34. – 38. Spieltag

So, hier ist sie nun, die letzte Zusammenfassung der Saison 06/07. Sie ist „etwas“ länger geworden als üblich, denn zum Schluss muss man ja noch etwas bieten. Ich kann auch nur bedingt „Viel Spaß“ wünschen, denn so viel gab’s davon in den letzten Wochen nun auch nicht. Aber verlieren wir keine weiteren Worte, legen wir los.

Ein Dreizeiler für Fortuna, etwas mehr für’s Derby

Am 05.05.07 erschien Kickers Emden, durchaus noch mit Aufstiegsambitionen, in der LTU-Arena. Dieses Spiel kann man schnell abhaken, es glich so vielen Spielen der Fortuna in dieser Saison. Wieder überlegen geführt, wieder ordentlich Torchancen herausgespielt, wieder nur eine genutzt…am Ende wieder nur ein 1:1. Lustigerweise traf wiederum Sebastian Kneissl kurz nach der Pause zum Führungstreffer, nicht dass der plötzlich tatsächlich noch zum Stürmer mutiert! Da Fortuna es mal wieder versäumte, nachzulegen, fiel der obligatorische Ausgleich in der 71. Miute durch einen Sonntagsschuss von Celikovic, der von der Strafraumgrenze genau in den Winkel traf. Selbstredend stand Torwart Kronholm für einige Fans bei dem Treffer falsch postiert, in der Folge wurde der junge Torwart mal ordentlich ausgepfiffen, was wiederum seiner Konzentration nicht sonderlich zugute kam. Ja, wir unterstützen unsere Mannschaft in allen Lebenslagen!

Ach ja, die Ultras Düsseldorf präsentierten zu Spielbeginn ein Spruchband, auf dem geschrieben stand: „Danke für den Klassenerhalt, Uwe!“ Ja, eine feine Ironie, durchaus angemessen, wie ich fand. Dummerweise hatte man vergessen, auch mal in der Tabelle nach unten zu schauen und ein bisschen zu rechnen, wie sich bald darauf herausstellen sollte.

Jörg Albertz setzte noch ein Highlight der negativen Art und wechselte sich selbst aus, nach einem Anfall akuter Unlust, wie viele meinten, und war damit natürlich endgültig bei allen unten durch. Ansonsten kann man das Spiel vergessen, es war ein Kick, den mal schon xmal gesehen hat, ohne dass es einen noch sonderlich aufregen könnte. Auch Emden war durchaus schlagbar, sogar relativ problemlos, aber in dieser Saison schlägt man sich halt lieber selbst.

Wie gut, wenn so ein öder Tag dann noch ein „Highlight“ bereithält: am selben Abend spielte in der Oberliga Baden-Württemberg Mannheim gegen Mannheim, mein alter Studienort gegen meinen alten Studienort. Das 185. Lokalderby zwischen dem Ex-Bundesligisten Waldhof Mannheim und dem stadiontechnischen Nachbarn VfR Mannheim, in diesem Jahr etwas ganz Besonderes, denn der Waldhof feierte 100. Geburtstag. Da man aus diesem Grunde ein umfangreiches Rahmenprogramm zum Spiel bieten wollte und konnte, wurde der Anstoß nostalgisch auf 20.07 Uhr verlegt, normalerweise wäre es 15.00 Uhr gewesen. Der VfR füllte sich noch eben schnell clever die Kaffeekasse auf, indem man sich mit 1.000 Euro für die Anstoßverlegung begeistern ließ, dann stand der Termin. Und von Bonn aus sinds ja nur knapp 2 Stunden mit dem Auto nach Mannheim. Also nix wie hin!

Vom vierstündigen Rahmenprogramm bekamen wir noch gut eine Stunde mit, das reichte dann aber auch. Mit einem Wort: sensationell. Es wurden Interviews auf dem Rasen geführt und es gab „Live-Musik“. Die Live-Musik, die ich erleben durfte, sah so aus: eine lokale Szene-Band wurde angekündigt, Name vergessen, schien mir auch nicht so prall zu sein. Der Moderator auf dem Rasen kündigte also „Live-Musik“ von der Band xy an. Diese, vier Mann hoch, betrat den Rasen, die Instrumente unterm Arm und diskutierte grad noch die taktische Aufstellung, als der Mann am Mischpult, dem man augenscheinlich nichts von der „Live-Musik“ erzählt hatte, schon mal ihr Lied einspielte. Dies wiederum führte zu einem etwas übereilten Auflaufen des Teams, flugs die Trommel auf die Rasen gestellt, in die Saiten der Gitarre gegriffen und losgerockt. Sehr unterhaltsam.
Weniger unterhaltsam fand ich, dass man als echte Waldhof-Fußballgröße natürlich auch „Schlappi“ Schlappner zum Interview auf den Rasen bat, den Erfolgstrainer der „Waldhof-Buben“, der den Verein 1983 in die Bundesliga geführt hatte. Aber er schaffte das Interview, auch ohne Werbung für die Republikaner oder ähnlich sympathische Organisationen zu machen. Zwischendurch wurde es Hardcore: der Moderator auf dem Rasen gab immer wieder an einen zweiten Sprecher auf der Tribüne ab, und der hatte eine besondere Aufgabe. Es war ihm eine Herzensangelegenheit, mal alle Kleinsponsoren zu nennen, die in einem Sponsorenpool beim SV Waldhof organisiert sind. Als er zu Beginn sagte, dies seien über neunzig, hielt ich seine Ankündigung noch für einen schlechten Scherz, aber den zog er eisern durch. Alle Sponsoren wurden genannt, schön in alphabetischer Reihenfolge, er brauchte dafür drei Anläufe, zwischendrin hatten sogar weitere Interviews irgendwie etwas Erfrischendes, bevor es in der schier endlosen Litanei weiter ging. Wer weiß, vielleicht hat er sie sogar auswändig rezitiert, dann sehen wir den Mann bald bei „Wetten, dass…?“ zum Thema: „Kleinsponsoren beim SV Waldhof – ich hab sie alle gehabt!“ Bewundernswert zumindest das Durchhaltevermögen, sowohl seins als auch das der übrigen Zuschauer, die tapfer verharrten, bis er wieder mal Luft holen musste.

Kurz vor Spielbeginn gab es dann mal wieder „Live-Musik“, ein Herr Eisenmann, seines Zeichens Mitglied bei den „Söhnen Mannheims“ (Trikotsponsor der Jugend-Abteilung des SVW), gab sich die Ehre und blieb auch gleich drei Lieder lang. Zumindest sang er live, von der Musik konnte man dies auch weiterhin nicht behaupten, und eine ordentliche Stimme hat er, das muss man sagen. Richtig putzig wurde es beim letzten Lied: dies war die offizielle Vereinshymne des SV Waldhof, von 1907, die wohl auch turnusmäßig nach jeder Jahreshauptversammlung gesungen wird. Die entscheidende Textzeile des Liedes stand schon als ellenlanges Zaunbanner vor dem Fan-Block auf der Hintertortribüne angeschlagen: „Haltet euren Club in Ehren, dass er blühet fort!“ Die hatten noch Vorstellungen damals! Textlich war das gesamte Lied in diesem Stil gehalten, besonders hübsch fand ich den Refrain: „Ein dreifach Hoch dem Lederball…“ Ein niedliches Lied aus alter Zeit, als selbst Schellackplatten noch Zukunftsmusik waren. Eine schöne Idee, das vor dem Spiel zu bringen!

Eine weniger schöne Idee war es dann, das Spiel auch anzupfeifen. Dazu muss man wissen, der VfR Mannheim stand vor diesem Spiel auf einem Abstiegsplatz, musste also dementsprechend vorsichtig agieren. Der Gastgeber hingegen spielte bereits seit Beginn der Rückrunde nur noch um die Goldene Ananas, irgendwo zwischen Platz 6 und 9, mit sicherem Abstand nach oben und nach unten, konnte also dementsprechend lustlos agieren. Hinzu kam bei den Waldhöfern wohl noch eine nahezu unheimliche Verletzungsserie im Abwehrbereich, die den Trainer, Ex-Union-Berlin-Profi Steffen Menze dazu zwang, einen A-Jugendlichen aufzubieten, da ihm irgendwie die Innenverteidiger ausgegangen waren. Ob er dadurch auch gezwungen war, das Derby gegen einen Abstiegskandidaten mit nur einer Spitze zu beginnen, oder ob dies zu seiner Spielphilosophie gehört, vermag ich hingegen nicht zu sagen.

Unmittelbar vor dem Spiel gab es noch eine aufwändige Choreo der Ultras Mannheim, die Anerkennung verdient, da hatte man sich wirklich etwas einfallen lassen, zwei große „Bilder“, die zu beiden Seiten des Fan-Blocks hochgezogen wurden, und die den gemeinen Waldhof-Fußballer der Jahre 1907 und 2007 darstellten, sowie ein riesiges Blockbanner, unter dem die komplette Hintertortribüne verschwand. Das sah schon toll aus, und so mancher Fan unter diesem Banner wird sich 105 Minuten später gewünscht haben, es wäre nach Anpfiff des Spiels erst gar nicht entfernt worden, dann hätte man darunter ordentlich weiterfeiern können und wäre nicht von diesem Spiel belästigt worden.

Die Partie war mit das Schlimmste, was ich in diesem Jahr gesehen habe, und als Fortuna-Fan musste ich so einiges in 2007 ertragen! Das soll nicht hochnäsig gemeint sein, es war die reine Wahrheit. Der VfR Mannheim schaffte es, in den ersten 45 Minuten nicht ein einziges Mal im gegnerischen Strafraum den Ball zu berühren, ich weiß nicht, ob das Absicht war, auf jeden Fall eine historische Leistung, die sich in etwa mit den Angriffsqualitäten von San Marino oder Luxemburg in einem durchschnittlichen WM-Qualifikationsspiel vergleichen lässt, ohne diesen Teams zu nahe treten zu wollen. Soviel zur taktischen Ausrichtung des Gastes, der übrigens auch ca. 100 Fans und eine Trommel mitgebracht hatte. Der SV Waldhof war somit mit nahezu allen Freiheiten in der Abwehr und im Mittelfeld ausgestattet und machte daraus – nix. Was die ihren immerhin 7.000 Zuschauern an jenem Abend boten, grenzte schon fast an Arbeitsverweigerung, und das in einem Derby! Oder vielleicht sind sie wirklich so schlecht, darüber kann ich mir mangels Erfahrung in dieser Saison kein Bild machen. Auf jeden Fall wurde das Spiel ein absoluter Gähner, sodass die Aufreger der Partie eigentlich woanders lagen. Leider nicht immer positiv.

Mitte der ersten Halbzeit gab es einen fürchterlichen Zusammenprall zwischen einem Waldhof-Spieler und VfR-Keeper Thomas Weiß, vollkommen sinnlos, weil der Schiri bereits Abseits gepfiffen hatte. Aber der Waldhof-Spieler, dem keinerlei Absicht zu unterstellen ist, konnte nicht mehr anhalten oder dem in den Ball herein rutschenden Torwart ausweichen und traf diesen mit dem Knie voll im Gesicht. Der Keeper ging auf der Stelle k.o. und wurde mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus abtransportiert. Nach dem, was ich gelesen habe, brach er sich so ziemlich alles, was man sich im Gesicht brechen kann, Oberkiefer, Unterkiefer, Nasenbein, Jochbein, zwischenzeitlich bestand sogar Lebensgefahr wegen des Verdachts auf Gehirnblutung! Da wird so ein Fußballspiel plötzlich ziemlich unwichtig. Mittlerweile ist er aber über den Berg, und die Operationen waren auch erfolgreich, er hat riesiges Glück gehabt und wird auch wieder Fußball spielen können. An dieser Stelle von mir trotzdem weiterhin gute Besserung, kann nie schaden! Und ein Hinweis an die Offiziellen des VfR, dass man in solchen Fällen auch gerne mal die Eltern des Spielers benachrichtigen darf, wenn der Sohn mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert wird. Genau dies war nämlich zunächst unterblieben, wenn ich den Gästebucheintrag der Eltern auf der Internetseite des VfR richtig gedeutet habe. Solche Telefonnummern kann man schon mal im Verein parat haben, denke ich. Aber es ist ja alles halbwegs gut gegangen, und vielleicht denkt man dann beim nächsten Mal daran.

Abgesehen von dieser unglücklichen Szene gab es in Halbzeit 1 noch einen Freistoß und einen Fernschuss zu bestaunen. Der Rest des Gekickes animierte mich dazu, mich während des Spiels zur nächstgelegenen Würstchenbude zu begeben (und das mache ich wirklich nur, wenns schlimm wird) und unseren Vorrat an Feuerwürsten aufzustocken. Und jawohl, passend zum Jubiläum – es bleibt die beste Stadionwurst unter der Sonne! Qualität vergeht halt nicht. Zumindest, was so ein essbares Würstchen betrifft.

