Schluss. Das kommt schon mal vor. Dies soll die Dummheit des Tuns nicht entschuldigen, ich ärgere mich auch heute noch über diese Leute, aber dafür gab es eben noch nie ein Wiederholungsspiel. Wusste er garantiert auch.

Verhandlung, Beratung und Urteilsverkündung des DFB-Bundesgerichtes beanspruchten an jenem Freitag zehn Stunden. Am Freitag zuvor vor dem DFB-Sportgericht sieben Stunden. Die beiden Relegationsspiele liefen über 180 Minuten, also drei Stunden, plus Nachspielzeit. Somit nach insgesamt 20 Stunden Relegation immer noch aufgestiegen. Vorläufig.

„Die Relegationsspiele haben in der Vergangenheit eigentlich immer für große Spannung und Dramatik gesorgt. Diesen zusätzlichen Spannungsfaktor wollen wir künftig einfach wieder nutzen, um die Bundesliga und 2. Bundesliga noch interessanter zu machen.“ (Holger Hieronymus, DFL-Geschäftsführer Spielbetrieb, im Jahr 2009 zur Wiedereinführung der Relegation)

Schlechte Verlierer sehen anders aus

Man sollte nun meinen, mit zwei insgesamt 17-stündigen Verhandlungen und den daraus folgenden Entscheidungen sei das letzte Wort gesprochen, zumal auch alle Beteiligten auf Seiten der Hertha besonders die Verhandlung vor dem DFB-Bundesgericht als fair und ausgewogen angesehen hatten. Irgendwann muss es auch mal gut sein. War es aber nicht. Hertha BSC Berlin konnte innerhalb des DFB noch eine dritte Instanz anrufen, nämlich das Ständige Neutrale Schiedsgericht der Lizenzvereine und Kapitalgesellschaften. Hierzu hatte der Verein zwei Wochen Zeit, nachdem ihm die Entscheidung schriftlich zugestellt worden ist. Das Urteil lag ihnen natürlich längst vor, nur die schriftliche Ausformulierung der Begründung dauerte noch bis Mitte Juni. Und da die Zweiwochenfrist tatsächlich erst ab diesem Zeitpunkt zu laufen begann, konnte die Hertha bis Anfang Juli 2012 noch in die dritte Instanz gehen.

Nun sind Hertha-Präsident Gegenbauer und sein Lieblings-Manager Preetz natürlich nicht auf den Kopf gefallen. Während Hertha-Anwalt Schickhardt noch vor der zweiten Verhandlung verkündete, damit sei für Hertha der Instanzenzug der DFB-Sportgerichtsbarkeit abgeschlossen, widersprach ihm der Mann, der seine Schecks unterschreibt, gleich mal fünf Minuten später. Das sei noch lange nicht klar. Er plane, im Falle einer zweiten Ablehnung eine Abstimmung durch die Mitglieder in der turnusmäßig am 29.05.2012 stattfindenden Mitgliederversammlung herbei zu führen, eine Abstimmung, ob die Mitglieder einen Gang in die dritte Instanz wünschten. Nachdem er auch bei der zweiten Verhandlung gescheitert war, ruderte der Präsident ein wenig zurück, denn welcher Präsident lässt sich schon gerne von Mitgliedern vorschreiben, was er zu tun hat? Plötzlich wollte er nur noch ein „Stimmungsbild“ der Mitglieder einholen, welches in die Entscheidungsfindung des Präsidiums einfließen sollte. Der kennt halt seine Mitglieder.

Und die kennen auch den Charakter ihrer Führung. Ich verweise auf einen Eintrag des Blogs immerhertha.de von just jenem 29.05.2012:

„Wetten, dass Hertha beim DFB nicht in die dritte Instanz geht?

16.30 Uhr Stichwort Hertha und der Rechtsstreit mit dem DFB wegen der Wertung für das Relegationsspiel in Düsseldorf (2:2): Mein Eindruck ist, dass der Verein noch ein wenig auf Zeit spielen wird. Manager Michael Preetz sagte heute, dass die schriftliche Begründung für das Urteil der zweiten Instanz „unter der Woche” bei Hertha eintreffen werde. Und, dass Hertha die Begründung sorgfältig prüfen wird. Zuvor wird heute Abend bei den Mitgliedern ein Meinungsbild eingeholt. Wenn ich diese Puzzlesteine zusammenlege mit dem Umstand, dass die Mannschaft seit Freitag im Urlaub weilt. Dass Luhukay heute nur und ausschließlich über die Zweite Liga und das Ziel direkte Rückkehr in die Bundesliga gesprochen hat + dem, was ich sonst im Hintergrund höre, aber nicht sagen darf – bin mir relativ sicher, dass Hertha die dritte Instanz nicht mehr anrufen wird.

Aus juristischen Gründen wird Hertha das aber nicht sofort hinausposaunen. Ein ganz anderer Nebeneffekt ist, dass Fortuna Düsseldorf seine Mannschaft immer noch unter Spannung und im Trainingsbetrieb hält. Und Probleme bei der Verpflichtung mit Neuen hat. Aber da wird sich das Mitleid in Berlin in Grenzen halten: Dass Fortunas Bundesliga-Abenteuer schon vor dem Saisonstart in Schräglage gerät.“

