15.-17. Spieltag

Aloha! Weihnachten steht vor der Tür, aber wir lassen es noch nicht rein. Aufgrund des gedrängten Spielplans der 2. Liga sowie dem zusätzlichen Pokalspiel am 20. Dezember waren nach meinem letzten Bericht noch insgesamt sechs Spiele für die Fortuna zu absolvieren. Nur fair, dass ich das sogar in zwei Zusammenfassungen packe, bevor ich mich über die Feiertage wirklich dumm und dämlich schreibe. Schließlich gibt es schon für die drei Partien vom 19.11. bis 05.12. wahrlich genug zu erzählen. Los geht`s!

Endlich wieder Berlin!

Am 19.11.2011 war es dann soweit: auch die Bundeshauptstadt wollte mal wieder besucht werden. Spiel bei Union Berlin, aktuell auch seit vier Spielen ungeschlagen. Die hatten wir zwar im April beim ersten von drei Heimspielen auf unserem damaligen Ponyhof glatt 3:0 weggefidelt, die acht Partien beider Teams gegeneinander zuvor waren jedoch alle 1:0 ausgegangen, sechsmal für Union, zweimal für Fortuna. Es ist also immer recht eng, und dieser Novembertag sollte keine Ausnahme bilden.

Aber zunächst galt es, unser aller Hauptstadt wohlbehalten zu erreichen. Daher schön um 5 Uhr aufstehen und zum Flughafen, von wo um kurz nach 7 Uhr der Flieger Richtung Osten abheben sollte. Am Publikumsverkehr merkte man, dass dies – obwohl es Samstagmorgen war – beileibe nicht der einzige Flug sein würde, der um diese Uhrzeit starten sollte. Wie gesagt, „man“ merkte es, die Flughafengesellschaft anscheinend leider nicht. Und deshalb hatte sie wohl nur ganz wenige Leute dazu überreden können, mal die Frühschicht zu übernehmen. Das Ende vom Lied: An der Sicherheitsschleuse waren genau zwei Transportbänder personell besetzt, aber da es Passagiere von geschätzt vier Flügen gab, die ihr Abflug-Gate erreichen wollte, bog sich eine lustige Menschenschlange bereits um diese Uhrzeit bis weit ins Terminal hinein. Weltflughafen Köln/Bonn halt.

Aber gut, auch dies wurde gemeistert. Nachdem die Flughafensprecherin noch verzweifelt auf der Suche nach einem „Herrn Carbonara“ war, dessen Flieger ohne ihn abzuheben drohte – komischerweise nicht nach Rom, es ist auf nichts mehr Verlass im Leben –, konnte es dann auch pünktlich los gehen, ebenso pünktlich erfolgte die Landung auf dem nächsten Weltflughafen, Berlin-Tegel. Hier wurde nunmehr über Lautsprecher hektisch nach einem „Herrn Frankenstein“ gesucht, wahrscheinlich mit seinem Monster unterwegs, in der Bundeshauptstadt trifft man ja die ausgeflipptesten Typen. Herr Carbonara und Herr Frankenstein – ich hoffe ja, dass die Namen wirklich echt waren und nicht Teil eines neuen Bespaßungsprogramms der Flughafengesellschaften. Aber dafür wären die Namen eigentlich zu auffällig.

Zunächst suchte ich mir einen dieser fabelhaften Automaten der Fluggesellschaft, um direkt für den Rückflug am nächsten Tag einzuchecken. Ich fand die entsprechenden Gebilde auch sofort, leider stand auf allen dasselbe: „Gerät derzeit defekt, bitte am Schalter melden.“ Tat ich dann aber nicht, die Schlange war mir zu lang. Mutig schritt ich nach draußen, um die Bushaltestelle zu begutachten. Zunächst verschlug es mir den Atem, es war mal locker fünf Grad kälter als zuvor im Rheinland, richtiggehend ungemütlich. Nachdem ich mich warm gezittert hatte, begutachtete ich die Automaten, an denen man Fahrscheine für den Nahverkehr ziehen konnte: es waren deren zwei, und der linke Automat schlug den rechten in punkto Menschenschlange vor dem Antlitz knapp mit acht zu neun Metern, ein Großteil natürlich Touristen. Daraufhin ging ich wieder in den Flughafen zurück, stellte fest, dass die Check-in-Automaten wie von Zauberhand gesteuert wieder funktionierten und checkte für den Rückflug ein. Nein, nicht ganz, der Apparat teilte mir nach dreimalig erfolglosem Versuch mit, ich könne mir derzeit keinen bestimmten Sitz buchen, weshalb er dies nun für mich zu übernehmen gedächte, sprich: Zufallsprinzip. Prompt landete ich in der vorletzten Reihe. Mannmannmann. Mit Bordkarte wieder raus, stellte ich fest, dass die Schlangen vor den Fahrkartenautomaten nicht zwingend kleiner geworden waren. Innerlich aufseufzend stellte ich mich hinten an, und natürlich kam es, wie es kommen musste, es ging zwar halbwegs flott voran, aber als ich grad an der Reihe war, fuhr natürlich mein Bus weg. Zuvor war ich noch Ohrenzeuge geworden, wie ein Mensch der Berliner Verkehrsbetriebe, der augenscheinlich zur Unterstützung und Beratung der Touristen an den Automaten abkommandiert worden war, das Mädel, welches direkt vor mir an der Reihe war, in schönstem Berlinerisch anranzte, weil es mit einem 20-Euro-Schein bezahlte. Dann hätte der Automat ja bald kein Kleingeld mehr! Der sah sich wohl schon vor Hunderten wütender Touristen stehen, der reinste Neckermann-Lynch-Mob, denen er die 20-Euro-Scheine aus eigener Tasche hätte wechseln müssen. Um das zu verhindern, hätte man es nur einrichten müssen, dass der Automat die großen Scheine als Zahlungsmöglichkeit gar nicht erst anzeigt bzw. annimmt. Das kann ja eigentlich nicht so schwer sein. Es hätte der Berliner Schnauze mit ohne Herz aber nicht die Möglichkeit gegeben, den erstbesten Touri anzuranzen, ganz wichtig! Wieder mal Berlin-Feeling von der ersten Sekunde des Aufenthalts, vielen Dank.