Für die nicht essbaren armen Würstchen auf dem Platz traf dies nur bedingt zu, denn in der zweiten Halbzeit wurde es beinahe noch schlimmer. Höchste Zeit, dass der ein oder andere Fan mal etwas dagegen unternahm! Mitte der 2. Halbzeit wurde im Waldhof-Fan-Block eine Bengale gezündet. Der Typ, der das Ding entflammt hatte, stand relativ weit abseits und wedelte auch nicht wie blöd damit hin und her, man hätte fast von einem „kontrollierten Abbrennen“ sprechen können – allerdings nur ca. 30 Sekunden lang, dann wurde ihm dies, wie so vielen Bengalenschwenkern in diesem Land, natürlich zu langweilig, und er beförderte das brennende Teil mit viel Schwung aufs Spielfeld, in den Fünf-Meter-Raum des VfR-(Ersatz-)Keepers. Clevere Bewahrer uralter Fußballkultur gibt es halt überall.

Was es eventuell nicht überall gibt, ist das, was daraufhin geschah, nämlich, dass einige andere Fans den Herrn ausfindig machten und aus dem Block „komplimentierten“. Alle Achtung! Selbiges konnte kurz darauf gesichtet werden, als so ein anderer Spaßmacher eine Flasche (!) auf den Platz warf. Schon erstaunlich, sowohl die Tatsache, dass der das Teil mit ins Stadion bekam als auch die Reaktion. Ob es für die Wurfgeschosse Strafen vom Verband gab, ist mir nicht bekannt.

Ach ja, auf dem Platz gab es auch noch etwas: nämlich um die 65. Minute herum einen Freistoß für den VfR aus fast 30 Metern, den ein mir namentlich nicht bekannter Spieler rechts um die Mauer herum und als Aufsetzer im rechten unteren Eck versenkte. 1:0 für die Gäste, Spiel, Satz und Sieg für den VfR – die eigentliche Unverschämtheit an diesem Spiel. Aber das kenn ich ja auch von der eigenen Mannschaft gut, dass man in solchen Gurkenspielen nicht einmal ein 0:0 über die Zeit bringt, sondern sogar noch verliert. Ein somit in fast allen Belangen trauriges Derby für den SV Waldhof, dem ich trotzdem zum 100jährigen gratuliere. Vielleicht geht’s ja bald mal wieder aufwärts, diese 7.000 Zuschauer als Saison-Rekordbesuch sahen doch etwas traurig aus in dem schönen Stadion, in dem sie momentan noch nicht einmal mehr die Anzeigetafel anwerfen. Die ist wohl defekt und elektrotechnisch auf einem so alten Stand, dass die einzige Firma, die sie reparieren könnte, in Spanien sitzt, was wiederum ein wenig teuer wäre. Aber wozu braucht man auch so ein Ding in der Oberliga – wir sind schließlich auch ohne elektronischen Firlefanz aufgestiegen.

Der VfR Mannheim hat sich übrigens mittlerweile vor dem Abstieg gerettet, sodass den Stadtderbys Nummer 186 und 187 in der nächsten Saison nichts mehr im Wege steht. Vielleicht werde ich dann auch mal wieder hinfahren. An jenem 05.05. fand ich es zumindest interessanter als das vorherige Spiel zwischen Fortuna und Emden, was sich auch in der Länge des Berichts widerspiegeln dürfte.

Freudenhaus – kaputt

Am 12.05.07 gab es das lang ersehnte Spiel beim FC St. Pauli, auf das nun einige keine Lust mehr hatten. Da hatten wohl einige schon in der Hinrunde von einer Art Endspiel um die Aufstiegsplätze geträumt. Die Partie war auch bereits seit Februar (!) ausverkauft. Gut, der Gastgeber trug auch ein wenig dazu bei, indem man einfach mal die Kapazität des Stadions durch konkreten Abriss der Südtribüne verminderte. Anschließend stellte sich wohl der Präsident der Freudenhäusler, Corny Littmann, in das so entstandene Loch und verkündete verschmitzt, dass die Finanzierung des Neubaus noch gar nicht gesichert sei. So macht man das heutzutage! Einfach mal Fakten schaffen und dann den Rest der Umwelt an der Problemlösung teilhaben lassen. In dem anschließenden Tohuwabohu um Vorstand und Aufsichtsrat des Clubs achtete niemand mehr auf die Mannschaft, die im März und April einfach mal ein paar Spiele gewann und sich an die Tabellenspitze setzte. So leicht war das in dieser Saison! Übrigens gefolgt vom FC Magdeburg, den ich bei seinen Auftritten gegen Fortuna eher als grottenschlecht empfunden hatte, der aber auch seine Serie genau im richtigen Moment spielte und das Feld von hinten aufrollte. So wie wir uns das eigentlich gedacht hatten.

Also fuhren wir in dieses Dreiviertel-Stadion zum Spiel gegen den Spitzenreiter. Drei Tabellenführer hatten wir in dieser Saison schon gekippt, warum nicht auch den vierten? Und auch dies wäre durchaus möglich gewesen. St. Pauli spielte sich über die gesamten 90 Minuten nicht eine richtig gefährliche Torchance heraus. Aber gegen die Fortuna 2007 brauchten sie dies auch nicht. Sie hatten das, wovon ich gerne mal mehrere Tonnen in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt exportieren würde: Geduld. Das reichte dann auch.
Man musste nur auf die Fehler warten und im richtigen Moment am richtigen Platz stehen. So kam es dann auch je einmal in Halbzeit 1 und 2, und das Spiel war durch. Natürlich waren es zwei Standardsituationen, wie immer prädestiniert für den ein oder anderen individuellen Schnitzer. In der ersten Hälfte war es ein Eckball, nach dem sich zwei Fortunen bei Kopfball gegenseitig behinderten und eine hübsche Kerze produzierten, der Ball kam am 5-m-Raum wieder herunter und wurde von Thomas Meggle per Seitfallzieher links oben im Winkel versenkt. Jawohl, per Seitfallzieher – so frei stand der da rum, und das mit dem 5-m-Raum war auch kein Schreibfehler. Bei solchen Gegentoren fällt dir einfach nichts mehr ein.

Noch mehr behilflich war man dann beim spielentscheidenden 2:0 zwanzig Minuten vor Schluss. Ein Freistoß von der Mittellinie ins Nirwana, ca. 20 Meter vor dem Fortuna-Tor getreten. Da stand nur einer, nämlich Ex-Paulianer Robert Palikuca. Der Ball flog genau auf den Langen zu, der sich schon reckte, um die Kugel wegzuköpfen, als ihm plötzlich ein anderer die Schau stahl: von der Seite flog Oliver Barth und wollte ebenfalls per Kopf klären, keine Ahnung, warum. Da der jedoch leider ein paar Zentimeter kleiner ist als Palikuca, erwischte er den Ball nur mit dem Hinterkopf und verlängerte ihn hervorragend über den verdutzten Palikuca nach hinten in den Fortuna-Strafraum – genau in den Lauf von Marvin Braun, der gar nicht wusste, wie ihm geschah, allerdings schnell schaltete, noch ein paar Meter mit dem Ball machte und dann aus ca. 8 Metern problemlos einnetzte. Die Assists zu beiden Toren gab Fortuna, dafür hätte man sich wenigstens mal bedanken können. Aber nein, einfach den Sieg schnöde nach Hause gespielt und dann Richtung 2. Liga entschwunden – so sind sie, die Kiez-Kicker mit dem kaputten Freudenhaus!

Beachtlich war immerhin, dass die Abwehr der Fortunen aus dem Spiel heraus eigentlich bombensicher stand, wie gesagt, bis auf ein paar gefährliche Flanken oder Fernschuss-Versuche gelang St. Pauli so gut wie nichts. Dies war aber immerhin mehr als bei den Unsrigen, denen gelang nämlich gar nichts. Dabei zeigte gerade die erste Viertelstunde der zweiten Halbzeit, wie es hätte gehen können, da machte man nämlich gut Druck nach vorne und brachte St. Pauli damit in arge Verwirrung – Bälle wurden planlos nach vorne gedroschen, das Publikum begann vereinzelt zu pfeifen. Die hatten nämlich auch nicht mehr drauf. Aber immer war am Sechzehner Schluss, eine einzige gute Gelegenheit für Cebe ist mir in Erinnerung, der nach einer schönen Kombination mit einem Flachschuss aus halbrechter Position an Pauli-Torwart Borger scheiterte. Mehr nicht. Zu wenig, um beim größtenteils harmlosen Spitzenreiter bestehen zu können. Fortuna – im Freudenhaus endgültig kaputt.

Boykott

In der Woche nach dem Spiel wurde es fantechnisch mal so richtig interessant. Das durchaus teilweise katastrophale Auftreten der Mannschaft war auch in der Tabelle nicht ohne Folgen geblieben. Man stand bei 45 Punkten, der VfB Lübeck, der eine ebensolche Grottenrückrunde spielte, bei 44 Zählern. Holstein Kiel hatte derer 42. Und Borussia Dortmund II 41. Die aber wiederum standen auf dem ersten Abstiegsplatz in ungemütlicher Nähe, weil sie plötzlich ein Spiel nach dem anderen gewannen (Mönchengladbach II, Leverkusen II, Hertha BSC II und Wilhelmshaven standen bereits als Absteiger fest). Diverse Abstellungen aus dem Profikader werden damit sicherlich nichts zu tun gehabt haben. Und plötzlich war das kommende Spiel gegen den Hamburger SV II ein Abstiegsendspiel. Von einem Lübecker Sieg daheim gegen Hertha II konnte man ausgehen, es war ja Lübeck, nicht Fortuna. Und wenn Kiel in Osnabrück gewinnen und auch Dortmund Union Berlin schlagen würde, dann hieße das Platz 14 und ein einziger Punkt Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Und das bei der derzeitigen Verfassung der Mannschaft…Tröstlich war, dass Union Berlin (46) bei einer Niederlage in Dortmund auch noch mit in den Sumpf rutschen würde, ebenso die für uns unschlagbaren Werder II (ebenfalls 46), die an jenem Spieltag nämlich spielfrei hatten, sowie die von allen guten Geistern verlassenen Kicker von RW Ahlen (48), die am kommenden (vorletzten) Spieltag spielfrei haben würden, und die das Kunststück versuchten, noch schneller von Platz 2 (Anfang April!) bis in die Oberliga durchgereicht zu werden als wir.

In einer solchen Situation kann man als Fan schon mal Stellung beziehen. Die Ultras Düsseldorf taten dies, in dem sie zu Beginn jener Woche einen Support-Boykott für den Rest der Saison verhängten und den Rest der Fans aufforderten, sich daran zu beteiligen. Veröffentlich wurde dies u.a. im offiziellen Forum der Vereins-Homepage. Und dann stand dort folgendes geschrieben:

„Fans der Fortuna,

nach langen Diskussionen in unserer Gruppe sind wir zu einem
Entschluss gekommen, wie wir uns am Samstag verhalten werden:

Unser Ziel ist es, den kompletten Bereich hinter dem Tor frei zu
lassen. Zunächst war geplant, den Block komplett leer zu lassen.
Diese Idee ist aber aufgrund dessen, dass viele von euch das Spiel
sehen wollen, wieder fallen gelassen worden. Wir denken jedoch,
dass ein Loch im Herzen der Südkurve eine deutliche Sprache spricht.
Vor die Mauer, wo normalerweise die Ultras Zaunfahne hängt, wird ein
Transpi hängen, dessen Inhalt jedoch noch nicht verraten wird, genauso
wenig wie der Inhalt weiterer Spruchbänder, die wir während des Spiels
präsentieren werden.

Wir sind außerdem zum Entschluss gekommen, den Support einzustellen,
für den Rest der Saison. Folgende Gründe können wir hierfür anführen:

1. Wir haben 33 Spieltage lang unser bestes mit euch versucht. Unsere
Kurve war stets bemüht, der zwölfte Mann zu sein. Ungeachtet dessen,
dass diese Mannschaft auch schon in der Hinrunde miserabel gespielt hat,
dennoch Erfolg hatte, hat sie es uns nie gedankt.

2. In der Rückrunde standen wir trotz anhaltender Misere hinter dem Team,
fuhren Tausende von Kilometern, nur um sie anzufeuern, man denke hier
an Union Berlin. Wurden wir da für unseren Support belohnt?

3. Diese Mannschaft ist es bis auf einige Ausnahmen nicht wert, angefeuert
zu werden. Diese Truppe könnte auch vor leeren Rängen spielen, solange
sie ihr Geld bekommt.

Keiner will in die Oberliga absteigen, aber mit Support wurden auch keine
Punkte eingefahren.

Daher unser Appell an die Kurve:
Macht mit, tut es nicht für uns – nicht für euch, sondern für Fortuna!

