Sommerpause

Ja, so eine Sommerpause ist lustig. Es sei denn, man ist Anhänger von Fortuna Düsseldorf. Denn auch in diesem Jahr wird unverdrossen der Beweis angetreten, dass es immer noch ein bisschen besser geht. Confed-Cup? Trapattoni nach Stuttgart? Figo ebenfalls dort im Gespräch? Borgetti bei Frankfurt angeboten? Ich lach mich tot. Wen interessiert das schon? Wir können das mal wieder viel, viel besser!

Zunächst zum Sportlichen. Da lief es ja recht gut im Jahr 2005. Eine einzige Niederlage in der Rückrunde, auswärts ungeschlagen, viertbeste Rückrunde der Regionalliga Nord, einstelliger Tabellenplatz nach Abstiegsrang zum Ende der Vorrunde. Völlig zurecht dachten sich einige Verantwortliche verwirrt: das kennen wir nicht, das muss ein Fehler im System sein. Und setzten alles daran, diese Scharte auszuwetzen.

Noch vor dem letzten Spieltag hatten sich so einige Personalien erledigt, allerdings bis auf Bellinghausen und Ndjeng alles verkraftbare Abgänge, ich schrieb es bereits. Dann flog die Mannschaft mal eben zum Saisonabschluss nach Mallorca, und als sie wiederkam, waren der komplette erste Sturm sowie der beste Abwehrmann futsch.

Da war die Posse um Torjäger und Publikumsliebling Frank Mayer. Wochenlang tobten die Fans, weil der arme Mann mit seinem neuen Vertrag dem Hungertod nah wäre und er ihn deshalb nicht zeichnen wolle. Der Verein legte ein verbessertes Angebot nach. Mayer erbat sich noch einige Tage Bedenkzeit während des Aufenthalts auf Deutschlands 17. Bundesland. Oder auch nicht, nach seiner Rückkehr dementierte er heftigst, dass diese Worte gefallen wären. Dazu hatte er auch allen Grund, denn während der Mallorca-Sause tauchte Mayers Name plötzlich als Neuzugang beim Liga-Konkurrenten Chemnitzer FC auf. Unwillkürlich fragte ich mich, ob der Mann soeben am Ballermann einen Vertrag unterschrieben hatte. Ich hielt das für einen Spitzenwitz. Leider war es die Wahrheit. Wie er selbst nach seiner Rückkehr schilderte, hatte er die Unterschrift unter den Vertrag von Mallorca nach Chemnitz gefaxt. Sein Glück, dass er nicht zum SV Wilhelmshaven wechseln musste, das wär auf die Art nie was geworden. Der Mann, der laut eigener Aussage eben auch ein bisschen Geld dafür haben wollte, dass er täglich von Euskirchen nach Düsseldorf fahren musste, weil er es in den vergangenen vier Jahren nicht geschafft hatte, umzuziehen, setzte sich ganz weit ab.

Und warum zum Teufel ausgerechnet nach Chemnitz? Der Mannschaft wegen? Oder aufgrund des begeisternden Umfeldes? „Ich habe mich mit dem CFC noch nicht befasst, weiß gar nicht, was dort möglich ist. Ich lasse alles auf mich zukommen, habe aber keine Lust, gegen den Abstieg zu spielen.“ Weise Worte, wohlgemerkt: gesprochen nach der Vertragsunterzeichnung. Ein durchdachter Vereinswechsel sieht irgendwie anders aus. War es vielleicht doch wegen Geld? „Ich möchte gar nicht mehr über das Geld sprechen.“ Aha, danke für die Antwort. Natürlich war es das Geld. Und wenn der Chemnitzer FC, der eigentlich abgestiegen wäre, wenn ihnen nicht der Lizenzentzug für den KFC Uerdingen dazwischen gekommen wäre, schon mehr bieten kann als Fortuna, dann sagt das wohl einiges über die derzeitige Finanzlage in Düsseldorf aus.

