33.-34. Spieltag

Nur in Greuth: Osterschwalben

Der Punkt, der eigentlich ein Witz war

Letztes Spiel – vorerst

Acht Minuten Rock’n’Roll

Szenen aus einer anderen Dimension?

Entspannt der Relegation entgegen
Hallo liebe Fortunen und andere Optimisten!

Vor dem großen Finale der Super-Relegation gegen Hertha BSC Berlin arbeite ich nochmal kurz auf und liefere die letzten beiden „regulären“ Spieltage der Saison 2011/12 nach. Es gab zwar nur zwei Unentschieden, ein geschenktes und ein hochverdientes, aber die reichten für Platz 3. Und gerade beim Spiel gegen Fürth war ja so einiges los. Hier also das Update vom Saisonfinale – Verlängerung folgt!

Am 29.04.2012 reiste die Fortuna zum vorletzten Saisonspiel. Ausgerechnet zum bereits feststehenden Aufsteiger Greuther Fürth ging die Fahrt. Die Fürther waren zwei Wochen zuvor schon aufgestiegen, im Vereinsheim sitzend, als wir unser Montagsspiel in Dresden verloren. In der Woche darauf hatten sie ein Auswärtsspiel beim FSV Frankfurt. Das Heimspiel gegen uns war also deren Gelegenheit für die große Aufstiegssause. Das wollte man sich selbstverständlich nicht mit einer Heimniederlage kaputt machen. Außerdem hatte Trainer Mike Büskens als weiteres Ziel nunmehr die Zweitliga-Meisterschaft ausgegeben, und da man punktgleich mit Eintracht Frankfurt an der Tabellenspitze stand, wäre es bei dieser Zielsetzung natürlich nicht schlecht, die beiden restlichen Spiele zu gewinnen. Auf lustloses Rumgebolze der Hausherren durfte Fortuna somit nicht hoffen, die würden richtig Gas geben. Zumal wir auch dort alles Andere als so richtig beliebt waren. Womit wir bei der Vorgeschichte wären, sogar mit Vor-Vorgeschichte.

Nur in Greuth: Osterschwalben

Es stellte sich nämlich heraus, dass irgendjemand auf der Geschäftsstelle von Greuther Fürth schon vor Monaten richtig viel Humor gehabt hatte. Dort hing nämlich bereits seit Dezember ein Plakat mit der Aufschrift „Eine Schwalbe macht noch keinen Aufstieg“, darunter ein stilisiertes Bild eines Spielers, der sich am Boden wälzt, recht eindeutig erkennbar als Maximilian Beister. „Gegen blöde Dummlaller und lästige Umfaller“ stand noch drauf geschrieben, zweifellos war ein kreativer Poet am Werk. Und wer da noch Zweifel gehegt haben mag, dessen Bedenken wurden ausgeräumt durch ein in mehrere Teile zerbrochenes Fortuna-Logo, welches auch noch liebevoll in das Bild eingefügt worden war. Untertitelt war das Ganze mit „Willkommen in der Reklamations-Abteilung der 2. Liga.“ Furchtbar witzig, wirklich. Und wenn sich irgendein kleiner Fan damit mal abreagiert hätte, mein Gott, dann ist es halt so. Bei dem sympathischen, netten Verein SpVgg Greuther Fürth hing das Teil jedoch monatelang auf der Geschäftsstelle.

Nun kommt der zweite Part der Story. Die SpVgg Greuther Fürth hatte zu Beginn des Jahres eine so genannte „Vierer-Kette“ aufgelegt. Das bedeutet, sie boten die Karten für ihre letzten vier Heimspiele in einem Package an, für 86 Euro. Da auch ein permanenter Aufstiegsplatz in der Rückrunde sowie ein recht kleines Stadion mit 15.500 Plätzen nicht ausreichte, um solch ein Angebot bei den Einheimischen ruckzuck auszuverkaufen, deckten sich reichlich Fortuna-Fans mit der Vierer-Kette ein, um wenigstens die darin enthaltene Karte für das Heimspiel gegen Fortuna nutzen zu können. Schließlich stand zu befürchten, dass das knappe Gäste-Kontingent von 1.500 Karten nicht ausreichen würde, um die komplette Nachfrage aus Düsseldorf für dieses wichtige Spiel zu decken. Und wie gesagt, es war kein Problem, an diese Karten zu kommen, da die Einheimischen sich offenkundig immer noch nicht so richtig für ihren sympathischen, netten Verein interessierten.

Nun saßen also mehrere Hundert Fortuna-Fans auf Tickets für die Heimspiele der Greuther gegen Karlsruhe, Cottbus und St. Pauli, die nun wirklich kein Schwein interessierten. Wichtig war nur die Karte für das Fortuna-Spiel, für das man somit 86 Euro bezahlt hatte. Nun musste man die drei anderen Tickets noch loswerden. Mit St. Pauli war dies für die meisten Käufer kein Problem, die nicht-etablierten Kommerzkultler lassen sich immer gut verkaufen. Und für die anderen beiden Karten hatte ein Mitglied des Fortuna-Forums eine Idee. Er schlug vor, dass die Fans die nicht benötigten Karten der Geschäftsstelle der Greuther zurück spenden sollten, sodass diese die Tickets an bedürftige Familien verschenken könne, um denen einen kostenlosen Stadionbesuch zu ermöglichen. Besonders wurde hierbei an das Cottbus-Spiel gedacht, da dieses am Osterwochenende stattfand, sodass die Aktion unter dem Stichwort „Ostergeschenk für bedürftige Kinder in Fürth“ fiel. „Kinder“ deshalb, weil die Greuther Geschäftsstelle auf Anfrage erklärte, man sei von der Idee sehr angetan, und da man gute Kontakte zu einem örtlichen Kinderheim habe, sei die Verteilung der Karten auch kein Problem.