Kein Applaus für Arbeitsverweigerung! Das Ganze muss die nächsten Spiele
eingehalten werden. Sowas wie Leverkusen darf und wird nicht mehr passieren.

In Hoffnung auf Besserung in der nächsten Saison, ein Teil der Kurve

Ultras Düsseldorf

Wir stehen euch vor und während des Spiels Rede und Antwort!
Während des Spiels werden wir um die Absperrung herum sitzen.“

Dazu eine Erläuterung von mir, wie der Satz „Sowas wie Leverkusen darf und wird nicht mehr passieren“ zu deuten ist: es hatte einige Leute sehr aufgeregt, dass die Mannschaft nach dem Spiel in Leverkusen von einigen anderen gefeiert worden war. Wohlgemerkt, nach einem 3:1-Sieg, bei dem man eine Stunde lang in Unterzahl spielen musste und dabei sogar noch die beiden spielentscheidenden Treffer erzielte. Man war der Meinung, die Mannschaft habe sich dies nicht verdient, nachdem sie zuvor so viele enttäuschende Partien abgeliefert habe. Bei den Leuten, die dies nach dem Spiel kritisierten, muss es sich somit um Ultras gehandelt haben, ansonsten wäre dieser Punkt wohl nicht in deren Erklärung aufgetaucht.

Meine persönliche Anmerkung zu Punkt 1 und 2 lautet schlicht: Wie bitte??? Dank und Belohnung hätten die Herrschaften gerne? Sauber, wir sind also doch bei „Wünsch dir was!“ angelangt. Und wenn man mich nicht würdigt, wie ich es meiner Meinung nach verdiene, dann werde ich zickig, oder was? Nebenbei kam die Mannschaft oft genug nach den Spielen an den Zaun, um sich für die Unterstützung zu bedanken. Spätestens seit dem Spiel in Bremen, als es Bierbecher hagelte, als die Spieler beschimpft und bespuckt wurden, hätte ich mir das auch genauer überlegt. Oder sollten mit Dank und Belohnung etwa Siege gemeint sein, die man einfach mal so verlangen kann? Ich fürchte fast, dass es so simpel war.

Dann natürlich noch Gratulation zur Einsicht, dass Support keine Tore schießt. Das hätte man kaum vermutet. Aber natürlich ist es motivierender, wenn man bei der Arbeitsverrichtung frenetisch angefeuert wird. Und dies war ja, der eigenen Aussage zufolge, zuvor in dieser Saison stets getan worden. Dann könnte man glatt meinen, dass die Spieler einfach nicht gut genug sind, wenn sie dies auch bei vollem Einsatz der Fans nicht schaffen. Da dies bei einem Traditionsverein allerdings nicht der Fall sein darf, sind es nunmal alles Söldner, die nur zu faul bzw. zu uninteressiert sind. Vom Trainer wollen wir da mal gar nicht sprechen, der hat sowieso schon lange verloren. Lustig ist nur, dass ausgerechnet diejenigen, die hier ausdrücklich vorbringen, im Gegensatz zur Mannschaft immer „alles zu geben“, sich nach wirklich jedem Spiel in ellenlangen Diskussionen darüber ergingen, warum die „Stimmung“ wieder so Scheiße war. Man könnte auch hier glatt vermuten, dass sie es dann selbst nicht besser können. Aber sich selbst boykottieren geht ja auch schlecht.

Wie dem auch sei, der Boykott war beschlossen. Natürlich nicht dergestalt, dass man einfach mal zuhause bleiben würde, sondern man (also die Ultras) beschloss, den „Stimmungsbereich“ auf der Südtribüne, im Unterrang direkt hinter dem Tor, freizuhalten bzw. abzusperren und rund um die Absperrung Platz zu nehmen. Zusätzlich sollte noch das ein oder andere Transparent aufgefahren werden, um Mannschaft und Trainer zu verdeutlichen, was man von ihnen hielt. Sehr clever. In monatelangen Diskussionen mit dem Verein hatten die Fans in der letzten Saison endlich erreicht, dass die Eintrittskarten für die Südtribüne ausdrücklich mit „Freier Platzwahl“ vergeben wurden. Daran waren auch die Ultras Düsseldorf beteiligt. Eine gute Aktion, weil die Arena ja nur über Sitzplätze verfügt, dort im Fan-Block aber eh nur gestanden wird. Und nun gingen sie hin und sperrten einfach mal einen Bereich der Arena, für dessen freie Besetzung durch jeden Besucher der Südtribüne sie selbst lange gekämpft hatten. Wie man auf diese Idee kommen kann, weiß ich nicht. Dass dies hingegen Ärger geben würde, war abzusehen.

Nun kann man zu so einem Boykott stehen wie man will. Ich habe im letzten Bericht geschrieben, dass ich vorher dafür Verständnis gehabt hätte, zu gruselig war das, was die Mannschaft teilweise seit Mitte März abgeliefert hatte. Aber im entscheidenden Spiel? Selbst beim HSV und bei Borussia Dortmund kann ich mich in dieser Saison nicht an etwas Ähnliches erinnern. Und die stürzten nun wirklich noch tiefer ab als wir, die standen ganz unten. Da wurde gebuht, gepfiffen, geschrien, geheult – aber die Mannschaft wurde nicht im Stich gelassen.Es hat wohl doch etwas mit „Wichtigkeit“ zu tun, schließlich wurde zuvor in einer Ankündigung des Boykotts eindeutig gesagt, dass ein Protest nach der Saison keinen Sinn mehr machen würde, weil er keine Beachtung fände. Also wollte man Beachtung und nahm damit, bei der eigenen Betrachtungsweise von Support und Spielgeschehen, den Abstieg des Vereins dafür billigend in Kauf. Man kann es auch so sehen: man seilte sich flugs ab, um hinterher beim Eintreten des Super-GAU wieder mal sagen zu können: wir können doch nix dafür! Dass dies nicht die Schönwetterfans von der Haupttribüne waren, sondern die Ultras, war der eigentliche Hammer an der Sache. Gerade diejenigen, die gerne mal betonen: „Ihr tragt unsere Trikots, nicht wir eure!“ ließen den Verein im wichtigsten Saisonspiel im Regen stehen und kochten ihr eigenes Süppchen. Ja, natürlich hatte man gehofft, dass diese Partie eine vorentscheidende sein würde – aber doch nicht so! Den Aufstieg wollte man gerne am drittletzten Spieltag feiern, da hätten alle alles gegeben. Aber Abstiegsendspiel? No Sir, nicht mit uns. Das Dilemma jedes Fans, dass man vielleicht die Mannschaft nicht mehr sehen kann, aber, da man sich auf die Schnelle keine neue schnitzen kann, sie dennoch für den Verein unterstützen muss, wurde ausgehebelt, ausgerechnet vor diesem Spiel. Der Erfolgsfan an sich bleibt in solchen Fällen zuhause und sagt im Bekanntenkreis: „Ich habs doch schon immer gewusst!“ Und wo ist jetzt genau der Unterschied zur Aktion der Ultras? Den seh ich in diesem Fall leider nicht, sorry. Zumal, wie gesagt, die anderen Fans auch noch aufgefordert wurden, sich daran zu beteiligen. Ihr seid Schuld, und wir stehen das auch nicht gemeinsam durch! scheint der Tenor dieser Aktion gewesen zu sein. Seht zu, wie ihr ohne uns aus der Scheiße rauskommt, in die ihr euch geritten habt (damals, als wir noch supportet haben). Und wenn ihr das geschafft habt, dürft ihr alle gehen. Eine sehr vertrauensbildende Maßnahme für eine völlig verunsicherte Mannschaft, in der Tat. Aber nach der Saison interessiert es halt keinen.

Dass nicht alle Fans dies so richtig gut fanden, dass es noch einige gab, die sich sagten „Wir müssen da jetzt gemeinsam durch!“, war abzusehen. Es wurde sogar versucht, im offiziellen Forum so etwas wie eine Gruppe zu finden, die während des Spiels allen Unbillen zum Trotz weiter supporten wollte. Es fanden sich sogar einige Mitstreiter, ich fand, es waren noch nicht mal wenige. Und dann war einen Tag später das Forum dicht! Nicht, weil der Verein jetzt endlich mal die Zensur durchgesetzt hätte, die ihm einige Kleingeister schon seit Jahren unterstellen, der Verein hätte wohl kaum Interesse daran, eine Organisation von Supportwilligen abzuwürgen. Nein, es musste geschlossen werden, weil irgendwelche Schlaumeier es am Abend im Minutentakt dichtspammten mit unnützen und auch einigen unappetitlichen Beiträgen. Gezielte Sabotage sozusagen, im kleinen Rahmen. Nebenbei auch eine offenkundige Lust, den Verein an dieser Stelle zu schädigen, denn dass der Betreiber eines solchen Forums für die Inhalte zur Rechenschaft gezogen werden kann, weiß nun wirklich jeder, der sich im Internet tummelt, da kann keiner kommen und sagen, er habe von nichts gewusst. Der Verein sah keine andere Möglichkeit, als diese Diskussionsplattform zu schließen. Toll gemacht, wirklich.

Und wer waren diese Schlaumeier? Nun, dies ist nicht besonders schwierig herauszufinden, denn in ihrem Wissen um die Mission, die sie zu erfüllen haben (zuallermindestens der Trainer muss weg und kommt auch weg), gab es den ein oder anderen, der schon bald in anderen Foren fallen ließ, wie ungemein lustig und lächerlich einfach es gewesen wäre, den Laden dichtzumachen. Die gehören übrigens in die Rubrik derjenigen, die sich in früheren hitzigen Diskussionen immer verbaten, von anderen Leuten ob ihrer Unfähigkeit zur Selbstkritik als „Kindergarten“ bezeichnet zu werden. Die machten also etwas kaputt, weil sie der Meinung waren, wenn es ihnen nicht gefiele, dann dürften es andere auch nicht haben. Welche Bezeichnung auf diese Leute besser passen würde, kann ja jeder für sich ergründen.

Also, es war alles gerichtet für ein echtes „Finale“, von allen Seiten. Und es wurde auch eins. Ebenfalls von allen Seiten.

Ku-no Fi-scher Fuß-ball-gott!

Eins vorweg: von der spielerischen Qualität war es über weite Strecken mal wieder nix, was an jenem Samstag geboten wurde. Komisch, dies scheint stets bei Spielen von Fortuna gegen den Hamburger SV II der Fall zu sein, egal, wo beide Teams gerade in der Tabelle stehen. Dass es dennoch ein (für mich zumindest) unvergesslicher Nachmittag wurde, lag zum einen in der Dramatik des Spiels selbst begründet, denn wie ausgeführt handelte es sich für Fortuna um ein echtes kleines Abstiegsfinale. „Klein“ deswegen, weil man mit einer Niederlage natürlich noch nicht abgestiegen, aber ganz nah dran wäre. Mit einem Sieg hingegen konnte man den Klassenerhalt so gut wie perfekt machen, wenn die anderen ein wenig mitspielen würden.

Dass dieses Spiel in die Annalen der Regionalliga Nord eingehen würde, lag allerdings auch noch an jemand anderem: Schiedsrichter Kuno Fischer aus Leer in Ostfriesland.
Den hab ich vorher nicht gekannt, und dies dürfte fast jedem der 4.100 Zuschauer (Saison-Minusrekord) so gegangen sein. Möglich, dass ihn das geärgert hat. Vielleicht war er auch nur ein wenig geknickt, als relativ früh auf der Anzeigetafel eingeblendet wurde, dass Kickers Emden mit 0:2 in Dresden zurücklag. So mag er sich gedacht haben: wenn die einen Ostfriesen schon einen schlechten Tag haben, dann müssen halt die anderen in die Bresche springen. Wahrscheinlich hat er aber gar nichts gedacht, nur mal die Regeln konsequent ausgelegt. Und zwar derart konsequent, dass es so richtig lustig wurde.

Aber zunächst wurde Fußball gespielt. Fortuna in den ersten Minuten ganz klar spielbestimmend, ohne dass es schon großartig Torchancen gegeben hätte. Der HSV guckte sich das ein paar Minuten an, dann waren die Bubis warm, spielten einmal nach vorne und erzielten mit dem ersten Torschuss in der 9. Minute das 0:1. Auf links war Fatih Altundag schön frei gespielt worden, der zog den Ball hart nach innen, in der Mitte preschten Preston Zimmerman und Oliver Barth zum Ball, Stürmer wie Abwehrspieler verfehlten jedoch. Unglücklicherweise hatte sich in deren Rücken aber Oliver Hampel frei geschlichen und setzte die Kugel aus ca. 8 m flach in die lange (linke) Ecke, gegen die Laufrichtung des Torwarts. Wieder mal ein Rückstand, wieder mal mit dem ersten Torschuss des Gegners! Und das in dieser Situation! Schlimmer ging’s eigentlich nicht.

