22.-25. Spieltag

Nachspiel vor dem nächsten Spiel

Drehbuch abgesegnet

Alles grau in München

Nullnummer

Frühlings-Weckruf

Eine milde Gabe von der DFL

Gagelmann kriegt alle

Abgang

22. – 25. Spieltag

Willkommen zu einer Zusammenfassung, die Altbewährtes bietet, das aber auch neu ist: sie beinhaltet mal wieder Siege der Fortuna! Davon hatten wir ja schon so einige in dieser Saison, daher altbewährt, in den letzten beiden Zusammenfassungen allerdings nicht, daher neu. Und deshalb sind es diesmal auch nur zwei, man will ja nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Immerhin kann man sagen – Fortuna ist weiterhin oben mit dabei und darf vom Aufstieg träumen. Auch wenn die Zufälle des Lebens uns in den letzten Wochen noch einige Steine in den Weg gelegt haben. Ich bin jemand, der gerne an die Macht des Zufalls glaubt, und als solcher wurde ich in den letzten Tagen bestens versorgt. Aber nun ist Schluss mit lustig – schließlich geht es zu Beginn direkt wieder um Eintracht Frankfurt.

Nachspiel vor dem nächsten Spiel

Da diese Zusammenfassung unmittelbar nach dem Frankfurt-Spiel am 13. Februar und der anschließenden Pressekonferenz von Eintracht Frankfurt am 14. Februar einsetzt, muss ich natürlich auch im Hier und Jetzt nochmals darauf eingehen. Schließlich hatten die Herren Veh und Bruchhagen mit ihrer eigenen Pressekonferenz einen Tag nach dem Spiel ihre Kampagne aus Beleidigungen und Unterstellungen gegen die „Schauspieler“ von Fortuna, insbesondere Sascha Rösler, fortgesetzt. Das musste doch Früchte tragen! Wozu hatte man sich schließlich die befreundeten Medien eingeladen. Und natürlich zog die Nummer. Die „Frankfurter Neue Presse“ veröffentlichte einen Kommentar, bei dem der Redakteur sich wirklich nur dadurch retten konnte, dass er den Artikel eben als „Kommentar“, somit als persönliche Meinung kennzeichnete. Mit voller Absicht wurde die eigene Wunschvorstellung als „Tatsache“ verkauft, indem er schrieb, es sei „Fakt“, dass die Spieler Furuholm und Anderson gegenseitig an ihren Trikots gezerrt hätten und dass der Assistent seine Meinung nur geändert und auf Elfmeter entschieden habe, weil die Fortunen ihn massiv bestürmt hätten. Diese „Fakten“ sind natürlich komplett falsch und zeigen recht deutlich, dass der Mann das Spiel überhaupt nicht gesehen hatte. Da er allerdings durchaus die Möglichkeit gehabt hätte, festzustellen, wie fehlerhaft seine Darstellung war (Furuholm hatte an überhaupt nichts gezogen, der Assistent war von ganz alleine auf die Torlinie gelaufen, weil er zuvor Foul angezeigt hatte), nennt man das, was er da schrieb, wohl „wissentlich die Unwahrheit sagen“ – auf gut Deutsch: lügen. Da musste schon eine Einstufung als Kommentar herhalten, damit die Redaktion keinen Ärger bekam.

Anschließend wünschte uns der faire Sportsmann noch Tabellenplatz 3 und die Relegation gegen Mainz, in der wir dann in der 119. Minute verlieren sollten, weil der Mainzer Zidan in unserem Strafraum gegen Sascha Rösler eine Schwalbe produzieren würde. Das geht schon ganz übel in Richtung „Nachtreten“, gibt aber kein Rot, weil es halt Frankfurt ist. Immerhin dürfte dieser Herr sich mit dieser kleinen Einlage seine Dauerakkreditierung bei der Eintracht für die kommende Saison gesichert haben, und nur darauf kam es offenkundig an. Vielleicht könnte Herr Bruchhagen diese auch noch persönlich überreichen, nebst einem netten Dankeschön, dass dieser objektive Journalist so gut funktioniert hat.

Dann wurde es allerdings noch richtig traurig. Denn auch jemand wie Wiglaf Droste meldete sich in der „Jungen Welt“ zu Wort und artikelte mal die ganze Wahrheit über „Fallobst Düsseldorf“, wie er den Verein in seinen Worten zu titulieren pflegte, wahrscheinlich weil er schon Dutzende Spiele der Fortuna gesehen hat und sich deshalb ein Urteil erlauben kann. Der Wiglaf, der Satire-Gott, einer der Besten des Landes, wenn es um zynische Bestandsaufnahmen geht, einer, der immer gerne mal selbst bei einem Blatt wie der taz rausfliegt, weil sie seine Worte nicht verstehen. Bislang ist er ja eher selten dadurch aufgefallen, dass er sich so richtig dolle für Fußball interessiert hätte. Folgerichtig hat er auch keinen einzigen Nachweis für das Urteil, das er fällt, den braucht ein Droste aber auch nicht. Furchtbar witzig nimmt er die Fortuna und alles Drumherum mal kurz auseinander. Es fällt allerdings auf, dass das Ganze circa anderthalb Kilometer unter seinem üblichen Niveau geschieht. Es fällt weiterhin auf, dass des Drostes Beitrag zum profanen Fußballgeschehen am 15. Februar in der „Jungen Welt“ erschien. Jawohl, nicht am Tag nach dem Spiel, als man ihm eventuell noch hätte unterstellen können, das Spiel gesehen und eine Meinung dazu zu haben; sondern nochmal einen Tag später, somit direkt nach der Extra-Pressekonferenz, die Veh und Bruchhagen einen Tag nach dem Spiel gaben. Das sind so die Zufälle des Lebens, die kann sich auch ein Heribert Bruchhagen sicherlich nicht erklären.

Aber zum Glück scheint das, was Droste da ablässt, nicht seine persönliche Einstellung zu sein, sondern schlicht ein Job. Seine Texte seien „sprachliche Kabinettstückchen von hohem literarischen Rang“, urteilte einst eine Jury. Der Droste denkt sich etwas bei jedem Wort, das er veröffentlicht. Denn einer wie Droste schreibt nicht nur, weil er grad Lust darauf hat, sondern weil er Botschaften vermittelt. Somit sitzt jedes Wort von ihm wie angegossen, ist lange überlegt, gedreht und gewendet, bis es passt.

Und was muss man dann lesen? Natürlich thematisiert der Fußballfachmann in seiner Glosse auch, dass Rösler und Veh des Feldes verwiesen wurden. Und zwar Stefan Rösler. Außerdem ist dem Artikel ein Bild beigefügt, in dem „Fortuna-Vielflieger Bodzeck“ gepriesen wird. Bodzeck, mit „c“! Und Stefan Rößler! Von einem, dessen Worte sein Kapital sind, geschliffen, poliert und abgerundet. Somit darf auch in den falschen Spielernamen durchaus Absicht vermutet werden. Der Meister formuliert damit glasklar: „Ich habe keine Ahnung von dem Vorgang! Und der ganze Rotz interessiert mich auch nicht!“ Subtiler wurde wohl noch nie ein intellektueller Hilfeschrei in Worte gegossen! Bleibt nur eine mögliche Konsequenz, die der Mann hier sprachlich kabinett zwischen die Zeilen legt: „Mich interessiert das alles nicht, aber ich musste ja.“ Und das erschüttert mich daran am meisten: Bruchhagen pfeift, die freundlich gestimmte Presse reagiert wie berechnet – und ausgerechnet einer wie Droste muss. Dies bringt mein literarisches Weltbild wirklich ins Wanken.

Drehbuch abgesegnet

Nun ist es ja nicht so, dass die ganze Angelegenheit überraschend über den „deutschen Fußball“ herein gebrochen wäre, den Herr Veh so gerne zu schützen pflegt. Schließlich hatte der gute Armin all dies punktgenau angekündigt, und zwar schon ein halbes Jahr zuvor. Am 26.09.2011 erschien nämlich in der Frankfurter Rundschau online (keine Ahnung, ob auch in der Printversion) ein großes Armin-Veh-Interview. Über volle drei Seiten gibt er Auskunft über sich und die Mannschaft. Wie er sich verändert habe, was ihm an der Fußball-Landschaft in Deutschland nicht mehr gefalle. Weder fällt der Name Sascha Rösler noch der von Fortuna Düsseldorf und gute Schiris fordert er auch nicht, es war ja das Hinspiel grad mal einen Monat vorbei. Aber er sagt klar und bemerkenswert eindeutig, was bei ihm auch zum guten Ton gehört:

FR: Aber Sie können doch nicht immer die Wahrheit sagen.

AV: In diesem Geschäft nicht, nein. Manchmal muss man halt auch irgendwas erzählen, um seine Mannschaft zu schützen. Denn sehen Sie: Die Spieler haben hier ja mehr Druck als in der Bundesliga. Der Druck, aufsteigen zu müssen, ist für unsere Spieler größer, als in der Bundesliga Zehnter, Zwölfter oder 14. zu werden. Da muss man manchmal öffentlich etwas sagen, was man vielleicht gar nicht so sieht. Als Trainer musst du lernen, quer zu denken und deine Naivität abzulegen.