Eine ähnliche Aussage bekam man auch vom zweiten Stürmer, Gustav Policella. Sie war nur unwesentlich kürzer. Der bezeichnete das neue Fortuna-Angebot öffentlich schlicht als „Witz“ und unterschrieb nebenan, beim Wuppertaler SV. Vielen Dank, Herr Policella, für Ihr Verständnis! War auch nicht anders zu erwarten. Der Mann hat ja schon für mehr Vereine gespielt, als manche Leuten Socken haben. Und in mir keimte eh der Verdacht, als der in den letzten Spielen aufgrund rätselhafter „Rückenbeschwerden“ ausfiel, dass er sich für sein wahrscheinlich schon turnusmäßig geplantes Vorspielen bei 20 anderen Vereinen nicht noch ernsthaft verletzten wollte. Policella war schon immer ein Söldner par excellence, deshalb rechnete auch niemand ernsthaft damit, dass er bleiben würde. Trotzdem danke für eine gute Rückrunde.

Und da unsere Ehemaligen mit anderen Vereinen ja regelmäßig gegen uns treffen und somit zwei Gegentreffer bei Spielen gegen Chemnitz und Wuppertal bereits garantiert sind, sagte sich Victor Lorenzón „Aller guten Dinge sind drei“ und heuerte bei RW Essen an. Ein etwas pikanter Abgang, nicht nur aufgrund des neuen Vereins, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass er vor der Mallorca-Sause Trainer Uwe Weidemann in die Hand versprochen hatte, noch ein Jahr bei Fortuna zu spielen. Aber kaum war er eine halbe Stunde wieder auf deutschem Boden, schwupps, da stand er schon an der Essener Hafenstraße auf der Matte. Und da die momentan den gesamten Spielermarkt ordentlich leer kaufen, weil sie unbedingt nächste Saison wieder aufsteigen müssen, wird es sich auch für ihn finanziell lohnen. Was schwätzt man nicht alles für Unsinn, wenn man den Strand in Reichweite hat? Und tschüss.

Nächster auf der Liste war Markus Lösch. Bei dem wusste eh keiner, ob der noch da war, so oft wie der verletzt war. Lustig immerhin die Erklärung für seine Rückkehr zu Zweitliga-Absteiger Eintracht Trier: begründet wurde dies nämlich u.a. damit, dass es seiner Freundin innerhalb des letzten Jahres nicht gelungen sei, einen Job als Optikerin zu finden – obwohl Fortuna dies vertraglich zugesichert hätte. Nanu, war da nicht schon mal was? Tja, die Ehrenmedaille der Bundesagentur für Arbeit wird Fortuna nie bekommen. Optikerin, Fernseh-Moderatorin – bei uns alles nicht vermittelbare Fälle. Vielleicht hätten sie vor Vertragsschluss mal jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt. Aber so wechselte auch Lösch ohne Ablöse, obwohl er noch ein Jahr Vertrag gehabt hätte. Eine ganze Fußballmannschaft kostenlos binnen drei Wochen abgegeben – die Konkurrenz lacht bestimmt heute noch.

Auch bei den Neuzugängen griff Fortuna instinktsicher wieder richtig zu. Neben Henri Heeren (Saarbrücken), Frank Scharpenberg (Verl), Pino Canale (Bocholt), Denis Wolf (Hannover 96, ausgeliehen), Gabriel Czajor (eigene A-Jugend) und Erdal Eraslan (KFC Uerdingen) wurde nämlich auch Ahmet Cebe von den Schalker Amateuren geholt. Nix gegen Cebe, der soll ein Guter sein – leider hat er auch gerade einen guten Wadenbeinbruch hinter sich und kann noch nicht mal voll mit der Mannschaft trainieren. Für so was sind wir ja immer gut. Mittlerweile hat sich auch Czajor einen Außenbandriss zugezogen und fällt mindestens sechs Wochen aus. Wenn schon, denn schon. Aber schließlich haute man noch einen raus und präsentierte völlig überraschend einen Knaller – Hammer-Ali is back! Jörg Albertz (zuletzt Greuther Fürth) kehrte dahin zurück, wo seine Karriere einst so richtig in Schwung kam – nämlich mit dem Bundesliga-Abstieg 1993 und seinem damit verbundenen Wechsel zum Hamburger SV. 12 Jahre später ist er wieder da, und den Hammer hat er immer noch. Hoffentlich auch noch den ganzen Rest seiner glänzenden fußballerischen Anlagen. 34 Lenze zählt er mittlerweile, aber mein Gott, der Zeyer hat auch mit 35 noch die Oberliga aufgemischt. Hoffen wir, dass dem Ali ähnliches in der Regionalliga gelingt! Aber auch diese Verpflichtung darf nicht darüber hinweg täuschen, dass im Sturm weiterhin ernsthafter Handlungsbedarf besteht.