Natürlich ging es schlimmer. In der 18. Minute knickte Erdal Eraslan bei einem Zweikampf in der eigenen Hälfte um und signalisierte schon seine Auswechslung, bevor er zur Gänze den Boden erreicht hatte. Außenbandriss, Saison beendet. Jens Langeneke musste zu diesem frühen Zeitpunkt bereits eingewechselt werden. Der nächste Rückschlag für die Mannschaft. Und auch schade für den Spieler selbst, dessen Vertrag wohl nicht verlängert wird, was allerdings schon vor dem Spiel geschrieben wurde, somit nichts mit der Verletzung zu tun hatte. Eraslan war über weite Strecken der Saison nur Reservist, wurde gegen Ende dann vermehrt eingesetzt, als das Personal mal wieder knapp wurde, und legte einige sehr ordentliche Auftritte hin. Schade, dass die Saison für ihn so enden musste.

Also, nach knapp 20 Minuten ein Rückstand und ein auseinander gepflückter Deckungsverband – aber ging da nicht noch was? Natürlich. Die 27. Minute: Eckball für den HSV, abgewehrt, Nachschuss aus dem Hinterhalt. Tim Kruse geht erst mit dem Kopf dazwischen und anschließend k.o., war ein ordentlicher Hammer. Der Ball fliegt auf die rechte Fortunen-Seite außerhalb des Strafraums, wird von Altundag gestoppt. Und der sieht zwar, dass Kruse einige Meter von ihm entfernt auf dem Boden liegt, aber er spielt den Ball nicht ins Aus, sondern versucht noch eine Flanke. Die wird dann zur Ecke abgewehrt. Zornentbrannt läuft Markus Anfang auf Altundag zu, um ihm mal ein paar Takte zum Thema Fair Play nahe zu bringen. Dabei schubst er ihn leicht, was Herr Altundag zum Anlass nimmt, eine Rolle rückwärts zu drehen. Und Kuno Fischer greift zum ersten Mal in die Tasche und holt den roten Karton heraus…eine absolut überzogene Entscheidung. Wenn der bei jedem Spiel jedem Spieler, der mal ein bisschen schubst, Rot zeigt (wie gesagt, schubsen, nicht schlagen, nicht rempeln, gar nichts in dieser Art), dann wird’s aber gemütlich leer auf dem Platz, dachte ich noch. Nun, wir werden noch sehen, dass genau dies wohl seine Absicht war.
Natürlich muss Anfang sich hier im Zaum halten, keine Frage, aber der Platzverweis war auf jeden Fall ein Witz, nur zum Lachen war einem noch nicht zumute. Was die übrigen HSV-Spieler von der Aktion ihres Mitspielers hielten, konnte man anschließend bei der Spielfortsetzung beobachten. Die Partie wurde natürlich mit einem Eckball für den HSV fortgesetzt, den die jedoch sofort ins Toraus spielten, es postierte sich auch erst gar kein HSV-Spieler im Strafraum. Vielleicht hat es ja dann auch der Herr Altundag begriffen.

Die erste Spielhälfte plätscherte anschließend so dahin, es gab nicht viel zu sehen, außer, dass man in einer Szene erahnen konnte, warum Fortuna so einen Grottenrückrunde spielt: harte Hereingabe von Feinbier über rechts, in der Mitte rutschen Kneissl und sein Gegenspieler an Ball und Tor vorbei. Exakt identische Situation wie beim 0:1 des HSV, mit der Ausnahme, dass bei Fortuna niemand zweites mitgelaufen war, um den Ball dann auch reinzumachen. Der kleine Unterschied halt.
Auch trugen die zwischenzeitlichen Ergebnisse von den anderen Plätzen nicht gerade zur guten Stimmung bei. Eine echte Alptraum-Halbzeit neigte sich dem Ende entgegen, da demonstrierte Kuno Fischer, dass er auch ein Herz für Rheinländer hat, es dauerte nur etwas länger, bis er sich darüber klar wurde. 42. Minute: doch schon die zweite Chance für den HSV, ein schneller Konter mit klugem Pass in die Mitte, und Stürmer Zimmerman läuft allein auf Torwart Kronholm zu. Er legte den Ball links vorbei, folgt ihm und wird von Kronholms rechter Hand unsanft gebremst. Der Schiri pfeift, und in diesem Moment, ich gebe es gerne zu, sah ich Fortuna mit mehr als nur einem Bein in der Oberliga. Elfmeter, 0:2 – das wär’s wohl gewesen.
Aber Zimmerman hat seine Pirouette etwas zu schwungvoll gedreht. Kuno Fischer legt die Aktion daher als Schwalbe aus, und da Zimmerman bereits Gelb gesehen hatte, stellt er ihn mit Gelb/Rot vom Platz! Unfassbar, der Mann. Selten einen klareren Elfer gesehen. Aber irgendwann im Leben muss man ja mal Glück haben, sogar in der Rückrunde 2007. Denn so sehr Herr Fischer auch bei diesem Platzverweis daneben lag, es war das Einzige, was zur Pause noch ein wenig Auftrieb gab. Lübeck führte 3:0 gegen die bereits abgestiegenen kleinen Herthaner, Dortmund führte 1:0 gegen Union Berlin, sogar Kiel führte 1:0 in Osnabrück! Somit standen wir zur Pause auf Platz 14 mit einem einzigen Punkt Vorsprung auf Dortmund II. Und jetzt passte es – schlimmer ging’s wirklich nicht mehr.

Irgendwie schienen das die Herren in der Kabine kapiert zu haben. Denn dass die zweite Spielhälfte mit zum dramatischsten gehörte, was ich in dieser Saison gesehen habe, lag unter anderen auch daran, dass Fortuna sich aufmachte, den Gegner niederzukämpfen, wenn es schon spielerisch nicht klappte. Und daran, dass die Hamburger dagegen hielten. Und natürlich an Kuno Fischer.

In der 58. Minute wechselte Trainer Weidemann mit Denis Wolf für Tim Kruse einen weiteren Stürmer ein, sorgte für mehr Druck nach vorne. Der brauchte – wie im März gegen Dresden – genau drei Minuten, um ins Tor zu treffen und 13 Minuten einzuläuten, die es in sich hatten. Aber der Reihe nach: in der 61. Minute zunächst Scheibenschießen auf das HSV-Tor. Im Strafraum und kurz dahinter, gefühlt jeder Fortune versucht sich binnen weniger Sekunden einmal im Torschuss, immer ist ein Hamburger Bein dazwischen, aber immer bekommen die Düsseldorfer den Ball zurück. Zuletzt bleibt er jedoch im Strafraum hängen, Wolf geht dazwischen, legt die Kugel am Gegenspieler vorbei, nur um sofort vor dem nächsten zu stehen. Dieser zieht voll durch, Wolf hält den Fuß dagegen, wird angeschossen, und die Kugel findet den Weg ins Tor. Ausgleich! Ein erzwungener Treffer, natürlich glücklich, aber auch verdient, denn Fortuna kämpfte aufopferungsvoll und war klar überlegen. Endlich ein Lichtblick!

Sechs Minuten später konnte man sogar fast wieder Licht am Ende des Tunnels sehen: Freistoß für den HSV, rechts im Mittelfeld. Fortunas Palikuca hält, den Ball in Händen, entfernt sich zwei Schritte, um nach alter Väter Sitte die Kugel dann beim Davonjoggen fallen zu lassen. In jedem Spiel hundert Mal gesehen. Von hinten kommt HSV-Abwehrrecke Boris Leschinski herbei geeilt und schubst Palikuca ein wenig, um den Ball schneller zu bekommen. In jedem Spiel ebenfalls hundert Mal gesehen. Und Schiri Kuno Fischer macht das, was wir bei einer solchen Aktion in diesem Spiel ebenfalls schon einmal gesehen haben, er zeigt Leschinski nämlich Rot. Da waren wir schon so weit, dafür nur noch anerkennend Beifall zu klatschen. Der Kuno sah sich daraufhin animiert, noch eine kleine Zugabe zu geben und zeigte Palikuca für zweisekündiges Ballfesthalten Gelb – die zehnte für Palikuca, Sperre im nächsten Spiel. Es war nur noch lustig.

Jetzt also zehn Düsseldorfer gegen neun Hamburger. Was dann passieren muss, dürfte jedem, der Fortuna in der Rückrunde gesehen hat, relativ klar sein…
71. Minute: auf der linken Abwehrseite Zweikampf zwischen Langeneke und Cannizzaro. Langeneke bleibt Sieger, bekommt aber den Ball nicht weg, beide Spieler gehen zu Boden. Ein zweiter HSVer kommt vorbei gelaufen, stiebitzt die Kugel (von einem zweiten Düsseldorfer zur Unterstützung von Langeneke ist weit und breit nichts zu sehen), geht rechts in den Strafraum, spielt flach nach innen, und da hat er sich wieder frei gemogelt, good ol’ Hampel, same procedure as in the first half! Lässig lupft er die Kugel über den sich ihm entgegen werfenden Kronholm ins leere Tor, sein zweiter Treffer – 1:2, Rückstand in Überzahl. Fortuna wieder ziemlich weit unten. Zwei Minuten später noch ein bisschen mehr.

73. Minute: Laufduell in der gegnerischen Hälfte zwischen Oliver Barth und einem HSV-Spieler. Barth fährt den Ellenbogen aus, drängt den Gegner ab, der daraufhin zu Boden geht, allerdings auch sofort wieder aufsteht. Klares Foul, aber kein Ellenbogenschlag. Jedoch genau vor den Augen des Schiris. Und als der pfeift und direkt hinter Barth her läuft, weiß man schon, Kuno Fischer hat immer noch nicht genug. Auch hier ansatzlos Rot für Fortunas Abwehrspieler, zuvor nicht verwarnt und nicht ermahnt. Herrn Fischer waren also immer noch zu viele Spieler auf dem Platz. Außer „Einer geht noch, einer geht noch raus!“ fiel einem dazu wirklich nichts mehr ein. Neun gegen neun.

Dies war der Moment, in dem die Mannschaft hätte aufgeben können. In Überzahl in Rückstand geraten, dann selbst wieder dezimiert, alles binnen zwei Minuten. Und wenn die Mannschaft so wenig Moral und Ehre hätte, wie ihr von den meisten Fans mittlerweile unterstellt wird, dann wäre es das auch gewesen. Und ich wette, den ein oder anderen hätte es klammheimlich gefreut, damit dieser in ihren Augen unsägliche Trainer endlich zum Abschuss frei wird.
Dummerweise widerlegten die Spieler diese lustigen Phrasen nur eine Minute später. Langer Ball an den Sechzehner, Kopfballverlängerung von Kneissl, genau in den Lauf von Feinbier, und der hämmerte die Kugel volley als Aufsetzer in die Maschen – 2:2 in der 74. Minute. Fortuna wieder da.

Das waren somit drei Tore und zwei Platzverweise binnen 13 Minuten. Wer etwas ähnliches auch schon live erlebt hat, der weiß, wie meine Gemütslage war. Wobei es jetzt erst richtig rund ging.

Zum Glück nicht mit Kuno Fischer. Der ostfriesische Fußballgott hat seinen Hunger gestillt, Platzverweise für zu lautes Husten oder unabsichtliches Berühren eines Gegenspielers gab es nicht mehr. Aber nachdem jetzt so viel Platz auf dem Platz war, lieferten sich beide Teams in der letzten Viertelstunde einen offenen Schlagabtausch. Man stieg auf Handball auf, das heißt, man ignorierte dieses doofe Mittelfeld, die Stürmer blieben direkt vorne, die Abwehrspieler spielten lange Pässe. So gab es Chancen im Minutentakt, und es ist den Hamburgern hoch anzurechnen, dass sie dabei mitspielten, anstatt sich mit ihren verbliebenen acht Männeken auf die eigene Torlinie zu stellen, um das Remis nach Hause zu mauern. So ging es munter hin und her, und es passte zur Dramaturgie dieses Spiels, dass es nur noch einen Torerfolg gab – natürlich in der 90. Minute: Feinbiers Schuss aus sechzehn Metern wurde wieder einmal abgeblockt, der Ball trudelte nach links, und dort stand Andy Lambertz und machte die Kugel ins lange Eck. 3:2-Sieg in der 90. Minute, mehr „Finale“ geht wirklich nicht. Und wer kämpft, der kann auch mal Glück haben, denn zusätzlich zu diesem eminent wichtigen Sieg war in der zweiten Halbzeit auf den anderen Plätzen auch noch gut was los: Lübeck siegte zwar mit 4:0 und zog den Kopf somit ebenfalls aus der Schlinge, aber Union Berlin, selbst auch noch nicht gerettet, gelang in Dortmund noch der 1:1-Ausgleich, und Holstein Kiel brach sich selbst noch das Genick: eine Viertelstunde vor Schluss führte man 2:0 beim Aufstiegskandidaten Osnabrück, und kassierte anschließend noch drei Treffer. Auch dies scheint so eine Art Finale gewesen zu sein. Somit hatte Fortuna vor den letzten beiden Spielen sechs Punkte und fünfzehn Tore Vorsprung vor Kiel, das aufgrund des schlechteren Torverhältnisses gegenüber Dortmund II auf den Abstiegsplatz rutschte, beide mit 42 Punkten. Und erst daran konnte man sehen, wie überlebenswichtig dieser Sieg gegen den Hamburger SV II war. Halt doch ein echtes Finale, für mich durchaus wert, in dieser epischen Breite geschildert zu werden.