Ein halbes Jahr später setzt er sein eigenes Drehbuch konsequent Punkt für Punkt um. Es fällt auf jeden Fall schwer, ihm zu glauben, dass die Äußerungen gegen Fortuna eine Herzensangelegenheit seien, und nicht nur eine gute Gelegenheit, von der eigenen Mannschaft abzulenken. Besonders wenn er dies schon im Voraus geplant hat und es vor allem als absolut probates Mittel in der heutigen Zeit ansieht. Überflüssig zu sagen, dass seitens der Zeitung keinerlei Nachfrage erfolgte. Die haben wohl schon mit Vorfreude darauf gewartet, dass er sich endlich mal einen Verein vornehmen würde. Schließlich ist das Frankfurt, die dürfen das.

Die dürfen das sogar mit ausdrücklicher Zustimmung des DFB. Nach dem Spiel schrieb nämlich ein erboster Fortuna-Anhänger (nicht meine Wenigkeit) an den DFB und forderte eine Sperre für Veh. Die Antwort kam prompt, und es erstaunt schon, dass es diesmal nicht einer der allseits bekannten Wortbaukästen war, mit dem der DFB ansonsten lästige Anfragen abzuwimmeln pflegt. Ich gehe auch mal davon aus, dass sie den leichtsinnigen Praktikanten, der die Antwort formulierte, mittlerweile gefeuert haben. Nichtsdestotrotz ist der Inhalt recht interessant:

„Vielen Dank für Ihre Nachricht.
Die von Ihnen geschilderten Anschuldigungen sind Teil einer hitzigen Diskussion, an der beide Seiten nicht unbeteiligt sind. Sowohl Herr Rösler als auch Herr Veh haben ihren Beitrag dazu geleistet. Aus diesem Grund wird der DFB sich nicht an dieser Diskussion beteiligen.
Mit freundlichen Grüßen,

Ihr DFB-Team“

Noch Fragen? Ich habe keine mehr. Das Drehbuch von Armin Veh ist somit im Nachhinein abgesegnet, es darf weiter gemacht werden. Was der Rösler damit zu tun hat, dass Veh vor dem Spiel derart die Verbalkeule schwingen durfte, erschließt sich mir zwar nicht unbedingt, aber egal, wird dem gleich auch ein Teil der Schuld zugesprochen, damit man beim DFB wieder ruhig schlafen kann. Denn da ja zwei Seiten beteiligt sind, wird der DFB sich daran nicht beteiligen. Das versteht ihr nicht? Ich auch nicht. Nur die Quintessenz des Ganzen, die ist eindeutig: der DFB hat nichts dagegen. Sagt der DFB. Der aus Frankfurt.

Nachdem sich Mannschaft und Verein somit eine Woche lang deutschlandweit beleidigen und verhöhnen lassen durften, ging es am 19.02.2012 weiter. Leider nicht mit einem lockeren Trainingsspiel, wie es die Frankfurter gegen ihren auffallend lustlosen Ortsrivalen hinlegen durften (ich könnte übrigens Videomaterial zum Thema anbieten), sondern direkt mit einem weiteren echten Härtetest: Auswärtsspiel beim TSV 1860 München, der „Mannschaft der Stunde“.

Alles grau in München

„Bei unserem Treffer zum 2:1 hatten wir eine Riesenportion Glück. Zudem hatte Fortuna sich nach einem guten Start von uns das Unentschieden absolut verdient. Ich denke, dass kein Zuschauer heute, egal ob Sechziger oder Düsseldorfer, sein Kommen bereut hat.“

So die Worte von „Löwen“-Trainer Maurer nach dem Spiel. Und er hatte mit jedem Satz Recht. Leider. Denn schließlich bedeutete dies, dass beim TSV 1860 München mit 1:2 verloren. Wieder kein Sieg im neuen Jahr, und dazu noch die Münchner als sechsten Aufstiegskandidaten in die Spitzengruppe eingeladen.

Es war mit Abstand die beste Leistung der Fortuna im neuen Jahr, vielleicht sogar seit Monaten. Okay, man verschlief die Anfangsphase, kam dann allerdings umso druckvoller in die Partei, spielte dem Gegner zeitweise Knoten in die Beine und scheiterte mal wieder an sich selbst, sowohl offensiv wie defensiv. Aber der Reihe nach.

Zunächst mal wieder ein heißer Dank an die DFL, die sich wirklich bemüht, auf albernes Brauchtum Rücksicht zu nehmen. Vor drei Jahren am Karnevalssonntag Auswärtsspiel in Unterhaching, vor zwei Jahren am Karnevalssonntag in Augsburg, im letzten Jahr gar am Rosenmontag in Augsburg, dieses Mal am Sonntag in München – die DFL scheint wirklich sehr bemüht zu sein, dass wir das rheinische Brauchtum konstant nach Bayern tragen, sie sieht dort offenkundig Nachholbedarf. Dabei ist dies völlig unnötig. Denn als wir nach einem ereignislosen Flug an jenem Vormittag am Münchner Flughafen anlangten und uns vom Arsch der Welt in Richtung Arena in Bewegung setzten, hatten wir natürlich bereits die entsprechenden verkehrstechnischen Verbindungen nachgeschaut. Und dabei festgestellt, dass ausgerechnet an der großen Umsteige-Station, dem Marienplatz, mehrere Haltestellen an jenem Tag nicht bedient wurden, Begründung: „Faschingsveranstaltung“. Also, liebe DFL, da ihr es anscheinend nicht wisst, hier nochmal die offizielle Mitteilung: in Bayern heißt das zwar „Fasching“, aber die wissen sehr wohl, was das ist. Es besteht somit keinerlei Notwendigkeit, uns aus missionarischem Eifer auch 2013 an den tollen Tagen wieder in die süddeutsche Pampa zu schicken. Danke.

Die Faschingsveranstaltung und die dazu gehörigen Verwirrungen für den öffentlichen Nahverkehr brauchten uns zum Glück nicht weiter zu interessieren, da es sich lediglich um die entsprechenden Bushalstestellen handelte, wir jedoch unterirdisch unterwegs waren. Daher mussten wir am Marienplatz gar nicht erst aus der Versenkung auftauchen, sondern konnten direkt mit der U 6 bis zum Ziel weiterfahren und dort mittels strammen Fußmarsches das Objekt der Begierde erreichen. Selten fand ich den Anblick eines Stadions deprimierender. Die ganze Gegend ähnelt ja schon stark einer Mondlandschaft, dazu war es ein Wetterchen, dass ich landsmannschaftlich gerne mit „usselig“ bezeichne: alles grau in grau, Nieselregen, vermischt mit Schneeflocken, Pfützen überall auf den Anmarschwegen, und nicht wirklich angenehme Temperaturen knapp über Null, die durch den unangenehmen Wind direkt noch weiter reduziert wurden. Dazu noch der Anblick des „Schlauchbootes“, welches ja mit voller Absicht nur aus Grautönen besteht und sich somit verblüffend gut in die triste Umgebung und die traurigen klimatischen Umstände einfügte. Da hat man schon vor dem Spiel eigentlich genug gesehen. Es wäre allerdings ein großer Fehler gewesen, den zugigen, unfreundlichen Kasten nicht zu betreten, denn beide Teams boten ein Zweitliga-Spiel der gehobenen Kategorie.

Die Sechziger als aktuelle Mannschaft der Stunde, seit Wochen ungeschlagen und immer wieder ein Stück näher an die Spitzengruppe heran gerutscht, zeigten dann auch gleich, dass ihre Erfolge in den Wochen zuvor kein Zufall gewesen waren und legten los wie die Feuerwehr. In der ersten Viertelstunde bekam die Fortuna nicht viel auf die Reihe, durfte sich aber wieder mal in der Tätigkeit üben, die man seit Mitte Dezember eigentlich recht gut beherrscht: einen Ball aus dem eigenen Netz holen. Ausgangspunkt diesmal unser Sechser Adam Bodzek, nur gerecht also, dass es auch die sechste Spielminute war. Da vertändelte er 25 Meter vor dem eigenen Tor den Ball. Klarer Fehler unseres polnischen Abräumers, der sich eigentlich nur eher vom Ball hätte trennen müssen. Allerdings kam der Gegenspieler, der ihm die Kugel klaute, von hinten, und da hat der Bodzek nunmal keine Augen. Man könnte meinen, dass jemand ihn durch Zuruf hätte warnen können. Da sich eine ähnliche Szene in der zweiten Halbzeit mit Andreas Lambertz ereignete – allerdings ohne Folgen –, drängt sich mir allerdings der Verdacht auf, dass man auf dem Spielfeld wohl eher weniger miteinander redet. In diesem Fall ein klarer Fehler, wie man keine zehn Sekunden später besichtigen konnte: Volland spielte schön flach in den Strafraum, genau in die so genannte Nahtstelle der Abwehr, Langeneke verpasste erst den Ball und rutschte dann aus, Stefan Aigner war durch, umspielte Torwart Ratajczak und schob zur Führung der Gastgeber ins leere Tor ein. In der Entstehung erinnerte der Treffer durchaus an das Führungstor der Frankfurter eine Woche zuvor. Da hatte sich die Verteidigung binnen sechs Tagen zweimal nahezu identisch ausspielen lassen. Na prima. Fünftes Rückrundenspiel – fünfter Rückstand. Das sind so Serien, die braucht kein Mensch.