Zum Abschluss des sportlichen Teils noch ein echter Brüller. Sowas kann natürlich nur vom Boulevard kommen. Der Express hat nämlich schon wieder alles genau erkannt. Und so schrieb man dort zunächst über das neue „Traum-Paar“ im Mittelfeld, Pino Canale und Jörg Albertz, sodann über die regen Anfragen nach Eintrittskarten für die ersten beiden Heimspiele in der LTU-Arena und schloss mit folgenden Worten:
„Klappt’s dort (Anmerkung: in der Arena) auch mit der Punktausbeute ähnlich gut wie letzte Saison, wird sogar ein Aufstiegs-Märchen wahr…“. Das schöne Wort vom Aufstieg, gesprochen bzw. geschrieben nach 2 (in Worten: zwei) Testspielen, einem 8:0 beim SSV Berghausen und einem 7:0 bei der DJK Willich. Vereine, die völlig zurecht Weltruhm genießen und daher auch echte Prüfsteine darstellen. So wird’s halt gemacht. Und wenn es denn eben nicht läuft, kann man ja im Herbst wieder draufhauen und davon sprechen, dass „im Umfeld“ vor der Saison die Parole „Aufstieg“ ausgegeben wurde. So sichert man sich vorsorglich jetzt schon mal Lohn und Brot für die langen, kalten Winternächte. Auf Kosten anderer natürlich, aber das hat dieses Volk ja noch nie interessiert. Die Mörder-Kader von RW Essen und dem VfL Osnabrück, von RW Oberhausen und dem VfB Lübeck, unsere Lücke im Sturm, die Tatsache, dass im Aufgebot derzeit noch einige Spieler stehen, die man mit absoluter Sicherheit im Verbandsliga-Kader der Zweiten Mannschaft wiederfinden wird – wen interessiert das schon, wenn man in Willich 7:0 gewinnt???

Derjenige, der ab und zu mal über den Aufstiegsfavoriten der nächsten Saison berichtet (das bin ich) hat dann aber auch noch eine aufstiegsreife Leistung zu verkünden: momentan weiß niemand so genau, ob Fortuna sein Heimspiel am 1. Spieltag überhaupt wird austragen können bzw. wo das Ganze über die Bühne gehen soll. Womit wir die sportliche Seite der Angelegenheit vorläufig ad acta legen können. Jetzt geht’s um Politik und Wirtschaft, um Durchstechereien und große Zahlen, um Verträge, die vielleicht nichtig sind, vielleicht aber auch voll rechtsgültig. Wer von den Lesern derzeit studiert und noch den kleinen BGB-Schein benötigt, der sei jetzt schon auf das Forum der offiziellen Website der Fortuna verwiesen, da kann man momentan eine Menge lernen. Und überhaupt, was heißt Student? Ich hab auch mal ne Prüfung in Zivilrecht machen müssen, aber auch ich blick nicht mehr durch. Kann allerdings auch daran liegen, dass ich nicht mehr genau hingucke, weil ich viel zu angewidert bin über das, was momentan hinter den Kulissen läuft.

Dann wollen wir mal. Ich werde versuchen, es so kurz wie möglich zu halten. Fragen werden offen bleiben, ich garantiere auch nicht dafür, dass die Sachverhalte einhundertprozentig stimmen, man hört dies, man munkelt jenes, man liest wieder von etwas ganz anderem. Aber einen ganz groben Überblick werde ich versuchen.

