15.-17. Spieltag

 

Die erste Zweitliga-Hinrunde der Fortuna seit zehn Jahren ist Geschichte. Sie verlief, gelinde gesagt, sensationell, auch wenn das Happy End fehlte. Dies gilt aber nicht für mich, denn das letzte Spiel des Jahres 2009 konnte ich nicht sehen. Ich war schon Monate zuvor davon ausgegangen, dass die DFL unsere Freitags-Orgie ungerührt fortsetzen würde, deshalb erschien mir Samstag, der 19.12.2009, als ein guter Zeitpunkt, um mal wieder ein Konzert zu besuchen. Und dann setzen die ausgerechnet dieses Spiel plötzlich an einem Samstag an! Getreu meinem Grundsatz, dass ich nicht ausschweifend über etwas berichte, was ich nicht selbst gesehen habe, ist somit die Berichterstattung des Spiels in Rostock auf einen flotten Dreizeiler beschränkt. Bleibt halt mehr Raum für ein Fazit. Und da es sowieso nur noch drei Spiele waren, ist alles ein wenig kürzer. Aber nur ein wenig.

Vorab ein wenig Bürokratie

Bekanntermaßen hatte ich zum Schluss des vorherigen von einer möglichen Sperre für Kapitän Andy Lambertz geschrieben, weil Ewald Lienen ihn zum Kotzen fand. Wer nicht mehr weiß, worum es ging, darf gerne nachschlagen, das spart mir Zeit. Und deswegen veröffentliche ich hier auch gleich das anschließende Schreiben des DFB-Kontrollausschusses, welches mich sehr überraschte, weil es logisch war:

„Pressemitteilung 176/2009 vom 02.12.09

Ermittlungsverfahren gegen Andreas Lambertz eingestellt

DFB-Sportgerichtsbarkeit verzichtet auf Sanktionen gegen den Kapitän

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat das Ermittlungsverfahren gegen Fortunas Kapitän Andreas Lambertz eingestellt. Dazu äußert Dr. Anton Nachreiner, der Vorsitzende des DFB-Kontrollausschusses: ‚Da der Schiedsrichter das Einsteigen des Münchner Spielers José Holebas gegen Lambertz als gefährliche Spielweise bewertet und aus diesem Grund auf Freistoß für Fortuna Düsseldorf entschieden hatte, kam es nicht darauf an, ob beim Spieler Lambertz eine Täuschungsabsicht gegenüber dem Schiedsrichter, die er bestreitet, vorgelegen hat.’

Nach Auswertung der vorliegenden Fernsehbilder des Auswärtsspiels beim TSV 1860 München am vergangenen Sonntag war Andreas Lambertz verdächtigt worden, sich in der 70. Spielminute absichtlich fallen gelassen zu haben (‚Schwalbe’), ohne dass ein Körperkontakt mit Gegenspieler José Holebas, der in dieser Situation den Ball gespielt hatte, vorgelegen hatte. Schiedsrichter Daniel Siebert hatte nach dieser Szene auf direkten Freistoß für Düsseldorf entschieden, wodurch Fortunas Treffer zum 1:2-Anschluss fiel. Lambertz hatte auch im DSF-Interview nach dem Spiel gesagt, dass es kein Foulspiel gewesen sei und er sich habe fallen lassen. Diese Aussage relativierte der Publikumsliebling jedoch in einer anschließenden schriftlichen Befragung.“

Ewald Lienen hinterließ in dieser Sache noch etwas Erstaunliches in der Zeitung mit den großen Buchstaben: Er fand die Einleitung dieses Verfahrens „überzogen“, für ihn sei „die Angelegenheit abgehakt“. Jaja, erst vor einem Millionenpublikum schön die Lunte legen und hinterher sagen, so wild sei es dann doch nicht gewesen. Und das alles, weil er keinen Bock hatte, sich wenigstens über die Regeln des Berufs zu informieren, den er ab und zu mal ausübt. Der Fair Play-Preis 2009 dürfte also schon vergeben sein, da kommt kein Anderer mehr mit.

Hätte ich doch diesen letzten Satz nicht geschrieben. Die Tinte war kaum trocken, da erschienen sofort zwei neue Kandidaten auf der Bildfläche. Und die waren nun wirklich vom Allerfeinsten.

Sekundenbruchteile auf deutschem Boden

Am 04.12.2009 kam mit Arminia Bielefeld der dritte Erstliga-Absteiger nach Karlsruhe und Cottbus in die esprit-Arena, allerdings von erheblich anderem Kaliber als die beiden Letztgenannten. Eine echte Spitzenmannschaft, die allerdings gegen Ende der Hinrunde ein wenig schwächelte und vor der Partie drei Spiele in Folge sieglos war. Anschließend waren es vier, was allerdings mal wieder nicht ohne Protest abging.

Zunächst gab es einen neuen Vereinsrekord bezüglich der Zweitliga-Zuschauer. 30.300 Besucher wollten das Spiel sehen, soviel gab`s noch nie, wenn Fortuna mal im Unterhaus antrat. Und die werden ihr Kommen wohl auch nicht bereut haben. Es sei denn natürlich, sie waren aus Bielefeld angereist.

Ihre Lieblinge auf dem Platz bekamen in der ersten Halbzeit nämlich nicht annähernd ein Bein auf die Erde. Bielefelds Trainer Thomas Gerstner sprach nachher völlig zu Recht von einer „unterirdischen ersten Halbzeit“, und dies war noch sehr diplomatisch ausgedrückt. Was deren Abwehr und Mittelfeld sich zusammen spielten, hatte Hand und Fuß, allerdings nur, soweit es die Angriffe der Fortuna begünstigte. Zunächst ein Warnschuss von Martin Harnik, den Bielefelds Keeper Dennis Eilhoff sicher parieren konnte. Fast hätte der sich auch noch von der schlechten Leistung seiner Vorderleute anstecken lassen, wurde er doch Hauptfigur in der unglaublichsten Szene in Halbzeit Eins. Nach einem Rückpass wollte er den Ball am Fünfmeterraum wegschlagen. Leider versprang die Kugel kurz vor seinem Fuß, sodass er eine saubere Kerze produzierte. Anschließend gewannen sowohl Harnik in der Luft als auch Jovanovic am Boden ihre Duelle mit dem Keeper, sodass Jovanovic aus drei Metern eigentlich nur ins relativ leere Tor hätte einnetzen müssen. Leider konnte den Ball nicht mehr kontrollieren und stolperte ihn Richtung Bielefelder Kasten – genau auf Abwehrspieler Arne Feick, der zurück geeilt war und auf der Linie klären konnte. Wahrscheinlich hatte eh alles nur auf den Pfiff des Schiris gewartet, aber es war zu keiner Zeit ein Foulspiel vorhanden, der Treffer hätte gezählt. Sah schon leicht skurril aus.