Noch einige Worte zum Schiedsrichter: natürlich regt man sich als Fan über Platzverweise auf, neigt dazu, diese als überzogen zu beurteilen. In diesem Spiel war es allerdings dermaßen eindeutig, dass der Mann außerhalb jedes Ermessenspielraums agierte, dass es gar nicht groß diskutabel war. Dies sah man auch an den Strafen, die vom DFB ausgesprochen wurden: Zimmerman für Gelb/Rot ein Spiel Sperre, das ist ja klar. Die drei anderen Sünder erhielten für ihre „Tätlichkeiten“ bzw. „grobes Foulspiel“ jeweils zwei Spiele Sperre. Natürlich war für alle drei damit die Saison beendet, aber dieses Strafmaß zeigt recht gut, wie der DFB diese „Vergehen“ einsortierte. Oder in welchen Fällen gibt es für „Tätlichkeiten“ nur zwei Spiele? Ich muss sagen, der Bericht des DFB-Beobachters zu diesem Spiel (so denn einer anwesend war) hätte mich schon stark interessiert. Und den Sonderbericht des Schiris hätte ich gerne in Kopie für meine Wand. Ein besseres Andenken an diese Partie kann es nicht geben.

Ein Spiel, das zumindest ich lange nicht vergessen werde. Danke Fortuna, danke HSV, danke Kuno Fischer!

Was vom Tage übrig blieb…

Bleibt nur noch, zu berichten, was rund um das Spiel los war. Es kann nicht zweifelhaft sein, oder?

Schon vor der Partie wurden im Oberrang der Gegentribüne zwei Transparente aufgehängt. Irgendwelche „Sicherheitsfanatiker“ auf der Haupttribüne waren zwar der Ansicht, dies hätte der Verein doch im Vorfeld schon verhindern können, schließlich habe er in der Arena Hausrecht. Aber das wiederum wäre auch albern gewesen, nur eben von der anderen Seite. Der Verein übte sich in Deeskalation ließ die Boykottler ihre Transparente aufhängen. Warum auch nicht, stand ja nichts Beleidigendes oder Bedrohliches darauf. Noch nicht.

Auf dem einen Transparent stand sehr richtig „Düsseldorf – Ein Fußballalptraum!“, was mir Dutzende von geschriebenen Seiten in den letzten Jahren erspart hätte, wenn ich nur selbst auf dieses griffige Bonmot gekommen wäre. Auf dem anderen war zu lesen „Einer muss weg!“ Nun gibt es ja beim Fußball nur zwei Personen, die stets alleine stehen, zum einen der Schiri, zum anderen der Trainer. Da Kuno Fischer mit seiner Show noch nicht angefangen hatte (vielleicht stand der noch draußen am Eingang und verkaufte eigenhändig Eintrittskarten für seinen großen Auftritt?), war damit wohl Uwe Weidemann gemeint. Vielleicht hätte man es abändern können in „Einer muss uns folgen!“, denn die Ultras waren ja schon weg, also zumindest deren „Arbeitsleistung“ für den Verein. Und darum geht es ihnen ja, der Trainer soll seine Arbeitsleistung für den Verein einstellen. Ehrlich währt am längsten, nicht wahr?

Auf einem langen Zaunbanner stand zu lesen: „Spieler ohne Ehre – Trainer ohne Mut – Vorstand ohne Ahnung!“ Nun habe ich mit dem Begriff „Ehre“ so meine Probleme, ebenso mit solchen Vokabeln wie „Stolz“ oder „Treue“. Da interpretiert jeder etwas anderes für sich hinein. „Ehrlosigkeit“ setze ich zum Beispiel bei Spielern, die einfach nur schlecht spielen, nicht automatisch voraus. Aber bitte.
„Trainer ohne Mut“ – ja, das kann ich so manches Mal bestätigen, ich habe diverse taktische Aufstellungen und Einwechslungen, vor allem zu spät erfolgte Einwechslungen auch nicht verstanden. Warum es dann allerdings direkt, wie in einem Forum des offiziellen Dachverbandes SCD (Supporters Club Düsseldorf) geschrieben, „Uwe in den Osten, damit Fortuna lebt!“ heißen muss, ergründet sich mir auch nicht so richtig. Der Schreiber dieser Zeilen dürfte sich übrigens gerne mal erkundigen, zu welcher Zeit man in Deutschland über welche Bevölkerungsgruppe offiziell sagte, die sei „in den Osten evakuiert“, um sein Gewissen zu beruhigen. Ich unterstelle keinerlei diesbezügliche Absicht des Schreibers, er wollte sicherlich nur demonstrieren, dass ihm bekannt war, dass Uwe Weidemann aus Ostdeutschland stammt. Es zeigt nur die erschreckende Nichtahnung mancher Leute und die Gleichgültigkeit, mit der einige mit anderen Menschen umgehen. Aber es war sicherlich nicht so gemeint.
„Vorstand ohne Ahnung“ – hm, dazu kann ich als Außenstehender nicht viel sagen, ich weiß nicht, was die Herren so treiben und was ihnen an Mitteln jeglicher Art dafür zur Verfügung steht. Ich wohne ja noch nicht mal in Düsseldorf. In einer Sache allerdings bin ich geneigt, dieser Aufschrift Recht zu geben. Die Vertragsverlängerung mit Trainer Uwe Weidemann im Februar um zwei Jahre zeugt wirklich nicht von weltmännischem Managertum. Exakt ab diesem Moment spielte sich die Mannschaft um Kopf und Kragen, der Trainer fand kein Mittel dagegen, und selbst, wenn man ihn entlassen wollen würde, würde es ziemlich teuer werden. Natürlich pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass das Ende der Zusammenarbeit zum Saisonende schon längst beschlossene Sache wäre, wenn es diese Verlängerung nicht gäbe, die dem Trainer in den nächsten zwei Jahren wohl ca. 250.000 Euro (10.000 Euro monatlich) garantieren sollen. Ein Problem, das man hätte vermeiden können, hätte man nur einen einzigen Monat mit der Verlängerung gewartet, denn Ende März war eigentlich klar, dass wir mit dem Aufstieg nichts mehr zu tun haben würden. Man hätte es auch mit einem Vertrag über ein Jahr und ein weiteres auf Option versuchen können, dies wäre im Notfall immer noch kostengünstiger gekommen, aber auf diese Idee kam wohl niemand. Ich nehme mal an, dass man nach dem Desaster mit Thomas Berthold Verträge mit Optionen, Extra-Klauseln und Zusatzvereinbarungen scheut wie der Teufel das Weihwasser. Tja, und nun kann man den Trainer nicht entlassen, weil man es nicht bezahlen kann. Ob das stimmt – wer weiß? Ich nicht.

Also bis auf die „Ehre“ standen auf diesem Transparent nur Worte, denen man sich auch bei objektivster Ansicht nicht völlig verschließen konnte. Dies galt jedoch nicht für die beiden Transparente, die beim Einlaufen der Mannschaft hochgehalten wurden. Auf dem einen stand zu lesen „Ihr seid der Witz der Liga!“ Sorry, aber da wusste ich nicht eindeutig, wer gemeint war – um den „Witz der Liga“ endgültig auszuspielen, könnte das diesbezügliche Finale „Jämmerliche Mannschaftsleistungen in der Rückrunde“ vs. „Fans, die ihren Verein im wichtigsten Spiel der Saison im Stich lassen“ durchaus noch Spannung versprechen. Was die einen sich über Monate an Vorsprung erspielt hatten, bemühten sich die anderen nun, in nur wenigen Tagen aufzuholen. Eine respektable Leistung, fast mit der Aufholjagd von Dortmund II gleichzusetzen. Und natürlich holte man sich – wie Dortmund – dafür auch Verstärkung von oben.

Denn auf dem zweiten Transparent, welches aufgezogen wurde, als die Spieler den Rasen betraten, stand beeindruckend lesbar geschrieben: „Wenn ihr absteigt, gibt’s was auf die Fresse! Hooligans Düsseldorf“ Na danke! Aber auch hiervon werden die Ultras natürlich nichts gewusst haben, hinter dieser Aussage werden sie nicht gestanden haben, das Transparent wurde auch nur zufällig auf der Seite der Tribüne hereingebracht, auf der sie ihren „Sitzstreik“ abhielten, sie trauten sich nur nicht, dies zu verhindern (im Spiel) oder sich auch nur davon zu distanzieren (bis heute). Wahrscheinlich wussten sie noch nicht einmal, was draufstand.Großartig! Nebenbei eine tolle Idee, dieses Ding beim Einlaufen der Mannschaften hochzuhalten. Alle Spieler hatten ja, wie üblich, so ein „Einlaufkind“ an der Hand, irgendso einen sieben- oder achtjährigen Fußballer, der zum ersten Mal in seinem Leben in ein großes Stadion einlaufen durfte, nur um dann mal zu lesen, was ihm passieren kann, wenn das Publikum nicht gnädig gestimmt ist. Aber egal, Fußball ist ja Männersport, kein Kindergarten (da gibt’s ja auch kein Forum „kaputt zu machen“), und mit ein bisschen Glück waren das eh Bambinis, von denen die Hälfte noch nicht lesen konnte.

Derart von den eigenen Fans verhöhnt und bedroht (mit einem Wort: unterstützt), begann die Mannschaft das Spiel natürlich strotzend vor Selbstbewusstsein, was allerdings, wie weiter oben erwähnt, zunächst ziemlich in die Hose ging, mit frühem Rückstand, früher Verletzung und früher Dezimierung durch Kuno den Unglaublichen. Während dessen entrollten die Ultras munter das, was sie noch mitgebracht hatten, nämlich ein Transpi „Uwe raus!“ (vielleicht lief Co-Trainer Uwe Klein daraufhin weinend von dannen, ich weiß es nicht) sowie ein weiteres „Albertz raus!“, obwohl der gar nicht spielte. Es scheint doch mehr allgemein gemeint gewesen zu sein. Allerdings kam es zwischendurch im Fan-Block auch immer wieder zu „Ultras raus!“-Rufen und anderen Anmachen. Auch dies muss nicht weiter kommentiert werden, das war genauso peinlich. Aber es ging ja noch weiter.

Die Sache eskalierte in der 2. Halbzeit endgültig, als binnen weniger Minuten der HSV zunächst das 2:1 machte und anschließend Oliver Barth vom Platz gestellt wurde. Natürlich gab es über die ganze Zeit verbale Scharmützel zwischen den beiden Gruppen auf der Südtribüne, aber nun wurde mal der dritte Gang eingelegt: es wurden Feuerzeuge und Bierbecher auf die Ultras geworfen, einfach unmöglich, die eigenen Leute so anzugehen, selbst wenn man mit ihrem Boykott nicht einverstanden ist. Die fühlten sich dann wahrscheinlich wie die Spieler, die dies in den vergangenen Wochen ja auch mehrfach erleben durften, und sie taten das, was wohl jeder in dieser Situation getan hätte (außer Spielern, die so etwas bekanntlich widerspruchslos hinzunehmen haben): sie wehrten sich.

Samstag, 19.05.07, ca. 15.25 Uhr, LTU-Arena: die Sonne scheint, die Frisur hält, und die Fan-Szene von Fortuna Düsseldorf, oder was sich dafür hält, haut sich gegenseitig auf die Fresse…

Und damit seid ihr laut eurem eigenen Transparent leider abgestiegen, und auch über den Witz der Liga braucht wohl nicht weiter verhandelt werden. Mich würde interessieren, wieviele der dort Anwesenden das anschließende 2:2 durch Marcus Feinbier verpassten, weil sie sich grad gegenseitig am Kragen hatten. Es wäre schön, wenn dieser Treffer einige wieder zur Besinnung gebracht hätte. Und sollte es nur ein einziger gewesen zu sein, dann gebührt diesem Tor die Auszeichnung „Deeskalation des Jahres“. Aber ich schätze mal, es wird die meisten nur am Rande interessiert haben. Es gibt Wichtigeres als das Spiel in einem Stadion, ich habs schon immer geahnt. Nur verstanden hab ich es auch an diesem Tage nicht.

