26.-30. Spieltag

Kein Tag für Großchancen

Am Samstag, den 13.03.2010, reiste man nach Frankfurt, um sich beim dortigen FSV mal kurz vorzustellen. Mit diesem „kurz“ meine ich eigentlich, dass ich von Bonn aus natürlich eine relativ kurze Anreise hatte, mit Müh und Not grad mal 200 km. Ein Katzensprung also. Der Katzensprung war nach zügiger Fahrt über die A 3 und anschließendem Wechsel auf die A 661 am Offenbacher Kreuz dann genau an der Ausfahrt zu Ende, die man zum Stadion nehmen musste, da staute es sich nämlich bereits anderthalb Stunden vor Spielbeginn bis auf die Autobahn zurück. Sensationelle Verkehrsführung in Frankfurt-Bornheim, besonders für Auswärtige. Andererseits kann ich verstehen, dass dort alles so eng und unübersichtlich ist, mit zwei Abfahrtsspuren, die sich anschließend auf drei erweitern, dann sogar auf vier, die dann allesamt von einer roten Ampel gestoppt werden, bevor es in Hauptrichtung nur noch zweispurig weitergeht, dann aber nicht mehr geradeaus, sondern mehr so halbrechts, zügig durchzuführende Spurwechsel inklusive…da will im Normalfall kein Mensch hin, deshalb braucht man sich wohl auch keine Mühe bei der Verkehrsführung zu geben. Das Stadion steht in einem Gewerbegebiet, auch noch so unglücklich an einer Stelle, an der die Straße einen Knick macht, sodass ein wenig „Sackgassen-Feeling“ aufkommt, sobald sich mehr als vier Autos dort um die Kurve quälen müssen, zusätzlich rechter Hand noch eine fette Baustelle, also so richtig anheimelnd sieht das nicht aus. Immerhin bekam ich einen Parkplatz auf dem Gelände der benachbarten Metro, welches übrigens gleichzeitig auch der offizielle Parkplatz P 3 des FSV ist. Die Ordner waren alle nett, allerdings sichtlich überfordert mit den „Menschenmassen“. Am Ende waren es 8.000 Zuschauer, darunter ca. 4.500 Fortunen. Also quasi ein Heimspiel.

Beim Anblick des Stadions wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Das Ding heißt ja jetzt Volksbank Arena und ist komplett umgebaut worden – dachte ich. Tatsächlich scheint man aber nur an den Tribünen gewerkelt zu haben, die Haupttribüne wurde ein wenig aufgemotzt und die Stehränge hinter den Toren sind auch neu gemacht. Meine Frage, warum man dafür über ein Jahr brauchte (der FSV musste in der gesamten letzten Saison seine Heimspiele im Stadion von Eintracht Frankfurt austragen), blieb allerdings unbeantwortet. Vor dem Stadion außen und im Unterbau ist nämlich absolut nichts geschehen. Wer sich dort mal zum Beispiel die Toiletten angeschaut hat, der kann das allerhöchstens akzeptieren, wenn die unter Denkmalschutz stünden. Aber in einem angeblich 10 Millionen Euro schweren Um-/Neubau? Unglaublich eigentlich. Und wie gesagt, ein Jahr Umbauzeit für die paar Sachen, die dort augenscheinlich nur gemacht worden sind? Ich dachte, so was gibt es nur in Wuppertal. Aber vielleicht hat`s ja für die neue VIP-Lounge so lange gebraucht, denn die wurde, im Gegensatz zu den sanitären Anlagen für Normalsterbliche, natürlich nicht vergessen.

Auch organisatorisch wurde der ein oder andere Kracher geboten. So hatte die Frankfurter Polizei zuvor einen Offenen Brief an die Düsseldorfer Fan-Szene verfasst, in dem die wichtigsten Verhaltensregeln und Anfahrtsmöglichkeiten mit Bus und Bahn sowie mit dem Auto aufgezählt wurden. Eine gute Sache, wenn man im Vorfeld schon mal mit den Infos rüberkommt, finde ich. Besonders beeindruckend fand ich dabei den Hinweis für Autofahrer, dass das Stadion aufgrund des Umbaus noch nicht ausreichend ausgeschildert sei. Da fragt man sich natürlich schon, ob die mitbekommen haben, dass das Stadion auch vorher schon an exakt derselben Stelle stand, da es sich ja nicht um einen Neu-, sondern eben um einen Umbau handelt. Worauf die uns hinweisen wollten, war wahrscheinlich die wirklich verdammenswerte Tatsache, dass noch nicht auf allen Schildern der neue Stadionname zu finden ist. Tja, wenn man alte Schilder abnimmt und nicht, weil man schon mal in der Gegend rumsteht, gleichzeitig ein paar neue aufhängen kann, dann ist das wirklich sehr bedauerlich. Aber es haben ja trotzdem alle rechtzeitig hin gefunden.

Der nächste Witz war ich selbst. Am bewussten Metro-Parkplatz P 3 erhielt ich nämlich einen Briefumschlag mit Eintrittskarte. Die Karte war groß, übersichtlich und enthielt alles an Informationen, was ich brauchte – bis auf eins, die nähere Bezeichnung von Block, Reihe und Platz, die stand nicht drauf. Fürsorglich hatte der Gastgeber dies jedoch nachgeholt und die genaue Bezeichnung meines Sitzplatzes schön deutlich – auf den Briefumschlag gemalt. Und so stand ich anschließend erstmals in meinem Leben mit einem Briefumschlag in der Hand auf einer Tribüne, um einen Sitzplatz zu suchen. Ich wette, die Einheimischen haben sich totgelacht. Aber muss ja.

Abenteuerlich war auch das, was die noch während des Warmlaufens beider Teams mit dem Rasen veranstalteten. Ein ganzer Trupp Ordner schwärmte aus, die eine Hälfte mit einer überdimensionalen zweizinkigen Gabel bewaffnet, die hier und da in den Rasen gestochen wurde, die andere Hälfte trottete brav mit Spaten hinterdrein und klopfte den Rasen wieder fest. Also entweder war dies das offizielle Torfstecher-Seminar der Volkshochschule Frankfurt oder es wurde schon mal der Sommerweizen auf traditionelle Art und Weise gesät. Ich weiß es nicht, aber es sah schon ein wenig komisch aus.

Bei so vielen skurrilen Vorzeichen war schon klar, dass kein normales Spiel folgen konnte. Nun war das 0:2, welches die Fortuna anschließend kassierte, zwar keineswegs unnormal, schließlich haben wir schon so manches Auswärtsspiel in dieser Saison vergeigt. Das Ungewöhnliche dabei war eher, dass wir dieses Spiel, höflich geschätzt, 5:2 hätten gewinnen müssen, eigentlich noch höher. Was die Truppe diesmal an hochkarätigen Chancen vergab, ging auf keine Kuhhaut mehr. Martin Harnik, seit Monaten überragender Spieler mit Torriecher in unseren Reihen, hätte fünf Buden machen müssen. Es ist immer wieder beeindruckend zu sehen, wie der Mann sich seine Chancen selbst erarbeitet, aber diesmal versagten ihm die Nerven vor dem Tor komplett. Allein dreimal tauchte er völlig frei vor Torwart Patrick Klandt auf, dreimal scheiterte er. Der hätte durch dieses Spiel den Augsburger Michael Thurk in puncto Torjägerkanone noch mal richtig zittern lassen können. Allerdings war er nicht der einzige Fortune, der an jenem trüben Samstagnachmittag die Chancen vergab. Egal, wer aufs Tor schoss oder köpfte – Klandt war schon da, oder die Bälle gingen gleich am Tor vorbei bzw. drüber. Und als einer dann tatsächlich mal alles richtig machte, nämlich der eingewechselte Dmitri Bulykin, da war es auch nicht richtig genug: in der 75. Minute lupfte er nämlich die Kugel über den aus dem Tor geeilten Klandt, der vor Harnik zu kurz geklärt hatte, aus ca. 20 Metern Entfernung wunderbar Richtung leeres Tor, nur um die Latte zu treffen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war klar, die konnten noch drei Stunden weiterspielen, an jenem Tag würden sie das Tor nicht mehr treffen.