Allzu lange ließ Fortuna die Fans aber nicht warten, zu überlegen war man in der ersten Halbzeit. Nach 16 Minuten klingelte es im Kasten des Aufstiegsfavoriten, und es war natürlich Martin Harnik. Nach Freistoß Weber von der linken Seite wuchtete er die Kugel per Kopf gegen die Laufrichtung von Eilhoff zum 1:0 in die Maschen. Da seine Körperhaltung dabei eher der eines Stiers ähnelte, der grad den Torero auf die Hörner nimmt, rätselten wir zunächst, mit welchem Körperteil er den Ball eigentlich getroffen hatte, Kopf, Schulter, Rücken, alles zusammen. Aber nein, es war tatsächlich nur der Kopf, lediglich die merkwürdige Körperhaltung hatte ein wenig verwirrt.

Noch verwirrter als wir waren augenscheinlich die Bielefelder. Denn bevor sie sich wieder richtig sortiert hatten, stand es schon 2:0. Nur sechs Minuten nach dem ersten Treffer spielt van den Bergh auf links einen Pass nach vorne, ein weiterer Fortune verlängert den Ball, der sich eindeutig auf und nicht hinter der Seitenauslinie befindet, im Direktspiel nach vorne, in den Lauf von Jovanovic, der nicht im Abseits steht. Der kurvt von links in den Strafraum ein und in spitzem Winkel auf Eilhoff zu. Und als dieser aus seinem Tor muss und jeder mit einem Rückpass in die Mitte rechnet, da wemmst Jovanovic die Kugel mit links und voller Wucht an Eilhoff vorbei rechts oben in den Winkel. Meine Herren! 2:0 nach 22 Minuten, und das auch noch vollkommen verdient und eigentlich um ein Tor zu niedrig. Mindestens.

Von Bielefeld in der ersten Halbzeit nix zu sehen, bis auf eine Szene kurz vor der Pause, die ein wenig ahnen ließ, dass der Schiri an jenem Abend nicht so ganz den Durchblick hatte. Auf rechts wird Lamey freigespielt, nimmt den Ball mit dem Kopf mit, anschließend kann Kozo aber klären, weil Lamey sich den Ball viel zu weit vorgelegt hat. Insoweit nichts Ungewöhnliches. Allerdings pfeift der Schiri und zeigt Lamey anschließend die Gelbe Karte wegen absichtlichen Handspiels. Natürlich ein Witz, allerdings nahm Lamey den Ball zwar mit dem Kopf mit, riss dabei aber auch den rechten Arm hoch, und je nach Blickwinkel konnte man das wirklich für ein Handspiel halten. Jedoch hätte dies zumindest der Assistent sehen müssen. Eine Fehlentscheidung, über die zumindest Lamey nicht besonders lachen konnte, denn es war seine fünfte Gelbe, damit ein Spiel Sperre. Wurde vom DSF und von den Bielefeldern nach dem Spiel natürlich und auch zu Recht moniert. Dass der Freistoß für Bielefeld, der diese Szene überhaupt erst einleitete, ein ebensolcher Witz war, für den Costa auch noch mit Gelb bedacht wurde, und dass es ebenfalls dessen fünfte Gelbe war – egal, war nicht so deutlich zu sehen, also uninteressant. Abgesehen von dieser Situation setzte sich nun wirklich kein Bielefelder in der ersten Halbzeit auch nur irgendwie ins Szene, sodass deren Anhang schon Mitte der ersten Hälfte lautstark „Wir wollen euch kämpfen seh`n!“ intonierte. Könnte aber auch an Fortuna gelegen haben, die eine der besten Halbzeiten der Saison ablieferte.

Nun, in Hälfte Zwei war dies relativ schnell vorbei. Denn schon mit dem ersten Angriff gelang Bielefeld der Anschlusstreffer, resultierend aus einem falschen Einwurf der Fortuna. Bielefeld bekommt den Ball zugesprochen, und dann ging es ruckzuck über rechts, Flanke hinter den langen Pfosten, Guela legt per Kopf in die Mitte, und Pavel Fort wuchtet die Kugel am Fünfmeterraum artistisch mit dem Rücken zum Tor in Selbiges. Ein klasse Tor, wenn auch zu diesem Zeitpunkt natürlich völlig unverdient, es handelte sich um den ersten Torschuss der Gäste.

Das mit dem „unverdient“ war aber schon bald Geschichte, denn in der Folgezeit zeigte die Arminia recht schnell genau das, was man eigentlich von Anfang an erwartet hatte. Fortuna kam gar nicht mehr hinten raus, die Bielefelder zogen ein Powerplay auf, gewannen plötzlich die Zweikämpfe, und das Bällchen lief zeitweise dermaßen flott in ihren Reihen, dass der eine oder andere Fortune zum hilflosen Brummkreisel mutierte. Nachdem wiederum Pavel Fort noch zweimal gescheitert war, einmal per Hacke an Ratajczak, einmal aus spitzem Winkel per Vollspann an sich selbst, weil er den Ball knapp über das Tor setzte, klingelte es in der 62. Minute erneut im Fortuna-Kasten, zu diesem Zeitpunkt hochverdient und schon längst überfällig. Besonders ärgerlich allerdings, dass wir das Ding wieder vorbereiteten. Wieder mal nach eigenem Einwurf auf der linken Seite im Abwehrbereich bekamen wir den Ball nicht weg, ein Fortune rutschte beim Klärungsversuch sogar noch aus, die Kugel kam in den Strafraum, und dann ging es auf einmal viel zu schnell: mit zwei übel fixen Kurzpässen im Strafraum wurde die Abwehr ausgespielt, der entscheidende Ball kam von Federico auf Risgard, und der Däne zimmerte die Pille aus sieben Metern ins kurze Eck unter die Latte. Spiel gedreht in nur fünfzehn Minuten. Okay, in der Woche zuvor in München waren wir schneller gewesen, aber wir waren ja auch ein anderes Kaliber für Bielefeld als München für uns. Nun drohte ernsthaft etwas, an das man seit dem Augsburg-Spiel nicht mehr gedacht hatte, nämlich die erste Heimniederlage der Saison, zumal Bielefeld weiter Druck machte. Aber so ab und zu konnten sich die Fortunen nun befreien und auch mal wieder angreifen. Einer dieser Angriffe hätte das Traumtor eines jeden Trainers werden können, weil es nämlich wirklich aussah wie im Training: nach einer Kopfballstafette im Mittelfeld kam der Ball zu Fink, der ebenfalls aus der Luft, aber mit dem Fuß einen Traumpass auf Jovanovic schlug, den dieser mitnehmen und mit Ball alleine aufs Tor zu rennen konnte. Jedoch verstolperte er mit dem zweiten Ballkontakt die Kugel, legte sie sich viel zu weit vor, und Eilhoff war deutlich vor Jovanovic am Ball. Nun ging es für einige Minuten wirklich hin und her, mittlerweile ein echtes Spitzenspiel.