Exakt dies ist passiert. Das Lustige daran: dieser Blogger schrieb seinen Eintrag mehrere Stunden vor der Mitgliederversammlung. Entweder gute Quellen oder aber – wie von mir schon vermutet –, der Mann kennt seine Pappenheimer sehr gut. Und das, obwohl Präsident Gegenbauer wiederum einen Tag zuvor noch einen Offenen Brief an die Mitglieder hinsichtlich der Versammlung geschrieben hatte. Da ist von dem Relegationsspiel und einem möglichen Gang in die 3. Instanz nur am Rande die Rede, bei der Mitgliederversammlung ging es primär um Wichtigeres, nämlich um die Wiederwahl von Gegenbauer, was auch bedeutet, dass Manager Preetz weitermachen darf. Ziemlich weit unten im Offenen Brief wird das „Stimmungsbild“ hinsichtlich der 3. Instanz angekündigt, und Gegenbauer schreibt wörtlich dazu diesen schönen Satz: „Wir sind keine schlechten Verlierer.“ Denselben Satz wiederholt sein Manager Preetz am Abend bei der Versammlung wortwörtlich. Die schämen sich auch nicht dafür. Und entscheiden dann genauso, wie der Blogger es Stunden zuvor schon gewusst hat. Wenn wir schon runter gehen, dann hängen wir den Gegner noch richtig hin. Denn die Abstimmung über diese Frage ergab eindeutig, dass die Hertha-Mitglieder keinen weiteren Instanzengang wünschen. Im Gegenteil, die Herren auf dem Podium mussten sich so einiges anhören, unter anderem, dass man sich schämen müsse, für solche Spieler vor das Schiedsgericht ziehen zu wollen. Da wird sich der wiedergewählte Präsident innerlich nach der Abstimmung aber ein paar Schweißtröpfchen abgewischt haben – gut, dass er das Mitgliedervotum vor der Versammlung noch rechtzeitig von der „Entscheidung“ zum „Stimmungsbild“ degradiert hatte. Mit Jos Luhukay wurde ein neuer Trainer vorgestellt, der vom „Wiederaufstieg“ sprach, Preetz selbst sprach davon, es wurde ausdrücklich ein „Zweitliga-Etat“ vorgestellt, der übrigens von vorne herein 13 Millionen Euro neue Schulden beinhaltet, zusätzlich zu den schon vorhandenen 34 Millionen, was aber niemanden juckt, Schuldscheine mit solchen Peanuts hat man in Wowi-Town in der Schreibtischschublade rumliegen, es wurde schon diejenigen Spielernamen genannt, die den Stamm in der Zweiten Liga bilden sollen – aber dass sie nicht mehr in die 3. Instanz gehen, das sagten sie nicht. Soll Fortuna doch Spielern, die sie verpflichten wollen, erklären, warum man denen die 1. Liga im Moment nicht garantieren kann! Damit hat bei Hertha niemand ein Problem. Wo wir doch an allem Schuld sind. An ihrer schlechten Saison, zwei schlechten Relegationsspielen, eigenen Fans, die das Spiel abbrechen und das Stadion abbrennen wollen, Amok laufenden Spielern. Das Blutbad von Düsseldorf muss gesühnt werden. Nicht von denjenigen, die als Einzige zugeschlagen haben, sondern von denen, die sie völlig verdient in die 2. Liga gekickt haben.

Und da haben Gegenbauer und Preetz natürlich Recht. Selbstverständlich sind sie keine schlechten Verlierer. Schlechte Verlierer pöbeln vielleicht hinterher mal, karten nach, konzentrieren sich dann aber auf ihre nächsten Aufgaben. Da war das, was Hertha BSC abzog, qualitativ schon um Längen mieser. Und wahrscheinlich sind sie auch noch stolz darauf. Bundeshauptstadt steigt halt nicht einfach so ab.

Am 19. Juni, mehr als vier Wochen nach dem Spiel, verkündete Hertha BSC endlich, nicht in die dritte Instanz zu gehen. Man hatte das Urteil nochmals juristisch darauf prüfen lassen, ob es sich lohnen würde, weiter dagegen vorzugehen, aber selbst die Juristen räumten Hertha keine Chance ein. Da gab auch der Verein endlich klein bei und akzeptierte seinen Abstieg. Und damit unseren Aufstieg. Gut Ding will Weile haben. Die Relegation war somit an jenem 19. Juni 2012 sportlich endgültig abgeschlossen.

„Wenn wir hier nicht gewinnen, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt.“ (Rolf Rüssmann)

Marmor, Stein und Bein bricht

Am Tag nach der Mitgliederversammlung bei Hertha, am 30.05.2012, beantragte der DFB-Kontrollausschuss die entsprechenden Strafen gegen die Spieler, gegen die Ermittlungen eingeleitet worden waren: Lewan Kobiaschwili, Thomas Kraft, Christian Lell und André Mijatovic bei Berlin sowie Andreas Lambertz bei Düsseldorf
.
Für Kobiaschwili war eine Rekord-Sperre von einem Jahr vorgesehen, beginnend am 16. Mai 2012, weil er den Schiedsrichter geschlagen hatte. Er bestritt dies vehement. Für Lell gab es wegen Schiedsrichter-Beleidigung und Anspucken von Lukimya Antrag auf sechs Meisterschaftsspiele Sperre, ebenfalls wegen Schiedsrichter-Beleidigung nach Spielende für Thomas Kraft fünf Meisterschaftsspiele und für André Mijatovic deren vier. Lambertz kassierte eine Sperre von zwei Meisterschaftsspielen und eine Geldstrafe von 5.000 Euro, nachdem er nach Spielende im Stadioninnenraum inmitten feiernder Anhänger ein Bengalisches Feuer nach oben gehalten hatte. Letzteres ist wohl eher der aktuellen Hexenjagd geschuldet, die auf alles abgehalten wird, was mit Pyrotechnik zu tun hat. Aber gut, wer dann so schlau ist und sich noch in Sichtweite der Fotografen mit so einem Ding hinstellt, der hat halt Pech gehabt. Dachte sich auch unser Kapitän und akzeptierte die Strafe. Natürlich als Einziger. Bei den Berlinern konnte Anwalt Schickhardt den Ausbau des heimatlichen Wintergartens ordern, denn natürlich stimmte die Hertha den beantragten Strafen in keinem Fall zu und ging bei allen Spielern in die Einzelrichter-Verhandlungen. Drei sichere Klienten für des Anwalts Honorar-Rechnung, und alles, weil sie doch keine schlechten Verlierer sind und offenkundig an gar nichts Schuld haben. Nur drei übrigens, weil Christian Lell mit einem eigenen Anwalt gegen den Sperrantrag vorging. Es juckt einen ja in den Fingern, zu schreiben, dass wenigstens einer von dem Blutbad-Anwalt die Nase voll hatte; aber wahrscheinlicher dürfte sein, dass Lell zu diesem Zeitpunkt schon als Abgänger bei Hertha feststand und sich deshalb natürlich schlecht vom Hertha-Anwalt vertreten lassen konnte. Wie dem auch sei: Einsicht null, aber Hauptsache, wieder was zu prozessieren. Der Schickhardt wird gar nicht gewusst haben, wohin mit der ganzen Kohle.

