9. – 12. Spieltag

Jammerstunde

Fußball gab es nicht viel in den letzten Wochen bei Fortuna Düsseldorf. Guten schon gar nicht. Um jedoch wieder auf „bestimmte Länge“ meiner Berichte zu kommen, brauch ich auch gar keinen Fußball. Das können wir Fortunen auch so. Und wenn dann tatsächlich die Langeweile droht, mischt das Fernsehen eben auch noch mit. Über ein grauenvolles Spiel, zwei der Kategorie „geht so“, wahre Fans, dicke Hosen und journalistische Höchstleistungen.

Bankrotterklärung

Am 17.09.2005 reiste Aufsteiger Kickers Emden nach Düsseldorf, jene Ostfriesen, bei denen ich immer den Eindruck habe, sie werden aufgrund ihres etwas altbackenen Namens nicht so ganz Ernst genommen. Dabei sind die alles andere als Fallobst, haben eine starke Mannschaft, die vor allem auswärts sehr gut kontern kann und vor dem Spiel bei Fortuna bereits zwei Auswärtssiege auf dem Konto hatte. Dass es danach drei waren, ohne dass sie sonderlich gut gespielt hätten, dürfte nicht wirklich eine Überraschung sein.

Da war es schon überraschender, zwischen den Transparenten der mitgereisten Kickers-Fans eines zu entdecken, welches unmissverständlich „Ultras Meppen“ besagte. Also ich habe vor über zwei Jahren mal ein Spiel dieser beiden Mannschaften im Meppener Emslandstadion gesehen (von dem ich mir übrigens habe sagen lassen, dass es mittlerweile vivaris-Emslandstadion bzw. vivaris-Arena heißt – jaja, der moderne Fußball macht auch wirklich vor gar nichts halt), da schienen mir die beiden Fanlager alles andere als freundschaftlich verbunden. Naja, die Zeiten ändern sich. Und da der gemeine Emsländer in seiner unmittelbaren Umgebung wohl kaum mal in die Verlegenheit kommt, eine so große Turnhalle besichtigen zu können, hatte man sich einfach unter die Ostfriesen gemischt. Zumindest beim Niveau des Spiels wird man sich wahrscheinlich sofort heimisch gefühlt haben.

Die erste Halbzeit gehörte zum Schlechtesten, was ich seit langer Zeit von Fortuna gesehen habe. Wenn dieses Spiel am letzten Spieltag einer Saison stattgefunden hätte, ich hätte mir die Erholung in der Sommerpause knicken können, weil ich jede Nacht schweißgebadet aufgewacht wäre. So eine Anti-Leistung verdrängt man nicht so schnell, wenn man Zeit hat. Oder anders ausgedrückt: mit so einer Leistung hält man so gerade eben die Klasse. Und zwar nächstes Jahr in der Oberliga. Und auch nur, wenn dort gleichzeitig wieder mindestens zwei Mannschaften aus nichtsportlichen Gründen zurückziehen. Grausam.

Die Emder waren auch nicht viel besser, nur cleverer. Abschlag vom Torwart, im Mittelfeld behindern sich zwei Fortunen gegenseitig, langer Ball auf Schindler, der links in den Strafraum läuft und anschließend den Torwart überlupft, 0:1 in der 13. Minute, ohne dass sich jemand aus Ostfriesland großartig hätte anstrengen müssen. Keine Chance für Torwart Deuß.