Und dann kam die 80. Minute. Auf der rechten Seite, Höhe Strafraumeck, senst Bielefelds Rüdiger Kauf unseren Patrick Zoundi weg. der spielte übrigens zum ersten Mal in dieser Saison von Beginn an, und das ohne Rastalocken, die waren schon vor dem Spiel in München der Schere zum Opfer gefallen. Wahrscheinlich hatte die Kopfball-Vorlage gegen Cottbus dem Haupthaar doch zu sehr geschadet. Uns kann es Recht sein, denn nachdem er in der Woche zuvor in München nach seiner Einwechslung schon für reichlich Dampf und seinen ersten Saisontreffer gesorgt hatte. machte er diesmal von Anfang an ein gutes Spiel. Er scheint nach seinen monatelangen Irrflügen durch die Welt wegen der WM-Qualifikation für Burkina Faso tatsächlich endlich in Düsseldorf angekommen zu sein. In der 80. Minute verlor er dann mal kurz Bodenhaftung, weil Kauf seinen Fuß inklusive Ball mit gestrecktem Bein weggrätschte. Endlich Gelb für Kauf, der bis dahin schon auf alles getreten hatte, was ihm zu nahe gekommen war, außerdem bei jeder Entscheidung des Schiris, selbst bei Freistößen für die eigene Mannschaft, gemotzt hatte wie ein Großer. Warum der Schiri den 80 Minuten lang wüten ließ, ohne ihn zu verwarnen, bleibt auch sein Geheimnis. Trainer Gerstner wird sich nach dem Spiel beeilen zu sagen, dass dies natürlich kein Freistoß war. Schließlich hat der ja auch unter anderem den Ball getroffen. Ja nee, is klar, wieder so ein gewiefter Regelkundler am Start. So langsam liebe ich sie alle.

Weber bringt den Freistoß von rechts in den Strafraum, der Ball kommt genau auf Harnik, der springt zum Kopfball und wird von seinem Gegenspieler Risgard griechisch-römisch gehindert. Bis unters Tribünendach zu sehen, deshalb bin ich auch nicht überrascht, als Schiri Schalk Elfmeter pfeift. Überrascht bin ich auch nicht, dass sämtliche Bielefelder sofort auf den Mann zustürmen und ihm die Hölle heiß machen, das würden unsere sicherlich ebenso tun. Sämtliche Bielefelder? Nein, einer bleibt am Boden liegen, zwar im Fünfmeterraum, aber nicht annähernd in Reichweite von Harnik und Risgard, sondern eher am kurzen Pfosten. Mijatovic hat es erwischt. Keiner hat etwas gesehen, aber das interessiert die Bielefelder natürlich auch nicht, meckern kann man ja immer mal.

Nun, das Fernsehen zeigt, dass sie damit nicht ganz Unrecht haben. Denn als der Freistoß in den Strafraum segelt, klammert und hält Mijatovic seinen Gegenspieler Jovanovic, wie es gute Sitte in deutschen Strafräumen ist und von den Bielefeldern anscheinend als selbstverständlich angesehen wird. Jovanovic reißt sich los und gibt dabei Mijatovic mit dem rechten Arm ohne nach hinten zu sehen eine mit. Im selben Moment reißt Risgard Harnik um, und es gibt Elfmeter.

Aber haaalt, natürlich nicht „im selben Moment“. Das DSF findet heraus, dass sich die Tätlichkeit von Jovanovic (und als solche muss man dies auslegen, auch wenn er sich nur losgerissen haben sollte, das war einfach zu ungestüm), ich zitiere: „Sekundenbruchteile“ vor dem Foul an Harnik ereignete. Um dies investigativ festzustellen, benötigt man allerdings eine Superzeitlupe und ein Standbild. Wie dies der Schiri hätte feststellen sollen, wird natürlich nicht gefragt. Muss auch nicht, die Antwort liegt auf der Hand: gar nicht. Sekundenbruchteile kann der Mensch visuell nicht unterscheiden, schon gar nicht, wenn man auf die eine Szene voll drauf guckt (der Schiri muss ja den Ball verfolgen), und die andere sich dann im Augenwinkel abspielt. Geht einfach nicht, weiß jeder, das DSF, der Gerstner, alle Bielefelder Mitspieler. Sagen tut es von diesen Vorbildern natürlich niemand, dann jammert es sich ja nicht so richtig entspannt. Same procedure as Zettel-Ewald.

Also, die Entscheidung ist insgesamt falsch, da die Tätlichkeit von Jovanovic vor dem Foul an Harnik lag, hätte es Freistoß Bielefeld und Rot für Jovanovic geben müssen. Da dies aber mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar ist – was hätte der Schiri machen sollen, wenn er die Tätlichkeit gesehen hätte? Wären dann ja zwei Fouls zur gleichen Zeit gewesen? Nun, auch in diesem Fall muss er den Elfmeter geben, denn bei gleichzeitigen Fouls wiegt das schwerere, und das ist in diesem Fall das von Risgard, weil der ja die klare Torchance verhindert. Also auch unter diesen Umständen hätte die Entscheidung nicht anders ausfallen dürfen. Dass der Bielefelder Trainer so etwas nicht weiß, überrascht mich nicht, spätestens seit Ewald Lienen weiß ich, dass die meisten Trainer anscheinend nur etwas von Regelkunde verstehen, wenn es ihnen in den Kram passt, und meistens noch nicht mal dann. Aber vielleicht bekommt der Gerstner ja mal Lust, es nachzulesen und zu staunen, welche Regeln es denn so gibt. Nur ein Vorschlag.

