30.-32. Spieltag

Straffreiheit für alle?

Angst essen Seele auf

Micky Maus schlägt Fortuna

Die Freuden der Anderen

Wie die Großen feiern

Endspurt

So, es geht auf die Zielgerade. Mit dieser Seite hier, und mit der Saison sowieso. Also schieb ich mal schnell drei Spiele hinterher, bevor es in den hochspannenden Schlussspurt gehen wird. Zwei Heimspiele, eine Auswärtspartie – zwei Siege, eine Niederlage. Die Mannschaft ist wieder in die alten Verhaltensmuster aus der letzten Saison zurückgekehrt. Trotzdem könnte es noch für Platz 3 und somit für die Relegation reichen. Also schnell zusammengefasst, bevor es richtig eng wird!

Straffreiheit für alle?

Ich beginne mit einer vielleicht nicht ganz unwichtigen Erkenntnis, die zeitlich eigentlich noch zum letzten Bericht gehört, also quasi ein Nachbrenner. Am 26.03.2012 war Eintracht Frankfurt bei Union angetreten. Für dieses Spiel hatte der DFB die Eintracht nach langem Zögern (über vier Wochen!) dahin gehend sanktioniert, dass keine Gästefans aus Frankfurt anwesend sein durften. Strafe für diverse Verfehlungen in der Vergangenheit, als Höhepunkt die Zündelei beim Spiel in Düsseldorf, aufgrund derer die Partie erst mit Verzögerung angepfiffen werden durfte.

Nun braucht man mit mir nicht über Sinn oder Unsinn einer solchen Sanktion zu diskutieren. Natürlich ist es Schwachsinn, alle Gästefans auszusperren, nur weil sich ein kleiner Teil nicht benehmen kann. Abgesehen davon wird man es auch nie schaffen. Als wir in der Hinrunde gegen Rostock spielten, fanden sich ja zum Schluss auch noch ca. 50 Rostocker, die sich auf der Haupttribüne zu erkennen gaben und durchaus einen friedlichen Support ablieferten. Und um dem DFB mal die ganze Macht der Fußballfans zu zeigen, besorgten die Union-Fans für dieses Spiel am 26.03. nun den Frankfurtern Eintrittskarten. Was übrigens recht lustig ist, denn es kann im Umkehrschluss ja nur heißen, dass diese Partie auch auf Union-Seite nicht ausverkauft gewesen wäre. Und das in deren „selbstgeweihtem Erlebnis-Tempel“ (copyright by sport1) gegen die Top-Mannschaft der Liga, möchte es kaum glauben. Als sich nach Anpfiff des Spiels ca. 1.000 Frankfurter als solche zu erkennen gegeben hatten, tat man bei Union das einzig Richtige, man öffnete aus Sicherheitserwägungen den eigentlich gesperrten Gäste-Block und brachte die Gäste-Fans dort standesgerecht unter. DFB-Strafe torpediert.

So weit, so nett. Als Nachspiel erklärte beim DFB endlich mal jemand, man habe daraus gelernt, dass solche Strafen wie das Aussperren von Gästefans nicht zweckmäßig seien, man würde zukünftig darauf verzichten. Das ist grundsätzlich schon mal gut, vielleicht eine zukunftsweisende Erkenntnis, weshalb ich den ganzen Vorgang ja hier auch im Nachgang aufnehme. Aber: mit der Nichtbeachtung der Sanktion hatte Eintracht Frankfurt ja nun unzweifelhaft einen neuen Verstoß begangen, sie hatten sich nicht an ein DFB-Sportgerichtsurteil gehalten. Da könnte man nun der Meinung sein, dass dies auch noch eine Strafe nach sich ziehen müsste. Aber weit gefehlt: Heribert „The Lobby“ Bruchhagen musste bis heute für diesen Vorfall nicht einmal einen Euro in die DFB-Kaffeekasse spenden. Der selbsternannte Deutsche Randalemeister 2011 schaffte es somit als erster Verein, für festgestellte Vergehen, insbesondere im Bereich Pyro-Technik, trotz verhängter Strafe für „Ausschreitungen“ völlig straffrei auszugehen. Glückwunsch. Warum wundert mich das eigentlich nicht? Nun, um das nachvollziehen zu können, müsste demnächst mal ein weiterer Verein bei einer Verbandsstrafe einfach sagen: „Mach ich nicht, ist nicht durchführbar!“ Und dann mal schauen, wie die Reaktion ausfällt. Ich nehme gerne noch Wetten an – gilt das jetzt für alle Vereine oder war das wieder einmal eine kleine Extrawurst für die Göttlichen vom Gartenzaun (also aus DFB-Sicht)? Man darf gespannt sein.