Jawohl, Deuß. Trainer Uwe Weidemann hatte mal wieder ins Taktik-Trickkistchen gegriffen, und wie so oft in dieser Saison mal wieder voll daneben gelangt. Wenn der Herr Weidemann zufällig begeisterter Leser des offiziellen Internet-Forums der Fortuna ist und sich nach den Schreihälsen dort richten würde – dann hätte ich diesen Wechsel verstanden. Allerdings würde ich dann auch sagen, dass er sich mal sofort einen neuen Job suchen sollte, denn ein Trainer, der die Aufstellung von ein paar Fans abhängig macht, hat in der Regionalliga nichts zu suchen. Aber natürlich glaube ich auch nicht, dass er seine Torwartwahl davon beeinflussen ließ. Nein, er hatte das schon Ernst gemeint, als er sagte, mit Torwart Nulle habe die Abwehr nicht sicher gewirkt, auch habe er bei ein, zwei Gegentoren nicht sicher ausgesehen. Bei dieser Begründung bleibt mir das Lachen im Halse stecken. Wenn der Nulle, der in dem Hühnerhaufen namens Abwehr bis dato mit Abstand noch der solideste Spieler gewesen war (nicht überragend, wohlgemerkt, aber wer kann so etwas erwarten und auch noch Ernst meinen?), plötzlich ausgetauscht wird, was sollte man bitteschön dann mit dem Rest der Defensive machen? Rädern? Vierteilen? Teeren und Federn? Das wäre im Vergleich zu seinen Leistungen dann wohl angemessen. Nein, da hatte der Uwe Weidemann nur instinktsicher die Mechanismen erkannt, die ihn auch irgendwann den Job kosten werden, und diese mal kurzerhand auf sein Team angewandt: so wie der Trainer das schwächste Glied in der Kette im sportlichen Bereich ist, so ist es der Torwart in der Abwehr. Und wenn die ganze Abwehr wochenlang indiskutable Leistungen abliefert, dann kann man sie selbstverständlich nicht komplett austauschen. Gerade Fortuna nicht, personell pfeift man eh aus dem letzten Loch. Beim Spiel gegen Emden nahm zum Beispiel ein Herr Gökbayrak auf der Reservebank Platz, der ansonsten ein eher unscheinbares Dasein in der Verbandsliga-Mannschaft der Fortuna fristet, da Trainer Weidemann sieben Spieler verletzt oder gesperrt fehlten. Und wenn ich das Personal nicht austauschen kann, dann muss halt ein Bauernopfer her. Immerhin wird Herr Weidemann seine eigene irgendwann anstehende Entlassung nach dieser Maßnahme besser verstehen können, hat er sie doch im kleinen Stil bereits selbst vorexerziert.

Patrick Deuß rechtfertigte auch sofort das Vertrauen. Nämlich das Vertrauen der Fans, dass wir zwei nahezu gleichstarke Torhüter haben, die an guten Tagen einiges wegfischen, an schlechten Tagen jedoch konsequent zur eigenen Niederlage beitragen, denn wenn schon schlecht, dann auch richtig. Deuß hatte gegen Emden keinen guten Tag, um es mal so zu formulieren. Er lieferte seine schlechteste Leistung im Fortuna-Trikot ab. Dass er es anders kann, hat er teilweise in der letzten Rückrunde gezeigt. Das nutzte aber gegen Emden herzlich wenig. Da zog er alle Register der dunklen Seite der Macht, die unsere Keeper anscheinend regelmäßig befällt: da wurde konsequent unter Flanken durchgesprungen, da beschrieben die Flugkurven seiner Abstöße meist wunderbare Parabeln unter dem samstäglichen Nachmittagshimmel, die jeden Mathematiker in Begeisterung versetzt hätten, bevor sie ins Aus flogen, und da leistete er sich einen unglaublichen Klops in der 31. Minute, von dem ich unmittelbar nach dem Spiel eigentlich sicher war, dass er den Trainer den Job kosten würde: langer Ball der Emder von links in die Mitte der Fortuna-Hälfte, viel zu lang für Stürmer Grgic, der einfach mal prophylaktisch hinterher lief, damit es nicht hieße, er würde solche Bälle verloren geben, Deuß eilte aus seinem Tor, ca. 30 Meter vor selbigem, um die Kugel mal wieder ins Seitenaus zu entsorgen – und lief kernig am Ball vorbei, den er völlig unterschätzt hatte, der war viel zu schnell viel zu lang geworden. Grgic zwickte sich mal kurz, um sich zu vergewissern, dass er nicht träumte, dann lief er an Deuß vorbei und schob die Kugel aus 16 Metern ins leere Tor – 0:2. Vielleicht wollten sie ja sogar gute Gäste sein und Fortuna ein wenig aus der Krise helfen, aber sie wurden zum Toreschießen gezwungen. Da kann man dann auch nix mehr machen.