Also: wie der Schiri diese Sekundenbruchteile unterscheiden soll, sagt der Gerstner nicht. Und warum gleich zweien seiner Abwehrspieler bei einem gegnerischen Freistoß nichts weiter einfällt, als Klammern, Trikotziehen, Zerren und Halten, und das alles noch gut sichtbar, das sagt er selbstverständlich auch nicht. Hat ihn ja auch keiner danach gefragt. Warum er sich dann allerdings wundert, dass es Elfmeter gibt, das erklärt er leider auch nicht. Er hätte halt gern, dass schmutziger Fußball auch noch mit Freistoß belohnt wird. Tja, und so gesehen find ich es ganz okay, dass der Schiri die Tätlichkeit nicht gesehen hat (noch mal: die trotz all ihrer Verwerflichkeit an der Entscheidung Elfmeter nichts geändert hätte). Weil sich dann direkt das nächste Trainervorbild nach Wollitz und Lienen bundesweit vor der Kamera lächerlich machen kann, was er punktgenau nach dem Spiel auch tun wird. Allesamt Sprücheklopfer ohne Ahnung beziehungsweise die Ahnung, wenn vorhanden, mit voller Absicht ausblendend, damit es sich besser jammert. Und sollte sich unser Trainer demnächst ebenfalls mal so idiotisch äußern, nehme ich ihn gerne auch in diese Riege auf, soviel Fair Play muss sein. Zumindest von meiner Seite aus.

Nachdem die Bielefelder die Ausführung des Elfers minutenlang hinausgezögert haben, darf Langeneke endlich antreten. Und da Zweitliga-Torhüter anscheinend keine Zeit für das Studium potentieller Elfmeterschützen haben, ist der Ball auch drin. Es ist Langenekes dritter Elfer, zum dritten Mal drischt er genau in die Tormitte, und zum dritten Mal hat der gegnerische Keeper das nicht auf dem Schirm und fliegt vorab schon mal in eine Ecke – 3:2. Ich bin natürlich froh darüber, rate Herrn Langeneke aber dringend ein Elfmeter-Training an. Lange geht das nicht mehr gut.

Nun ging es bis zum Schluss natürlich richtig rund, die Arminia warf alles nach vorne, Fortuna konterte. Erst verpasste Jovanovic die Entscheidung, als er die Vorlage des eingewechselten Caillas mit dem falschen Fuß an Torwart und Tor vorbei grätschte, auf der Gegenseite schoss Fort aus vielleicht sechs, sieben Metern freistehend in die Wolken, erhöhte Herzschlagfrequenz beim staunenden Beobachter, anschließend fällt Feick ein wenig zu deutlich im Strafraum, nachdem Weber ihn an der Schulter berührt hat, im direkten Gegenzug wird Lambertz auf die Reise geschickt, eigentlich gefühlte zwanzig Meter im Abseits, aber eben aus der eigenen Hälfte heraus, daher alles in Ordnung, er läuft und läuft, über das halbe Spielfeld auf Torwart Eilhoff zu, zögert und zaudert zu lange, kann Eilhoff an der Strafraumgrenze dann noch umkurven, aber es dauert zu lange, ein Gegenspieler ist mitgelaufen und kann ihn so weit abdrängen, dass der Ball neben das Tor geht. Unsere berühmte Konterstärke halt…Dann pfeift der Schiri ab, und die Bielefelder haben wieder etwas zu motzen, weil sie der Meinung sind, dass das zu früh sei, drei Minuten Nachspielzeit wurden angesagt, er ließ angeblich nur zwei spielen. Ich kann das nicht bestätigen, weil ich nicht weiß, ab wann die Nachspielzeit zu laufen begann. Ist also gut möglich, dass er zu früh abgepfiffen hat. Und natürlich weise ich nicht darauf hin, dass die Nachspielzeit im Ermessen des Schiris liegt und somit in dieser Angelegenheit niemand auf irgendeine Durchsage oder Anzeige bestehen kann, die vorher erfolgt. Der könnte aus purem Jux auch zehn Minuten anzeigen lassen und nach 30 Sekunden abpfeifen. Nicht dass es uns nicht auch schon so gegangen wäre. Aber ich sage das deshalb nicht, weil diese Regel unter Spielern und Trainern allgemein bekannt sein muss. Aber auch diese Situation wird schon zuungunsten von Bielefeld mit voller Absicht verschoben worden sein. So regen sie sich zumindest auf.

Nach dem Spiel gibt es wieder ein paar Feinheiten von der Verliererseite, Trainer Gerstner versteigt sich dazu, direkt mal völkisch zu analysieren und befindet: „Dieses Schiedsrichtergespann hätte es verdient, auf deutschem Boden kein Spiel mehr pfeifen zu dürfen!“, er scheint ein Freund der schnellen Abschiebung zu sein. Naja, aufm Dorf in Bielefeld gehen die Uhren halt noch anders, was dann auch der Co-Trainer verdeutlicht, der auch mal den Schiri beleidigen will und dies mit dem wahrscheinlich schlimmsten Schimpfwort tut, welches er als Bauer vom Land kennt: er bezeichnet Schalk im Innenraum unüberhörbar als „schwule Sau“, und was der Rest der Bielefelder Kombo noch so zum Besten gibt, auch gut zu vernehmen für Presseohren, macht mal wieder deutlich, warum Fußball ein Männersport ist, besonders leider für Typen ohne Hirn. Jaja, die Emotionen, die raus müssen…ist ja sehr bequem, wenn man immer eine Ausrede für alles hat, was man so verzapft. Tja, wenn die Mannschaft in der ersten Halbzeit so gespielt hätte wie ihre Seitenmännchen nach dem Spiel rhetorischen Einsatz zeigten, dann wäre Fortuna chancenlos gewesen. So aber gewinnt die Heimmannschaft nicht ganz unverdient, wenn auch glücklich, durch einen Elfmeter, den es unter dem Rasterelektronenmiskrop nicht hätte geben dürfen, den es aber geben musste, weil in dem Sport immer noch die Menschen das Sagen haben. Platz 4 aktuell ist natürlich sensationell, aber wir konnten uns auch schon mal darauf einstellen, dass zumindest für Jovanovic die Winterpause schon begonnen hatte.

