22.-25. Spieltag

Weiter geht`s mit dem Abenteuer 2. Liga! Auch nach 25 Spieltagen steht Fortuna immer noch glänzend da, auch wenn es bei den letzten vier Spielen, von denen diese Zusammenfassung kündet, durchaus Licht und Schatten gab. Aber in der Gesamtheit können wir sagen: die magischen 40 Punkte sind überschritten, der Klassenerhalt, der eh nur noch theoretisch gefährdet war, ist eingetütet, jetzt geht der Spaß erst richtig los! Und wer nix mehr zu verlieren hat, der kann vielleicht doch noch für die eine oder andere Überraschung sorgen. Hier also die Zusammenfassung der Spiele gegen Augsburg, Ahlen, Aachen und Fürth, nebst der nicht neuen Erkenntnis, dass nichts mehr so ist wie früher. Zum Beispiel erwarteten uns bei den beiden Auswärtsspielen dieses Berichts nicht diese nostalgischen, traditionsumwehten Bruchbuden, in denen beide Clubs noch bis letztes Jahr gespielt haben, sondern blitzneue Arenen, die eine mitten in die Landschaft, die andere mitten an die Hauptstraße gesetzt. Hat alles seine Vor- und Nachteile. Außerdem glaube ich, dass in dieser Zusammenfassung ein sicherer Aufsteiger vorkommen wird. Leider sind das nicht wir, aber: eine Saison ist erst zu Ende, wenn der Schiri pfeift. Oder so ähnlich.

Same Procedure as four days before

Am 14.02.2010 war es an der Zeit, ein neues Stadion kennen zu lernen. Es ging nämlich zum FC Augsburg, der seine Heimspiele seit Saisonbeginn bekanntermaßen in einer so genannten „impuls arena“ austrägt, die als Ersatz für die völlig veraltete Rosenau flugs auf irgendein Feld an irgendeiner Bundesstraße gestellt wurde. Augsburg ist für mich nicht nur heißester Aufstiegskandidat, sondern hatte unter der Woche vor dem Spiel auch mal eben den 1.FC Köln aus dem DFB-Pokal geworfen. Hierbei erheiterte besonders die Leistung des kölschen Hoffnungsträgers Lukas Podolski, dem es nur acht Minuten nach seiner Einwechslung offenbar zu kalt wurde, woraufhin er sich mittels Gelb und Gelb/Rot binnen acht Sekunden zügig ins Warme verabschiedete. Und da die Kölner zuvor in drei Meisterschaftsspielen ohne ihren Poldi schlappe sieben Punkte geholt hatten, werden sie ihn auch an jenem Abend nicht zwingend vermisst haben. Er selbst wird sich auch nicht auf dem Spielfeld vermisst haben, in der Kabine war es bestimmt muckelig warm, und außerdem kann er soviel nicht spielen wie er will, zur WM muss er auf jeden Fall, da hat der Bundestrainer ja schon ein Machtwort gesprochen. Also ist es völlig egal, ob der in dieser Saison überhaupt noch mal gegen einen Ball tritt. Wenn er es jedoch tatsächlich macht und dann einen solchen Abgang hinlegt wie in Augsburg, dann ist das aller Ehren wert und sollte ruhig erwähnt werden. Weiter so!

Augsburg also in der aktuellen Form klarer Favorit, auch im Hinspiel war dies die einzige Mannschaft, die aus der esprit-Arena verdient drei Punkte hätte mitnehmen müssen. Damals scheiterte insbesondere Torjäger Thurk ein ums andere Mal an unserem Keeper Ratajczak, und auch wenn er doch einen Treffer markierte, reichte es nur zu einem 1:1, was auch folgerichtig von jedem Augsburger als Punktverlust angesehen wurde. Damals waren sie noch nicht eingespielt, sie ließen zu Beginn der Saison sehr viele Punkte durch unnötige Unentschieden liegen. Dies ist mittlerweile nicht mehr der Fall. Eine Nuss, von der mir schon vor dem Spiel schwante, dass sie zu hart für uns sein würde. Aber frisch gewagt ist halb gewonnen, also auf nach Augsburg!

14.02.2010,Valentinstag und Karnevalssonntag. Ein Tag also, an dem man sich erst auf irgendeiner Sinnlos-Veranstaltung mit Pappnase im Gesicht die Birne zukippt, um anschließend zuhause noch halbwegs unfallfrei und verständlich eine Liebesbezeigung zu murmeln, ohne dass man zur Strafe auf der Couch nächtigen muss. Man kann natürlich auch um halb sechs aufstehen und nach Augsburg zum Fußball fahren. Ich hielt das für eine prima Idee, also tat ich es auch. Meine furchtlose Fahrerin wollte mich um 6.30 Uhr am vereinbarten Treffpunkt abholen. Leider wurde es etwas später, denn sie reist ja aus Aachen an, und auf der A 4 waren irgendwie keine Fahrspuren mehr vorhanden. Alles unter einer schönen Schneedecke und nix geräumt. Der kreative Fahrer macht sich die Spuren selbst und hofft, dass es irgendwie gut geht. Es ging gut, allerdings eben nicht im erhofften zügigen Tempo. Deshalb richtete ich den ersten Schützengraben seit Menschengedenken auf einer deutschen Brücke ein, indem ich, um mich am Treffpunkt warm zu halten, immer dieselbe kurze Strecke hin und her wanderte, was nach relativ kurzer Zeit dazu führte, dass sich mein Trampelpfad deutlich gegen die Schneemassen auf dem Rest des Bürgersteigs abhob. Bevor ich auf die Idee kommen konnte, einen Iglu zu bauen, traf die Fahrerin glücklicherweise ein, und es konnte losgehen.