Allerdings hatte die Fortuna die vier vorherigen Rückstände anschließend auch viermal ausgleichen können, nur gegen Paderborn reichte es nicht zum Punktgewinn, weil die anschließend nachlegen konnten. Und so machte man sich denn auf, dies auch zum fünften Mal nacheinander zu bewerkstelligen. Lukimyas Kopfball übers Tor nach einer Viertelstunde gab den Weckruf, und danach ging es richtig ab. Mit schnellen Kombinationen, wie man sie noch aus der Hinrunde kannte, wurde nach vorne gespielt, mächtig Druck aufgebaut. Die Gastgeber konnten schon in der ersten Hälfte nur noch kontern, was ihnen zweimal auch gut gelang, in beiden Fällen aber durch Rakic vergeben wurde. Fortuna bestürmte den „Löwen“-Strafraum, besonders gut sah das aus, wenn es über links ging, wo der wieder genesene Außenverteidiger van den Bergh in der ersten Hälfte zeitweise schon eher den Linksaußen gab und für erheblichen Schwung nach vorne sorgte. Aber auch über rechts ging was, Maximilian Beister zeigte sich dort deutlich formverbessert, er hatte wohl auch nicht vergessen, dass er sein bestes Spiel für Fortuna in der Hinrunde gegen die Sechziger abgeliefert hatte. Fortan brannte es lichterloh im Strafraum der Gastgeber, es sei denn, Thomas Bröker kam an den Ball. Der Stürmer hatte einen rabenschwarzen Tag erwischt, machte alles falsch, was man nur falsch machen konnte und stoppte mehrfach hoffnungsvolle Angriffe mit schon absurden Zuspielen oder Fehlpässen. Ein sehr gebrauchter Tag für ihn.

Aber selbst dieser Hemmschuh im Angriff konnte nicht verhindern, dass die Fortuna mit Macht auf den Ausgleich drängte, und immer wieder war es Beister, der auch seinen Torinstinkt wieder entdeckt zu haben scheint, er stand auffallend oft an der richtigen Stelle. Wenn jetzt noch eine Portion Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor dazu käme, könnte es glatt wieder was werden. Aber so scheiterte er erst mit einem Flachschuss am fulminant reagierenden „Löwen“-Keeper Kiraly. Anschließend wurde es noch unglücklicher: nachdem sich Lambertz links im Strafraum hervorragend durchgesetzt und Kiraly aus dem Tor gelockt hatte, spitzelte er den Ball in die Mitte, wo Beister aus fünf Metern zum Abschluss kam – diesmal schoss er den auf der Linie stehenden Daniel Bierofka an. Es war zum Haareraufen – eigentlich war der Ausgleich längst überfällig.

Trainer Meier setzte denn auch ein Zeichen, das ich so bei ihm noch nicht gesehen habe: bereits in der 43. Minute wechselte er Thomas Bröker aus und Timo Furuholm ein und wartete nicht mal bis zur Pause – Höchststrafe für den Stürmer, dem an jenem Tag gar nichts gelungen war. So kennt man Meier eigentlich nicht, aber nach dem zehnten Pass ins Nirwana war seine Geduld halt erschöpft. Es gibt Tage, da sollte man im Bett bleiben.

Furuholm kam grad rechtzeitig auf den Platz, um sich am Ausgleich zu beteiligen. Ken Ilsø – der für den gesperrte Sascha Rösler in die Startelf gerückt war und ein prima Spiel machte – spielte einen Zucker-Diagonalpass links in den Strafraum, wo wieder mal van den Bergh völlig frei auftauchte und die Übersicht behielt, als Kiraly endlich aus dem Kasten kam: er spielte – wie zuvor Lambertz – flach in die Mitte, wo Furuholm samt Gegenspieler heran rauschte, aber richtig nicht an den Ball in seinem Rücken kam. Dadurch dass er aber einen Mann mitgezogen hatte, stand jetzt hinter ihm wieder einmal Beister völlig frei, und diesmal traf er aus fünf Metern ins rechte Eck. Der hoch verdiente Ausgleich. Und kurz darauf wurden beide Teams auch zum Pausentee gebeten.

Wer sich jetzt gedacht hatte, beide Mannschaften würden es etwas ruhiger angehen lassen, sah sich getäuscht. Sofort nach dem Wechsel ging es wieder munter rauf und runter. Die ersten zehn Minuten gehörten erneut den „Löwen“, dann legte Ilsø für Lambertz auf, der aus 16 Metern knapp verzog, und von da an hatte die Fortuna wieder mehr vom Spiel. Allerdings blieben die Gastgeber stets gefährlich, so beispielsweise in der 66. Minute, als unsere Abwehr sich wieder mal eine Auszeit nahm. 20 Meter vor dem Fortuna-Gehäuse nahm Benny Lauth den Ball an, und dann, ich mochte es kaum glauben – griff ihn niemand an. Alle schienen wohl der Meinung, der könne eh nix und würde den Ball gleich freiwillig abgeben, anders kann ich mir diesen Kollektiv-Blackout nicht erklären. Der hatte wirklich mehrere Sekunden Zeit, den Ball anzunehmen und in aller Gemütsruhe zu schauen, was er denn nun damit anstellen könnte. Mehr Muße hat der im Training auch nicht. Und so wurde es denn auch eine zentimetergenau getimte Flanke auf Volland, den man wohl ebenfalls vergessen hatte, und der nickte die Kugel aus acht Metern – zum Glück nur gegen die Latte. Arbeitsverweigerung mal nicht bestraft.

Insgesamt hatte die Fortuna deutlich mehr vom Spiel. 63 % Ballbesitz, 8:2 Ecken, 22:13 Torschüsse. Ich weiß gar nicht, wann wir bei einem Auswärtsspiel zuletzt eine solche Statistik hatten. Dass es trotzdem nicht einmal zu einem Punkt reichte, lag zunächst an der mangelnden Chancenverwertung. Man hätte vorne schon längst alles klar machen müssen. Tja, leider war dies allerdings ein 3-Euro-ins-Phrasenschwein-Spiel, will heißen: wenn man vorne die Dinger nicht macht…Rest bekannt.

In der 81. Minute Freistoß für die „Löwen“ etwa 20 Meter vor dem Fortuna-Tor, gute Position. Langeneke hatte Lauth gefoult, ich sag mal, naja. Der Benny wollte den Freistoß auch haben, fiel schon unmittelbar, nachdem er sich in Langeneke hinein gedreht hatte. Kann man geben, muss man nicht. Der eingewechselte Maximilian Nicu, anerkannter Freistoß-Spezialist, führte aus, und irgendwie hatten wohl alle gedacht, der wemmst direkt drauf. Aber da Nicu auch eine sensible Ader hat, narrte er die versammelte Fortuna-Schar in deren eigenem Strafraum, indem er die Kugel einfach nur in den Strafraum streichelte. Eine Variante, ein unerhörter Vorgang. Ehe sich alle roten Trikotträger von dieser neuen Wendung erholt hatten, war der Ball drin, Innenverteidiger Necat Aygün hatte mithilfe der Latte eingeköpft, 2:1 für die Münchner. Diese Schlafmützigkeit wirkte auch deshalb unglaublich, weil die Fortuna knapp zehn Minuten vorher selbst eine gute Freistoß-Variante gespielt hatte: Levels hatte von rechts nicht wie erwartet den Freistoß als Flanke geschlagen, sondern flach an die Sechzehnmeterlinie gespielt, wo der völlig freie Langeneke mit einem Flachschuss an Kiraly gescheitert war. Aber irgendwie hatte sich wohl in den Köpfen festgesetzt, dass der Gegner so etwas nicht beherrschen würde. Leider spielentscheidend. Denn obwohl man in den letzten 10 Minuten alles nach vorne warf, langte es nicht mehr zum eigentlich verdienten Ausgleich. Ganz zum Schluss scheiterte auch der eingewechselte Jovanovic am hervorragenden Kiraly, und das Ding war durch.

Fortuna verlor nach 14 Partien erstmals wieder auswärts, und das obwohl man die beste Leistung seit Monaten zeigte. Man scheiterte an sich selbst und daran, dass der Gegner offensiv die entsprechende Qualität hatte, dies zu nutzen. Defensiv waren nämlich auch die „Löwen“ mit Ausnahme ihres Keepers phasenweise ein echter Trümmerhaufen. Überzeugende Leistung der Fortuna, völlig unnötige Niederlage. Aber auch die soll es ja ab und zu geben.

Noch ein Wort zum Schiedsrichter im Spiel 1, nachdem Heribert Bruchhagen die „Methode Fortuna“ öffentlich angeprangert hatte: es pfiff unser aller Liebling Manuel Gräfe. Der verteilte zehn Gelbe Karten, völlig überzogen in einem eigentlich recht fairen Spiel. Als die „Löwen“ allerdings zweimal richtig zulangten, drückte er beide Augen zu, was in Anbetracht der Umstände doch schon als krasse Fehlentscheidung ausgelegt werden musste und die Verschwörungstheoretiker wieder auf den Plan rufen könnte. Zum Ende der ersten Halbzeit wurde Lambertz an der Seitenlinie nach seinem Abspiel von Schindler umgenietet, ein richtig schöner Pferdekuss, genau platziert, scheint ein Könner seines Fachs zu sein. Gräfe ließ erst völlig korrekt Vorteil gelten, nahm sich aber anschließend den Spieler noch nicht einmal zur Brust – keine Ermahnung, keine Karte, kein gar nichts. Dafür mal wieder schön Kärtchen verteilen für irgendwelches Gezuppel an Trikots. Noch unglaublicher allerdings das, was er sich in der zweiten Halbzeit erlaubte: da trat Rakic, ebenfalls an der Seitenlinie, Maxi Beister direkt aus dem Spielfeld heraus, der Ball war nicht mal in der Nähe. Volle Absicht, Rakic entschuldigte sich noch nicht einmal, sondern ging direkt von dannen. Dann der Hammer: Gräfe pfiff, und als Rakic sah, wie der Schiri sich – wie üblich gemessenen Schrittes – zum Tatort begab, fasste er sich mal kurz ans Füßchen und fiel um. 15 Sekunden nach der Aktion! Der Schock wahrscheinlich. Selten solch eine erbärmliche Einlage gesehen. Die war aber nichts gegen die Reaktion von Gräfe, der fürsorglich neben dem armen Rakic stehen blieb, bis dieser sich wieder erhoben hatte, um ihm dann – was zu geben? Den freundlichen Rat, sich mal schnell auswechseln zu lassen. Auch hier keine Karte. „Löwen“-Trainer Maurer machte von dem freundlichen Angebot Gebrauch, wechselte kurz darauf Rakic aus und den Vorlagengeber Nicu ein. Das kann einem schon mal merkwürdig vorkommen.