Angst essen Seele auf

Einerseits ist es ja ganz gut, wenn man nach einer solch gepflegten Blamage wie dem Spiel in Rostock am Gründonnerstag möglichst schnell die Gelegenheit erhält, sich zu rehabilitieren. Je nachdem, wie angeschlagen der Patient ist, könnte allerdings der nächste Spieltermin auch etwas zu früh kommen. Etwas von beidem steckte in der nächsten Partie der Fortuna, dem Heimspiel gegen den FSV Frankfurt, welches bereits am Dienstag nach Ostern, 10.04.2012, fanfreundlich um 17.30 Uhr angepfiffen wurde. Die berühmte englische Woche, die eine in dieser Saison, die anscheinend unbedingt sein musste und bei der Spielplanung auf gar keinen Fall ausgelassen werden konnte, jetzt war sie da – für unsere tapferen Recken wohl etwas zu früh. Zu Beginn wenigstens.

Zunächst einmal musste ich doch staunen – 25.100 Zuschauer in der esprit-Arena. Trotz der letzten und natürlich des letzten Ergebnisses, trotz der idiotischen Anstoßzeit. Und das waren fast ausschließlich Heimfans – der FSV Frankfurt brachte handgezählt 34 Unentwegte mit, die munter ihre Fahnen schwenkten, und denen für ihr Erscheinen durchaus Respekt zu zollen ist. Somit nahezu ein 100%-Heimspiel für Fortuna. Die Mannschaft hat also durchaus noch ein bisschen Kredit bei den Zuschauern. Und warum auch nicht, wie schon zum Ende des letzten Artikels formuliert – man war ja immer noch Tabellendritter.

Das blieb man an jenem Abend auch. Mit einem 1:0-Sieg gegen die anschließend wieder akut abstiegsgefährdeten Hessen verteidigte die Fortuna für diesen Spieltag den Relegationsplatz. Ein absolut verdienter Sieg, mindestens zwei Tore zu niedrig – allerdings erst ab der zweiten Hälfte. Was in der ersten Halbzeit seitens der Gastgeber geboten wurde, ließ mich ratlos zurück, inwieweit dieses Team noch weiter oben mitspielen will. Sie zeigte sehr schön, dass zum gehobenen Spitzenteam noch einiges fehlt, nämlich zum Beispiel, das eigene Nervenflattern in den Griff zu bekommen. Die Frankfurter waren gar nicht zum Gewinnen angereist, sie spielten ein flottes 7-3-0-System, mit dem die Fortuna gar nicht zurecht kam. Übernervös und ängstlich wollte jeder nur sehen, wie er den Ball möglichst schnell wieder los wurde. Da wurden einige der unfassbarsten Doppelpässe gespielt, die ich in dieser Saison gesehen habe – Bälle, bei denen auch der Passgeber schon vorher sehen konnte, dass das nix geben konnte und dann trotzdem die Kugel spielte – Hauptsache, er selbst hatte sie nicht mehr. Mutlos spielte man sich wie beim Handball die Kugel zu, immer rund um den Strafraum, und wartete darauf, dass sich von selbst eine Lücke auftat. War das nicht der Fall, wurde wieder hintenrum zurück gepasst, Hauptsache, Ball gespielt und keine Verantwortung mehr.

Genau umgekehrt war es, sobald ein Fortune in Strafraumnähe kam. Da hätte man ja jetzt vermuten können, dass es Schuss auf Schuss aufs Frankfurter Tor hageln würde, wenn alle schnell den Ball loswerden wollten. Weit gefehlt. Hier wirkte sich die Ängstlichkeit und Mutlosigkeit nun dahin gehend aus, dass lieber der Ball solange gehalten und verdribbelt wurde, bis die mögliche Chance auch endgültig weg war. Bzw. wenn schon weg mit dem Ball, dann aber bloß nicht aufs Tor, lieber noch mal Querpass. Grausam. Man konnte schon Mitleid haben. In solchen Situationen kann man als Publikum natürlich unterstützend Akzente setzen, neudeutsch „Support“ genannt. Dachte sich ein Teil der Anwesenden wohl auch, und fing nach einer halben Stunde an, die Mannschaft auszupfeifen. Jaja, freie Meinungsäußerung und „ich hab bezahlt, ich will was sehen“. Null Gespür für die Situation, auch nicht wirklich weiter daran interessiert, sondern einfach gekommen und Eintritt bezahlt, um unterhalten zu werden. Finde ich traurig. Zum Glück taten dies reichlich weitere Fans ebenfalls und stanken gegen die Pfiffe mit Anfeuerungsrufen und aufmunterndem Applaus an. Eine starke Szene für die Szene.