Nachdem ich all diese Unbillen überstanden hatte, die ich selbstverständlich durchweg als schlechte Omen für das Spiel deutete, bestieg ich nach erneuter Wartezeit den nächsten Bus der Linie 128 und rollte durch die Prärie, die sich an jenem Morgen einheitlich grau präsentierte – ob Landschaft, Häuser oder Himmel, kaum ein Unterschied. Am Kurt-Schumacher-Platz entfloh ich dem tristen Anblick und versuchte es unterirdisch mit der U 6 Richtung Alt-Marienfeld weiter. Schon besser. Aber auch dort zeigte der Berliner sein großes Herz für Neuankömmlinge: in den modernen Bahnen sind nämlich mehrere kleinere Fernseher unter der Waggondecke eingehängt, auf denen man während der Fahrt in raschem Wechsel das Neueste aus Politik, Sport, Unterhaltung und Kultur präsentiert bekommt. So erfuhr ich beispielsweise, dass Arnold Schwarzenegger sich kürzlich bei Dreharbeiten eine Verletzung zugezogen hat. Und dass Demi Moore und Ashton Kutcher…äh, naja, irgendwas, ich glaube, mal wieder Scheidung. Etwas Anderes erfuhr ich leider nicht, nämlich die Namen der jeweils nächsten Haltestelle. Solch eine Einblendung würde ja nur den Genuss von Klatsch und Tratsch mindern. Man war weiterhin auf das eher schwierig zu verstehende Genuschel angewiesen, welches vom Band eingeblendet wurde. Für mich ging es noch, aber ich wette, so manch ausländischer Tourist hat dort in der U-Bahn schon komplette Folgen von „Red!“ oder „taff“ gesehen, weil er zwischendurch leider nie verstehen konnte, wo er aussteigen musste. Ist ja auch eine Art Stadtrundfahrt. Warum die es nicht schaffen, eine simple Haltestellenanzeige immer mal kurzfristig auf die Monitore aufzuschalten, ergibt sich wohl aus der Frage selbst: ist ihnen zu simpel. Als Bundeshauptstadt muss man schließlich auch was bieten.

Glücklicherweise musste ich mir Fahrt wie Unterhaltungsprogramm nur knappe zehn Minuten geben, dann stieg ich am Naturkundemuseum aus. Nach einem kleinen Frühstück beim Kollegen wurden wir von einem weiteren Bekannten abgeholt, der nun unglücklicherweise Unioner ist. Der sammelte uns auf der Hauptstraße vor der Tür ein, beziehungsweise: er stoppte mitten auf der Straße, schaltete die Zündung aus und suchte aus dem Kofferraum zunächst etwas Trinkbares, um uns willkommen zu heißen. Kann man schon mal machen, denke ich. Also in Berlin, hier wohl eher weniger. Also wenn ich in Bonn-Mitte mal eben mitten auf der Hauptverkehrsstraße anhalte und aussteige, um lange nicht gesehenen Bekannten um den Hals zu fallen, dann gebe ich mir so circa 30 Sekunden, bis man mich mitsamt Karre von der Straße geholt hat. In Berlin ist so etwas allerdings anscheinend Alltag, denn es störte nicht im Geringsten. Nach erfolgter Begrüßung ging es schließlich doch noch auf einigen Schleichwegen nach Köpenick. Eine somit nicht ganz einfache, aber immerhin erfolgreiche Anreise.

Ganz was Neues

Was man über das Spiel durchaus auch sagen konnte. Es war nicht einfach, aber man hielt dagegen und ergatterte schließlich einen Punkt. 0:0 an der Alten Försterei. Damit musste Fortuna die Tabellenführung wieder an Eintracht Frankfurt abgeben, aufgrund der schlechteren Tordifferenz. Aber man blieb im 22. Meisterschaftsspiel in Folge ungeschlagen.

Das Unentschieden vor ausverkauftem Haus (um die 19.000 Zuschauer) ging in Ordnung. Die Partie wurde mit 30 Minuten Verspätung angepfiffen, da sich aufgrund einer gewaltigen Verkehrsstauung auf der A 2 noch mehrere Fan-Busse der Gäste auf der Autobahn befanden. Ein netter Zug der Gastgeber, solange zu warten. Und als dann endlich die erste Halbzeit gestartet werden konnte, war Union besser, hätte auch in Führung gehen können. Denn Youngster Christopher Quiring stand ziemlich zu Beginn des Spiels wohl nicht im Abseits, als er nach feinem Zuspiel flach einlochte. Es war allerdings eine Zentimeter-Entscheidung, bei der sich selbst die Zeitlupengötter von ARD oder Liga total nicht ganz einig waren, ob Quiring jetzt auf gleicher Höhe mit Levels stand oder ob der sich vielleicht doch fünf Zentimeter näher zum Tor befand. Union war am Drücker und spielte munter nach vorne, unsere setzten hier und da ein paar Nadelstiche, zwei Schüsse von Rösler und Bröker kamen auch aufs Tor, wurden aber von Union-Keeper Glinker sicher gehalten. Auf der Gegenseite noch ein richtig dickes Ding für Quiring, als der einen genialen Pass von Mattuschka in den Strafraum erlaufen, den Ball aber nicht mehr kontrollieren konnte. Er legte die Kugel direkt aus der Luft zwar an Torwart Ratajczak, aber auch ein ganzes Stück am Tor vorbei. In dieser Szene hatte die Abwehr leider ziemlich alt ausgesehen. Ansonsten war für Union am Strafraum zumeist Ende, und unsere kamen gar nicht erst so weit. Daher doch Vorteile für die Gastgeber zum Pausentee.

Die zweite Hälfte des Spiels gehörte Fortuna, von Union war nach vorne bis zur Schlussphase nicht mehr viel zu sehen. Und das, obwohl unser Sturm mit Rösler, Beister und Bröker diesmal gar nix auf die Reihe bekam und im Verlauf des Spiels auch komplett ausgetauscht wurde. Der eingewechselte Grimaldi verpasste denn auch kurz vor Schluss den Siegtreffer, als er um Zentimeter an einer Flanke von Lambertz vorbei flog, das Tor war leer, und es wäre seine erste Ballberührung im Spiel gewesen. Das war allerdings nix gegen das Kunststück von Bröker, der zehn Minuten vorher völlig frei vor Glinker den Ball aus drei Metern (!) Entfernung aus dem Stadion pöhlte. Das war definitiv schwieriger als die Kugel aufs Tor zu bringen, daher Respekt für diese technische Meisterleistung. Hinzu kam eine dicke Kopfballchance für Fink, der ziemlich zu Beginn der zweiten Halbzeit völlig frei am Fünfmeterraum der Berliner zum Kopfstoß kam, aber keinen Druck mehr hinter den Ball brachte, sodass Glinker problemlos halten konnte. Und wer solche Chancen nicht rein macht, der gewinnt halt nicht. Zum Schluss musste man sogar noch um den Punkt zittern, als Union in den letzten zwei Minuten plötzlich noch einen Freistoß in Tornähe und drei Eckbälle nacheinander zugesprochen bekam, aber außer einem Kopfball von Karl, den Ratajczak über die Latte lenken konnte, brannte zum Glück nichts mehr an. Verdienter Punktgewinn für beide, es wäre für beide aber auch mehr drin gewesen. Und wer sich jetzt noch über die Zwischenüberschrift wundert, der kann natürlich aufgeklärt werden: Es war das erste Unentschieden zwischen Union und Fortuna im 15. Spiel gegeneinander!