Apropos „Tor treffen“, da muss ich ja doch was über die Gastgeber schreiben. Dies fällt eigentlich schwer, denn genau genommen war von ihnen in Strafraumnähe so ungefähr 88 Minuten nicht das Geringste zu sehen. Musste an diesem Tag auch nicht. Genau dreimal wurde es wirklich gefährlich für das Fortuna-Tor, zweimal war der Ball drin, auf nahezu identische Weise. Nach einer Ecke und nach einem Freistoß bekamen die Fortunen den Ball nicht weg, es wurde munter im Strafraum gestochert und irgendwie der Ball zweimal über die Linie gewürgt, einmal flach, einmal hoch. In beiden Fällen hieß der Torschütze Cidimar, einmal in der 23. Minute, einmal in der 63. Minute, und das Ding war durch. Charakteristisch für das Spiel war, dass die dritte Chance der Frankfurter, Ende der ersten Hälfte, eigentlich die größte war und dementsprechend ebenso kläglich vergeben wurde wie wir unsere Großchancen versiebten: nach einem langen Ball gab es ein Missverständnis der Marke „Nimm du ihn, ich hab ihn sicher!“ zwischen Innenverteidiger Anderson und Torwart Ratajczak, welches dazu führte, dass Ratajczak knapp außerhalb des Sechzehners mit dem Fuß gegen Stürmer Mölders klären musste. Ratajczak schoss den Frankfurter an, der Ball flog Richtung leeres Tor, allerdings doch ein gutes Stück rechts davon, Mölders sprintete hinterher und brachte dann das Kunststück fertig, die Kugel aus fünf Metern und zugegeben spitzem Winkel gegen das Außennetz des leeren Tores zu setzen. Warum er den Ball nicht ganz gemütlich stoppte und mit ihm gemeinsam die Torlinie überquerte, wurde er nach dem Spiel leider nicht gefragt.

Erwähnenswert wäre auch noch ein „Torschuss“ des Frankfurters Alexander Voigt, der in der ersten Halbzeit aus knapp 20 Metern, halblinke Position abzog. Daraufhin gab es Einwurf auf der rechten Spielfeldseite – und zwar auch 20 Meter vor dem Fortuna-Tor. So ein Spiel war das, so schlecht waren die Gastgeber, und trotzdem war der Sieg eigentlich relativ ungefährdet, weil sich die Unsrigen diesem Gekicke größtenteils anpassten und selbst wenn sie mal die unglaublichen Löcher in der Deckung der Gastgeber ausnutzten, dann trafen sie ja doch nichts. Eine der überflüssigsten Niederlagen, die ich in den letzten Jahren miterleben musste – und dazu noch richtig ärgerlich, weil Bielefeld am Abend zuvor in Aachen verloren hatte (nachdem man zwei Tage vorher Trainer Gerstner entlassen hatte, der dürfte jetzt eigentlich auf deutschem Boden nie wieder ein Team betreuen, wenn er sich selbst Ernst nehmen würde). Am Tag darauf gewann St. Pauli 5:3 gegen Oberhausen und stellte den Abstand zu Platz 3 wieder auf fünf Punkte. Das war es dann wohl mit dem Aufstieg.

Apropos „Das war es dann wohl“: der ein oder andere Leser mag erstaunt festgestellt haben, dass der Name Dmitri Bulykin mal wieder gefallen ist. In der Tat, nach fünf Monaten Verletzungspause war der Russe am Start, allerdings auch eher zwangsweise, denn er musste Mitte der ersten Halbzeit für den verletzten Jovanovic rein. Dieser spielte zum ersten Mal seit seinem Muskelfaserriss wieder von Beginn an. Und dann passierte exakt dasselbe wie Anfang Februar im Spiel gegen Duisburg: ein Sprint, ein plötzliches Abbrechen, ein Fall ohne Einwirkung eines Gegenspielers, kurze Behandlung, aus. Sogar die Position links in der gegnerischen Hälfte war dieselbe. Da überrascht es nicht wirklich, dass auch die Verletzung exakt dieselbe war, Muskelfaserriss im linken Oberschenkel. Die Feststellung, wer da jetzt gepfuscht hat, dürfte interessant sein. Wieder drei bis vier Wochen Pause für Jovanovic.

Und da Bulykin sich in den letzten fünf Monaten im Gegensatz zu Harnik und Jovanovic nicht in die Herzen der Fans und der Medien hatte schießen können, wurde er auch gleich von beiden Seiten mit größter Selbstverständlichkeit zum Sündenbock erklärt. Er gehört halt nicht zu der Knuddeltruppe, die alle sooo lieb gewonnen haben. Ich selbst fand ihn nach so langer Pause gar nicht mal so schlecht, klar ist der eher ein Standfußballer, sprinten lernt der nicht mehr, aber er gewann die Mehrzahl seiner Kopfballduelle und legte immer wieder gut zu den Mitspielern ab. Da dies allerdings nicht ganz so spektakulär aussieht, wurde ihm von allen Seiten mangelnder Einsatz vorgeworfen. Ja nee, is klar. Dass bei einigen Fans so langsam der Übermut hochkommt, kann man ja noch verstehen, auch wenn ich persönlich finde, dass es fast nichts Lächerlicheres geben kann, als als Aufsteiger dermaßen weit die Klappe aufzureißen. Dass die einheimischen Medien dann aber noch mitspielen, ist schon eher bedenklich. Der Heilige St. Lambertz mit einer absoluten Grottenvorstellung, nicht die erste in dieser Saison – kein Wort darüber. Der Heilige St. Harnik vergab eine Hundertprozentige nach der anderen – egal, wer so schön Selbstkritik nach dem Spiel übt, der wird natürlich geschont. Und was sich die Abwehr bei den Gegentoren gedacht hat, hätte mich auch mal interessiert, leider fragte keiner. Man hatte ja den Reservisten, der zum ersten Mal seit einem halben Jahr wieder ein Spiel machen durfte. Wie einfach. Und wie erbärmlich.

Am 16.03.2010 zog die DFL Arminia Bielefeld wegen Verstößen gegen Bestimmungen der Lizenzierungsordnung im Nach-Lizenzierungsverfahren der Spielzeit 2009/2010 vier Punkte ab und belegte den Club außerdem mit einer Geldstrafe von 50.000 Euro. Bielefeld akzeptierte die Strafe sofort, da liegt wohl finanziell einiges im Argen. Und schon lagen sie zehn Punkte hinter dem Relegationsplatz zurück. Nicht übel für ein Verein, dessen (Ex-) Trainer vor Saisonbeginn locker Platz 1 (nicht „Aufstiegsplatz“) als Ziel ausgegeben hatte. Offenkundig hatte man ihn Ernst genommen und gleich die Fernsehgelder für die kommende Erstliga-Saison mit verplant. Wohl dem, der solch einen gesunden Optimismus hat…außer natürlich, wenn es schief geht.

Damit nicht genug: in derselben Woche verkündete Herr Hellmich, Präsident des MSV Duisburg, dass man bei einem Nichtaufstieg des Vereins in der nächsten Saison nur noch mit einem Spieleretat von knapp fünf Millionen Euro an den Start gehen würde. Dies entspricht in etwa unserem Etat – letzte Saison in der 3. Liga. Wo in Hellmichs weit verzweigten Unternehmen sich jetzt gerade diese Finanzlücke aufgetan hat, ist mir zu komplex, um es näher zu ergründen. Augenscheinlich wurde aber auch hier vorsichtshalber schon mal die Erstliga-Kohle von nächster Saison mit eingerechnet, bei den markigen Worten des (Ex-) Trainers Peter Neururer zu Beginn der Saison ebenfalls kein Wunder. Immer wieder unglaublich, wie sich angeblich wirtschaftskompetente Fachleute von ihrer sportlichen Leitung blenden lassen, weil sie selbst anscheinend nichts davon verstehen. Ich weiß, wovon ich rede, von dieser Sorte hatten wir schließlich in der Vergangenheit auch genug.