Es geht natürlich um die Arena. Deren Finanzierung war ja schon immer recht nebulös. Nach dem, was ich verstanden habe, sieht es momentan wie folgt aus: es gibt eine Besitzgesellschaft und eine Betriebsgesellschaft. Die Besitzgesellschaft, in der Mehrheit durch die Stadt Düsseldorf und den besten Oberbürgermeister aller Zeiten vertreten, haftet für die Finanzierung und trägt derzeit ein Risiko von rund 55 Millionen Euro. Die Betriebsgesellschaft hat die Aufgabe, die Arena mit Veranstaltungen zu füllen, diese zu organisieren und Profit zu erwirtschaften. So weit, so normal, nehme ich mal an. Dann ging das Bauunternehmen Walther Bau AG in die Insolvenz. Herzlich uninteressant, nicht wahr? Zumal man es hätte wissen können, derlei Anzeichen gab es schon genug, aber der beste Oberbürgermeister aller Zeiten, gleichzeitig selbsternannter größter Fortuna-Retter aller Zeiten (GröFRaZ), Jo Erwin, war mal wieder beratungsresistent. Egal, das Ding steht ja, wen soll es interessieren, dass die Baufirma pleite ist?

Nun, ein paar Leute schon. Denn durch die Pleite der Walther Bau AG gerieten die Besitzverhältnisse der Betreibergesellschaft ins Schwanken. Walther Bau war nämlich über die konzerneigene Beratungstochter WPF an dieser Gesellschaft beteiligt. Und nicht nur das, Fortuna erhielt ja auch regelmäßig von der WPF vereinbarte Zahlungen. Sponsoring, you know. Eingefädelt hatte dies – ich hatte es bereits in einem älteren Artikel geschrieben – neben dem besten Oberbürgermeister aller Zeiten (und Aufsichtsratsvorsitzenden der Fortuna) ein Herr Speck, damals Gesellschafter der WPF und Aufsichtsratsmitglied der Fortuna in einem. Das ist der, der auch schon diese glänzenden Ideen bei der Verpflichtung von Thomas Berthold hatte. Der sollte ja erst von der WPF bezahlt werden, in letzter Sekunde wurde das getschinscht und Fortuna bezahlte Berthold, sollte dafür regelmäßig Summen von der WPF bekommen, die Bertholds Gehalt überstiegen. Die flossen erst spärlich, dann durch die Insolvenz gar nicht mehr. Nun, die anderen Gesellschafter in der Betriebsgesellschaft waren nicht bereit, einzuspringen. Nach einigem Hin und Her fielen die Anteile an einen gewissen Gerald Wagener, der damit zum Mehrheitsgesellschafter der Betreibergesellschaft wurde. Name bekannt? Wenn nicht, schlagt mal ein bisschen bei der Leipziger Arena nach, da hat er seine Finger auch drin. Und der forderte mal sofort, anscheinend je nach Tagesform, sechs- bis siebenstellige Beträge von Fortuna zurück. Denn bei den Zahlungen der WPF soll es sich nun doch nicht um Sponsoring, sondern um Darlehen und Bürgschaften gehandelt haben, das geflügelte Wort von „rätselhaften Geldströmen“ an Fortuna machte die Runde. Vielleicht könnte man da ja mal die entsprechenden Verträge zu Rate ziehen, da werden die entscheidenden Begriffe ja wohl drin stehen? Oder auch nicht, kein Mensch weiß bis heute genau, was in den Verträgen niedergelegt ist. Aber eins ist klar: wenn diese Forderungen von Wagener berechtigt sind und er diese durchzieht, dann ist der Ofen bei Fortuna aus. Und zwar gänzlich aus. Dann werden wir in nicht allzu ferner Zeit den KFC Uerdingen beneiden, weil der nach seinem nachträglichen Lizenzentzug in der nächsten Saison wenigstens noch in der Oberliga antreten darf. Immerhin: bis es so weit kommen könnte, könnte es nun doch noch etwas dauern. Denn auf einer Pressekonferenz am 06.07.2005 sagte Wagener sinngemäß, das wäre jetzt alles ein derartiges Kuddelmuddel, das sollten mal die Anwälte entwirren. Schön, dass ihm das schon drei Wochen nach seiner ersten lautstarken Rückforderung auffiel. Gut gebrüllt, Löwe.