Zunächst waren die Straßenverhältnisse eher schlecht, was sich allerdings änderte, als wir die Landesgrenzen nach Rheinland-Pfalz überschritten. Hier scheint man etwas vom Schneeräumen zu verstehen, ebenso in Baden-Württemberg und Bayern. Zwar türmten sich auch hier die Schneemassen am Rand, aber die Fahrbahn war überraschend frei. Recht zügig ging es über die A 61, die A 6 und die A 5 nach Karlsruhe, und dort dann auf die A 8, die mit einigen der schönsten Steigungen brilliert, die man als Beifahrer genießen kann. Etwas strange wird es dann zwischen Stuttgart und Ulm, beim Aufstieg zur Schwäbischen Alb. Da führt die Autobahn um den Aichelberg herum. Und zwar rechts herum, während sich die Gegenfahrbahn auf der anderen Seite am Hang entlang schlängelt. So fehlte plötzlich nicht nur der Seitenstreifen – ein auf der A 8 völlig normales Phänomen –, sondern auch der Gegenverkehr komplett, sodass man den Eindruck gewann, sich eher auf einem hochalpinen Gebirgspass denn auf einer Autobahn zu befinden. Passend dazu hatte zuvor ein Schild auf „Urweltfunde in Holzmaden“ hingewiesen. Außerdem verkündete eine Tafel, dass es sich bei der Brücke, die wir überquerten, um den „Franzosenschluchtviadukt“ handele. So langsam war ich mir unsicher, ob wir nicht versehentlich durch den zuvor passierten leichten Dunst auf der Strecke in eine andere Dimension vorgestoßen waren, in eine Urwelt, in der Holzmaden durch Franzosenschluchten kriechen und sich anschließend in Drachenlöchern verstecken. So hießen nämlich Tunnel und Brücke, die es anschließend und auf der Rückfahrt zu bezwingen galt. Der erfahrene A 8-User mag angesichts dieser Schilderungen gähnen, aber für mich war das alles ziemlich neu. Im Gedächtnis geblieben ist mir auch noch das Auto, das mit funktionierender Warnblinkanlage am Straßenrand stand, auf einem flachen Teilstück der Autobahn, auf dem es erstaunlicherweise zwar einen Seitenstreifen gab, allerdings sonst absolut nichts. Rechts und links neben der Autobahn befand sich wirklich nur leicht hügelige, schneebedeckte Landschaft, das Bild wurde lediglich unterbrochen durch einen verschneiten Holzstoß, der mitten im Feld auf den Frühling wartete. Wenn du da mit dem Wagen liegen bleibst, kannst du wirklich nur noch hoffen, dass der ADAC dich schnell findet. Und zwei tapfere Ski-Langläufer sind mir noch in Erinnerung, die ihrer Loipe parallel zur Autobahn folgten. Alles in allem eine recht idyllische Anfahrt ohne größere ungeplante Aufenthalte.

Man verlässt irgendwann die A 8 an der Ausfahrt Augsburg-West und folgt anschließend der B 17 mehrere Kilometer durch die Stadt bis zur Ausfahrt, die praktischerweise wie die Arena heißt. Man kann das Stadion auch von der Bundesstraße aus sehen. Viel mehr gibt es dort leider nicht zu sehen. Das Teil wurde quasi mitten in die Landschaft gesetzt, mit nix drumherum. Und natürlich kann niemand etwas dafür, dass es an jenem Sonntag arschkalt und rund um das Stadion nur ebene Schneewüste zu besichtigen war. Bei dieser Witterung entstand somit ein etwas trostloses Bild dieses grauen Betonkastens.

In der Arena selbst gibt es dann allerdings ziemlich wenig zu meckern, ein schönes Fußballstadion für 30.000 Zuschauer, das aufgrund seiner Bauweise bei Bedarf auch relativ zügig erweitert werden kann. Man sieht, der Strahle- und Zahlemann des FCA, Walther Seinsch, hat nicht vor, länger in öden Zweitliga-Gefilden zu dümpeln. Dementsprechend sieht ja auch die Mannschaft aus, die er vor der Saison hat zusammenstellen lassen. Das alles wurde jedoch in so kurzer Zeit aus dem Boden gestampft, dass es doch wiederum ein wenig künstlich wirkt. Alles Andere als ein Aufstieg von Augsburg wäre wirklich eine Überraschung.

Wäre nur schön, wenn das im Umfeld auch ein paar Leute mitkriegen würden. Da spielt die Mannschaft in ihrer nagelneuen Arena seit Wochen erfolgreichen Fußball, hat unter Anderem kurz vor Weihnachten den 1.FC Kaiserslautern mit 4:1 aus dem Stadion geschossen, nach der Winterpause auch noch Arminia Bielefeld geschlagen, den 1.FC Köln aus dem Pokal gekegelt, ist Tabellendritter, und es kommt eine wenigstens dem Namen nach durchaus klangvolle Truppe, zudem noch ein direkter Verfolger mit nur einem Punkt Rückstand, man könnte glatt meinen, ein Spitzenspiel stünde an – und es kommen gerade mal 15.000 Zuschauer, abzüglich ca. 1.500, die der Fortuna zuzurechnen waren. Enttäuschend. Viele Fortuna-Fans, die nach dem Spiel noch in der Augsburger Innenstadt waren, wurden von Einheimischen nach dem Ergebnis befragt. So recht zu interessieren vermag der Verein anscheinend noch nicht. Bei welchem Spiel wollen die denn die Hütte voll kriegen, wenn nicht bei so etwas? Naja, wahrscheinlich überschätze ich die Anziehungskraft unserer Fortuna ein wenig. Da dachten die Leute wohl, da kommt so ein kleiner überschätzter Aufsteiger, das lohnt nicht den weiten Weg zum Stadion raus. Womit sie im Nachhinein durchaus nicht Unrecht hatten. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der Verein, zumindest, was die Eintrittspreise angeht, schon längst erstligareif ist. 36 Euro Eintritt für einen Sitz auf der Haupttribüne außen, also schon halb in der Kurve, das ist wirklich stark. Zumal ein vergleichbares Ticket in der letzten Saison im alten Stadion wohl noch um die 20 Euro gekostet hatte. Ich tippe schon darauf, dass es in der nächsten Saison ein sicherlich spannendes Spiel zwischen dem FC Augsburg und der TSG „1899“ Hoffenheim geben wird – das Traurige daran ist, dass es sich dabei um ein Erstliga-Spiel handeln wird. Und ich möchte wetten, dass nicht wenige Erstligisten dies genauso sehen werden.

