20.-21. Spieltag

Willkommen im neuen Jahr! Eigentlich habe ich ja die Goldene Regel, immer erst Zusammenfassungen nach vier Spielen zu schreiben. Ausnahmen gibt es ab und zu, und dies hier ist eine. Es gab zwar erst zwei Spiele, aber allein über das eine könnte man ganze Romane schreiben. Bevor dies passiert, mache ich hier lieber die „kurze“ Version (also verglichen mit einem Roman!). Und wer weiß, was in dieser Angelegenheit noch alles nachberichtet werden. Also auf in die Rest-Rückrunde mit Spieltag 20 und 21 – Letzterer gewiss ein Spieltag der Herzen…

Zweieinhalb und zweieinhalb

Auch in diesem Jahr wurde die Winterpause natürlich dahin gehend aufgewertet, dass bis 31. Januar 2012 die Transferliste geöffnet war. Anderenfalls wäre es im Winter auch zu langweilig. Und da sich traditionell jeder Verein, der etwas auf sich hält, an dem munteren Ringelreihen beteiligt, durften auch wir nicht fehlen.

Den Anfang machte unser Tunesier Karim Aouadhi, der seinen Vertrag auflöste und in die Heimat zurückkehrte. Es hatte dann doch nicht gepasst, er war nicht über den Status als Bankdrücker hinaus gekommen, hatte noch dazu unmittelbar nach seiner einzigen Einwechslung in der Hinrunde direkt einen Elfmeter verursacht, insgesamt ein eher unglücklicher Auftritt. Aber sehr schön, dass beide Seiten keine Zicken machten, sich schnell einigten und den Vertrag auflösten, sodass Aouadhi auch zügig einen neuen Verein finden konnte. Alles Gute.

Dann waren wir dran. Fortuna holte den finnischen Stürmer Timo Furuholm. Der 24-jährige Nationalspieler kam auch tatsächlich aus Finnland, von Inter Turku. Für die hatte er in der abgelaufenen Saison – in Finnland wird eine Saison im Kalenderjahr gespielt, nicht wie bei uns von August bis Mai des folgenden Jahres – in 33 Spielen 22-mal ins Schwarze getroffen. Nicht schlecht. Nun musste er zeigen, was solch eine Quote aus der finnischen Liga in Deutschlands Unterhaus wert ist. Furuholm kam ablösefrei und erhielt einen Vertrag bis Sommer 2013.

Weil man für diese Personalie ganz weit in den Norden geschaut hatte, sah man sich anschließend nur mal kurz in der Nachbarschaft um. Ergebnis war eine Leihe von Adam Matuschyk, der seine Brötchen normalerweise in der Stadt mit der lustigen Bahnhofskapelle verdient. Bis zum Saisonende würde der offensive Mittelfeldspieler jetzt bei uns im Kader sein, da er beim 1. FC Köln zuletzt nicht mehr so zum Zuge gekommen war wie erhofft. Und so sagte Matuschyk denn auch bei der Frage, warum er mitten in der Saison die Rheinseite wechseln würde, erfrischend offen, es gehe ihm lediglich darum, sich über Spielpraxis noch für die polnische Nationalmannschaft und somit die anstehende Europameisterschaft zu empfehlen. Und da sei Düsseldorf doch sehr bequem, denn für diese Leihe müsse er nicht extra umziehen. Hut ab. Nix von wegen „Große Herausforderung“, „Super-Umfeld“ oder „Da entwickelt sich was“, sondern zur Abwechslung mal die Wahrheit. Sowas mag ich. Nun musste er selbst durch entsprechende Trainingsleistungen dafür sorgen, dass er auch die gewünschte Spielpraxis erhalten würde. Und gerade im Mittelfeld sind wir ja nicht gerade unterzahlig oder qualitativ minderwertig besetzt. Immerhin, nun hatten wir mit den beiden Polen Bodzek und Matuschyk gleich zwei Adams im Kader – das konnte dereinst noch nicht einmal der liebe Gott von sich behaupten.

Und nachdem wir für Sturm und Mittelfeld jemanden geholt hatten, sollte es noch ein Abwehrspieler sein. Auch für diesen Mannschaftsteil hatte Manager Wolf Werner jemanden im Handy-Speicher: Tomislav Barbaric, 22-jähriger Kroate von Dinamo Zagreb. Auch der sollte bis zum Saisonende ausgeliehen werden, allerdings – im Gegensatz zu Matuschyk, der danach wieder zu den Geißböcken zurück geht – mit einer Kaufoption für eine mögliche Verpflichtung über das Saisonende hinaus, wenn er die sportliche Leitung von sich würde überzeugen können.

Barbaric flog ins Trainingslager nach Marbella und wurde von der Fortuna offiziell als Neuzugang gemeldet – allerdings vorbehaltlich der medizinischen Untersuchung, die im Trainingslager durchgeführt werden würde. Er war also schon da, aber noch nicht ganz. Und während wir uns schon auf die Boulevardzeitungen freuten, die sicherlich bereits vorgearbeitet hatten, um ihn nach seiner ersten Gelben Karte stilecht würdigen zu können, vielleicht in der Art wie „Tommy der Barbar schlägt zu“ oder „Barbapapa macht jeden Gegner platt“, absolvierte Barbaric im Trainingslager den Medizincheck. Und anschließend gehörte er nicht mehr dazu. Die Ärzte stellten bei ihm eine Viruserkrankung fest, die Leistungssport in nächster Zeit eher unwahrscheinlich machen würde. Das heißt, Barbaric wäre wochenlang ausgefallen und hätte sich dann erst ans Team heran arbeiten können. Dies macht aber die vorgesehene Leihe für ein halbes Jahr sinnlos. Ergo reiste Barbaric wieder ab, und es blieb nichts weiter als sein Bild in der Zeitung, auf dem er schon mit Manager und Fortuna-Trikot posiert hatte. Halb hatten wir ihn, aber dann hüpfte er doch noch aus der Schlinge. Schade.

Somit waren die Kaderplanungen für diese Transferperiode abgeschlossen. Da wir aber mittlerweile eine unübersehbare Anzahl Offensivspieler im Kader hatten, wurde auch diesbezüglich noch etwas ausgedünnt. Am letzten Tag der Wechselfrist verließ Marco Königs den Verein, Adriano Grimaldi wurde ausgeliehen. Königs wechselte zu Preußen Münster in die 3. Liga, das sich immer mehr als Spielstätte ehemaliger Fortunen entpuppt, nach Heise und Schulze Niehues (beide von Fortuna II) sowie Halet und Hergesell ist Königs bereits der fünfte Ex-Fortune im Kader der Westfalen. Auch schade um den jungen Spieler, der im letzten Jahr aus der A-Jugend hochkam, aber den Sprung in die Erste Mannschaft nicht schaffte. Immerhin, neun Treffer und sechs Vorlagen in bisherigen 17 Partien für Fortuna II in der Regionalliga West deuten an, dass der Marco durchaus zu Höherem berufen sein könnte. Sein Wechsel in die 3. Liga ist daher nur konsequent. Ich hoffe, er packt’s.

Ganz zum Schluss gaben wir auch Adriano Grimaldi her, aber nur ein bisschen. Der Stürmer, vor der aktuellen Saison vom FSV Mainz 05 zu uns gewechselt, wurde verliehen, ebenfalls in die 3. Liga, zum dortigen aktuellen Tabellenführer SV Sandhausen (für Geographie-Banausen: nahe Heidelberg). Dort erhofft sich Grimaldi die Spielpraxis, die er zuletzt bei uns nicht mehr bekam. Wir erhoffen es uns auch. Soll der doch in Sandhausen knipsen wie blöd und dann im Sommer gestärkt zu uns zurückkehren und wieder richtig angreifen. Schließlich hat er noch Vertrag bei uns bis 30.06.2013. Alles Gute für Winter und Frühling, möchte man sagen.

Somit zweieinhalb Neuzugänge, wobei wir uns für das „halb“ allerdings nichts kaufen können, und zweieinhalb Abgänge, bei denen wir uns für das „halb“ eventuell noch etwas werden kaufen können, je nachdem wie Grimaldi sich in Sandhausen schlägt. Im Vergleich zu manch anderen Clubs also wieder einmal eine gähnend langweilige Transferperiode bei der Fortuna.

Nachdem die Mannschaft in der Vorbereitung unter anderem den hauseigenen „Winter-Cup“ gewonnen hatte, indem man zunächst Borussia Dortmund nach einem 1:1 im Elfmeterschießen (!) bezwang und anschließend Borussia Mönchengladbach mit 1:0 besiegte, wobei der erst vier Tage zuvor verpflichtete Furuholm gleich als Torschütze glänzte, verbrachte man noch eine Woche im Trainingslager in Spanien. Dort holte man ein 1:1 gegen Grasshoppers Zürich (übrigens mit Ciriaco Sforza an der Seitenlinie) und kickte anschließend gegen den einheimischen Drittligisten UD Marbella, der mit einigen Kickern von Dynamo Kiew verstärkt worden war. Ursprünglich hatte das Spiel auch gegen das komplette Team der Ukrainer ausgetragen werden sollen, die hatten ihr Trainingslager allerdings terminlich derart ausgelastet, dass sie das Spiel eigentlich absagten, aber noch ein paar Spieler zur Verfügung stellten, die in diesem Spiel für Marbella die Stiefel schnürten. Gegen diese doch etwas kuriose Auswahl gewann Fortuna mit 5:2 und kehrte anschließend wohlbehalten nach Deutschland zurück. Hier vergeigte man den letzten Test, natürlich gegen den SC Paderborn, dem man nun auch im kleinen Stadion, dem Flinger Broich, mit 0:1 unterlag. Scheint wirklich langsam zu solch einem Gegner zu mutieren, wie es jahrelang Werder Bremen II für uns war. Hoffnungsvoll stimmte allerdings, dass das Ergebnis ein Witz war, da die Fortuna Großchancen im halben Dutzend ungenutzt liegen ließ. Spielerisch war das schon durchaus gut anzusehen.

Und dann war endlich diese gefühlt längste Winterpause seit langem vorbei, und es konnte in die entscheidenden 15 Spiele gehen. Den Anfang machte die Auswärtspartie beim FC Ingolstadt am 04.02.2012. Und ausgerechnet zu diesem Ausflug in bayerische Gefilde bekamen wir etwas zu spüren, womit wir eigentlich schon nicht mehr gerechnet hatten: Der Winter kam nach Deutschland. Wie üblich pünktlich zur Beendigung der Winterpause.

Tiefgekühlt ins neue Jahr

Als sich die Fortunen auf den Weg nach Süden machten, verriet der Trainer Norbert Meier bei der Abreise sein Rezept gegen die zu erwartende Kälte: „Wir werden Ochsenblut trinken und uns mit Mauerstein einreiben.“ Selbstverständlich nur ein Scherz, wir werden allerdings noch sehen, dass mindestens einer das Ernst genommen haben könnte.