Schadensbegrenzung

Mit diesem Sieg war Fortuna praktisch durch, bedingt durch die anderen Ergebnisse verblieb ein Vorsprung von sechs Punkten und 15 Toren auf Holstein Kiel, das nun den ersten Abstiegsplatz inne hatte. Man würde 180 wirklich unverschämte Minuten sowie zusätzlich eine Menge Pech bei den Spielausgängen der anderen Teams benötigen, um das noch zu verspielen. Einziger Haken war, dass das nächste Spiel am 26.05.07 ausgerechnet in Kiel stattfinden würde. Jedes Tor, das man dort kassieren würde, würde also quasi doppelt negativ zu buchen schlagen, weil Kiel es gleichzeitig aufholen würde. Man musste somit zusehen, die zu erwartende Niederlage in Grenzen zu halten.

Medientechnisch war übrigens der unbestechliche Boulevard mit den sieben großen Buchstaben endlich bereit, die Textbausteine zur Trainerfrage aus der Schublade zu holen. Die Fehlschläge der Saison wurden aufgelistet (als ob die noch keiner bemerkt hätte), insbesondere die Schwächen des Trainers, abgeschlossen wurde mit der rhetorischen Feststellung aller Lokalreporter, die Meinung machen wollen: „Fortuna muss jetzt handeln.“ Und fantechnisch gab es natürlich auch noch eine Nachlese zum HSV-Spiel, selbstverständlich eine der besonderen Art, die unmittelbar mit dem Medium zusammen hängt. Halt, vorher gab es wohl noch eine Diskussion zwischen Ultras und anderen Fans am Montag nach dem Spiel, in dem so manche Meinungsverschiedenheit auch vom vorherigen Samstag ausgeräumt wurde, was ich sehr vernünftig finde. Allerdings wurde dort wohl gesagt, dass sich der Boykott und die Proteste in erster Linie gegen den Trainer richten würden. Nun gab nach dem Spiel der so ungeliebte Jörg Albertz mal wieder den Rücktritt vom Rücktritt vom Rücktritt bekannt, das heißt, er sagte, dass er endgültig zum Saisonende aufhören würde. Man mag meinen, bei dieser Entscheidung könne es eine Rolle spielen, dass er vom Trainer in dieser Partie nicht eingesetzt worden war. Dies war auch der Fall, aber anders als gewöhnlich. Albertz gab nämlich an, während des Spiels von den „Fans“ in einer Art und Weise beleidigt worden zu sein, wie es ihm „noch nie und nirgendwo passiert“ ist. Und der Mann hat mehrere Jahre in Schottland gespielt! Das war wirklich ein „Kompliment“ der ganz besonderen Art für die „Fans“. Einer nahm es auch gleich artig an und schrieb triumphierend in einem Forum: „Na, war UDs Aktion vielleicht doch nicht kindisch, sinnlos und verfehlt?“ In bezug auf den Zeitungsartikel über Albertz, auf den er antwortete, lautet die Antwort ganz klar: „Ja klar, denn es hieß doch, die Aktionen sollten sich gegen den Trainer richten.“ Ist mir neu, dass der Albertz auch schon Übungsleiter ist. Wenn man sich allerdings die Boykottaufrufe im Vorfeld des Spiels sowie den Inhalt der Spruchbänder während der Partie durchliest, fragt man sich, wieso zu 90 % auf der Mannschaft herumgehackt wurde, wenn doch eigentlich der Trainer gemeint sein sollte. Vielleicht könnte man sich mal von vorne herein darauf einigen, was denn nun genau boykottiert werden soll, dann klappts eventuell auch besser mit der Außendarstellung. Nur ein Tipp.
Was den weiteren „Erfolg“ der Aktion angeht, da gebe ich dem Schreiber gerne Recht: jawohl, das war sehr erfolgreich! Ihr habt es immerhin geschafft, dass das örtliche Boulevardblättchen nunmehr auch den Trainer-Rausschmiss fordert. Glückwunsch, auf dieses Bündnis wär ich mal echt stolz! Hat sich gelohnt.

Kommen wir kurz zu etwas, das sich erwartungsgemäß nicht lohnte: die Fahrt der Mannschaft in den hohen Norden, um pflichtschuldigst bei Holstein Kiel die Punkte abzuliefern. Zum Glück konnte sie Schadensbegrenzung betreiben, es gab nur ein 0:2 im strömenden Regen. Sie konnte sogar recht viel Schadensbegrenzung betreiben, denn sie hielt das Spiel bis zum Schluss offen, nachdem man bereits nach einer Viertelstunde das 0:1 kassiert hatte, durch ein Traumtor von Pavel Dobry, der ein Solo über 40 m hinlegte, fünf Düsseldorfer stehen ließ und abschließend auch noch an Torwart Deuß vorbei kurven und zur Führung ins leere Tor vollenden konnte. Übrigens, ja, Torwart Deuß, Kronholm hatte sich im Spiel gegen den HSV verletzt und Deuß war gerade wieder fit, und so gab es den gefühlt 115. Torwartwechsel in den letzten drei Jahren. Ist auch eine Art von Kontinuität.

Danach gestaltete Fortuna das Spiel offen, zeigte die deutlich reifere Spielanlage, die Kieler wurden nervös, man hatte sie gut im Griff, nur das Tor traf man nicht. Dann kam auch noch ein wenig Pech dazu, als der eingewechselte Denis Wolf in der 71. Minute nur den Pfosten traf, dann noch mehr Pech, als der Abpraller ausgerechnet Marcel Podszus vor die Füße fiel. Wo der solche Bälle in dieser Saison hinschießt, ist bekannt, daher blieb es bei der Kieler Führung. Und die machten dann mit der letzten Aktion in der Nachspielzeit auch das 2:0 klar, als Guscinas abstauben konnte. Ob er sich in diesem Moment daran erinnerte, dass er vor unfassbaren 6 Jahren schon einmal zwei Tore gegen uns erzielt hat, damals, als die „Störche“ bei uns im Rheinstadion (ach!) mit 3:0 siegten? Er vielleicht nicht, ich schon.

Während und nach dem Spiel kam es natürlich wiederum zu Unmutsäußerungen und Pöbeleien gegen Trainer und Spieler, hinterher am Mannschaftsbus wohl auch. Unzufriedene Düsseldorfer also. Dortmund II gewann ebenfalls mit 2:0 in Wilhelmshaven, sodass Kiel trotz des Sieges auf Platz 15 verblieb. Unzufriedene Kieler also. Dazu noch der strömende Regen. Scheißtag.

Transparenter Abgang

Fortuna verblieb ein Vorsprung von drei Punkten und 11 Toren auf Holstein Kiel vor dem letzten Saisonspiel gegen Borussia Mönchengladbach II. Und diese Partie ließ der Verein im Flinger Broich austragen. Man hatte vor der Saison beim DFB drei Heimspiele im Broich angemeldet und genehmigt bekommen, allerdings erst zwei davon ausgetragen (gegen Erfurt und Magdeburg in der Hinrunde). Der einzusparende fünfstellige Betrag gegenüber den Kosten, die eine weitere Partie in der LTU-Arena verursachen würde, gab letztendlich den Ausschlag, das Spiel zu verlegen.

Es ging um nichts mehr, spornte allerdings einige noch einmal zu Höchstleistungen an. Die Ultras Düsseldorf stellten einen neuen Rekord im Malen von Transparenten auf und waren während des Spiels dermaßen damit beschäftigt, diese im Minutentakt auszutauschen, dass sie von der Partie selbst eigentlich kaum etwas mitbekommen haben dürften. Aber um das Spiel geht es ja schon lange nicht mehr. Da wurde zum Abschluss noch einmal alles abgewatscht, was nicht bei Drei auf dem Baum war – der Trainer, die Spieler, der Vorstand, ja, sogar ein Lokalreporter, der es zum wiederholten Mal wohl gewagt hatte, kritisch über die Vereinigung zu berichten, ohne vorher Rücksprache zu halten (vielleicht sollte man aufgrund dieses Sachverhalts mal darüber nachdenken, eine eigene Pressestelle bei den Ultras einzurichten?), durfte sich namentlich auf zwei Transparenten gewürdigt sehen. Ansonsten war der Inhalt der Spruchbänder völlig okay, Rücktrittsforderungen an den Trainer, Kritik an Mannschaft und Vorstand, durchaus alles im Rahmen, diese Art Protest muss erlaubt sein. Nebenbei erinnerte man sich sogar, dass da ein Gegner anwesend war (also nicht der eigene Trainer, sondern die gegnerische Mannschaft meine ich) und würdigte Borussia Mönchengladbach unter anderem mit „Klein-Paris grüßt Klein-Grevenbroich“ und „Auf geht’s Bauern, säen und ernten“. Das mag wohl arrogant klingen, traf aber genau die Richtigen, auch wenn die Spieler von Gladbach I oder II wohl nichts dafür können, dass ihr Umfeld seit einigen Jahren ebenfalls etwas am Rad dreht. Das sind auch solche Experten, die der Meinung waren, es reiche zum Erfolg vollkommen aus, wenn man sich „Mythos“ nennt und fast ausschließlich Trainer holt, die mal im eigenen Verein gekickt haben. Läuft dann schon. Wenn ich nur wüsste, an wen mich das in Grundzügen erinnert…

Bei einigen Transparenten musste ich dann auch insgeheim ein wenig schmunzeln. „Vom Kultverein zum Dorfverein! Danke Uwe“ oder „Die beste Mannschaft der Liga – fast abgestiegen – wer hat wohl Schuld?“ Natürlich bestimmt nicht diejenigen, die so etwas Ernst meinen. „Kultverein“, „beste Mannschaft der Liga“ – dies zeigt auch bei allem Verständnis für Protest ein derartiges Scheuklappenbewusstsein, dass man einfach nur viel Spaß beim Weiterträumen wünschen kann. Da wird mal wieder öffentlicher Protest auf der Grundlage des eigenen Wunschdenkens ein wenig ad absurdum geführt. Die sattsam bekannte Unfähigkeit zur Selbstkritik offenbarte sich dann auf einem weiteren Transparent, zu dem mir nun wirklich nicht mehr viel einfiel: „Wer persönliche Vorlieben vor den Gesamterfolg stellt, handelt fahrlässig“. Aber genau. So kann man wirklich schon mal das ein oder andere Szenario im Verein beschreiben. Besonders gut passt es meiner Meinung nach auf den Boykott zum entscheidenden Spiel gegen den Hamburger SV II. Und natürlich auch auf die anschließenden Szenen während des Spiels, als andere den Spieß herumdrehten und sich gegen die Ultras wendeten. Die Fan-Szene von Fortuna Düsseldorf in dieser Saison in einem einzigen Satz treffend beschrieben – ich glaube nicht, dass es Absicht war, aber die meisten schlauen Gedankengänge entspringen ja purem Zufall und reiner Intuition. Dieser Satz sollte wirklich bei allen im Vordergrund stehen, die in der Sommerpause eine ernsthafte Aufarbeitung der Saison planen. Nur – der Verein muss dies tun, von den Fans erwartet es niemand. Wie üblich.

Ach ja, Fußball gespielt wurde auch noch. Fortuna schickte die kleinen Fohlen mal kurzerhand mit 4:1 nach Hause und machte es noch gnädig. Denn neben den Treffern von Cebe (2), Canale und Kruse verschoss Langeneke noch einen Foulelfmeter und Albertz und Pusic trafen jeweils die Unterkante der Latte. Interessiert hat das einen Teil der 5.300 Zuschauer kaum, es wurden sogar Sprechchöre „Wollt ihr uns verarschen?“ angestimmt. Weil die Mannschaft so frech war, zu gewinnen? Wenn sie verloren hätten, wer weiß, was dann gekommen wäre. Wie gesagt, das Spiel auf dem Rasen ist schon seit Wochen nur noch Nebensache. Da wurde flott kombiniert, die Tore schön herausgespielt, man verschmähte sogar sichere Standardsituationen wie einen Elfmeter und nahm den Gegner trotzdem auseinander, der nach anfänglich gutem Spiel und einem schönen Sonntagsschuss durch Schuchardt zum zwischenzeitlichen 1:1 mehr und mehr in sich zusammenfiel. Sogar ein Canale, neben Weidemann und Albertz der Fans „liebstes Kind“, zeigte in seinem letzten Spiel für Fortuna eine ansprechende Leistung. Er wechselt ausgerechnet zum VfB Lübeck, wo man sich in den vergangenen Jahren bei diversen knüppelharten Aufeinandertreffen beider Teams wiederholt über seine Schauspiel- und Meckereinlagen beschwert hatte. Nun hat man wohl eingesehen, dass so ein Provokateur doch ganz gut in ihre Kloppertruppe passen würde, und sie haben ihn geholt. Ich rechne mit mindestens einem Treffer gegen uns in der nächsten Saison.