Wie beim letzten Auswärtsspiel in Koblenz, so wurde auch dieser etwas ausschweifende Vorbericht gewählt, weil es anschließend vom grünen Rasen (der alles, nur nicht erstligareif war) nicht viel zu berichten gab. Ich saß noch nicht richtig, da war das Spiel schon durch. Es waren gerade 60 Sekunden verstrichen, da spielten zwei Augsburger auf der linken Seite Doppelpass auf engstem Raum, Hegeler lief mit der Kugel in den Strafraum und zwirbelte sie technisch einwandfrei mit dem Außenrist an den Fünfmeterraum. Dort stand Michael Thurk frei und markierte sein 20. Saisontor. Da hatte man noch einige Tage zuvor den Kopf geschüttelt, wie die Kölner ausgerechnet diesen Stürmer, derzeit im siebten Frühling, nach nur drei Minuten am Fünfmeterraum dermaßen frei stehen lassen konnte – schwupps, da kamen wir und brauchten für dieselbe Glanzleistung nur 65 Sekunden. Die Weigerung der Innenverteidigung, sich um Thurk zu kümmern, hatte natürlich zwei ganz reale Hintergründe: zum Einen hatte man sich innerlich wohl mit den Kölnern geeinigt, an Karneval einfach niemanden Ernst zu nehmen, wer weiß schon, ob das wirklich der Thurk ist, der da rumläuft, hätte ja auch ein Fan im Kostüm sein können. Zum Anderen ist man sich durchaus der Vorreiterrolle bewusst, die Düsseldorf gegenüber dem Bahnhofskapellendorf ein Stück weiter südlich genießt. Und wenn die drei Minuten brauchen, um dem Thurk ein Tor zu schenken, dann brauchen wir noch nicht mal zwei. Wir sind immer schneller!

Das Spiel kann man ansonsten zügig abhaken, da Augsburg klar überlegen war und Fortuna nicht viel auf die Beine brachte. Einmal, ein einziges Mal mussten auch die Heimfans mal kurz die Luft anhalten, dann aber richtig: in der 20. Minute spielte Marco Christ einen Zuckerpass nach rechts in den Strafraum, in den Lauf von Martin Harnik, den die Augsburger hatten ziehen lassen, weil sie auf Abseits spielten, wobei sie sich allerdings gründlich verschätzt hatten. Harnik nahm den Ball direkt aus der Luft, mit der Innenseite, ca. zwölf Meter Torentfernung, und lupfte ihn Richtung linkes Eck, gegen die Laufrichtung von Torwart Jentzsch. Der konnte auch nur noch bewundernd hinterher schauen, war völlig chancenlos, ein echtes Tor des Monats – leider flog der Ball Zentimeter am linken Pfosten vorbei. Wenn das Ding gesessen hätte, hätten wir vielleicht noch eine Chance gehabt. Zumal man sehen konnte, wenn es schnell nach vorne ging, hatte die Augsburger Abwehr durchaus ihre Probleme, wirkte alles andere als sattelfest. Die Stärke der Truppe von Jos Luhukay liegt eindeutig in der Offensive, wenn die schnell umschalten und einen überrennen, dann Prost Mahlzeit. Aber die Fortuna war an jenem saukalten Sonntag (minus vier Grad) viel zu harmlos im Spiel nach vorne und brachte Augsburg nicht ernsthaft in Bedrängnis. Als man zu Beginn der zweiten Halbzeit ein wenig mutiger nach vorne spielte, und der Reporter von Antenne Düsseldorf bei seiner ersten Schalte nach der Pause frohgemut verkündete „Liebe Zuhörer, es sind schon fünf Minuten gespielt, und wir haben noch kein Tor kassiert!“, da zog Augsburg mal kurz das Tempo an und knipste die Fortuna aus. Dann hast du auch keine Chance mehr, besonders wenn in der gegnerischen Mannschaft, die eh schon zu stark für dich ist, noch einer mitspielt, dem im Moment alles gelingt. Dieser eine ist natürlich Michael Thurk, dem es derzeit sogar egal ist, wenn er selbst mal das Tor nicht trifft, dann sattelt er eben auf Vorlagengeber um. Und nachdem er seine zweite Riesenchance zur Verblüffung aller ausnahmsweise nicht nutzen konnte, und er den Ball völlig unbedrängt an Keeper Ratajczak, aber auch knapp am Tor vorbei zwirbelte, da legte er wenig später, als er wieder einmal ziemlich alleine dem Fortuna-Tor entgegen strebte, einfach quer auf Nando Rafael, und der staubte das 2:0 in der 60. Minute ab. Ende Gelände. Daraufhin konnte Trainer Luhukay seinem besten Mann auch schon zur 65. Minute den wohlverdienten Feierabend gönnen, die Augsburger ließen nichts mehr anbrennen und schaukelten das Spiel auf der linken Hinterbacke nach Hause. Fortuna bemühte sich zwar noch, aber mehr als ein leider glasklares Abseitstor von Martin Harnik sprang dabei nicht heraus, ja, man muss ehrlich sagen, dass das Team in der zweiten Hälfte keine einzige gute Torchance heraus spielte. Somit blieb es beim 2:0 für Augsburg, völlig verdient. Diese Niederlage war wirklich kein Beinbruch, zu überlegen war der Gegner. Als Fazit bleibt, dass man sich das hätte sparen können. Am Mittwoch zuvor gewann Augsburg gegen Köln 2:0. jetzt gegen uns 2:0. Die Torschützen gegen Köln waren Thurk und Nando Rafael. Ähnlichkeiten zu unserem Spiel sind durchaus beabsichtigt. Zumal auch noch die Reihenfolge der Torschützen stimmte. Also, dies war ein Spiel aus der Kategorie „DFB-Pokal reloaded“, und mit diesem Hinweis vor dem Spiel hätten einige Hundert Leute an jenem Sonntag verdientermaßen länger schlafen können. Aber hinterher ist man ja immer schlauer.

Dreizehn Minuten für den Tabellenletzten

Am 19.02.2010 – endlich wieder freitags – erschien der Tabellenletzte Rot Weiss Ahlen in der esprit-Arena. Die Rote Laterne im Gepäck, dazu noch mit einer unübersehbaren Rechtschreibschwäche behaftet, was die Farbgebung im offiziellen Vereinsnamen betrifft (kein Bindestrich, „weiß“ mit Doppel-s), ganze 15 Pünktchen bis dato auf dem Konto – was sollte da schon schief gehen? Okay, das letzte Auswärtsspiel hatten sie mit 1:0 bei 1860 München gewonnen, aber darüber konnte man doch nur müde lächeln. Das Grinsen verging mir, als ich, von diesem Ergebnis ausgehend, einfach mal schauen wollte, wie hoch Ahlen zuletzt auswärts verloren hatte. Die Suche zog sich nämlich ganz schön in die Länge und offenbarte ziemlich Verblüffendes.