Am 04.06.2012 kam es dann zu den bewussten Einzelrichterverhandlungen gegen die drei Hertha-Spieler. Besonders interessant natürlich das Verfahren gegen Schiri-Schläger Kobiaschwili, den „fairsten Spieler seit dem 2. Weltkrieg.“ (copyright natürlich – der Weltkrieg wurde ja erwähnt – by Otto Rehhagel, da sollte doch jetzt sogar jeder Otto-Fan gemerkt haben, dass der ganz dringend in Rente muss). Noch interessanter ist freilich, wie man beim fairsten Verein der Welt seit der Weimarer Republik, Hertha BSC Berlin, die Sachlage drei Tage vor der Verhandlung sah. Mal schnell den Berliner Kurier vom 01.06. zitiert, und die Sache ist klar:

„`Kobi schwört Stein und Bein, dass er nicht zugeschlagen hat`, betont Hertha-Präsident Werner Gegenbauer. Wer Kobiaschwili kennt, weiß, dass er ein absolut glaubwürdiger Mensch ist. Und so viel vorweg: Sollte das DFB-Sportgericht gegen den Georgier entscheiden, steht Hertha BSC genau deswegen auch voll auf seiner Seite. Eine interne Geldstrafe, die nach Roten Karten für Tätlichkeiten oft verhängt wird, wird es ziemlich wahrscheinlich nicht geben.
Nun wird der Verein Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um die Unschuld zu beweisen. Hertha-Pressesprecher Peter Bohmbach war in der Situation dabei. Bohmbach bestätigt, dass er Kobi bis in die Kabine begleitet hat. Natürlich sei Kobi aufgebracht gewesen, habe auch seinen Unmut in Richtung der Schiedsrichter geäußert. Um Wolfgang Stark tätlich anzugehen, war er aber viel zu weit von ihm entfernt.“

Der „absolut glaubwürdige Mensch“ schwor also „Stein und Bein“, dass er nicht zugeschlagen habe. Und der absolut glaubwürdige Pressesprecher Bohmbach, zuvor zumindest dadurch aufgefallen, dass er den Spieler Christian Lell aus einem Interview vor laufender Kamera weggezerrt hatte, weil der ihm da viel zu normale Aussagen machte, dieser kleine Hertha-Krapfen weiß also genau, dass Kobiaschwili gar nichts getan haben kann. Im Nachhinein wird ihm wahrscheinlich spontan eingefallen sein, dass er den Sonnenschein mal kurz aus den Augen verloren hat.

Denn irgendwer muss Mr. Stein und Bein wohl vor der Verhandlung beim DFB zumindest den Stein über die Rübe gehauen haben, so etwas soll ja das Denkvermögen manchmal überraschend erhöhen. Und das klappte, denn das erste, was Kobiaschwili bei seiner Einzelverhandlung tat, war – ein volles Geständnis abzulegen! Nix von wegen „Ich kann mich nur schwach erinnern“, „Ich sehe alles nur durch einen Nebel“ oder „Ich war unzurechnungsfähig wegen Todesangst“ – nix da, astreines Geständnis. Und das rückt nun seinen Präsidenten und seinen Pressesprecher in das Zwielicht, das man allerdings mittlerweile von Hertha gewohnt ist. Man erinnere sich daran, dass der Präsident noch in der Kabine zu Stark gesagt hatte, Steinundbeinwili sei lediglich ausgerutscht. Dann war er plötzlich gar nix gewesen. Und nun geht der Typ einfach hin und legt ein volles Geständnis ab. Aber der Präsident ist das ja schon gewohnt, was er ansonsten in dieser Affäre so von sich gab, war ja auch nur selten von der Wahrheit getrübt. Und ein Pressesprecher der so offenkundig lügt (und den Schiedsrichter damit der Falschaussage bezichtigt, aber sowas läuft bei Hertha anscheinend nebenbei), der dürfte in seinem Metier eigentlich auch nur noch dazu verwendet werden, lebenslang die Texte für das Titten-Girl des Tages bei der BILD schreiben zu müssen. Aber selbstverständlich wird auch diesem loyalen Mitarbeiter nichts geschehen. Sie sind halt alle so unschuldig und wollten nur das Beste für den Verein. Und ein Wiederholungsspiel noch obendrauf. Weil sie doch keine schlechten Verlierer sind.

Bei einigen Hertha-Fans lief dieses Geständnis selbstverständlich unter „Cleverness“, der habe nur gestanden, um die Strafe zu drücken, und dies hatte ja auch Erfolg, welch ein cleveres Bürschchen, der Kobi, ein ganz Großer! Wenn das stimmen sollte, wären sowohl der Kobi als auch sein Anwalt mit ihrem IQ allerdings tatsächlich auf Höhe dieser Fans. Denn im Gegensatz zu diesen wissen die beiden wohl ziemlich genau, dass der Schiri den Spieler zusätzlich noch wegen Körperverletzung angezeigt hat. Und in den folgenden Zivil- und Strafgerichtsprozessen braucht der mit solch einem Geständnis gar nicht mehr anzutreten, sondern kann sich direkt sein Urteil abholen. Oder aber er kann ja mal vorm Zivilgericht aussagen, das DFB-Sportgericht mit seinem Geständnis bewusst angelogen zu haben, um die Strafe niedrig zu halten. Da wünsche ich dann wirklich viel Spaß bei der Fortsetzung der Karriere. So oder so, ich kann mir nicht vorstellen, dass selbst der fairste Spieler seit der Oktoberrevolution dermaßen blöd wäre, wenn er denn tatsächlich unschuldig wäre. Das Einzige, was er mit diesem Geständnis eventuell noch erreichen kann, ist, dass der Schiri die Zivilklage fallen lässt.