Natürlich kann man sagen, dass ein Gräfe keine Vorgaben aus Frankfurt braucht, um schlecht zu pfeifen. Allerdings stößt die völlig eindeutige Sache mit Rakic dann doch unangenehm auf.

Nullnummer

Zum nachfolgenden Spiel gegen Alemannia Aachen vor 28.700 Zuschauern am 27.02.2012, endlich mal wieder ein Montag, kann man entweder zehn Seiten schreiben oder eine. Ich ziehe letztere Möglichkeit vor. Natürlich kann man wieder in der statistischen Überlegenheit der Fortuna schwelgen: 60 % Ballbesitz, 10:3 Ecken, 16:6 Torschüsse gegen einen Gegner, der offenkundig nicht zum Gewinnen angereist war und erst am Schluss etwas munterer wurde, als allmählich klar war, dass der Gastgeber hier noch drei Stunden weiterspielen könnte, ohne einen Treffer zu erzielen. Die vielen Versuche, Selbiges zu tun, könnten natürlich jetzt aufgezählt werden, aber es wäre eine zähe und langweilige Lektüre von fruchtlosen Angriffsversuchen, Fehlpässen ins Nichts, guter gegnerischer Abwehr und – ja, doch – auch ein paar Torchancen. Im Endeffekt hatte man nur zwischen der 58. und 62. Minute das Gefühl, es ginge was, als Fortuna binnen dieser Zeit drei Großchancen versiebte. Zweimal war es Sascha Rösler, der kurz nacheinander die Führung auf Fuß und Kopf hatte. Was er mit dem Fuß anstellte, nachdem er durch einen Traumpass von Fink im Strafraum relativ unbedrängt zum Schuss kam, möchte der Chronist schamhaft verschweigen; nur soviel, wenn ich es richtig gesehen habe, gab es anschließend Einwurf… Kommt davon, wenn man den rechten Fuß wirklich nur in absoluten Notfällen zum Fußballspielen benutzt und dann plötzlich damit aus zehn Metern einen Volleyknaller aufs Tor bringen soll. Röslers Kopfball kurz darauf nach Freistoß von Ilsø hingegen war wesentlich besser und verfehlte das Aachener Gehäuse nur um Zentimeter. Das dickste Ding des Spiels versemmelte allerdings der Däne selbst, als er von Lambertz hervorragend frei gespielt wurde. Ilsø brachte die Kugel auch aufs Tor, scheiterte aber am besten Aachener, Torwart Waterman, der blitzartig den linken Fuß ausgefahren hatte und klären konnte. Nach dieser kleinen Drangperiode fiel man leider in den alten Trott stumpfsinnigen Anrennens zurück, die Aachener konnten sich sortieren und standen fortan wieder recht sicher. Ansonsten sind mir noch zwei gefährliche Schüsse von der Strafraumgrenze in Erinnerung, einer von Lambertz, den Ball konnte Waterman halten, einer von Beister flach rechts am Tor vorbei. Bezeichnenderweise geschahen diese beiden Aktionen jeweils unmittelbar vor den Enden der beiden Halbzeiten, zuvor hatte man stets versucht, den Ball ins Tor zu tragen und wunderte sich dann, warum es nicht klappte. Und dass man so auch das sechste Rückrundenspiel nicht gewinnen konnte.

Im Gegenteil, am Schluss musste man noch dankbar sein, dass es ein 0:0 wurde. Bei einer Aktion von Tobias Levels im eigenen Strafraum hätte Schiri Aytekin durchaus Handelfmeter geben können. Er tat es nicht, revanchierte sich aber in Halbzeit Zwei bei einer ähnlichen Szene mit dem Aachener Olayengbesi, die allerdings längst nicht so klar war. Immerhin, als Konzessionselfer hätte es durchaus reichen können. Beide Teams erzielten auch noch je einen Abseitstreffer, erst Kratz für Aachen, dann Ilsø für Fortuna, und es war gut, dass beide Situationen eindeutig waren. Ganz zum Schluss wären wir fast noch bestraft worden: in der 86. Minute köpfte Feisthammel nach einer Ecke von rechts schön auf die lange Ecke, Fortuna-Torwart Robert Almer guckte mal staunend hinterher und wäre im Leben nicht an den Ball gekommen. Zum Glück stand am langen Pfosten Ken Ilsø, und der stand da nicht nur rum, um die Aussicht zu genießen, sondern haute die Kugel tatsächlich noch raus. Dies wäre für die Aachener allerdings auch des Guten ein wenig zuviel gewesen, sie waren auch mit dem einen Punkt schon bestens bedient, aber wenn man sich derart hilflos anstellt, wie die Fortuna in weiten Teilen des Spiels, dann darf man sich nicht wundern, wenn dieser doch eher biedere Gegner dann ein 0:0 mit nach Hause nimmt.

Übrigens, ihr habt richtig gelesen – Fortuna-Torwart Robert Almer. Trainer Norbert Meier hatte reagiert und den dauerkritisierten Keeper Michael Ratajczak aus dem Kasten genommen. Getreu dem Motto, wenn die ganze Abwehr unsicher spielt, muss das kleinste Glied in der Kette dran glauben, besetzte er den Torwartposten neu. Almer machte eine unspektakuläre Partie, pflückte einige Flanken recht sicher, hatte ansonsten allerdings nicht viel zu tun. Die beiden Bälle, die aufs Tor kamen, konnte er jedoch nicht halten, zum Glück war der eine Abseits, beim anderen stand Ilsø richtig. Man würde somit die nächsten Spiele abwarten müssen, um eventuell sagen zu können, ob der Torwartwechsel sinnvoll gewesen war.

Eine ärgerliche Nullnummer gegen ein absolut schlagbares Team. Die Abwehr verunsichert, keine Spur mehr von Stabilität, was das Mittelfeld um Lambertz, Fink und Bodzek so trieb, wurde gegen Ende des Spiels immer mehr gesundheitsgefährdend, wenn man zu lange hinschaute, und der Angriff war nur noch ein Schatten seiner selbst, langsam nicht mehr wiederzuerkennen im Vergleich zur Hinrunde. Dass das Ganze immer noch für gehobene Ansprüche reicht, konnte man daran sehen, dass trotz des eher desolaten Gesamteindrucks immer mal wieder gute Chancen herausgespielt wurden. Wenn man doch nur mal eine davon nützen könnte! Somit blieb es nach dem Aachen-Spiel dabei – die Fortuna war in der gesamten Rückrunde noch nicht ein einziges Mal in Führung gegangen. Das ist natürlich nicht aufstiegsreif. Folgerichtig fand man sich nach dem Spieltag auch auf Platz 5 wieder – aber immer noch in Schlagdistanz, zwei Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Greuther Fürth, einen auf die drei Teams dahinter. Also nix verloren. Aber ohne in Führung zu gehen, konnte man wohl schwerlich noch ein Wörtchen mitreden im Aufstiegskampf.

Blieb als einzig positives Fazit dieses Spiels haften: zum ersten Mal in der Rückrunde gab es kein Gegentor. Da dies allerdings eher am harmlosen Gegner denn an einer stabilen Abwehr lag, konnte man nur hoffen, dass die Mannschaft dies als „Aufwärtstrend“ fürs Selbstbewusstsein werten würde.

Frühlings-Weckruf

Am 03.03.2012 trat Fortuna beim Karlsruher SC an. Schon eine vorentscheidende Partie, denn wenn man die auch versemmeln und die Konkurrenz gleichzeitig punkten würde, dann wäre die Spitzengruppe erst einmal weg. Einen Vorteil hatte das Ganze: Der Gegner, in akuter Abstiegsgefahr wie zuvor Aachen, allerdings mit Heimrecht, würde sich wohl kaum derart einmauern, wie es die Funkel-Truppe zeitweise gemacht hatte. Und gegen einen mitspielenden Gegner sehen wir irgendwie immer besser aus als gegen menschliche Beton-Mischmaschinen. Beide Teams benötigten also dringend ein Erfolgserlebnis, das ließ auf einen unterhaltsamen Nachmittag schließen.