Fortuna Montagsmaler

Und so interessant unsere Bundeshauptstadt dem einen oder anderen auch erscheinen mag, was nun folgte, war wesentlich interessanter. Denn die DFL verpasste uns, wie immer ohne Rücksicht auf Verluste, direkt zwei Montagsspiele hintereinander. Erst zuhause gegen Greuther Fürth, weil es wirklich ein Spitzenspiel war, anschließend zum letzten Spieltag der Hinrunde beim MSV Duisburg, weil man sport1 einen Gefallen tun wollte, die das dann mal wieder als „West-Derby“ ankündigen konnten, hatten sie ja schon lange nicht mehr. In dieser Hinrunde durfte Fortuna somit sechsmal montags ran (u.a. heimatnah in Frankfurt, in Braunschweig und in Hamburg), ich weiß zwar nicht, ob dies ein neuer Rekord ist, aber wenn nicht, muss man ganz nah an der Bestleistung dran sein. Nach der vorherigen Terminierung der Spiele durch die DFL im September, in der man die Partien bis einschließlich des Spiels gegen Fürth punktgenau ansetzte, hatte es schon die eine oder andere Mail von Düsseldorfer Seite an die Vereinigung gegeben mit der Bitte, bei der Vergabe der Montagsspiele auf mehr Ausgewogenheit zu achten und vielleicht auch mal sport1 ein wenig auszubremsen. Hierzu gab es zwei Antworten. Die erste kam schriftlich und dürfte die Standardantwort auf lästige Anfragen sein. In ihr findet man unter anderem den schönen Satz: „Leider gibt es jedoch auch übergeordnete Kriterien wie etwa die Sicherheit oder eine Konzentration von Spielen in einem bestimmten Ballungsraum, die eine Terminierung an einem anderen Tag notwendig machen.“ Und selbstverständlich weist die Formulierung „wie etwa“ darauf hin, dass die anschließend aufgezählten Gründe nur Beispiele sind, dass es also noch mehr übergeordnete Kriterien gibt. Bei so vielen Kriterien kann man natürlich schon mal vergessen, sport1 aufzuführen.

Die zweite Antwort auf solch eine in deren Augen wohl ziemlich alberne Fan-Anfrage gab die DFL bei der Terminierung der nächsten Spiele dann recht eindrucksvoll: gleich der erste „neue“ Termin, das Auswärtsspiel in Duisburg nach dem Heimspiel gegen Fürth, wurde ebenfalls auf den Montag gelegt. Es interessiert sie einfach nicht. Und wenn solch ein Spartensender dafür bezahlt, dass ein und dieselbe Mannschaft viermal hintereinander montags spielt, dann würden sie das bei der DFL auch noch abnicken. Denn der Kunde ist König, und Kunde der DFL sind sicherlich noch einige andere, aber ebenso sicherlich nicht die Stadionbesucher und schon gar nicht die Fans. Bei solchen Szenarien packt mich immer die Verschwörungs- und Paranoia-Leidenschaft: ich glaube, die halten nur so lange den Deckel drauf, bis die Technik so weit ist, die leeren Ränge bei einem Spiel sichtbar und realistisch mit Zuschauern zu füllen. Geräuschkulisse einblenden oder verstärken geht ja schon längst und wird wahrscheinlich auch schon angewendet, nun müssten nur noch Bilder nachziehen. Und wenn es dann so weit ist, wird die DFL mal den asiatischen Markt erobern, mittwochs morgens um 9.30 Uhr. Dann werden wir uns noch zurücksehnen nach Spielen sonntags um 13.30 Uhr, vielleicht sogar mehrere Partien einer Liga parallel! Tja, und jedes Mal, wenn ich solche Ansetzungen wie zwei Montagsspiele hintereinander sehe, nachdem die Fans des betroffenen Vereins ausdrücklich darum gebeten haben, ein wenig Rücksicht zu nehmen (oder ein Verein selbst, ist auch schon vorgekommen), immer dann glaube ich, dass wir von dem oben ausgeschmückten Szenario nicht mehr allzu weit entfernt sein. Traurig, traurig.

Nun, das Gewinsel nutzt ja alles nix, zum Abschluss der Hinrunde also zweimal montags, Fakten, Fakten! Zunächst am 28.11.2011 gegen den Tabellennachbarn SpVgg Greuther Fürth, die „Unaufsteigbaren“ aus dem Frankenland mit Ex-Fortune Mike Büskens an der Seitenlinie, die in dieser Saison bislang so spielen, als ob sie diesen Makel des Nie-Aufstiegs endlich beseitigen können. Das Spiel fand statt ohne Sascha Rösler, der in Berlin pflichtgemäß wieder mal ein enges Band der Freundschaft zum einheimischen Fan-Block knüpfte, wieder beliebtester Mann im Stadion war, in der zweiten Halbzeit bei jeder Ballberührung ausgepfiffen wurde, innerlich mal wieder um drei Meter wuchs und fast noch den tödlichen Pass zur Führung gegeben hätte, aber Dum versiebte die Chance. Ebenso pflichtgemäß erhielt er jedoch seine fünfte Gelbe Karte. Die bekam er natürlich wegen Meckerns, und die Wettquoten darauf standen 1:1, es wusste sowieso jeder vorher, dass er sich bei einem solchen Spiel die Karte abholen würde. Viel spannender war eigentlich die Frage, wie Trainer Meier dies zu kompensieren gedachte. Und da die beiden anderen Stürmer, Bröker und Beister, in Berlin ziemlich abtauchten und auch aus unserem Mittelfeld streckenweise außer Leerlauf nicht viel kam, war man trotz des Heimrechts nicht unbedingt Favorit für dieses Abendspiel. Montagabend natürlich.

Freud und Leid

Und diesmal musste man sagen: auch wenn natürlich auch am 16. Spieltag mal wieder gar nichts entschieden wurde, diesmal stimmte das mit dem „Spitzenspiel“, und zwar wortwörtlich. Zwei Tage zuvor hatte nämlich Eintracht Frankfurt ihre erste Saisonniederlage bei den Münchner Löwen einstecken müssen. Und somit ergab sich für das Montagsspiel die Konstellation: bei Sieg Fortuna oder bei Unentschieden wäre die Heimmannschaft neuer Tabellenführer, bei Sieg Greuther Fürth würde der Gast die Rückfahrt nach Franken als Spitzenreiter antreten. Auf jeden Fall würde es nach diesem Spiel eine neue Nr. 1 geben, deshalb ausnahmsweise wirklich ein Spitzenspiel.