Und an solch einem bitteren Nachmittag, da muss man sich entscheiden, wo man steht im Leben: ob man sich direkt vom Oberrang der LTU-Tribüne aufs Spielfeld stürzt, ob man die subtilere Methode des Freitods wählt und sich gleich drei der unfassbaren Arena-Currywürste auf Ex reindrückt, oder ob man sich sagt: für eine Slapstick-Aufführung gar keine so misslungene Veranstaltung, und herzlich darüber lacht. Ich hänge am Leben, ich entschied mich für Letzteres. Etwas anderes fiel mir beim besten Willen nicht mehr ein.

Logisch, dass es an solchen Tagen auch noch was zu lachen gibt, wenn die eigene Mannschaft dann unerwartet ins gegnerische Tor trifft. Dies war in der 59. Minute der Fall, Flanke von der rechten Seite von Melunovic, und Pino Canale, geschätzt 1,20 Meter großer Regisseur der Fortuna (Regisseur – haha!) kam zwischen drei baumlangen Emdern zum Kopfball. Die werden ihm vor der Szene wohl mal beruhigend die Schulter getätschelt und gesagt haben: „Komm, Kleiner, darfst auch mal dein Glück versuchen.“ Der Kopfball wurde ein Aufsetzer, und dann spielte auch der Emder Torwart mit, der, wie alle im Stadion, dachte, das Ding geht meilenweit am Tor vorbei, und daher nur halbherzig in die Ecke lief. Und plötzlich etwas überrascht zur Kenntnis nehmen musste, dass der Ball vom Innenpfosten ins Tor trudelte. Da schaute er etwas überrascht. Das war aber nix gegen das Gesicht von Pino Canale, der vorsichtshalber gleich zweimal hinschauen musste. Aber so sehr das Ding auch zum Lachen animierte, drin ist drin, 1:2-Anschlusstreffer, und noch über eine halbe Stunde Zeit. Da ging doch noch was!

An der Tatsache, dass ich den Spielbericht hiermit beende, kann man schon erahnen, was da noch ging. Nix, gar nix, weniger als nix. Nicht eine einzige herausgespielte Torchance in dieser halben Stunde! Und das lag gewiss nicht an den Emdern, die in der zweiten Halbzeit genau ein einziges Mal mit einem harmlosen Fernschuss vor dem Fortuna-Tor auftauchten (den Deuß natürlich prallen ließ, aber es war kein Emder mitgelaufen, um abzustauben), sich ansonsten nur noch hinten rein stellten und ab der 75. Minute auch noch deutliche konditionelle Mängel erkennen ließen. Na und? Gegen Fortuna in der Form jenes Samstags kannst du auch 15 Minuten lang nur noch die Bälle hinten rausschlagen, das reicht schon. Verdienter Sieg des Aufsteigers beim völlig desolaten Gastgeber. Ganz große Beerdigung vor 5.100 Zuschauern.

Ich bin der Meinung, dass es großes Glück für den Trainer war, dass das nächste Spiel bereits vier Tage später anstand. Da lohnte sich eine Entlassung wohl nicht, mit der ich eigentlich nach dem Offenbarungseid gegen Emden gerechnet hatte. Aber woher so schnell einen Neuen finden? Und dabei rede ich nicht von den Herren Ristic oder Berger, die sich zuletzt in irgendwelchen Interviews so offenherzig der Fortuna gegenüber gezeigt hatten. Aber wer auch immer sich das freiwillig antun wollen würde, die Stellenbeschreibung hätte nun wirklich jeden abgeschreckt: „Suchen dynamischen Trainer, der eine grottenschlechte Truppe nach miserablem Saisonstart und spielerischem K.O. gegen Emden wieder aufrichtet und im nächsten Spiel auch etwas holt. Zeit: 3 Tage, Gegner: VfB Lübeck, Tabellenführer, ungeschlagen, bislang nur einen Punkt abgegeben, zuhause mit vier Siegen in vier Spielen, am vorherigen Wochenende auch noch spielfrei und daher ausgeruht. Über Geld kann später geredet werden. Viel Spaß dabei.“ Da hätte sich wohl selbst Aleks Ristic erst mal prophylaktisch an seinem Hustenbonbon verschluckt.