Trainer Meier reagierte ungewohnt früh, er brachte bereits zu Beginn der zweiten Halbzeit Ranisav Jovanovic für Adam Bodzek, Stürmer für defensiven Mittelfeldspieler. Er konnte es wohl auch nicht mehr mit ansehen. Und der Jova, der in dieser Saison als Joker immer Alarm macht und für Unruhe im und rund um den gegnerischen Strafraum sorgt, der riss es auch diesmal raus. Nach einer von dreizehn Ecken für die Fortuna stand er goldrichtig: den Eckstoß durch Ilsø von rechts wuchtete Jovanovic aus acht Metern per Kopf und Aufsetzer in die Maschen, 1:0 in der 55. Minute. Anschließend konnte man das Gepolter mehrere tausend Kilo Steine vernehmen, die den Spielern vom Herzen gefallen waren. Endlich ein Tor, endlich wieder mal eine Führung! Dieses Tor gab den Spielern anscheinend die Sicherheit zurück, die ihnen wohl beim Auflaufen irgendwie abhanden gekommen war.

Zwischen der 55. und 80. Minute nahm Fortuna den chancenlosen Gegner auseinander. Wer einzig und allein ein Debakel für die Gäste verhinderte, war derjenige, den der kicker anschließend zum „Mann des Spieltags“ kürte, eigentlich eher ungewöhnlich, dass diese Nominierung dem Spieler eines Teams zu teil wird, das verloren hat. Hier war es allerdings gerechtfertigt – denn allein FSV-Keeper Patric Klandt verhinderte den großen Abschuss seines Teams. Ob Jovanovic, Lukimya, Beister, Bröker oder Lambertz, sie alle scheiterten an dem Vielflieger vom Bornheimer Hang. Fünf-, sechsmal parierte er großartig, machte beste Chancen der Fortuna zunichte. Und auch wenn es natürlich ärgerlich und nicht gut für das Nervenkostüm war, dass man stets an ein und demselben Spieler scheiterte und den Vorsprung nicht ausbauen konnte – etwas Positives konnten die Fortuna-Spieler auch aus diesem Abschnitt mitnehmen: denn der Klandt konnte ja nur glänzen, weil es plötzlich gute Abschlüsse gab, die tatsächlich auch aufs Tor kamen. Wohin sie in der ersten Halbzeit die Bälle gepöhlt hatten, darauf mag ich schon gar nicht mehr eingehen. Jetzt flogen dem gegnerischen Keeper die Kugeln nur so um die Ohren, die Spieler hatten wieder richtig justiert. Schade für Fortuna, dass Klandt halt in Hochform war und alles wegfischte. Das hielt die Frankfurter allerdings vom Fortuna-Tor fern, hatte also auch einen praktischen Vorteil. Auch in den letzten zehn Minuten, als die Gastgeber eher darauf aus waren, den Vorsprung über die Zeit zu bringen, kam vom FSV herzlich wenig nach vorne. Ein Ausgleich in letzter Sekunde wäre denn auch wohl der moralische Genickschuss für die Fortuna gewesen. Aber es geschah nichts mehr, Fortuna siegte mit 1:0 und verteidigte den dritten Tabellenplatz. Leider konnte man seinen Vorsprung nicht ausbauen, da auch St. Pauli siegte, in der 92. Minute gegen Union Berlin, am Tag darauf zog Paderborn mit einem 2:0 in Aue nach.

Ein verdienter Sieg eines Teams, das in der ersten Hälfte tot war und anschließend durch den Joker wiederbelebt wurde. Man konnte nur hoffen, dass dieser Zustand würde kompensiert werden können – sechs Tage später, natürlich am Montag, 16.04.2012, musste man bei Dynamo Dresden antreten. Und das war nun mal ein ganz anderes Brett als die größtenteils harmlosen Frankfurter, die bei diesem Gastspiel außer ihrem Torwart nicht Erwähnenswertes für die Nachwelt hinterließen.