Und es wurde einer. Es passte einfach alles. Zunächst wurde das Wetter immer besser, je weiter wir zur Spielstätte vordrangen. In Bonn war es diesig, ungemütlich und kühl, in Karlsruhe herrschten 16 Grad, Sonnenschein, eine leichte Brise und nur wenig Wolken. Da bekommst du schon auf der Anfahrt bei jedem Kilometer mehr Lust. Nachdem wir die A 61 und A 65 erfolgreich und staufrei absolviert hatten, kurvten wir über die B 10 nach Karlsruhe ein. Wir erinnerten uns sogar noch rechtzeitig daran, dass diese unscheinbaren Kästen auf der Rheinbrücke in Karlsruhe, die aussehen wie schwarz angepinselte, etwas zu groß geratene Notrufsäulen, die neue Generation von Blitzern darstellen, und passierten die Brücke schuldenfrei. In Karlsruhe selbst muss man ein Stück durch die Innenstadt, um zum Stadion zu gelangen, hier machten wir die Entdeckung, die uns endgültig frohlocken ließ, dass an diesem Tage was gehen würde: diese Mörder-Baustelle, die uns in den vergangenen beiden Jahren jeweils zu kreativen Touren durch die Stadt gezwungen hatten, war weg! Beziehungsweise, sie soll wohl nicht weg sein, steht nun aber anscheinend an einer Stelle, die unseren Weg zum Wildparkstadion nicht mehr berührte. Gelobt seien die Stadt Karlsruhe und die anständige deutsche Bauindustrie! Somit konnte erstmals von einer völlig stressfreien Anfahrt gesprochen werden.

Auf dem Parkplatz folgte uns nach dem Einparken dann der anweisende Ordner und wies darauf hin, dass wir wohl in einer Reihe standen, in der ansonsten einheimische Wagen abgestellt würden, sodass unser Düsseldorfer Kennzeichen hier eventuell Ursache für einige Lackveränderungen am Fahrzeug hätte sein können. Ich find`s ja gut, wenn man so offen darauf hinweist, dass man seinen eigenen Parkplatz nicht im Griff hat. Umparken wollten wir allerdings auch nicht mehr. Das Problem wurde sodann äußerst diplomatisch gelöst. Im Rahmen der Völkerverständigung hatten wir tatsächlich einen KSC-Fan aus Aachen transportiert, der natürlich in vollem Ornat zu seinem Heimspiel reiste. Sogar zwei Fan-Schals hatte er am Mann. Einen davon deponierten wir einfach gut sichtbar hinter der Windschutzscheibe. Wenn es tatsächlich Karlsruher in Aachen gibt, warum dann nicht auch in Düsseldorf? In Zeiten der Reisefreiheit ist vieles möglich. Die Rechnung ging auf, der Wagen überstand das Spiel völlig unbeschadet. Mimikry für eine Heimfahrt ohne Ärger!

Nachdem wir uns im Stadion noch eine gute Feuerwurst gegönnt hatten (neinneinnein, auch die kommt nicht an Mannheim heran, aber es war eine erfreuliche Abwechslung – besonders, wenn ich an diese „Currywurst“ zurück dachte, die ich im Jahr zuvor dort „genossen“ hatte), konnte wieder einmal über die kreative Sitznummerierung auf der Haupttribüne gestaunt werden. Denn in Karlsruhe werden die Sitze weiterhin einfach quer durch die Reihen von vorne nach hinten durchgezählt. Ich erhielt somit Sitz 5525 und harrte der Dinge, die da kommen würden.

Nun muss man sagen, das Erste, was ich kommen sah, war der KSC. In den ersten zehn Minuten gaben nämlich die Gastgeber den Ton an, spielten flott nach vorne und hatten durch Pascal Groß auch die erste Chance, aber Almer parierte seinen Schuss souverän. In der 10. Minute dann das erste Lebenszeichen von Fortuna: Ken Ilsø setzte sich nach schöner Einzelleistung links im Strafraum ins Szene und versuchte mit rechts einen Schlenzer in die lange Ecke. KSC-Keeper Dirk Orlishausen jedoch machte sich ganz lang – und das heißt bei ihm 1,97 Meter –, bekam die Fingerspitzen noch an den Ball und lenkte ihn um den Pfosten. Dies war allerdings Schiri Zwayer völlig entgangen, der entschied auf Abstoß. Eine Fehlentscheidung, die sich sofort rächte. Orlishausen führte zwar den Abstoß noch unfallfrei aus, anschließenden verloren die Karlsruher jedoch fix den Ball, Lambertz spielte rechts raus zu Rösler, der wartete, schaute und schlug anschließenden einen wunderbaren Ball in den Strafraum, über die Abwehr hinweg auf den langen Pfosten. Und dort tauchte plötzlich Oliver Fink völlig frei auf, auch deswegen, weil sein Gegenspieler Bogdan Müller fünf Meter zuvor sein Mitläufertum mit Fink aufgegeben hatte, wohl in der Annahme, der alte Mann da hinten auf rechts würde mit der Flanke eh nicht so weit kommen. Er tat es doch, der Ball segelte Fink exakt auf den Fuß, und der vollendete aus fünf Meter völlig frei zum 0:1. Von der Fehlentscheidung bis zum Torabschluss keine 30 Sekunden. Endlich! Die erste Führung für die Fortuna in der Rückrunde, die erste Führung seit dem 05.12.2011!

Und es schien, als habe die Mannschaft genau das gebraucht, denn sie machte sofort frohgemut so weiter. Gerade mal fünf Minuten später ging es wieder über rechts, Tobias Levels schlug eine seiner bekannten Flanken, die meist um den kurzen Pfosten herum verhungern, wo selbstverständlich niemals ein Fortune auftaucht, um aus der bekannten Schwäche des rechten Außenverteidigers ab und zu vielleicht doch noch einen Ballbesitz zu machen. In diesem Fall war es zum Glück nicht erforderlich, denn der KSC-Abwehrspieler mit dem wunderbaren Namen Elias Charalambous bekam den Ball nicht weg, die Abwehr geriet zu kurz. Ken Ilsø versuchte einen Schuss, aber Charalambous hatte nachgesetzt, es kam zu einem Pressschlag, der den kleinen Dänen von den Füßen hob. Der blieb allerdings nicht liegen, um einen Elfmeter zu schinden (LilliVeh und Bruchhagen werden empört aufgeschrieen haben), sondern kam nochmals an den Ball und legte zurück an den Sechzehner, wo Maxi Beister direkt abnahm und mit knallhartem Flachschuss aus dem Stand das 0:2 erzielte. Ich rieb mir verdutzt die Augen und schaute erneut hin, aber der Ball lag immer noch im Netz – 0:2 nach einer Viertelstunde, man mochte es kaum glauben.

Bis zur Pause konnten die 14.000 Zuschauer – abzüglich natürlich der 2.500 mitgereisten Fortunen – dann hoffen, dass für den KSC vielleicht noch etwas ginge. Die Gastgeber spielten gut nach vorne, allerdings ohne die Fortuna richtig einzuschnüren. Ein Schuss von Haas nach schöner Kombination, genau auf Torwart Almer, und ein gefährlicher Kopfball von Lavric knapp über das Tor nach Flanke von links waren die einzige Ausbeute, die die Badener aufs Tor brachten. Und kurz vor der Pause hatten sie dann noch Pech, als Schiri Zwayer nach einem Foul im Mittelfeld Freistoß für den KSC pfiff, obwohl der Ball noch nach vorne auf Iaschvili weitergeleitet wurde, der sich in sehr aussichtsreicher Position befand. Vorteilsregel durch den Schiri missachtet, sehr ärgerlich.

Die Pause sah eine nicht unverdiente Führung der Fortuna, die einfach ballsicherer war als die etwas hektischen Karlsruher, auch wenn bei uns bei weitem nicht alles Gold war, was glänzte. Da war es natürlich praktisch, dass die Gäste in der zweiten Hälfte schon früh alles klar machten, um anschließend einen entspannten Nachmittag zu erleben, bevor die Gastgeber auf die Idee kamen, hier könnte noch was gehen. Bereits nach vier Minuten in der zweiten Hälfte war das Spiel durch, und die Aktion zeigte darüber hinaus, dass der KSC nur noch als Sparringspartner zu fungieren gedachte: rechts am Strafraum setzte sich Beister gegen vier Mann durch, wurde einfach nicht attackiert, konnte dribbeln, schauen und abziehen. Wieder ein Flachschuss, wieder in die rechte Ecke. Diesmal allerdings zu genau, sodass eine Dreiband-Kombination dabei heraus kam: die Kugel prallte gegen den Pfosten, von dort hoch zurück an die Schulter des Torwarts, von dort wieder in den Strafraum und vor die Füße von Ken Ilsø, der schneller schaltete als die umstehenden Gegenspieler und den Ball volley im kurzen Eck versenkte. 0:3, Spiel gelaufen. Erstes Saisontor für unseren quirligen Dänen.

Jetzt klappte alles, und die Partie mutierte kurzfristig zum Scheibenschießen. Wiederum nur vier Minuten später die zweite Fehlentscheidung des Schiris zu unseren Ungunsten. Klares Foul an Rösler, mittig an der Strafraumgrenze, Rösler fällt auf den Ball, die Kugel rollt allerdings unter ihm durch und wird von Fink per Direktschuss humorlos zum vermeintlichen 0:4 versenkt. In dem Moment, in dem die Kugel das Tornetz ausbeulte, pfiff Schiri Zwayer Freistoß für uns, er hatte das mit der Vorteilsregel weiterhin nicht verinnerlicht. An diesem Tag änderte sich der Lauf der Dinge allerdings nur insoweit, als dass sich der Name des Torschützen änderte. Denn den anschließenden Freistoß haute Rösler mit links über die Mauer halbhoch ins linke Eck, während der KSC-Keeper in seiner rechten Torwartecke nur bewundernd zusehen konnte. Anschließend rang Rösler im Torjubel den Physio Thomas Gucek auf dem Beton vor der Ersatzbank nieder, Gucek überstand die Jubelarie zum Glück ohne größere Verletzung. Ein wahrer Freudenausbruch des Stürmers, der ebenfalls seit dem 05.12.2011 nicht mehr getroffen hatte und seitdem mehr von Veh und Bruchhagen zur Sau gemacht worden war als er gelungene Aktionen in einem Spiel hatte. Das zwölfte Saisontor des von Eintracht Frankfurt offiziell titulierten und vom DFB durch selbstverständliches Schweigen hierzu ebenso offiziell abgesegneten „Rotzlöffels“.