Und fünf Tage später konnte ich die Hälfte dessen, was ich geschrieben habe, mal wieder flugs revidieren. Grund dafür ist der stets faire, unbestechliche und gerechte DFB, der am Mittwoch nach dem Spiel mal Folgendes entschied:

„Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat Ranisav Jovanovic vom Zweitbundesligisten Fortuna Düsseldorf im Einzelrichter-Verfahren nach Anklageerhebung durch den DFB-Kontrollausschuss wegen eines krass sportwidrigen Verhaltens in der Form einer Tätlichkeit gegen den Gegner nach zuvor an ihm begangenen sportwidrigen Handlung mit einer Sperre von vier Meisterschaftsspielen der Lizenzligen belegt. Darüber hinaus ist Jovanovic bis zum Ablauf der Sperre auch für alle anderen Meisterschaftsspiele seines Vereins gesperrt.

Die Auswertung der vorliegenden Fernsehbilder hatte ergeben, dass Ranisav Jovanovic seinem Gegenspieler Andre Mijatovic in der 80. Spielminute mit der rechten Hand ins Gesicht geschlagen hatte. Schiedsrichter Georg Schalk hatte gegenüber dem DFB-Kontrollausschuss erklärt, diesen Vorgang nicht gesehen zu haben, weshalb der Kontrollausschuss nachträglich ermitteln und Anklage erheben konnte.

Gegen das Urteil kann binnen 24 Stunden mündliche Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht beantragt werden“

Vier Spiele Sperre – dieselbe Strafe, wie sie kurz zuvor Raphael Schäfer vom 1.FC Nürnberg erhalten hatte, als er einem Wolfsburger Angreifer vorsätzlich von hinten in die Weichteile trat, als kein Ball mehr in der Nähe war. So etwas nennt man beim DFB wahrscheinlich „Augenmaß“. Ich nenne das Unverschämtheit oder aber: es roch danach, dass in diesen vier Spielen unterbewusst eine Sperre für Lambertz mit eingeflossen war, den man in der Woche zuvor noch hatte laufen lassen müssen. Getreu dem Motto: zwei Fortunen binnen einer Woche, da schlagen wir beim Zweiten mal richtig zu. Vier Spiele Sperre ist eindeutig zu hoch.

Aber wir wollen doch einen Teil des Textes noch einmal ausgiebig studieren. Denn da heißt es: „…wegen eines krass sportwidrigen Verhaltens in der Form einer Tätlichkeit gegen den Gegner nach zuvor an ihm begangenen sportwidrigen Handlung…“

Ja da sag ich doch mal: olé! Der DFB sagt damit eindeutig, dass Mijatovic zuvor gefoult hatte. Da waren die vier Spiele Sperre natürlich noch bemerkenswerter, weil das zuvor begangene Foul nicht berücksichtigt worden war, obwohl es ausdrücklich erwähnt wurde. Aber ich möchte noch auf etwas Anderes hinaus. Wenn Mijatovic vorher nachweislich gefoult hatte, dann hätte es dafür schon Elfer geben müssen, und anschließend Rot für Jovanovic wegen der Tätlichkeit, was sich aber nicht auf die Elfmeter-Entscheidung ausgewirkt hätte, da diese Tätlichkeit ja zeitlich eindeutig nach dem Foul lag. Ja guck an! Somit hatten die „Chef-Aufklärer“ des DSF durch ihre Superzeitlupen und Standbilder für den DFB nachweisbar bewiesen, dass der Elfmeter aber sowas von berechtigt war, er war halt nur für das „falsche“ Foul verhängt worden, weil der Schiri die vorangegangene Szene nicht gesehen hatte. Und jetzt wäre es für Herrn Gerstner mal an der Zeit gewesen, darüber nachzudenken, ob er auf deutschem Boden noch ein Spiel an der Seitenlinie begleiten sollte. Streng nach seinen eigenen Kriterien natürlich, da ja nunmehr nachgewiesen war, dass er noch mehr beleidigenden Unfug in die Kamera posaunt hatte als der Schiri (angebliche und echte) Fehlentscheidungen gefällt hatte. Das hatte das DSF sicher nicht gewollt.

Den homophoben Verbalschlächter an seiner Seite kann er gleich mitnehmen. Am Dienstag nach dem Spiel, einen Tag nach Einleitung des Verfahrens gegen Jovanovic, eröffnete der DFB dann tatsächlich Selbiges gegen Gerstner und seinen Co-Trainer Eulberg, weil sie sich „unsportlich“ gegenüber dem Schiedsrichter-Gespann geäußert haben sollten. „Sollten“ ist gut – der Eine blökte es direkt in die Kamera, bei den Äußerungen des Anderen waren mindestens 25 Zeugen zugegen.

Co-Trainer Eulberg bekam dann noch richtig Spaß an die Backen und weiß seit diesem Spiel auch, dass man sich als Schiri nicht alles anhören muss. Denn nur einen Tag nach Eröffnung des DFB-Verfahrens gegen die beiden Trainer flatterte noch folgende Meldung ins Haus:

„Strafanzeige gegen Bielefelds Co-Trainer

München/Bielefeld (dpa) – Schiedsrichter Georg Schalk will Strafanzeige gegen Co-Trainer Frank Eulberg vom Fußball-Zweitligisten Arminia Bielefeld stellen. Dies kündigte sein Anwalt in München an.

Die Anzeige solle in den nächsten Tagen wegen ‚grob beleidigender Äußerung’ bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf gestellt werden. Zudem würden zivilrechtliche Schritte wie die Androhung eines Schmerzensgeldes eingeleitet.

Im Nachklapp auf das Zweitliga-Spiel zwischen Fortuna Düsseldorf und dem Bundesliga-Absteiger ermittelt bereits der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wegen unsportlicher Äußerungen gegen Eulberg und Cheftrainer Thomas Gerstner.“

Tja, und wie reagiert man auf sowas, wenn man vom Land kommt? Der Pressesprecher der Arminia zeigte sich „irritiert“, schließlich habe Eulberg diese Äußerung doch schon bedauert und sich entschuldigt. Vollends zur Posse verkommt dies, weil Eulberg selbst von einer Entschuldigung zum selben Zeitpunkt nichts wusste. Der behauptete dann nämlich plötzlich, er habe mit dieser Äußerung gar nicht den Schiedsrichter gemeint! Also nicht nur ein Dampfplauderer, sondern auch noch ein…naja, kann man sich ja aussuchen, wie man so jemanden nennen möchte. Und dazu noch unfähig, sich mit seinem Pressesprecher abzustimmen. Wäre lustig, wenn es nicht so traurig wäre, was unsere „Vorbilder“ so verzapfen.