Micky Maus schlägt Fortuna

Im elften Montagsspiel der Saison erwischte es die Fortuna. Zum ersten Mal ging man als Verlierer vom Platz. Ein ganz bitteres 1:2 bei Dynamo Dresden am 16.04.2012 beendete alle Spekulationen, die Mannschaft habe aus der zweiten Hälfte gegen den FSV Frankfurt Kraft geschöpft. Gleichzeitig musste man den Relegationsplatz an den SC Paderborn abgeben. Darüber hinaus sorgte die Fortuna mit dieser Niederlage dafür, dass die SpVgg Greuther Fürth als Aufsteiger in die Erste Liga feststand. Somit durchaus ein Richtung weisendes Spiel.

Dabei hatte es für mich gut begonnen. Ich fuhr zunächst mit dem eigenen Wagen nach Düsseldorf, stieg dort ins nächste Gefährt um. Als wir nach knapp viereinhalb völlig ereignislosen Stunden in Dresden wieder aus dem Auto kletterten, hatte ich einen neuen persönlichen Autobahnrekord aufgestellt: lockere vierzehnmal war ich auf dieser Strecke auf einer Fernstraße unterwegs – A 565, A 555, A 4, A 1, A 57, A 52, A 40, A 45, A 1, A 44, A 7, A 38, A 14, A 4. „A 1 und A 4 waren doppelt, müssen wir abziehen!“ hätte Monika Sundermann als Assistentin von Hans Rosenthal jetzt natürlich gesagt. Bleiben aber immer noch 12 verschiedene Autobahnen in den paar Stunden. Das Hopping lohnte sich allerdings, denn wir hatten nicht eine Minute Stau auf dem Weg.

Kaum in Dresden angekommen, sah ich mich joggenderweise ein wenig in der Umgebung des Hotels um und staunte nicht schlecht: gleich um die Ecke befand sich ein Sportplatz, am Eingang stand zu lesen: Fortuna Dresden-Rähnitz. Fortuna ist halt überall! Ich empfand das alles als gutes Omen. Nachteil: es war Sonntag, wir waren einen Tag früher angereist, und das Spiel fand ja erst am Montag statt. Und dass gute Omen 24 Stunden überdauern, davon hatte ich noch nie etwas gehört. Dumm gelaufen sozusagen.

Am Spieltag übten wir uns erst einmal ein wenig im Sightseeing, schließlich ist Dresden ja kein Kuhdorf an einem Flüsschen, sondern eine echte Residenzstadt an der Elbe. Wir nahmen alles mit, was die Innenstadt so hergab, Zwinger, Semperoper, Kunstakademie, Frauenkirche, wir speisten sogar im „Pulverturm“, einem Gewölberestaurant in der ehemaligen Festung Dresden, sehr zu empfehlen. Wenn man schon solche beschissenen Spieltermine bekommt, muss man das Beste daraus machen. Besonders wenn man ahnen konnte, dass dies nicht unbedingt für die Mannschaft gelten würde.

Und so war es denn auch. Fortuna weiter ohne van den Bergh, diesmal dann auch ohne Jens Langeneke, für ihn spielte Juanan, dazu Tobias Levels wieder als linker Außenverteidiger und Weber auf rechts – nicht nur, dass die Abwehr bei weitem nicht mehr so sicher steht wie in der Hinrunde, jetzt muss sie auch andauernd neu aufgestellt werden. Und um zu zeigen, wie gut sie eingespielt sind, brauchte sie auch keine 400 Sekunden: im Strafraum ging Lukimya auf einen Ball, den ein Dresdner dorthin vorgelegt hatte, und grätschte die Kugel weg. Leider war Weber zeitgleich ebenfalls auf die Idee gekommen, zum Ball zu gehen, Lukimya gewann das Duell, war vor ihm an der Kugel und grätschte sie schön an Weber vorbei – in den Lauf von Zlatko Dedic. Und Dresdens Stürmer hatte keine Mühe, aus zehn Metern flach an Almer vorbei zum 1:0 in der 7. Minute zu versenken. Na super.