Und weil`s so schön ist…einige Tage später verkündete Michael Meier, offizieller deutscher Rekordhalter, wenn es darum geht, einen Verein an den finanziellen Abgrund zu führen, im Nebenberuf Manager des 1.FC Köln, dass auch sein Club vor der nächsten Saison eine neue Anleihe würde aufnehmen müssen, würde man doch noch absteigen. Danach sieht es ja derzeit nicht unbedingt aus, aber so wie ich die kenne, haben die nicht nur vor der Saison schon den sicheren Klassenerhalt, sondern auch die zu erwartenden EuroLeague-Einnahmen für die nächste Saison in die finanzielle Planung einbezogen. Immer wieder diese verfluchte Zockerei solcher Gernegroß-Fachleute, die schließlich stets auf dem Rücken der Fans ausgetragen wird. Denn wenn das Geld weg ist, sind auch stets diejenigen weg, die es verzockt haben. War ja nicht ihr eigenes, meistens jedenfalls nicht. Nun, Duisburg kann noch aufsteigen, und Köln dürfte trotz teilweise unterirdischer Leistungen mit Super-Poldi nicht absteigen, weil man in den Spielen ohne die Prinzenrolle genug Punkte gesammelt hat. Die könnten also beide mit einem blauen Auge davon kommen. In Bielefeld muss man abwarten, ob man vielleicht zur neuen Saison sponsorentechnisch wieder etwas reißen kann. In der allgemeinen Beliebtheitsskala werden sie sicherlich ein paar Pluspunkte gesammelt haben, nachdem sie ihren leicht verfolgungswahn-angehauchten Trainer in die Wüste geschickt haben.

Ein 0:0 der besseren Art – leider genauso nutzlos

Am 22.03.2010 wartete endlich mal wieder ein Montagsspiel auf uns. Diese lustigen Partien um 20.15 Uhr, bei denen zumindest das DSF noch nie gewagt hat, mal öffentlich zu fragen, warum Spitzenspiele zu diesem Termin regelmäßig nicht ausverkauft sind.

Eigentlich war das Spiel Fortunas letzte Chance, noch mal oben dran zu bleiben. Augsburg hatte gewonnen, St. Pauli hatte gewonnen, der Rückstand auf Platz 3 betrug vor dem Spiel acht Punkte. Bei einem Sieg hätte man beide Teams im Blick behalten können, zumal ja am Ostermontag noch der FC St. Pauli in der Arena anmarschiert kommen würde.

Vor 35.100 Zuschauern holte Fortuna mit dem 0:0 einen Punkt gegen Kaiserslautern. Eventuelle Aufstiegsträume, die der ein oder andere Zuschauer gehegt haben könnte, durfte man nach diesem Spiel getrost ad acta legen. Aber darum ging es auch nicht.

Ich schreibe extra „holte einen Punkt“ und nicht „kam über ein 0:0 nicht hinaus“ oder ähnlichen Dünnpfiff, den ich schon kurz nach dem Spiel in diversen Online-Auftritten ebenso diverser Printmedien lesen durfte. Solche Meldungen und Schlagzeilen zeigen aber ganz gut, wohin wir gekommen sind: da holst du als Zweiliga-Aufsteiger einen Punkt gegen den designierten Erstliga-Aufsteiger, der die Kleinigkeit von 13 Punkten Vorsprung vor dir hat, bist besonders in der zweiten Halbzeit eigentlich die bessere Mannschaft und hättest den Sieg verdient gehabt, selbst der Gästetrainer spart nicht mit Lob („Wir haben gegen eine Wahnsinnstruppe gespielt“) – aber in der Berichterstattung heißt es dann, Fortuna verspielt wohl die letzte Aufstiegschance. Weil die Leute nur aufs Papier schauen. Gerne wird auch davon gesprochen, dass Fortuna einen möglichen Aufstieg durch ihre grottigen Auswärtsspiele verzockt habe, vorzugsweise von Leuten, die auswärts gar nicht dabei waren, weil es sich im Fernsehsessel halt viel gemütlicher analysieren lässt. Ich löse ein solches Problem eigentlich immer damit, dass ich solche Stimmen nicht sonderlich Ernst nehme, weil diese Leute, zusammen mit Presse und Fernsehen, eh nur zwei Dinge wollen: Unterhaltung und was Zählbares. Dass diese Einstellung allerdings in der 2. Liga derart rasant zunehmen würde, das hätte ich nicht gedacht. Auch nach dem Spiel gegen Kaiserslautern verschwanden die meisten Zuschauer unmittelbar nach Schlusspfiff, einige sogar schon vorher, obwohl es gerade zum Schluss richtig spannend wurde. Die fühlten sich anscheinend auch nur mäßig unterhalten, wohl weil nichts Zählbares dabei herumkam. Und weil einen dann der Nachbar zuhause, der ebenso viel Ahnung vom Fußball hat, nur mitleidig anguckt, wenn man sagt, man habe an jenem Abend ein sehr gutes Spiel zweier sehr guter Mannschaften gesehen. „Sehr gut? Bei 0:0? Geht doch gar nicht…“ Es macht müde und zermürbt einen. Langsam, aber stetig.

In der ersten Halbzeit war Kaiserslautern – mit 4.000 Gästefans angereist, eine schöne Kulisse – die spielbestimmende Mannschaft, ohne dass viel Gefahr in Strafraumnähe von ihnen ausging. Wenn es mal brenzlig wurde, dann meist nach Standardsituationen, die wir allerdings souveräner bereinigten als noch in Frankfurt. Fortuna kam im Spiel nach vorne eher selten durch, hatte aber auch da schon drei dicke Chancen. Zunächst scheiterte Harnik an Torwart Sippel, als die Lauterer nach einer Ecke klären konnten, der Ball aber wie ein Flummi wieder in den Strafraum zurück kam und von Innenverteidiger Rodnei beim Versuch, erneut zu klären, Harnik vorgelegt wurde, der nicht im Abseits stand und sich mit einem Lupferchen versuchte. Allerdings war Sippel schon früh aus dem Tor geeilt, konnte den Abstand zwischen sich und dem Stürmer entscheidend verkürzen und den Ball parieren. Des weiteren konnte sich Harnik einmal rechts im Strafraum durchsetzen, wollte von der Grundlinie aus in die Mitte passen, wo Oehrl zum Abstauben bereit stand – leider grätschte der andere Innenverteidiger, Martin Amedick, noch in den Pass und konnte ihn zur Ecke lenken. Und kurz vor der Pause schlief bei einer guten Ecke durch Christ von links die gesamte Lauterer Abwehr den Schlaf des souveränen Tabellenführers, als Oehrl heranrauschte und völlig frei aus fünf Metern zum Kopfball gekommen wäre, hätte er die Kugel nicht um Zentimeter verfehlt. Eine Führung war also durchaus möglich, allerdings musste man gut nach hinten absichern, weil Kaiserslautern immer wieder selbst zu gefährlichen Vorstößen ansetzte.