Dies honorierten auch die Einheimischen, die trotz des selten schlauen Spieltermins in Scharen in die Arena gestürmt kamen. Über 33.000 Zuschauer an einem Montagabend, das ist schon ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Ca. 100 davon waren auch tatsächlich aus Fürth. Ein Großteil davon rottete sich zu einer kompakten Gruppe im oberen Bereich der Stehplätze des Gästebereichs zusammen, sodass es wenigstens nach etwas aussah. Dann folgte ein aufopferungsvoller Einsatz dieses Häufleins Aufrechter gegen den Rest der Welt, so mutete es an. Und im Fahnenschwenken suchten die wirklich ihren Meister, gaben alles. Respekt an diese Handvoll Fans, die sich auf die Reise machten, aber mit Verlaub, die Anzahl war auch für einen Montagabend ziemlich abenteuerlich. Da spielt die Mannschaft in dieser Saison erfolgreich, kompakt, hat auch noch kein Auswärtsspiel verloren, steht in der Spitzengruppe – und dann kommen da zum absoluten Spitzenspiel mit Müh und Not 100 Mann? Interessiert das wirklich keinen in Fürth? Oder sind wir als Gegner vielleicht nicht attraktiv genug, man fragt sich das doch auch mal angesichts solcher Zahlen? Naja, was solls, von unserer Seite waren jedenfalls genug da, um ordentlich Stimmung zu machen.

Also, Spiel um die Tabellenführung zwischen der Mannschaft, die zuhause saisonübergreifend seit 23 Spielen in Folge ungeschlagen ist, gegen die Truppe, die auswärts in dieser Spielzeit noch nicht verloren hat. Nur ein Unentschieden hätte beide Serien bewahrt. Das wäre es auch fast geworden, allerdings ohne, dass eins der beiden Teams darauf hingespielt hätte. Eine flotte, umkämpfte, spannende Partie, durchaus der Bezeichnung „Spitzenspiel“ würdig – und mit dem besseren Ende für Fortuna. So soll es doch sein.

Vor dem Spiel hatten die guten und die schlechten Nachrichten sich die Waage gehalten. Zunächst wurde unmittelbar vor dem Anpfiff verkündet, dass Kapitän Andreas Lambertz kurz zuvor seinen Vertrag um weitere zwei Jahre bis 2014 verlängert hatte. Wieder zwei Jahre mehr für die Identifikationsfigur schlechthin. Lambertz kann es damit als erster Profi schaffen, mit ein und demselben Verein von der Oberliga bis in die 1. Bundesliga durchzumarschieren, denn er spielt schon seit 2003 in der Ersten Mannschaft der Fortuna, und die war damals ja noch viertklassig. Gleichzeitig war die Vertragsverlängerung ein ganz wichtiges Signal an die anderen Spieler, denn mit Ende dieser Saison laufen zahlreiche Verträge aus. Das gibt noch viel Arbeit für Manager Wolf Werner, und wenn die Galionsfigur tatsächlich wieder vorangeht, kann das nicht allzu nachteilig sein. Auf die nächsten 68 Meisterschaftskicks im Fortuna-Dress, Lumpi!

Außerdem wurden wir positiv überrascht, dass unser Däne Ken Ilsø nach langer Verletzungspause nicht nur wieder im Kader, sondern von Beginn an auf dem Spielfeld auftauchte. Er scheint die Pause gut überstanden zu haben, ein quirliger Auftritt in der ersten Hälfte, in der zweiten ging ihm sichtbar die Puste aus. Aber immerhin die Hoffnung, ihn auch demnächst wieder regelmäßig einsetzen zu können.

So weit zum Positiven. Das Negative folgte auf dem Fuß. Ersatzkeeper Robert Almer zog sich im Abschlusstraining vor dem Spiel einen Mittelhandbruch zu und musste das Feld räumen. Er fällt auf unbestimmte Zeit aus, Regionalliga-Keeper Markus Krauss wird solange die Ersatzbank und, wenn nötig, auch das Gehäuse der Ersten Mannschaft hüten.

Der große spielerische Nachteil hingegen war schon eine Woche zuvor bekannt: Sascha Rösler, derzeit erfolgreichster Torschütze der Fortuna, hatte bei Union Berlin seine fünfte Gelbe Karte erhalten und musste daher gegen einen seiner Ex-Clubs zusehen. Und der Rösler kann ja bekanntlich nicht nur Tore schießen, sondern ist auch in punkto Einsatz immer vorne weg, egal ob motorisch oder verbal, meist sehr zum Leidwesen der gegnerischen Fans, die ihn völlig zu Recht für einen Stinkstiefel auf dem Platz halten. Nun war der Stinkstiefel nicht am Start – wer sollte also zwischendurch für Stimmung sorgen? Zum Glück gab es da jemanden, der an diesem Abend anscheinend in Röslers diesbezügliche Fußstapfen treten wollte. Was ihm auch sehr gut gelang, muss man anerkennend sagen.

Spitze im Spitzenspiel

Fortuna gewann die Partie mit 2:1 und übernahm wieder die Tabellenführung, die man in der Woche zuvor an Eintracht Frankfurt hatte abgeben müssen. Es war wirklich ein abwechslungsreiches Spiel, spannend bis zum Schluss. Wobei es zunächst gar nicht so aussah. Fürth hatte zwar den besseren Start: Sercan Sarrarer prüfte Michael Ratajczak schon nach zwei Minuten mit einem Flachschuss von der Strafraumgrenze, Torjäger Oliver Occean kam in der elften Minute frei zum Kopfball, konnte die Kugel aber nicht mehr platziert drücken. Danach gab es von Fürth allerdings nur noch platzierte Befreiungsschläge, die Fortuna marschierte los.

Nach diesem durchwachsenen Beginn spielten die Fortunen mit den Gästen, die in dieser Phase des Spiels zeitweise sichtlich überfordert wirkten, Katz und Maus. Es begann direkt mal mit einem Erfolgserlebnis: Maximilian Beister hatte wieder einmal Mann und Maus mit seinem Lauf quer über die Strafraumgrenze angezogen und abgeschüttelt, kam auch knackig zum Abschluss. Fürths Keeper Max Grün reagierte noch prächtig, aber den Abpraller machte Oliver Fink, nicht im Abseits, aus acht Metern rein, 1:0.

Dann hätte Ken Ilsø sein Comeback direkt richtig veredeln können. Zunächst auf Kopfballvorlage von Levels, als er seinen Gegenspieler abschüttelte, den Ball einmal springen ließ und aus sechzehn Metern volley abzog. Allerdings zielte er ein wenig zu hoch, der Ball landete auf dem Tornetz. Einige Minuten später dann die Riesenchance für ihn, als Beister einen Pass von rechts in den Strafraum geschickt passieren ließ, und Ilsø plötzlich alleine vor Grün auftauchte. Aber Fürths Keeper behielt die Nerven und konnte den Ball abwehren. Fortuna immer überlegener, die Gäste hatten nicht mehr viel zu bestellen. Nur noch festzuhalten. In der 38. Minute setzte sich Bröker links im Strafraum gegen Kleine durch, beide mit Hängen und Würgen und Klammern. Aber als Bröker dann tatsächlich an Kleine vorbei kam, griff der dem Stürmer nochmals herzhaft an die Schulter und fiel anschließend auf ihn drauf. Ein Elfmeter, den man geben kann. Jens Langeneke nahm dankend an und verlud Grün in die rechte Ecke zum 2:0. Zu diesem Zeitpunkt verdient, und die Fürther hätten sich über einen höheren Rückstand nicht beschweren können.