Von Fortuna in den ersten 20 Minuten nichts zu sehen. Erst als man merkte, dass der Gegner auch nicht viel mehr drauf hatte – und wozu auch? Schließlich konnte Dresden bereits vor dem Spiel aufgrund der Ergebnisse der Konkurrenz den sicheren Klassenerhalt feiern –, erinnerte man sich, dass es hier eventuell noch um etwas gehen könnte. Man erarbeitete sich Feldvorteile, ohne groß gefährlich zu sein. Besonders Thomas Bröker fiel mit einer Menge Ballkontakte auf, allerdings auch mit einer Menge Eigensinn. Er war es aber auch, der mit einem Schuss von der Strafraumgrenze mal für etwas Gefahr sorgte. Der Ball konnte aber von Benjamin Kirsten locker pariert werden. In dieser Szene kam Bröker von der linken Außenbahn, drehte nach innen ein und zog dann auf Höhe der Sechzehnmeterlinie mit rechts aufs kurze Eck ab. Kurze Zeit darauf, unmittelbar vor dem Pausenpfiff, konnte man eine absolut identische Szene sehen, nur dass Bröker sich zur Abwechslung diesmal die lange Ecke vornahm. Und wie – aus halblinker Position hämmerte er die Kugel rechts in den Winkel, Kirsten konnte nur bewundernd hinterher schauen. Ein echtes Traumtor zum Ausgleich, Fortuna mit dem Unentschieden wieder auf Platz 3. Und trotzdem musste Bröker erst einmal ein paar Sekunden durchs Mittelfeld irren, ehe er jemanden zum Jubeln fand. Eine bezeichnende Situation.

Und deshalb können wir es jetzt auch kurz machen. In der zweiten Halbzeit war Fortuna eigentlich besser, hatte mehr vom Spiel, ohne groß zu glänzen, aber von Dresden war so gut wie nichts mehr zu sehen. Bis zur 70. Minute. Dann segelte die erste (!) Ecke für Dynamo in den Strafraum, und die anschließende Szene zeigte, warum Fortuna mit dem direkten Aufstieg nichts zu tun hat, ja, warum man froh sein musste, überhaupt noch auf Platz 4 stehen zu dürfen: obwohl nahezu die gesamte Mannschaft im eigenen Strafraum versammelt war, kamen in den folgenden knapp zehn Sekunden sechsmal die Dresdner vor den Fortunen an den Ball. Ein echtes Flipperspiel, der Eckball wurde per Kopf verlängert, dann ein Kopfball an die Unterkante der Latte, Torwart Almer klärt zu kurz und dann gibt es Ping-Pong auf engstem Raum, immer ist ein Dresdner zuerst am abprallenden Ball, als krönenden Abschluss darf Mickael Poté, bester Torschütze der Gastgeber, der Ball im Fünfmeterraum (!) annehmen, sich um die eigenen Achse drehen und unter Almer über die Linie mogeln. Der Keeper klärt zwar noch im Nachfassen, aber das ist egal, denn erstens war der Ball eindeutig über der Linie und zweitens wird er dann vorsichtshalber von Dedic nochmals versenkt, obwohl eigentlich Ilsø auf der Torlinie näher zum Ball stand. Ein absolut peinliches Micky-Maus-Tor zum fortunistischen k.o. Zwar warfen die Gäste danach noch einmal alles nach vorne, aber es nutzte alles nichts mehr. Ein bisschen Pech kommt dann natürlich auch noch hinzu, Lukimya traf mit Kopfball nur die Latte, wie üblich in solchen Situationen. In der 92. Minute böllerte Fink dann noch mal richtig einen aufs Tor, ein mächtiger Gewaltschuss, der gut gepasst hätte – leider ziemlich genau auf Mann. Kirsten parierte, und das war`s dann. Abpfiff, Ende, aus.

Fortuna verlor 1:2 in Dresden, vielleicht die entscheidende Niederlage im Aufstiegskampf. Komplett unnötig, weil man in der zweiten Hälfte eigentlich alles im Griff hatte. Aber wenn eine ganze Mannschaft bei einem Eckstoß den Gegner zum Toreschießen einlädt, dann hat man auch keine Argumente mehr. Mit Ausnahme von Levels und Lukimya war auch kein Aufbäumen zu sehen, die Leistungsträger meilenweit von der Form der Hinrunde entfernt. Lambertz und Fink spielten im Mittelfeld zwischenzeitlich derart viele Fehlpässe hintereinander, dass ich insgeheim damit rechnete, dass die nach dem Spiel als Neuzugänge bei Dynamo vorgestellt werden würden, Rösler war ein Totalausfall, der noch nicht einmal mehr negativ auffiel, Jovanovic – aufgrund seines Siegtores gegen Frankfurt von Beginn an dabei – zeigte großen Einsatz im Abwinken ebenso wie Beister im Schulterzucken, wenn mal wieder ein Pass nicht ankam. Die waren platt. Und da man so natürlich keine höheren Ansprüche anmelden durfte, musste man sich jetzt darauf einstellen, die letzten drei Spiele nur „irgendwie“ über die Bühne zu bekommen. Mehr war mit dieser Truppe nicht drin.