Heim-Finish 2009

Am 13.12.2009, unfassbarerweise kein Freitag, sondern ein Sonntag, erschien RW Oberhausen in der esprit-Arena, zum letzten Heimspiel des Jahres 2009. Mit der Aufstellung wurde es nun langsam eng, da nun auch die gesperrten Jovanovic und Costa ausfielen. Trainer Norbert Meier hatte mal wieder die Qual der Wahl, welche Startformation er kreieren durfte, es würde auf jeden Fall eine sein, die in dieser Form in der laufenden Saison noch nicht begonnen hatte. Und zum Glück passte in jenen Tagen so ziemlich alles, was der Meister anpackte. Okay, dass Sieger für Costa von Anfang an spielen würde, hätte man sich denken können. Nicht allerdings, dass der mal eben seine beste Saisonleistung abliefern würde. Und für Jovanovic bot der Trainer dann – doch zur allgemeinen Überraschung – Sebastian Heidinger auf. Dessen bisheriger Arbeitsnachweis in der 2. Liga: eine Einwechslung im Spiel beim TSV 1860 München. Der war natürlich heiß wie Frittenfett, dennoch kam die Berufung in die Startelf überraschend, viele hatten mit dem jungen Hüpfer Marcel Gaus oder mit dem alten Haudegen Axel Lawaree gerechnet. Ja denkste.

Zunächst gab es schon wieder einen neuen Vereinsrekord für ein Zweitliga-Spiel – 32.500 Zuschauer wollten das Nachbarschaftsduell sehen. Aus Oberhausen waren vielleicht 1.500 Leute mitgekommen – nicht schlecht für das, was die normalerweise auswärts mitbringen, aber doch ziemlich enttäuschend dafür, dass es sich angeblich um ein Derby handelt und dieses Oberhausen angeblich bei Düsseldorf um die Ecke liegt. Na wenn’s bei euch halt keinen interessiert, dann könnt ihr ja auch wieder brav ohne Punkte nach Hause fahren. Und das taten sie dann auch.

Fortuna mit den oben genannten Veränderungen in der Startelf, dazu allerdings auch noch eine positive Neuerung. Innenverteidiger Anderson kehrte nach seiner Muskelquetschung wieder in die Mannschaft zurück, überraschend früh, zumindest für mich, er war nämlich erst am Mittwoch zuvor ins Mannschaftstraining eingestiegen. Aber das merkte man nicht, Anderson spielte gewohnt souverän und nahezu fehlerlos, als ob er nie weg gewesen wäre.

Auch die eigentliche Nr. 1 im Tor, Michael Melka, nahm erstmals seit seiner Fußverletzung am ersten. Spieltag wieder auf der Ersatzbank Platz.

Auf dem Rasen tat sich bei eisigen Temperaturen erst einmal nichts, es war ein Spiel, das der qualifizierte Sportjournalist wohl mit dem Begriff „abwartend“ umschreiben würde. RWO stand sehr kompakt, wie nicht anders zu erwarten, Fortuna spielte ein bisschen nach vorne und wartete auf Fehler. Den ersten machten sie selbst, sodass RWO das Privileg des ersten Torschusses gebührte, aber die Volleyabnahme von Mike Terranova aus circa 12 Metern war kein großes Problem für Ratajczak, der Ball kam genau auf Mann.

Nach einigen kleineren Gelegenheiten dann die 27. Minute: ein weiter Pass von Langeneke ins Nirwana. Der ist wohl für Heidinger gedacht, und der ist zwar auch ein Sprinter, aber diesen Ball kann noch nicht mal Usain Bolt erreichen. Dennoch läuft Heidi mal durch und irritert damit wohl RWO-Keeper Pirson, der sich halbrechts im Strafraum völlig verschätzt. Er will den Ball mit dem staatlich anerkannten Torhüter-Move „Reinrutschen“ aufnehmen, die Kugel springt jedoch noch mal und wird ein wenig zu schnell für ihn. Pirson kann den Ball nur abklatschen, das Leder rollt nach hinten Richtung Torauslinie – und hinter Heidinger her, der zuvor fair über Pirson hinweg gesprungen ist und niemals damit gerechnet hat, den Ball noch einmal zu sehen. Umso beeindruckender, was er daraufhin damit anfängt: aus der Drehung, quasi mit dem Rücken zum Tor, setzt die Pille aus spitzem Winkel ins lange Eck des leeren Tores. 1:0 für Fortuna durch diesen Riesen-Bock von Pirson, aber auch die unglaublich schnelle und gute Reaktion von Heidi!

Und die Bude war nicht nur aufgrund ihrer Entstehung spektakulär, sondern auch noch aus einem anderen Grund: bei Sören Pirson handelt es sich nämlich um einen von insgesamt sechs Ex-Fortunen bei Oberhausen, ebenso wie bei Moritz Stoppelkamp und Tim Kruse auf dem Feld sowie dem verletzten Marinko Miletic, RWO-Coach Jürgen Luginger und Manager Hans-Günther Bruns! Und zum ersten Mal seit Menschengedenken schießt solch ein Ex-Fortune nicht nur kein Tor gegen uns, nein, der bereitet auch noch eines für uns vor! Dass ich das noch erleben durfte! Da konnten einem schon die Tränen kommen, in dieser Saison wurde wirklich alles geboten, was vorher noch nicht da war…

Zum Beispiel auch, dass wie gegen Bielefeld sofort nachgelegt wurde. Nur sieben Minuten später macht Zoundi auf der rechten Seite mal einen kleinen Spaziergang, schlägt dann eine weite Flanke hinter den langen Pfosten. Dort steigt schon wieder Heidinger zum Kopfball hoch und drückt die Kugel ins kurze Eck. Der ist eigentlich schon drin, aber mit einem tollen Reflex lenkt Pirson den Ball noch an den Pfosten. Den Abpraller versenkt Martin Harnik zu Saisontreffer Nummer 7, allerdings mit ein bisschen Glück, er trifft den Ball nicht voll und erwischt eben deshalb seinen auf der Torlinie postierten Gegenspieler auf dem falschen Fuß, an dem das Spielgerät anschließend vorbei in die rechte Ecke hoppelt. 2:0 durch Harnik – wie gesagt, sein siebter Treffer im erst zwölften Spiel für Fortuna, die ersten vier Spiele konnte er ja nicht für Fortuna auflaufen, da er erst am letzten Tag der Wechselfrist Ende August ausgeliehen worden war. Außerdem hat er damit in den letzten fünf Heimspielen jeweils getroffen. Und den wollten sie in Bremen zum Verteidiger umfunktionieren…

