15.-17. Spieltag

So, nun sind wir am Ende – des Jahres 2010 selbstverständlich. Drei Spiele sind seit meiner letzten Zusammenfassung noch ins Land gegangen. Allen gemeinsam war, dass es immer geschneit hat. Und das Fortuna nicht verloren hat. Und nicht nur das – stolz präsentiere ich eine Zusammenfassung ohne jegliches Gegentor. Ist ja schon etwas länger her, dass mir das passiert ist , damals – die ersten acht Spiele der Saison 2007/08 – allerdings berichtsübergreifend gleich in zwei Zusammenfassungen hintereinander! Ich hätte nix dagegen, wenn es diesmal auch so käme, dann sogar kalenderjahrübergreifend. Aber zunächst sollte ich kleine Brötchen backen. Daher nun die Zusammenfassung mit drei gegentorlosen Spielen – ganz, ganz leise von mir mit dem Zusatz „Part One“ untertitelt.

Comedy siegt

Da der November Geschichte war, wurde die folgende Partie tatsächlich mal an einem Sonntag ausgetragen. Am 05.12.2010 empfing die Fortuna den Karlsruher SC zum nächsten „Sechs-Punkte-Spiel“. Umso mehr, als die anderen Vereine im Tabellenkeller bereits ordentliche Vorarbeit geleistet hatten. Oberhausen hatte verloren, Osnabrück und Paderborn trennten sich im direkten Duell freundlicherweise Unentschieden. Mit einem Sieg gegen Karlsruhe konnte man die alle kassieren und plötzlich in ungeahnte Höhen vorstoßen – Tabellenplatz 11 winkte. Dank der Mithilfe der anderen Klubs konnte es also tatsächlich ein „Fortuna-Spieltag“ werden.

Es wurde einer. Fortuna besiegte den KSC vor 20.000 Zuschauern mit 1:0 und kletterte auf den bewussten Platz 11 – beste Saisonplatzierung. Ein nicht ganz unverdienter Sieg, bei dem der neutrale Zuschauer noch durch die eine oder andere Slapstick-Einlage unterhalten wurde.

Die entscheidende Szene des Spiels ereignete sich sehr früh, bereits in der 8. Minute. Sie wäre es wert, wahrlich haarklein in allen Einzelheiten geschildert zu werden, offenbarte sie doch Unglaubliches, das der Verstand nicht fassen wollte: Fortuna zelebrierte in jener 8. Minute vier Flanken binnen dreißig Sekunden in den Karlsruher Strafraum, die allesamt gut waren und von der gegnerischen Abwehr nicht zufrieden stellend geklärt werden konnten. Vier! Und alle waren gefährlich! Nur gut, dass wir mittlerweile einige Spiele gewonnen haben, zu Beginn der Saison wäre eine solche Abfolge unvorhersehbarer Ereignisse binnen solch kurzer Zeit Anlass genug für ein ernsthaftes Besäufnis gewesen. Aber auch jetzt noch konnte man sich nur ungläubig die Augen reiben. Sollten die jetzt wirklich auch noch über die Außen gefährlich werden? Oder war dies nur ein kurzes Aufflackern des kleinen Fünkchen Hoffnungs, quasi passend zur Adventszeit? Wo soll das noch enden? Fragen über Fragen.

Die dritte der vier Flanken wurde in die Mitte geklärt, wo sich Kapitän Lambertz an der Strafraumgrenze mit einer Direktabnahme versuchte. Die ging erwartungsgemäß voll in die Hose, zum Glück allerdings dermaßen, dass der Ball nicht mal ansatzweise in Richtung Tor flog, sondern in der Nähe von Lambertz wieder herunter kam. Er konnte die Kugel daraufhin erneut auf die linke Seite spielen, zu van den Bergh, inoffizieller Rekordhalter in punkto verunglückter Flanken. Aber was machte der denn damit? Wie bereits einige Sekunden zuvor legte er sich den Ball schön auf den rechten Fuß, schaute tatsächlich auch noch hoch und schlug dann nicht die erwartete Flanke, an deren Ende es Einwurf für den KSC auf der anderen Spielfeldseite gegeben hätte, sondern ein richtig gutes Ding, schön angeschnitten, auf die Höhe des kurzen Pfostens gezirkelt. Und da hatte sich Sascha Rösler zwischen zwei Abwehrspieler gemogelt, die Flanke passte genau, sein Kopfball ebenfalls, hoch ins linke Eck – 1:0 für Fortuna nach einer Flanke von van den Bergh. Dass ich das noch erleben durfte…

Die Führung war verdient, Fortuna in der ersten Halbzeit klar die bessere Mannschaft. Man erspielte sich auch noch weitere Chancen, der für den verletzten Torghelle in die Mannschaft zurückgekehrte Jovanovic traf bei einem Flachschuss einen Ball nicht richtig, sodass KSC-Keeper Robles noch halten konnte, Patrick Zoundi klaute einem gegnerischen Abwehrspieler die Kugel an der Eckfahne und legte anschließend von der Grundlinie schön in den Strafraum zurück, aber Bröker verknotete sich mal wieder die Beine und konnte nicht rechtzeitig abschließen; besser machte er es da schon nach einer weit gezogenen Flanke, die er von der Torauslinie per Kopf in die Strafraummitte zurück legte, leider hatte anscheinend niemand damit gerechnet, dass ihm dies gelingen würde, sodass in der Mitte niemand mitgelaufen war, um abzustauben; im Großen und Ganzen sah das aber recht gut aus. Von den Gästen war bis zu diesem Zeitpunkt nicht viel zu sehen, schon gar keine Torchance. Einzige halbe Ausnahme war die Slapstick-Einlage von Fortuna-Keeper Melka, der sich bei einem Flachpass aus dem Halbfeld in den Strafraum verschätzte und souverän am Ball vorbei rutschte; da damit aber wiederum kein KSC’ler gerechnet hatte, rollte die Kugel in aller Gemütsruhe fünf Meter am Tor vorbei, ohne dass einer der Gäste nachgesetzt hätte. Insgesamt ging die Führung zur Pause in Ordnung, auch wenn der KSC sicherlich mehr Ballbesitz hatte und auch die reifere technische Anlage zeigte. Aber solange alles am gegnerischen Strafraum sein Ende findet, ist es halt ziemlich brotlos, das kennen wir aus vergangenen Spielen selbst zur Genüge.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit nahm der KSC das Heft richtig in die Hand, über 60% Ballbesitz sagen alles über die Spielverteilung. Aber auch jetzt stand die Abwehr der Fortuna recht sicher und ließ nicht viel zu. Mit einer Ausnahme, der Chance für die Gäste, den Ausgleich zu erzielen: bei einem flachen Pass aus dem linken Halbfeld pennte Innenverteidiger Lukimya am Sechzehner, da er nicht gemerkt hatte, dass hinter ihm der Karlsruher Gaetan Krebs in den Strafraum lief. Vielleicht hat er ihn auch tatsächlich übersehen, denn der Krebs ist gefühlt zwei Köpfe kleiner als unser Abwehrhüne. Auf jeden Fall ging der Pass genau richtig an Lukimya vorbei und genau richtig in den Lauf von Krebs, der sich plötzlich allein vor Keeper Melka wiederfand, darüber allerdings anscheinend dermaßen erschrocken war, dass er einen hektischen Lupfer ansetzte, der dann klar am Tor vorbei flog. Dabei hätte er Zeit genug gehabt, den Ball zu stoppen und Melka zu fragen, wohin der ihn denn bitteschön haben wolle. Glück für Fortuna und Glück für Lukimya, dass sein einziger gravierender Stellungsfehler in einer ansonsten blitzsauberen Partie nicht bestraft wurde.