Allerdings weiß man ja, dass sich die Fortuna in dieser Saison bei einer beruhigenden Führung nicht zurück lehnen sollte, dann wird’s wieder spannend. Leider geschah in der zweiten Hälfte genau das. Die komplette Mannschaft zog sich nach den Anfangsminuten plötzlich zehn Meter zurück, man ließ den Gegner spielen. Und die Fürther, wahrscheinlich versehen mit einer beeindruckenden Halbzeitansprache ihres reichlich angesäuerten Coaches, nutzten die Räume und zogen ihr Spiel auf. Solange unsere Abwehr, insbesondere die wieder einmal bärenstarke Innenverteidigung Lukimya/Langeneke alles wegfischte, was bis in den Strafraum durchkam, war das kein Problem. Aber die Herren konnten auch nicht überall sein.

In der 63. Minute dann die Szene, die das Spiel kippte und aus dem Spitzenspiel einen Spitzenkampf werden ließ: im Mittelfeld rauschte ein Fürther mit gestrecktem Bein in Lambertz hinein, der sah das Unheil kommen, sprang hoch und wurde dennoch getroffen, allerdings traf der Fürther durch die Selbstschutzaktion des Kapitäns noch den Ball. Die ziemlich seltsame Auslegung des Schiris: weiterspielen! Die Kugel wurde nach links raus gebracht, Flanke, in der Mitte stand Edgar Prib völlig frei, Tor. Die Fürther hatten weitergespielt, obwohl Lambertz verletzt am Boden lag. Das hätte ich in dieser Situation wahrscheinlich auch gemacht, es ging alles viel zu schnell, um beurteilen zu können, ob der jetzt länger liegen bleiben würde. Was aber gar nicht geht, ist die Tatsache, dass der Schiri in dieser Szene nicht Foul gepfiffen hatte, wodurch der Treffer erst ermöglicht würde. Ganz dicke Fehlentscheidung.

Dieser Schiri war der allseits bekannte Herr Gagelmann. Der wollte wohl mal ein bisschen internationale Härte ins Spiel bringen. Nun hatte er den Salat, das Spiel wurde nickliger, schließlich hatte er in der ersten Halbzeit immer schön laufen lassen. Besonders die Fürther machten von der Einladung Gebrauch, spielten über 30mal Foul, doppelt so oft wie die Fortunen. Gagelmann verlor den Überblick, weil er denselben Stiefel pfiff wie sonst auch: zunächst immer schön weiter, weiter, in der zweiten Hälfte gab er dann den Lonsesome Referee, der alles verwarnte, was ihm vor die Flinte kam. Insgesamt zog er neunmal Gelb, davon achtmal in der zweiten Halbzeit. Höhepunkt sicherlich seine drei Karten wegen Meckerns, aber seine Weigerung, den Fürther Bernd Nehrig, der die einzige Verwarnung in der ersten Halbzeit kassiert hatte, Mitte der zweiten Hälfte nach Grätsche von hinten vom Platz zu stellen, war schon nicht mehr komisch. Er setzte halt seine Prioritäten, die müssen ja nicht immer etwas mit der Regelauslegung zu tun haben. Immerhin schaffte er den doppelten Hattrick, zweimal je drei Karten binnen sieben Minuten. Vielleicht hatte er ja noch ne Verabredung mit dem Guinness-Buch…Wie zuvor angedeutet, man hatte den Eindruck, Gagelmann wollte in punkto Pöbel-Auftritt das Fehlen von Sascha Rösler kompensieren, der wegen seiner fünften Gelben Karte gesperrt war. Dies war ein voller Erfolg, wenn auch mit der Folge, dass er das Spiel völlig zerpfiff.

Und deshalb war es dann auch recht unspektakulär vorbei. Fürth drängte nach vorne, Fortuna hielt dagegen und verlegte sich auf Kampf, als spielerisch nicht mehr viel ging. Dennoch gehörte die größte Chance des Spiels doch noch den Gastgebern: in der 91. Minute hatte sich der inzwischen eingewechselte Ranisav Jovanovic nach Steilpass rechts im Strafraum auf und davon gemacht. Zum Glück sah er, dass in der Mitte noch Adam Bodzek heran rauschte. In seinen Querpass rutschte in letzter Sekunde noch Fürther Abwehrbein, der Ball kam zu Jovanovic zurück, der schaufelte die Kugel nochmals in die Mitte, und jetzt musste Bodzek es machen, fünf Meter vor dem Tor. Er machte es eigentlich auch, aber zu gut, und drückte den Ball am Keeper vorbei an den Pfosten. Auweia. Aber da es kurz danach vorbei war, sollte uns das auch nicht mehr jucken.

Fortuna gewann aufgrund der starken ersten Halbzeit nicht ganz unverdient gegen starke Fürther, die besonders in der zweiten Hälfte ein unangenehmer Gegner waren. Damit übernahm die Mannschaft die alleinige Tabellenführung vor den beiden Erstliga-Absteigern Frankfurt und St. Pauli, mit fünf Punkten Vorsprung auf Platz 4 und Fürth. Damit konnte man doch halbwegs entspannt zum nächsten Auswärtsspiel fahren.

Hammermäßige Abschweifung

Aber zunächst möchte ich nicht versäumen, auch meinen Senf zur Auslosung der EM-Gruppen abzugeben, die am 02.12.2011 in der Ukraine vorgenommen wurde.

Es wurde mal wieder auf höchstem Niveau gejammert. Die gesamte deutsche Medienlandschaft war in Aufruhr wegen dieser Auslosung. Portugal, Dänemark und die Niederlande – eine absolute „Hammergruppe“. Zunächst einmal bin ich nicht undankbar, dass der früher gebräuchliche Begriff „Todesgruppe“ derzeit wohl verbrämt zu sein scheint. Aber egal, wohin man schaut, ob in die Zeitung oder den Fernseher – überall heißt es nur: eine absolute „Hammergruppe“. Wieso eigentlich?

Für die Deutschen und ihr sprichwörtliches Losglück liegt ja schon eine Hammergruppe vor, wenn die Gegner mal nicht Lettland, Vatikanstadt oder Äußere Mongolei heißen. Man vergisst dabei gerne, dass man im Rahmen eines Turniers, also eines eng abgesteckten Zeitraums, eh jeden schlagen muss, wenn man den Pokal gewinnen will. Und zwar egal wann, ob in der Vorrunde oder im Finale, es spielt keine Rolle. Aber bitte – was soll an dieser Gruppe eigentlich „Hammer“ sein?

Portugal? – Verfügt meines Wissens nur über einen Spieler, der uns gefährlich werden könnte: Cristiano Ronaldo. Und der ist leicht auszuschalten: einfach einen Fön und einen Spiegel auf den Rasen werfen, erledigt. Falls der sich dann trotzdem ab und zu für ein paar Minuten von seinem Ebenbild losreißen kann, dann haben wir dafür genügend grobmotorischer Feinmechaniker in der Abwehr, die das sehr schnell regeln werden. Zumal der Mann ja schon freiwillig zu Boden geht, wenn man ihn nur anhustet.