Es war wirklich saukalt an jenem Samstag. Wir brachen gegen 6.30 Uhr aus Bonn auf, das Thermometer zeigte minus 14 Grad, ein kleiner Temperaturcheck via Smartphone bescherte uns minus 20 Grad in Ingolstadt. Naja, es war noch dunkel, wenn erst einmal die Sonne raus käme, würde es doch wohl wärmer werden. Hofften wir. Wir hofften relativ vergeblich. Zwar gab es keinen Schnee, die Autobahn war frei, wenig Verkehr, man kam gut voran, aber es wurde und wurde nicht wärmer. Nun geschahen Dinge, die man in unserem Teil der Welt eher selten zu Gesicht bekommt. Das Kondenswasser, welches sich an den Seitenscheiben niederschlug, gefror – im Wagen. Endlich konnte ich mal Eis kratzen, ohne das Fahrzeug verlassen zu müssen. Als die Frontscheibe aufgrund der gelegentlich umher wirbelnden Schneegriesel langsam etwas schwer durchschaubar wurde, stellten wir fest, dass auch das beste Frostschutzmittel in der Scheibenwaschanlage nichts nutzt, wenn die dazu gehörigen Düsen eingefroren sind. Zweimal mussten wir eine Tankstelle anfahren, um die Scheibe wieder einigermaßen zu säubern. Beim ersten Mal klappte dies auch, beim zweiten Halt, wir waren mittlerweile bis zur Raststätte Nürnberg/Feucht vorgestoßen, war das Wasser im bereit gestellten Eimer gefroren und der dazu gehörige Schwamm wies bizarre Eiszapfen auf und hätte unter Umständen ob seiner Konsistenz auch als Waffe eingesetzt werden können.

Außerdem hatten wir dort ausgiebig Zeit, dieses Wunder der Natur zu betrachten, denn an jener Tankstelle waren circa 500 weitere Autofahrer nahezu gleichzeitig mit uns auf die Idee gekommen, vorsichtshalber ihren Tank aufzufüllen, auch wenn er noch halb voll war. Dabei machte ich die erstaunliche Entdeckung, dass in den Autoschlangen an den Zapfanlagen nahezu ausschließlich Niederländer mit Ski-Ausrüstung zu sehen waren. Da ich normalerweise nicht in Ski-Urlaub fahre, war mir dieser Anblick völlig unbekannt. Ich dachte, die fahren immer nur so ein bisschen mit ihren Wohnwagen auf unseren Straßen hin und her, um uns zu ärgern und ihre Überlegenheit zu demonstrieren, wenn sie sich im 30-Kilometer-Sommer-Stau lässig aus der Bordküche ein gekühltes Getränk holen, während unsereins bei gefühlten 60 Grad im Kleinwagen dahinter langsam aber sicher verdörrt. Aber ich hätte im Leben nicht damit gerechnet, dass die sich auch die Skier aufs Dach schnallen und in die Berge fahren. Für mich ist das Neuland. Da sie allerdings auch mit Skiern auf dem Dach genauso fahren wie ohne, hatte ich mich schnell daran gewöhnt.

Wir kamen früh in Ingolstadt an, obwohl ausgerechnet vor der zielführenden Ausfahrt Ingolstadt-Süd ein sechs Kilometer langer Stau nach Unfall zum vorzeitigen Abdrehen zwang. Egal, fuhren wir halt in Ingolstadt-Nord runter und dann einmal quer durch die Stadt. Seitdem weiß ich wenigstens, wo sich das Ingolstadt Village Outlet befindet, wir kamen daran vorbei. Kann ja mal sein, dass man sich mit anderer Begleitung und unter anderen Umständen in der Nähe aufhält.

Dann auch hoffentlich bei anderem Wetter. Als ich auf dem Parkplatz vor dem Stadion schlussendlich aus dem Wagen schritt, machte ich vorsichtshalber gleich zwei schnelle Schritte nach vorn, um nicht festzufrieren. Man mag mir gerne eine gewisse Weichei-Mentalität vorwerfen, ich spreche mich davon sicherlich nicht frei, aber das war wirklich knüppeldick: Fußball bei minus 16,2 Grad, wie es das „offizielle“ Thermometer am Spielfeldrand auswies. Eigentlich beneide ich ja an jedem Wochenende die Spieler, vornehmlich aufgrund der Tatsache, dass sie überhaupt noch spielen können, während ich zum alten Eisen gehöre. Diesmal war das Neidgefühl ungleich größer – die würden sich im Gegensatz zu mir sogar 90 Minuten lang bewegen dürfen!

Die Hausherren machten aus der Not übrigens eine Tugend. Ruckzuck wurde der Glühwein aus der Vorweihnachtszeit ausgekramt – Qualität Nebensache, Hauptsache schön heiß. Geradezu unglaublich wirkt in heutigen Zeiten die Erlaubnis, Thermoskannen mit heißen Getränken ins Stadion mitnehmen zu dürfen. Aber es war tatsächlich so, es wurde an den Eingängen lediglich überprüft, ob sich auch Trinkbares in den Kannen befand und anschließend durchgewinkt. Ein prima Service, der – wie gesagt – so selten vorkommt, dass es ruhig mal erwähnt werden sollte.

Der Stadionsprecher der Audis hatte denn auch alle Kalauer parat, die man bei solch einem Wetter bringen muss, beispielsweise „Es ist heute so kalt, dass die Mannschaften zum Aufwärmen in den Kühlschrank gehen!“, haha. Wobei er in der Sache sicherlich nicht Unrecht hatte. Nun, da Ingolstadt über eine Rasenheizung verfügt, und es ja „nur“ kalt war, kein Schnee, kein Eis, war die Austragung der Partie eigentlich nicht gefährdet. Die DFB-Regeln besagen zwar, bei Temperaturen ab minus 15 Grad solle nicht mehr gespielt werden, aber dies wird ausdrücklich in das Ermessen des Schiedsrichters gestellt. Und Schiri Tobias Christ ließ auch völlig zu Recht anpfeifen. Sehr gewöhnungsbedürftig, aber problemlos möglich. Immerhin zogen 6.600 Zuschauer, darunter mindestens 1.500 Fortunen, die Eiseskälte der gemütlichen Sitzblockade vor heimischem Kamin und Fernseher vor.

Eiskalter Kindergarten

Trainer Norbert Meier ließ dann auch wieder seine Standard-Formation auflaufen, die in der Hinrunde nur ein einziges Spiel verloren hatte. Neuzugang Adam Matuschyk setzte sich auf die Bank, Neuzugang Timo Furuholm war aufgrund von Trainingsrückstand noch gar nicht dabei. Alles beim Alten im neuen Jahr halt. Im Gegensatz zu Ingolstadt, das sich in der Winterpause fünf Neuzugänge gegönnt hatte, von denen Trainer Oral mit Gunesch (St. Pauli), Heller (Mainz) und Nemec (Kaiserslautern) auch gleich drei Akteure brachte, denen man durchaus Erstliga-Erfahrung attestieren darf.

Schön ist bei solchen Wechselspielen aber, wenn dann doch zunächst Altbewährtes greift, das erleichtert naturgemäß den Übergang. Das Spiel war noch keine 20 Sekunden alt, da senste Grobmotoriker Biliskov im Mittelfeld bereits Sascha Rösler um. Rösler, immer mal gern als Schauspieler bezeichnet (wir werden noch darauf zurück kommen), gefiel es so gut, dass er die Nummer eisern durchzog und gleich volle zwei Minuten liegen blieb und behandelt werden musste. Was so ein echter Mime ist, der spult sein Programm ab und der lässt sich auch nicht davon abschrecken, auf minus 16 Grad kaltem Boden liegen zu bleiben. Der wird doch innerlich durch seine Schauspielkünste erwärmt, denkt man ja.

Schiri Christ beließ es bei einer Ermahnung, und Ingolstadts Trainer Oral notierte befriedigt, dass seine Taktik gezogen hatte: „Wir wollten von Anfang an aggressiv spielen, das haben wir auch gemacht.“ Und bei dieser Ansage mutet es auch nicht mehr merkwürdig an, dass Sensenmeister Biliskov, der sich seit Jahren mangels spielerischem Feingefühl durch die Ligen tritt, als Innenverteidiger unmittelbar nach Spielbeginn plötzlich im Mittelfeld auftaucht und Rösler sofort rasiert. Er wollte sich halt nur mal bekannt machen. Und er wusste natürlich, dass kaum ein Schiri nach 20 Sekunden schon Gelb zieht. Obwohl das in diesem Fall mehr als angebracht gewesen wäre. Aber so war der Boden bereitet für ein ziemlich nickliges Spiel, wie es vom Trainer des Gastgebers ja auch ausdrücklich gewünscht worden war.

Schön wäre es gewesen, wenn die Strafe auf dem Fuß gefolgt wäre. Aber beim anschließenden Freistoß verpasste Assani Lukimya, der sich am langen Pfosten frei geschlichen hatte, nur knapp den Führungstreffer, als er mutterseelenallein vor Ingolstadts Keeper Özcan auftauchte. Leider fehlten eben die berühmten paar Zentimeter, um an den Ball zu kommen. Wer weiß, wie sich das Spiel dann entwickelt hätte. Aber die Fortunen spielten zunächst tatsächlich recht ordentlich nach vorne und hatten auch die ersten Chancen. Besonders dick war die von Bröker, der nach Flanke von van den Bergh am langen Pfosten völlig frei und unbedrängt zum Kopfball kam. Er konnte den Ball allerdings nicht mehr mit Wucht drücken und köpfte Richtung nahe stehender Pfosten, anstatt den Ball gegen die Laufrichtung des Keepers zu nicken. Der konnte den Ball abfangen, wobei er gleichzeitig noch den Pfosten touchierte. Voller Einsatz mit gewünschtem Ergebnis, kein Tor. Ein ganz dickes Ding.

Selbiges versiebte einer der Erstliga-Neuzugänge auf der anderen Seite, Florian Heller, als er nach einer Viertelstunde wunderbar im Strafraum frei gespielt wurde. Heller war wohl ebenso verblüfft wie ein Großteil der Fortunen, dass er nicht im Abseits stand, und wartete mit dem Schuss zu lange, sodass Langeneke ihn noch blocken konnte. Ein erster Warnschuss. Der zweite war dann auch gleich drin: in der 24. Minute Freistoß für Ingolstadt von rechts, nach überflüssigem Foul von van den Bergh. Kapitän Stefan Leitl bringt den Ball in den Strafraum, Bodzek und Levels beschatten sich anscheinend gegenseitig, Ikeng hinter ihnen sagt danke und nickt den Ball Richtung Tor. Anschließend darf er sich gleich nochmal bedanken, denn Torwart Ratajczak fällt zu spät, kommt zwar noch an den Ball, aber lenkt ihn sich selbst ins Netz, 1:0 für Ingolstadt. Absolut haltbar, aber auch zuvor schon absolut vermeidbar. Mindestens vier Fortunen kann man den Treffer ankreiden, aber natürlich bleibt es beim letzten Glied in der Kette hängen, bei Ratajczak, der ja noch die Möglichkeit gehabt hätte, die Fehler seiner Vorderleute auszubügeln. Wieder mal ein sehr vermeidbares Gegentor.