So geschah es denn auch. Hunderte Fortuna-Fans spendeten ihre Tickets für das Cottbus-Spiel, aber teilweise auch für die Partie gegen Karlsruhe, an die Greuther Geschäftsstelle, die sie dann weiterverteilte. Eine schöne Sache, schnell und unbürokratisch von beiden Seiten angestoßen und durchgeführt. Derjenige Fan, der die Idee gehabt und seine Karten als Erster gespendet hatte, erhielt sogar ein Dankesschreiben der Geschäftsstelle, auf dem auch alle Greuther Spieler unterschrieben hatten. Und inmitten all dieser Nettigkeiten dachte man bei diesem sympathischen, netten Verein nicht daran, dieses humoristisch einwandfreie Plakat mal abzunehmen. Klar, wenn Fortuna-Fans spenden heißt das ja noch lange nicht, dass die Mannschaft nicht doch aus Schwalbenkönigen besteht. Unglaublich. Das mag ja für den einen oder anderen ein lustiger Gag sein, für mich jedoch nicht, schon eher mal wieder eine lustige Verunglimpfung, anscheinend abgeguckt von großen Vorbildern. Denn wie sehr sich so etwas in den Köpfen gegnerischer Fans festsetzt, durften die Spieler nach der Frankfurt-Kampagne ja schon am eigenen Leib erfahren. Da wird man angerotzt und weggetreten, der gegnerische Pöbel jubelt und verteilt virtuell Bestnoten und Liebeserklärungen an die fairen Sportsleute. Und bei den Greuthern war es dann wohl so, dass nicht nur deren Fans, sondern auch die Herrschaften der Geschäftsstelle meinten, so ein bisschen Provokation schade doch niemanden, es sei doch lustig. Und die das Teil auch dann noch hängen ließen, als sie aufgrund einer Initiative der Fortuna-Fans für ein paar leuchtende Kinderaugen sorgen konnten. Ihr meint, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun? Dann liebe Leser, vergesst den gesamten Abschnitt. Sorry for jammering, es war auch nicht so wichtig, wen interessiert noch Anstand heutzutage. Trotzdem bitte beide Komponenten der Geschichte, Schwalbenvorwürfe und Ostergeschenk, rudimentär im Gedächtnis behalten, dazu kommt später noch etwas.

Der Punkt, der eigentlich ein Witz war

Mit dem allerletzten Aufgebot holte Fortuna ein 1:1 beim Aufsteiger Greuther Fürth und verteidigte damit vor dem letzten Spieltag Platz 3 in der Tabelle. Es war ein toller Ausflug ins Frankenland, was allerdings eher an dem Samstag lag, den wir in Nürnberg verbrachten und bei bestem Wetter die Altstadt erkundeten. Es war so richtig ein Tag für’s Bummeln und Sightseeing, und wir nutzten es gnadenlos aus. Verdammt, wir fuhren sogar mit einem Miniaturbus mit zwei angehängten Personenwaggons eine Runde durch die Altstadt und sprengten im hinteren Abteil eine Rentner-Brigade, die dachte, sie hätten einen Waggon für sich alleine. Aber nicht mit uns! Wir quälten uns zur beeindruckenden Burg hinauf, bei 29 Grad im Schatten, wir speisten in der „ältesten Bratwurst-Küche der Welt“ in der Zirkelschmiedsgasse, und wir wanderten gerade an einer Einkaufsstraße entlang, als aus dem Flachbildschirm der sky-Kneipe, die wir grad passierten, das hysterische Geschrei des Reporters drang: „Tor in Freibug, Tor in Freiburg!“, nur um gleich darauf das 1:0 des SC gegen den 1.FC Köln auf dem Bürgersteig bewundern zu dürfen, der Auftakt zum 4:1-Sieg der Breisgauer. Kurzum, wir hatten einen Heidenspaß, und ich kann die Nürnberger Altstadt nur jedem erneut empfehlen, sie ist wirklich sehr beeindruckend. Das war der bereits erwähnte tolle Ausflug.

Leider gab es am Tag danach ja noch dieses Fußballspiel in der Nachbarschaft. Was heißt „leider“, schließlich holten wir ja den ersehnten und so wichtigen Punkt. Aber die Umstände…Es war wahrscheinlich eins das unverdientesten Unentschieden der jüngeren Fortuna-Geschichte. Nach gutem Beginn und zwei kleineren Chancen für die Gäste wurde die Fortuna zwischen der 15. und 60. Minute vom Gastgeber förmlich überrollt. Eigentlich musste man zur Pause schon uneinholbar zurück liegen. In dieser Phase konnte man ganz genau sehen, warum die einen schon aufgestiegen waren und die anderen sich mühsam ins Ziel schleppen mussten. Es war ein Klassenunterschied sichtbar. Mit schnellen Kombinationen überfielen die Greuther ein ums andere Mal unsere behäbige Abwehr, spielten diversen überforderten Gästespielern Knoten in die Beine und brachten einen Ball nach dem anderen gefährlich aufs Tor. An diesem Tag wurde die Fortuna endlich mal wieder ihrem Namen gerecht, der würde ja auch seit 117 Jahren keinen Sinn machen, wenn nicht ab und zu etwas vom Ruhme einer Glücksgöttin auf uns abfärben würden. Alleine dreimal trafen die Gastgeber Pfosten und Latte. Dickstes Ding sicherlich der Ball, den Gerald Asamoah aus fünf Metern Entfernung nach Hereingabe von links frei vor dem leeren Tor an die Unterkante der Latte setzte. Unfassbar. Nachdem der Ball doch recht deutlich auf und nicht hinter der Torlinie gelandet war, wurde er zur Ecke geklärt. Den anschließenden Eckball nickte Thomas Kleine an den Pfosten. Dann scheiterte Asamoah gleich zweimal binnen fünf Sekunden, erst an Rösler auf der Torlinie, im Nachschuss an Torwart Ratajczak. Schuss auf Schuss kam auf das Fortuna-Tor, und irgendwann konnte auch Ratajczak nix mehr machen. Nach einer gechipten Flanke von rechts innerhalb des Strafraums durch Sararer nickte Christopher Nöthe in der 35. Minute zum 1:0 für Greuth ein. Verdienter ist noch nie ein Team in Führung gegangen, so mein Eindruck. Dass es bis zur Pause beim 0:1 aus Fortuna-Sicht blieb, war der blanke Hohn. Eine Vorführung, eine Demontage ersten Grades.