Mitten in diese kleine Drangphase der Gäste spielte Fortuna einen Konter, mit dem man den Sack schon vorzeitig hätte zumachen können. Lambertz leitete über links ein, nahm Rösler mit, der kurvte mit dem Ball Richtung Strafraum ein und spielte dann genau im richtigen Moment wieder auf Lambertz, der sich in der Zwischenzeit rechts in den Strafraum frei gelaufen hatte. Und der ließ dann etwas aufs KSC-Tor los, von dem er selbst wohl nicht so genau wusste, was es sein sollte – Torschuss oder Querpass. Immerhin erwischte er damit Torwart Robles auf dem falschen Fuß, sodass die Kugel tatsächlich gepasst hätte, aber natürlich konnte der Ball vom rechtzeitig zurück geeilten Abwehrspieler Langkamp noch klar vor der Torlinie geklärt werden. Langkamp hätte auch zunächst noch eine Ehrenrunde ums Tor drehen können und wäre trotzdem noch rechtzeitig an Ort und Stelle gewesen, solch ein Schüsschen war das. Die große Chance zum 2:0, mal wieder leichtfertig vergeben.

In der letzten halben Stunde des Spiels drückte der KSC die Gastgeber immer mehr hinten rein, ohne sich großartig Chancen zu erspielen. Dafür gab es natürlich mit fortdauernder Spielzeit mehr Konterchancen für die Fortuna. Aber wer die Nummern von Melka und Lambertz bis dahin schon für gute humoristische Einlagen gehalten hatte, der bekam jetzt noch mehr geboten, das zum Lachen reizte. Allerdings nur, wenn man neutraler Zuschauer war, als Fortuna-Fan konnte man sich nur verzweifelt die Haare raufen.

Da war beispielsweise Patrick Zoundi. Der musste nach einem Pressschlag mit seinem Gegenspieler an der Seitenlinie behandelt werden, kehrte aber nach kurzer Zeit auf das Spielfeld zurück. Nach noch kürzerer Zeit erhielt er einen schönen Pass von Lambertz, der allerdings nur deshalb ankam, weil der KSC-Spieler, auf den der Ball genau gespielt war, diesen verstolperte. Zoundi flitzte an ihm vorbei, nahm die Kugel mit und strebte allein aufs KSC-Tor zu. Als er an die Strafraumgrenze kam, stellte sich ihm Torwart Robles entgegen. Und was Zoundi dann aus dem Zauberfüßchen holte, hat gute Chancen, als eine der unwahrscheinlichsten Arten, eine Großchance zu vergeben, in die Fortuna-Annalen einzugehen. Er wollte den Ball offenkundig an Robles vorbei schlenzen, traf die Kugel aber wohl nicht voll, außerdem musste er mit dem Bein schießen, welches Sekunden zuvor noch behandelt worden war, vielleicht war es noch nicht wieder ganz belastbar. Jedenfalls haute er frei vor dem Keeper ein derartiges Schüsschen raus, da hätte meine Oma eine Kappe drauf werfen können, und – Verzeihung – die ist schon seit sechs Jahren tot. Da mir keine Nahaufnahme der Szene vorliegt, weiß ich nicht, ob Robles den Zoundi nicht noch ausgelacht hat, bevor er den Ball aufnahm, Zeit genug hätte er dafür gehabt und verstanden hätte ich es auch. War natürlich unglücklich und keine Absicht von Zoundi, sah aber unfassbar aus. Wieder eine Chance dahin.

Zoundi selbst nahm es übrigens gelassen und kommentierte nach dem Spiel trocken: „Meine Füße waren kalt, da habe ich zum Torwart gepasst. Winter ist scheiße.“ Ist ja auch ne Erklärung.

Das war allerdings nur der Anschmecker für die 90. Minute. Da machte sich ein anderer auf, um alleine vor dem gegnerischen Tor Geschichte zu schreiben. Thomas Bröker hatte den Ball gut vierzig Meter vor dem KSC-Gehäuse per Kopf erhalten, festgestellt, dass die KSC-Abwehr ganz ordentlich aufgerückt war, und war mit Ball am Fuß in den Strafraum gestürmt. Auch ihm stellte sich Robles entgegen, diesmal in etwa sechs, sieben Meter vor dem Kasten, und dann konnte Folgendes gesichtet werden: Bröker versuchte, an Robles vorbei zu schlenzen, dieser konnte parieren, aber Bröker erwischte den Abpraller, zog links am hinterher krabbelnden Keeper vorbei in den Fünf-Meter-Raum, schlug einen Haken nach innen, ließ dadurch einen Verteidiger mit seinem Abwehrversuch in der Horizontalen ins Leere gleiten, lupfte die Kugel dann Richtung Tor, wodurch der zweite Verteidiger in die Bedeutungslosigkeit grätschte – und scheiterte aus zwei Metern Torentfernung am dritten Verteidiger auf der Torlinie, den er wohl irgendwie übersehen hatte. Aus zwei Metern! Für diese Nummer kann man im Zirkus Eintritt nehmen. Unglaublich, unmöglich, unfassbar – eigentlich alles mit „un-„, außer „unhaltbar“. Bröker darf sich meiner Meinung nach nunmehr mit Fug und Recht „halber Mill“ nennen, eingedenk jenes Helden, auch ein Ex-Fortune, der einst in den 80ern im Trikot von Borussia Dortmund vor dem leeren Bayern-Tor am Pfosten gescheitert war. Natürlich soll das nicht seine vorherige Leistung schmälern, den Sprint durchs Mittelfeld, das Durchsetzungsvermögen, seine Übersicht, zwei Gegenspieler auf engstem Raum alt aussehen zu lassen, aber der Abschluss…hätte er da mit der Pieke drauf gehalten, der letzte Abwehrmann wäre mit durchs Tor geflogen, so spielte Bröker aber den Ball dermaßen punktgenau auf die einzige Stelle auf der Torlinie, an der tatsächlich noch jemand stand, dass es wie einstudiert wirkte. Und das Spiel war immer noch nicht zu Ende…