Es war einmal…unser Hinspiel am 19.09.2009. Fortuna gewinnt in Ahlen mit 4:1, am nächsten Tag sind im Münsterland Trainer und Manager ihre Jobs los. Mit einem Interimstrainer fährt Ahlen am darauf folgenden Freitag nach Berlin und verliert bei Union mit 1:2. Und ob man es glaubt oder nicht: das war sie, die letzte Auswärtsniederlage der Ahlener bis zum Rückspiel bei uns! Die kamen am 19.02.2010 als Tabellenletzter und hatten ihr letztes Auswärtsspiel am 25.09.2009 verloren! Oder andersrum: unter ihrem neuen Coach Christian Hock hatten die noch kein einziges Auswärtsspiel verloren! Zwei Siege und vier Unentschieden in der Fremde standen seitdem zu Buche. So etwas denkt man ja gemeinhin nicht von einem Tabellenletzten. Die sind halt zuhause zu schlecht und spielen zuviel Unentschieden, deshalb kommen sie da unten nicht weg.

Also, wenn man nicht nur aufs Papier schaute, sondern sich diese kleine Hintergrund-Info noch besorgte, dann war dieses Spiel keineswegs eine so „klare Angelegenheit“, wie mancher Fußballkenner im Fernsehsessel oder in einer Zeitungsredaktion meinte. Wurde es aber doch. Allerdings erst ab der 31. Minute.

Fortuna putzte Rot Weiss Ahlen vor 19.000 Zuschauern mit 4:0. Es war eigentlich auch in dieser Höhe verdient, weil man in der zweiten Halbzeit durchaus noch das ein oder andere Tor mehr hätte machen können. In den ersten 30 Minuten allerdings kam man mit dem Gegner überhaupt nicht zurecht. War aber auch gemein: Da kommen die als Loser vom Dienst und erdreisten sich, Forechecking zu spielen! Sie attackierten früh und machten die Räume eng, und der Fortuna fiel nichts dazu ein. Ahlen verbuchte den ersten Eckball nach sieben Sekunden (!), dürfte auch neuer Vereinsrekord sein, ihren zweiten Eckball erhielten sie nach 24 Minuten. Dazwischen passierte absolut nichts, was schilderungswürdig gewesen wäre, und von der Spielverteilung her war das fifty-fifty, wenn überhaupt so günstig, aus Sicht der Fortuna. Wie ein Absteiger spielte Ahlen wahrlich nicht.

In der 26. Minute dann der erste (!) Torschuss auf die Bude von Sascha Kirschstein, dem tapferen Recken im Tor des Schlusslichts. Marco Christ hatte nach einer schönen Kombination rechts von der Strafraumgrenze abgezogen, Kirschstein konnte die Kugel nicht festhalten, aber Harnik kam nicht an den Abpraller ran. Fünf Minuten später tauchten wir dann zum zweiten Mal vor dem Ahlener Gehäuse auf und entschieden die Partie.

In der 31. Minute setzt sich Fink auf der linken Seite schön gegen Ahlens Kapitän Busch durch, wird aber von Selbigem anschließend weggegrätscht. Es gibt Gelb für Busch und Freistoß für Fortuna. Marco Christ dreht die Kugel mit dem rechten Fuß schön vor`s Tor, am Fünfmeterraum springen Harnik, Innenverteidiger Anderson und der soeben verwarnte Busch zum Kopfball hoch. Harnik verfhelt, Anderson trifft und Busch fälscht anschließend mit dem Rücken ein wenig ab – das Ding schlägt als Aufsetzer in der langen Ecke ein, keine Chance für Kirschstein, 1:0 für Fortuna. Zu diesem Zeitpunkt nicht unbedingt verdient, aber spielentscheidend. Denn mit diesem Gegentreffer fanden die Ahlener wohl, dass man für jenen Abend genug geleistet habe und stellten die Abwehr-Arbeit ein. Es genügte, um die Truppe in 13 Minuten aus dem Stadion zu schießen. Einige Minuten später spielte Christian Weber einen schönen Pass aus der eigenen Hälfte auf den sträflich frei stehenden Thorsten Oehrl, der nahm den Ball mit rechts mit, legte ihn mit demselben Fuß noch mal kurz vor und knallte ihn dann völlig humorlos aus 16 Metern, hablinke Position, mit dem linken Fuß flach in die linke Ecke, mit Unterstützung des dortigen Innenpfostens. Ein ganz linkes Ding also, der erste Treffer des Leih-Bremers für uns. Und in der 44. Minute wiederum spielte Oehrl seinen Leih-Kollegen Martin Harnik glänzend frei, der zog alleine auf Kirschstein zu und den Ball anschließend flach an ihm vorbei – 3:0 noch vor der Pause, Fisch gegessen. Selten habe ich eine Mannschaft so schnell auseinander fallen sehen wie die Ahlener, die an jenem Freitag bis zur 31. Minute wahrlich nicht schlecht gespielt hatten.

Nach dem 0:3 war es damit allerdings vorbei, zwar mühten sie sich in der zweiten Halbzeit redlich um den Anschlusstreffer und hatten auch gegen Ende der Partie ein, zwei Chancen, hätten sich den Ehrentreffer durchaus verdient. Aber insgesamt waren sie halt zu harmlos. Fortuna spulte ein besseres Trainingsprogramm ab, machte zwischendurch noch das 4:0 durch den eingewechselten Heidinger – wiederum auf Vorarbeit des an jenem Abend glänzend aufgelegten Oehrl – und hatte durch Christ, Oehrl und Harnik noch weitere Chancen, das Ergebnis noch höher zu schrauben, was gegen die tapferen Gäste allerdings des Guten ein wenig zuviel gewesen wäre. Ein entspannter Freitagabend für uns, der achte Heimsieg in Folge, Einstellung des diesbezüglichen Vereinsrekords. Für die Ahlener, die sich aufgrund ihrer Auswärtsserie bestimmt etwas ausgerechnet hatten, war es ab der 31. Minute ein Desaster.

Rückwärtsseitfallziehlupfer

Am 01.03.2010 war es mal wieder so weit: ein Montagsspiel stand an. Die letzte Partie der Fortuna, die zu solch einem richtig intelligenten Termin ausgetragen wurde, endete 0:0. Das war das Hinspiel. Na klar, Fortuna gegen Alemannia Aachen – das jazzt Dir jeder schlagzeilen- und phrasenschwingende Auflagen- und Quoten-Benötiger in Nullkommanix zum so genannten „Westderby“ hoch. So war es beim Hinspiel geschehen, so geschah es beim Rückspiel. Grundlage dafür ist, dass beide Städte in NRW liegen. Mehr nicht, noch nicht mal in der Nachbarschaft. Aber wenn es halt ein Derby sein soll, kann man auf solche Belanglosigkeiten keine Rücksicht nehmen.