Die Strafe, die Kobiaschwili erhielt, stellt zwar ein Rekordstrafmaß für die Bundesliga dar, ist meiner Meinung nach aber ein schlechter Witz: siebeneinhalb Monate Sperre, beginnend mit dem Tag des Relegationsspiels, somit endend genau am 31.12.2012. Im neuen Jahr darf der Schläger wieder Fußball spielen. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass zwischen dem Relegationsspiel und dem ersten Saisonspiel der 2. Liga in diesem Jahr ziemlich genau drei Monate Sommerpause liegen, erhält er für seinen Schlag effektiv viereinhalb Monate Sperre. Das ist nun wirklich nicht die Welt für einen, der versucht hat, den Schiedsrichter die Treppe runter zu hauen. Nachahmungstäter können jetzt schon erleichtert aufatmen. Wer soll denn mit sowas bitteschön noch abgeschreckt werden, sich mal am Schiri zu vergreifen?

Die vorherige Unschuldsbeteuerung als Selbstschutz, okay. Könnte man nachvollziehen, ebenso wie die Strafreduzierung aufgrund voller Geständigkeit, das ist Usus. Aber ein derartiger Selbstschutz, der binnen fünf Minuten vor dem Richter von „gar nix gemacht“ zu „voll geständig“ überwechselt, der hätte ruhig die mildernden Umstände ein wenig aufrechnen können. Der Schläger kam also genau mit dem blauen Auge davon, welches er dem Schiedsrichter verpassen wollte. Natürlich wird Hertha BSC den Spieler nicht feuern. Dafür brauchte einst der HSV bei einem wie Uli Stein genau einen Tag, nachdem der den Bayern-Spieler Jürgen „Kobra“ Wegmann weggeboxt hatte, selbst der MSV Duisburg feuerte unseren heutigen Trainer nach seiner Kopfnuss gegen Albert Streit nach drei Tagen, aber sowas sind ja olle Kamellen und passen daher nicht zum hippen Hauptstadtclub. Andererseits kann ich sie verstehen – noch mehr kann auch der ihr Ansehen mittlerweile nicht mehr runterziehen. Im übrigen erwarte ich das erste Beileidstelegramm, das dem fairsten Spieler seit dem Krimkrieg Mut zuspricht, von sport1-Sportskanone Thomas Herrmann, der bekanntlich schon vor jeglicher Ermittlung durch den DFB via Fernsehkamera mildernde Umstände für seinen Kobi rausholen wollte, wobei ihn bis heute die Tatsache nicht stört, gar nicht selbst im Stadion gewesen zu sein. Und spätestens im Dezember wird bei ARD oder ZDF, wahrscheinlich bei beiden, eine zehnminütige Reportage über Kobiaschwilis „geläuterte Rückkehr ins Leben“ laufen. Ich hoffe, sie denken dann auch daran, dass der fairste Spieler seit der Französischen Revolution sich auch drei Wochen nach dem Spiel noch nicht beim Schiedsrichter entschuldigt hat. Ich bezweifle allerdings, dass dies in ihrem Rührstück auftauchen wird. Bundeshauptstadt prügelt den Schiri halt im Sonderangebot.

Auch bei Kraft und Mijatovic, die lustigerweise ebenfalls voll geständig waren, wurden die Sperren entsprechend reduziert, Kraft muss viermal aussetzen, Mijatovic dreimal. Auch wenn man meinen könnte, damit seien Schiedsrichterbeleidigung und der erstmalige Versuch in der Bundesliga-Geschichte, eine Schiri-Kabine zu stürmen, gerade noch ausreichend gewürdigt worden, so sind diese Strafen allerdings in Relation zu Lambertz` zwei Spielen plus Geldstrafe ein schlechter Witz. Aber der hatte ja auch nicht prozessiert. Das können die Herthaner eh viel besser. Genauso wie lügen. Mittlerweile frage ich mich ja, ob überhaupt irgendjemand von denen in Bezug auf das Spiel irgendwann mal einen Satz gesprochen hat, der sich als absolut wahr erwiesen hat. Also alles außer „Guten Morgen!“, meine ich. Und alles wird schön unter „Wir mussten das ja probieren“ abgebucht.

Blieb noch Christian Lell, der wurde zwei Tage später zu fünf Spielen verknackt. Allerdings nicht, ohne nach guter Vereinssitte einen Tag vorher via Zeitung mit den vier großen Buchstaben alles abzustreiten und Lukimya öffentlich als Lügner zu bezeichnen. Es hätte mich wirklich schwerstens gewundert, wenn er das nicht getan hätte. Ebenso hätte mich gewundert, wenn er anschließend vor Gericht die Klappe aufbekommen hätte. Dies war nicht der Fall, was als Geständnis gewertet wurde und eine Reduzierung des Strafmaßes zur Folge hatte. Und natürlich wundert es mich auch nicht, dass sein Anwalt anschließend reingrätschte und sagte, die Aussage vor Gericht, in der er die Vorwürfe dann nicht mehr bestritten hatte, sei „kein explizites Geständnis“ und sein Mandant habe nur deshalb geschwiegen, um den Fall „aus verfahrensökonomischen Gründen“ zu beenden. Um das jetzt wieder verstehen oder auch nur glauben zu können, muss man sein Hirn derartig verbiegen, ohne entsprechende Vorschädigung scheint mir das gar nicht möglich zu sein. Oder Hertha-Spieler sein. Wobei, der Lell wird den Verein ja verlassen, vielleicht braucht Werder Bremen ja noch solch ein nettes Kerlchen für die Abwehr. Ein Defensivverbund mit Lukimya würde den zuletzt etwas farblosen Fischköppen wenigstens wieder ein wenig mehr mediale Aufmerksamkeit bescheren, da bin ich sicher.

Die Strafen für die Vereine folgten dann auch Ende Juni. Und hier zeigt sich wieder einmal, wie DFB und DFL im Gleichschritt marschieren, um den Vereinen und den ungeliebten Fans – man unterscheide streng zum „Zuschauer“ – zu zeigen, wer den Hut auf hat in Fußball-Deutschland. Der DFB verknackte Fortuna zu einer Geldstrafe in Höhe von 100.000 Euro sowie der Auflage, das erste Heimspiel der neuen Saison ohne Zuschauer auszutragen, also das so genannte „Geisterspiel“. Und die DFL ging drei Tage später hin, erstellte den Spielplan und setzte als erstes Heimspiel der Fortuna am 2. Spieltag natürlich rein zufällig – Borussia Mönchengladbach fest. Das „rein zufällig“ habe ich eben ohne Anführungszeichen geschrieben, weil es deren voller Ernst ist – die DFL meinte auf Anfrage, das sei keine Absicht gewesen. Den Düsseldorfern, die 15 Jahre auf genau dieses Spiel gewartet haben (nachdem die Kölner sich ja einem echten Derby durch Abstieg vorläufig entzogen haben), ausgerechnet dieses Spiel an jenem Spieltag reinzudrücken, von dem sie wissen, dass es ein Geisterspiel sein soll. Aus 34 Möglichkeiten exakt die eine rausholen, die so richtig weh tut, und dann behaupten, das sei Zufall – kann man sich in diesem Fußball-Land eigentlich alles ungestraft erlauben, wenn man an den Fleischtöpfen der Macht sitzt?