Kurz darauf dann doch, weshalb dieser Fauxpas keine Folgen mehr hatte. Ganz zum Schluss vergab noch der eingewechselte Gaus eine weitere Riesenchance, auf seine bevorzugte Art: bei seinem langen Sprint gen gegnerischem Tor hatte er mal wieder zu viel Zeit zum Nachdenken, weshalb ihn ein Gegenspieler einholen und ihm die Kugel in letzter Sekunde vom Fuß spitzeln konnte. Saisonübergreifend hat der gute Marcel auf diese Art und Weise schon mindestens drei Riesendinger vergeben; wenn er nicht so viel Platz hat und nicht dermaßen völlig frei steht, klappt das bei ihm irgendwie besser. Die Fans monierten nach der Grätscheinlage seines Gegenspielers auch noch lautstark Elfmeter, der Schiri winkte ab und entschied drei Sekunden später, dass er sich nu auch nicht länger antun wollte, wie wir uns kontertechnisch zur Wurst machten, woraufhin er das Spiel beendete. Fortuna gewann 1:0, obwohl der KSC zumeist die Ball führende Mannschaft in diesem Spiel gewesen war. Aber es war nicht ganz unverdient, zumal die Gäste trotz ihrer Feldüberlegenheit ja nur eine einzige richtige Torchance hatten heraus spielen können. Dass es im Endeffekt „nur“ ein 1:0 für Fortuna wurde, verdankten die Karlsruher allerdings ausschließlich unserem – wie soll ich sagen? – rheinischen Sinn für Humor beim Ausspielen von Kontern. Und nach diesem Spiel wusste auch der letzte Ahnungslose, warum wir zwar die letzten drei Spiele jeweils ohne Gegentor gewonnen hatten und – wie schon gesagt – mittlerweile auf Platz 11 der Tabelle angelangt waren, aber dennoch in fünfzehn Spielen nur dreizehn Tore geschossen hatten. Dafür haben wir an jenem Nachmittag den neutralen Fernsehzuschauer aber prima unterhalten, darauf möchte ich wetten.

Auch Jungfrauen fangen mal an

Am 10.12.2010 stand nun also das letzte Auswärtsspiel des Jahres an, natürlich freitags, wie es bei uns guter Brauch geworden ist. Zum Glück musste man nicht allzu weit reisen, es ging nach Aachen, zur dortigen Alemannia. Dies war schon abenteuerlich genug, gab es doch in jenen Tagen die eine oder andere Schneeflocke, die die Autofahrer mal wieder dazu veranlasste, auf der Autobahn die gefühlte Schrittgeschwindigkeit einzuläuten, obwohl die Straße selbst frei war. Eine frühzeitige Anreise war somit angezeigt und wurde eigentlich auch gut bewältigt. Immer wieder staunenswert die große Baustelle auf der A 4 im Kreuz Aachen, die wohl darauf angelegt ist, den Autofahrer in die Irre zu führen. Ich für meinen Teil wäre zumindest fast versehentlich nach Belgien abgebogen, aber das kann natürlich auch an mir liegen. Schließlich erreichte ich aber unbeschadet den neuen Tivoli. Es war eiskalt und windig, während des Spiels schneeregnete es ununterbrochen, ganz normale Witterungsbedingungen für das Dreiländereck also. Dieser Routine wollte sich dann auch Fortuna-Trainer Norbert Meier nicht verschließen und schickte exakt dieselbe Elf aufs glatte Geläuf, die in der Woche zuvor gegen Karlsruhe gepunktet hatte.

Die hatte dann in der ersten halben Stunde nicht viel zu bestellen. Während die Fortuna nur schwer in die Gänge kam, legten die Aachener nämlich munter los. Die Gastgeber hatten vor 20.000 Zuschauern klare Feldvorteile und drängten nach vorn, während die Unseren allenfalls in der Fehlpassquote überlegene Akzente setzten. Immerhin verlief alles glimpflich, Keeper Melka konnte zweimal gut parieren, und als er es mal nicht mehr konnte, holte van den Bergh einen Ball von Auer von der Torlinie. So langsam kamen auch die Gäste ins Spiel und entwickelten, wie sagt man so schön?, zwingendere Aktionen nach vorne. Hübsch anzusehen zum Beispiel das Solo von Sascha Rösler, an alter Wirkungsstätte mit herzlichen Pfiffen bei jeder Ballberührung bedacht, der vier Leute schwindlig spielte, um dann im Strafraum den Ball ohne Einwirkung eines Gegenspielers zu verlieren, einfach weil er seine Beine beim Abspiel nicht sortiert bekam. Der eigentliche Experte für Verknotung der Extremitäten bei laufendem Spielbetrieb, Thomas Bröker, war diesbezüglich wohl noch nicht ganz warm gelaufen. Denn er hatte in der ersten Halbzeit die beste Gelegenheit für die Fortuna, als er richtig fix auf den Beinen war, eine Hereingabe von der rechten Seite mit dem Rücken zum Tor annahm, sich blitzschnell drehte und abschloss. Ebenso schnell hatte allerdings Aachens Keeper Hohs die Fäuste oben und konnte den Ball parieren. Bis zur Pause passierte nicht mehr viel, außer dass die Aachener einen Elfmeter haben wollten, weil Langeneke im Strafraum aus kurzer Distanz angeschossen worden war, aber das wäre auch ein bisschen albern gewesen. 0:0 zur Pause, durchaus glücklich für die Fortuna, eine Führung der Gastgeber wäre nicht unverdient gewesen.

Dies änderte sich in der zweiten Hälfte grundlegend. Zunächst gab es zwar eine Schrecksekunde zu überstehen: Melka hatte eine harmlose Flanke fallen lassen, Aachens Torjäger Benny Auer versuchte an den Ball zu kommen und fiel plötzlich hin, Langeneke bereinigte die Situation. Man hätte sich diesmal allerdings über einen Elfmeter nicht beschweren können, denn Melka hatte sehr wohl Körperkontakt mit Auer, als er diesen vom Ball abdrängte. So ganz astrein sah das nicht aus. Aber andererseits ist der Auer halt ein Spieler, der in eine Kategorie fällt, die auch den Schiedsrichtern in diesem Land gut bekannt ist: kaum spürte er die Berührung durch unseren Torwart, schon zog es ihn furchtbar darnieder, was natürlich nicht heißt, dass man nicht schon im Fallen empört mit den Armen fuchteln und Elfmeter fordern darf. Selbst Schuld. Der Schiri sah es wohl genauso und ließ weiterspielen. Viel Glück für Fortuna und natürlich speziell für Melka, denn diese Nummer wäre nun eindeutig auf seine Kappe gegangen. Aber wenn der gegnerische Spieler bei solchen Sachen mal sofort Fallobst darstellen muss, darf er sich nicht wundern, wenn auch eventuell berechtigte Elfmeter nicht gepfiffen werden, weil der Schiri sich aufgrund dieser komödiantischen Einlage eben nicht ganz sicher ist. Durchatmen, weitermachen.