Unser erster Auftritt im neuen Tivoli, das Stadion, in dem die Alemannia seit Beginn der aktuellen Saison residiert. Praktischerweise direkt neben dem alten Tivoli, da braucht man sich keine neue Anfahrt einzuprägen. Das Teil ist recht nett geworden, vielleicht eine Spur zu schwarz-gelb von innen und außen, aber Geschmäcker waren schon immer verschieden. Es versprüht natürlich nicht den Charme des leicht maroden alten Stadions, sondern eher den Charme der großen weiten Welt. Bestand die alte Hütte noch zu drei Vierteln aus Stehplätzen, so sind diese im neuen Stadion nur noch in der Fan-Kurve hinter einem der Tore vorhanden sowie in kleiner Anzahl im Gästebereich. Dafür haben sich die Eintrittspreise ein wenig nach oben verändert, Stehplätze 12 Euro, okay, aber mit Ausnahme eines kleinen Blocks, in dem man für 18 Euro die Wahl hat, sich hinzusetzen und nichts zu sehen, oder wie die Vorderleute das Spiel stehend zu verfolgen, gibt es Sitzplatzkarten erst ab 24 Euro aufwärts. Nicht schlecht für Zweitliga-Mittelmaß. Die Alemannia muss das Stadion abbezahlen und lässt erst einmal andere zahlen. Das sind ganz schön happige Preise, und vielleicht liegt es auch ein klein wenig darin der Grund, dass der Funke aus dem alten Tivoli noch nicht so recht überzuspringen scheint. Dies scheint auch der Mannschaft so zu gehen, die vor der Partie gegen die Fortuna bereits vier Niederlagen in der neuen eigenen Hütte auf dem Konto hatte. Vielleicht sehen es Einheimische und Spieler ja ähnlich wie ich als Auswärtiger: modernes funktionales Stadion und Alemannia – das ist irgendwie ungewohnt, das geht nicht. Ich kenne die Alemannia Zeit meines Lebens nur mit Bruchbude, und es war immer schön. Aber in diesem Bau…? Na gut, zum Glück muss ich mich nicht daran gewöhnen, dafür bin ich zu selten vor Ort. Aber wenn ich daran denke, wie lange wir gebraucht haben, um uns mit unserer bunten Turnhalle anzufreunden und in dieser Saison endlich eine richtige Festung daraus zu machen…kann sein, dass es auch in Aachen noch ein wenig dauern wird.

Also, der Hattrick der neuen Stadien bei Auswärtsspielen ging in die zweite Runde. Nach Augsburg zwei Wochen zuvor nun wiederum eine Arena, die erst seit Beginn der Saison in Betrieb ist. Und in zwei Wochen geht es zum FSV Frankfurt, der zwar kein nagelneues Stadion besitzt, aber das alte am Bornheimer Hang derart runderneuert hat, dass der Verein die komplette letzte Saison in der riesigen Commerzbank-Bank der Lokalgröße Eintracht Frankfurt kicken musste. Da wird man wohl auch kaum noch etwas von früher erkennen, zumal ich dort zuletzt im Jahr 1994 war. Nicht nur neue Gegner als Aufsteiger in dieser Saison, sondern auch neue Buden, wohin man schaut.

Auf dem alten Tivoli war Fortuna zuletzt ebenfalls im Jahr 1994 zum Pflichtspiel aufgelaufen. Allerdings in der damals noch drittklassigen Oberliga Nordrhein. Die Alemannia war in jener Saison 1993/94 der einzig Ernst zu nehmende Konkurrent für den direkten Wiederaufstieg in die 2. Liga. Dementsprechend war das Interesse der Fans: 20.000 Zuschauer wollten das Spiel sehen, so ziemlich zu Beginn der Rückrunde, eine geradezu unfassbare Zahl, wenn man bedenkt, dass in der damaligen Oberliga vielleicht 500-800 Männeken zu den Spielen pilgerten, an denen diese beiden Vereine nicht beteiligt waren. Fortuna gewann damals mit 1:0 durch ein Kopfballtor von Ralf Voigt und legte den Grundstein für eine ungefährdete Meisterschaft, die anschließend mit der erfolgreichen Aufstiegsrunde und dem Fahrstuhl in Richtung 2. Liga ein schönes Ende nahm.

Seitdem ist Fortuna nur noch ein einziges Mal auf dem alten Tivoli zu Gast gewesen, nämlich im August 2002. Es war das erste Auswärtsspiel nach dem Abstieg in die zum damaligen Zeitpunkt viertklassige Oberliga Nordrhein, und dementsprechend hieß der Gegner auch nicht Alemannia Aachen, sondern Alemannia Aachen II. Unfassbarerweise gewannen wir mit 4:2 und konnten daher sagen, dass wir in den letzten 16 Jahren nur Siege auf dem alten Tivoli eingefahren hatten. Nun war es Zeit, den neuen zu knacken.

Und es gelang. Fortuna siegte mit 1:0 vor 27.000 Zuschauern und holte sich den vierten Tabellenplatz wieder, den man kurzfristig an Arminia Bielefeld abgeben musste, weil diese tags zuvor doch etwas überraschend beim FC St. Pauli ebenfalls mit 1:0 gewonnen hatten. So rückten beide Teams, Bielefeld und die Fortuna, bis auf drei Punkte an die Hamburger heran, die auf Platz 3 der Tabelle standen.