Viel Rauch um nichts

Und so fuhr man mittwochs nach Lübeck. In Anbetracht der zu erwartenden Niederlage, deren Höhe unterschiedlich zwischen 0:4 und 0:7 taxiert wurde, war man schon dankbar, dass ein fantastisches Wetter vorherrschte, strahlender Sonnenschein, blauer Himmel, schön warm, sodass man vor dem Spiel noch die Lübecker Altstadt entern konnte. Das Holstentor ist zwar immer noch unter Baugerüsten begraben, aber dafür wurde einfach die nächstbeste Niederegger-Filiale leergekauft. Was ich hier noch an Marzipan rumliegen habe, glaubt mir kein Mensch. Alle Größen und Formen, ich liebe das Zeug. Und auch instinktsicher richtig eingekauft, Nervennahrung brauchte man beim Spiel, aber vor allem danach. Ich glaub, ich hol mir mal eben was.

Das Spiel an sich war schon nervenaufreibend genug. Die Fortunen zeigten sich nämlich diesmal äußerst verbissen, kompakt und kampfstark. Lübeck biss sich die Zähne aus und hatte während des gesamten Spiels nicht eine einzige herausgespielte Torchance. Sie glänzten lediglich durch Fernschüsse, die aber von Patrick Deuß, der einen seiner besseren Tage erwischt hatte, allesamt gut entschärft werden konnten, dasselbe galt für die zahlreichen Flanken, die vor das Fortuna-Tor segelten. Wie hilflos die Lübecker waren, kann man daran sehen, dass unsere Maurertruppe mit ihrem einzigen Angriff die beste Chance des Spiels hatte: Traumpass von Kruse auf Podszus, die Lübecker Abseitsfalle ging in die Hose, Podszus rannte mit dem Ball dreißig Meter alleine auf Torwart Frech zu, und dann – spielte er nach links ab, anstatt selbst abzuschließen! Da soll wohl irgendwo im Hintergrund Pino Canale mitgelaufen sein. Leider zwischen sich und Podszus zwei grüne Abwehrspieler, die im Gegensatz zu Canale beim besten Willen nicht zu übersehen waren. Unfassbar. Fortunas erfolgreichster Torschütze der aktuellen Saison kneift vor dem Abschluss und schiebt lieber Kugel und Verantwortung weiter. Ich glaube, allein dies sagt alles über den derzeitigen Zustand der Spieler. Fast wäre diese Aktion auch noch belohnt worden, denn der Abwehrspieler, der den Pass in vollem Galopp abfing, konnte nicht mehr abbremsen und hätte die Kugel über seinen eigenen Torwart ins Tor befördert, aber Frech machte sich ganz lang und konnte den Ball so gerade eben noch fischen. Mit einem 1:0 in die Pause zu gehen, das wäre mal wirklich interessant geworden. Denn wie gesagt, den Lübeckern fiel nichts ein. Also begannen sie, ein wenig unfair zu spielen. Allein viermal fielen sie wie vom Blitz getroffen im gegnerischen Strafraum um und wollten einen Elfer schinden, allein dreimal spielten sie in der 2. Halbzeit munter weiter nach vorne, obwohl Fortuna-Spieler verletzt am Boden lagen. Warum das so war, erklärte natürlich der Hofberichterstatter der Lübecker Nachrichten am nächsten Tag: die Fortunen hätten ja dermaßen auf Zeit gespielt und geschauspielert, es sei nicht schön gewesen. Unter anderem eine angebrochene Nase bei Cebe und ein gepflegter Augenbrauen-Cut bei Barth, beides nach dem Spiel sehr gut auch von diesem Herrn zu besichtigen, wenn es ihn interessiert hätte, sprechen eigentlich eine andere Sprache. Aber okay – als Lübecker, der für eine Lübecker Zeitung einen Spielbericht des VfB Lübeck für Lübecker Einwohner schreibt, da kann die journalistische Sorgfaltspflicht schon mal auf der Strecke bleiben, das sehe ich ein. Das sehe ich zwar eigentlich nicht ein, aber es ist ja überall gleich, da ist dieser Herr noch nicht einmal eine bedauernswerte Ausnahme. Deshalb nehm ich es ihm auch nicht krumm, dass er die ganzen Lübecker Schwalben übersehen hat. Kann schon mal passieren.