Das zum Glück recht zügig abgearbeitet werden konnte. Nur fünf Minuten später der Ausgleich. Sahne-Vorarbeit von Tobias Levels – der warf einfach nur ein, und schon gab es Elfmeter. Und ein bisschen Gerechtigkeit. Denn der weite Einwurf von Levels landete ausgerechnet vor den Füßen von Biliskov, und als der sich dann bequemen wollte, den Ball mittels Befreiungsschlag aus dem Stadion zu wuchten, traf er plötzlich das linke Bein von Oliver Fink. Der hatte sich nämlich um Biliskov herum geschlichen und seine Extremität zwischen Spieler und Ball gestellt. Ein Foul, ein Pfiff, Elfmeter. Natürlich muss man den nicht geben, da Fink doch ziemlich auf den Kontakt spekulierte, aber andererseits hätte sich Biliskov ja nicht aus dem Rückraum überraschen lassen müssen. Nur weil der Ball auf ihn zu springt, hat er ja noch lange nicht die Aktionshoheit. Wäre er dem Ball zwei Schritte entgegen gekommen, hätte Fink keine Chance gehabt, ans Leder zu gelangen. So blieb er stehen, während Fink fiel, und es gab den Elfmeter, den man auch durchaus geben kann. Auch wenn Biliskov das nicht verstehen konnte. Was man aber auch durchaus nachvollziehen kann – er hätte tatsächlich argumentieren können, dass diese Berührung nix war im Vergleich zu seiner Sense gegen Rösler nach 20 Sekunden. Vielleicht hat er es ja sogar getan, würde mich nicht wundern.

Langeneke machte den Elfer zum Ausgleich rein, es war sein achtes Saisontor, der achte verwandelte Strafstoß. Neu war, dass Ingolstadts Keeper Özcan wohl mal ab und zu hier mitliest – er blieb nämlich eisern stehen und bewegte sich nicht, wohl in der Hoffnung, dass Langeneke seine Spezialität zeigen würde, den unkontrollierten Haudrauf in die Tormitte. Unser Innenverteidiger guckte den Keeper jedoch rechtzeitig aus und schlenzte den Ball in die rechte Ecke. Der musste im Laufe der letzten drei Jahre so viele Elfmeter verwandeln, dass er mittlerweile alle Varianten drauf hat.

Mit dem 1:1 ging es in die Pause. In der zweiten Hälfte hätte Fortuna den relativ harmlosen Gegner zu Beginn direkt ausknipsen müssen. Nach noch nicht einmal zwei Minuten kam Bröker im Strafraum relativ frei zum Schuss, trat aber etwas kläglich in den Boden, sodass der Ball quer durch den Sechzehner flog, was fast noch zu einem Eigentor geführt hätte. Und kurz darauf gab es die Gelegenheit des Spiels schlechthin. Nach wunderbarer Kombination über van den Bergh, Lambertz und Rösler legte Letzterer toll auf für Maxi Beister, und der stand nun wirklich ganz alleine vor dem Tor. Er hätte den Ball sogar noch annehmen und sich auf seinen starken linken Fuß legen können, so frei war er. Aber hinterher ist man ja immer schlauer. Beister wählte den direkten Abschluss und semmelte die Kugel aus acht Metern mit rechts über das Tor. Daraus hätte man mehr machen müssen.

Anschließend gaben die Fortunen das Spiel aus der Hand, und es wurde die bewusste nicklige Angelegenheit. Anstatt weiter schnell und direkt nach vorne zu spielen, wie es in diesen beiden Szenen hervorragend funktioniert und die Ingolstädter sehr verwirrt hatte, rieb man sich im Klein-klein-Spiel im Mittelfeld auf, und schwenkte anschließend auf Kindergarten um. Den Anfang machten Rösler und Leitl, die sich im Mittelfeld beharkten und anschließend nette Worte zuflüsterten. In der nächsten Szene hatte der Ball die Ingolstädter Torauslinie überschritten, Abstoß. Rösler trabte zusammen mit seinem Gegenspieler in dieser Szene, Görlitz, zurück ins Feld. Leitl stand am Sechzehnerraum und wartete extra auf Rösler, um dem verbal noch etwas klar zu machen. Aber der Rösler ist ein Provokateur, ja klar. Im anschließenden Geschubse setzte Rösler sich kurz auf den Hosenboden, einfach überflüssig. Aber Leitl stand der Schauspiel-Einlage in nichts nach, als er anschließend beide Hände zum Himmel hob und den verzweifelten Unschuldigen mimte, nachdem der Schiri beide verwarnt hatte. Schließlich hatte er ja extra gewartet, um sich sein Kärtchen abholen zu können. Immer diese Unschuldslämmer, denen der böse Rösler so arg zusetzt.

Anschließend ging es zwischen den beiden munter weiter, bei einer Szene im Mittelfeld hakelte Rösler gegen Leitl, dem aber das Abspiel noch gelang. Beim anschließenden Fall beider Konkurrenten hakelte wiederum Leitl noch nach, aber eben abseits des Balles, der Schiri sah es nicht. Schließlich begegnete man sich im fortunistischen Strafraum nochmals, diesmal mimte Rösler das Opfer, das von Leitl noch einen mitbekommen haben wollte, was auch durchaus der Fall gewesen sein mag, aber den beiden Kleinkindern glaubte man eh nix mehr. Und der Schiri hatte schon längst aufgegeben, ihnen noch Benimm beibringen zu wollen, ansonsten hätte er sie nämlich beide allein mit der Begründung „absichtliche Albernheit“ vom Geläuf entfernen können.

Stattdessen griff er auf einem anderen Kinderspielplatz durch. In der 67. Minute gab es Freistoß für Fortuna in der generischen Hälfte, halbrechte Position. Torschütze Ikeng hatte zufällig den Ball in der Hand, Fortuna-Kapitän Lambertz wollte ihn haben, Ikeng wollte ihn nicht rausrücken, Lambert schubste ein wenig, Ikeng fiel um wie vom Blitz getroffen. Killer-Kante Lambertz (1,75 m, 69 kg) hatte den schwächlichen Ikeng (1,87 m, 86 kg) einfach ausgeknockt. Fehlte nur noch, dass beide angefangen hätten zu plärren. Lächerliche Provokation von Ikeng, völlig übertriebener Einsatz von Lambertz, der vielleicht in der Pause doch vom Ochsenblut genascht hatte? Schiri Christ befand, dass bei diesen beiden, im Gegensatz zu Rösler und Leitl, noch nicht Hopfen und Malz für pädagogische Maßnahmen verloren sei, und zückte beiderseitig Gelb wegen Kinderkram. Kann man machen. Da Lambertz allerdings drei Minuten zuvor schon verwarnt worden war, bedeutete dies Gelb/Rot für ihn und über zwanzig Minuten Unterzahl für Fortuna. Ein selten dämlicher Platzverweis für unseren Kapitän. Der kann das aber anscheinend auch nur selten dämlich, denn ich musste sofort an seine Gelb/Rote Karte in Aachen denken, zwei Jahre zuvor, die er wegen einer ähnlichen Kinderei erhalten hatte, als er einfach mal, um zehn Sekunden Zeit zu schinden, einen zweiten Ball ins Spiel gebracht und den Unschuldigen gemimt hatte, was ihm auch damals nicht gelungen war. Ein Bärendienst, den er damit wieder einmal der Mannschaft erwiesen hatte. Lernfähig sieht irgendwie anders aus.

In den restlichen zwanzig Minuten beschränkte sich Fortuna darauf, das Remis in Unterzahl über die Zeit zu bringen. Bis auf gelegentliche Konterversuche des eingewechselten Jovanovic gegen den Rest der Welt tat sich nichts mehr. Tatsächlich hatte Jova dann sogar noch den Siegtreffer auf dem Schlappen, als er bei einem seiner Stand-Alone-Auftritte gegen vier Ingolstädter aufgrund deren mangelnder Kenntnis von Raum und Zeit tatsächlich aus knapp achtzehn Metern gut zum Abschluss kam. Ebenso gut allerdings das Stellungsspiel von Özcan, der genau richtig postiert war, um den Ball abfangen zu können. Auf der anderen Seite nutzte Ingolstadt die 23-minütige Überzahl nicht das Geringste – erst in der 24. Minute hätten sie es beinahe in klingende Münze umgewandelt. In der Nachspielzeit bekamen die Fortunen einmal den Ball nicht aus dem Strafraum, und die Kugel fiel schließlich Gunesch vor die Füße, der sie aus sechs Metern rechts am Tor vorbei drosch. Zum Glück kein Killerinstinkt. Anschließend war das Spiel aus, und die Förmchen konnten wieder eingesammelt werden.

Fortuna holte einen Punkt beim FC Ingolstadt. Aufgrund der 25 Minuten in Unterzahl und der Chance für Gunesch ganz zum Schluss musste man damit zufrieden sein. Aufgrund der verteilten ersten Hälfte ging das Remis ebenfalls in Ordnung. Die Mannschaft musste sich aber ganz klar fragen lassen, warum man in der zweiten Hälfte, als die Gastgeber mehrfach schwindlig gespielt worden waren und deren Abwehr sich alles andere als sattelfest gezeigt hatte, das Spiel einfach wieder hergab und sich in Kinderkram verstrickte. Mit der Krönung eines der überflüssigsten Platzverweise aller Zeiten, mit dem dann auch die Offensivbemühungen für jenen Tag beendet waren.

Aber immerhin konnte ich eine halbe Stunde nach Spielschluss Finger und Zehen wieder bewegen, und auch mit der Heimfahrt klappte alles tadellos. So gesehen ein gelungener Ausflug ins winter wonderland. Und wer weiß, wozu dieser Punkt nochmal gut sein kann.

Die Welt von Prinz LilliVeh

Einen Tag nach unserem Tiefkühlspiel in Ingolstadt würgte sich Eintracht Frankfurt zu einem 2:1-Erfolg gegen Aufsteiger Eintracht Braunschweig. Es war in Hessen nicht ganz so kalt wie in Bayern, deshalb gibt es für Eintracht-Coach Armin Veh noch nicht einmal die Entschuldigung, sich während der voraus gegangenen 90 Minuten das Hirn erfroren zu haben. Somit ist er voll verantwortlich für das, was er unmittelbar nach Schlusspfiff in die Mikrofone der natürlich begeisterten Reporter von sky und sport1 blies. Nach dem kommenden Spitzenspiel bei der Fortuna befragt, haute er nämlich mal sofort raus, er wünsche sich für das Spiel einen guten Schiedsrichter. Wohl wissend, dass dies eine sofortige Nachfrage zur Folge haben würde. Und dann zog er mal richtig vom Leder. Was bei Fortuna an Schauspielerei und Theatralik geboten werde, ginge auf keine Kuhhaut mehr. Die ganze Liga wisse das. Besonders Sascha Rösler hatte er auf dem Kieker, sagte jedoch ausdrücklich, dass die Anderen in der Mannschaft es ihm mittlerweile gleichtun würden. Er haute also das gesamte Team in die Pfanne, im Umkehrschluss den Trainer natürlich auch, der seine Truppe so spielen lässt. Und den DFB mit dem Hinweis auf seine „schwachen Schiedsrichter“ gleich mit, allerdings natürlich nicht wörtlich. Krönung war die bis heute selbstverständlich unsanktionierte Äußerung: „Sowas hat im deutschen Fußball nichts zu suchen.“

Ja, der Armin leidet sicher nicht unter mangelndem Selbstbewusstsein. Ein solch erfolgreicher Trainer wie er, in den letzten Jahren bekanntlich immer ganz oben auf der Erfolgswelle, mutet sich selbst schon mal zu, den Finger in die Wunde zu legen und den Lonesome Rider zu geben. Einer muss es ja tun. Sympathischerweise hält er dann auch mit seiner eigenen, von ihm empfundenen Wichtigkeit nicht hinter dem Berg und analysiert gleich mal für den gesamten deutschen Fußball mit. Das kam mir irgendwie bekannt vor. Jawohl, Ex-Bielefeld-Trainer Thomas Gerstner hatte im Jahr 2009, nach dem Spiel bei Fortuna, auch schon mal den Blick über den langweiligen Vereins-Tellerrand hinaus erkennen lassen, als er ultimativ festgestellt hatte: „Dieses Schiedsrichtergespann hätte es verdient, auf deutschem Boden kein Spiel mehr pfeifen zu dürfen.“ Es scheint in der Tat so zu sein, dass der eine oder andere Zweitliga-Trainer eher zum völkischen Betrachter berufen zu sein scheint, als zum Analysten der Leistung des eigenen Teams, für das er die Verantwortung trägt.