Zwei interessante Personalien habe ich genannt. Die eine ist Sascha Rösler, wieder mal geliebt von den gegnerischen Fans und von deren Spielern dann auch ebenso behandelt, denn seit den Lobeshymnen der St. Paulianer und Unioner auf rotzende und tretende Spieler weiß man ja, was man tun muss, um Fan-Liebling zu werden: In der 16. Minute, also zu einer Zeit, als es wirklich in die entscheidende Phase ging, in Höhe des Mittelkreises, also auch wirklich an gefährlicher Stelle, trat Stephan Fürstner das Freiwild Sascha Rösler gepflegt von hinten um, schön aufs Sprunggelenk, der Ball war nicht ansatzweise in der Nähe. Reaktion im Fürther Fan-Block: Jubel und Beifallsbekundungen. Die hatten sich ihre Vorbilder schon gut gewählt, die Szene war nahezu identisch zur lockeren Stollenrasur, die der Unioner Göhlert in der Vorwoche Maxi Beister hatte angedeihen lassen. Was die Folgen betraf, übrigens auch: Gelb für Fürstner, Rösler spielte noch ein bisschen weiter, rettete sogar noch auf der eigenen Torlinie, und durfte sich anschließend nach nur 30 Minuten verabschieden, für ihn kam Jovanovic. Wieder einen unter Applaus rausgetreten, diesmal aber nicht von den bekannt raubeinigen Stadionheimwerkern aus Berlin, sondern vom sympathischen, netten Greuther Fürth. Wie ist das eigentlich, wenn man so wenig Eigenes hat, dass man sich auch noch solche Szenen bei Anderen abgucken muss?

Ach ja, und da war noch Michael Ratajczak. Der konnte mehrfach Greuther Großchancen reaktionsschnell zunichte machen und die Fortuna damit im Rennen halten. Der kicker kürte ihn sogar zum „Mann des Spiels“. Dabei hätte der anstelle des Herrn Fürstner eigentlich allen Grund gehabt, mal einfach ein paar Gegenspieler umzuklatschen. In der Woche vor dem Spiel war nämlich die Nachricht in die Presse gekommen, dass Fortuna dem Leverkusener Keeper Fabian Giefer ein Angebot für die kommende Saison gemacht habe, das dieser wohl nicht abgeneigt betrachtet hatte. Da Ratajczak aktuell nur im Tor steht, weil Robert Almer verletzt ist, konnte er sich nach dieser Nachricht an den fünf Fingern seiner Torwarthandschuhe abzählen, welcher Keeper für die nächste Saison wohl keinen neuen Vertrag bei der Fortuna erhalten wird. Und genau mit diesem Torwart musste man jetzt in die entscheidenden Spiele. Eine etwas delikate Nachricht zu diesem Zeitpunkt, ich wüsste nur zu gerne, wer dafür verantwortlich war.

Mit ein Grund dafür, dass man sich dermaßen platt machen ließ, war die mittlerweile doch etwas unheimliche Verletzungsmisere in der Abwehr. Mit Torwart Robert Almer, Jens Langeneke, Johannes van den Bergh, Kai Schwertfeger und kurzfristig auch noch Sascha Dum, den man zur Not auch linker Verteidiger spielen lassen kann, fielen gleich fünf Defensive komplett aus, man hatte inklusive Ersatzspieler nur noch 17 Kicker anstelle der erlaubten 18 aufzubieten – wie übrigens schon eine Woche zuvor gegen Union Berlin. Auf der Reservebank saß nicht ein einziger Abwehrspieler! So konnte man auf das Chaos auf dem Platz nicht reagieren, sondern nur hoffen, dass es glimpflich ausging. Und mit dem „nur 0:1“ zur Pause konnte man wirklich sagen, dass dies gelungen war…

In der zweiten Hälfte blieb zunächst alles beim Alten, die Fürther vergaben Chancen wie die Großen. Als Nöthe in der 52. Minute mit einem Schuss, in den sich Lukimya geworfen und abgefälscht hatte, wieder nur den Pfosten traf, schien langsam klar, dass es nur noch Minuten bis zum zweiten Gegentreffer dauern würde, und der hätte die Sache endgültig entschieden. Eine glasklare Angelegenheit.