Mehr als nur symbolisch war da die Szene Mitte der zweiten Halbzeit, als Levels beim Kampf um den Ball versehentlich Lambertz umgrätschte. Wobei Levels in dieser Szene wenigstens noch fightete, Lambertz stand eher daneben und beguckte sich interessiert das Geschehen. Aber das Ergebnis war klar: beide Spieler lagen auf dem Rasen, der Ball war weg. Fortuna am Boden.

Nach dem Dynamo-Spiel war endlich auch Schluss mit Freitags-, Samstags- oder gar Montagsspielen für diese Saison. „Dreimal sonntags bis Platz 3“ hieß nunmehr die Parole der Hoffnung. Zunächst tat ein Sieg gegen Union Berlin dringend Not, um sich nicht abhängen zu lassen, falls Paderborn in Karlsruhe siegen würde. Dabei auf Berliner Laissez-faire zu hoffen, weil es für die, schon seit Wochen im sicheren Mittelfeld der Liga verortet, nur noch um die Goldene Ananas ging, konnte man sich abschminken. In der Berliner Fan-Gemeinde ist unser Name nicht zwingend positiv besetzt, was sich im Verlauf der Rückrunde aufgrund der sensationellen Enthüllungen der Herren Veh und Bruchhagen auch nicht zwingend gesteigert hatte. Und wenn die einen, die so „anders“ sind, die friedlichen alternativen Kommerzhasen des FC St. Pauli, schon einen ihrer Spieler dafür feiern, wenn der einen in der Fan-Gemeinde unbeliebten Spieler wie Sascha Rösler anrotzt, dann war ich sicher, dass auch die Anderen „Anderen“, wie von sport1 und sky einmal pro Woche mindestens kolportiert, diesbezüglich noch etwas zu jubeln bekommen würden. Und natürlich hatte ich Recht, aber dazu später.

Die Freuden der Anderen

In einem ziemlich flotten Spiel vor 33.600 Zuschauern siegte Fortuna mit 2:1. Hierdurch kletterte man auf Platz 3 zurück, weil zeitgleich Paderborn in Karlsruhe 0:2 verlor. Man hatte einen Punkt Vorsprung auf St. Pauli, das 3:0 gegen Rostock gewann. Lustigerweise randalierten dort nach dem Spiel die siegestrunkenen Nicht-Etablierten, nachdem die schon vor dem Spiel ausgesperrten Hansa-Fans mit 1.700 Männeken vor dem Stadion absolut friedlich demonstriert hatten und vom Hamburger Einsatzleiter über den grünen Klee gelobt worden waren (diese Aussperrung war allerdings eine Polizei- und keine DFB-Maßnahme, nicht dass ihr glaubt, der DFB hätte davon irgendwas zurück nehmen können…). Man möchte es kaum glauben. Verkehrte Welt bei den Anderen. Aber das nur nebenbei.

Im Spiel der Fortuna gegen Union hagelte es in der ersten Hälfte Torchancen auf beiden Seiten. Ein Grund dafür war, dass Fortuna-Trainer Norbert Meier aufgrund diverser andauernder und neuer Verletzungen von Torwart Robert Almer und den Abwehrspielern Johannes van den Bergh und Jens Langeneke mal so eine lustige Dreierkette in der Abwehr ausprobierte. Ich dachte, ich seh nicht richtig. Dass diese Entscheidung mit der Form unserer Abwehr in der Rückrunde so richtig spannend werden könnte, war somit schon vor dem Spiel klar. Diese Aufstellung brachte zwar zusätzlich Druck nach vorne, auf der anderen Seite stand jedoch besonders Ex-Fortune Patrick Zoundi auf dem rechten Berliner Flügel so oft frei, dass der geglaubt haben muss, man würde ihn hier noch besonders mögen und habe ihm daher ein kleines Gastgeschenk in Form völlig desorientierter Gegenspieler gemacht. Die Folge dieser Aufstellung und des konsequenten Dagegenhaltens der Berliner: In der ersten Viertelstunde hätte es allein viermal einschlagen können. Für Union touchierte Mattuschka mit Granaten-Freistoß die Latte, kurz darauf scheiterte Belaid völlig freistehend ebenfalls so richtig am Gebälk, da hatte allerdings Torwart Ratajczak noch die Fingerspitzen dran. Auf der Gegenseite zog Beister einen Ball nach schöner Kopfball-Vorlage von Rösler ebenfalls freistehend volley übers Tor, Rösler selbst kam kurz darauf nach einem Schrägschuss von Lambertz einen halben Meter zu spät, um aus drei Metern abzustauben. Man wusste gar nicht, wohin man schauen sollte, so schnell ging es hin und her. Sehr unterhaltsam für den neutralen Beobachter, wenn man mit einem der beiden Teams irgendwie verbandelt war, sorgte der Auftakt allerdings eher für Schnappatmung.