Und weil an jenem Tag einfach alles klappte, durfte sich auch Kapitän Andreas Lambertz wohl auch sagen: ich hab ja schon lang nicht mehr getroffen, also schieß ich einfach auch ein Tor. Und was für eins, in der 76. Minute Doppelpass im Mittelfeld mit dem eingewechselten Bröker, der legt Lambertz die Kugel per Kopf in den Lauf, der Kapitän macht noch ein paar Schritte und haut das Ding dann volley aus 25 Metern aufs Tor. Und da kann sich Orlishausen so lang machen, wie er will, auch dieses Ding passt, halbhoch gegen den linken Innenpfosten und dann ins Netz – 0:5. Da bei uns eigentlich nur einer, nämlich der Rotzlöffel, für Traumtore zuständig ist, wurde Lambertz folgerichtig unmittelbar nach der Aktion ausgewechselt. Das nenn ich mal einen letzten Schuss!

In der letzten Viertelstunde schaukelte die Fortuna das Ergebnis noch locker nach Haus, gegen einen völlig demoralisierten Gegner, der bis auf eine dicke Chance von Groß, der den Ball aus fünf Metern volley in die Wolken jagte (allerdings bereits beim Stande von 0:4), keine Tormöglichkeit mehr heraus spielte. Trainer Meier bemängelte nach dem Spiel zurecht, dass die Konter nicht zwingend zu Ende gefahren wurden, nicht um den Gegner zu demütigen, sondern weil wir in punkto Torverhältnis gegenüber anderen Vereinen in der Spitzengruppe gerne noch einiges aufholen dürfen. So konnte man die letzte Viertelstunde entspannt in der Sonne genießen und den KSC-Fans Anerkennung zollen, die natürlich bitter enttäuscht waren, von denen aber erstaunlicherweise kaum einer vorzeitig das Stadion verließ. Respekt! Dann war es auch vorbei, und die Fortuna hatte nach sechs sieglosen Spielen in der Rückrunde endlich gewonnen. Ein echter „Knotenplatzer“, so konnte man hoffen. Und in der letzten Saison war es nach genau sechs Niederlagen in der Hinrunde ja auch bei einem Auswärtsspiel (in Osnabrück) endlich wieder aufwärts gegangen. Lustigerweise übrigens mit demselben Schiri, der aber nu wirklich nichts dafür konnte. Ein Sieg aus dem Frust heraus mit der schönen Erkenntnis, dass auch mal wieder Dinge klappten, die den ganzen Februar über misslungen waren. Schöne Kombinationen, erfolgreiche Abschlüsse und nicht zuletzt die Fähigkeit, in entscheidenden Spielphasen die Tore zu machen, um den Gegner zu schocken. Lange nicht mehr gesehen, aber trotzdem wiedererkannt. Hoffentlich nicht zum letzten Mal.

Eine milde Gabe von der DFL

In der Woche zwischen den Spielen in Karlsruhe und gegen Erzgebirge Aue kredenzte die DFL der Liga die restlichen Spieltermine für diese Saison. Und wieder wurde uns klar, dass wir doch unfassbar beliebt sein müssen bei den Herren aus Frankfurt. Denn diesmal überspannten sie den Bogen gewaltig. Wieder zwei Montagsspiele, eins davon in Dresden, dazu Gründonnerstag in Rostock, von der Ansetzung des Heimspiels gegen den FSV Frankfurt am Dienstag nach Ostern um 17.30 Uhr mal ganz zu schwiegen. Hier ist das Maß endgültig übervoll.

Im Einzelnen: Fortuna bekam die Montagsspiele 10 und 11 der laufenden Saison verpasst. Ein Drittel aller Saisonspiele wird der Verein damit montags absolviert haben, neuer Rekord. Ein absolutes Unding. Will die DFL damit wirklich sagen, sie kuschen davor, wenn sport1 sich die Partien aussucht? Sie können keinen Einspruch dagegen erheben? Die allmächtige DFL, deren Abgesandter Holger Hieronymus vor einigen Jahren in einem anderen Fall mal in die Blöcke der Journalisten diktierte: „Wir lassen von Sekundärereignissen nicht unseren Spielplan diktieren.“? Die dürfen also nichts sagen, wenn sport1 seine Wünsche für den Montag abgibt, sondern nur abnicken? Das ist eigentlich schwer zu glauben, und wenn es stimmt, dann fragt man sich schon, wofür die in ihrem Verein so viele gut bezahlte Funktionäre rumlaufen haben – zum Abnicken können sie sich doch auch jemanden von der Straße holen. Andererseits, wenn dies nicht der Fall sein sollte, darf man sich mal fragen, warum sie solche Dinge mit Kusshand abnicken. Natürlich weil sie an der Kundschaft vor dem Fernseher interessiert sind, nicht an den Besuchern im Stadion, an Gäste-Fans schon mal überhaupt nicht, das ist ja klar und wird von denen auch nicht ernsthaft dementiert. Aber dass dann solche Ungerechtigkeiten rein zufällig dabei herauskommen, ist schon ein wenig fraglich.

Denn in Kombination mit dem Montagsspiel schafften sie eine ganz besondere Variante, die rein zufällig Fortuna exklusiv hat. Für den 28. Spieltag verpasste man uns den letztmöglichen Spieltermin, für den 29. Spieltag dafür generös den erstmöglichen. Da der 29. Spieltag jedoch am Osterwochenende gespielt wird, welches bekanntermaßen einen Karfreitag beinhaltet, an dem nicht gespielt werden darf, ergibt dies folgendes Bild: am 02.04.2012 um 20.15 Uhr Heimspiel gegen den FC St. Pauli, am 05.04.2012 um 18.00 Uhr Auswärtsspiel – bei Hansa Rostock, also praktisch „um die Ecke“! Zum Vergleich: die göttliche Frankfurter Eintracht spielt an diesen beiden Spieltagen rein zufällig in der Kombination Samstag/Samstag – sechs Tage Pause dazwischen! Fürth spielt Samstag/Donnerstag, St. Pauli Montag/Samstag, Paderborn gar Freitag/Sonntag! Nur Fortuna hat als einziger Club aus der gesamten Liga die Ehre, Montag/Donnerstag antreten zu dürfen. Und das – wir wollen es nie vergessen – aus reinem Zufall! Und weil die DFL ja anscheinend nichts sagen darf, wenn sport1 sich ein Montagsspiel aussucht. Zum Beispiel die simple Tatsache, dass einer der beiden Montags-Wunsch-Vereine bereits drei Tage später 600 km entfernt für den Einsatz gebucht ist, sodass man sich bitte ein anderes Spiel aussuchen möge, so von wegen Chancengleichheit. Da ich allerdings sehr wohl glaube, dass die DFL in solchen Extremfällen einen gewissen Einfluss auf ihren eigenen Spielplan hätte, darf sich jetzt jeder überlegen, warum die das locker durchwinken. Keine aller möglichen Deutungen finde ich besonders angenehm. Und das Wort „Wettbewerbsverzerrung“ ist bei dieser Ansetzung doch wirklich sehr diplomatisch gewählt.

Dass man den 30. Spieltag dann direkt nach Ostern als „englische Woche“ einstreut, an dem dienstags und mittwochs gespielt werden muss, setzt dem Ganzen die Krone auf, betrifft aber letztlich die gesamte Liga. Hier hat man sich im Besonderen mal den FC St. Pauli vorgenommen, der dann am 31. Spieltag auch schon wieder freitags ran muss, und daher die schöne Kombination Ostersamstag/Dienstag/Freitag als Spieltermine aufzuweisen hat. Aber in diesem Zeitraum hat kein Team der Liga mehr als vier freie Tage aufzuweisen. Die göttliche Eintracht bekommt übrigens rein aus Zufall eine stinknormale „englische Woche“ serviert – Samstag/Mittwoch/Samstag. Hatte sich Bruchhagen wahrscheinlich zum Namenstag gewünscht. Da haben wir es natürlich „besser“ – an jenem 31. Spieltag dürfen wir nämlich erst wieder montags ran. In Dresden, schon wieder „um die Ecke“.