Dänemark – Däne-wer? Kennt die einer? Ach ja, wie ich jetzt auch wieder in zahllosen Beiträgen lesen darf, sind das diejenigen, die mal mitten in ihrer Sommerpause für das boykottierte Ex-Jugoslawien an einer Europameisterschaft teilnehmen mussten und das Turnier quasi in Badeschlappen und Strandtüchern gewannen. Das stimmt. War auch gerade erst gestern, nämlich 1992. Da muss ich doch gleich mal nachschauen, ob noch einer dieser Urlaubs-Europameister im aktuellen dänischen Kader steht. Nicht? Na also, wo ist dann das Problem?

Die Niederlande – dazu sag ich mal gar nichts, außer: 3:0, 3:0, 3:0. Noch Fragen?

Übrigens, kleine Abschweifung innerhalb der Abschweifung: weiß eigentlich eigentlich, wer oder was „Holland“ ist? Das ist der Oberbegriff für die zwei Provinzen Noord-Holland und Zuid-Holland, die im Westen der Niederlande beheimatet sind. Nur mal so zur Erinnerung, wenn in den kommenden Monaten die gesamte deutsche Medienlandschaft die Partie Deutschland gegen Holland wie üblich zum absoluten Ereignis hochst(er)ilisieren wird. Und falls man dann immer noch nicht verstehen sollte, warum mancher Niederländer über den östlichen Nachbarn öfter mal den Kopf schüttelt: man stelle sich einfach vor, in den Niederlanden würde seit Jahrzehnten von „Nordrhein-Niedersachsen“ gesprochen, wenn von Deutschland die Rede ist. So als Oberbegriff. Schon ulkig, oder? Ob es sich bei der Weigerung, den korrekten Namen des Landes ausschreiben, um reine Lernresistenz oder schon um psychologische Kriegführung in Vorbereitung auf das nächste Spiel handelt, darf jeder für sich selbst beantworten.

Also: keine Panik. Auslosung hin oder her, der einzige „Hammer“ an dieser Gruppe ist doch, dass die deutsche Nationalmannschaft ihr Hotel im polnischen Danzig an der Ostsee gebucht hat und alle drei Spiele nun in der Ukraine stattfinden. Das nenn ich mal bei der Planung satt daneben gelegen. Da können sich die Chef-Organisatoren des DFB warm anziehen. Denn ich wette, genau das wird die erste Ausrede sein, falls mit der deutschen Mannschaft tatsächlich etwas schief laufen sollte. In der „Hammergruppe“, die nun wirklich keine ist.

Damit genug zur Nationalmannschaft. Es konnte in der 2. Liga weitergehen. Und zwar in der Nachbarschaft.

Schauinsherbstmeisterland

Und natürlich montags, wie hatte ich das vermisst. Am Montag, den 05.12.2011 trat die Fortuna beim MSV Duisburg an. In der Hütte, die ernsthaft immer noch Schauinsland-Arena heißt. Eben bei jener Truppe und in jenem Stadion, wo man uns am 18. März desselben Jahres die letzte Niederlage zugefügt hatte. Duisburg hatte die beiden Partien vor dem Match auch noch gewonnen, befand sich also auf dem aufsteigenden Ast, nachdem man sich ja in punkto Saisonplanung und Ziel komplett verhauen hatte. Keine leichte Aufgabe, zumal die das Spiel als „Derby“ ansehen, und deren Stürmer Maurice Exslager vor dem Spiel schon mal raus haute: „Düsseldorf kann sich warm anziehen.“ Er hatte Recht.

Allerdings nur, was das Wetter betraf. An jenem Montag kam nämlich der Winter zu uns, ohne Vorwarnung. Ich fuhr am Nachmittag in Bonn los, bei strahlendem Himmel und plus sechs Grad Außentemperatur. Nach einer knappen Stunde langte ich in Grevenbroich an, wo ein Fahrzeugwechsel vorgesehen war. Die Temperatur war schlagartig auf null Grad gesunken und heftiger Schneeregen hatte eingesetzt, kostenlos noch ein bisschen Hagel obendrauf. Das ließ nicht auf einen entspannten Abend hoffen. Hinzu kam, dass an jenem Tag alle Autobahnen rund um Duisburg so was von dicht waren, Unfälle zuhauf, inklusive Autobahnsperrung wegen Landung eines Rettungshubschraubers, das ganz große Besteck also Das sah nicht stressfrei aus, unter sieben Kilometer Stau war eigentlich keine der üblichen Strecken zu haben. Also fuhren wir von der A 57 runter, genau dort, wo sich gerade ein neuer Stau bildete, tuckerten über die A 52 nach Düsseldorf rein, dort war normaler Feierabendverkehr, darauf kann man sich ja wenigstens einstellen. Und von dort dann schön über die B 8 und die B 288 nach Duisburg, wobei die Ausfahrt Wanheimerort/Wedau praktischerweise direkt am Stadion rauskommt. Anschließend dreimal ums Karree gefahren, weil die nächstliegenden Zufahrten selbstverständlich geschlossen waren, dann auf den Schotterparkplatz P 3, fast noch eine Delle in den Knastbus gefahren, der dort wirklich mitten im Weg stand, eingeparkt und beim Aussteigen schwungvoll in einen gut gefüllten Kratersee getreten, der sich unbemerkt neben dem Fahrzeug gebildet hatte. So weit, so Duisburg, das ist ja immer dasselbe bei denen.

Es war arschkalt, aber mal richtig. Ein eisiger Wind pfiff rund ums Stadion und durchdrang die Kleidung in Minutenschnelle. Immerhin hatte es aufgehört zu regnen oder zu schneien. Aber Weicheier wie ich fühlten sich schon ein wenig unterkühlt, gelinde gesagt. Im Stadion selbst gab es natürlich nicht viel Wind, aber so richtig warm wurde mir das ganze Spiel über nicht. Auch wenn es bei Fortuna vor dem Anpfiff einen wärmende Pyro-Show im Gästeblock gab, nett anzusehen, leider mal wieder mit dem Schönheitsfehler, dass einer seine Finger nicht still halten konnte und eine brennende Bengale auf den Rasen warf, ein anderer einen Böller zündete. Ja, da kann das noch so kontrolliert abgehen, ein Spinner ist immer dabei, und da von den Anderen für den natürlich niemand die Verantwortung übernehmen will, erstaunt es mich etwas, dass dieselben Leute sich dann fragen, warum der DFB mit ihnen hinsichtlich der Legalisierung von Pyro nicht reden möchte. Ich bin alles Andere als ein Verfechter des totalen DFB-Verbots, aber so wird das natürlich nie was. Und vielleicht merkt man in der Fan-Szene irgendwann mal, dass sie immer einen in ihren Reihen haben werden, dem „kontrolliert“ zu langweilig ist. Und solange man denjenigen mit einem Achselzucken toleriert, kann man auch nicht auf einen grünen Zweig kommen. Aber das wissen sie natürlich selbst.