Und genau so spielte Fortuna es dann zu Ende. In der letzten halben Stunde hatte Aachen nicht eine Chance, die erwähnenswert gewesen wäre, die Gäste bekamen das Spiel in den Griff, man gewann plötzlich die Zweikämpfe (und zwar derer zwei Drittel im gesamten Spiel, ungewöhnliche Bilanz gegen die als Kampfschweine verschrienen Aachener) und spielte immer besser nach vorne. Hierbei zeigte sich dann, dass auch die Aachener Abwehr alles andere als sattelfest war. Außerdem entdeckte Kapitän Andreas Lambertz endlich mal wieder sein Herz für Fernschüsse. Anstatt die Bälle regelmäßig zum Gegner zu spielen, wie es auch in diesem Spiel wieder öfter der Fall war, zimmerte er sie einfach Richtung Tor. Einmal ging es knapp vorbei, einen zweiten Schuss, eine echte Granate aus rund 35 Metern, musste sich Hohs lang machen, um die Führung für die Fortuna zu verhindern. Und anschließend teilten sich beide Keeper anscheinend dasselbe Glücksbärchen: nach einer Ecke für Fortuna hatte Langeneke am kurzen Pfosten mit dem Hinterkopf verlängert, der Ball senkte sich prima über den machtlosen Hohs Richtung langes Eck – und wurde dort von Arslan auf der Torlinie geklärt, also genau wie in der ersten Halbzeit von van den Bergh bei uns. Somit war endgültig alles ausgeglichen, und als wir unsere letzte Großchance versiebt hatten, als nach schönem Angriff über links nahezu jeder Offensivspieler sich im Torschuss versuchen durfte, als Letztes wurde dann der Schuss von Zoundi durch einen Aachener Kopf über die Latte gelenkt, da stand die Null, und zwar hüben wie drüben. 0:0 tatsächlich – das erste (!) Unentschieden der Fortuna in der laufenden Saison. Am 16. Spieltag, vielleicht auch ein neuer Vereinsrekord. Auch Jungfrauen fangen mal an. Zuvor hatte es in 15 Spielen stets nur Hopp oder Top gegeben, Sieg oder Niederlage. Deshalb wusste auch niemand so recht, was man mit dem Ergebnis anfangen sollte. Auf jeden Fall gut erkämpft, da man in der ersten Halbzeit doch ganz schön unter Druck geraten war; auf jeden Fall verdient aufgrund der zweiten Hälfte. Aber wäre vielleicht nicht doch mehr drin gewesen, gerade zum Ende hin? Abschließend kann man jedoch mit dem einen Punkt zufrieden sein. Es war kein Klasse-Spiel, aber ganz schön flott. Ich habe schon wesentlich schlimmere 0:0 gesehen – wenn auch kaum ein kälteres.

Eine etwas exklusivere Sichtweise auf das gesamte Spiel hatte Aachens Trainer Peter Hyballa, der den „guten Zirkulationsfußball“ lobte, den seine Schützlinge lange gezeigt hätten und dem nur „die klare Endaktion gefehlt“ habe: „Von der Spielkultur her war es in einigen Phasen ein Augenschmaus, den wir geboten haben. Wir waren spielerisch das klar bessere Team.“ Bezogen auf die 2. Halbzeit war dies ein zumindest interessanter Blinkwinkel. Der allerdings mangels weiterer Unterstützung als „Einzelmeinung“ abgetan werden kann. Ist aber verblüffend, was man von den Trainerbänken immer so sieht…

Zur Abreise vom neuen Tivoli hatte ich anlässlich unseres Gastspiels im März bereits einige Zeilen geschrieben, das kann ich mir also größtenteils schenken. Immerhin entdeckte ich diesmal ein neues aufregendes Detail: nicht nur, dass man nach dem Spiel das große Parkfeld neben dem Stadion und das dahinter gelegene Parkhaus komplett in einer einspurige Nebenstraße zusammenführt und zur Hauptstraße leitet, nein, das war ja schon bekannt. Neu war mir, dass die Ausfahrt aus dem Parkhaus heraus unmittelbar mitten durch die abwandernden Zuschauer verläuft! Die können dagegen gar nix machen, die Straße verläuft tatsächlich nahezu unmittelbar hinter der Tribüne, da kann man als Fußgänger gar nicht ausweichen. Und so hat man denn das aparte Erlebnis, dass sich bei der Ausfahrt noch Tausende Zuschauer zwischen den Autos durchdrängeln, dann kommen auch schon mal ein Jungs und Mädels von der Reiterstaffel mit Pferd vorbei, ein-, zwei Shuttle-Busse kreuzten auch noch die Fahrbahn, und das alles, während man versucht, aus drei Ausfahrtsspuren eine zu machen und diese sodann mit den schräg von der Seite kommenden Fahrzeugen des Parkfeldes zu vereinigen. Wer sich das ausgedacht hat, muss über eine Menge Humor verfügen. Und nebenbei noch über eine VIP-Karte, dann kann er nach dem Spiel erst einmal noch ein Stündchen am kalten Büffet warten, bis sich die Parklage etwas entzerrt hat. Genau diese eine Stunde brauchte ich diesmal, um auf die Hauptstraße zu gelangen, immerhin eine Verbesserung zum März. Aber trotzdem handelt es sich bei der Strecke nur um wenige hundert Meter. Danach ging es aber recht zügig nach Hause, also sobald man das erwähnte Kreuz Aachen passiert hatte, ohne versehentlich in die Wildnis abzubiegen. Insgesamt eine problemlose Tour mit kleinen Aufregern zwischendurch. Wie das Spiel der Fortuna in Aachen an jenem Abend.