Natürlich muss die Saison in diesem Jahr bereits Anfang Mai enden, weil ja im Juni eine Europameisterschaft ansteht. Aber diese „englische Woche“ hätte man schlicht damit vermeiden können, dass die Winterpause in der 2. Liga eine Woche früher beendet worden wäre. Ging nicht wegen geht nicht, zumindest gab es bis heute keine Erklärung. So jagt man die Ligen durch eine englische Woche und lässt die Zweite Liga an jenem Dienstag und Mittwoch bereits um 17.30 Uhr anstoßen! Natürlich, weil die Erste Liga, um 20.00 Uhr spielt, bis 19.30 Uhr muss sky somit seine Berichte zur Zweiten Liga abgebacken haben, damit der Kunde auch ja vor dem Fernseher hocken bleibt, wenn die Vorberichte zur Ersten Liga beginnen. Wobei wir uns in diesem Fall noch nicht einmal großartig beschweren können, denn wir haben an jenem Dienstag ein Heimspiel gegen den FSV Frankfurt. Aber auch für den Heimspiel-Besucher mit geregelter Arbeit ist 17.30 Uhr ein Termin, der es manchen unmöglich machen wird, rechtzeitig im Stadion zu sein. Aber die sollen ja auch nicht ins Stadion gehen, die sollen sich vor den Fernseher setzen! Und damit das auch endlich mal alle Stadionbesucher kapieren, dafür wollte die DFL wohl nachhaltig sorgen. Ist ihr gelungen.

Falls Fortuna den Aufstieg schaffen sollte, würde somit der Verein mit den meisten Montagsspielen aller Zeiten den Sprung schaffen (und nebenbei mit den insgesamt meisten Montagsspielen aller Clubs in den letzten drei Jahren). Ein Fall für das Guinness-Buch. Falls der SC Paderborn aufsteigen sollte, wären die übrigens auch ein Fall für das bekannte Buch der Rekorde: als erste Mannschaft seit Erfindung der Montagsspiele, die aufsteigt, ohne ein einziges Montagsspiel in der betreffenden Saison gemacht zu haben. Ich hörte zwar mal, dass sport1 seine Montagsspiele gerne nach der aktuellen Tabellensituation aussucht. War anscheinend auch eine Fehlinformation. Selbst Greuther Fürth, derzeit tadelloser Tabellenführer, wird weitgehend ignoriert, mit ganzen drei Montagsspielen. Selbst wenn die am 31. Spieltag ein absolutes Spitzenspiel gegen den FC St. Pauli haben werden, wird sport1 sie ignorieren. Dafür haben sie sich an jenem Spieltag gedacht: Wir wollen die Düsseldorfer nochmal montags sehen. In Dresden, eine Mannschaft, die eine sehr gute Saison spielt, was als Aufsteiger bedeutet, dass sie jetzt schon jenseits von Gut und Böse stehen und am 31. Spieltag höchstens noch um die Goldene Ananas spielen werden. Spitzenspiel, you know?

Und bevor mir mal wieder einer schreibt, der es ganz genau weiß: nein, Fortuna bekommt durch diese ganzen Montagsspiel nicht mehr Fernsehgelder. Kein Verein bekommt die. Das war mal ein Verfahren aus grauer Vorzeit. Es ist schon seit Jahren so, dass das zusätzliche Geld, welches sport1 für die exklusive Berichterstattung am Montag bezahlt, zu gleichen Teilen auf die „Solidargemeinschaft“ 2. Liga verteilt wird. Fortuna mit elf Montagsspielen erhält somit den gleichen finanziellen Anteil an den Montagsspielen wie Eintracht Frankfurt mit neun Montagsspielen oder der SC Paderborn, der FC Ingolstadt und der FSV Frankfurt, mit jeweils einer schlanken Null. So einfach ist Fußball.

Wenn diese Saison beendet ist, hat Fortuna somit montags in Dresden gespielt. Montags in Cottbus. Donnerstags in Rostock. Montags in Hamburg. Und freitags in Aue. Es bedarf nicht viel Phantasie, daraus abzuleiten, dass DFL und DFB (und da täusche man sich bitte nicht, ein weit überwiegender Teil der DFL besteht aus DFB-Funktionären, das ist praktisch ein Laden) irgendwie nichts dagegen zu haben scheinen, wenn die Mannschaft gerade bei solchen Auswärtstouren von nicht allzu vielen Fans begleitet wird. Und in dieser Häufung sieht das schon ein bisschen nach Absicht aus. Oder?

Ihr habt Recht. Natürlich ist das alles Zufall. Das wird nicht bewusst so gemacht, aus dem einfachen Grund, weil in der DFL wirklich niemand bei der Spielplangestaltung an die Gäste-Fans denkt. Sondern nur daran, wie man den Spielplan so verbiegen kann, dass es dem Fernsehen am besten passt. Und wenn man dann keine Lobby bei denen hat, darf man sich auch nicht wundern, was dabei rauskommt. Ich bleibe allerdings dabei: wenn bei einem einzigen Verein, und nur bei diesem, zwei Spiele mit einer Pause von zwei Tagen und einer Anreise von 600 km gebucht werden, während die direkte Konkurrenz im selben Zeitraum bis zu dreimal so lange frei hat, dann ist das Wettbewerbsverzerrung. Mit voller Absicht und ohne schlechtes Gewissen. Und dann darf man sich schon mal fragen, woher das bitteschön kommen mag. Mal so rein zufällig gefragt.

Gagelmann kriegt alle

Am Samstag, den 10.03.2012, ging es weiter mit dem nächsten Kandidaten, der gegen den Abstieg spielt – der FC Erzgebirge Aue kam in die esprit-Arena, frisch verstärkt mit neuem Trainer, Karsten Baumann, und neuem Selbstvertrauen nach einem 4:3-Sieg gegen den FSV Frankfurt in der Vorwoche. Egal, was bei denen alles neu war, ein Sieg musste zwingend her, ansonsten wäre der Erfolg in Karlsruhe nichts wert gewesen. Zumal am Abend zuvor der SC Paderborn zuhause nur 0:0 gegen den VfL Bochum gespielt hatte. Nachdem man in der Vorwoche tabellarisch schon den FC St. Pauli kassiert hatte, der sich in der Schlussminute beim TSV 1860 München noch den Ausgleich gefangen hatte, konnte man mit einem Sieg gegen Aue auch die Ostwestfalen überholen. Und mit breiter Brust zum nächsten Montagsspiel „um die Ecke“ nach Cottbus fahren.

Leider hatten wir ein Problem vor dem Spiel. Insgesamt sechs Spieler der Fortuna würden nach der nächsten Gelben Karte gesperrt sein. Dies ist zunächst mal unser ureigenstes Problem. Dass der DFB dann aber jemanden schickte, der sich dieses Problems mal annahm, hätte ich dann doch nicht erwartet. Aber so ist das halt, wenn man in Frankfurt erhöhtes Aufsehen genießt. Der DFB schickte ausgerechnet One-Man-Show Peter Gagelmann, um unsere Partie zu leiten. Und der schien vor dem Spiel einen imaginären Spickzettel im Kopf zu haben, den er in der ersten Halbzeit abzuarbeiten gedachte.

Bis er damit beginnen konnte, lagen wir allerdings schon 0:1 zurück. Vor 30.200 Besuchern an jenem usseligen, nass-kühlen Samstag Mittag waren grad mal vier Minuten gespielt, als Guido Kocer aus dem Erzgebirge auf den Plan trat. Er schnappte sich im Mittelfeld den Ball, marschierte ein paar Meter, ließ Bodzek ins Leere grätschen und zog dann einfach mal aus über 30 Metern Entfernung zum Tor ab. Der Ball segelte halbhoch gegen den rechten Innenpfosten und ins Tor – 0:1. Im achten Rückrundenspiel der sechste 0:1-Rückstand für Fortuna – unglaublich. Aber es gab auch etwas Neues, erstmals kassierten wir so ein Ding nicht nur ohne zuvor einmal aufs gegnerische Tor geschossen zu haben – nein, man war bis dato noch nicht einmal in der Nähe Desselben gewesen. Und das bei einem Heimspiel. Erstaunlich, gelinde gesagt.

Dies änderten wir allerdings noch nicht einmal eine Minute nach Wiederanpfiff und riefen damit Herrn Gagelmann auf den Plan. Schon im Gegenzug ein kluger Pass in den Strafraum, Sascha Rösler läuft durch, Aue-Keeper Männel stürzt aus dem Tor, Rösler macht das Bein lang, sieht, dass er nicht mehr an den Ball kommt, zieht sichtbar zurück und rauscht natürlich dennoch mit Männel zusammen. Gagelmann notiert hoch erfreut die erste Gelegenheit, seine Liste abzuarbeiten und er zeigt Rösler nach gerade mal fünf Minuten Gelb – Sperre in Cottbus. Ein Witz. Besonders, wenn man die Art zu pfeifen dieses Herrn kennt. Wir durften es ja auch eine Klasse tiefer oft genug erleben. In der ersten Hälfte zieht der bei Fouls nur Gelb, wenn ein Mordversuch vorliegt, lässt ansonsten gerne mal laufen, um dann in der zweiten Hälfte schon ein versehentliches Anhusten in seiner Nähe als Provokation zu werten und mit der Karte zu belegen. In dieser Situation dem Rösler Gelb zu zeigen, kann nichts weiter als eine erzieherische Maßnahme gewesen sein, um den „Rotzlöffel“ gleich zu Beginn kirre zu kriegen. Alles wieder Zufall, auch dass der Gagelmann schon Dutzende solcher Szenen einfach mit einem Freistoß für den Torwart belegte. Wird schon nicht am Namen des Spielers gelegen haben, glaube ich auch nicht. Irgendwann einmal.

Als nächstes holte sich Bodzek seinen Freigang fürs Cottbus-Spiel ab. Taktisches Foul in der eigenen Hälfte, völlig unnötig, weil die Situation eigentlich schon unter Kontrolle war, selbst Schuld. Allerdings ahndet der Gagelmann solche taktischen Fouls in der ersten Hälfte so gut wie nie. Was er anschließend auch gleich demonstrierte, indem er zwei ähnliche Vergehen bei Aue lässig ungestraft ließ. Aber beim Bodzek war das natürlich besonders schlimm. Zweiter Spieler fürs nächste Spiel gesperrt.