Immerhin, das zünftige Feuerwerk ging unmittelbar vor dem Anpfiff über die Bühne, das Spiel konnte somit pünktlich beginnen. Und dann zeigten uns die Duisburger erstmal, was sie unter „Fußball“ verstehen. Nämlich dergestalt, dass sie unmittelbar nach Anpfiff noch einmal ihr höchst fragwürdiges Liedgut, diesen „Zebra-Twist“ abspielen. Während das Spiel bereits lief! Ich dachte erst an ein Versehen, da aber zu Beginn der zweiten Hälfte exakt dasselbe passierte, scheint es wirklich üblich zu sein, in Duisburg zum Start eines Fußballspiels erst einmal Musik zu machen. Hm. Naja, Duisburg halt. Sie hatten schon vor dem Spiel damit brilliert, dass sie ihrer anscheinend nicht umfangreichen Musiksammlung ausgerechnet noch Kölner Karnevalslieder hinzufügen mussten. Also ich als Fan würde mich ja schämen, aber vielleicht schunkeln die auch nur gerne. Ist eben Duisburg.

Das Lustige daran war, dass das Liedchen vom Zebra-Twist tatsächlich noch lief, als es schon fast im Duisburger Kasten eingeschlagen hätte. Die Gesichter hätte ich dann gerne mal sehen mögen, besonders in der Sprecherkabine. Aber Beister geriet in Rücklage, als er aus 15 Metern abschließen wollte, und so ging der Ball drüber. Erste Chance nach ein paar Sekunden.

Und es ging auch gleich munter hin und her. Fortuna mit der besten Chance durch einen Kopfball von Lambertz, nachdem Levels geflankt hatte. Die Duisburger kamen gut nach vorne, verbreiteten allerdings lediglich durch Fernschüsse Gefahr. Domovchiyski, Brosinski und Jula verzogen allerdings mehr oder weniger deutlich. Bei uns wiederum schien diese Variante in den ersten 45 Minuten wieder einmal verpönt zu sein, kein Ball aus mehr als zehn Metern Entfernung wurde abgefeuert, und als es dann doch einer tat, nämlich wiederum Lambertz, und Duisburgs Keeper Wiedwald sich lang machen musste, um die Kugel zu parieren, da hätte es nicht gezählt, denn Beister hatte den Schuss noch abgefälscht, und der stand im Abseits. Nix Halbes und nix Ganzes, daher war ein 0:0 zur Pause okay. Duisburg vielleicht mit mehr Zug nach vorne, aber für die war das ja – gemäß mannigfaltiger Äußerungen in den Fan-Foren zuvor – auch das Spiel des Jahres. Die Kulisse war auch dementsprechend, 23.000 Zuschauer haben die sonst eher nie, und (mindestens) 6.000 Gästefans schon gar nicht.

Die zweite Hälfte ist eigentlich auch schnell erzählt. Binnen 120 Sekunden machten die Fortunen den Sack zu, Duisburg war bis dato nicht einmal gefährlich vor das Gäste-Tor gekommen. In der 58. Minute war Beister mal wieder zu schnell für einen seiner zahlreichen Gegenspieler, die er in dieser Saison schon überlaufen hat. Diesmal war es Jürgen Gjasula, der einfach mal das Bein stehen ließ, als er von Beister im Strafraum überlaufen wurde. Der nahm die Gelegenheit dankend an, stürzte, Elfmeter. Für den gemeinen Duisburg-Fan natürlich eine Zumutung, alles geschenkt, geschunden, erfunden. Blöd nur, wenn dann der Spieler selbst, also Gjasula, nach dem Spiel offen sagt, dass der Elfmeter berechtigt war. Aber der wird das schon nicht so genau gesehen haben wie die Zebra-Adleraugen im Heimblock, genau hinter dem anderen Tor, also hautnah am Geschehen dran. Ein Witz, diese Jammerei. Langeneke machte den Elfer rein, und es war der Moment für zwischenmenschliche Gefühle gekommen. In meiner Nähe, nur durch einen Treppenaufgang getrennt, saß einer jener Duisburger Rentner, die in alter Tradition der Wedau-Krückstockschwinger jeden Besuch der Haupttribüne des Duisburger Stadions zum Erlebnis machen, egal wie die Hütte gerade heißt. Die Jungs brauchen im Normalfall keine fünf Minuten, um richtig Gas zu geben, und dieses Spiel war keine Ausnahme. Was die früher alles besser konnten als diese Luschen auf dem Rasen, und das alles laut eigener Aussage auch noch blind, barfuß und mit gefesselten Beinen! Großartig. Dieses eine Exemplar Zebra-Greis hatte jedoch etwas Besonderes auf Lager: jedes Mal, wenn sich ein Fortune dem Duisburger Strafraum näherte, brüllte der mit überschnappender Stimme: „Umfallen nicht vergessen!“ Und als es dann wirklich den Elfmeter gab – da fühlte ich mich bemüßigt, dem guten Mann doch herzlich für den nützlichen Tipp zu danken. Vorher hatte ich mich natürlich vergewissert, dass er noch gut zu Fuß war und keinen Spazierstock am Mann hatte, den er nach mir hätte schwingen können. Also diese Herren machen echt immer wieder Laune!

Langeneke machte den Elfer rein, zwei Minuten später war das Spiel durch. Bröker flankte von rechts in den Strafraum, sollte wohl auf Beister kommen, ein Duisburger war vorher dran, kam aber nicht richtig an den Ball und verlängerte ihn dadurch nach hinten ins linke Strafraumeck. Dort stand Sascha Rösler, nach seiner Gelbsperre vom Fürth-Spiel wieder am Start. Der Ball sprang vor Rösler auf, dieser ließ die Pille kurz seinen linken Oberschenkel raufrollen, abtropfen und zockte die Kugel dann mit dem linken Spann volley ins lange Eck, über Keeper Wiedwald hinweg, der mit vielem gerechnet hatte, nur nicht damit, und dem Ball nur staunend hinterher sehen konnte. 2:0, Spiel durch.

Fortuna schaukelte das Spiel locker nach Hause, die Zebras nur noch mit einer richtig guten Gelegenheit, als Ratajczak im Fünfmeterraum nach einem Eckball mal wieder zu zögerlich zum Ball ging, Sukalo war vorher dran und köpfte den Ball Richtung kurzes Eck – aber dort stand Tobias Levels und haute die Kugel raus. Ansonsten fiel dem Gastgeber nicht viel ein, Fortuna verdaddelte noch ein paar Konter, unter anderem scheiterte Beister zum, ich glaube, zwölften Mal in einer Eins-zu-Eins-Situation am Keeper, als er frei auf diesen zulief, aber Wiedwald konnte parieren. Bleibt zu hoffen, dass Beister solche Situationen noch lernt. Aktuell scheint er immer noch stärker darin zu sein, erst 16 Leute zu umdribbeln und anschließend volle Möhre aufs Tor zu knallen als den Ball nur am Torwart vorbei zu bringen. Aber es blieb ja folgenlos.