Es war ein glücklicher Sieg, wer würde dies verleugnen? 24:7 Torschüsse und 9:3 Ecken für Aachen sprechen eine ziemlich deutliche Sprache. Die Gastgeber, die in dieser Saison nur selten attraktiven Fußball spielen, hatten nämlich einen ihrer besseren Tage erwischt. Oder Fortuna einen ihrer schlechteren. Wahrscheinlich beides zusammen. Aachen war über die gesamte Spielzeit klar überlegen und hatte ein halbes Dutzend klarer Großchancen. Vielleicht auch mehr, manchmal mochte ich nicht mehr hinsehen. Unsere Abwehr, ansonsten gerade bei gegnerischen Standards eine ziemliche Bank, hatte sich wohl erinnert, wo man normalerweise den Montagabend zu verbringen pflegt, nämlich daheim auf dem Sofa, und die Spielweise der zu diesem Termin ortsüblichen Tätigkeit angepasst. Irgendwie kamen sie nie rechtzeitig vom Boden hoch. Aber zum Glück war dann noch einer da, der der Meinung war, wenn er schon mal auf dem Rasen sein müsste, könnte er die Zeit bis zum Feierabend wenigstens mit sinnvoller Tätigkeit ausfüllen: Torwart Michael Ratajczak hatte einen Sahne-Abend erwischt und brachte die Aachener zur Verzweiflung. Kostprobe gefällig? Zunächst nach einer Viertelstunde, als nach einem Eckball von links der Aachener Mirko Casper völlig frei am langen Eck auftauchte und den Ball aus vielleicht fünf, sechs Metern Entfernung aufs Tor köpfte. Mit einer spektakulären Parade war Ratajczak noch in der Ecke und konnte abwehren. Selbiges gelang ihm kurz darauf bei einem Distanzschuss, der genau gepasst hätte, abgefeuert von Patrick Milchraum. Bei einem weiteren Geschoss von Milchraum wäre der Keeper wohl machtlos gewesen, aber der Ball ging knapp am Tor vorbei. Kurz nach dem Führungstreffer der Fortuna tauchte Abwehrmann Nico Herzig nach einer Ecke ebenfalls völlig verlassen am Fünfmeterraum auf. Dessen wuchtiger Kopfball kam zwar ziemlich genau auf Mann, aber aus dieser Nähe noch einen Reflex rauszuholen und den Ball ums Tor zu drehen und sich eben nicht selbst rein zu werfen, ist auch schon eine ziemliche Leistung. Nach der anschließenden Ecke von rechts stand mal wieder Casper frei am Fünfer, diesmal am anderen langen Eck des Tores. Auch diesen Kopfball fischte Ratajczak noch aus dem Eck. Bereits zur Pause rauften sich die Aachener Spieler die Haare und konnten nicht verstehen, warum sie 0:1 zurück lagen. Der Rest des Stadions auch nicht, aber so ist Fußball. Nach der Pause ging es dann munter weiter, zunächst lupfte der eingewechselte Daniel Adlung die Kugel in den fortunistischen Sechzehner, wo sie von Babacar Gueye sensationell mit dem Hinterkopf über seinen sichtlich verdutzten Gegenspieler und über Ratajczak hinweg, der den Ball gar nicht hatte sehen können, zum hochverdienten Ausgl…nein, mit einer der technischen Finesse des Stürmers angemessenen rückwärtigen Flugeinlage konnte Ratajczak auch diesen Ball noch über die Latte lenken. Und als er dann doch den einzigen Fehler im Spiel beging und nach einem Freistoß von links nicht an die Kugel heran kam, weil ein Aachener vor ihm per Kopf auf den langen Pfosten verlängert hatte, da bekam er dann das Glück des Tüchtigen: wieder war es Nico Herzig, der die Kopfballverlängerung dankbar aufnahm und den Ball ebenfalls per Kopf Richtung leeres Tor beförderte – nur war das gar nicht mehr leer, weil sich inzwischen Johannes van den Bergh auf der Torlinie eingefunden hatte und klären konnte. Das waren nur die ganz dicken Dinger, an die mich erinnere. Als in der Nachspielzeit auch ein Schrägschuss von Adlung knapp sein Ziel verfehlte, waren die Gastgeber mit ihrem Latein am Ende, und wir hatten gewonnen. Unverdient vielleicht, aber wiederum auch nicht so ganz, denn solche Spiele haben wir in der jüngeren Vergangenheit zuhauf abgeliefert, besonders Heimspiele in der 3. Liga seien hier genannt. Ich fand es nur fair, dass wir diesmal auswärts auch ein wenig von dem Glück hatten, das andere Teams zuvor schon so oft bei uns hatten.

Fortuna hatte im gesamten Spiel eigentlich nur drei große Szenen, die allerdings jede für sich betrachtet, sowas von groß waren, dass sie auch wesentlich zur Unterhaltung an jenem Abend beitrugen. Die erste war auch gleich die Szene des Spiels, nämlich der Siegtreffer in der 25. Minute. Von links schaufelt Thorsten Oehrl die Kugel aus ungefähr 25-30 Metern Entfernung zum Tor hoch in den Strafraum, in dem drei Welten aufeinander treffen: Abwehrhüne Olajangbesi im Laufduell mit unserem Stürmer Martin Harnik sieht Torwart Stuckmann aus dem Tor eilen und hält sich daher im Zweikampf zurück. Stuckmann, bei dem kein Mensch sagen kann, was er in dieser Situation so weit vor der Linie zu suchen hat, sieht wiederum Olajangbesi, denkt wohl, dass dieser an den Ball kommen werde und hält sich daher ebenfalls zurück. Und in der Mitte der beiden Aachener ist Martin Harnik, der aus dieser Situation das Beste macht, nämlich einfach ein Traumtor, welches sich in der Schriftsprache so kompliziert liest wie eine deutsche Bedienungsanleitung für ein japanisches elektrisches Gerät, die derjenige Japaner beim Hersteller verfassen musste, der beim Firmen-Karaoke jedes Mal den großen Nena-Ähnlichkeitswettbewerb gewonnen hatte, wenn „99 Luftballons“ gespielt wurde: Harnik legt sich aus dem Lauf heraus quer in die Luft, seitlich zum Gehäuse, und mit dem Rücken zum Tor erwischt er den Ball mit dem rechten Außenrist und spitzelt ihn über den sichtlich verdutzten Stucki Stuckmann hinweg (und der ist 2 Meter lang!), der Ball fliegt und fliegt und landet rechts unten im Eck. Harnik springt wieder auf, und man ist im ersten Moment froh, dass der sich bei diesem Flug und diesen Verrenkungen nichts gebrochen hat, bevor man realisiert, dass die Kugel ja im Netz liegt. Das ganze hochkomplexe Manöver von Harnik, griffig zusammengefasst, ergibt übrigens die Zwischenüberschrift zu diesem Abschnitt des Textes, nicht dass einige Leser immer noch rätseln. Ein Sahne-Tor, welches man auch bei bestem Bemühen in dieser Art vielleicht einmal im Jahr erzielt, wenn überhaupt. Das kann man sich gerne so fünf- bis zehnmal ansehen. Pro Stunde.