Anschließend wartete er auf eine günstige Gelegenheit, und den servierten ihm die gereizten Spieler natürlich auf dem Silbertablett. Einen Freistoß im Mittelfeld, bei dem der Ball einfach quer an der Mittellinie über ein paar Meter gespielt wurde, pfiff er zurück, weil er ihn noch nicht freigegeben (!) hatte. Jens Langeneke nahm sich daraufhin den Ball, legte ihn übertrieben sorgfältig auf den Boden und klopfte noch einmal darauf, um anzuzeigen, dass das Bällchen jetzt auch ganz still liege und somit freigegeben werden könne. Sowas macht man allerdings nur mit souveränen Schiedsrichtern und nicht mit einem Gagelmann, der das Ganze durch seine ziemlich lächerliche Entscheidung provoziert hatte. Der legte das Verhalten von Langeneke nun seinerseits als Unsportlichkeit aus und zückte sofort Gelb – dritter Spieler für Cottbus gesperrt. Das alles in der ersten halben Stunde des Spiels, eine reife Leistung. Alle drei Karten waren Witze mit Ansagen, höchstens die für Bodzek vertretbar, allerdings auch nur, wenn auf der anderen Seite ebenfalls so entschieden worden wäre, was nachgewiesenermaßen nicht der Fall war. Es gibt halt so Zufälle im Leben, dagegen ist kein Mensch gefeit.

Als Gagelmann rücksichtsvoll auch unseren zweitältesten Spieler im Kader von den Strapazen eines Montagsspiels in der Lausitz befreite, stand es übrigens schon 1:1. Fortuna hatte sich durch den frühen Rückstand nämlich nicht verrückt machen lassen und unverzüglich Fahrt nach vorne aufgenommen. Nach der Rösler-Chance wurde weiter Druck aufgebaut, zunächst versuchten sich Lambertz, Ilsø und Beister an Schüssen aus 16 bis 20 Metern, die allesamt ein wenig näher an Tor heran rückten. Dann traf Beister endlich auch aufs Tor, allerdings auch genau auf Torwart Männel. Und in der 22. Minute war es schon so weit. Fortuna fing einen Angriff der Auer ab und konterte über drei Stationen, zuletzt legte Rösler einen Zuckerpass in den Lauf von Beister, der seinen Gegenspieler abschüttelte und aus zwölf Metern am Keeper vorbei ins linke Eck schlenzte. Ausgleich, absolut verdient, elftes Saisontor für Beister. Anschließend wurde es bis zur Pause eigentlich nur noch hektisch, was eben das Verdienst von Gagelmann war, der viel zu einseitig leitete und bis kurz vor der Pause wartete, ehe er einem Gästespieler nach wiederholten Foulspielen endlich mal den gelben Karton zeigte.

In Halbzeit 2 versuchte Aue, dasselbe zu spielen wie Aachen zwei Wochen zuvor. Mit Mann und Maus stand man hinten drin und verteidigte das Unentschieden. Fortuna scheiterte zunächst mit Ilsø, anschließend mit einer Doppelchance, als Torwart Männel den Schuss von Beister vor die Füße von Rösler klatschte, sich aber beim Nachschuss ganz breit machte und großartig parieren konnte. Fast hätte Rösler kurz darauf eine Ecke direkt am kurzen Pfosten reingemurmelt, aber auch dort stand ein Auer auf der Torlinie und konnte klären. Ironie des Schicksal mal wieder, dass man sich bei diesen ganzen Chancen fast mit dem dritten Torschuss der Gäste den zweiten Gegentreffer gefangen hätte. Nach einem schön vorgetragenen Konter kam Hochscheidt am Sechzehner für die Gäste zum Schuss, der Ball wurde abgefälscht und flog nur ganz knapp am linken Pfosten vorbei. Wäre wirklich ein Witz gewesen, aber man kennt es ja.

Im direkten Gegenzug machte Fortuna dann endlich den Führungstreffer, wunderbar herausgespielt mit einem Doppelpass zwischen van den Bergh und Rösler an der Strafraumgrenze. Anschließend passte van den Bergh in den Sechzehner auf Ilsø, kurze Drehung, trockener Flachschuss – 2:1 in der 64. Minute. Und das mit links, ein Fuß, mit dem der Däne bislang noch nicht so sehr als Fußballer aufgefallen war. Toll gemacht und endlich mal eiskalt abgeschlossen.

Und bevor Aue nun auf die Gelegenheit kommen konnte, eventuell zurückzuschlagen, legte man gleich die Entscheidung nach. Keine zehn Minuten später wieder eine schöne Kombination, diesmal eher im Handball-Style, von rechts einmal die Strafraumgrenze entlang, bis sich links die Lücke für Rösler auftat, der im Sechzehner in gute Schussposition gebracht werden konnte. Und als alles mit einem Ballermann rechnete, schaufelte der den Ball in die Mitte auf den langen Pfosten zurück. Dort hatte sich Thomas Bröker frei geschlichen, wohl noch nicht von der Gäste-Abwehr bemerkt, weil erst Sekunden zuvor für Ilsø eingewechselt. Mit seiner zweiten Ballberührung drückte er den Ball aus fünf Metern ins leere Tor, zu einem seiner berühmten „hässlichen“ Abstaubertore. In dieser Saison schon das sechste, gleichbedeutend mit der Entscheidung in diesem Spiel.

Übrigens stellten die Koryphäen der Sportschau mittels Standbild und „Abseitslinie“ fest, dass der Treffer Abseits gewesen sei. Allerdings nur ein bisschen, denn wie man dem Zuschauer erklärte, komme es darauf an, ob ein Spieler sich mit einem Körperteil im Abseits befinde, mit dem er ein Tor erzielen dürfe. Und Brökers Kopf und Oberkörper befanden sich bei Röslers Pass im Abseits, während der Rest seines Astralleibes, inklusive des Fußes, mit dem er dann das Tor machte, auf gleicher Höhe herumvegetierte. Aha. Naja, wieder mal die inoffizielle Standbild-und-Linien-Meisterschaft gegenüber sky gewonnen, die das gar nicht erst bemerkten und dafür wahrscheinlich ihrem Standbild-und-Linien-Techniker das Wochenende versauten, weil der nachbessern musste. Auf jeden Fall von keinem Schiri der Welt zu sehen, es protestierte auch kein Auer.

Die verabschiedeten sich dann noch in Unterzahl, weil Pierre le Beau mittels ausgestreckter Fußbsohle versuchte, van den Bergh in die Ewigen Jagdgründe zu schicken, was Gagelmann mit glatt Rot honorierte. Der zweite Platzverweis für le Beau in der 2. Liga, den ersten hatte er in der letzten Saison an gleicher Stelle kassiert, als er damals dem Schiri nach einer Elfmeter-Entscheidung den Vogel gezeigt hatte. Somit ein esprit-Arena-Gewohnheitstäter.

Fortuna gewann das Spiel verdient mit 3:1 gegen viel zu defensiv eingestellte Gäste, ein Ballbesitz von 69% (!) für die Gastgeber belegt dies recht eindrucksvoll. Aue hat sich wahrscheinlich wahnsinnig erschrocken, als es aus Versehen so früh in Führung ging, das hatte deren ganzes Konzept über den Haufen geworfen. Auch die unmögliche Leistung, die der Schiedsrichter in den ersten 45 Minuten an den Tag legte, konnte das Team zum Glück nur kurz aus dem Konzept bringen, aber nicht entscheidend aufhalten. Ein Arbeitssieg mit schön heraus gespielten Toren, der Fortuna wieder in die Top 3 der Tabelle hievte, hinter Fürth und Frankfurt.

Abgang

Nach diesen erfreulichen beiden Spielen darf man also weiterhin gespannt sein, was noch so kommt. Die Klubs an der Tabellenspitze liegen weiterhin eng zusammen, niemand konnte sich absetzen. So langsam geht es in die entscheidende Phase. Und da ist es doch schön, wenn man der Mannschaft so richtig Unterstützung durch ihre Fans gönnt. Zum Beispiel beim nächsten Termin, Montagsspiel in Cottbus. Ein Katzensprung für alle, die die Fortuna auswärts unterstützen wollen. Danach folgen allerdings zwei Heimspiele in Folge, zunächst gegen Eintracht Braunschweig, anschließend beginnt mit dem Montagsspiel gegen St. Pauli wohl der April der Entscheidung von DFLs Gnaden.

Zunächst aber geht es nach Cottbus. Und da kann man ja nur hoffen, dass es keinen Elfmeter für uns gibt, wie natürlich seit dem Frankfurt-Spiel schon nicht mehr. Denn zum Einen wäre ein solcher Elfmeter sicherlich geschenkt, kleine Nachfrage in Frankfurt zur Bestätigung genügt. Zum Anderen – wer sollte den schießen? Langeneke und Rösler sind schließlich beide gesperrt. Und der letzte Fortuna-Spieler, der vor den beiden vom Punkt aus getroffen hat, hieß Marco Christ. Der ist schon länger nicht mehr bei uns.

Ich werde also vorsichtshalber mal meinen alten Spielerpass mit nach Cottbus nehmen. Man kann ja nie wissen.

Ist zufällig jetzt fertig: janus

 

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