Dies änderte sich nach der Pause, als man vom Tabellenführer kaum noch etwas sah, und Fortuna mehr und mehr das Heft in die Hand nahm. Schon erstaunlich, wie die Truppe Kaiserslautern phasenweise hinten rein drängte und sich eine gefährliche Aktion nach der anderen erarbeitete. Dicke Chancen waren auch dabei, und Pech natürlich ebenfalls, oder soll man sagen, das sind so die Bälle, die beim Spitzenreiter eben nicht reingehen, beim Tabellenletzten jedoch schon? Christ hatte einen Freistoß aus halbrechter Position nach innen gebracht, einen dieser fiesen Bälle, die auf die lange Ecke drehen und bei denen der Torwart durch die Massen der vor ihm hoch springenden Spieler irritiert wird, von denen niemand den Ball berührt. Genau so kam es hier auch, Sippel machte sich noch lang, erreichte den Ball aber nicht mehr, der hüpfte gegen den linken Innenpfosten und rollte dann auf der Torlinie…auf der Torlinie…und weiter auf der Torlinie entlang, bis von Abwehrspieler Bilek geklärt werden konnte, dessen Fuß sich bei dieser Aktion zwar verdächtig weit hinter der Linie befand, der Ball allerdings eindeutig nicht in vollem Umfang. Da fehlten vielleicht fünf Zentimeter zum Siegtor. Aber selbst das hätte der – ansonsten gute – Schiri Fritz wohl auch nicht gegeben, denn das ist der Mann der zu Beginn des Jahres das unglaubliche „Tor“ von Christian Tiffert (MSV Duisburg) gegen den FSV Frankfurt gegeben hatte, obwohl dessen Heber gegen die Unterkante der Latte deutlichst vor der Torlinie den Boden berührte. Kann mir nicht vorstellen, dass ausgerechnet der bei einer solch knappen Angelegenheit auf Tor entschieden hätte, selbst wenn der Ball die erforderlichen fünf Zentimeter „mehr“ hinter der Linie gewesen wäre. Und man hätte es ihm auch nicht verübeln können, war eh kaum zu erkennen.

Aus der Rettungstat von Bilek und der anschließenden Fortsetzung des Spiels ergab sich ein weiterer Freistoß, nur Sekunden später, diesmal auf halblinker Seite, aber in Höhe des Strafraums. Diese Kugel zwirbelte Christ mal direkt als Torschuss aufs kurze Eck. Damit hatte Keeper Sippel zwar nicht gerechnet, aber mit einem echten Becker-Hecht tauchte er noch rechtzeitig ab, um den Ball mit beiden Fäusten von der Torlinie zu schlagen. Zwei Riesendinger binnen einer Minute. Es gab noch so manch weitere Chance im Verlauf des Spiels, die dickste ganz zum Schluss, als die Lauterer Abwehr nach flacher Hereingabe von rechts den Ball nicht schnell genug weg bekam, aber dann doch schnell genug ein Bein dazwischen halten konnte, als Fink aus fünf Metern einnetzen wollte. Auf der anderen Seite schaffte es Kaiserslautern in der zweiten Halbzeit genau einmal, aufs Tor zu schießen, aber diese Chance hatte es in sich: nach Ecke in der 92. Minute griff Ratajczak am Fünfmeterraum daneben, wurde allerdings für meine Begriffe zuvor auch unfair angegangen. Dem Schiri war es egal, dem eingewechselten Lakic auf Lauterer Seite auch, der setzte aus ca. acht Metern einen Fallrückzieher an, Ratajczak lag noch am Boden und war machtlos, aber zum Glück hatten sich zwei Fortunen auf der Torlinie postiert und einer konnte den Ball dann regelkonform abwehren. Das wäre natürlich ein ganz großer Witz gewesen, das Spiel in der Nachspielzeit noch zu verlieren, aber es hätte zum Verlauf gepasst. Alles in allem ein spannendes, gutes Spiel, allerdings natürlich mit dem unverzeihlichen Manko, dass es 0:0 endete. Das mag der Unterhaltungszuschauer eben nicht. Und geht daher lieber zügig nach Hause, anstatt der Mannschaft noch den Beifall zu geben, den sie sich zum wiederholten Male in dieser Saison redlich verdient hatte. Leistung nur gegen Gegenleistung – und zwar gegen eine, die man auf dem Papier sehen kann.

Fortuna nach diesem Spiel sieben Punkte hinter St. Pauli zurück, dazu noch seit über drei Spielen ohne eigenen Treffer, da durfte man einen möglichen Durchmarsch in die Erste Liga wohl endgültig ins Reich der Träume verweisen. Obwohl es eine richtig gute Leistung war. Ja, auch so etwas kommt vor. Man nennt das „Fußball“, und es scheint einige Leute sehr zu verwirren.

Für beide zu wenig

Am 27.03.2010 eröffnete Fortuna den Reigen der Auswärtsspiele gegen die Erstliga-Absteiger mit der Partie beim Karlsruher SC. Die waren zu Beginn der Rückrunde zunächst von allen guten Geistern verlassen, fingen sich aber dann wieder, und meldeten sich mit zwei Paukenschlägen zurück, indem sie erst in Bielefeld und anschließend gegen Augsburg gewannen. Karlsruhe somit auf dem aufsteigenden Ast, Fortuna mit derselben Variante, nur in absteigend.

Und da sich solch entgegen gesetzte Kurven gerne mal in der Mitte treffen, endete das Spiel denn auch schiedlich-friedlich 1:1. Endlich wieder ein Tor für Fortuna, das erste nach 403 Minuten, endlich mal wieder auswärts nicht verloren, insoweit alles ganz positiv. Im Endeffekt nutzte der Punkt beiden Teams jedoch nicht viel. Karlsruhe konnte sich nicht entscheidend von unten ins Mittelfeld absetzen, und wir kamen oben auch nicht näher an Platz 3 heran. Ein glanzloses Unentschieden in einem Stadion, welches eine kuriose Flickschusterei zwischen Altbau und Neu-Anbauten darstellt und in seiner Gesamtheit doch eher merkwürdig anzuschauen ist.

Ärgerlich war es besonders deswegen, weil Fortuna in den ersten zwanzig Minuten die klar bessere Mannschaft war, Karlsruhe fand überhaupt nicht statt. Oder wie Manager Wolf Werner es ausdrückte: „Eigentlich müssen wir hier nach 20 Minuten mit zwei oder drei Toren führen, dann kann man zur Pause schon mal den Bus vorfahren lassen.“ Recht hatte er. Die zwei dicksten Torchancen hatte dann auch ausgerechnet einer, der das Toreschießen nicht zwingend erfunden hat. Mittelfeldspieler Oliver Fink, ein Saisontor, und das auch noch direkt am 1. Spieltag, hätte mindestens eine Bude machen müssen. Einmal wunderschön per Außenrist-Flanke von Harnik frei gespielt, kam er völlig unbedrängt zum Kopfball und setzte die Kugel als Aufsetzer neben das Tor; die noch größere Chance bot sich ihm, als KSC-Torwart Miller eine Freistoßflanke von der rechten Seite aufgrund des Getümmels vor seiner Nase erst sehr spät sah und flach nach vorne abwehrte. Die Kugel rollte genau auf den völlig frei stehenden Fink zu, der alle Zeit der Welt hatte und anschließend versuchte, das Leder aus zwölf Metern aus dem Stadion zu pöhlen. Da hätte er allein schon frühzeitig für klare Verhältnisse sorgen können. So allerdings fanden die Karlsruher langsam ins Spiel und hatten gegen Ende der ersten Halbzeit selbst zwei gute Chancen: eine tolle, schnell gespielte Kombination in den Strafraum schloss Lars Stindl, per Rückpass herrlich frei gespielt, mit einem Schuss ab, der links neben dem Tor ans Gestänge prallte und anschließend hinters Netz rollte, was viele KSC-Fans in der gegenüber liegenden Kurve animierte, die Führung zu bejubeln, aber es sah halt von weitem nur so aus, mehr nicht. Kurz vor der Pause nahm sich Christian Demirtas ein Herz und zog aus ungefähr 20 Metern Torentfernung mal ab, ein tückischer Aufsetzer, der gut gepasst hätte, wenn nicht unser Keeper Michael Ratajczak rechtzeitig am Boden gewesen wäre. Eine gute Aufwärmübung für ihn, was die zweite Halbzeit betraf.