Nun, es reichte schließlich doch noch, nach einer Hereingabe von Thomas biggelte Schweinsteiger (der große Bruder von Bayerns „Schweini“, dem besten Kumpel von „Poldi“, zumindest wenn sie beim „Klinsi“ und beim „Jogi“ spielen) die Kugel im dritten Anlauf oder so aus Nahdistanz über die Linie, als die Fortuna-Abwehr ein einziges Mal den Ball nicht wegbekam. Man schrieb die 93. Minute, mit späten Gegentoren kennen wir uns in dieser Saison ja aus. Wieder stand man mit leeren Händen da.

Und wer ein eifriger Nutzer des Internet-Forums von Fortuna ist, der kann diesen Absatz getrost überspringen, das Folgende ist dort bereits bis zum Erbrechen diskutiert worden. Aber da dies wohl nicht für jeden Leser hier zutrifft, wollte ich dann doch noch mal kurz auf einige Dinge eingehen.
Zunächst einmal: wieso 93. Minute? Einen Grund, großartig nachzuspielen, gab es in der 2. Halbzeit nämlich nicht, auch wenn der Herr von den Lübecker Nachrichten das anders gesehen haben mag. Da seine Truppe ja immer munter weiter spielte, wenn mal jemand verletzt am Boden lag, erfolgten die meisten Behandlungen außerhalb des Spielfelds. Großartig Zwischenfälle gab es auch nicht. Bis zur 83. Minute. Da gedachten einige Düsseldorfer Anhänger mal, in das Spiel einzugreifen. Im Gästeblock wurde Pyro gezündet, eine Bengale flog der Einfachheit halber direkt mal auf den Rasen, der Rauch nebelte das komplette Spielfeld ein. Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus (gegen die ich immer noch nix habe, auch wenn wir unter ihrer Regie anscheinend wirklich kein Spiel gewinnen können, was an diesem Abend aber in keinster Weise ihre Schuld war) unterbrach die Partie, bis der Rauch sich verzogen hatte, zeigte anschließend 5 Minuten Nachspielzeit an und ließ auch genau diese fünf Minuten nachspielen. So bin ich der Meinung, dass das Spiel längst beendet gewesen wäre, als das spielentscheidende Tor fiel, wenn diese Aktion nicht gewesen wäre. Mehr noch: da rennen die Lübecker über 80 Minuten auf das Fortuna-Tor an. Die eigenen Zuschauer murren und pfeifen bereits, weil der haushohe Favorit gegen den Abstiegskandidaten überhaupt nichts auf die Kette bekommt. Die Abwehr der Fortuna steht erstaunlich sicher, das hat man in dieser Saison so gut wie gar nicht gesehen. Und dann bekommen die Lübecker fünf Minuten Auszeit geschenkt, um sich ein wenig zu erholen. Vorteil oder Nachteil? Wem nutzt so ein Päuschen mehr? Der Mannschaft, die die ganze Zeit anrennt und langsam verzweifelt, oder der Mannschaft, die hintendrin steht und die Bälle raushaut? Jeder, der mal selbst gespielt hat, sollte sich das mal fragen.
Was mich an dieser Aktion besonders aufregt, ist die Tatsache, dass sie von Anfang an genau für diesen Zeitpunkt geplant war. Ich stand vor der Haupttribüne, dem Gästeblock gegenüber, und vernahm die Stimme eines anscheinend wohlinformierten Bekannten, der sagte: „In 5 Minuten geht’s drüben los!“ Er hatte Recht, da hätte man die Uhr nach stellen können. Pünktlich wie die Maurer sorgten einige für eine geplante Unterbrechung. Denn das diejenigen nicht bedacht haben, dass der Rauch aufs Spielfeld ziehen und eine Unterbrechung verursachen könnte, das glaubt denen nun wirklich niemand. Natürlich wussten sie es, natürlich war es ihnen scheißegal. Und da stellt sich für mich die Frage, ob irgendjemand von diesen Herrschaften überhaupt Interesse am Spiel und der Spielentwicklung hatte. Beziehungsweise, wer denn mit dieser Aktion supportet werden sollte – die Mannschaft, die aus dem Rhythmus gebracht wurde? Oder wollte man sich wieder mal selbst feiern? Darauf habe ich bis heute keine Antwort. Außer dieser: eine professionelle Mannschaft dürfe sich von so einer Aktion bzw. Unterbrechung eben nicht aus der Ruhe bringen lassen. Dass dies dann im Umkehrschluss bedeutet, dass die Spieler den kompletten Support ihrer Fans am besten nicht beachten sollten, weil er ja unwichtig sei und die Spieler nicht ablenken solle, wurde durchaus richtig von jemand anderem im Forum aufgezeigt und ebenfalls bis heute nicht beantwortet. Ebenso wenig wie die Frage, warum die Aktion, wenn sie denn schon geplant war und unbedingt und zwingend und überhaupt durchgeführt werden musste, nicht mal eben sieben Minuten später hätte stattfinden können, nach dem Abpfiff und dem möglichen Punktgewinn. Da hätten die Herrschaften sich ihren kompletten Block von oben bis unten einräuchern können, auf den Spielverlauf hätte es keine Auswirkungen gehabt.