Könnte gut sein, dass es jetzt DFB und DFL ein wenig wehtun wird. Denn nicht Fortunen, nein – Gladbacher Fan-Clubs waren die ersten, die dazu aufriefen, zu diesem Termin trotzdem nach Düsseldorf zu kommen. Schließlich könne man nichts für die Düsseldorfer Strafe und wolle sich daher dieses Derby nicht nehmen lassen. Und wenn das immer noch nicht zum Umdenken reicht, sollten man die zuständigen Funktionäre bei der DFL an jenem Spieltag mal in der Düsseldorfer Altstadt festbinden, damit sie auch den besten Überblick haben. Was glauben die eigentlich, was abgeht, wenn die Gladbacher anreisen und nicht ins Stadion kommen und auf unsere eigenen Leute treffen, die auch nicht ins Stadion kommen? DFB und DFL werden sich sagen: da pfeifen wir drauf, alles was außerhalb des Stadions passiert, interessiert uns nicht. Unfassbar. In diesem Fall könnten sie damit aber stolpern. Wer schon zwei Monate im Voraus mit voller Absicht Krawall provoziert, bei dem könnte die Polizei hinterher eventuell auch noch einmal vorsprechen. Wenn DFB und DFL auf diese Bestrafung beharren, dann muss jetzt schon eins ganz klar gesagt werden – für alles, was dann rund um dieses Geisterspiel passiert, tragen sie, und nur sie, die volle Verantwortung. Sie hatten 33 verschiedene Möglichkeiten, dieses Spiel zu terminieren, ohne dass es Ärger gegeben hätte. Sie wählten mit voller Absicht die einzige Variante, von der sie ganz genau wissen, dass dabei nur Ärger herauskommen kann. Ja, sie wissen das ganz genau, da kann sich niemand rausreden. Denn man kann ja viel über sie sagen, aber nicht, dass sie dumm seien. Diese Spielansetzung ist eine einzige Provokation seitens des Verbandes und seiner Vermarktungsschergen (denn bitte, wer glaubt ehrlich, dass beim DFB niemand Einfluss auf die Spielgestaltung hätte, zumal in solchen Fällen?). Die sollen gefälligst auch die Folgen tragen. Es macht wirklich keinen Spaß mehr.

Fortuna hat, wie alle anderen Vereine auch, die der DFB en gros für Verfehlungen der Fans aus der letzten Saison sanktioniert hat (u.a. Hertha, Köln, Dresden, Karlsruhe) gegen die Entscheidung Widerspruch eingelegt. Die Sache ist zum Saisonende, also Stand 30.06.2012, noch nicht entschieden. Und sollte diese Provokation seitens des Verbandes bestehen bleiben, dann fällt selbst mir als friedfertigem Menschen nur noch eins ein: wer Wind sät, wird Sturm ernten. Und zwar ganz ohne „könnte“ oder „vielleicht“.

Quo vadis, Fortuna?

So, für mich ist die Relegation damit abgehakt. Man muss ja mal nach vorne schauen. Aktuell wird Fortuna Düsseldorf nach 15 Jahren Abstinenz wieder als Mitglied der 1. Bundesliga geführt. Und bei aller Freude, wenn man sieht, welche Auswirkungen dies auf den Kader hat, kann einem schon mal mulmig werden.

Maximilian Beister zurück nach Hamburg. Sascha Rösler beendete erst seine Karriere, fand dann aber, dass ein Jährchen 3. Liga in der Heimat der Lebensgefährtin noch drin sind. Sein bester Kumpel Thomas Stehle überredete ihn, noch eine Saison dranzuhängen. Der spielt in Aachen, und bei der dortigen Alemannia unterschrieb unser „Rotzlöffel“ nochmal für ein Jahr. Thomas Bröker zieht es zum 1.FC Köln, und alleine dieses Beispiel zeigt schon, was die in der 2. Liga an Summen aufrufen werden und wir in der Ersten. Bröker, der besonders zu Beginn und am Ende eine tolle Saison gespielt hat (mit einigen Hängern zwischendurch) demonstrierte dann auch gleich noch, dass er bereits zu viele Kopfbälle im Leben gemacht hat und bezeichnete den 1. FC Köln als „Herzensangelegenheit“. Das hat sich in der ruhmreichen 64-jährigen Geschichte dieses Klubs nur Christoph Daum zu sagen getraut, und dessen Kopf…naja, lassen wird das. Noch nicht einmal vom Präsidenten der Herzen Wolfgang Overath ist solch ein Spruch überliefert. Aber das soll die Leistungen von Bröker in der abgelaufenen Saison natürlich nicht schmälern. Alle drei Spieler kehren somit zu Vereinen zurück, bei denen sie schon gespielt haben (bei Beister logisch, war ja nur ausgeliehen). Und schwupp, war die Fortuna die drei besten Torschützen und Vorbereiter der Saison los. Dazu endgültig noch Assani Lukimya, der nunmehr in Bremen unterschrieben hat. Wahrscheinlich – wie in Köln zuvor – auch nur für die 1. Liga, aber dass Bremen im Nachhinein noch die Lizenz entzogen wird, halte ich für äußerst unwahrscheinlich, also diesmal wirklich: tschüss. Vier Leistungsträger der Aufstiegsmannschaft weg. Adam Matuschyk kehrt ebenfalls zum 1. FC Köln zurück. Aufstiegs-Torwart Michael Ratajczak erhielt keinen neuen Vertrag, war sich zunächst mit Asteras Tripolis in Griechenland einig, machte aber doch noch einen Rückzieher und ist somit derzeit noch ohne Verein. Der dritte Keeper, Markus Krauss, wechselt zu Drittliga-Aufsteiger Stuttgarter Kickers. Die Verträge von Ranisav Jovanovic und Sascha Dum wurden nicht verlängert, beide wurden offiziell verabschiedet, haben Stand 30. Juni noch keinen neuen Verein. Der Vertrag von Kai Schwertfeger (seit der F-Jugend bei Fortuna!) wurde vorzeitig aufgelöst, der Spieler hatte in der abgelaufenen Saison nur noch bei Fortuna II in der Regionalliga West gespielt. Er wechselte gemeinsam mit Sascha Rösler nach Aachen in die 3. Liga. Ganz schön viel Personalwechsel. Es verdeutlicht aber, dass die Fortuna-Führung eh einen Personalschnitt für 2012 geplant hatte. Viele Verträge und alle Leihen liefen nur bis zu diesem Jahr, und hätten nicht Andreas Lambertz und Jens Langeneke während der Saison bereits verlängert, wären diese Personalien auch noch offen gewesen. So gesehen dürfte klar sein, dass der Aufstieg eigentlich zu früh gekommen ist. Aber deshalb nehmen wir ihn natürlich trotzdem, auch wenn es – nicht zuletzt dank des sportlichen Verhaltens des letzten Zweitliga-Neulings der kommenden Saison – jetzt noch etwas schwieriger wird.