In dieser war noch keine Minute gespielt, da lag Fortuna mal wieder auswärts zurück. Man hatte den Karlsruhern am Strafraum viel zu viel Platz zum kombinieren gelassen, schließlich wurde der Ball links in den Strafraum auf Gaetan Krebs gelegt. Der wollte in die Mitte ablegen, damit Stindl abstauben konnte, aber die Arbeit nahm ihm unser Rechtsverteidiger Christian Weber ab, der retten wollte und den Ball dabei dermaßen unglücklich gut mit der Fußspitze erwischte, dass die Kugel genau rechts gegen den Innenpfosten prallte, bevor sie ins Tor trudelte. Um diese Präzision wird ihn so mancher unserer Stürmer beneidet haben. 1:0 für den KSC in der 46. Minute – dümmer kann eine Halbzeit nicht beginnen.

In der Folgezeit konnte sich die Mannschaft bei ihrem Torhüter bedanken, dass der KSC den Sack nicht relativ zügig zumachte. Alleine Ratajczak hielt die Fortuna im Rennen, rettete einmal sensationell gegen Stindl und nicht weniger beeindruckend zweimal gegen Chrysanthos. Nach der Hälfte der zweiten Hälfte hätte das Spiel schon durch sein können. Dass es dann anders kam, verdankten wir wieder mal dem Goldenen Händchen des Trainers, bei dessen Einwechslungen es anscheinend wirklich nur Sekt oder Selters zu geben scheint: mal versteht sie kein Mensch, und genauso effektiv sind sie dann noch, mal zaubert er genau den Richtigen aus dem Hut. Mittelmaß ist da nicht drin. Diesmal war es der 21-jährige Jungspund Marcel Gaus, den Meier gemeinsam mit Patrick Zoundi einwechselte und nach vorne beorderte. Eine Maßnahme, die schon wenige Minuten später, in der 68. Minute, Erfolg zeitigte: nach einer weiteren Karlsruher Großchance wird der Ball herausgeschlagen, in der Nähe der Mittellinie setzt Harnik auf der linken Seite Heidinger mittels Rückzieher ein, und huschhusch, läuft der Konter. Heidinger, auch so ein Glücksgriff von Meier, ihn zum ersten Mal seit Wochen wieder von Anfang an zu bringen, spult die Meter in die gegnerische Hälfte ab, hat vier Karlsruher gegen sich, und schafft trotzdem genau im richtigen Moment das Abspiel auf den einzigen mitgelaufenen Fortunen, nämlich Marcel Gaus. der steht nicht im Abseits, nimmt den Pass mit rechts an und schaufelt die Kugel direkt mit links an Miller vorbei zum Ausgleich ins Netz. Etwas peinlich für Karlsruhe, sich in Überzahl auf eigenem Platz bei eigener Führung auskontern zu lassen, aber wir wollen uns natürlich nicht beschweren. Das wiederum versuchten die Karlsruher vergeblich, denn sie hatten auf Abseits gehofft, und es sah auch recht kritisch aus. War aber ganz knapp keins, somit ein reguläres Tor, völlig zu Recht von Schiri Sippel gegeben. Was so ziemlich das Einzige war, das er an jenem Nachmittag richtig machte. Eine echte Katastrophenleistung für einen FIFA-Referee, allerdings schön auf beide Seiten verteilt, sodass sich nun wirklich niemand beschweren konnte, übermäßig benachteiligt zu sein.

Und das war`s. Ratajczak hielt noch ein, zwei dicke Dinger der Karlsruher, Fortuna spielte ein wenig nach vorne, am Sechzehner war allerdings stets Ende, und ca. zehn Minuten vor Schluss einigten sich beide Teams auf Unentschieden. Was in den letzten Minuten an Fehlpässen produziert wurde, war schon beeindruckend. Außerdem konnte man gut sehen, dass alle Spieler völlig platt wirkten. Es wurde wohl Zeit, dass die Saison so langsam zu Ende ginge.

Vor dem Spitzenspiel gegen den FC St. Pauli am Ostermontag kam noch eine Personalie hoch, leider mit dem negativen Ausgang, den man befürchten musste: unser brasilianischer Innenverteidiger „Bamba“ Anderson wechselt zur kommenden Saison in die Erste Liga. Allerdings nicht nach Leverkusen, das eine Transferoption bei seinem Heimatverein in Brasilien hielt (zum genauen Überblick der Besitz- und Transferregelungen in diesem Fall bitte Internationales Vertragsrecht studieren, anschließend wiederkommen und es mir erklären. Danke.), sondern nach Ostholland (vulgo: Borussia Mönchengladbach). Es überraschte zwar, dass Leverkusen diese Option abtrat, anscheinend sind die geistig schon in der Champions League und wollen sich nicht mit jungen, vielleicht noch unfertigen Spielern belasten, dass aber die Gladbacher anschließend in die Bresche sprangen, verwunderte eigentlich nicht. Schließlich treibt sich deren Sportdirektor Max Eberl seit Saisonbeginn dermaßen oft bei unseren Heimspielen in der esprit-Arena herum, dass er fairerweise auch eine Dauerkarte hätte kaufen können. Dann hätten wir wenigstens auch ein bisschen was davon gehabt. So grinste der Eberl nur lässig, haute während eines Heimspiels noch den Spruch hinterher, die in Rede stehenden Summen für Anderson und Harnik seien für Gladbach derzeit „Kleingeld“ und zog den ersten Spieler ab. Anderson erhält in Gladbach einen Vier-Jahres-Vertrag, sicherlich auch mit ordentlich „Kleingeld“ versehen, natürlich ein Traum für den gerade mal 22-Jährigen. Es gönnt ihm auch jeder, aber es hätte ja nicht unbedingt Mönchengladbach sein müssen. Naja, Leverkusen wäre auch nicht viel besser gewesen. Was soll’s, weg ist weg, und Geld hätten wir für ihn sowieso nicht gesehen, er war ja schließlich nur ausgeliehen (von wem jetzt genau, dazu bitte Internationales Vertragsrecht II studieren, anschließend wiederkommen und es mir erklären. Danke.). Anschließend keulten sich einige Gladbacher in deren Foren vor lauter Freude einen, weil sie uns einen Spieler abgeworben hatten, der bislang exakt eine sehr gute Zweitliga-Saison gespielt hat, mehr nicht. Ich finde, das gibt deren Richtung für die nächste Saison schon sehr schön vor. Und was passiert, wenn es der rein brasilianischen Innenverteidigung Dante/Anderson, die ja anscheinend angestrebt wird, im Winter einfach mal zu kalt ist, darauf darf man sich jetzt schon freuen. Ich wünsche dem Bamba alles Gute und hoffe natürlich, dass es ihm bald Leid tut, zu den Langweilern vom Rübenacker gewechselt zu sein. Immerhin nicht nach Bahnhofskapellendorf (vulgo: 1.FC Köln), aber dafür hat er in seinem jungen Leben definitiv noch nicht genügend Kopfbälle gemacht.