Den Gerstner kostet das damals übrigens noch ein bisschen Kohle, Geldstrafe vom DFB. Der hatte ja auch die Schiedsrichter gemeint, da versteht der DFB keinen Spaß. Gegnerische Vereine aus dem deutschen Fußball entfernen zu wollen, ist dagegen okay. Wobei ich natürlich nicht weiß, ob das so gewesen wäre, wenn Veh mit seinen Schmähungen einen gewissen Milliardär und sein Spielzeug gemeint hätte. Aber bei einer Gurkentruppe wie Fortuna – kein Problem, da kann man ja schon mal einen raushauen. Besonders wenn man aus Frankfurt kommt. Schließlich brillieren die schon in der gesamten Saison durch eine gewisse, sagen wir, abwertende Haltung der Konkurrenz gegenüber. Man versteht offenkundig überhaupt nicht, was man in dieser Liga zu suchen hat. So kommentierte Sportdirektor Bruno Hübner den potentiellen Gegner Erzgebirge Aue zu Beginn der Saison schon mal so: „Nehmen wir Aue: Wenn da Schnee fällt, dann räumen die den erst eine Stunde vor dem Anpfiff, weil sie wissen, sie sind technisch eh die schlechtere Mannschaft. Und dann fährt da vielleicht noch ein Traktor übers Feld.” Armin Veh selbst entschuldigte in der Hinrunde nach einem Spiel die schwache Leistung seiner Elf mit dem Hinweis darauf, dass einige seiner Spieler zuvor unter der Woche auf Länderspielreise gewesen seien und daraufhin Schwierigkeiten gehabt hätten, sich dem niedrigen Niveau der 2. Liga wieder anzupassen. Der meinte das durchaus Ernst! Und über den lustigen Tipp, den Aufsichtsratsmitglied Axel Hellmann vor unserem Hinspiel in Frankfurt parat hatte, 5:1, habe ich auch schon geschrieben. Und wer einfach nur zu gut für diese Liga ist, der darf dann auch gegnerische Vereine in die Pfanne hauen und mal staatsmännische Gedanken zum deutschen Fußball entwickeln. Dass seitens der Vereinigung, unter deren Dach eigentlich alle deutsche Vereine wirken, in solchen Fällen etwas kommt, kann ja eigentlich ausgeschlossen werden. Schließlich sitzt der DFB bei der Eintracht nicht umsonst direkt nebenan. Und wer will es sich schon gerne mit dem Nachbarn am Gartenzaun verderben? Da schweift man lieber ab in die norddeutsche Tiefebene und kassiert Kohle von Holstein Kiel, weil deren Spieler nach der Pokal-Auslosung von einer Kamera mitten in Schmähgesängen über den Gegner Borussia Dortmund überrascht worden waren. Bei Holstein hatte übrigens niemand gefordert, irgendjemanden aus dem deutschen Fußball auszuschließen, deshalb gab es nur eine Geldstrafe. Hatten die ein Glück.

Also, der Veh redet von Schauspielerei und Theatralik. Dann untermauert er diese Unverschämtheit mit einem süffisanten „Düsseldorf hat in dieser Saison schon zehn Elfmeter bekommen, das sagt doch alles.“ Immerhin sagt das, dass er prima rechnen kann, die Aussage stimmt. Er ist natürlich nicht so blöd zu sagen, dass er diese Elfer zum Großteil für geschenkt hält, denn das wiederum wäre Kritik an den Schiedsrichtern, und dafür – das wissen wir ja –, müsste er sofort zahlen. Aber wie er das meint, bekommt man auch so mit. Leider liegt er damit völlig falsch, denn von den zehn Elfmetern, die die Fortuna bekommen hat, kann man eventuell über zwei diskutieren, die aber auch geben (gegen Rostock und in Ingolstadt). Der Rest steht ohne jede Diskussion. Das sage nicht ich, das sagt nun wirklich jeder Fachmann, der sich die Szenen in der Woche vor dem Spiel natürlich alle nochmal angesehen hat. Veh vergisst dabei auch routiniert zu erwähnen, dass Fortuna mindestens fünf klare Elfmeter in dieser Saison nicht bekommen hat – durchaus eventuell auch, weil die entsprechenden Pirouetten zu schwungvoll gedreht wurden. Was allerdings nichts an der jeweils falschen Entscheidung, keinen Elfer zu geben, ändert.

Ganz besonders weiß Veh dies aus dem Hinspiel, als uns gleich zwei klare Elfmeter verweigert wurden. Dieses Hinspiel spricht er natürlich nicht an. Es ist auch nicht überliefert, dass er nach dem Hinspiel einen „guten Schiedsrichter“ gefordert hätte. Es macht viel mehr den Eindruck, als sei es ein völlig normaler Vorgang, wenn ein Schiri bei Eintracht Frankfurt eben nicht so genau hinschaut. Das scheint der Truppe zuzustehen, weil dort ja sowieso niemand weiß, warum man in dieser Bauern-Liga spielen muss. Das hat wohl was mit Respekt zu tun.

Armin Veh mag insbesondere Sascha Rösler nicht. Da steht er nicht alleine. Ich habe auch schon mehrfach geschrieben, dass der Mann mich zur Weißglut bringen würde, wenn er in einem gegnerischen Team spielen würde. Wenn er zu Boden geht, ist schon mal Theatralik im Spiel, dem stimme ich voll zu. Veh spricht kein einziges Mal von „Schwalben“, das wird ihm hinterher so ausgelegt, und das ist auch genau der Eindruck, den er erwecken möchte, aber gesagt hat er es nicht. Was er wiederum routiniert „vergisst“ zu erwähnen: klar haben sowohl Rösler als auch Beister gerne mal den Theater-Hut auf. Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass sie in diesen Fällen meistens tatsächlich gefoult werden. Fernseh-Beweise dafür gibt es noch und nöcher, das weiß auch der Herr Veh, deshalb vermeidet er das Wort „Schwalbe“ ja auch. Man kann nun geteilter Meinung sein, ob Spieler bei der kleinsten Berührung manchmal zur großen Show ansetzen. Ich finde es auch nicht toll. Deshalb käme ich aber nie auf den Gedanken, solche Leute vom deutschen Fußball ausschließen zu wollen. Wenn es um die Entfernung von Übertreibung und Arroganz ginge, wären der aktuelle Trainer und der aktuelle Sportmanager von Eintracht Frankfurt ja auch schon längst Geschichte. Und das fordert schließlich auch niemand.

Bei Rösler kommt hinzu, dass er auch noch sehr gerne sein Mundwerk zum aktiven Spielaufbau einsetzt. Finde ich auch nicht gut, kann man den Leuten aber nicht abgewöhnen. Gerade das Meckern, Motzen und Pöbeln hat der nun wirklich nicht exklusiv, das gibt es haufenweise in jeder Mannschaft.

Nein, nein, weder Rösler als Einzelspieler noch Fortuna als Kollektiv sind eine so große Ausnahme, wie der nette Armin es der Bevölkerung kundtun möchte. Das Ganze ist einfach nur der Tatsache geschuldet, dass sich Armin Veh voller Selbstvertrauen wohl schon lange auf einer Stufe mit einstigen Pöbel-Königen wie Uli Hoeneß oder Christoph Daum wähnt. Weil er und sein Verein doch verdammt nochmal nichts in dieser Drecks-Liga zu suchen haben, das muss man doch anerkennen! Und weil es bei den Frankfurtern derzeit mit dieser Attitüde nicht so klappt wie im letzten Jahr bei der Hertha, setzt er halt einfach mal einen Reizpunkt vor einem Spiel, das für ihn von enormer Wichtigkeit ist, denn er steht in Frankfurt enorm unter Druck. Schließlich geht er mit einem Mörder-Etat an den Start, hat eine Truppe, die nahezu ausschließlich aus Erstliga-Spielern besteht – und muss sich zu Beginn der Rückrunde mit solchem Gesocks wie Fortuna oder Paderborn rumschlagen, hat sich noch nicht entscheidend abgesetzt wie die Hertha vor einem Jahr. Da dies nicht angehen kann, bezieht er den Gegner nun gerne in seine Spielvorbereitung mit ein. Wie er dies allerdings macht, hat mit sportlichen Fair Play – und nichts Anderes ist es ja, was er für sich einfordert – nun auch nicht das Geringste zu tun. Das ist noch nicht einmal mehr unterhaltsam. Das ist erbärmlich.

Denn im Grunde kümmert ihn das gar nicht. Er findet Sascha Rösler und seine Art, Fußball zu spielen, eigentlich gar nicht so schlimm. Wie ich darauf komme? Betrachten wir Vehs letzte Station im Trainergeschäft bis zu seiner dortigen Demission am 13.03.2011. Beim Hamburger SV hatte er exakt denselben Spielertyp im Kader. David Jarolim ist für seine Auftritte womöglich noch „berühmter“ und noch schlechter beim Publikum gelitten als Sascha Rösler. Und was tat Veh mit diesem Spieler, der dermaßen voll in seine Definition dessen passt, was seiner Meinung nach „im deutschen Fußball nichts zu suchen“ hat? Genau, er setzte ihn in den 26 Meisterschafts-Partien, in denen er die Verantwortung beim HSV trug, 18-mal ein. Aber wahrscheinlich würde der Veh das damit erklären, dass er den Spieler auch absolut nicht leiden konnte, aber er habe erkennen müssen, wie wertvoll dieser für die Mannschaft sei. Eben, Herr Veh.

Armin Veh ist ein wandelndes Zeichen purer Arroganz, der ganz schnell auskeilt, wenn er nicht das bekommt, was ihm seiner Meinung nach zusteht. Mehr nicht. Und er weiß, dass er sich so etwas leisten kann, weil der Anwohner am Gartenzaun keinen Stress in der Nachbarschaft haben will. Dazu gehört allerdings nicht viel. Armer Prinz LilliVeh.