Tja, und damit war das Spiel auch schon durch, denn in der 2. Halbzeit gab es business as usual, will heißen: Fortuna vergab leichtfertig gute Konterchancen, ließ sich anschließend hinten rein drängen, vergab leichtfertig gute Konterchancen, hatte bei zwei Situationen Glück, als ein Kopfball knapp am Tor vorbei ging und ein Schuss von Ratajczak sicher gehalten werden konnte, vergab leichtfertig gute Konterchancen, ließ in der letzten Viertelstunde nicht viel zu und vergab leichtfertig gute Konterchancen. Allein Patrick Zoundi hatte viermal die Chance, alles klar zu machen, zweimal als Vorbereiter und zweimal als Vollstrecker, aber der letzte Ball, sei es Abspiel oder Torschuss, kam immer zu unpräzise. Da ist sicherlich noch Steigerungspotential, aber mittlerweile ist auch Zoundi ein echter Gewinn für die Mannschaft. Schade, dass er im Januar erst einmal wieder weg ist, beim Afrika-Cup. Denn wie zu erwarten bzw. zu befürchten war, wurde er für die Nationalelf von Burkina Faso nominiert, und zwar für den Zeitraum 10.01 bis 31.01.2010. Aufgrund der drei Vorrundenpartien von Burkina Faso am 11., 15. und 19. Januar fiel er damit zumindest für den Rückrunden-Auftakt in Paderborn aus.

Fortuna siegte also verdient 2:0 gegen RW Oberhausen und stand plötzlich auf Relegationsplatz 3 in der Tabelle! Was natürlich den Reporter des DSF dazu veranlasste, das Gequatsche von der „Gefahr des Durchmarsches“ anzukurbeln. Trainer Norbert Meier fiel dazu nur ein, dass er bei „Durchmarsch“ Kohletabletten benötigen würde. Auf die Korrektur des Reporters, hierbei handele es sich um „Durchfall“, erklärte er, dass man dies in Hamburg, von wo er bekanntermaßen stammt, landsmannschaftlich „Durchmarsch“ nenne. Ende der Diskussion. Und das war auch gut so. Sollten wir an Spieltag 30 noch da oben in der Tabelle rumstehen, könnte er ja gerne nochmal nachfragen. Vorher war das purer Nonsens.

Schuld daran ist allerdings eine Verschwörung des DFB. Denn Arminia Bielefeld, die wir an jenem Sonntag überholten, spielte nur 1:1 gegen Union Berlin, und wer das mal wieder Schuld war, danach braucht man Arminen-Trainer Gerstner ja nicht zweimal zu fragen. Er sprach in die Mikros, ihm dränge sich mittlerweile ein Verdacht auf, den er aber nicht öffentlich kundtun dürfe, sonst müsse er mit weiteren Strafen rechnen. Ich glaube, in der Rückrunde wird der jeweilige sky-Reporter vorsichtshalber ein Taschentuch einstecken, um es dem Bielefelder Coach bei Bedarf reichen zu können. Ja, Fußball-Mafia-DFB, der einen solchen Zuschauergiganten wie Bielefeld gerne in der 2. Liga halten will…oder wie darf man das sonst verstehen?

Auch Co-Trainer Eulberg hatte nix zu lachen. Nachdem seine Äußerungen gegenüber dem Schiri nach dem Düsseldorf-Spiel publik wurden, bekam er vor dem Spiel gegen Union von einer Abordnung schwuler Arminia-Fans (!) den offiziellen DFB-Flyer zum Thema Anti-Diskriminierung überreicht. Er schaute auch etwas verkniffen, wahrscheinlich hat er das Teil zum ersten Mal in seinem Leben gesehen. Und vielleicht animiert dies einige seiner Kollegen, beim nächsten Mal nach dem Spiel einfach erst einmal fünf Minuten die Klappe zu halten oder bei aller Emotion vor Betätigung des Vorbild-Mundwerks das Gehirn einzuschalten.

Dass das dynamische Duo völlig ungerührt seinen Dienst an der Seitenlinie versehen konnte, lag übrigens daran, dass der DFB natürlich erheblich länger brauchte, um solche Sachen wie die „schwule Sau“ vor 25 Zeugen oder die Forderung nach Berufsverbot auf deutschem Boden für den Schiri vor der Kamera und somit vor einem Millionen-Publikum auch entsprechend zu würdigen. Das Verfahren gegen die beiden lief am Ende des Jahres nämlich immer noch…

Und wenn es am schönsten ist, dann soll man aufhören. Deshalb endete diese für Fortuna unglaubliche Hinrunde mit einem Auswärtsspiel bei Hansa Rostock am 19.12.2009, überraschenderweise ein Samstag. Und egal, wie das ausgehen würde, man konnte schon jetzt sagen – eine überragende Hinrunde, bei weitem mehr, als man sich vor Beginn der Saison auch nur erträumt hatte.

Verkühlt

Zum Abschluss des Jahres wollen wir es kurz machen, so toll war es dann auch nicht. Fortuna verlor das letzte Spiel des Jahres 2009 bei Hansa Rostock mit 1:2. Nicht unverdient, weil Hansa in kämpferischer Hinsicht einfach eine Schippe mehr drauf hatte. Aber so richtig böse konnte auch niemand sein, zum einen natürlich aufgrund der tollen Hinrunde, zum anderen, weil es sich bei dieser Partie nicht um Fußball, sondern eher um Glücksspiel handelte. Natürlich verfügt Rostock als langjähriger ehemaliger Erstligist über eine Rasenheizung. Und natürlich funktionierte diese zufällig nicht. Das sind so Zufälle im Leben, da könnte man glatt an eine höhere Macht glauben, ich sage nur: zufällig geplatzter Wasserschlauch in Emden, der Kenner weiß Bescheid. Diesmal folgte leider die Strafe nicht auf dem Fuß wie damals in Ostfriesland.

Vor 13.000 Zuschauern kamen kaum richtige Spielzüge zustande, höchstens durch Standards gab es mal Gefahr. Zwei davon nutzte Hansa, zunächst das 1:0 durch Bülow in der 13. Minute, technisch durchaus hochwertig, wie er den Ball nach einer abgeblockten Ecke im Netz unterbringen konnte. Und auch das 2:1 der Rostocker war mehr ein Zufallsprodukt, Schlitte war derjenige, der in der 78. Minute die Kugel ins Tor böllerte, nachdem sie zuvor wiederum nach einer Ecke wie eine Flipperkugel im Strafraum herum gesprungen war, und kein Fortune richtig klären konnte. Natürlich kann man auch auf diesem Boden mal die Feinheit „Befreiungsschlag“ zur Anwendung bringen, aber es bleibt halt ein Glücksspiel. Diesmal hatten wir keins und durften uns über die Niederlage daher auch nicht beschweren, weil wir in der Schlussoffensive so gut wie nichts mehr nach vorne, die Rostocker jedoch das Spiel mit großem kämpferischen Einsatz nach Hause brachten. Erfreulich war lediglich der zwischenzeitliche Ausgleich in der 49. Minute durch Martin Harnik, der nach einem Pass des eingewechselten Youngsters Marcel Gaus von halblinks mit einem schönen Schuss ins lange Eck erfolgreich war.