An Neuzugängen stehen bis jetzt zumeist Nachwuchsspieler und Leute, die sich noch konstant beweisen müssen. Immerhin wurde man sich bei Wadenbeißer Tobias Levels mit Gladbach einig, aus der Leihe wurde eine Verpflichtung. Dani Schahin von Greuther Fürth für den Sturm, Ivan Paurevic von Borussia Dortmund II fürs Mittelfeld. Fabian Giefer von Bayer Leverkusen für das Tor. Leon Balogun von Drittliga-Absteiger Werder Bremen II für die Abwehr. Der 21-jährige André Fomitschow vom VfL Wolfsburg II fürs Mittelfeld. Dann mit Bruno Soares vom MSV Duisburg wenigstens einer mit Zweitliga-Stammplatz. Hoffentlich schlägt er so ein wie Bodzek und nicht wie vor zwei Jahren Tiago, beide vom selben Klub. Und natürlich die beiden, auf die man große Hoffnungen setzt: Ronny Garbuschewski vom Drittligisten Chemnitzer FC, in der abgelaufenen Saison einer der besten Drittliga-Spieler, ein Dampfmacher über rechts, der auch ein guter Standard-Schütze ist. Zweitliga-tauglich ist er auf alle Fälle, hoffentlich langt es auch zu mehr. Und natürlich Axel Bellinghausen, der verlorene Sohn, der heimkehrt und die linke Seite glücklich machen soll. Er bringt noch Nando Rafael mit, den Stürmer, der bei Hertha und Mönchengladbach auch schon Erste Liga gespielt hat, zuletzt beim FC Augsburg verletzungsbedingt aber kaum noch zum Einsatz kam und somit quasi als unbeschriebenes Blatt wieder beginnen muss. Weiter noch Du-Ri Cha, den man von Celtic Glasgow in die Bundesliga zurückholt. Ich hoffe, er spielt so gut wie er in den koreanischen Werbevideos, die von ihm im Internet kursieren, grinst, dann kann eigentlich nix passieren. Gerrit Wegkamp, 20-jähriges Talent vom VfL Osnabrück, wird auch noch kommen. Und das bei einem Aufsteiger…wenn man sich das derzeitige Personal so beguckt und sich vorstellt, dass die demnächst gegen Bayern, Dortmund, Schalke antreten sollen…ja, da wird es einem flau.

Aber was soll`s? Schließlich beginnt die Saison erst am 24.08.2012. Und die Transferliste ist gar noch bis 31.08. offen. Ich bin sicher, dass wir mit einer schlagkräftigen Truppe antreten werden. Trainer und Manager haben auch in den vergangenen Jahren mit erheblich weniger finanzieller Masse ihre Hausaufgaben gemacht. Klar sind wir Abstiegskandidat Nummer Eins, das wären wir so oder so, auch ohne unsere Kaderschwierigkeiten. Für unsere in den letzten zwei, drei Jahren neu gewonnenen Fans wird es wahrscheinlich sehr erstaunlich sein, wie oft man in einer Saison verlieren kann, denn das letzte Mal, dass wir auf einem zweistelligen Tabellenplatz landeten, ist auch schon eine Weile her, 2007 waren wir Zehnter in der Regionalliga Nord. Seitdem haben wir immer einstellig mitgespielt. Davon würde ich in der kommenden Saison erst einmal nicht ausgehen.

Ich persönlich werde die kommende Saison genießen, und wenn wir zehnmal einen auf Tasmania Düsseldorf machen sollten. Diese Saison ist eine Zugabe für all diejenigen, die in den letzten 10 bis 15 Jahren ständig am Start waren. Sie war noch nicht geplant, auch von der Führung offenkundig nicht, aber wir sagen jetzt nicht: „Da haben wir den Salat!“ Sondern „Wo kann man denn hier Nachschlag kriegen?“ Also: wir haben keine Gegner mehr, schickt uns Bayern München her! Und zwar umgehend.

Ich bin in den letzten Tagen schon häufig darauf angesprochen worden, dass wir keine Chance haben, dass es in dieser Saison nur auf die Mütze geben wird und wir umgehend wieder absteigen werden. Könnte stimmen. Interessiert mich allerdings nicht, weshalb all die selbsternannten Wissensträger von mir auch dieselbe Antwort kriegen: was mich am meisten an diesem Aufstieg stört, sind nicht die Umstände der Relegation, ist auch nicht die Aussicht, Kanonenfutter zu spielen – nein, was mich am meisten stört, ist, dass uns Bibiana Steinhaus nicht mehr pfeifen darf. Aber ich bin sicher, sie wird den Aufstieg auch noch schaffen. We`ll meet again some sunny day.