Zumal er ja einen absolut ebenbürtigen Gegenüber hat. OB Erwin will nämlich anscheinend mit allen Mitteln verhindern, dass Wagener Einfluss auf den Betrieb der Arena nehmen könne. Schließlich hat der als Repräsentant der Betriebsgesellschaft das Recht auf Einblick in die Geschäfte und besonders in die Finanzierung. Erwin kam, sah und siegte mal wieder: die Stadt solle die Besitzgesellschaft zu 100% übernehmen – ein entsprechendes Vorkaufsrecht gab es. Er dachte sich das so: würde die Besitzgesellschaft zu 100% der Stadt gehören, müsste die Betreibergesellschaft alle Pacht-, Miet- und Nutzungsverträge von der Besitzgesellschaft genehmigen lassen; somit könnte Wagener den Betrieb der Arena nicht nach seinen Vorstellungen gestalten und würde dann das Interesse verlieren. Jedenfalls: Der Vorschlag von Erwin, die Stadt möge die Besitzgesellschaft für festgeschriebene 38.000 Euro übernehmen, fand natürlich nicht die Zustimmung der SPD und der Grünen, gemeinerweise aber auch nicht die seines Koalitionspartners FDP. Den drei Fraktionen außer der CDU war das Risiko zu hoch, das durch die Haftung für 55 Millionen bestünde. Wohl nicht ganz zu Unrecht, denn „man hört“, dass die Rücklagen bereits verbraucht sind und der Arena-Betrieb im Jahr 2005 bis zu 9 Millionen Euro Verlust „erwirtschaften“ würde.

Kurz und gut: Erwin will die völlige Kontrolle über die Arena, im Stadtrat bekam er dafür aber keine Mehrheit. Also ließ er den Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats, in dem die CDU eine absolute Mehrheit hat, einen Dringlichkeitsbeschluss zum Erwerb der Gesellschaftsanteile fassen, der so dringlich im Sinne der städtischen Interessen liegt, dass er nicht mehr der Zustimmung des Stadtrats bedarf. Sagten Uncle Jo und seine Marionetten jedenfalls und taten es einfach. Die FDP war von diesem Vorgehen derart vor den Kopf gestoßen, dass sie die Aufkündigung der Koalition androhte. Aber so was juckt einen Erwin natürlich nicht. Auch nicht die Tatsache, dass dieser Dringlichkeitsbeschluss eventuell rechtswidrig gewesen sein könnte. Und da er grad so gut in Schwung war, kündigte er nach Überschreibung der Gesellschaftsanteile der Besitzgesellschaft auch gleich der Betreibergesellschaft – wegen angeblich ausstehender Pachtzahlungen. Prima Argument, nur leider munkelt man, dass es in den entsprechenden Verträgen auch so einen lustigen Unterabsatz gibt, in dem der Betreibergesellschaft die Pacht (mittlerweile ca. 9 Mio. Euro) bis November 2005 gestundet werden sollte. Klar, damals saßen ja auch nur Erwin-Freunde in der Betreibergesellschaft, die wollte man ja nicht ruinieren. Sollte diese Klausel jedoch tatsächlich existieren, wäre die Kündigung unrechtmäßig und Wagener weiter im Boot. Man sieht schon, so viele „Hätte“, „Wenn“ und „Aber“s – selbst Günter Jauch würde angesichts der vielen offenen Fragen freiwillig die Moderation von „Wer wird Millionär“ aufgeben und ins Exil gehen.