Dafür gab es aber einiges mehr zu sagen. Da kamen Dinge zum Vorschein, über die kann ich noch nicht einmal mehr lachen. Es wurde natürlich wieder zwischen den „wahren“ Fans und denjenigen unterschieden, die sich aus unterschiedlichsten Gründen an jenem Abend nicht in Lübeck befanden. Allerdings gibt es bei den „wahren“ Fans natürlich noch Abstufungen. Nicht jeder, der sich in Lübeck befand, war auch ein wahrer Fan. Ich zum Beispiel nicht, denn ich hatte in den Live-Ticker reinschreiben lassen, dass meiner Meinung nach die Fans Schuld an der Niederlage gewesen seien. Dies zeigte die erwarteten Auswirkungen. Diese Herrschaften, die sich als die „wahren“ Fans bezeichnen, stehen zwar gern im Mittelpunkt (etwas anderes kann ich auch bis heute nicht aus dieser Pyro-Aktion heraussehen), aber auf diese Art und Weise doch nicht! Daraufhin lernte ich einige neue Schimpfnamen kennen, unter der gleichzeitigen Aufforderung, gefälligst den Live-Ticker-Bericht nachträglich zu ändern. Ich habe es dergestalt getan, dass ich den Ausdruck „die Fans“ durch „einige Fans“ ersetzt habe, das war vielleicht wirklich vorschnell in der Wut des Augenblicks formuliert. Es war allerdings auch nicht grundverkehrt, denn wie üblich fand sich niemand, der die Verantwortung für diese Aktion übernehmen wollte, die Fortuna neben den Auswirkungen auf das Spiel auch mal wieder eine Stange Geld kosten dürfte. Keiner ist es gewesen, niemand hat jemanden gesehen, insoweit darf man wohl doch „die Fans“ sagen (und das bezieht mich persönlich durchaus mit ein). Nur eins, das wussten wieder alle ganz genau: die zwei Leutchen, die bei einer anschließenden Unruhe im Block von den Ordnern rausgezogen wurden, die sind es natürlich nicht gewesen, da hat man selbstverständlich die Falschen erwischt. Wie üblich halt, wenn keiner was gesehen hat. Aber wenn’s ihnen Freude macht…Des weiteren wurde ich darüber aufgeklärt, dass es sich bei den zündelnden Herrschaften um Fans handele, die eine aussterbende Fan-Kultur bewahren wollten. Ja, Donnerwetter, das stimmt! Was hab ich in den 70ern, 80ern und Anfang der 90er nicht alles an Pyro in deutschen Fußballstadien gesehen, das war schon gigantisch! Selbstverständlich ist das Kultur, keine Modeerscheinung. Ich bin ja lernfähig.
Dass der offizielle Spielbericht auf der Homepage ebenfalls die Spielunterbrechung würdigte, brachte das Fass nun vollends zum Überlaufen. Der Verein mache die eigenen Fans für die miese Saison verantwortlich und lenke schön von den eigenen Unzulänglichkeiten ab, hieß es. Komisch, habe ich nicht gelesen, es ging einzig und allein um das Spiel in Lübeck, vom Rest der Saison war überhaupt nicht die Rede. Da musste wohl jemand anders von anderen Unzulänglichkeiten ablenken. Der Verein schulde den Leuten, die unter der Woche so weite Strecken fahren, gefälligst Respekt. Da könnte was dran sein. Andererseits bin ich ein bisschen altmodisch und sage deshalb, bevor mir der Verein Respekt für meine Auswärtsfahrten schuldet, schulde ich ihm erst mal ein einwandfreies Benehmen, weil auch ich in der Fremde den Verein repräsentiere. Und das heißt bei weitem nicht, dass man mucksmäuschenstill auf seinem Sitz zu verweilen hat. Aber Support, der nicht im Spielbericht auftaucht und nicht mit Geldstrafen belegt wird, scheint nicht das Ding der „neuen“ Fan-Generation zu sein. Passend hierzu der Eintrag eines ganz Schlauen, der es wieder mal auf die Kurzformel brachte: „Kein Pyro – kein Support – keine Stimmung!“ War das früher langweilig! Ich kann mich noch an das 7:1 gegen Bayern München in der Saison 1978/79 erinnern. Gott, war das langweilig, da haben wir nach jedem Tor brav geklatscht und sind hinterher nach Hause gefahren in dem Bewusstsein, mal eben ein nettes Spiel gesehen zu haben. War ja keine Stimmung.