Die zweite Szene der Fortuna musste eigentlich die Entscheidung sein. Als man sich Mitte der zweiten Halbzeit zeitweise ein wenig aus der Umklammerung der Gastgeber lösen konnte, gelangen einige ordentliche Angriffe, und es sprang eine Riesenchance heraus. Von links hatte Thorsten Oehrl bei einem Konter mit flachem Ball in die Mitte wiederum Harnik gesucht. am Fünfmeterraum, in Höhe des kurzen Pfostens war Olajangbesi verzweifelt in den Ball gegrätscht und hatte ihn auch gestoppt, jedoch war er dabei natürlich zu Boden gegangen und konnte die Kugel nicht mehr spielen. Oliver Fink rauschte heran und musste den Ball nur noch einmal mitnehmen und dann in Richtung Tor stupsen. Tat er dann auch, aber plötzlich gab es unfassbarerweise nur Ecke für Aachen, und Fink fasste sich fassbarerweise an den Kopf. Ich weiß bis heute nicht genau, was da passiert ist, entweder hatte der am Boden liegende Olajangbesi irgendwie noch ein Bein dazwischen bekommen, oder Torwart Stuckmann, der die Kugel eigentlich gar nicht sehen konnte, weil sein Abwehrspieler zwischen ihm und dem Ball lag, hatte irgendwie noch eine Hand an den Ball bekommen. Sensationell.

Fast so sensationell wie die dritte Szene des Abends. Ein echtes Highlight – vorausgesetzt, man befindet sich im Kindergarten. Heutige Lektion: Zeitschinden, blöd gemacht. In der 80. Minute rollt ein Ball an der Seitenlinie ins Aus, Einwurf für Aachen. Fortuna-Kapitän Andreas Lambertz trottet dem Ball hinterher, obwohl er natürlich genau weiß, dass die Aachener von einem Balljungen schon längst einen neuen Ball zugeworfen bekommen haben. Aber da er dem Geschehen den Rücken zudreht, kann man’s ja mal probieren. Er nimmt also den Ball und wirft ihn wieder ins Feld, um den Aachenern die Kugel für den Einwurf, der längst ausgeführt worden ist, zu überlassen. Oder aber, um einfach Zeit zu schinden, denn mit dem zweiten Ball im Spiel muss der Schiri Selbiges natürlich unterbrechen, was auch geschieht. Anschließend mal kurz doof gucken und überrascht tun, dass das Spiel hinter seinem Rücken schon längst weiter gelaufen ist. Und sich wahrscheinlich dann als Held feiern lassen, weil man unfassbare zehn Sekunden Zeit geschunden hat. Die Quittung kommt genau dann, wenn man diese Aktion dermaßen übertrieben durchzieht, dass einem niemand glaubt. Und wenn man einen Schiri am Start hat, der schon den ganzen Abend dadurch aufgefallen ist, dass ihn eher die Kleinigkeiten im Leben zu interessieren scheinen. Und genau deshalb war diese Lachnummer von Lambertz mannschaftsschädigendes Verhalten. Denn was anschließend passiert, muss er vorher auch gewusst haben: selbstverständlich glaubt ihm der Schiri nicht, dass er den neuen Ball im Spiel nicht gesehen hätte, das hätte ihm in dieser Situation die eigene Großmutter nicht geglaubt. Folglich zeigt er Lambertz die Gelbe Karte wegen unsportlichen Verhaltens, und weil der Kapitän schon Gelb hatte, direkt noch die Rote hinterher. Für mich die dümmste Gelb/Rote Karte aller Zeiten, provoziert durch den lächerlichen Gedanken, hier zehn Sekunden rausholen zu können. Fortuna somit in den letzten zehn Minuten in Unterzahl, und wenn sie da noch den Ausgleich kassiert hätten, hätte ich Lambertz zu Fuß nach Hause laufen lassen. Aber zum Glück ging es ja gut. Und der Mannschaftskapitän hatte am darauf folgenden Wochenende alle Zeit der Welt, mal ein wenig über den Begriff „jemandem einen Bärendienst erweisen“ nachzudenken. Ich hoffe, es kam was dabei rum.

Diese Hoffnung habe ich übrigens bei den Aachener Parkplätzen aufgegeben. Anderthalb Stunde brauchte ich nach dem Spiel, nur um vom Parkfeld A auf die Hauptstraße zu gelangen. Liegt daran, dass sowohl dieses Parkfeld als auch das quer daneben gelegene Feld C als auch ein Parkhaus in nächster Nähe auf eine kleine Nebenstraße geführt werden. Brillant. Es ging eine Stunde lang weder vor noch zurück, dann zumindest häppchenweise. Und das bei einem brandneuen Stadion. Ich werde demnächst mal nachfragen, wer für dieses Parkkonzept verantwortlich ist und dann kritisch vergleichen. Nämlich mit demjenigen Eumel, der für den Bau der Parkplätze am ebenfalls noch nicht ganz so alten Borussia-Park in Mönchengladbach verantwortlich zeichnete. Entweder sind die beiden miteinander verwandt – oder es ist praktischerweise direkt ein und derselbe Mensch. Verkehrssystematische Meisterleistungen in Ostholland, oder: warum es diesen beiden Vereinen anscheinend völlig schnuppe ist, wie ihre zahlenden Zuschauer nach dem Spiel nach Hause kommen. Und vor allem wann.