Entschieden wurde das Spiel dann recht früh binnen sechs Minuten. Nach exakt einer Viertelstunde die Fortuna-Führung durch Ken Ilsø, der einen Rösler-Eckball mit dem Rücken zum Tor aus fünf Metern in die kurze Ecke bugsierte. Postwendend der Ausgleich drei Minuten später, als Ratajczak einen Zoundi-Schuss zwar zur Seite ablenkte, allerdings genau auf den Fuß des zweiten Ex-Fortunen, Simon Terodde, der keine Mühe hatte, aus acht Metern abzustauben. Wiederum drei Minuten später schon der Siegtreffer, als Beister von Parensen im Strafraum umgerissen wurde und Rösler den fälligen Elfer ausnahmsweise mal wieder reinmachte. In diesem Stil ging es dann bis zur Pause weiter, es hätte auch gut und gerne 4:4 stehen können. Und Zeit für die großen Gefühle der Anderen gab es natürlich auch. Nach gut einer halben Stunde trat Union-Recke Göhlert im Mittelfeld einmal kurz aus und knickte Maxi Beister aus dem Spiel. Ein klares Foul ohne Chance auf den Ball, eine klare Gelbe Karte. Beister schleppte sich noch bis zur Pause durch, ehe er mit Muskelquetschung im linken Oberschenkel ausscheiden musste. Und wie die Einen nichts gegen rotzende Spieler haben, wenn halt nur der Richtige getroffen wird, so sind auch die anderen Anderen durchaus für eine ordentliche Sense zu haben, wenn es den in ihren Augen „Richtigen“ erwischt. Und so ließ man im Union-Forum Göhlert für seinen Tritt gegen Beister genauso hochleben wie man zuvor im St. Pauli-Forum Zambrano dafür geadelt hatte, dass er seine Ähnlichkeit mit einem Anden-Lama mal kurz unter Beweis gestellt hatte. Nix gegen eine gesunde Abneigung, die habe ich selbst mittlerweile gegen so einige Figuren und Vereine entwickelt. Aber dass es so weit geht, Spieler für solche Taten noch zu feiern, dafür muss man wohl wirklich Fan eines „anderen“ Vereins sein, anders kann ich mir das nicht erklären. Okay, auch bei den Anhängern von Eintracht Frankfurt konnte man solche Einträge lesen. Aber die waren in dieser Saison ja auch kein Zweitliga-Verein, sondern ein Betriebsunfall. Bitte nicht mir ankreiden, das haben sie von sich selbst gesagt, namentlich natürlich wieder in Gestalt von Heribert „Tausendsassa“ Bruchhagen. Insoweit darf man bei denen schon längst nicht mehr alles so Ernst nehmen. Wie tief unten einige bei St. Pauli und Union Berlin allerdings mittlerweile sind, gibt mir schon ein wenig zu denken. Naja, wahrscheinlich bin ich einfach zu weich, aber ich wollte es trotzdem mal erwähnen. Ist ja auch bald vorbei hier.

Im Spiel beruhigte sich die Szenerie in der zweiten Hälfte ein wenig, da Fortuna durch die erzwungene Einwechslung von Dum für Beister die Viererkette wiederentdeckt hatte. Fortan ließ man hinten nicht mehr viel zu und verdaddelte vorne gewohnt routiniert die eine oder andere Konterchance, auch weil Union-Keeper Jan Glinker dreimal glänzend parieren konnte. Da auf der Gegenseite auch Michael Ratajczak die letzte Union-Chance von Mattuschka mittels Fußabwehr vereitelte, gewann Fortuna nicht ganz unverdient mit 2:1 in einem gewohnt engen Match gegen Union. Deren Fans belastete das natürlich nicht. Erstens ging es für sie um nichts mehr, und zweitens hatten sie ja noch etwas zu feiern.