Nach genau einer Stunde trat Ken Ilsø halbrechts zum Freistoß an, circa 20 Meter vor dem Tor, bei einer der wenigen Entlastungsangriffe der Fortuna waren sie durch ein Foul gestoppt worden. Sah alles ganz normal aus, Ilsø stellte sich so hin, dass er mit rechts schießen würde, und im Strafraum fanden die üblichen Pärchen zueinander. Eine Flanke also. Als aber alle mit dieser Flanke rechneten, zirkelte der Däne den Ball rechts um die Mauer aufs kurze Eck und traf genau in den Winkel. Greuth-Keeper Max Grün flog direkt hinterher, konnte den Treffer aber nicht mehr verhindern. Ausgleich aus dem Nichts, durch ein Traumtor! Natürlich war das nicht verdient, aber wen interessiert das schon? Dass man sich nicht wundern muss, dass es hinten einschlägt, wenn man vorne beste Möglichkeiten nicht nutzt, das kennen wir schließlich selbst zur Genüge. Greuth war geschockt, und Fortuna kam immer besser ins Spiel. Die Gastgeber wirkten nun langsam müde, erst recht nach Gelb/Rot für Fürstner in der 82. Minute. Dass der sich noch darüber beschwerte, war wirklich eine Frechheit, zeigte aber, dass anderer Leute Kinder auch toll reklamieren können. Ich hatte eigentlich gedacht, diese Tätigkeit sei ausnahmslos Sascha Rösler vorbehalten. Diese Unschuldslämmer können das aber anscheinend auch. Anschließend beschränkten sich die Greuther darauf, das Unentschieden über die Zeit zu bringen, zumal Eintracht Frankfurt von der rätselhaften Krankheit befallen wurde, die alle „großen“ Mannschaften befällt, wenn deren Aufstieg feststeht, sie haben keine Lust mehr und verlieren einfach. Der 1. FC Köln hat dies bei vier vorzeitigen Aufstiegen aus der 2. Liga bereits viermal beispielhaft vorexerziert. So reichte Fürth das Unentschieden, um die Tabellenführung zu übernehmen und am letzten Spieltag aus eigener Kraft Meister zu werden. Ein Fortuna-Siegtreffer war in der Schlussphase tatsächlich noch möglich. Wäre natürlich ein Witz gewesen, hätte ich aber auch noch genommen.

Der Heimverein hatte einige lustige Einlagen zu bieten, die können halt nicht nur superspaßige Plakate in ihrer Geschäftsstelle aufhängen. Der Fan-Block versuchte permanent, mit „St. Pauli“-Anfeuerungsrufen zu provozieren. Das ist ja okay, wenn es ihnen Spaß macht, aber nur noch mal kurz zur Erinnerung – das war ihre Aufstiegsmannschaft, die da auf dem Rasen stand, aber vielleicht hatte man denen im Fan-Block das noch nicht gesagt, viele von denen sind ja nicht so oft im Stadion…Oder vielleicht sind das ganz erfahrene Fans, die in den letzten Jahren schon zehn Aufstiege mitgemacht haben und für die die eigene Mannschaft deshalb nicht so interessant war? Keine Ahnung, auf jeden Fall feuerten sie permanent St. Pauli an. Interessant war dabei, dass sie einen weiteren Verein vergaßen, mit dem man viel besser hätte provozieren können, und der noch ein wenig dicker in der Verlosung war als die Nicht-Etablierten: Für den SC Paderborn gab es allerdings keine Sprechchöre. Nanu? Hatten die keine Ahnung von der Tabelle? Oder ist man bei den kleinen Greuthern der Meinung, die noch kleineren Paderborner wolle man nicht mit in die 1. Liga nehmen, lieber die namhafteren Nicht-Etablierten? Nach all dem, was die schon gebracht hatten, schien mir dieser Gedanke gar nicht mal abwegig, die orientieren sich jetzt an Höherem. Wie man mit so was allerdings auch ganz gut offiziell provozieren kann, zeigte dann mal die Stadionregie. Die gaben alles und blendeten anfangs der zweiten Halbzeit das Führungstor von Paderborn gegen den FSV Frankfurt circa zehn Sekunden später auf der Anzeigetafel ein – zu diesem Zeitpunkt war Paderborn in der Tabelle damit an Fortuna vorbei gezogen. Dass nahezu zeitgleich in Dresden der heimische Führungs- und Siegtreffer gegen St. Pauli fiel, wurde bis zum Schluss (!) verschwiegen. Kurz vor Ende der Partie bettelte der Stadionsprecher dann auch noch über Lautsprecher, man möge doch gleich auf den Rasen kommen und den Aufstieg mit der Mannschaft und dem Trainer feiern. Das klang nach Sonderangebot, zumal es tatsächlich mehrfach wiederholt wurde. Sie scheinen davon noch nicht ganz so viel Ahnung zu haben. Beim anschließenden Platzsturm versuchten ein paar Greuther Kiddies, zum Fortuna-Block vorzudringen, weil sie das anscheinend unter einer zünftigen Aufstiegsfeier verstehen. Zu ihrem eigenen Glück kamen sie nicht durch, denn nach dem, was ich vorher aus dem Gästeblock gesehen hatte, waren bei uns auch einige Mutanten speziell für dieses Spiel mal wieder Fortuna-Fans geworden, das hätte eine leicht gestörte Aufstiegsfeier werden können. Sind die peinlich.

Da durfte dann auch ein Teil der Offiziellen nicht nachstehen. Von der ganzen Aktion mit den gespendeten Karten der Fortuna-Fans fand sich im offiziellen Stadionheft kein einziges Wort, der Aufstieg hatte noch nicht einmal für ein schlichtes „Danke“ Platz gelassen. Es erfolgte auch keinerlei Durchsage während des Spiels zu dieser Spende, obwohl die Spender doch allesamt im Stadion waren. Wie man sich einen Funken Rest-Anstand bewahrt, zeigte dann ausgerechnet der Erfolgstrainer, Ex-Fortune Mike Büskens. Als er einige Minuten nach Abpfiff zu den feiernden Fans sprach, bedankte er sich ausdrücklich bei den Fortuna-Fans, und bevor die Greuther Fan-Schar kräftig pfeifen konnte, erklärte er auch, warum. Dem anschließenden Applaus nach zu urteilen, war einem Großteil der Zuschauer diese Aktion völlig neu. Aber das Plakat von der Geschäftsstelle, das kannten sie unter Garantie alle. Was für ein peinlicher Auftritt eines Vereins, dem man doch eigentlich in der 1. Liga alles Gute wünschen und hoffen möchte, dass sie im Konzert der Großen ordentlich mitmischen und für so manche Überraschung sorgen werden. Warum die Mannschaft absolut aufstiegsreif ist, konnte man an jenem Sonntag eindrucksvoll auf dem Platz sehen; Verein und Fans üben noch ein bisschen. Dass Büskens den anschließenden Autokorso und Empfang in der Innenstadt mit Greuther und Fortuna-Fanschal absolvierte, wird ihnen sicherlich auch nicht zu denken geben. Mal sehen, was dabei rauskommt, wenn sie doch eines Tages damit anfangen sollten.