Nullnummer im Schneeregen

Am 05.03.2010 – ja, es war ein Freitag – kam die SpVgg Greuther Fürth in die esprit-Arena, im Gepäck den waschechten Düsseldorfer Sami Allagui als Torjäger, den Ex-Fortunen Mike Büskens als Trainer sowie die beeindruckende Bilanz als zweitbeste Rückrundenmannschaft zu diesem Zeitpunkt. Ein in der Hinrunde abgestürzter Aufstiegsfavorit, der sich nach dem Trainerwechsel beängstigend schnell wieder erholt hatte und im Rahmen seiner langsam ansteigenden Normalform unter anderem den 1.FC Kaiserslautern 3:0 weggeputzt hatte. Nur vier Tage nach dem Kraftakt in Aachen war dieser Gegner eine Nummer zu groß für die Fortuna. Bei wirklich unwirtlichen äußerlichen Bedingungen biss man sich vor 22.000 Zuschauern die Zähne an dem unangenehmen Gegner aus, der sicher in der Abwehr stand und nur selten nach vorne kam. Aber wenn, dann brannte es auch gleich richtig. So hätte der erwähnte Sami Allagui bereits nach 60 Sekunden fast das 0:1 erzielt, als er beim ersten Fürther Angriff eine zu kurze Kopfballabwehr aus 16 Metern volley nahm, aber Fortuna-Keeper Ratajczak konnte den Ball souverän unter sich begraben. Und nach einem Fehler von Ratajczak, der einen Eckball völlig falsch berechnete, sprang der erwähnte Sami Allagui zu Beginn der zweiten Halbzeit mit dem Ball quasi gemeinsam über die Torauslinie, zu überrascht war er von dieser Chance, um den Kopfball noch zu platzieren, das Tor war leer. Und der erwähnte Sami Allagui war es auch, der nach etwas über einer Stunde die größte Möglichkeit für die Franken hatte, als er im Mittelfeld prima frei gespielt wurde, mit einem schönen Antritt drei Fortunen stehen ließ und aufs Tor stürmte. Zum Glück fehlte ihm wohl am Ende die Kraft zum gezielten Abschluss, der Ball kullerte dann doch harmlos um einige Meter am Tor vorbei. Alleine der Ur-Düsseldorfer hatte es also in der Hand (bzw. im Fuß und auf dem Kopf), die Heimmannschaft abzuschießen, gnädigerweise tat er es nicht, wahrscheinlich war auch er, wie ich, der Meinung, dass er sich diesbezüglich im Hinspiel bereits genügend ausgetobt hätte (1 Treffer und 1 Assist beim 2:1-Sieg). Ansonsten beschränkten sich die Gäste darauf, hinten gut zu stehen, was sie dann auch so gut machten, dass die Fortunen kaum einmal durchkamen. War der Gastgeber in der ersten Hälfte noch bemüht, fleißig nach vorne zu spielen und einige gefährliche Situationen herauszuspielen, die allerdings kaum mal zu echten Torchancen führten, so musste man in den zweiten 45 Minuten vorsichtiger agieren, als die Gäste auch etwas zum Offensivspiel beitragen wollten. Besonders ab der 75. Minute, dann war die Fortuna nämlich plötzlich nur noch zu zehnt, Linksverteidiger Johannes van den Bergh hatte Gelb/Rot gesehen. Zu diesem Platzverweis nach zwei Allerweltsfouls (wenn überhaupt) zitiere ich natürlich gerne den Gästetrainer, der nach dem Spiel, auf van den Bergh angesprochen, sagte. „Während meiner aktiven Karriere hätte es beide Gelben Karten nicht gegeben.“ Recht hatte er, aber die Zeiten ändern sich. Heutzutage lässt so ein Schiri in der ersten Halbzeit mal gerne alles Mögliche durchgehen, um dann in der zweiten Hälfte den Karton schon zu ziehen, wenn ein Spieler allzu offensichtlich gähnt, weil dies ja als Affront gegen den Schiri ausgelegt werden kann. Nicht dass in diesem Spiel jemanden wegen dieses „Vergehens“ belangt wurde, aber es war mal wieder merkwürdig, welche Kartenflut (insgesamt acht Gelbe, davon nur zwei vor der Pause) in der zweiten Halbzeit zu besichtigen war, ohne dass das Spiel irgendwie härter geworden wäre. Eine Viertelstunde vor Schluss durfte van den Bergh duschen gehen, und gegen diesen Gegner hieß das, dass man froh sein musste, das torlose Unentschieden über die Zeit zu bringen. Ironischerweise gab es kurz darauf in Unterzahl noch die beste Gelegenheit der Fortuna, das Spiel doch noch zu ihren Gunsten zu entscheiden, aber wie schon zuvor auf der Gegenseite Allagui, so musste diesmal Martin Harnik anscheinend dem hohen Tempo seines spektakulären Sololaufs Tribut zollen, den er in der 80. Minute fast an der Mittellinie begonnen hatte. Nachdem drei Fürther ihn nicht halten konnten, fehlte auch ihm schließlich die Kraft zum Abschluss, ein Fürther Bein war wohl auch noch dazwischen, und so konnte Fürths Keeper Max Grün den doch eher harmlosen Schuss problemlos parieren. Anschließend schaukelte man sich gegenseitig in den Feierabend, und beide Seiten waren aufgrund des Spielverlaufs nicht unzufrieden mit dem torlosen Unentschieden. Das 13. Heimspiel in dieser Saison für die Fortuna, weiterhin ohne Niederlage. Hoffentlich ein gutes Omen für die beiden kommenden Heimpartien. Denn dann erscheint zunächst der 1. FC Kaiserslautern, und anschließend kommt der FC St. Pauli. Für beide Spiele sind jetzt schon jeweils über 20.000 Tickets abgesetzt, man darf sich also auf zwei schöne Abende freuen, nur getrübt durch die Tatsache, dass beides Montagabende sind.

Aber das nächste Spiel ist immer das Schwerste, und deshalb gilt die Konzentration nunmehr der Partie beim FSV Frankfurt am kommenden Samstag, 13.03.2010. Die sind zwar nur Tabellensechzehnter, sind allerdings seit fünf Spielen ungeschlagen und holten in der letzten Woche mal eben ein 1:1 beim 1. FC Kaiserslautern. Also vergessen wir das mal ganz schnell mit dem Tabellenplatz, die sind derzeit wesentlich besser drauf, als es ihre aktuelle Platzierung aussagt.

Fortuna hat mit 44 Punkten durchaus noch Tuchfühlung zum Relegationsplatz 3, es sind nur zwei Punkte Rückstand. In den nächsten vier Wochen könnte sich schon entscheiden, ob in dieser Saison noch etwas nach oben geht, oder ob die grandiosen Leistungen, die bisher zum Teil erbracht wurden, für einen guten Mittelfeldplatz reichen. Erst nach Frankfurt, und zwischen den beiden Spitzenspielen daheim noch nach Karlsruhe, wo der Erstliga-Absteiger derzeit trotz seines überraschenden Sieges in Bielefeld am letzten Spieltag doch eher von allen guten Geistern verlassen zu sein scheint, sodass man sich auch dort durchaus etwas ausrechnen darf. Mal sehen, wo man nach dem Spiel gegen St. Pauli am Ostermontag steht. Bis dahin wünsche ich schon mal prophylaktisch einen schönen Frühlingsanfang, und wem dieser Witz in diesem Jahr schon reichlich geschmacklos erscheint, den beglücke ich auch gerne noch mit einem: „Eier, wir brauchen Eier!“

Und zwar, weil Ostern vor der Tür steht, und fröhliche selbige wünscht schon mal: janus

 

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