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Intermezzo: Vereine ohne Plan erwünscht

Vier Tage, nachdem Veh mal seine völkische Sicht auf den Fußball und den Fair Play-Gedanken erläutert hatte, gab es vom Nachbar am Gartenzaun allerdings noch richtig was zu lachen. Es betrifft zwar die 1. Bundesliga, aber ich möchte es kurz einfügen, weil man meiner Meinung nach auch an diesem Beispiel sehr schön sehen kann, wie der Hase läuft im deutschen Qualitätsfußball. Hier also die Pressemitteilung des DFB vom 09.02.2012 in punkto Hoffenheimer „Schallaffäre“:

„09.02.2012 16:05 DFB-Sportgerichtsbarkeit
DFB stellt Verfahren gegen Hoffenheim-Mitarbeiter ein

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat mit Zustimmung des DFB-Sportgerichts das Ermittlungsverfahren eingestellt, das gegen einen Angestellten des Vereins 1899 Hoffenheim nach dem Bundesliga-Heimspiel gegen Borussia Dortmund am 13. August 2011 eingeleitet worden war. Der Mitarbeiter hatte im Sinsheimer Stadion eine Beschallungsanlage installiert und betrieben, um Schmähgesänge in Richtung des Hoffenheimer Präsidenten Dietmar Hopp zu unterbinden.

Dr. Anton Nachreiner, Vorsitzender des DFB-Kontrollausschusses, begründet die Einstellung des Verfahrens wie folgt: „Das Vorgehen des Mitarbeiters stellt zwar ein unsportliches Verhalten dar, ist allerdings als geringfügig einzustufen. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Heidelberg, die ihr Verfahren ebenfalls eingestellt hat, wurde mittels eines Sachverständigengutachtens nachgewiesen, dass die Stadionbesucher durch die Beschallungsanlage nicht gesundheitlich beeinträchtigt worden sind. Dazu war die Anlage von vorn herein nicht geeignet.“

Wie Nachreiner weiterhin ausführt, hätten die Ermittlungen des Kontrollausschusses und der Staatsanwaltschaft keinerlei Hinweise darauf ergeben, dass Hoffenheimer Verantwortliche von der Beschallungsaktion wussten beziehungsweise in irgendeiner Weise an ihr beteiligt gewesen seien.“

Eine schöne Entscheidung, in der dankenswerterweise auch nochmal ausdrücklich klar gestellt wird, dass der Verein TSG Hoffenheim als Ausrichter der Heimspiele absolut keinen Plan hat, wer sich bei ihnen während des laufenden Spielbetriebs im Innenraum herumtreibt, drei Meter vom kickenden Personal entfernt, und somit auch keinen Plan hat, was derjenige denn da so aufbaut und „abfeuert“. Und der Verein muss diesen Plan anscheinend auch nicht haben, denn er geht ja straffrei aus. Ist unter heutigen Sicherheitsaspekten eine prima Einladung für all diejenigen, die ein bisschen mehr als nur beschallen wollen. Macht dem Verein alles nix, wird ausgesessen und dann abgebügelt. Hoffenheim braucht bekanntlich auch keine festgelegten Spieler nach dem Spiel zur Dopingprobe zu schicken, wenn deren Trainer (damals: Ralf Rangnick) der Ansicht ist, eine spontane „Mannschaftssitzung“ wäre wichtiger. Also ich weiß ja nicht, aber anstelle der TSG „1899“ hätte ich auf Bestrafung bestanden, denn nun werden die ja wieder als Volltrottel-Verein dargestellt, der überhaupt keinen Plan von gar nix hat. Aber damit kann man anscheinend prima leben, wenn es nur dem großen Boss recht ist.

Übrigens, ihr habt richtig gelesen: im Original-Wortlaut der Pressemitteilung wird Dietmar Hopp ausdrücklich als „Hoffenheimer Präsident“ bezeichnet. Ein kleiner Fauxpas der DFB-Zentrale, der sehr schön aufzeigt, um wen es hier mal wieder ging. Denn Hopp ist nicht nur nicht Präsident, der hat überhaupt keine offizielle Funktion bei der TSG Hoffenheim. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Natürlich korrigierte der DFB diesen Lapsus nahezu umgehend binnen weniger Stunden und passte die Mitteilung der Realität an. Mittlerweile steht dort ein gepflegtes „des Hoffenheimer Mäzens“, wie es sich gehört. Lustigerweise stellt nun diese Korrektur ausgerechnet Hopp nicht davon frei, von der Angelegenheit nichts gewusst zu haben. Denn die Mitteilung entlastet ja ausdrücklich nur die „Hoffenheimer Verantwortlichen“. Und zu denen gehört er als Mäzen absolut nicht. Also „offiziell“, meine ich. Wie man es macht, macht man es verkehrt. Aber ein bisschen Kopfschütteln über diese Entscheidung ist immer drin. Lex Hopp die wievielte?

Ein Elfer aus dem Drehbuch

„Wenn ich am Montag Armin Veh begrüße, mache ich vielleicht ’ne Schwalbe“, kündigte Finanzvorstand Paul Jäger im Scherz an.

Mal ganz ehrlich, im Nachhinein muss man sagen, er hätte Veh beim Aussteigen aus dem Bus direkt weggrätschen sollen. Hätte uns wohl einiges erspart. Aber andererseits: dieser 13.02.2012 war ein Abend, den man im Endeffekt nicht missen möchte. Weil es spannend bis zum Schluss war, und dann, tatsächlich ganz am Schluss, dergestalt eskalierte, dass man wirklich der Meinung sein muss, der Fußballgott habe am Drehbuch mitgeschrieben.

Zunächst mal eine schöne Kulisse, 41.200 Zuschauer. Da sich tagsüber im Umland Schnee und Regen abwechselnd die Ehre gaben, beschloss man, das Dach der Arena zum Spiel zu schließen. Dies nutzte das zahlreich angereiste Frankfurter Personal im Gästeblock schon vor dem Spiel dazu, mal einen ersten Akzent zu setzen und den spontanen Erstickungstod für alle zu proben. Und so brannten diejenigen, in deren eigenen Hirnen wohl nie mehr das entsprechende Licht aufgehen wird, bereits beim Warmlaufen einige Bengalen ab, was nun nicht weiter schlimm gewesen wäre, hätte man sie nicht szeneüblich allesamt brennend in den Innenraum entsorgt, dazwischen vermehrt Böller und Kanonenschläge gezündet und sogar echten Silvesterfeuerwerk in Form von Sternhaufen abgeschossen. Dass mindestens zwei Böller im Innenraum in der Nähe der Seitenlinie landeten, an der sich grad die eigene Mannschaft war machte, wurde von diesen widerspruchslos hingenommen, scheint also nicht wirklich neu zu sein. Und außerdem hab ich noch nie gehört, dass in Frankfurt einer gegen die Fan-Szene aufgemuckt hätte.

Bei geschlossenem Dach brauchte es ein wenig länger, bis der Rauch abgezogen war, sodass der Schiedsrichter die Partie bereits mit fünf Minuten Verspätung anpfiff. Apropos Schiedsrichter: da hatte der Herr Veh ja bekanntlich bereits eine Woche vor der Partie gefordert, es solle „ein Guter“ sein, was in seinen Augen beim DFB nicht selbstverständlich ist, ansonsten hätte er es ja nicht gefordert. Wir bekamen Dr. Felix Brych. Das ist schon ein Guter, leider war er etwas vorbelastet, da er nur fünf Tage zuvor im DFB-Pokal-Viertelfinale beim Stande von 0:0 in der Verlängerung eine Schwalbe des Gladbachers Igor de Camargo als Tätlichkeit seines Gegenspielers Roman Hubnik gewertet hatte. Somit Rot für Hubnik und, weil sich die Szene im Hertha-Strafraum zugetragen hatte, Elfmeter für Gladbach, das mit diesem Geschenk ins Halbfinale und zum Gegner FC Bayern München einzog. Da kann mir niemand erzählen, dass der Brych nach so kurzer Zeit völlig unbelastet in diese Partie gehen würde, bei der Frankfurts Trainer schon eine Woche zuvor dafür gesorgt hatte, dass es richtig Zoff geben würde. Eine schöne Risiko-Ansetzung des DFB, die in den 90 Minuten allerdings aufging. Blöd nur, wenn ein Spiel dann noch etwas länger dauert…

In den 90 Minuten jedenfalls war an der Leistung des Dr. Brych und seiner Assistenten nichts auszusetzen. An der Leistung beider Teams in der ersten Hälfte hingegen sehr wohl, zumindest, was die Offensivbemühungen anging. Beide Abwehrreihen standen gut, beide Mittelfeldreihen erwiesen sich als mäßig kreativ, bei Fortuna auch dadurch bedingt, dass Kapitän Lambertz nach seinem Platzverweis in Ingolstadt gesperrt war und durch Adam Matuschyk ersetzt wurde. Der Neuzugang vom FC Bahnhofskapellendorf machte sein erstes Spiel für die Fortuna von Beginn an und war mehr schlecht als recht einzuordnen. Viele Impulse setzte er jedenfalls nicht, dafür müsste man aber auch ab und zu mal einen Zweikampf gewinnen. Es war klar, dass der Pole sich nicht so mir nichts, dir nichts in das Spiel der Mannschaft würde integrieren können, aber ein bisschen mehr hätte es dann doch schon sein dürfen. Schade.

Deshalb gab es aus der ersten Hälfte auch nicht viel. Die beste Chance hatte Frankfurt, als Alex Meier nur ganz knapp und völlig frei an einer Flanke von Lehmann vorbei segelte. Auf der Gegenseite parierte Nikolov einen Fernschuss von Rösler, aus dem anschließenden Abpraller resultierte noch eine gute Chance für Beister, die Nikolov aber erneut abwehren konnte. Das war es dann auch schon, ein ausgeglichenes Spiel zweier vorsichtiger Mannschaften.

Dies änderte sich nach dem Wechsel grundlegend. Zunächst begannen die Frankfurter sehr schwungvoll. Nachdem Benjamin Köhler eine scharfe Flanke von links mit viel Wucht vors Tor gezogen hatte, kam die gesamte Fortuna-Abwehr nicht an den Ball, und Karim Matmour hatte die große Chance. Er tauchte am langen Pfosten auf, drei Meter (!) vor Ratajczak und schaffte es nicht, den Ball im Netz unterzubringen, unser Keeper konnte mit einem prima Reflex abwehren. Nach diesem Muntermacher in der 49. Minute spielte dann auch die Fortuna endlich druckvoller nach vorne und erarbeitete sich Möglichkeiten, allerdings alles noch zu unpräzise. Dann gab es allerdings zwei Großchancen binnen drei Minuten: zunächst ein Böller aus 20 Metern von Matuschyk nach einem abgewehrten Eckball. Nikolov musste auch hier nachfassen, konnte aber parieren. Und in der 67. Minute musste es eigentlich 1:0 für die Hausherren stehen, als Beister, schön von Bröker und Fink angespielt, sich im Strafraum gegen zwei Gegenspieler durchsetzen konnte, dabei allerdings ein wenig die Kontrolle über den Ball verlor. Er kam noch zum Abschluss, und aus nur fünf Metern darf auch bei solch wegen schwieriger Ballkontrolle etwas überhasteten Aktionen mehr heraus kommen, als den guten Nikolov anzuschießen, der genau richtig stand. Immerhin, es ging was, die Fortuna nun mit mehr Spielanteilen.