Ach ja, in irgendeinem Forum las ich mal, dass die Fürther es gar nicht mögen, wenn sie als „Greuther“ bezeichnet werden. Da ist mir aber jetzt ein Missgeschick passiert, so circa zehn- bis zwanzigmal! Ich glaube, ich lass es einfach ein paar Monate stehen. Ist ja die Art von Humor, auf die sie stehen. Ich war gern behilflich, kein Grund zum Dank!

Fortuna holte somit einen ebenso schmeichelhaften wie wichtigen Punkt beim Aufsteiger und verteidigte Platz 3 in der Tabelle vor dem letzten Spieltag. Man war punktgleich mit Paderborn, hatte aber das wesentlich bessere Torverhältnis. Zum Abschluss empfing man ausgerechnet den Nachbarn MSV Duisburg, dessen Fans zum Großteil im Hinspiel schon Schaum vor dem Mund hatten und jetzt aufgrund der Aussicht, uns in die Suppe spucken zu können, kaum noch schlafen konnten vor Aufregung. Paderborn spielte – ebenfalls: ausgerechnet – beim St. Pauli, das zwei Punkte hinter uns auf Platz 5 lauerte, ebenfalls mit dem schlechteren Torverhältnis. Gewänne Fortuna, hätte man Platz 3 auf jeden Fall sicher. Verlöre man, wäre Platz 3 aufgrund dieser Spielkonstellation auf jeden Fall futsch. Bei eigenem Unentschieden wäre man durch, wenn auch Paderborn nicht gewänne, ansonsten würde man in die Röhre schauen. Ganz einfach also.

Letztes Spiel – vorerst

Als ich am 06.05.2012 am Vormittag meine Wohnung in Bonn verließ, um mich gen Düsseldorf aufzumachen, regnete es Hunde und Katzen. Unaufhörlich trommelte das Wasser auf die Scheiben, die Wischer hatten echte Mühe, die Massen zu bewältigen. Als ich nach Köln kam, wurde es noch schlimmer. Gut, das war alles verständlich, schließlich hatten die Bahnhofskapellendörfer am Vortag das Kunststück fertig gebracht, ausgerechnet jenen Tabellenplatz wieder einzunehmen, den man zuletzt nach dem 1. Spieltag belegt hatte – es war Platz 17, Köln stieg direkt in die 2. Liga ab, Hertha BSC Berlin sicherte sich mit einem Sieg über die TSG „1899“ Hoffenheim doch noch den Relegationsplatz 16. Klar, dass der Himmel über Köln weinen musste, ebenso klar, dass man sich in Bonn anschloss, hier hängt man sich nur allzu gern an Mamas Rockzipfel. Als ich schließlich nach Düsseldorf kam, war die Flut in einen leichten Nieselregen übergegangen. Keine idealen Bedingungen für das Saisonfinale, aber auch keine allzu schlechten.

Die Voraussetzungen waren bekannt, der Schauplatz gerichtet, es konnte losgehen: vor 51.000 Zuschauern versuchte Fortuna, den oberen Relegationsplatz der 2. Liga zu verteidigen. 51.000 bedeutet in diesem Fall ausverkauft, denn 3.000 Tickets durften auf Anweisung der Polizei nicht verkauft werden. Diese Plätze waren als Pufferblöcke rund um den Gästebereich gedacht. Wenn 5.000 Zebras aus der Nachbarstadt in Düsseldorf aufgaloppieren, dann brauchen die auch ein wenig Auslauf. Besonders wenn man sich daran erinnerte, wie die im Hinspiel teilweise ausgekeilt hatten. Um es vorweg zu nehmen, diesmal boten sie keinen Grund zur Klage, legten einen ordentlichen Support hin, wie man es eigentlich noch nicht mal von ihnen bei Heimspielen gewohnt ist. Selbst als sie unmittelbar vor dem Anpfiff eine kleine Pyro-Show boten, warf keiner die Dinger aus dem Block in den Innenraum. Fast schon vorbildlich.

Bei Fortuna saßen die angeschlagenen Jens Langeneke und Maximilian Beister auf der Bank, der dauerverletzte Johannes van den Bergh fehlte weiterhin. Nach der herzkranzgefäß-gefährdenden Dreierkette, die Trainer Meier beim letzten Heimspiel gegen Union Berlin aufgeboten hatte, versuchte er es nunmehr wieder mit vier Leuten. Und da sich die Abwehr in der Woche zuvor so richtig hatte schwindlig spielen lassen, rückte nunmehr Levels wieder auf rechts, während Weber draußen blieb und Dum hinten links die Kette vervollständigte. Dieselbe Aufstellung, mit der man sich in Rostock so schön blamiert hatte. Aber, ach!, das war ja schon Ewigkeiten her, sprich: einen Monat. Der Trainer war mit seiner permanenten Rotation, sei sie sperren- oder verletzungsbedingt, also schon wieder einmal im Kreis rum gekommen. Dürfte auch ein Grund für die mäßige Rückrunde gewesen sein. In der Hinrunde hatte fast immer dieselbe Stammelf begonnen. Es gab keine Verletzungen, es gab kaum mal eine Sperre und aufgrund der Ergebnisse gab es auch keinen Anlass, großartig zu rotieren. Dies änderte sich in der Rückrunde kapital, Verletzungen noch und nöcher, dazu allein sieben Gelbsperren in vier Spielen hintereinander, Torwartwechsel wegen Formschwäche und Torwartwechsel wieder zurück wegen Verletzung, jede Woche eine neue Mannschaft auf dem Rasen, und dazu immer fleißig 0:1 in Rückstand. Unter diesen Voraussetzungen war ich persönlich hochzufrieden, dass es überhaupt noch um Platz 3 ging.