Das letzte Spiel für Fortuna nach sechs Jahren machte auch Torwart Patrick Deuß. Er wechselt in die Oberliga zur SSVg Velbert, da er in nächster Zeit seinen Doktor machen will und daher sportlich ein wenig zurückstecken möchte. Zum Abschied bekam Deuß die Kapitänsbinde und einen eigenen Abgang einige Minuten vor Schluss verpasst, als er gegen Nachwuchskeeper Patrick Nettekoven ausgewechselt wurde. Abgang des ungekrönten Königs unfassbarer Abschläge, der mich jahrelang ob seiner Leistungen verzweifeln ließ, denn ein größeres Repertoire zwischen Welt- und Kreisklasse habe ich bei kaum einem anderen Torwart gesehen. Und auch, wenn mir sein neuer Verein nicht zwingend Jubelstürme entlockt, so wünsche ich doch ausdrücklich alles Gute, sowohl für die Doktorarbeit als auch für die nächste Oberliga-Saison.
Apropos Oberliga: erinnert sich noch jemand an einen unserer Lieblinge aus jener Zeit, Stürmer Frank Mayer? Der ist auch wieder da. Nach seiner Rückkehr aus Chemnitz nahm er sich zunächst eine Saison Auszeit auf der Ersatzbank von Preußen Münster. Da dies nicht ganz freiwillig erfolgt sein dürfte, ist er jetzt wieder heiß wie Frittenfett und sucht eine neue Herausforderung. Ab 01.07.07 steht er beim lustigen Verein meines Wohnortes, dem Bonner SC, unter Vertrag. Ich freue mich jetzt schon auf die Oberliga-Partie zwischen dem BSC und der SSVg Velbert, wenn Franky die wahrscheinlich 300. unnötige Gelbe Karte seiner Karriere kassieren wird, weil er sich vehement beim Schiri über das Zeitspiel des Gegners beschwert, wenn Patrick Deuß den zehnten Abschlag hintereinander versehentlich ins Seitenaus geballert hat. Das wird ein schönes, nostalgisches Spiel für mich!

Mit dem 4:1 gegen Gladbach II belegte Fortuna in der Abschlusstabelle Platz 10 mit 51 Punkten. Aufsteiger in die 2. Liga sind St. Pauli mit 63 Punkten und Osnabrück, das am letzten Spieltag in der 89. Minute noch den 1.FC Magdeburg abfangen konnte, mit 61 Punkten. Da kann man nur „Mein Gott, was wäre alles möglich gewesen!“ ausrufen. Und zwar in alle Richtungen. Man hätte nur die auch nicht besonders überragende Hinrunde (31 Punkte) wiederholen müssen, und es hätte für die Aufstieg gereicht. Mit der Leistung der letzten Saison (63 Punkte – Platz 5!) wäre man Meister geworden. Einfach nur unfassbar. Aber auch andersrum. In die Oberliga muss neben Gladbach II, Hertha II, Leverkusen II und Wilhelmshaven nämlich auch Holstein Kiel. Die gewannen zwar ihr letztes Spiel mit 1:0 in Erfurt, das nutzte aber nichts, weil Dortmund II sein letztes Spiel gegen Leverkusen II ebenfalls mit 2:0 gewann, das entscheidende Tor übrigens mal wieder durch das hoffnungsvolle Jungtalent Lars Ricken, aber ich glaube, das schrieb ich schon das ein oder andere Mal. Somit scheiterte Holstein an seiner grottenschlechten Hinrunde und stieg mit 48 (!) Punkten ab. Oder, um die Nostalgiker der Zwei-Punkte-Regel zu erfreuen: Kiel muss in die Oberliga mit 35:37 Punkten. Das hat es noch nie gegeben, und, da bin ich mir ziemlich sicher, das wird es auch nicht mehr geben. Das schlechte Torverhältnis gab den Ausschlag, am Ende fehlten fünf Treffer auf Dortmund, deren sechs auf Ahlen (deren historischer Durchmarsch vom Aufstiegsplatz in die Oberliga binnen zweier Monate also nur vom plötzlichen Saisonende gestoppt wurde) sowie sechzehn Treffer auf Union Berlin, die allesamt punktgleich mit 48 Zählern auf den Rängen vor Kiel einliefen. Das ist wirklich bitter, und es passt zu meiner verkorksten Saison, dass es ausgerechnet Kiel erwischte, also die Stadt, in die ich immer wieder gerne reise, aufgrund meiner beruflichen Vergangenheit. An Dortmund oder Ahlen wäre ich da schon weniger interessiert gewesen. Aber wir sind hier eben nicht bei „Wünsch dir was!“…Man brauchte also noch nie so wenig Punkte, um in die 2. Liga aufzusteigen wie in dieser Saison. Es war allerdings auch noch nie so schwer, die Klasse zu halten wie in dieser Saison. Aber klar, das waren ja alles nur Krampen, und wir hatten die beste Mannschaft. Ist schon peinlich, was sich manche Leute einreden müssen…diese Verteilung zeigt relativ eindeutig, wie schwer diese Saison war, weil so viele Mannschaften gleichwertig besetzt waren.

Mit Kiel stieg nicht nur die Truppe mit dem höchsten Etat der Liga ab (fünf Millionen Euro vor Saisonbeginn), sondern auch diejenige, die sich gleich mal vier Trainer in dieser Spielzeit gönnte. Darüber hinaus einer der haushohen Aufstiegsfavoriten vor Saisonbeginn, besonders natürlich im eigenen Umfeld. Dies galt in der Regionalliga Süd übrigens auch für Darmstadt 98 und den 1.FC Saarbrücken. Auch hier reichte wohl ein lockeres „Tradition wird schon irgendwie Tore schießen“, um vor der Saison im Umfeld den Aufstieg klar zu machen. Auch diesen beiden Teams wurden in der als gerne „Dorftruppenliga“ verunglimpften Süd-Klasse am letzten Spieltag in die jeweiligen Oberligen verabschiedet. Saarbrücken zauberte, genau wie Kiel im Norden, hierbei auch ein wenig, man holte zwar nicht so viele Punkte, aber man stellte beim Abstieg die beiden Führenden der Torschützenliste (Jäger, 17 Treffer, und Maglik, 15 Tore) und stieg mal locker mit einem positiven Torverhältnis ab! Auch ein Novum, soweit mir bekannt. Drei Vereine, die ihre Gegner wohl gewaltig unterschätzt hatten, und die nun, aufgrund der großartigen DFB-Reform, die zur nächsten Saison eingeleitet wird, erst einmal mindestens zwei Jahre in der Oberliga beweisen müssen, wie weit „Tradition“ sie bringen kann, besonders was die eigenen Zuschauer und Sponsoren betrifft. Und um nicht übernächste Saison fünftklassig zu sein, müssen sie nächste Saison zwingend mindestens Vierter werden. Was besonders bei Saarbrücken „lustig“ wird, trifft man doch in der Oberliga Südwest auf solche „Leichtgewichte“ wie Eintracht Trier, Borussia Neunkirchen, Wormatia Worms, den FC Homburg, FSV Mainz II oder Kaiserslautern II. Vierte Liga, und die Fünfte im Visier statt der erwarteten Spiele gegen Köln und Gladbach – Alptraum statt Daum, möchte man titeln. So gesehen sind wir wirklich noch mit einem blauen Auge davon gekommen.

Erstaunlich schnell in Gang gekommen sind bei Fortuna die Personalplanungen für die nächste Saison. Zunächst wurden am Sonntag nach dem Spiel einige Spieler vom Trainer verabschiedet. Canale nach Lübeck und Deuß nach Velbert hatten wir schon. Ebenfalls gehen wird Oliver Barth. Der überragende Abwehrspieler der letzten Saison, in dieser Spielzeit nicht mehr ganz so gut und auch häufig verletzt, geht wohl zum SC Freiburg. Muss der schlecht gewesen sein! Auch Denis Wolf und Marcel Podszus wurden verabschiedet. Beide rutschten mit unterschiedlichen Vorgaben aus dem Kader: während Wolf merkwürdigerweise vom Trainer, der ihm im Sommer noch unbedingt haben wollte, kaum eine Chance bekam, spielte sich Podszus, zweitbester Torschütze der Vorsaison, mit einer unglaublichen Chancenverwertung aus der Mannschaft. Bei ihm munkelt man, dass es ihn zum KFC Uerdingen ziehen könnte. Dort wird zum 01.07. nämlich zu meiner großen Erleichterung ein alter Bekannter den Trainerposten übernehmen: Aleksandar Ristic. Damit fällt er für uns schon mal flach, außerdem besteht jetzt die Chance, dass etliche „Aleks“-Liebhaber, denen eh keiner seiner Nachfolger etwas recht machen konnte, sich mal in die unmittelbare Nachbarschaft nach Krefeld begeben und da weiter nölen. Wohin Wolf wechseln wird, ist noch nicht bekannt.
Gehen wird auch Tim Kruse, nach drei Jahren, leider viel zu oft verletzt, und mit doch erstaunlichen Formschwankungen. Er wird wohl zu Aufsteiger RW Oberhausen wechseln. Auch Sebastian Kneißl ist ebenso schnell weg wie er in der Winterpause gekommen ist.
Mehr gab es offiziell noch nicht. Kann also gut sein, dass mit Eraslan doch noch einmal verlängert wird, aufgrund seiner guten Spiele zum Schluss. Jörg Albertz wird wohl definitiv aufhören, den hat man in den letzten Wochen erfolgreich vergrault, das kommt davon, wenn man in Interviews vorschnell sagt, dass man sich das nicht mehr antun will, das verzeiht die Meute nicht. Bei Marcus Feinbier ist noch alles offen, fraglich, ob der sich das noch mal antut, er ist halt nicht mehr der Jüngste. Steht außerdem natürlich von Fan-Seite unter Beschuss, weil er – ach! – so wenig läuft. Der Typ hat in 50 Spielen für Fortuna 24 Tore erzielt, aber er zeigt zu wenig Einsatz. Also weg damit! Er wird sich wohl in den nächsten Tagen nach einem Gespräch mit Manager Wolf Werner entscheiden.

Letzterer kurbelte in den letzten Wochen das Transfergeschäft schon mal mächtig an. Neben den bereits feststehenden Zugängen Melka (Torwart, Mönchengladbach) und Hergesell (Verteidiger, Leverkusen) gab es bereits drei weitere Neue: Marco Christ kommt aus dem Mittelfeld des Süd-Regionalligisten VfR Aalen, Tomislav Zivic, gleicher Wirkungsbereich, vom Oberligisten Türkiyemspor Berlin, und für die Abwehr wurde noch jemand geholt, der sich hoffentlich als „Juwel“ entpuppt, Adrian Spier von der A-Jugend von Eintracht Frankfurt.. Verlängert wurden außerdem die Verträge mit David Krecidlo, Henri Heeren (daraufhin soll die medizinische Abteilung der Fortuna spontan eine Dankesfete organisiert haben, weil ihre Arbeitsplätze damit auf die nächsten Jahre gesichert sein dürften) sowie vernünftigerweise mit Ahmet Cebe, dem mit Abstand besten Spieler der Fortuna in der Rückrunde. Solange die Details mit Feinbier ungeklärt sind, ist Cebe allerdings auch mit Abstand der einzige Stürmer im Kader. Wollen wir hoffen, dass Herrn Werner dies auch noch auffällt, und dass dann noch etwas im Portemonnaie sein wird.

Man darf auf die nächste Saison gespannt sein, sie wird hammerhart. Platz 10 ist vonnöten, um sicher in der neuen 3. Liga der übernächsten Spielzeit dabei zu sein, dies wird sehr, sehr schwierig, angesichts der Konkurrenz. So gesehen wurde in dieser Saison natürlich auch eine Riesenchance verspielt, denn auch wenn man in der 2. Liga gleich wieder durchgereicht worden wäre, die Qualifikation für die eingleisige 3. Liga hätte man damit ebenfalls im Sack gehabt.

Ende der Durchsage

Letzter Spieltag. Zeit für eine Rückblende. Was ist aus der Saison hängen geblieben? Ich lehne mich zurück, denke nach, doch auch längeres Grübeln beschert mir nicht die gewohnt spontane Eingebung. Nix! Okay, das Spiel in Lübeck. Das kann man gelten lassen. Oder die Karten-Orgie des Kuno F. aus Leer in Ostfriesland im letzten Heimspiel. Da war in beiden Fällen eine am Spiel teilnehmende Partei in der Unterzahl, die sich aber partout nicht unterkriegen lassen wollte – in Lübeck war es Fortuna in der 2. Halbzeit, beim letzten Match vor eigenem Publikum ein Schiri, der alles daran setzte, baldmöglichst bei RTL 2 auftreten zu dürfen, falls es dort mal eine Sendung „Die lustigsten Platzverweise Deutschlands“ geben sollte.