Intermezzo: Fortuna und Lena Hand in Hand

Anschließend gab es mal etwas Neues vom Eurovision Song Contest. Wie bereits berichtet, hatte sich die Stadt Düsseldorf diesen Wettbewerb, von dem niemand so genau weiß, wofür er gut sein soll, an Land gezogen, aufgrund der hierfür notwendigen sechswöchigen Belegung der esprit-Arena im April und Mai 2011 müssen die letzten drei Fortuna-Heimspiele der Saison gegen Union Berlin, Arminia Bielefeld und Alemannia Aachen verlegt werden. Die Stadt Düsseldorf, besonders der jetzt schon zweitbeste OB aller Zeiten, Dirk Elbers, hatte mal flugs erklärt, natürlich werde dann das kleine Stadion am Flinger Broich mit einem Fingerschnippen auf 18.000 Zuschauer aufgerüstet. Diesen Unfug ließ man sich von der DFL genehmigen, die das wohl nur tat, weil man gleichzeitig einen Ausweichspielort angeben musste, falls alle Stricke reißen würden. Der Dartpfeil, den man im Rathaus wohl auf eine Karte von Nordrhein-Westfalen geworfen hatte, blieb bei „Bochum“ stecken, und damit war die Genehmigung durch. Dann erzählte man den Leuten, dass das mit dem Umbau des Paul-Janes-Stadion ja gar kein großes Problem wäre. Und ruderte anschließend schön Stück für Stück zurück. Erst streute man, die Kosten würden aus dem Ruder laufen (und wer hat die im Vorfeld kalkuliert? Die Stadt), dann hieß es, die Polizei mache Sicherheitsbedenken geltend (und wer hatte vor der Bewerbung „vergessen“, die Polizei zu diesem Thema zu befragen? Die Stadt), und ganz besonders schön war eine Aussage in einem Artikel der Peiner Allgemeinen Zeitung vom 15.12.2010 (also Monate nach der Bewerbung und Wochen nach dem Zuschlag für den ESC): „Erst nach dem Grand-Prix-Zuschlag habe sich herausgestellt, dass die Verkehrssituation am Paul-Janes-Stadion nicht optimal sei und das Stadion zu klein sei.“ Dies ist ein derart offenkundiges Geständnis, dass man nicht im Traum daran gedacht hatte, das Stadion umzurüsten, dass einem bei so etwas eigentlich die Luft wegbleibt. Man sieht daran, wie sehr die Stadt den ESC haben wollte, und ob Fortuna für ein paar Spiele nach Bochum ausweichen muss, interessiert bei denen keine Sau, den OB am allerwenigsten. Schließlich gehört die Arena der Stadt, also kann sie damit auch machen, was sie will. Fortuna ist der Hauptmieter – na und? Wenn euer Vermieter eure Wohnung renovieren will, müsst ihr schließlich auch mal ein paar Tage ins Hotel, also: who cares?

Naja, das mit Bochum traut man sich doch (noch) nicht. Nun ließ man sich eine weitere Variante absegnen, die so richtig Spaß bringen wird. Ich zitiere aus der Rheinischen Post vom 16.12.2010:

„Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat die Lizenz dafür erteilt, dass die Fortuna-Spiele während des Eurovision Song Contest im Sportpark an der Esprit-Arena ausgetragen werden dürfen. Damit ist die Verlegung der Spiele ins Paul-Janes-Stadion vom Tisch. Die Stadt hatte vergangene Woche den Arena-Sportpark als alternativen Ausweich-Standort ins Gespräch gebracht. Dort finden sonst die Trainings von Fortuna statt. Wie Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) am Donnerstag in der Ratsitzung bekannt gab, hat die DFL dem Plan zugestimmt.

Im Arena-Sportpark soll ein provisorisches Stadion aufgebaut werden. Dort können rund 2500 Zuschauer mehr untergebracht werden als im Paul-Janes-Stadion, wo nur 17.500 Fans Platz gefunden hätten.

Der Arena-Sportpark hat aus Sicht der Stadt noch einen weiteren Vorteil: Die Infrastruktur ist dieselbe wie bei Spielen in der Arena: Die Fans könnten wie gewohnt anreisen und auch die Trennung von Heim- und Gästefans wäre kein Problem.“

Da freuen wir uns doch alle. Niemand braucht sich eine neue Anreise einzuprägen, aber auch das alte Stadion braucht nicht umgerüstet zu werden. Es wäre auch in der Tat gar nicht dafür geeignet gewesen, und ich unterstelle jedem Politiker, der die Bewerbung um den ESC mit den entsprechenden Alternativen für Fortuna unterstützt hat, dies natürlich auch im Vorfeld gewusst zu haben – es sei denn, er oder sie wären zufällig blind und taub, dann nehme ich alles zurück. Natürlich hat man bei der Bewerbung für den ESC getrickst, dass sich die Balken bogen. Darüber können sich die anderen Städte, die sich um die Austragung beworben hatten, natürlich jetzt echauffieren – dem Elbers ist das egal, Zuschlag ist Zuschlag. Der sitzt das locker aus, hat er vom besten OB aller Zeiten gelernt. Und Fortuna – ich verweise auf meinen letzten Bericht zum Thema –, die tapfere kleine Fortuna, die keine Gelegenheit auslässt zu betonen, wie sehr man „Hand in Hand“ mit der Stadt arbeite, diese Fortuna wird nun seit Wochen dermaßen hin und her geschoben, dass diese „Hand in Hand“-Metapher wirklich nur noch Sinn macht, wenn man sie sich dergestalt vorstellt, dass der Verein, festgebunden am langen Arm der Stadt, mühsam hinterher hoppelt und je nach Wille des Muttertiers mal hierhin, mal dorthin dirigiert werden kann. Jetzt also doch in den Arena-Sportpark. Meinetwegen, ich freu mich drauf. 40.000 andere Leute wahrscheinlich auch, das sind die Besucher des ESC, die in den hautnahen Genuss kommen werden, was denn rund um die Arena bei einem 2.Liga-Heimspiel so los ist. Vielleicht solidarisiert sich ja sogar Lena mit ihren neuen Nachbarn und schaut mal vorbei. Solange sie dabei nicht singt…Und ich darf routinemäßig daran erinnern, dass dann auf dem Gelände nicht nur der ESC und die Fortuna-Heimspiele stattfinden, nein, auch die weltgrößte Verpackungsmesse im selben Zeitraum ist ebenfalls immer noch nicht abgesagt. Nur für den Fall, dass dies einem der Politiker im Januar oder Februar auch noch „spontan“ auffallen muss, ich helfe doch gerne. Da kann man einfach nur noch glänzende Augen kriegen.

Trotzdem werde ich mir schon mal den Routenplaner ins Ruhrstadion nach Bochum ausdrucken. Man weiß ja nie, was denen noch alles einfällt…

Schildbürgerstreiche zur Adventszeit

Abgeschlossen wurde die Hinrunde am 18.12.2010 mit dem Heimspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth. Das Spiel begann mit einem echten Schildbürgerstreich und endete auch mit einem solchen. Dazwischen hatte Fortuna ein Tor geschossen, Fürth keins, und somit gewannen wir die letzte Partie des Jahres vor 18.000 Zuschauern mit 1:0 und überwintern auf Platz 11 der Tabelle mit 22 Punkten – geradezu unfassbar, wenn man sich die Lage nach den ersten sechs Spieltagen der Saison anschaut.