Etwas unglücklich daher der Zeitpunkt, als man zwei Minuten später plötzlich zurück lag. Alex Meier narrte mit einer Körpertäuschung halbrechts kurz vor dem Strafraum gleich drei Gegenspieler und spielte dann einen Traumpass in die Mitte auf Köhler, perfekt getimed, zentimetergenau serviert. Köhler ließ den Ball nur kurz abtropfen und haute ihn dann aus der Drehung und circa zehn Metern flach ins rechte Eck, 0:1. Wie gesagt, sahnemäßig herausgespielt, wenn auch zu diesem Zeitpunkt etwas glücklich.

Und hier verlassen wir die Frankfurter Offensivbemühungen für diesen Spieltag, denn der Treffer von Köhler war der letzte Torschuss, den die Eintracht in diesem Spiel abgab. Man beschränkte sich darauf, die Führung über die Zeit zu bringen. Gelegentliche Konter wurden eher halbherzig zu Ende gebracht. Dass ausgerechnet Alex Meier für die schönste Schwalbe des Spiels zuständig war, fiel seinem Trainer selbstverständlich nicht auf, dafür spielt der ja auch beim richtigen Verein, da sieht der Bewahrer der Reinheit des deutschen Fußballs die Sache nicht so eng. Ansonsten hinterließ der Frankfurter Angriff bis Spielschluss nichts Erwähnenswertes für die Nachwelt.

Fortuna-Trainer Meier reagierte und brachte Ken Ilsø als zusätzlichen Angreifer. Fast sofort ging die Post nach vorne ab, Fortuna jetzt viel aggressiver, drückte Frankfurt in die eigene Hälfte und suchte den Abschluss. Das eh verdiente Unentschieden – denn besser als die Gastgeber war Frankfurt auch zuvor wirklich nicht – wäre eigentlich in der 78. Minute fällig gewesen. Aber zunächst traf Bröker nur den Pfosten, als er mit Rechtsschuss Innenverteidiger Gordon Schildenfeld tunnelte, der Ball wurde zur Ecke geklärt. Die segelte anschließend von rechts in den Strafraum, Kopfball Fink, und wieder war Nikolov geschlagen, aber Sebastian Rode rettete, ebenfalls per Kopf, am langen Pfosten auf der Linie. Es war zum Haareraufen. Anschließend setzte Meier alles auf eine Karte und brachte mit Neu-Stürmer Timo Furuholm und Ranisav Jovanovic zwei weitere Angreifer, echte „Harakiri-Wechsel“, wie er nach dem Spiel sagte. Mehr Offensive ging wirklich nicht. Furuholm hatte in der 86. Minute auch die Chance zum Ausgleich, aber auch er scheiterte an Nikolov. Fortuna warf alles nach vorne, die Eintracht pöhlte die Bälle hinten raus, und man musste sich langsam mit dem Gedanken anfreunden, nach dem letzten Heimspiel im alten auch das erste Heimspiel des neuen Jahres zu verlieren.

Und dann brach die 91. Minute an…

Angriff der Fortuna über rechts, Ilsø schlägt eine schöne Flanke in den Strafraum, der Ball wird gut lang. Am Fünfmeterraum gehen Ex-Fortune Bamba Anderson und Neu-Fortune Furuholm zum Ball, vor ihnen nur noch Nikolov. Und dann fallen alle drei um, der Ball springt ins Aus. Furuholm deutet an, er sei am Trikot festgehalten worden, das sah von der Tribüne auch so aus, aber genau zu erkennen war es nicht.

Schiri Dr. Brych steht bewegungslos an der Strafraumgrenze und guckt. Er weiß offenkundig nicht, was er machen soll, also macht er lieber mal gar nichts. Dies würde Abstoß vom Tor der Frankfurter bedeuten. Plötzlich erregtes Gemurmel auf den Rängen, als man sieht, wie sich jemand ganz langsam von seinem Platz wegschleichen will. Es ist der Schiedsrichter-Assistent auf der Haupttribünenseite, Jan-Hendrik Salver. Und von wo will er sich wegschleichen? Jawohl, der Mann hatte in der Zwischenzeit seinen angestammten Platz an der Seitenlinie verlassen und war auf die Grundlinie eingeschwenkt, zu der Stelle, an der diese die Strafraumlinie schneidet. Dort muss ein Assistent nämlich stehen – wenn Elfmeter gegeben wird…

Also, der Schiri macht nichts, der Assi hat sich schon auf Elfmeter-Position begeben. Als Salver bemerkt, dass Brych nichts macht, geht er langsam wieder zurück. Mittlerweile hat ihn aber das halbe Stadion bemerkt, inklusive Fortuna-Spieler, die Brych darauf hinweisen. Unzweifelhaft muss der Assi in dieser Situation Foulspiel angezeigt haben, ansonsten macht es wenig Sinn, sich direkt auf diese Position zu begeben. Der ist ja schließlich nicht im Stadion, um spazieren zu gehen, und mir ist auch kein Fall bekannt, in dem der Assi einfach mal die „Elfmeter-Position“ eingenommen hätte, nur um seinen Kollegen an der Pfeife zu ärgern.

Und jetzt kommt das, was Respekt verdient, auch wenn ich mich als Frankfurter natürlich genauso darüber ärgern würde. Aber Respekt sollte man trotzdem haben. Schiri Brych geht nämlich zu Salver und bespricht die Angelegenheit. Der Assi sagt wohl, dass er ein Foulspiel erkannt hat. Und er guckt von der Seite genau auf die Szene drauf, hat somit gute Sicht, im Gegensatz zu Brych, der sich ja hinter den Spielern befand. Brych hört zu, glaubt ihm – und entscheidet anschließend auf Elfmeter. Gleichzeitig erfüllt er sich den bestimmt großen Wunsch der Schiedsrichter-Gilde, wirklich mal alle Spieler auf dem Feld im Laufe eines Spiels kennen zu lernen, denn nachdem ihn zuvor fast alle Fortunen auf die Laufwege seines Assis aufmerksam gemacht haben, wird er nun eingehüllt in eine Wolke Frankfurter Spieler. Aber er bleibt bei seiner Entscheidung. Strafstoß für Fortuna in der 91. Minute. Mit Verzögerung.

Die Riesen-Fußball-Macher von sky können die Szene mit ihren Kameras natürlich mal wieder nicht aufklären, das kennt man ja schon. Die Bilder aus verschiedenen Blickwinkeln, die mittlerweile zahlreich einzusehen sind, zeigen eindeutig, dass Anderson Furuholm am Trikot festhält, und zwar nicht, wie es ein Herr Veh gerne hätte, für den Bruchteil einer Sekunde, woraufhin unser Finne wie vom Blitz getroffen umfällt, sondern eigentlich über den gesamten Zeitraum der Szene. Und besonders, als Furuholm seinen Fuß zum Ball ausstreckt und durch das Ziehen am Trikot behindert wird. Die Frage ist, ob man das pfeifen muss. Bei einem beliebigen Trikotzupfer im Gewühl nach einem Eckball wird es sicherlich mehrheitlich nicht geahndet. Hier liegt der Fall nun aber so, dass Furuholm ohne das Trikotzerren durchaus an den Ball hätte kommen können – und vor ihm befanden sich nur noch Nikolov und das Tor, kein Mitspieler, kein gegnerischer Spieler, auch nicht auf der Torlinie oder in der Nähe. So etwas nennt man gerne mal „Verhindern einer klaren Torchance“. Und zwar durch regelwidriges Festhalten am Trikot des Gegenspielers. Ich nehme an, dies hat für den Assi den Ausschlag gegeben, das Foulspiel anzuzeigen. Anderson zieht an Furuholms Trikot und verhindert damit eine klare Torchance. Und damit kann man den Elfmeter durchaus geben. Würde ich als Frankfurter bei der Ansicht der Bilder auch irgendwie im Hinterkopf haben, wäre aber immer noch sauer, natürlich. Allerdings hat sich mittlerweile allgemein doch eher die Erkenntnis durchgesetzt, dass man den Elfer geben kann.

Eine große Rolle, dass es derart chaotisch wird, spielt natürlich Schiedsrichter Brych. Die Szene kommt, sein Assistent signalisiert ihm ein Foulspiel. Er kann jetzt genau zwei Dinge machen: entweder entscheidet er sofort auf Elfmeter. Oder aber er zeigt seinem Assistenten durch klare Gestik eindeutig für jedermann sichtbar an, dass er ihn überstimmt und weiterspielen lässt, somit Abstoß für Frankfurt. Dr. Brych tut nichts von beiden. Wie gelähmt steht er an der Strafraumgrenze, guckt und macht nichts. Wahrscheinlich fragt er sich in diesem Moment verzweifelt, warum ihm ausgerechnet jetzt so etwas noch passieren muss. 90 Minuten ist alles gut gegangen, er hat nahezu fehlerfrei geleitet, beide Mannschaften haben sich auch benommen. Und ausgerechnet in der Schlussminute dies. Er guckt, er überlegt und verliert den Überblick. Er hat allerdings dann auch das Rückgrat, seine Entscheidung zu revidieren, weil der Assistent anscheinend genauso viel Rückgrat hat, seine vorherige Erkenntnis entsprechend zu untermauern.

Jens Langeneke macht den Elfmeter rein, mit viel Glück, Oka Nikolov ist dran, kann den Ball aber nicht mehr parieren, nur noch ins Netz lenken. 1:1 – Fortuna holt glücklich einen nichtsdestotrotz verdienten Punkt. So weit zum Sportlichen, denn da kommt jetzt nix mehr. Dafür wird es umso munterer abseits des Balles.

Sascha Rösler gönnt sich im Jubel eine kleine Extra-Einlage, indem er auf dem Rasen vor der Eintracht-Bank auf die Knie sinkt und Trainer Veh, der vor seiner Bank tobt, aufs Herzlichste einlädt, mit ihm zu feiern. Veh, immer für eine gute Party zu haben, Sekunden vorher hat er noch den vierten Offiziellen angebrüllt (davon gibt’s ein wirklich schönes Bild, das den friedfertigen Herrn Veh zeigt), lässt sich nicht lumpen und antwortet dem Sascha postwendend. Daraufhin gibt es ein kleines Wortgefecht zwischen den beiden, und anschließend geht’s ab: die gesamte (!) Frankfurter Ersatzbank springt auf, um ihren kostbaren Trainer gegen den furchtbaren Rösler zu schützen. Auf dem Spielfeld eilen sechs (!) Frankfurter Spieler zur Hilfe, die dabei Schiri Brych permanent zuwinken und auf Rösler deuten, damit der Schiri auch ja mitbekommt, was der böse Mann denn da schon wieder macht. Veh brüllt, dass man anerkennend sagen muss, der wär ein prima Spieß beim Bund gewesen. Zusammengefasst: die Frankfurter benehmen sich in diesem Fall exakt so, wie Veh es Rösler eine Woche lang vorgeworfen hat, zuletzt im Interview 15 Minuten vor Spielbeginn! Bei denen macht das aber offenkundig nichts, weil es ja Frankfurter sind.