Der scheidende Geschäftsführer der Arena setzte dann noch eins drauf und schrieb an seinem letzten Arbeitstag anscheinend (ha! schon wieder) den Nutzungsvertrag der Fortuna auf die Besitzgesellschaft um, die ja nunmehr zunächst vollständig in Händen der Stadt ist. Und da somit alles auf das Schönste geregelt ist, meldete man beim DFB anscheinend die Arena als Hauptspielstätte für die neue Saison, denn als der Spielplan erschien, kam sogleich die Meldung, dass mindestens 15 der 18 Heimspiele in der Arena ausgetragen werden sollen. Und die drei anderen, deren Termine durch andere Arena-Veranstaltungen blockiert seien (ungläubige Frage meinerseits: gibt’s da wirklich noch andere Veranstaltungen?), die bekomme man mittels Spielverlegungen auch noch hin.

Ja wie jetzt? Wer erinnert sich nicht an des Oberbürgermeisters Worte, die Arena rechne sich auch ohne Fortuna und es lohne sich eh erst, den Verein ab der Zweiten Liga und im Schnitt vor 20.000 Zuschauern dort spielen zu lassen? Nun, die Erinnerung fällt nicht schwer, schließlich hat er das zwei Jahre lang ziemlich regelmäßig, um nicht zu sagen: gebetsmühlenartig, wiederholt, um die Kritiker ruhig zu stellen. In schweren Zeiten geht es anscheinend auch anders: einmal kurz über den Daumen gepeilt, schon ließ man verlauten, es rentiere sich schon bei 5.000 Zuschauern. Schwupps, soll jetzt Regionalliga in der Arena gespielt werden.

Oder auch nicht. Um dort spielen zu können, müsste man nämlich eigentlich einen Vertrag mit der Betreibergesellschaft haben. Den hat man natürlich nicht, der Gesellschaft wurde ja gekündigt. Woraufhin der liebe Herr Wagener verkünden ließe, er sehe sich immer noch als Betreibergesellschafter mit Hausrecht versehen. Und da die Fortuna mit ihm keinen Vertrag geschlossen habe, so ließ er verlauten, können sich die „Fans mit ihren Tickets die Wände tapezieren“, spielen würde Fortuna in der Arena nicht, ohne entsprechenden Vertrag dürfe man dies schon aus versicherungsrechtlichen Gründen gar nicht erlauben.

Wer hat Recht? Wer Unrecht? Und vor allem: wen kotzt das Ganze genauso sehr an wie mich? Mittlerweile blickt eh keiner mehr durch, Fortuna wird zerrieben zwischen den Mühlsteinen zweier Männer, denen es ums Geld geht (wohlgemerkt, nicht ums eigene) und die dabei vor nichts zurückschrecken. Auch wenn’s manchmal noch so lächerlich wirkt, wie z.B. die Tatsache, dass die Sicherheitsdienste beider Gesellschaften schon handgreiflich aneinander gerieten, weil sie beide dasselbe schützen wollen und in dem jeweils anderen einen unbefugten Eindringling sehen. So lustig dieser Aspekt der Angelegenheit auch ist: der Verein kann dabei drauf gehen, ohne Chance, sich heraushalten zu können. Demnächst wird noch ein wenig mit Einstweiligen Verfügungen gewedelt und am ersten Spieltag stehen wir vor verschlossenen Arena-Toren. Wäre wohl ziemlich einmalig, aber das ist dieses Theater jetzt schon.