Netter Nebeneffekt: die ersten, die diese Nachricht online verbreiteten, waren die Jungs mit dem tadellosen Leumund und der bekannt souveränen journalistischen Sorgfaltspflicht. Natürlich rede ich von der Zeitung mit den vier großen Buchstaben. Die stellten die Mitteilung am 31. März um sieben Minuten vor Mitternacht online. Oder anders gesagt: sieben Minuten vor dem Datum, welches im Allgemeinen zu Scherzen jeglicher Art berechtigt. Natürlich sind sie gut informiert, natürlich hatten sie die Story exklusiv, das ist nicht zu leugnen. Es dauerte Stunden, bis irgendeine andere Zeitung nachzog bzw. eine entsprechende Meldung auf der Gladbacher Homepage eingestellt wurde. Während all dieser Stunden wurde die Nachricht von den meisten Leuten allerdings tatsächlich als Aprilscherz des bekannt seriösen Boulevardblättchens angesehen. Falls die dort ihren Job halbwegs seriös ausüben würden, müssten sie sich eigentlich mal fragen, warum niemand ihre Exklusivmeldung Ernst genommen hat. Werden sie aber nicht, da bin ich mir sicher. War ja auch nur ein kleines „falls“…

An Harnik sind die Ostholländer auch dran, der kann ja zur neuen Saison für die „Kleinigkeit“ von 350.000 Euro aus seinem Vertrag bei Werder Bremen herausgekauft werden. Dortmund und Schalke sind angeblich auch interessiert. Kaum schreiben die Gazetten das, trifft der Martin nicht mehr, sein letzter Treffer war der legendäre Seitfallrückziehlupfer vom 01.03. in Aachen. Also, man merkt es doch – innerlich will der bei der Fortuna bleiben! Äußerlich haben wir natürlich keine Chance, wenn das Eberl mal wieder ernsthaft mit seinem Kleingeld klappert. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Ein Osterei für Pauli

Am 05.04.2010 stand unser letztes Montagsspiel für diese Saison an. Zum Glück. Noch mehr Glück, dass es ein Heimspiel war. Der Tabellenzweite FC St. Pauli kam, da war eine volle Hütte auch garantiert. 47.200 Zuschauer kamen in die Arena, mehr durften mal wieder nicht, weil Pufferblöcke auf Anweisung der Polizei frei gelassen werden mussten, die entsprechenden Karten somit nicht verkauft werden durften. Same procedure as Duisburg-Spiel. Aber auch so war es voll genug. Mit dem Besucherandrang an diesem Abend überholten wir in der Gesamtzahl aller Heimzuschauer in dieser Saison den Meisterschaftsanwärter und Möchtegern-Champions-League-Teilnehmer Bayer 04 Leverkusen. Und der Verein, der bekanntermaßen ausschließlich Talente aus der eigenen Region einsetzt, die TSG Hoffenheim, war auch noch in Sichtweite. Geradezu unglaublich.

St. Pauli kam mit neun Punkten Vorsprung auf uns und ziemlich großer Klappe, namentlich in Gestalt von Marius Ebbers, der in der Vorwoche nach dem 2:0 gegen Rostock direkt mal in die Fernsehkameras gedampfplaudert hatte, dass man jetzt auch Düsseldorf abschießen wolle. Da spart man als Gegner-Trainer natürlich gerne an der eigenen Motivationsrede, wenn schon solche Vorlagen geliefert werden.

Wobei es zu Beginn des Spiels durchaus schien, als sollte der Herr Ebbers Recht behalten. Das lag allerdings nicht an ihm selbst, der war völlig abgemeldet, sondern eher an Rouwen Hennings, der mit Abstand den größten Alarm in den Abwehrreihen der Fortuna verbreitete. Er war es auch, der in den ersten zehn Minuten zwei dicke Chancen hatte, aber sein wuchtiger Schuss aus sechzehn Metern kam genau auf Mann und war daher eher kein Problem für Ratajczak. Kurz darauf wurde Hennings schön im Strafraum frei gespielt, aber sein Versuch eines Lupfer landete auf dem Netz, da fehlte eindeutig die Feinjustierung. Nichtsdestotrotz, in den ersten zwanzig Minuten war St. Pauli ganz klar spielbestimmend, nur vor dem Tor fiel ihnen nicht allzu viel ein.

Nur ganz langsam konnte sich Fortuna vom Anfangsdruck des design(ier)ten Aufstiegskandidaten befreien und selbst mal nach vorne spielen. So ergab sich ein munteres Hin und Her, das allerdings nicht besonders prickelnd anzuschauen war, denn Torchancen blieben weiterhin Mangelware. Die beiden besten Gelegenheiten für Fortuna in Durchgang eins hatte noch Linksverteidiger Johannes van den Bergh, von Natur aus nicht zum Goalgetter vorgesehen. Während man dies bei seiner ersten Chance noch deutlich sehen konnte – er drang links in den Strafraum ein und zwirbelte die Kugel flach ein gutes Stück rechts am Tor vorbei, oder sollte es doch ein Pass in die Mitte auf Harnik werden? –, war er in der zweiten Situation wesentlich näher dran, als ihm, wiederum halblinks im Strafraum postiert, eine weit gezogene und nur unzureichend geklärte Flanke auf den Fuß fiel. Schöner Volleyschuss, der hätte genau gepasst, aber auch schöne Parade von Hain im Hamburger Tor. Viel mehr gibt es aus der ersten Halbzeit dann auch nicht zu berichten.

Dafür begann die zweite gleich ordentlich. In der 48. Minute bleibt ein Angriff von St. Pauli wieder einmal am Fortuna-Strafraum stecken, der Ball wird rausgespielt, und St. Pauli über drei Stationen ausgekontert. An der Mittellinie nimmt Fink den Ball auf, schaut ein-, zweimal in der Gegend rum und spielt dann ein Zuckerpässchen über 30 Meter nach rechts raus, in den Lauf von Harnik. Der hat sich von seinen zwei Gegenspielern gelöst, steht auch beim Pass nicht im Abseits, erläuft den Ball rechts im Strafraum, passt flach in die Mitte, und dort rauscht Sebastian Heidinger heran, stört sich nicht daran, dass ein Gegenspieler an ihm klebt und wemmst die Kugel aus fünf Metern unter die Latte. Ein Sahne-Tor, mit zwei Stürmern gegen drei Abwehrspieler herausgespielt, vom Ballverlust der Hamburger bis zum Einschlag in deren Tor keine zehn Sekunden. Atemberaubend.

Fast wäre es kurz darauf schon wieder vorbei gewesen mit der Herrlichkeit. Bei St. Pauli wurde Deniz Naki eingewechselt, und der Angreifer hätte mit einer seiner ersten Ballberührungen beinahe direkt den Ausgleich erzielt, aber Michael Ratajczak konnte seinen Flachschuss von links aus spitzem Winkel noch um den langen Pfosten lenken.

Eine weitere brenzlige Situation musste Fortuna überstehen. Bei einer abgefälschten Flanke von links, die vor dem kurzen Pfosten ins Toraus zu fliegen drohte, eilte Ratajczak heraus, um einen Eckball zu verhindern. Hier war dann Marius Ebbers in seiner einzigen guten Szene im gesamten Spiel vor dem Keeper am Ball und verlängerte per Kopf weiter nach innen auf Charles Takyi. Und warum der den Ball aus weniger als fünf Metern nicht aufs Tor brachte, sondern lieber noch mal quer in die Mitte auf den ebenfalls eingewechselten Richard Sukuta-Pasu legte, wird sein Geheimnis bleiben. Will ich auch gar nicht wissen, war mir ja sehr recht. Denn dadurch bekam die Fortuna-Abwehr noch mal Zeit, mitzuspielen, und der Schuss von Sukuta-Pasu konnte erst entscheidend abgefälscht und damit verlangsamt und anschließend ungefährdet vom ins Gehäuse zurückgeeilten Torwart aufgenommen werden. Glück gehabt.