Danke

So, Freunde, damit sind wir durch. Und ich auch. Nach zehn Jahren darf ich Danke sagen. An all diejenigen, die hier mitgelesen haben. Egal, ob regelmäßig oder nur ab und zu. Die geflucht haben, dass dieser Depp in den letzten Jahren konsequent kein einziges Bild eingestellt hat, weil er keine Lust hatte, sich vor dem nächsten Bericht stundenlang um irgendwelche Rechte zu kümmern. Die sich todesmutig dennoch durch die Bleiwüste meiner Worte gekämpft haben. Ich hab`s nicht gezählt – könnte ich jetzt als „Berichts“-Rentner eigentlich mal machen, vielleicht auch ein Job für Otto Rehhagel –, aber überschlagsmäßig müssten allein für zehn Jahre Berichterstattung über Fortuna locker 1.000 DIN A 4-Seiten rumgekommen sein. Sollte jemand sie tatsächlich alle ausgedruckt und ein anderes Ergebnis raus haben, lasst es mich wissen. Ich danke allen, die mir Mails geschrieben haben, allen, die mich auf Fehler hingewiesen haben und natürlich allen, die mich gelobt haben. Das hat mich ehrlich immer gefreut, denn auf solch einer simplen Seite wie dieser, ohne Forum, ohne Chat, ohne Twitter und ohne „Gefällt mir“-Buttons ist das Feedback natürlich eher schmal. Dies war bewusst so angelegt. Ich wollte einfach aus meiner Sicht berichten, wie ich die Spiele gesehen habe, was mich dabei bewegt hat und was ich so alles drumherum erleben konnte, denn Fußballspiele – gerade Auswärtsspiele – sind für mich weiterhin mehr als nur 90 Minuten. Und das musste ich mir dann nicht mit irgendwelchen Einzeilern gelangweilter Leute anderer Vereine kaputt schreiben lassen. Diesbezüglich war es somit herrlich ruhig in den letzten zehn Jahren. Ich hätte nichts gegen negative Kritiken gehabt, so sie denn fundiert gewesen wären; leider ist dies in Foren, Chats usw. nur äußerst selten der Fall, und dazu hatte ich keine Lust. Wenn wirklich jemand etwas zu beanstanden hatte, was durchaus vorgekommen ist, dann haben wir das gütlich per Mail ausgetauscht. Es war halt nur eine Darstellung meiner Fußball-Welt, ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Und vor allem ohne Social Media-Touch, wo jeder alles mit jedem teilt. Denn wie soll das auch gehen, wenn alles hier meins ist? Meine Erlebnisse, meine Erinnerungen? Die kann ich mitteilen, aber nicht teilen. Meine Auffassung, auch hier wieder.

Bevor ich allzu sentimental werde, bedanke ich mich lieber noch einmal herzlich. Und auch bei diesem letzten Aufzug setze ich natürlich wieder meine vielleicht etwas krude Denkweise durch. Nicht umsonst habe ich den Dank mitten in den Text und nicht ganz ans Ende platziert (also freut euch oder stöhnt, gleich kommt noch was) sowie im Inhaltsverzeichnis „vergessen“. Alle, die wieder einmal bis hierher durchgehalten haben, wissen somit, dass zuallererst sie gemeint sind, wenn sie meinen Dank hier lesen.

Persönlich werden kann ich auch noch. Ich danke somit besonders Jörg Rossberg und Frank Fischer, die diese Seite all die Jahre hochgehalten und mich unterstützt haben. Ohne diese beiden hättet ihr schon vor Jahren hier nichts mehr lesen können. Und ohne die beste Fahrerin, der Welt, Helma Dirks, hätte ich zu vielen Partien, besonders auswärts, nur einen Dreizeiler anhand der Fernsehaufzeichnung absetzen können. Es mag jeder für sich selbst entscheiden, ob dies für ihn ein Unglück oder ein Segen gewesen wäre.

Und ich danke natürlich auch noch dem besten Verein der Welt, Fortuna Düsseldorf, der mich über all die Jahre trotzig immer auf seiner offiziellen Website verlinkt hatte, obwohl sich der regelmäßige Leser erinnern mag, dass ich auch in dieser Hinsicht nicht immer Nettigkeiten abgesondert habe. Das war aber nie ein Problem.

Ich werde euch gleich noch ein paar Vereine um die Ohren hauen. Über grob geschätzt 90% der genannten Clubs konntet ihr hier einiges nachlesen. Der Rest fehlt auf diesen Seiten, weil ich ja erst im Oberliga-Nirwana von 2002 mit der Berichterstattung begonnen habe. Ob das alles immer so richtig war, was ich über andere Vereine so abgelassen habe, darf vom Leser getrost bezweifelt werden, dagegen hab ich nix. Allerdings habe ich mich stets bemüht, meine Meinung auf so vielen Fakten wie möglich beruhen zu lassen.

So, nun ist es aber gut. Ich bin sicher, man sieht sich irgendwann. Entweder im Netz oder in der Realität. Der Letzte macht das Licht aus, und auf dieser Seite bin sowohl das Letzte als auch der Letzte selbstverständlich ich. Gute Nacht, John-Boy. Und zum Einschlafen gibt es noch ein bisschen Schäfchen zählen. Ende, aus, Applaus.

95 Meilensteine bis zur Rückkehr

Nun sind wir also wieder da, wo jeder Verein nach Meinung seiner Fans unbedingt hingehört: in der 1. Bundesliga. 15 Jahre hat es gedauert. Am 31.05.1997 spielten wir 1:1 gegen den Hamburger SV. Bei uns führten solche Granaten wie Holgi Fach, Ulf Mehlhorn oder Thorsten Walter die Fortuna in die 2. Bundesliga, beim HSV stümperten sich Leute wie Dirk Weetendorf, Uwe Jähnig oder Andreas Fischer ins Saisonende. Eine Woche später verlor Lothar Matthäus sein Kapitänsamt beim FC Bayern München, weil er sich ein etwas zu selbstherrliches „Tagebuch“ hatte zusammenschreiben lassen, eine weitere Woche später wurde der VfB Stuttgart DFB-Pokalsieger durch ein 2:0 über – kein Witz – Zweitliga-Aufsteiger Energie Cottbus. Selbst Lady Di war noch am Leben.