Ein paar Worte noch zu den Duisburger Fans. Wie gesagt, für die war dies das Spiel des Jahres, und da musste man ja etwas bieten. Und das taten sie, eine rasante Niveau-Unterschreitung jagte die nächste. Zum Beispiel mit diesem irrsinnig guten Transparent, das gut sichtbar am Heimblock hing, das Fortuna-Wappen (hübsch abgemalt übrigens) mit dem weithin sichtbaren großen „F“, dahinter der Schriftzug „otzen“. So sieht das aus, wenn die ihr Derby-Fieber packt. Und wenn diese Temperatur dann noch weiter steigt – wie nach dem 0:2 –, dann muss schon mal was raus. In diesem Fall waren es drei Schuss Leuchtspur, aus einem Block von der Haupttribüne (!) abgefeuert, der dem Gästebereich am nächsten lag. Mit der ersten Ladung wurde versucht, den Schiri-Assistenten auf der Haupttribünenseite auszuknocken, man zielte zwei Meter zu kurz. Respekt an den Mann, der das neben ihm niedergehende Leuchtmittel nur mit einem Achselzucken zur Kenntnis nahm und einfach weitermachte. Der zweite Schuss ging Richtung Hintertortribüne, die halbleer war, die volle Hälfte von Fortunen besetzt. Ein Kunstschuss, der im Stahlträger des Daches landete und dort fröhlich vor sich hin glühte. Die dritte Ladung traf dann schließlich genau dorthin, wo die Fortuna-Fans saßen, zum Glück wurde niemand verletzt. Warum ich das alles so ausführlich schreibe? Während dieser gesamten Rauchende-Colts-Episode saßen direkt neben dem Block, aus dem die Leuchtspur geschossen wurde, Dutzende Polizisten. Nicht einer rührte einen Finger. Merkwürdige Art von Deeskalation.

Abgeschlossen wurde der Auftritt der so genannten Fan-Szene natürlich virtuell, durch gepflegtes Geifern, Manipulation, Schauspieler, alles Beschiss, die eigene Mannschaft sei ja gar nicht so schlecht gewesen (wie gesagt, mit null Torchancen zwischen der 46. und 75. Minute). Krönung war die Behauptung, Beister habe bei seinem Solo-Lauf auf den Duisburger Keeper extra abgestoppt, um für den hinter ihm her laufenden Berberovic eine Rote Karte raus zu holen. Das habe bei ihm Priorität vor dem Toreschießen. Tja, und wenn schon lächerlich, dann richtig: schließlich zog und zerrte Berberovic tatsächlich an Beister, der machte allerdings nicht den sterbenden Schwan, den er auch gut beherrscht, sondern schloss sogar noch ab. Da wird’s dann natürlich richtig peinlich für das Volk, das an jenem Abend die Grenzen des guten Geschmacks eindeutig weit nach unten verschob. Und die hingen in Duisburg noch nie besonders hoch.

Aber man muss auch Einsicht zeigen. All diese Verhaltensweisen sollten schließlich nur kaschieren, dass sie innerlich alle 32 Zähne, soweit noch vorhanden, in die Tischkante bohrten. Ihr Derby verloren, ihr „Spiel des Jahres“! Zehn Jahre waren wir dritt- und viertklassig weg vom Fenster, während dieser gesamten Zeit hat Duisburg permanent Erste oder Zweite Liga gespielt. Schon in unserer Aufstiegssaison hängten wir sie ab, selbst in der letzten Spielzeit, die mit den sechs Start-Niederlagen, überholten wir sie noch am letzten Spieltag. Dafür erreichten sie ja das Pokalfinale, welches sie ganz knapp gegen Schalke verloren. Dafür holten sie aus dem Pokal immerhin zusätzliche fünf Millionen Euro. Und was nun? 25 Punkte Rückstand auf uns – nach der Hinrunde… Da muss man schon mal Verständnis haben. Habe ich auch für alles, außer der Leuchtspur in die Zuschauermenge. So sehr kann man nicht abstürzen, dass ich so etwas mal verstehen würde. Einfach nur traurig und peinlich, was aus denen geworden ist.

Zahlen, Daten, Termine

Aber wenden wir uns erfreulicheren Dingen im Leben zu. Fortuna ist Herbstmeister, hat diverse Rekorde gebrochen. Man ist seit 25 Meisterschaftsspielen unbesiegt, ebenso wie 2002/03 der 1.FC Köln, wir haben aber mehr Punkte geholt – Zweitliga-Rekord. Die bisherige Bestmarke bei der Punktausbeute zum Ende einer Hinrunde stand bei den 39 Punkten des 1.FC Kaiserslautern aus dem Jahr 2009, wir haben 41 – Zweitliga-Rekord. Aber trotzdem haben wir nur drei Punkte Vorsprung auf Platz zwei und fünf Punkte auf die Plätze drei und vier, weil Frankfurt, St. Pauli und Fürth ebenso überdurchschnittlich Punkte holten, und auch Paderborn hätte mit seinen aktuell 33 Zählern in der erwähnten Saison hinter Kaiserslautern zum Ende der Hinrunde Platz 2 belegt – aktuell reicht das grad mal für Rang 5. Also, es ist zwar eine überragende Bilanz, aber noch ist nichts gewonnen. Es wurde nur eine Hinrunde gespielt, mehr nicht.

Und weil der Veranstalter dies genauso sieht und auch nichts von überschwänglichen Herbstmeisterfeiern hält, setzte er die Rückrunde direkt mal fünf Tage später an. Am kommenden Samstag, den 10. Dezember, geht es nach Bochum zum VfL, der zum Warmmachen am letzten Spieltag mal kurz Erzgebirge Aue 6:0 aus dem Stadion schoss. Wieder eine schwere Aufgabe. Und am Wochenende danach kommt noch die Sensationsmannschaft schlechthin, der SC Paderborn, in die Esprit-Arena. Die liegen uns irgendwie überhaupt nicht, das wird richtig schwer. Paderborn kommt der Empfehlung der besten Hinrunde der Vereinsgeschichte und einem 0:0. Dieses holten sie im März dieses Jahres in unserer Arena und sind damit der einzige Gegner, der nach dem 27.09.2010 bei uns nicht verloren hat. Ein richtig harter Brocken. Und wenn die sich nach dem Spiel bei uns dann bis zum neuen Jahr zur Ruhe betten können, steht für die Fortuna noch das vorgezogene Weihnachtsgeschenk an: das DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund am 20. Dezember.

Man sieht, es liegt noch eine aufregende und harte Vorweihnachtszeit vor uns. Deshalb lasst uns einmal kurz strahlen über die Herbstmeisterschaft und dann wieder dem Tagesgeschäft widmen. Das hält schließlich noch einiges für uns bereit, bis der Weihnachtsmann kommt.

Noch keine Zeit für Schnick und Schnack: janus

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