Und ich will auch nichts mehr zum Thema Platzverhältnisse sagen, nachdem ich tags darauf das Spiel RW Oberhausen gegen Arminia Bielefeld sah. Wie diese Wahnsinnigen in dichtestem Schneetreiben bei geschätzt fünf Zentimeter Neuschnee während der Partie einfach weiterspielten, als ob es kein Morgen mehr geben würde, das war schon aller Ehren wert. Natürlich fielen keine Tore, dieses Ergebnis hätte ich auch für uns mit Kusshand genommen. Aber wie gesagt, man kann nicht immer Glück haben. Der Jahresabschluss ist auch so schon erfreulich genug.

Jahresabschluss

Denn mit den erspielten 30 Punkten steht Fortuna zum Ende der Hinrunde auf Platz 4, punktgleich mit dem Tabellendritten Bielefeld und nur ein einziges Tor in der Tordifferenz schlechter. Vor den gehandelten wie selbst ernannten Aufstiegsfavoriten Augsburg, Duisburg, Karlsruhe, Aachen, Cottbus, Fürth. Das konnte sich wohl sehen lassen. Das Team hatte bewiesen, dass es an guten Tagen spielerisch mit jedem Gegner mithalten kann, wir hatten alle drei Erstliga-Absteiger geschlagen, wir hatten Kaiserslautern geputzt, und es gab bis auf die zweite Halbzeit in Duisburg, als man nach dem frühen 0:2 chancenlos war, wirklich keine Niederlage, bei der man sagen könnte, jawohl, das war verdient, wir waren erkennbar schlechter als der Gegner. Natürlich war die Frage, ob man in der Rückrunde ein solches Niveau würde halten können oder ob schon relativ früh ein Einbruch kommen würde, sodass man froh sein konnte ist, wenn man möglichst schnell die magischen 40 Punkte haben würde.

Noch ein kurzes Streiflicht auf unsere Neuzugänge, im Großen und Ganzen haben Manager Wolf Werner und alle Beteiligten gut eingeholt. Martin Harnik und Anderson „Bamba“ Soares de Oliveira waren beides absolute Volltreffer, fortuna-typisch sind ausgerechnet diese beiden Spieler nur ausgeliehen, aber was soll man machen? Christian Weber war ein Granaten-Verteidiger, auch wenn er gegen Ende der Hinrunde ein wenig schwächelte und bei dem ein oder anderen Gegentreffer nicht gut aussah, aber solche Zweikampfwerte wie der hatte bei uns in der Vergangenheit nur Geschäftsstellenleiter Paul Jäger, wenn der bei seinem berühmten Flur-Geschäftsstellen-Kick mal wieder ein bedauernswertes Opfer auf dem Bierdeckel austanzte. Zudem kam Weber bislang auch noch ohne Verletzung aus, als einer von Wenigen.

Johannes van den Bergh auf der anderen Seite mit Licht und Schatten, aber auch überwiegend positiv. Wenn der jetzt nur noch flanken könnte…wohin der die Kugel schon bei etlichen Versuchen geschossen hatte, war selbst Mathematikern manchmal ein Rätsel. Oliver Fink begann bärenstark, ließ dann allerdings auch stark nach und fing sich zum Schluss wieder einigermaßen. Aber der konnte eindeutig mehr als er zuletzt gezeigt hatte, hoffentlich würde er sich wieder an die ersten Spiele erinnern, als man über ihn nur staunen konnte. Patrick Zoundi sammelte erst Vielfliegermeilen bis ans Ende seiner Tage durch seine permanenten Abstellungen zur WM-Quali von Burkina Faso, als seine Nationalelf dann aber endlich ausgeschieden war, spielte er bei uns durchaus groß auf

Dmitri Bulykin war eigentlich der Pechvogel. Erst gab es ein Riesenhickhack um seine Ausleihe, es zog sich über Wochen hin, und weil im Sommer halt medientechnisch Saure-Gurken-Zeit ist, schrieb jedes Käseblatt vom Dorf ihn in der Zwischenzeit zum Heilsbringer hoch, der er von Anfang an nicht sein konnte. Unter diesem immensen Druck startete er eigentlich recht ordentlich, wurde dann schwächer, schien sich gefangen zu haben, als er in Ahlen nur von der Bank kommen durfte und dort prompt seinen einzigen Treffer markierte und in der Folgezeit auch sein bestes Spiel ablieferte. Just als der Trainer nach zwei weiteren schwächeren Spielen diesen Kniff erneut anwenden wollte, fiel Bulykin mit Fußverletzung bis zur Winterpause aus. Schade, ich mochte ihn irgendwie, aber er passte einfach nicht ins System, das Norbert Meier spielen lässt, der Mann braucht Flanken und Vorlagen, ist der klassische bullige Mittelstürmer à la Gerd Müller. Aber solange die anderen Stürmer trafen bestand natürlich auch kein Grund, ihn wieder von Anfang an ins Rennen zu werfen.

Sogar unser Japaner Yuki Kozo, der eigentlich eher die 2. Mannschaft verstärkte und plötzlich in München und gegen Bielefeld auflief, zeigte durchaus ansprechende Leistungen in der Abwehr. Nur diese Kerzenschießerei muss er sich noch abgewöhnen, dann kann er durchaus mal nach Höherem schielen.

Fortuna war als einziges Team der 2. Liga zuhause noch ungeschlagen, nur Aachen und Augsburg holten je einen Zähler, der Rest wurde freundlich zur Stadtgrenze eskortiert und ohne Punkte wieder nach Hause geschickt. Der Klassenerhalt sollte doch eigentlich sicher sein. Auf jeden Fall, wer mochte es uns verdenken, machte es Spaß, wieder Zweitligist zu sein. Fortuna und Erfolgsfans – wer hätte nicht noch kurze Zeit zuvor lachend den Kopf geschüttelt, wenn diese Begriffe nebeneinander verwendet worden wären?

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