Seit damals haben wir darauf gewartet, wieder in der 1. Bundesliga spielen zu können. So manch bekannten wie unbekannten Verein haben wir seither bespielt, es war manchmal toll, ab und zu mal langweilig, und besonders in den ersten Jahren meist enttäuschend. 2. Bundesliga, Regionalliga West/Südwest, Regionalliga Nord, Oberliga Nordrhein, Regionalliga Nord, 3. Liga, 2. Bundesliga hießen die Stationen bis zur Wiederkehr. Und da lasse ich mich zum Abschluss natürlich nicht lumpen. Hier sind sie – alle Vereine bzw. Teams, gegen die wir in Meisterschaftsspielen nach dem 31.05.1997 um Punkte und Tore gespielt und die wir zur neuen Saison somit hinter uns gelassen haben. Egal, ob wir vor 1997 schon mal gegen sie gespielt hatten, und egal, wie oft oder selten wir sie seitdem bis heute hatten. Ich liste sie alle auf, mit Ausnahme unserer jetzigen Mitstreiter in der 1. Bundesliga. Deshalb fehlen in der Aufstellung beispielsweise Vereine wie Greuther Fürth oder Eintracht Frankfurt, auch wenn wir in diesen 15 Jahren mehrfach gegen beide gespielt haben. Manchmal sogar mit „Methode“. Aber die haben wir für die kommende Saison ja auch nicht hinter uns gelassen, also keine Nennung. Und noch eine Anmerkung zur Auflistung: sie ist chronologisch von 1997 bis heute, deshalb können darin auch Vereine vorkommen, bei denen zuerst die Zweitmannschaft auftaucht. Davon also bitte nicht verwirren lassen. Ich hoffe sehr, keinen vergessen zu haben. Mir würde etwas fehlen, ganz ehrlich.

Diese Vereine und Mannschaften pflastern unseren Weg zurück in die 1. Bundesliga: FC St. Pauli, FC Gütersloh, Fortuna Köln, FC Energie Cottbus, SpVgg Unterhaching, Stuttgarter Kickers, KFC Uerdingen 05, SG Wattenscheid 09, VfB Leipzig, FC Carl Zeiss Jena, FSV Zwickau, SV Meppen, Arminia Bielefeld, SSV Ulm 1846, Karlsruher SC, Tennis Borussia Berlin, 1.FC Köln, Rot-Weiß Oberhausen, 1.FC Saarbrücken, LR Ahlen, Sportfreunde Siegen, Eintracht Trier, Rot-Weiss Essen, Preußen Münster, SC Verl, Borussia Dortmund II, SV Elversberg, SC Paderborn 07, 1.FC Kaiserslautern II, VfL Bochum II, Bayer Leverkusen II, FK Pirmasens, SC 07 Idar-Oberstein, FSV Salmrohr, 1.FC Union Berlin, SV Babelsberg 03, VfB Lübeck, FC Erzgebirge Aue, Eintracht Braunschweig, Dresdner SC, SV Wilhelmshaven, FC Sachsen Leipzig, SV Werder Bremen II, Lüneburger SK, Chemnitzer FC, VfL Osnabrück, 1.FC Magdeburg, Holstein Kiel, Wuppertaler SV, Borussia Mönchengladbach II, SSVg Velbert 02, SV Adler Osterfeld, SV Borussia Wuppertal, Schwarz-Weiß Essen, GFC 09 Düren, SCB Viktoria Köln, Bonner SC, Germania Ratingen 04/19, 1.FC Union Solingen, Borussia Freialdenhoven, Alemannia Aachen II, MSV Duisburg II, Rheydter SV, Yurdumspor Köln, 1.FC Kleve, Bergisch Gladbach 09, Wuppertaler SV Borussia (Fusion aus Wuppertaler SV und Borussia Wuppertal), Hamburger SV II, 1. FC Köln II, Hertha BSC II, VfL Wolfsburg II, Arminia Bielefeld II, Kickers Emden, Rot-Weiß Erfurt, Dynamo Dresden, RW Ahlen (Neugründung aus LR Ahlen), Energie Cottbus II, Bayern München II, Kickers Offenbach, SV Sandhausen, VfB Stuttgart II, Jahn Regensburg, Wacker Burghausen, VfR Aalen, 1.FC Kaiserslautern, FC Augsburg, MSV Duisburg, TSV 1860 München, Alemannia Aachen, FSV Frankfurt, Hansa Rostock, TuS Koblenz, Hertha BSC Berlin, VfL Bochum, FC Ingolstadt 04.

Jeder Name mindestens 180 Minuten Kampf und Leidenschaft, zumindest auf der Tribüne (die Auflistung enthält allerdings einen Verein, gegen den wir nur ein einziges Meisterschaftsspiel gespielt haben; wer weiß, welcher dies war, gewinnt zwar nichts außer Ruhm und Anerkennung, kann es mir aber trotzdem mitteilen). Ganze Wogen der Erinnerung, wenn man die Gesamtheit betrachtet. Was haben wir dabei nicht alles erlebt, auf dem Platz, auf den Tribünen, auf den Straßen, mit der Deutschen Bahn! Und während dieser ganzen Zeit, in der wir alle diese Vereine bespielt haben, egal wie oft, verloren, gewonnen, die Punkte geteilt, abgestiegen, aufgestiegen, im Mittelfeld versumpft, während all dieser Jahre – hat immer Bayern München gegen Borussia Dortmund gegen Schalke 04 gegen VfL Wolfsburg gegen VfB Stuttgart gegen Bayer Leverkusen gespielt. 15 Jahre hintereinander, immer wieder. Soviel Abwechslung wie in der „Champions“ League. Ganz ehrlich? Unser Weg war steiniger, trauriger, ätzender, hoffnungsloser, bankrotter – aber er war abenteuerlicher. Und auch wenn ich oft geflucht und den Glauben an Verein, Fußballgott und Stadionwürste verloren habe – es war halt immer Fortuna. Da weiß man noch, was man zu erwarten hat: alles und nichts. Und das ist doch irgendwie Fußball, oder? Dass man vorher nicht weiß, wie es hinterher ausgehen könnte, in allen Belangen. Für mich jedenfalls schon.

Macht`s gut!
janus

Und immer daran denken: Fortuna Düsseldorf – Alles Andere ist (nur) Fußball!

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