Zwischen beiden Ersatzbänken kommt es zu kleineren Schubsereien, Sportdirektor Bruno Hübner, der es wohl immer noch nicht verwinden kann, in diesem Leben hinter Labbadia nur als zweitschönster Brüno durchs Ziel zu gehen, leider in die falsche Zeit geboren, also, der schöne Brüno II geht Fortuna-Manager Wolf Werner an die Gurgel. Gegen einen schönen Manager-Infight ist ja nichts einzuwenden, aber der Unsere ist flotte 69 Jahre alt, eine etwas unfaire Angelegenheit. Es dauert minutenlang, bis besonnene Köpfe wieder halbwegs Ruhe in die Reihen bekommen haben.

Schiri Brych handelt so, wie er nur handeln kann, weil er den Überblick verloren hat, wie es in dieser Situation jedem Anderen auch gegangen wäre. Er bestraft diejenigen, die die Rudelbildung ausgelöst haben, Gelb/Rot für Rösler, Veh muss auf die Tribüne. Das schenkt der sich allerdings vorsichtshalber, das wäre bei der Stimmung nämlich jetzt akut gesundheitsgefährdend, auch er verschwindet in der Kabine. Ein wahres Wunder, dass die beiden sich dort nicht auch noch über den Weg gelaufen sind.

Rösler hat die Rudelbildung provoziert, keine Frage, der Platzverweis ist völlig gerechtfertigt, und auch über Rot hätte er sich nicht beschweren dürfen. Hinzu kommt eine ordentliche Geldstrafe des Vereins, denn auch Trainer und Manager sind not amused und sagen dies auch nach dem Spiel. Ein ähnlicher Bärendienst wie der Platzverweis von Lambertz in der Woche zuvor nach Ringelpiez mit Ikeng. Rösler ist klar Schuld an dieser Situation, aber ich kann ihn verstehen. Da steht der Typ, der ihn eine Woche lang als „Schauspieler“ und „Provokateur“ bezeichnet hat, der getönt hat, so etwas habe im deutschen Fußball nichts zu suchen (Ausnahme: derjenige spielt in Vehs Mannschaft, siehe oben), der sich darüber aufregt, der unterbewusst Schiebung unterstellt, dass Fortuna so viele Elfer bekommt, obwohl er genau weiß, dass fast alle berechtigt waren. Der hat die ganze Woche gepiesackt, selbst provoziert, angeprangert. Und da glaube ich schon, dass der Rösler sich das ganze Spiel über darauf gefreut hat, bei einem Treffer vor diesem Mann in die Knie zu gehen. Dass es nun bis zur 91. Minute dauert und ausgerechnet ein Elfmeter ist, hätte man sich zwar in den kühnsten Träumen nicht ausmalen können, ist aber eigentlich noch schöner. Und so genießt der Rösler die letzte Provokation des Spiels, da bin ich sicher. Und wie gesagt: wenn einer so bewusst an den Pranger gestellt wird von Leuten, die genau wissen, dass das, was sie da erzählen, nur dazu dienen soll, Unruhe zu verbreiten, dann darf man sich nicht wundern, wenn der ganz zum Schluss auch noch mal austeilt. Veh kann ja mal nen Kampfhund in eine Ecke treiben, selbst der friedlichste Köter beißt irgendwann zu, wenn man ihm gar keinen Ausweg mehr lässt.

Also: Rösler hätte sich diese letzte Aktion schenken können, ja müssen, dann wäre er noch größer gewesen. So hat er sich und die Mannschaft zum Schluss doch noch bestraft. Aber ich kann ihn verstehen. Und nebenbei sorgte er dafür, dass das ganze, von Veh sorgsam aufgebaute Gebilde seiner Truppe, die sich ja niemals so aufführen würde wie Sascha Rösler, mit einem Schlag zerbrach. Ja, wer im Glashaus sitzt, der sollte was zu Anziehen haben. Oder so ähnlich.

Nachbereitung: peinlich, plump, pathologisch

Als Schiri Brych kurz nach dem Wiederanstoß abpfeift und sich mindestens drei Minuten Nachspielzeit schenkt, weil es eh keinen Sinn mehr macht, kommt noch eine kleine Extra-Einlage von Ex-Fortune Bamba Anderson. Der ist so fertig, dass er sich vor Brych aufbaut, ihn anbrüllt, immer wieder höhnisch Beifall klatscht. Als er sich ein Stück entfernt und Brych auf ihn deutet, um ihn zu sich zu rufen, wird der tobende Brasilianer von mehreren Mitspielern weggezerrt und kommt auch nicht wieder. Brych wiederum ist so fertig, dass er sich wohl nicht mehr traut, hinter ihm her zu laufen und auch mal einen Karton zu ziehen. Sollte er also nicht zufällig Anderson in einem Sonderbericht erwähnen, so würde dieser mit derselben Verhaltensweise davon kommen, für die Sascha Rösler völlig zu Recht vom Platz flog. Wundern würde es mich nicht, denn auch über dem Verhalten von Anderson schwebt diese geheimnisvolle Aura, ein Frankfurter zu sein, und daher mit Überstreifen des entsprechenden Trikots automatisch unschuldig zu sein. Jedenfalls vergisst die peinliche Troika aus Bembel-Town, die nunmehr das Kommando übernehmen wird, natürlich routiniert, auch mal auf diesen Provokateur einzugehen. Sie haben doch alle nichts gesehen, und außerdem gibt es ja auch ganz andere Themen.

Der schöne Brüno II erklärt: „Veh wollte exakt auf solche Situationen hinweisen, wie wir sie jetzt wieder gesehen haben!“ Ich bin mir nicht ganz darüber im Klaren, was er meint: Veh wollte also im Vorfeld darauf hinweisen, dass seine Abwehrspieler gerne mal so schlau sind, in der 91. Minute im eigenen Fünfmeterraum den Gegenspieler allein vor dem eigenen Torwart festzuhalten? Hab ich so nicht in Erinnerung. Dass der schöne Brüno II noch ganz andere Wahrnehmungsdefizite hat, beweist seine zweite Aussage: „Das ist Wahnsinn, dass der Linienrichter so eingreift.“ Ja, stimmt, dös is a Wahnsinn. Wahnsinn ist vor allem, wie schnell ein angeblicher Sportdirektor die Regeln seines Sports nicht mehr kennen will, wenn es um Eintracht Frankfurt geht. In Frankfurt hat man die Winkemännchen an der Linie also bislang lediglich als Erfüllungsgehilfen wahrgenommen, die nach der Pfeife des Schiris tanzen. Ist schon Wahnsinn, wie schnell sich solche Gestalten um Kopf und Kragen reden.

Oder auch nicht, ebenfalls um Kopf und Kragen. Denn anschließend kommt etwas, das habe ich so auch noch nicht erlebt: Armin Veh, der eine Woche lang die gesamte Fortuna-Mannschaft generell und Sascha Rösler speziell provoziert und in die Pfanne gehauen hat, zuletzt noch eine Viertelstunde vor Spielbeginn – dieser Prinz LilliVeh hat nun keine Lust, zur offiziellen Pressekonferenz zu kommen, weil er sich dort das Maul verbrennen könnte. Okay, dass ein Trainer nicht zur PK kommt, das gibt es schon mal dann und wann. Dass der gesamte Verein daraufhin die PK boykottiert, das ist mir zumindest noch nicht untergekommen. Absolut niemand aus Frankfurt lässt sich blicken, was nun wiederum die Journaille auf die Palme bringt, und zwar mehrheitlich die aus Frankfurt, die enttäuscht ist, dass der Trainer kneift. „Angsthase“ ist da noch das freundlichste Wort, das man hören kann. Die ganze Woche über die Klappe aufreißen, und wenn man dann mal Rede und Antwort stehen müsste, sich verpissen. Armin Veh, eines unseren großen Vorbilder im Sport.

Nein, das kann man weder ihm noch Vorstandschef Heribert Bruchhagen zumuten. So etwas erledigt man entweder beim Haussender oder gleich zuhause, also wieder schön hintenrum. Und so gibt Bruchhagen, der ja auch zur PK hätte kommen können, lieber zeitgleich, na klar, dem Hessischen Rundfunk ein Interview, welches in der Sendung „heimspiel!“ gezeigt wird. Ich empfehle youtube, da ist es bestimmt zu finden. Unglaublich, wie dieser Mann sich echauffiert, alles Fair Play, das sein Trainer doch in der Woche nur einfordern wollte, über Bord werfend. „Die Methode der Fortuna hatte wieder Erfolg!“ Ja klar, Schwalben können wir ja wie die Großen. Seitdem erwarte ich, dass der Bruchhagen uns für den großen Integrationspreis vorschlägt. Da holen wir einen Spieler aus den tiefsten Wäldern Finnlands, impfen dem vier Wochen lang die fortunistische Methode ein, und dann lassen wir ihn zehn Minuten auf sein allererstes Bundesliga-Spiel in Deutschland los – zack, schon die erste Düsseldorfer Schwalbe! Das nenn ich mal Integration!

Aber mit der „Methode Fortuna“ meint der sympathische – Achtung: kein Witz! – gebürtige Düsseldorfer noch etwas Anderes. Er regt sich noch schnell über die Fortuna-Bank und den Trainer auf die „nach jeder Aktion die Arme hochgerissen“ und so die Unparteiischen beeinflusst hätten. Ja isset denn! Ich brauche selbstverständlich nicht zu erwähnen, dass er den kollektiven Ausraster seiner Ersatzbank nicht kommentiert. Nebst dem reichlich vorhandenen Bildmaterial von dem, was sein Trainer während des Spiels so zelebriert hat. Hat er nicht gesehen, ist außerdem Eintracht Frankfurt, also wieder etwas völlig Anderes. Es klingt alles nicht gesund, was der Heribert im Laufe dieses Interviews von sich gibt. Es klingt im Gegenteil leicht paranoid, und außerdem macht man sich Sorgen um seinen Blutdruck. Was das Ganze allerdings für mich persönlich so richtig peinlich macht: er weiß genau, dass er sich das leisten kann. Wer vom DFB will ihm denn was – schließlich sitzt er ja selbst im Vorstand des DFB, eine Tätigkeit, die er mühelos mit seinem Vorstandsdasein bei Eintracht Frankfurt in Einklang bringen kann, damit hat der Mann kein Problem. Und deshalb weiß er auch, dass er richtig abledern kann, es wird nichts folgen. Wer beim DFB will sich denn wohl mit ihm schlecht stellen?

Der Abend endet dann doch eher in broken comedy. Als weiteren Fürsprecher für die Eintracht hat man nämlich noch schnell Ansgar Brinkmann geholt, ich möchte gar nicht wissen, woher. Und der sagt dann tatsächlich, der Rösler würde zu weit gehen und da höre der Spaß auf. Zu weit gehen! Da hört der Spaß auf! Noch einmal, liebe Liebenden: es ist Ansgar Brinkmann, der das sagt! Also darüber komme ich wirklich nicht hinweg. Aber okay, es war halt Ansgar Brinkmann, während seiner Karriere bekennender Pazifist auf dem Platz und Inhaber sämtlicher Friedens-Nobelpreise von 1990 bis 2005. Wie billig ist das denn, solch einen Heiligen auf den bösen, bösen Sascha Rösler zu hetzen? Echt unfair.