Acht Minuten Rock’n’Roll

Acht Minuten nach dem Anpfiff war es nur noch Platz 4. Lukimya hatte in der eigenen Hälfte einen Pass gespielt, den man im diplomatischen Fall als „optimistisch“ bezeichnen könnte – der anvisierte Ken Ilsø, ebenfalls noch in der eigenen Hälfte, war von zwei Gegner umstellt, der Ball kam auch noch ungenau. Ein leichtsinniger Ballverlust also. Der dann auch blitzschnell verarbeitet wurde: den Duisburger, der die Kugel abgefangen hatte, konnte Ilsø noch bedrängen und sein Bein an den Ball bringen; dadurch spielte er allerdings unbeabsichtigt einen schönen Pass auf Duisburgs Brosinski, der völlig freistand, weil sein Gegenspieler Lukimya noch zwei Sekunden zuvor zum Pass angesetzt hatte. Daher musste Juanan in die Mitte rücken und Brosinski attackieren. Der schob den Ball nur lässig nach rechts, und dort stand jetzt natürlich Juanans Gegenspieler Maurice Exslager völlig frei, das war simple Mathematik. Der machte noch einige Schritte und zwirbelte die Kugel dann aus knapp 15 Metern, halbrechts, mit dem rechten Schlappen flach an den linken Innenpfosten und ins Tor. 1:0 für Duisburg, dadurch rutschte Fortuna in der Tabelle auf Arschkartenplatz 4 zurück, der SC Paderborn stand plötzlich, ohne auch nur einen Handschlag tun zu müssen, auf dem Relegationsplatz. Na also, Auftakt nach Maß. Und zwar nach unserem fortunistischen Maß – es war nämlich bereits der fünfzehnte (!) 0:1-Rückstand in der laufenden Saison. Und das als Mannschaft der Spitzengruppe, ich glaube, auch das könnte ein neuer Rekord sein.

Das, was dann folgte, auf jeden Fall. Denn während sich die Streifenesel im siebten Zebra-Himmel wähnten und die Fans sicherlich innerlich schon eine Bestellliste anhakten, die man nach dem Spiel an Paderborn oder St. Pauli weiterreichen würde, schlug Fortuna mal wieder zurück. Das 1:1 in der 18. Minute war bereits der vierzehnte 1:1-Ausgleich für Fortuna in dieser Saison! Nur ein einziges Mal, nämlich ausgerechnet beim Tabellenletzten Hansa Rostock, konnte man ein 0:1 nicht egalisieren, sei es zum End- oder Zwischenstand, sondern fing sich noch das 0:2. Ein Mal nur! Ich denke, gewisse „Nehmerqualitäten“ kann man der Truppe nicht absprechen.

Das 1:1 bildete den Auftakt zu acht turbulenten Minuten, in denen es richtig rund ging. Und derjenige Zuschauer im Stadion, dessen Puls dabei nicht hoch ging, der hatte sich entweder verlaufen oder war einfach tot. Schon der Ausgleich war eine Augenweide, Bröker hatte sich über rechts durchgesetzt und halb hoch in die Mitte geflankt, dort kam Fink heran geflogen, nahm den Ball direkt aus der Luft und setzte ihn per Aufsetzer rechts in den Winkel. Technisch hochwertig.

Außerdem war die Zeit des fröhlichen Rudelns gekommen. Aber nicht wir unfairen Schwalbenkönige und Burgschauspieler, nein, die Zebras, die sichtlich unter Adrenalin-Volldampf standen, hatten nun alle paar Sekunden etwas zu bemängeln, und da die bekanntermaßen ja wirklich nur in der Herde auftreten, sah sich Schiri Knut Kircher plötzlich alle paar Augenblicke von meckernden Streifeneseln umgeben. Dabei sind wir doch die Bösen, tststs. Ihm reichte es dann auch schon ziemlich bald. Geradezu prophetisch eine Szene, als er am Duisburger Strafraum wieder mal mit drei Gästen diskutierte und dann plötzlich auch noch deren Abwehrrecke Dzemal Berberovic, an der vorher gehenden Szene genau null beteiligt, aufmarschierte, um seine freie Meinung in einem freien Land zu äußern. Kircher sah dies offenkundig anders, machte drei Schritte auf Berberovic zu, Bauch rein, Brust raus, und knurrte diesen anscheinend derart Erfolg versprechend an, dass Berberovic, beileibe auch kein Hemd im Trikot und kein Kind von Traurigkeit, vorsichtshalber drei Schritte zurückwich. Knut Kircher hatte den Kanal voll. Und wie voll, das durften die Duisburger nur wenige Minuten später feststellen. Zunächst Freistoß Fortuna von rechts, auf Strafraumhöhe. Wolze hatte den Ball gegen Rösler vertändelt und diesen dann an der Hüfte weggecheckt, der Ball war drei Meter entfernt und lag auf dem Rasen, also wirklich nicht der Hauch eines Erklärungsversuchs für Wolze. Tat der allerdings trotzdem, als Kircher ihm Gelb zeigte. Hierüber noch zu meckern, war wirklich große Kunst. Den anschließenden Freistoß schoss nicht Rösler mit links, wie alle dachten, sondern Levels passte mit rechts quer in den Strafraum, mein Gott, schon wieder eine Variante! Olli Fink kam angerauscht und wollte den Ball volle Möhre aus der Drehung und knapp 12 Metern aufs Tor treten. Er traf die Kugel nicht voll, diese eierte durch den Strafraum und wurde sechs Meter vor der Kiste vom aufgerückten Innenverteidiger Lukimya gestoppt. Und gegen den heraus stürmenden Keeper Wiedwald machte der es jetzt aus der Drehung, flach, und wie zuvor der MSV unter Mithilfe des linken Innenpfostens. Drei Minuten nach dem Ausgleich das Spiel gedreht – 2:1. Ausgerechnet durch Lukimya. Der hatte im März verkündet, dass er in der nächsten Saison beim 1.FC Köln spielen würde, wegen der sportlichen Perspektive und so. Nun hatte sich die sportliche Perspektive ja knapp 24 Stunden zuvor aus Versehen in die 2. Liga verabschiedet, und da Lukimya ein cleveres Kerlchen ist, hatte er dort tatsächlich nur einen Vertrag für die 1. Liga unterschrieben. Dies bedeutet, dass der gute Mann ab dem 01.07.2012 arbeitslos sein wird. Somit absolvierte er an jenem Sonntag also quasi ein Bewerbungsspiel für alle Bundesligisten dieses Landes, und da er hinten schon beim 0:1 gepatzt hatte, musste er dies natürlich vorne möglichst umgehend wieder ausbügeln. Erst sein zweiter Treffer für Fortuna.