Nochmal zurück zum Fußball. Welche Stadionmiete Fortuna für die Spiele an die Arena-Besitzgesellschaft zahlen muss (wenn der Vertrag rechtmäßig ist, wenn die Kündigung der Betriebsgesellschaft rechtmäßig ist, wenn, wenn, wenn…), kann man nur erahnen. Und zwar, wenn man die neuen Dauerkartenpreise sieht. Fröhliche Erhöhungen zwischen 11 und 110 % in den einzelnen Kategorien zeigen recht deutlich, wo der Frosch die Locken hat. Die Besitzgesellschaft will schließlich gutes Geld verdienen, und wenn Fortuna artig ist, fällt auch hier und da mal ein Krümelchen für sie ab. Da mutet es schon geradezu lächerlich „zufällig“ an, dass laut Spielplan in den ersten drei Heimspielen schon die absoluten Hämmer auf dem Programm stehen, bei denen man sowieso in der Arena hätte spielen müssen, egal, was im Hintergrund läuft. 1. Spieltag gegen Osnabrück, 3. Spieltag gegen RW Essen, 5. Spieltag gegen St. Pauli – wie gesagt, alles Zufall. Man reibt sich die Hände und rechnet mit insgesamt 80.000 Zuschauern in diesen drei Spielen. Ein Geldsegen zur rechten Zeit, das Leben kann so schön sein.
Oder auch nicht. Gehen diese Spiele nämlich sportlich in die Hose, was angesichts des Kaders derzeit durchaus im Bereich des Möglichen liegt, und reißt man auch nichts in den ersten beiden Auswärtsspielen in Wattenscheid (erstes Heimspiel für den Aufsteiger) und bei Köln II (immer mal wieder für reichhaltige Abstellungen aus dem Kader von Köln I bekannt), und steht unten drin, dann geht der Affentanz direkt wieder los. Und ob die Betreibergesellschaft aufgrund der dann wohl ausbleibenden Zuschauer noch allzu lange Interesse an Fortuna hat…? Man darf gespannt sein.

Am 29.07. geht es los, freitags abends gegen den VfL Osnabrück. Eigentlich könnte man sich freuen. Denn Fortuna hat doch einen gültigen Nutzungsvertrag mit der Besitzgesellschaft. Oder, Herr Erwin? „Es gibt einen ordnungsgemäßen Vertrag“, sagte dieser am 05.07.2005 in einem Interview mit Antenne Düsseldorf, kleine Kunstpause, dann: „…wie man mich unterrichtet hat.“ Und das als unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender von Fortuna, dessen Pflicht es eigentlich wäre, solche Verträge vor der Unterzeichnung zu prüfen! Das klingt danach, dass der Vorstand sich schon bald wieder warm anziehen kann und das Bauernopfer geben darf. Denn wenn alles schief geht, so kann man diese Aussage ja wohl eindeutig werten, dann hat der Oberste Strippenzieher davon gar nichts gewusst und ist viel zu spät informiert worden! Die bereits im Forum der offiziellen Website kolportierte Äußerung, Erwin werde in nicht allzu ferner Zukunft behaupten: „Niemand hatte die Absicht, eine Arena zu bauen!“ – allzu laut würde ich darüber nicht lachen. Alles ist möglich.

Ach ja, eine reife Leistung habe ich noch: das Sommertheater mit Familie Berthold fällt erwartungsgemäß aus. Der Termin für die zweite Verhandlung vor dem Arbeitsgericht zwischen Fortuna und Ex-General Manager Thomas Berthold war zwar für den 29.06. angesetzt, fand aber nicht mehr statt. Beide Seiten haben eine gütliche Einigung getroffen. Bertholds fristlose Kündigung zum 14. März aufgrund eines angeblichen Spesenbetruges wurde zurückgenommen, war ja eh lächerlich bis dorthinaus, das bis Juni 2006 laufende Arbeitsverhältnis wurde vorzeitig beendet. Der Ex-Manager, der rund 110 000 Euro aus Ticket-Einnahmen in der Arena einklagte, erhält eine Abfindung, Fortuna spart das Jahresgehalt von 300 000 Euro. Oder auch nicht, kommt drauf an, wie hoch die Abfindung ist. Aber wir habens ja. Übrigens: Frau Berthold hat mittlerweile einen Job als Moderatorin beim RTL Shop gefunden. Ganz allein. Kann also nicht so schwer gewesen sein. Bestimmt nicht so schwer, wie es mir fällt, über solch einen Müll auf einer Fußball-Website zu schreiben. Aber das ist eben Fortuna, ob es einem passt oder nicht. Und das war eine normale Sommerpause bei Fortuna. Ich hoffe, dass sie auch normal zu Ende geht.

So long, in meinem nächsten Bericht geht es dann auch wieder um Fußball. Oder auch nicht.

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