Und als am Tag danach, knapp 20 Stunden nach der entscheidenden Szenen, sogar auf sky zögerlich zugegeben wird, dass man nach dem 386. Betrachten der Bilder eine Berührung zu erkennen glaubt, da haben sie schon wieder nachgelegt. Denn wenn der Heribert hintenrum weiter zündeln darf, dann kann dies dem Armin nur billig sein. Nach Platzverweis im Spiel und feigem Schwänzen der Pressekonferenz haut der wieder einen raus und gibt seine eigene PK, einen Tag nach dem Spiel. Merke: Eintracht Frankfurt kommt nicht zu irgendwelchen Losern auf eine Pressekonferenz – Eintracht Frankfurt lädt zur Pressekonferenz ein, und zwar, wenn ihnen Zeit und Ort am besten passen. Veh ist auch in 30 Sekunden wieder problemlos in Top-Form, und natürlich faltet er wieder Sascha Rösler zusammen. „Er ist kein Leader, er ist ein Schauspieler.“ Ein „Rotzlöffel“ übrigens auch. Auch Manager Wolf Werner ist fällig, ebenfalls mit einer Super-Begründung: „Er war früher mal mein Co-Trainer. Aber vor ihm habe ich den Respekt verloren, weil jemand wie Rösler bei Fortuna so spielen darf.“. Glaubt man`s noch? Man muss, ist ja alles archiviert für alle Zeiten. Langsam wird es auch den anwesenden Journalisten peinlich, man sehe sich die PK auf youtube an, mit den Pausen zwischen Vehs Ausführungen, als man offenkundig auf Zwischenfragen wartet, aber es kommt absolut nix, woraufhin der edle Sportsmann sich immer weiter in Rage redet. Das mit dem „Schauspieler“ wird jetzt allerdings auch peinlich – hat denn niemand dem Veh gesagt, dass der Rösler mit dem Elfmeter nicht das Geringste zu tun hatte? Oder doch? Rösler war übrigens auch im Hinspiel an keiner einzigen umstrittenen Szene beteiligt. Aber das hält einen Veh natürlich nicht davon ab, sich wieder zum Retter von ganz Fußball-Deutschland aufzuschwingen, das er vor diesem Scharlatan bewahren möchte. Und damit das auch jeder merkt, darf natürlich auch der nächste Satz nicht fehlen: „Eine Schande für den deutschen Fußball.“ Lebenslanges Spielverbot inklusive, da kann er den schönen Brüno II noch toppen, der hatte am Abend zuvor „nur“ eine Sperre bis Saisonende für Rösler gefordert. Eine Rufschädigung jagt die nächste, der Spieler kann sich nicht dagegen wehren, und der Verein, dessen Angestellter Rösler ist, kann ihn auch nicht in Schutz nehmen, denn extra dafür hat Veh ja die offizielle PK geschwänzt und seine eigene angesetzt.

Heribert Bruchhagen lässt sich auch nicht lumpen, ist in Hochform. Das ist übrigens der Heribert, der einst mal den schönen Satz sagte: „Seine Aggressivität hat uns weitergeholfen.“ Gemeint war der damalige Frankfurter Maik Franz. Wenn der mal wieder einen Gegenspieler umgenietet oder provoziert hatte, wurde er von Frankfurts Offiziellen, inklusive Bruchhagen, sofort geschützt. Aber wie gesagt: Rösler spielt beim falschen Verein, deshalb ist alles erlaubt: Bruchhagen hat eine Kassette zusammengestellt, seine 90 Minuten Highlights mit seinem Lieblings(schau)spieler Sascha Rösler. Die bietet er den Journalisten an und fordert sie auf, sie mögen sich ihr eigenes Urteil dazu bilden. Und es dann natürlich in die Welt hinaus posaunen, das ist die unausgesprochene Aufforderung, die dahinter steht. Dies macht ein DFB- und DFL-Funktionär!!! Das ist eindeutig nicht mehr gesund. Es ist nur noch widerlich, was da aus Frankfurt kommt. Und alle Fans anderer Vereine, die der Meinung sind, ein Veh oder ein Bruchhagen könnten eventuell mit ihrer Rufmord-Orgie im Recht sein, dürfen hoffen, dass nicht einer ihrer Lieblingsspieler den beiden plötzlich nicht mehr gefällt. Man weiß ja jetzt, was dann passiert.

Fortuna hat auf diese Pressekonferenz bislang nur durch ein Statement von Wolf Werner reagiert, das treffend zusammenfasst: „Meinen Respekt hat er schon verloren, als er mit diesen Scharmützeln angefangen hat! Das nimmt ja groteske Formen an. Nach dem Spiel hatte er ein großes Forum und sagt nichts. Einen Tag später tritt er nach.“ (Anmerkung: mit dem „großen Forum“ war die offizielle Pressekonferenz nach dem Spiel gemeint). Rösler selbst erhielt Interviewverbot, sagte aber doch noch einen Satz. Keine Ahnung, warum, aber für mich setzt es irgendwie einen solch friedlichen Kontrapunkt auf die geifernde Funktionärsherde aus Frankfurt, ich finde es wunderbar: „Ich muss nach Hause, gleich kommt der Elektriker.“

Die Frankfurter Mannschaft tut mir ein bisschen Leid. Zum Aufstieg verdammt, es ist auch für die 2. Liga eine wirklich tolle Truppe, sie spielten auch phasenweise sehr gut, sind uns natürlich überlegen, haben dann zum Schluss Pech und gehen schließlich ziemlich geknickt vom Platz. Und in den Katakomben bekam man nach dem Spiel schon mit, dass es dem einen oder anderen Spieler ziemlich peinlich war, was ein Armin Veh, ein Bruno Hübner und ein Heribert Bruchhagen so mit ihrem Ruf anrichten. Streichholz und Benzinkanister und dabei noch ordentlich Schaum vor dem Mund. Heiko Butscher, der sich nach dem Spiel als Einziger vor die Kamera begab, sagte denn auch: „Zuallererst bin ich enttäuscht, dass wir nach dem 1:0 nicht weitergemacht und nachgelegt haben.“ Irgendwie kann ich mir in diesen Tagen nicht vorstellen, dass ein Bruchhagen ihm das durchgehen lassen wird.

Natürlich sagt man im Eifer des Gefechts schon mal Dinge, die einem Leid tun. Aber wenn man dies als kühler, berechnender Vorstandschef oder als Trainer einen Tag nach dem Spiel tut, oder eben eine Woche vorher, dann kann vom „Eifer des Gefechts“ nicht mehr die Rede sein. Hier wurde und wird bewusst auf eine Mannschaft und einen Spieler eingeprügelt und bundes- bzw. weltweit (Internet) ein Rufmord nach dem anderen hingelegt, weil es ein Konkurrent ist, der gefährlich werden könnte. Mehr steckt nicht dahinter. Schließlich haben Bruchhagen und Veh zur Genüge bewiesen, dass sie nichts gegen solche Spieler haben, solange diese in ihren Kadern standen. Dieses Verhalten ist eigentlich auch nicht mehr entschuldbar. Aber dass allen diesen Herren aus vorgenannten Gründen höchstwahrscheinlich nicht das Geringste vom Verband droht, missfällt mir am meisten. Sie wissen, was sie sich alles leisten können. Das ist erschreckend.

Apropos erschreckend: Armin Veh gab auf Nachfrage selbstverständlich an, er wisse nicht, warum der Schiedsrichter ihn auf die Tribüne geschickt habe. Und dass es selbstverständlich niemals ein Elfmeter war. Mein Gott. Aber ein besseres Schlusswort als dieses erschütternde Eingeständnis von Arroganz und Verbohrtheit kann ich nun wirklich auch nicht mehr liefern.

Und auch deshalb war es ein Elfmeter, den sich Armin Veh absolut verdient hatte. Im Nachhinein ist es sogar fast schade, dass er berechtigt war.

Ausblick

Niemand kann sagen, wie das jetzt weitergehen wird. Veh und Bruchhagen haben sich dermaßen auf die unterste Stufe fußballerischen Fair Plays katapultiert, das selbst Sascha Rösler, der gewiss kein großer Freund von Fair Play auf dem Platz ist, sie dort unten nur noch mit dem Fernglas erkennen kann. Er motzt und provoziert in 90 Minuten auf dem Platz – die nutzen die Nachspielzeit und alle ihnen zur Verfügung stehenden Medien sowie die Allmächtigkeit eines DFB-Bosses, um ihn zu entsorgen. Wie gesagt, das ist eigentlich nicht mehr entschuldbar. Und weil sie das wahrscheinlich selbst wissen, kann es eigentlich nur schlimmer werden. Denn entschuldigen können und werden sie sich niemals. Mal sehen, ob irgendwo bei Eintracht Frankfurt noch ein halbwegs nüchtern denkender Geist existiert, der diese Kettenhunde im Zaum halten kann. Denn ich denke, wenn zum Beispiel der Bruchhagen all seine Macht ausspielt, die ihm im deutschen Fußball zur Verfügung steht, dann könnte es noch richtig übel werden. Wollen wir es nicht hoffen.

Die Mannschaft hat beide Spiele nach der Winterpause 1:1 gespielt, beide Tore durch Elfmeter erzielt. Von der Leichtigkeit der Hinrunde ist derzeit nichts zu spüren. Es bleibt abzuwarten, ob die letzten Tumulte das Team noch weiter verunsichern. Natürlich hätte ein Veh damit sein Ziel erreicht, aber natürlich sind auch die Unsrigen nur Menschen, an denen so etwas nicht spurlos vorüber gehen kann. Und während sich die Eintracht im kommenden Stadtderby gegen den FSV Frankfurt wahrscheinlich ein wenig entspannen kann, muss die Fortuna am Karnevalssonntag beim starken TSV 1860 München antreten, der auch noch mit einem Auge nach oben schielt, da alle fünf Teams an der Tabellenspitze sich im neuen Jahr bislang nicht übermäßig mit Ruhm bekleckert haben. Keins der Teams hat beide Spiele nach der Winterpause gewonnen. Es wird immer enger, zwischen Spitzenreiter Fortuna und dem Tabellenfünften SC Paderborn liegen gerade mal zwei Punkte. Für Spannung ist weiter gesorgt. Mal sehen, ob Fortuna bereits im nächsten Spiel wieder an die Leistungen aus der Hinrunde anknüpfen kann. Oder ob es weiter Hängen und Würgen wird. Ach Mann, schlechte Metapher: ich muss schon wieder an Veh und Bruchhagen denken. Wäre auch nett, wenn die beiden Herren demnächst zu meinem persönlichen Wohlbefinden beitragen würden. Indem sie einfach nur die Klappe halten.

Ich weiß, dies wird nicht möglich sein. Aber ein bisschen hoffen darf man ja immer. In diesem Sinne, auf nach München.

Will kein Video mit den besten Auftritten von Heribert Bruchhagen haben, vielen Dank: janus

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