Es war eine Partie, in der nicht viel ging, über weite Strecken des Spielverlaufs ein ordentliches Gewürge und Gebolze. Was allerdings nur zum Teil an der Qualifikation des kickenden Personals auf dem Rasen gelegen haben mag, zum anderen Teil am Rasen selbst. Der war nämlich mindestens zur Hälfte schneebedeckt. Und warum? Schließlich verfügt die esprit-Arena ja über ein Dach. Das wurde auch ganz schnell am Donnerstag vor der Partie geschlossen, als die Unwetter-Warnungen für NRW über die Äther verbreitet wurden. Genau die richtige Maßnahme, NRW versank im Schnee und zumindest verkehrstechnisch im Chaos, aber der Rasen in der Arena blieb schön grün. Am Samstagmorgen, einige Stunden vor dem Spiel, entschloss man sich, dem Rasen noch etwas Licht und Luft zu gönnen, zumal an jenem Morgen auch die Sonne schien. Somit kurbelte man das Dach auf – und guckte anschließend ziemlich sparsam, als man es wieder schließen wollte, es ging nämlich nicht. Offizielle Lesart: der Schließmechanismus war eingefroren. Na klar. So ein Dach ist schließlich nicht für Sibirien konstruiert. Das sind so Sachen im Leben, die glaubt man eigentlich nicht, weil man sie für puren Slapstick hält. Bei Kinofilmen würde man dem Drehbuchschreiber an dieser Stelle vorwerfen, billige Lacher aufgrund von realitätsfernen Situationen zu produzieren. Denn es wurde ja noch besser: kaum hatte man festgestellt, dass sich das Dach nicht mehr schließen ließ, war Schluss mit Sonne. Es begann zu schneien, und nicht nur drei Flocken, sondern richtig heftig und auch andauernd. Deshalb war dann der Platz eben doch schneebedeckt und schwer zu bespielen. Genau um so etwas zu vermeiden, dafür gibt es ja die Möglichkeit des vorherigen Dachschlusses. Aber eben nicht unbedingt bei uns.

Um es ganz klar zu sagen, auch ich bin ein großer Freund des Freiluftsports Fußball. Nur weil eventuell ein paar Zuschauer frieren könnten, würde ich noch lange nicht das Dach schließen. Wenn aber solche Schneemassen runterkommen, dass vielleicht nicht das Spiel an sich, aber die Gesundheit der Kicker auf dem Rasen ein wenig gefährdet wird, vom Spielfluss mal ganz abgesehen, und man hat schon solch ein verschließbares Ding – also an jenem Wochenende herrschte genau die Witterung, bei der ein Dach tatsächlich Sinn gemacht hätte. Also ca. einmal im Jahr kann man das Teil wirklich gebrauchen, dann funktioniert es nicht. Können sie dann meiner Meinung nach auch gleich ganz abreißen. Hätte den positiven Nebeneffekt, dass mit dieser Maßnahme auch der unsägliche ESC Geschichte wäre. Ein echter Schildbürgerstreich zum Abschluss der Hinrunde. Somit also trotz Dach auf schneeglattem Untergrund, grün, weiß oder grün-weiß, je nachdem auf welchem Teil des Spielfeldes man sich befand.

Dementsprechend gibt es auch vom Spiel nicht viel zu berichten. Von der ersten Halbzeit schon mal gar nichts, mit Ausnahme der nächsten Slapstick-Einlage von Keeper Melka, der einen grandiosen Fehlpass am eigenen Strafraum spielte, seinen Fehler aber anschließend selbst wieder ausbügeln konnte, indem er den Schuss von Haas aus halblinker Position im Strafraum gut parieren konnte. Ach ja, und Langeneke holte sich mal wieder Gelb wegen Meckerns ab, ich hoffe, der nutzt die Winterpause wirklich, um sich auf die Couch zu legen. Normal ist das wirklich nicht, noch nicht mal bei uns.

In der 2. Halbzeit wurde es dann langsam besser. Die erste richtig gute Chance für die Fortuna resultierte denn auch aus einem Freistoß, den Patrick Zoundi von halblinks schön flach an der Mauer, an Freund und Feind und leider auch knapp am Tor vorbei setzte. Dann gab es noch ein nettes Tohuwabohu, als die Fürther in einer Situation den Ball nicht wegbekamen, drei Fortunen mit dem Versuch scheiterten, die Kugel aufs Greuther Tor zu bringen, zum Schluss kam Fink noch zum Schuss, und dessen Flachgeschoss fand dann auch den Weg durch die vielbeinige Fürther Abwehr – leider genau auf Torwart Grün, der den Ball sicher festhalten konnte. Von den Gästen war in der zweiten Halbzeit nicht viel zu sehen, man hatte den Eindruck, die seien mit dem einen Punkt zufrieden. Dies bestätigte deren Trainer, Ex-Fortune Mike Büskens, nach dem Spiel auch, und da muss ich dann doch sagen: wer als Aufstiegsfavorit bei einer Mannschaft aus dem unteren Mittelfeld antritt und keine Notwendigkeit sieht, das Spiel vielleicht gewinnen zu wollen, der darf sich auch nicht wundern, wenn ihm solch ein Spiel in der Endabrechnung fehlt und wieder mal nur Platz 5 rausspringt.

In der 73. Minute geschah dann das, womit vielleicht auch die Fürther nicht mehr gerechnet hatten: dass die Fortuna schnell umschalten und einen Spielzug auch sauber zu Ende spielen kann. In Höhe der Mittellinie hatte ein Fürther den Ball quer auf Fortunas linke Seite gelegt, allerdings versehentlich in den Rücken seines Mitspielers. Dessen Gegenspieler, der eingewechselte Sascha Dum, schaltete schneller als sein Gegenüber, wechselte die Laufrichtung, holte sich die Kugel und spielte anschließend schnell weiter in den Lauf von Johannes van den Bergh, der von seinem vorherigen Vorstoß auf der linken Seite dort grad noch so praktisch rumstand. Und der Jojo, der schon mit einer (für seine Verhältnisse) unfassbar guten Flanke das Siegtor gegen Karlsruhe vorbereitet hatte, holte sich diesmal den Scorer-Punkt mit einer noch besseren Aktion: er spielte den Ball flach in den Strafraum, aber schön diagonal in den Rücken der Abwehr. Die Fürther hatten sicherlich an vieles gedacht, daran leider nicht. Im Gegensatz zu unserem Youngster: U-20-Nationalspieler Maxi Beister hatte sich im Strafraum rechtzeitig ein wenig zurück fallen lassen, und schoss die Kugel aus der Drehung und ca. 12 Metern flach rechts unten ins Eck zum Goldenen Tor. Von Balleroberung bis Treffer keine zehn Sekunden – ja, auch so geht das manchmal bei uns. Und da es das erste Mal in diesem Spiel war, war der Gegner auch entsprechend überrascht.