Wenden wir uns also erfreulicheren Dingen zu. Die Zweite Mannschaft ist aufgestiegen in die Oberliga Nordrhein. Das wird spannend! In dieser Liga spielen in der nächsten Saison Fortuna II, Mönchengladbach II, Leverkusen II, Aachen II, Duisburg II, Wuppertal II und Köln II. Ach ja, einige Vereine wollen sogar ihre Erste Mannschaften in dieser Liga antreten lassen. Mutig, mutig! Ich kann mich noch an unsere Kommentare erinnern, als wir im Aufstiegsjahr 2004 sieben Zweitvertretungen in der Regionalliga hatten, aber in der Oberliga ist das natürlich etwas völlig anderes. Die U 19 ist aufgestiegen in die A-Jugend-Bundesliga. Die U 17 ist ebenfalls aufgestiegen in die höchste Liga dieser Altersklasse. Zum Kuckuck, jeder scheint aufgestiegen zu sein, außer unserer Ersten Mannschaft. Die begrüßt in der nächsten Saison wieder Gegner in der Regionalliga Nord. Alte Bekannte werden mal wieder vorbei schauen: RW Essen und Eintracht Braunschweig. Mit denen können wir bald den inoffiziellen Fahrstuhlmeister ausspielen, die haben gut aufgeholt in den letzten Jahren. Hinzu kommt als Aufsteiger der SC Verl. Erstklassige Bratwurst, allerdings nur für den Fall, dass es gelingt, das Stadion nach sechs Jahren wiederzufinden; das lag nämlich nicht ganz so zentral, meiner brüchigen Erinnerung zufolge. Der SV Babelsberg ist auch wieder da. 12 Stunden Fahrt mit einem Wochenendticket sind mir da in Erinnerung, vielleicht könnte man es so deichseln, dass die Mannschaft am Tag danach direkt bei Union Berlin antritt, das spart mindestens eine Horror-Tour. RW Oberhausen, endlich mal wieder ein Spiel vor der Haustür. Vielleicht reichen im Schwung des Aufstiegs die prima Nackensteaks dort diesmal sogar bis Spielende, das hätte mal was. Energie Cottbus II, na ja. Was ich von denen mal in der Presse gelesen habe, schreib ich hier nicht. Ein Verein definiert sich letztlich nicht ausschließlich über ein paar rechtsradikale Spinner. Zum Glück noch nicht einmal, wenn sie nicht rechtsradikal sind. Und der VfL Wolfsburg II. Das wird ein Spiel in VW-City! Unvergessen unsere Partie damals in der Autostadt, geleitet von einem gewissen Robert Hoyzer, der sich wahrscheinlich heute noch darüber ärgert, dass unsere Jungs ihm die Kombiwette im Café King kaputt gemacht haben, weil man in der 89. Minute meinte, den Ausgleich kassieren zu müssen. Unser großer Beitrag zum Wettskandal damals – aber garantiert vollkommen unschuldig. Vielleicht könnte man diesmal zur Erinnerung vor dem Spiel eine Gedenkminute einlegen.
Das klingt alles vielleicht ganz interessant, aber nicht besonders aufregend. Besonders nicht, wenn man sieht, welche Gegner in der nächsten Saison durchaus möglich gewesen wären, wenn man in der Rückrunde nicht völlig den Faden verloren hätte: 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach, Alemannia Aachen, SC Freiburg, FSV Mainz 05, 1.FC Kaiserslautern, TSV 1860 München. Ich weiß, dass das so manchem Fortuna-Fan Körperflüssigkeiten in die Augen treiben könnte. Ich weiß allerdings auch noch etwas anderes: Vom ständigen, mittlerweile monatelangen Gejammer, diese Gegner verpasst zu haben, kommen die nicht freiwillig zu uns. So sind die nicht drauf. Klingt komisch, ist aber so. Also: Tränen trocknen, nach vorne blicken. Die nächste Enttäuschung kommt bestimmt, aber vielleicht gibt’s davor ja mal was zu jubeln. Ich jedenfalls gebe die Hoffnung nicht auf. Was bleibt mir auch schon anderes übrig – als Fortuna-Fan??

Wenn ich mich jetzt so richtig wichtig fühlen würde, wie andere Leute dies schon mal tun, dann würde ich jetzt auch eine Hasstirade auf Trainer und Spieler starten. Haben die es mir doch versaut, ein drittes Buch herauszubringen! Drei Jahre Regionalliga mit dem Aufstieg wären ein schöner Nachfolger der zwei Jahre Oberliga mit dem Aufstieg gewesen! Ein viertes, fünftes oder xtes Jahr in irgendeiner Amateurklasse sprengt dann leider den Rahmen dessen, wie dick so ein Buch sein und wie viel es kosten darf. Wären ja auch jetzt schon wieder über 500 Seiten geworden. Also dümpeln die Beiträge der letzten drei Jahre weiter nur hier vor sich hin, um irgendwann ins virtuelle Nirwana zu entschwinden. Deshalb beleidige und bespucke ich aber niemanden und möchte auch niemanden vom Arena-Dach baumeln lassen, und habe auch weiterhin kein Verständnis für Leute, die so reagieren. Denn wer solche Erfolgserlebnisse von vorneherein fest einplant, der sollte vielleicht lieber in der Nachbarschaft auf die Suche nach einem Verein seiner Wahl gehen, Auswahl gibt’s genug. Bei Fortuna wird er doch immer nur enttäuscht werden.

Wenn andere Leute sich übrigens tatsächlich so wichtig fühlen wie sie sich manchmal geben, dann sollten sie bei der Aufarbeitung der Saison mal folgendes bedenken: für fünf Spiele in dieser Saison verhängten die Ultras Düsseldorf und diejenigen, die sich ihren Aufrufen anschlossen, einen Support-Boykott über die Mannschaft. In der Hinrunde beim Heimspiel gegen Dortmund und für die erste Halbzeit des anschließenden Spiels in Lübeck, in der Rückrunde für die letzten drei Spiele. Vier dieser fünf Partien hat die Mannschaft relativ humorlos gewonnen. Wie gesagt, wenn es wirklich irgendeine Rolle spielen würde, würde ich schwer ins Grübeln kommen…
Aber das sind nur Zahlenspielereien. Denn ansonsten könnte auch dem Verein auffallen, dass von den sieben Spielen, die in den letzten beiden Spielzeiten im „Ausweichstadion“ Flinger Broich ausgetragen wurden – alle sieben gewonnen wurden. Wir sind die Ausweichstadion-Sieger der Herzen. Wenigstens etwas, in dem wir nachprüfbar die Größten sind.

Und das war’s. Wie im letzten Bericht angekündigt (und dort bei Interesse auch nachzulesen, dann muss ich mich hier nicht wiederholen), war dieser hier nun wirklich das Letzte. Denn es hat sich ja nichts geändert, im Gegenteil. Und es wird sich in naher Zukunft auch diesbezüglich nichts ändern, da bin ich relativ sicher. Man kann eigentlich nur noch gespannt sein, wie viel Kreativität manche Leute noch an den Tag legen werden, bis sie ihren Willen durchsetzen und den Trainer weghaben. Wie schrieb es einer, der es auch nicht hören kann, so richtig in einem Forum: „Oh Mann, wahrscheinlich ist Weidemann auch Schuld, dass Afrika hungert.“ Ich bin zuversichtlich, dass wir das auch noch hinkriegen. Da geht bestimmt noch etwas auf der Skala schlechten Benehmens. Und wenn der Trainer dann endlich weg ist, werden sie jubeln und rufen: „Wir sind der Verein!“ Und werden mal ganz schnell vergessen, dass sie den Verein gerade im wichtigsten Saisonspiel haben hängen lassen (und dies gilt beileibe nicht nur für die Ultras!). Und wenn ihnen der Neue irgendwann auch nicht mehr passt, geht es dann wieder von vorne los…

„In“ ist ja gerade Wolf Werner, der neue sportliche Leiter. Das könnte auch gewaltig nach hinten los gehen, da jetzt wieder mal alle Hoffnungen auf eine Person fokussiert werden. Was hat der Mann eigentlich in den letzten Jahren gemacht? Er war Talentsichter und –verpflichter bei Werder Bremen. Mit gutem Erfolg, sicherlich, die Zwote des SV Werder ist die einzige Talentschmiede, die seit der Neugründung der Regionalliga 1994 ununterbrochen drittklassig spielt. Aber bestand seine Arbeit nicht zu einem großen Teil darin, junge Talente zu erkennen, diese zu Werder zu holen und in der Zweiten Mannschaft aufzubauen? Und wenn es dann nicht klappte, waren diese Spieler nach ein, zwei Jahren wieder weg, und keiner von der Ersten Mannschaft hatte es gemerkt? Gerade dies, die kontinuierliche Aufbauarbeit, wird er sich in Düsseldorf nicht leisten können. Seine Verpflichtungen müssen sitzen, und zwar direkt für die Erste Mannschaft, ansonsten wird er direkt „zweitbeliebteste“ Person bei den Fans, nach Uwe Weidemann, das geht ganz schnell, besonders jetzt, wo er direkt als „Heilsbringer“ angesehen wird. Ich wünsche ihm allen nur erdenklichen Erfolg. Vielleicht ist ja dann nächste Saison wieder etwas für uns drin.

Meiner unmaßgeblichen Meinung nach haben wir uns in dieser Saison, besonders in der Rückrunde, ordentlich blamiert. Allen voran Mannschaft und Trainer, aber auch die Fans haben kaum ein Fettnäpfchen ausgelassen. Ob das alles so bald wieder zu kitten ist? Time will tell. Irgendwie fehlt mir der Glaube daran.

Es gibt in diesem Zusammenhang zwei Begebenheiten, an die ich mich gerne zurück erinnere: die eine geschah im ersten Oberligajahr 2002, als Fortuna einige Tage nach einem 3:2-Pokaltriumph über den damaligen Regionalliga-Spitzenreiter RW Essen nur 2:2 gegen Abstiegskandidat Ratingen spielte. Damals sagte ein Ratinger Spieler nach dem Spiel im kleinen Kreis: „Wir hätten heute hier gewinnen können, Fortuna war kaputt und nicht gut drauf. Aber die kriegten ja noch mal ne zweite Luft. Hat mich auch gewundert, dass die Zuschauer nicht gepfiffen haben. Da hatten wir nach unserer Führung mehr erwartet.“ Langweile ich schon? Was für ein Bild, nicht wahr? Fast ein Gemälde.

Das zweite war ein Gespräch mit einem Verantwortlichen der SSG Bergisch Gladbach im zweiten Oberligajahr, 2003, nach unserem Auftritt dort. Der Herr sagte im Verlauf des Gesprächs zu mir: „Eure Leute waren richtig prima. Wir alle hatten ja schon Bedenken vor dem Spiel, aber das war wirklich beeindruckend.“ Damals waren über 4.000 Fortuna-Fans live dabei, wie sich Fortuna im strömenden Regen so gerade noch mit einem 1:1 beim damaligen Tabellenletzten nur ein bisschen blamierte…

Kein Mensch will wieder in die Oberliga zurück. Aber das sind so Sätze, bei denen ich ziemlich sicher bin, dass ich sie zumindest in naher Zukunft nicht mehr hören werde. Nicht im Fegefeuer der Eitelkeiten, nicht über die Wütenden, die Enttäuschten, die Wichtigen. Sollte dies doch der Fall sein, werde ich davon erzählen. Irgendwann einmal.

Fortuna Düsseldorf – Aufsteiger in die 1. Bundesliga 20xx. Ich bin nicht mehr so richtig jung, aber ich habe gelernt, zu warten. Am Ende siegt immer das Gute. Und bis es so weit ist, halte ich es (wenn auch nur im stark übertragenen Sinne natürlich, etwas Dramatik darf schon mal sein) mit der geschätzten Kollegin Ellen Ripley aus einem meiner besten Filme aller Zeiten. Ich hoffe nur, dass es nicht auch 54 Jahre dauert. Das könnte für mich wirklich etwas eng werden. Bis dahin, macht’s gut.

„Letzte Meldung vom interplanetarischen Raumfrachter ‚Nostromo’. Hier spricht der Dritte Offizier. Die anderen Besatzungsmitglieder […] sind tot. Ladung und Schiff sind zerstört. Wenn alles klappt, müsste ich in sechs Wochen die Randzone erreichen. Und sollte ich Glück haben, findet mich ne Raumpatrouille. […] Ende der Durchsage.“

Lieutenant Ellen Ripley (Sigourney Weaver), Alien

Und Noahs Taube kehrt nicht wieder
Kein Fels ragt aus dem Meer heraus
Bald teilt ein leeres Schiff die Wogen
Der Letzte macht die Lichter aus.

Subway to Sally, Arche

Der Lack ist ab, doch das Leben geht weiter: janus

PS. Vielen Dank auch für die vielen EMails, die mich seit dem letzten Bericht erreichten. Ich war sehr erstaunt und auch positiv überrascht. Ich diskutiere immer gerne über mein Geschreibsel, solange man sich konstruktiv äußert. Ich hoffe, ich habe sie in der Zwischenzeit auch alle beantwortet. Aber jetzt fahre ich erst einmal in Urlaub, daher vorab schon mal sorry, wenn es diesmal etwas länger dauern könnte.

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