Dies waren die beiden einzigen Chancen, die St. Pauli in der zweiten Halbzeit hatte. Nicht gerade viel für einen Aufstiegskandidaten. Auch wenn St. Pauli weiterhin mehr Ballbesitz hatte, Fortuna hielt das Spiel offen und hatte auch die ein oder andere Konterchance, zwischendurch zog man das Spiel sogar mal kurz an sich und hielt sich mehrere Minuten am Stück in der gegnerischen Hälfte auf. Chancen ergaben sich auch, zum Beispiel zwei Schüsse von der Strafraumgrenze durch Christ, einen von Fink aus spitzem Winkel und etwa zehn Metern von der rechten Seite, von Hain gut gehalten. Und Johannes van den Bergh hätte an jenem Abend zum Goalgetter des Jahres werden können. Stand ihm beim ersten Versuch noch die eigene Technik und beim zweiten Gäste-Keeper Hain im Weg, so war es nun der eigene Mann. Christ hatte von rechts eine Ecke hoch an die Sechzehnmeterlinie geschlagen, dort stand van den Bergh, nahm den Ball volley aus der Luft und erwischte ihn genau richtig. Ein Mörderschuss. Der hätte gepasst, beziehungsweise, er passte auch – und zwar genau auf den Kopf des armen Martin Harnik, der am Fünfmeterraum nicht rechtzeitig aus dem Weg hechten konnte und die volle Dröhnung abbekam. Harnik konnte anschließend weiterspielen, aber um diesen Schuss war es schade, der hätte Hain ordentlich ins Schwitzen gebracht, wenn er ihn denn überhaupt noch gesehen hätte. Auch der spät eingewechselte Gaus bekam fast noch das 2:0 auf den Schlappen. Er ging am Fünfmeterraum dazwischen, als sich ein Verteidiger und Torwart Hain nicht einig waren, wer den Ball denn nun nehmen solle. Gaus übernahm das für die beiden, hatte allerdings soviel Schwung drauf, dass er den Ball nicht mehr kontrollieren konnte. Der Stürmer flog ins Toraus, der Ball rollte am Außennetz vorbei, und so war auch diese Chance dahin. Kurz darauf allerdings auch das Spiel, und so gewann Fortuna mal wieder gegen den FC St. Pauli, der in allen vier Spielen, die er seit 2005 in unserer Arena ausgetragen hat, nicht ein einziges Tor erzielen konnte. Bester Spieler auf dem Platz übrigens: „Bamba“ Anderson, fast schon mit dem Zusatz „wie üblich“ versehen. Ein paar Blitzbirnen pfiffen bei Verkündung seines Namens in der Mannschaftsaufstellung zwar, wurden aber rasch vom Applaus der anderen übertönt. Nach Spielschluss bekam der Brasilianer noch mehr Applaus sowie eine eigene Humba und anschließend ein zünftiges „Scheiß Mönchengladbach!“ mit auf den Weg. Wär doch gelacht, wenn’s dem nicht irgendwie ein wenig Leid täte…

Fortuna feierte somit nicht ganz unverdient ein 1:0 gegen den FC St. Pauli und verkürzte den Rückstand auf Augsburg und Platz 3 auf fünf Punkte. St. Pauli hatte vielleicht mehr Spielanteile, aber bei weitem weniger Chancen, und wer nur bis zum Sechzehner schön spielt und sich anschließend in der gegnerischen Abwehr festrennt, oder wie bei der Szene mit Takyi und Sukuta-Pasu die Kugel möglichst noch ins Tor tragen will, der darf sich nicht wundern.

Aber anschließend durften wir dann anscheinend den „neuen“ FC St. Pauli kennen lernen, einer, der mir gehörig auf den Keks geht, und für den der Herr Ebbers ja schon in der Woche vor dem Spiel einen Vorgeschmack geliefert hatte. Und so reihte sich deren Trainer Holger Stanislawski nach dem Spiel in die Kette dampfplaudernder Gegner-Trainer ein, die einfach nicht verlieren können. In bester Wollitz- und Gerstner-Tradition faselte er als solcher unmittelbar nach Spielschluss etwas von „klarer Überlegenheit über die gesamten 90 Minuten“ ins sky-Mikro und brachte das Spiel seiner Meinung nach mit folgendem Sinnspruch süffisant auf den Punkt: „Hoher Ball schlägt Fußball“, was natürlich heißen sollte, dass wir außer langen, hohen Bällen überhaupt nichts drauf hatten, während seine Zaubertruppe mittels feinster Technik Dutzende klarer Torchancen herausspielte, weshalb der Sieg für Fortuna ja eigentlich ziemlich unverdient sei. Natürlich katapultierten ihn diese Äußerungen auf meiner Dummschwätzer-Liste ziemlich weit nach oben. Leider, eigentlich mag ich den ja. Auch nicht besser wird das zitierte Bonmot dadurch, dass sämtliche Printmedien am nächsten Tag ausgerechnet seiner Mannschaft bescheinigten, zum Ende des Spiels hin mit planlosen hohen Bällen nach vorn den Ausgleich herbeizwingen zu wollen. Um nur ein Beispiel aus dem kicker zu bringen: „In der hektischen Schlussphase agierte St. Pauli nur noch mit langen Bällen, was die sichere Defensive der Gastgeber nicht weiter in Verlegenheit brachte und den Düsseldorfern einen verdienten Sieg bescherte.“ Da hatte der Herr Stanislawski wohl mal zwischenzeitlich ein anderes Spiel gesehen. Außerdem haben wir es nicht gern, wenn so ein Hamburger Verlierer versucht, einem unserer liebsten Gegner von einst, nämlich Stefan Effenberg, nach dem Mund zu reden. Der war damals in den 90ern von einer Niederlage mit Ostholland dermaßen angetan von fortunistischer Spielkunst Ristic’scher Prägung, auf die so mancher Maurermeister stolz gewesen wäre, dass er, also Effe, dies nach dem Abpfiff in die legendären Worte kleidete: „Die können nur weit werfen und feste schießen, sonst nix!“ Aber der Effe, der durfte das, schließlich hat der sich auch im alten Rheinstadion schon mal in der Halbzeitpause mit einem Ordner am Spielfeldrand in der Wolle gehabt. Der hatte ordentlichen Proleten-Style, bei Stanislawski wirkte es nur wie eine beleidigte Leberwurst, bei der doch eher der Wunsch der Vater des Gedankens war. Peinlich, peinlich.

Welch einen Unfug er da ins Mikro geballert hatte, begeistert souffliert vom sky-Schergen, dem wirklich nur noch ein St. Pauli-Fan-Schal gefehlt hätte, hatte ihm aber wohl jemand aus der eigenen Truppe anschließend gesteckt, denn auf der Pressekonferenz zwanzig Minuten später klang das schon sehr viel moderater, kein Wort mehr von „klarer Überlegenheit“, „verdient“ oder gar „unverdient“. Komisch, komisch. Ich sage es immer wieder, auch diese leuchtenden Vorbilder an der Seitenlinie sollten sich mal fünf Minuten Auszeit nach einem Spiel nehmen. Macht unser Coach ja auch. Vielleicht wollte Stanislawski uns aber auch nur auf die beiden Trainer-Highlights einstimmen, die wir in den nächsten beiden Wochen erleben werden – Wollitz und Lienen. Als Einstieg schon mal gar nicht schlecht, muss man anerkennend sagen.

Der Lautsprecher Ebbers, die beleidigte Leberwurst Stanislawski, ein Takyi, der fünf Meter vor dem gegnerischen Tor zum Ausgleich lieber noch mal quer legt, ein Präsident, der durch seine verbalen Nettigkeiten auch mit dafür gesorgt hatte, dass die Rostocker in der Woche zuvor in Hamburg nur 500 Gästekarten erhalten hätten (die der FC Hansa Rostock dann aber zurück gab, weil er eine gerechte Verteilung für undurchführbar hielt) – das scheint der neue FC St. Pauli zu sein. Ein so genannter „Kult-Klub“, jetzt auch in der Geschmacksrichtung „arrogant“. Naja, von mir aus. Ich find sie ja ganz okay, bin auch gerne dabei, wenn wir am Millerntor spielen, ist immer eine schöne Atmosphäre. Nur authentisch ist bei denen so gut wie nix mehr. Und falls sich jetzt jemand versucht fühlt, mir deshalb zu mailen: nein, von uns hab ich das auch nie behauptet. Aber zumindest machen wir keine Werbung damit. Ihr dürft euch auch gerne weiter abfeiern lassen, wovon die Blitzbirnen bei DSF und sky an jenem Abend reichlich Gebrauch machten. Aber „Kult-Klub“? Steigt von mir aus auf, aber macht euch nicht lächerlich.