Tscha, und das hätte es dann sein können, hätte es die Schlussphase nicht gegeben. Zunächst mal wäre wohl nichts Aufregendes mehr passiert, wenn Marcel Gaus in der 87. Minute das 2:0 gemacht hätte. Außerdem hätte sich Torwart Melka dann seinen ersten Scorer-Punkt in dieser Saison gesichert. Sein weiter Abschlag aus dem Handgelenk heraus überflog nämlich einen Großteil der aufgerückten Gäste-Abwehr und plumpste genau in den Lauf des jungen Stürmers, der kurz zuvor für Torschütze Beister eingewechselt worden war. Gaus hatte noch einen Gegenspieler neben sich, der aber nicht mehr an den Ball kommen konnte, und Torwart Grün vor sich. Und es wiederholte sich das alte Lied: wenn der Mann alleine auf den Torwart zustürmt und zuviel Zeit zum Nachdenken hat, dann wird’s nix. Diesmal bekam er den Ball nicht unter Kontrolle, konnte aber noch irgendwie abschließen, und dann hatte er einfach nur Pech, dass sein Kopfball-Heber an den linken Pfosten prallte. Wie gesagt, das war Pech, was er zum wiederholten Male binnen des letzten halben Jahres aus einer solchen 1:1-Situation machte, allerdings nicht. Er scheint mit solchen Situationen wirklich noch überfordert zu sein. So erzielte er seine drei Treffer in der letzten Saison ausschließlich in Situationen, in denen er umgehend zum Abschluss kam. Nun ist der gute Mann gerade mal 22, also unbedingt noch lernfähig. Ich hoffe, er packt es endlich mal. Hätte er alle seine 1:1-Situationen in dieser Saison genutzt, wäre er aktuell unser erfolgreichster Torschütze. Also, mach et, Gausi!

Anstatt der erhofften Ruhe für die letzten Minuten war also weiter zittern angesagt, was der Schiri mit seiner – sicherlich berechtigten – Nachspielzeit von drei Minuten auch nicht wirklich einzudämmen vermochte. Und in der Nachspielzeit kam es auch noch zu den zwei entscheidenden Szenen. Zunächst eine Parade aus der Champions League von Torwart Melka, als der eingewechselte Fürther Sturmtank Nöthe aus kurzer Distanz zum direkten Abschluss kam. Melka tauchte ab und konnte die Kugel mit der rechten Hand am rechten Pfosten vorbei lenken. Sensationell. Das sind so Reflexe, da weißt du als Torwart wahrscheinlich hinterher selbst nicht so genau, wie du das gemacht hast. So einen dann aber bei 1:0-Führung in der 90. Minute auch noch rauszuholen, das war schon besondere Klasse.

Nur schade, dass er einige Sekunden später eigentlich genau das, was er mit seinen Händen aufgebaut hatte, mit dem Hintern wieder umgestoßen hätte. Und nicht nur er, die gesamte Abwehr hätte sich den Jahresabschluss beinahe noch selbst versaut, hätte nicht der zweite Schildbürgerstreich des Tages gegriffen. Nach der Melka-Parade gibt es natürlich noch einmal Eckball für Fürth. Diese fliegt in den Strafraum, wird aber schon am kurzen Pfosten vom ebenfalls eingewechselten schönen Claus per Kopf geklärt. Leider wird daraus ein direkter Rückpass, der exakt beim Eckenschützen wieder ankommt. Der pflückt den Ball runter, wiederholt den Eckball quasi noch mal – und dann ist in unserer Abwehr wieder „Standarditis“, eine seltsame Störung, die man eigentlich schon bereinigt glaubte.

Denn die Flanke fällt auf den Kopf des Fürther Torwarts Max Grün. Jawohl, der stürmte in der Zwischenzeit auch mit, und das hat wohl in unserer Abwehr noch nie jemand gesehen. Auf jeden Fall steht der Mann dermaßen völlig frei im Strafraum, das muss man wirklich gesehen haben, man glaubt nicht, dass das im Anschluss an einen Eckball passiert. Alle sind sie nach der ersten Abwehr von Costa auseinander gelaufen, keiner hat den Torwart im Blick. Grün steht also völlig frei und setzt den Kopfball auf die lange Ecke, nicht sonderlich platziert, aber der Mann ist nun mal Torwart, und dafür ist das schon sehr gut. Aber nicht wirklich gefährlich. Eigentlich. Denn plötzlich rauscht der – ebenfalls – eingewechselte Felix Klaus heran und streckt die Fußspitze aus. Er berührt den Ball zwar nicht mehr, irritiert damit allerdings Melka, der sich den eigentlich harmlosen Ball anschließend quasi selbst reinwirft. Und dann froh ist, dass der Schiri-Assistent sofort die Fahne gehoben hat. Klaus im Abseits, und bei seiner Aktion natürlich auch klar aktiv, somit keine Frage.

Was anschließend keine Frage ist, ist die Tatsache, dass es sich um eine Fehlentscheidung handelt. Beim Kopfball von Grün steht Klaus nämlich nicht im Abseits, es ist noch nicht einmal gleiche Höhe. Eine ganz dicke Fehlentscheidung zu Gunsten der Fortuna. Und schade für Torwart Grün, der dadurch um sein erstes Feldtor gebracht wurde, auch wenn es wohl eher ein Eigentor von Melka gewesen wäre, der nur eine Minute nach seiner Weltklasse-Parade bei diesem Kopfbällchen völlig die Orientierung verloren hatte. Riesenglück für die Fortuna, ein Dusel, der in diesem Fall wirklich den Sieg rettete, denn nur wenige Sekunden später war das Spiel zu Ende und wir hatten gewonnen. Sehr glücklich gewonnen, aber irgendwie auch nicht unverdient, da wir in der 2. Halbzeit wesentlich mehr investierten als die Gäste, die allen Ernstes mit einem Punkt zufrieden gewesen wären.