Szenen aus einer anderen Dimension?

Anschließend, bevor wieder angestoßen wurde, ging es im Mittelkreis rund. Wieder mal fünf Duisburger bei Herrn Kircher, warum, wusste nun wirklich kein Mensch. Maurice Exslager sah die Gelbe Karte, das Palaver ging weiter, und plötzlich zog Kircher Gelb/Rot für Exslager, der reichlich verdutzt aus der Wäsche guckte. Zumal sich jetzt noch Fortuna-Spieler einmischten. Um das Chaos nicht allzu groß werden zu lassen, hier die Kurzform: Exslager hatte zum Schiri gesagt, dass der Freistoß vor dem Tor wohl eher keiner war. Dies nach Ausführung des Freistoßes und Gegentor noch zu bemängeln, ist natürlich selten schlau und wurde denn auch mit der Gelben Karte belohnt. Anschließend quatschten weitere Duisburger auf Kircher ein, der hörte noch etwas, das ihm anscheinend nicht gefiel – und dachte, es käme von Exslager, daher Gelb/Rot. Der hatte es aber gar nicht gesagt. Und jetzt wird’s kurios und völlig unglaubwürdig: mehrere Schwalbenkünstler und Burgschauspieler, sprich: Fortuna-Spieler, allen voran (Achtung, jetzt wird’s hart!) Sascha Rösler, der Veh’sche Satan in Trikot und Shorts, gingen zu Schiri Kircher und bestätigten, dass es nicht Exslager gewesen sei, der die wohl unfreundlichen Worte gesagt habe. Sondern Gjasula. Daraufhin zeigte Kircher dem Deutsch-Albaner auch noch gelb. Und jetzt wird’s unrealistisch, liebe Leser, ich weiß, aber da müsst ihr durch: hierauf wiesen wieder die Fortunen (huch!), allen voran wieder Sascha Rösler (doppelhuch!) den Schiri darauf hin, dass er dann aber den Platzverweis für Exslager zurück nehmen müsse. Aber das wollte der nicht mehr. In diesem Fall also wirklich Pech für den Duisburger Stürmer, Gelb/Rot in der 21. Minute. Wie sagte allerdings sein Sportdirektor Ivica Grlic nach dem Spiel nicht ganz zu Unrecht: „Wenn er erst gar nicht anfängt zu meckern, dann passiert auch nix.“

Ich weiß, liebe Leser, ihr habt den letzten Abschnitt mit einem gewissen Unglauben gelesen, da nicht sein kann, was nicht sein darf. Schließlich irren die Vehs, Bruchhagens und Schuberts dieser 2. Liga nicht. Da hat der janus sich aber ganz schön was zusammen phantasiert, ist wahrscheinlich in einer anderen Dimension geschwebt, was raucht der eigentlich zum Frühstück? Und daher bin ich natürlich froh und dankbar, schreiben zu können, dass diese gesammelten Erkenntnisse nicht auf meinem Mist gewachsen sind. Sie sind die Aussage des geschädigten Spielers Maurice Exslager. Und der brabbelte das nicht nur so vor sich hin, sondern sagte es in der Pause und nach dem Spiel in wirklich jedes Mikrofon, egal ob sky, sport1 oder Radio Duisburg. Finde ich bemerkenswert. Zumal es von den Genannten natürlich niemanden interessierte. Wenn ein Marius Ebbers vom Schiri nach dem Körperteil befragt wird, mit dem er den Ball rein gemacht hat, und er antwortet: „Halb Arm, halb Kopf“ und spielt damit den Schwarzen Peter an den Schiri zurück, der sich nun für eine Hälfte entscheiden muss, dann ist das die „Fair Play-Szene des Jahres“ (copyright by sport 1, wer sonst?). Wenn mehrere Spieler einer Mannschaft, darunter das Ekelpaket schlechthin, versuchen, einen gegnerischen Spieler vor einem Platzverweis zu bewahren, dann juckt das keinen. Bzw., seien wir ehrlich: wenn das bei Fortuna Düsseldorf passiert, dann juckt es keinen. Wäre das die Mannschaft des FC St. Pauli gewesen, sky und sport1 hätten doch ne Sondersendung geschaltet, um die Stimmen aller Beteiligten einzuholen. Ist eigentlich auch nicht so wichtig. Ich wollte allerdings auch nicht, dass es völlig untergeht.

So weit, so gut. Fortuna nach 21 Minuten mit 2:1 vorne, der Gegner einen Mann weniger auf dem Feld. Was dann passiert, weiß der gemeine Fortuna-Anhänger natürlich genau: der Gegner gleicht aus. 2:2 durch Gjasula in der 26. Minute. Der hatte einen Freistoß aus knapp 25 Metern getreten, ausgerechnet der Ex-Duisburger Adam Bodzek hielt in der Mauer seinen Kopf in den Flug des Balles und fälschte unhaltbar für Ratajczak ab. Es durfte weiter gezittert werden.