Wie die Großen feiern

Apropos Feiern: einen Tag nach unserem Match stieg Eintracht Frankfurt im letzten Montagsspiel der Saison durch ein 3:0 bei Alemannia Aachen in die 1. Bundesliga auf. Glückwünsche für die Betriebsverunfallten waren nicht angebracht, darauf legten sie selbst großen Wert, namentlich natürlich in Gestalt von Heribert „Unfallvertrauensperson“ Bruchhagen, der meinte, es bestünde kein Anlass für eine Feier nach dem letztjährigen desaströsen Abstieg. Recht hat er, schließlich wurde am Main in der gesamten Saison lediglich davon gesprochen, den bereits erwähnten Betriebsunfall zu reparieren. Und dann kann man sich auch die Glückwünsche sparen, wenn es klappt. Wenn mein bestes Pferd durch die offen gelassene Stalltür abhaut, und ich es erst ein Jahr später schaffe, die Tür zu schließen, dann gratuliert mir schließlich auch niemand.

Die Frankfurter Fans, die zum Auswärtsspiel in Aachen mitgereist waren, sahen dies offensichtlich anders und freuten sich so sehr, dass Heribert „Fan-Nähe“ Bruchhagen ein Interview bei sport1 nach dem Spiel spontan abbrach, um vorsichtshalber vor den eigenen Leuten vom Platz zu flüchten. Aber der Deutsche Randalemeister enttäuschte auch an diesem Abend. Die Jungs sind einfach zu satt und verursachten lediglich 75.000 Euro Sachschaden im Aachener Stadion. Die waren diesbezüglich mal ganz andere Dimensionen gewöhnt! Sagte sich wohl auch Heribert „Und schon wieder keine Strafe, DFB!“ Bruchhagen, der spontan den Deckel übernahm und als Eintracht Frankfurt den Aachenern die Sachschäden bezahlte. Und dadurch wieder mal um eine DFB-Sanktion erfolgreich herumkam. Muss das schön sein, wenn man solch ein Hans Dampf in allen Gassen ist. Macht’s nicht gut, armseliges Volk, das trotz turmhoher Überlegenheit zu noch armseligeren Mitteln greifen muss, um eventuelle Konkurrenten aus dem Weg zu räumen, natürlich alles von oben abgesegnet. Aber wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja schon bald wieder. Und so Langweiler wie ich haben gerne mal ein Elefantengedächtnis.

Ach ja, unabhängig von Anhängern und Funktionären gibt’s ja noch die Mannschaft Eintracht Frankfurt. Der kann man natürlich gratulieren, auch wenn die wirklich nichts Überragendes brachte. Alles Andere als ein Aufstieg wäre schon eine Riesenblamage gewesen. Sie spielten es locker runter und steigen somit verdient auf. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Endspurt

So, und da stehen wir nun, wieder auf Platz 3, mit 60 Punkten, einen Zähler vor dem FC St. Pauli und einen weiteren vor dem SC Paderborn. Es sind noch zwei Spiele zum Abschluss der Rückrunde, ganz harte Brocken: zunächst bei Aufsteiger Greuther Fürth, für mich die spielstärkste Mannschaft der Liga, die sich zum Schluss noch die Zweitliga-Meisterschaft holen will und die gegen uns wohl keine Verwandten kennen wird. Und dann noch zuhause gegen den MSV Duisburg, Erläuterung der Brisanz dieses Spiels überflüssig bzw. bei Interesse im entsprechenden Hinrundenbericht nachzulesen. Und dann wird man sehen, ob es noch zwei Zugaben geben wird, Relegation gegen den Tabellen-16. der Ersten Liga, wahlweise Hertha BSC oder tatsächlich doch der 1.FC Köln. Ich bin im Moment noch etwas unschlüssig, wen ich mir lieber wünschen würde. Besser erstmal gar keinen, sondern versuchen, Platz 3 zu schaffen. Und was dann noch abgehen würde, würde eh alles sprengen, was ich in den letzten zehn Jahren rund um Fortuna erlebt habe. Ich werde berichten.

Setzt zum Endspurt an, vielleicht mit Verlängerung? janus

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