Fürths Trainer Mike Büskens war nach dem Spiel natürlich zu Recht leicht verstimmt, als er diese Szene ansprach, sie allerdings lediglich mit: „Da hat einer was entschieden, und das war wohl falsch“, würdigte, weil er befürchtete, es könne ansonsten „teuer werden“. Sein Ärger ist nachvollziehbar, würde jedem anderen in seiner Situation genauso ergehen. Da nutzt es auch nix, dass Schiri Grudzinski und seine Fahnenschwenker eh einen ganz schlechten Tag erwischt hatten, was allerdings besonders in der ersten Halbzeit erstaunlich oft zu sehr fragwürdigen Freistößen für Fürth führte (das sind noch Alliterationen, oder?), im Zweifelsfall entschied der gute Mann sich stets für den Gegner, auch wenn es manchmal leicht lachhaft erschien; dafür pfiff er uns gleich dreimal einen klaren Vorteil ab. Vielleicht wollte er sein Konto in der zweiten Halbzeit ausgleichen, als er ein einziges Mal zu unseren Gunsten falsch entschied – leider war es die Spiel entscheidende Szene, die dann natürlich einen bitteren Beigeschmack hinterlässt.

Jaja, hätte Gaus kurz vorher bloß das 2:0 gemacht, dann hätten wir uns damit nicht mehr rumärgern müssen. Klaus stand bei dem Kopfball von Grün übrigens natürlich deshalb nicht im Abseits, weil noch ein Fortune näher zum Tor stand als er. Dieser Fortune, der das Abseits aufhob war –Marcel Gaus, und ich nehme mal an, der wird an jenem Abend wirklich ein Kerzlein in seiner Heimatkirche angezündet haben. Und hat hoffentlich die 87. bis 91. Minute dieses Spiels mittlerweile komplett vergessen. Wäre wohl besser so, auch fürs Weihnachtsfest.

Fortuna-Coach Norbert Meier brachte Büskens nach dem Spiel durchaus Verständnis für dessen Unmut entgegen, verwies aber, als das Gespräch auf „Vorweihnachtliche Geschenke des Christkinds“ kam, zu Recht auf unser letztjähriges Gastspiel in Fürth. Meier: „Wir sind auch mal nach Fürth gefahren, im letzten Jahr. [Anfang Oktober, Anm. d. Verf.] Da war zwar auch noch nicht Weihnachten, aber da hat das Christkind auch säckeweise abgeladen.“ Was nun wiederum Büskens etwas verwirrte, was wiederum nicht verwundert, da er in der letztjährigen Hinrunde noch gar nicht Trainer in Fürth war und deshalb gar nicht wusste, wie sehr wir damals am Ronhof verpfiffen wurden. Ausgleichende Gerechtigkeit eben. Diesmal Fürth im Pech, wir im Glück. That’s life.

Fortuna schließt somit die Hinrunde mit 22 Punkten auf Platz 11 ab, und dies nach sechs Auftaktniederlagen in Folge, ein gerade unfassbar gutes Zwischenergebnis nach 17 Spielen. In den letzten vier Spielen (drei Siege, ein Remis) kassierte Torwart Melka kein einziges Gegentor, bei Spielen in der esprit-Arena gab es nach den drei Auftaktniederlagen fünf Heimsiege am Stück mit ebenfalls null Gegentoren. Die Abwehr ist mit 18 Gegentreffern mittlerweile schon wieder die fünftbeste der Liga (gemeinsam mit Aue und dem FSV Frankfurt), nur Hertha BSC (13), Fürth (15) sowie Duisburg und Augsburg (je 16) sind besser. Im Sturm steckt somit nachweislich der Wurm, ganze 14 Treffer gelangen in den 17 Spielen. Aufgrund der stabilisierten Abwehr sind wir natürlich sehr effektiv: die 14 Törchen reichten für 22 Punkte. Einen besseren Schnitt hat nur Aufsteiger Erzgebirge Aue, der aus 19 Toren fette 31 Punkte machte. Trotz dieser gnadenlosen Effektivität muss im Sturm nachgebessert werden. Denn es ist ja schön, dass sich die Abwehr mittlerweile gefangen hat. Wenn allerdings ausgerechnet das allerletzte Bild, das man vom Defensivverbund ins neue Jahr mitnimmt, dasjenige ist, wie diese „sichere Abwehr“ den gegnerischen Torwart völlig frei aufs Tor köpfen lässt und der „sichere Torwart“ sich den Ball selbst reinwirft, dann weiß man, dass man sich nicht zu früh in Sicherheit wiegen sollte. Nur mal kurz zu Beginn der Rückrunde eine ähnliche Serie hingelegt wie im August und September, und der Spaß geht wieder von vorne los. Man hat ein kleines Polster auf Platz 16 von mindestens fünf Punkten, vielleicht sogar sechs (das entscheidende Spiel um Platz 16, Union Berlin gegen den Karlsruher SC, war bei Redaktionsschluss dieses Spiels noch nicht beendet). Das ist nicht viel und darf nicht zu Übermut führen. Das ist aber schon wesentlich mehr als man nach sechs Spieltagen erhoffen durfte. Vergleichen wir kritisch: nach den ominösen sechs Auftaktniederlagen hatten wir drei Punkte Rückstand auf Bielefeld, drei auf Ingolstadt, vier auf Paderborn, fünf auf Union Berlin, jeweils sieben auf Karlsruhe und Osnabrück sowie 13 (!) auf RW Oberhausen. Die haben wir alle kassiert und überholt, aber ausruhen darf man sich darauf nicht. Es war oft nicht schön anzusehen, das Ergebnis stand im Vordergrund, aber Kampf und Leidenschaft war allen Spielern wirklich nicht abzusprechen. Nun wollen wir hoffen, dass es im neuen Jahr so weitergeht, damit man sich nicht mehr allzu lange Sorgen um den Klassenerhalt machen muss. Dann kann sich auch die Vorfreude auf die nächste Saison mit Köln und Mönchengladbach früher entwickeln.

Und das war janus’ kleine Welt im Jahr 2010. Ich hoffe, es war wie immer nicht allzu anstrengend, meinen ausschweifenden Berichten über die beste Mannschaft der Welt zu folgen, und wenn es auch noch ein bisschen Spaß gemacht hat, wäre ich schon zufrieden. Ich danke wiederum allen Lesern, die auch im Jahr 2010 meine Berichte angeklickt haben, obwohl es weiterhin keine Bildchen gratis dazu gibt. Aber da wird man bei anderen Quellen ja problemlos bedient. Ich kann halt nicht so sehr aus meiner Haut.

Ich wünsche allen Lesern ein schönes, besinnliches Weihnachtsfest und anschließend einen guten Rutsch ins neue Jahr. Vorher natürlich noch viel Spaß mit dem uralten deutschen Liedgut der Vorweihnachtszeit: „Stille Nacht, heilige Nacht“, „O Tannenbaum“ und „Last Christmas“ von Wham.

Und niemals vergessen: Fortuna Düsseldorf – alles Andere ist (nur) Fußball!

Rot-weiß ist der Weihnachtsmann, und rot-weiß grüß auch ich: janus

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