Entspannt der Relegation entgegen

Nach diesen turbulenten Minuten beruhigte sich das Geschehen, insbesondere rudelten die Duisburger bis zum Spielschluss nicht mehr. Komisch, war die Idee des Schiris doch gar nicht mal schlecht gewesen, auch wenn es den Falschen getroffen hatte. In der zweiten Hälfte zog die Fortuna teilweise ein Powerplay auf, schnürte den Gegner in die eigene Hälfte ein, hatte auch genug Torchancen. 60% Ballbesitz, 9:2 Ecken, 17:5 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache, wer Herr im Haus war. Aber das verdammte dritte Tor wollte nicht fallen. Mittlerweile hatte sich rumgesprochen, dass das Unentschieden reichen würde. Nach 65 Minuten führte St. Pauli im Duell der direkten Verfolger mit 4:0 gegen Paderborn. Damit war klar, Pauli würde siegen, Paderborn war raus. Mit unserem Unentschieden kamen wir gemeinsam mit St. Pauli auf jeweils 62 Punkte, hatten aber das bessere Torverhältnis. Es würde also reichen.

Und es reichte, auch wenn St. Pauli noch einen drauf setzte und Paderborn mit 5:0 von der Platte putzte. Wir schossen zwar unser drittes Tor nicht mehr, die Duisburger allerdings auch nicht, sie hatten in der zweiten Halbzeit noch genau einen Torschuss durch Brosinski, ansonsten nichts mehr. In den letzten Minuten schob man sich nur noch die Bälle zu und hoffte, dass es bald zu Ende sein würde. Und dann waren Spiel und Saison vorbei – aber nicht für uns. Bis einschließlich 2008 hätte ich nach dem Schlusspfiff ein flottes Aufstiegstänzchen auf dem Rasen hingelegt. Aber seit 2009 gibt es ja zum Glück diese Super-Relegation, damit der umworbene Fernsehkunde noch schön was zu gucken hat. Und der Erstligist die Chance bekommt, in zwei Spielen eine komplette verkorkste Saison wieder wett zu machen. Tolle Belohnung für den Dritten der Zweiten Liga. Aber es nutzt ja nix, da müssen wir durch.

Meister wurde übrigens tatsächlich die SpVgg Greuther Fürth, Glückwunsch dazu. Ihr 2:2 bei Absteiger Hansa Rostock reichte, weil Eintracht Frankfurt von der rätselhaften Krankheit befallen wurde, die alle „großen“ Mannschaften befällt, wenn deren Aufstieg feststeht, sie haben keine Lust mehr und verlieren einfach. Und entschieden dadurch gleich den Abstieg mit, sie verloren nämlich mit 0:1 beim Karlsruher SC, der dadurch seinen Relegationsrang 16 verteidigen konnte und in zwei Spielen gegen den Dritten der 3. Liga, den SSV Jahn Regensburg, versuchen kann, doch noch die Klasse zu halten. Zweiter direkter Absteiger war dadurch Alemannia Aachen, denen auch ein 2:1 beim TSV 1860 München nichts mehr nutzte. Abstieg nach 13 Jahren Zweite oder Erste Liga, nach DFB-Pokalfinale 2005 und UEFA-Cup im selben Jahr. Schade, bei der Alemannia läuft zwar auch einiges unerfreuliches Volk herum, aber wenigstens läuft da noch jemand in nennenswerter Anzahl herum, was man von den beiden direkten Aufsteigern in die 2. Liga, SV Sandhausen und VfR Aalen, eigentlich nur bedingt behaupten kann. Waren immer stimmungsvolle Spiele gegen die Alemannia. Und da auch mir natürlich das Hemd näher als der Rock ist, hätte ich sie auch aus einem anderen Grund gerne behalten: in den letzten drei Zweitliga-Jahren gewann die Alemannia kein Spiel gegen uns und erzielte genau ein Tor (das allerdings für die Geschichtsbücher – es war in der letzten Saison unser einziger Gegentreffer in der LenArena). Macht`s gut und kommt bald wieder, auch wenn es aktuell doch recht finster aussieht und sie erst einmal aufpassen sollten, nicht durchgereicht zu werden wie RW Oberhausen.

Somit spielen wir nun am Donnerstag, 10.05. 2012, zuerst im Olympiastadion bei Hertha BSC, anschließend das Rückspiel am Dienstag, 15.05.2012, in unserer Esprit-Arena. Favorit sind wir in beiden Spielen sicherlich nicht, zum einen sowieso nicht, zum anderen waren wir in der Rückrunde nur punktuell in der Lage, gute Leistungen abzurufen. Außerdem geht die Truppe auf dem Zahnfleisch. Jetzt rächt es sich, dass in der Hinrunde fast immer dieselben Leute durchgespielt haben, die sind jetzt platt, und der zweite Anzug sitzt nicht so recht. Aber hey – wir haben keine Chance, also nutzen wir die doch einfach! Vielleicht denken sie in Berlin ja, dass sie jetzt schon gewonnen haben – das könnte eine Chance für uns sein. Und dass die Mannschaft endlich mal nicht als Favorit in ein Spiel geht, denn mit dieser Bürde kam man in der Rückrunde offenkundig nicht zurecht. Ob sie aufstiegsreif ist? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass sie sich nicht beirren lassen und ihre Chance in Berlin suchen sollte. Und wenn man da bestehen sollte – zuhause haben wir auch in dieser Spielzeit trotz einiger enttäuschender Partien nur ein einziges Spiel verloren. Da geht also immer was.

Und wenn nicht? Das ist ja das Schöne, dann wartet in der kommenden Saison ein Geißbock auf uns. Seit 13 Jahren haben wir den nicht mehr aus dem Stadion rausgebrüllt. Könnte auch interessant werden.

Nee, was geht es uns gut. Wenn wir die Relegation vergeigen – dann kriegen wir als Trostpreis Kölner. Welcher Fortune konnte das je von sich behaupten???

Holt sich jetzt erstmal einen Berliner: janus

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