Überhaupt war abseits des Platzes eigentlich mehr los als auf dem grünen Rasen. Drei Reihen über mir hockte dieser Mensch, der sich selbst für unglaublich witzig hält, dieser Elton von Stefan Raab, der ist ja bekennender Pauli-Fan. Dagegen ist natürlich überhaupt nichts zu sagen. Lustig wurde es dann auch – man machte sich den Spaß, ihn mal zu kontrollieren und siehe da: natürlich hatte er keine eigene Akkreditierung, sondern führte die des ehemaligen Fortuna-Spielers Dirk Krümpelmann mit sich, der schon seit Jahren für die Zeitung mit den vier großen Buchstaben arbeitet, deren Hang zu Aprilscherzen ja bereits weiter oben erläutert wurde. Die Akkreditierung wurde mal sofort einkassiert, Elton erhielt eine Tageskarte, und Herr Krümpelmann durfte mal auf der Geschäftsstelle anrufen und schauen, wie er seine Akkreditierung zurück bekam. Großes Kino.

Absolutes nebenplatzliches Highlight für mich war allerdings die Frage eines sky-Mitarbeiters (!) an den Pressesprecher vor dem Spiel, warum wir an jenem Abend keine Stehplätze anbieten würden, ob das Auflagen von der DFL wären. Ich stand direkt neben dem Mann und habe die Frage mit meinen eigenen Ohren gehört. Auch der Pressesprecher war etwas verwirrt und ließ sich die Frage vorsichtshalber wiederholen. Anschließend erklärte er diesem Fußball-Fachmann so höflich wie möglich, dass wir so etwas wie Stehplätze (noch) überhaupt nicht besitzen. Der Typ hatte absolut keinen Schimmer von gar nix, aber Hauptsache, die Ware Fußball verkaufen. Wird echt immer besser bzw. schlimmer.

Aus die Maus

Am 10.04.2010 trat Fortuna bei Energie Cottbus an. Man unterlag 2:4 und durfte sich damit wohl endgültig aus dem Aufstiegsrennen verabschieden.

Es war eine verdiente Niederlage, Energie spielte zum größten Teil das, was der Vereinsname aussagt, war schon in der ersten Hälfte klar überlegen und hatte mindestens drei dicke Chancen zur Führung. Von Fortuna in den ersten 45 Minuten überhaupt nichts zu sehen, das 0:0 zur Pause war ein besserer Witz. Nach der Pause ging es dann richtig rund, und beiden Trainern darf man bescheinigen, an jenem Samstag wieder mal ein Goldenes Händchen für Einwechslungen zu haben. Zunächst in der 56. Minute das 1:0 für Cottbus, als Angelov links steil auf Rivic spielte, und der beste Cottbuser, Dreh- und Angelpunkt seines Teams, schlenzte überlegt ins lange Eck. Anschließend gab es die erwähnten Einwechslungen, und prompt es ging es rund: bei Cottbus kam der Chinese Shao für Miatke, bei Fortuna Gaus und Oehrl für Heidinger und Lambertz, alles in der 62. bzw. 63. Minute. Keine Minute später Folgendes: auf der linken Seite kann sich Gaus gegen seinen Gegenspieler durchsetzen, er bringt den Ball flach nach innen, und Oehrl staubt aus fünf Metern zum Ausgleich ab. Unglaublicher Wechsel von Meier.

Aber sein Gegenüber, der sattsam bekannte, Claus-Dieter Wollitz, hatte ja schließlich auch gewechselt. Wieder nur vier Minuten später war sein Einwechselspieler dran, bei einer Traumkombination, die jedem Trainer die Tränen der Rührung in die Augen treibt: von links marschiert wieder Rivic in den Fortuna-Strafraum, spielt quer in den Strafraum, hinter dem langen Pfosten kommt der erwähnte Shao heran gerauscht – und der hat noch soviel Übersicht, die Kugel nicht aus vollem Lauf aufs Tor zu dreschen, sondern schön flach zurückzulegen in die Mitte. Dort steht Niels Petersen und macht den Ball aus acht Metern flach rein. Tolle Kombination, 2:1 für die Lausitzer.

Fortuna konnte nochmals zurück schlagen. Zehn Minuten später, 79. Minute, ein weiter Pass von Marco Christ in den Lauf des Marcel Gaus. Der hängt seine Bewacher ab, scheitert im ersten Versuch noch an Cottbus-Keeper Tremmel, kann sich aber den Abpraller erlaufen und tatsächlich zum erneuten Ausgleich im Netz unterbringen. Anschließend spurtete der Jungspund direkt hinterher und holte den Ball aus dem Netz. Er wollte eindeutig noch etwas reißen, sorgte mit dieser Aktion aber leider nur dafür, dass man sich den K.O. für die Fortuna schneller ansehen konnte. Denn keine zwei Minuten später nickte der schon erwähnte Shao einen Freistoß von links als Aufsetzer zum 3:2 ein. Und während man hoffte, dass die Fortuna vielleicht ein drittes Mal zurück käme, war das Ding durch: wieder nur eine Minute später langer Ball aus der Cottbuser Hälfte, die Fortuna-Abwehr wollte wohl ein wenig Abseits spielen, keine Ahnung, was das sollte, auf jeden Fall war Emil Jula frei durch und netzte zum 4:2 ein, ein Treffer, der verblüffende Ähnlichkeit mit seinem Tor im Hinspiel hatte. Von diesem Doppelschlag erholte sich Fortuna nicht mehr, und das Spiel war dahin. Bei einem Torschussverhältnis von 21:11 für Cottbus nicht gerade unverdient.

Fortuna hatte es versäumt, in der ersten Halbzeit gegen die unsichere Cottbuser Abwehr überhaupt etwas zu reißen. Die hatte Cottbus-Coach Wollitz nämlich unter der Woche komplett neu zusammen basteln müssen. Dum und Kurth gelbgesperrt, Brzenska mit Mittelhandbruch ausgefallen – das wäre für Fortuna eine Chance gewesen, die neu formierte Deckung zu Beginn des Spiels mal ordentlich unter Druck zu setzen. Aber man kam ja kaum aus der eigenen Hälfte heraus. Diese verdammte Auswärtsschwäche in dieser Saison, immer dasselbe.

Der Aufstieg kann somit abgehakt werden. Natürlich ist rechnerisch noch alles drin, aber es müsste schon sehr viel Wundersames passieren in den letzten vier Spielen, wenn das noch was geben sollte. Zumal momentan nicht nur die eigenen Ergebnisse so ziemlich alle zwei Woche nicht stimmen, sondern auch die Schützenhilfe ausbleibt. Bestes Beispiel hierfür die SpVgg Greuther Fürth. Die spielte zuletzt in Duisburg und in Augsburg und holte jeweils ein 1:1. Sehr respektabel eigentlich – aber sie verschossen in beiden Spielen noch jeweils einen Foulelfmeter. So sieht das aus, wenn es eben nur teilweise rund läuft, sowohl bei der eigenen Mannschaft als auch bei denen, auf deren Hilfe man angewiesen wäre. Und „teilweise“ ist für einen Aufstieg halt zu wenig.

Ich werde mir davon die letzten vier Spieltage nicht vermiesen lassen. Es war eine überragende Saison bis jetzt, auch wenn es das i-Tüpfelchen „Durchmarsch“ wohl nicht geben wird. Aber selbst wenn die letzten vier Partien allesamt verloren gehen sollten (und das wollen wir ja nicht ernsthaft hoffen), dann bleibt es immer noch eine überragende Saison als Aufsteiger. Also freu ich mich auf die letzten vier Partien, die hätten auch unter ganz anderen Voraussetzungen stattfinden können. Ich genieße die selige Sorglosigkeit eines Tabellenvierten, der rechnerisch noch nach oben schielen kann, nach unten aber schon längst nicht mehr muss. Schlimm wird’s schon wieder früh genug werden.

Bis zur letzten Runde, grüßt: janus

 

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