Sicherlich sind Fortuna-Fans in der Fremde immer zahlreich vertreten, was angesichts der Leistungen ihrer Lieblinge in manchen Spielzeiten schon als bewunderungswürdig gesehen werden kann. Man ver- und erträgt wirklich einiges. Und sicherlich bieten die Fans auch bei schauerlichsten Leistungen auf dem Rasen noch einen guten Support und können mit vielen gelungenen Aktionen aufwarten, in die sehr viel Zeit und Geld investiert wird, nur um dann ansehen zu müssen, wie man beim nächsten Dorfverein 0:3 verliert und sich lächerlich macht. Davor habe auch ich großen Respekt. Aber das heißt noch lange nicht, dass man automatisch alles gut finden muss, was aus diesen Reihen kommt. Vor allem nicht, wenn die entsprechenden Leute dann durch eine Uneinsichtigkeit und Intoleranz dem Verein und anderen Fans gegenüber glänzen, dass man nur noch resigniert auf den nächsten Vorfall wartet, weil man eh nichts mehr daran ändern kann.

Und es kann ja durchaus sein, dass ich von so was keine Ahnung habe, den Schuh ziehe ich mir gerne an. Aber da bin ich bei weitem nicht der Einzige, der so seine Probleme damit hat, einzusehen, was daran jetzt besonders bewunderungswürdig sein soll, wenn der Verein andauernd Geldstrafen zahlen soll. „Gute Fans kosten Geld“, der Ausspruch fiel schon mal. Dementsprechend sind wir wirklich die besten, auf jeden Fall geben wir uns alle Mühe.
Übrigens: die Mannschaft hatte sich bei einem Arena-Spiel in der letzten Saison (ich meine, es wäre gegen St. Pauli gewesen) schon einmal in der Stadionzeitung gegen diesen Budenzauber ausgesprochen und darum gebeten, dies zu unterlassen. Scheint für die jetzt auch nicht die Art von Support zu sein, die so richtig beflügelt (immer eingedenk der Tatsache, dass sie sich ja von wie auch immer geartetem Support gefälligst nicht aus dem Rhythmus bringen zu lassen haben). Allein daran, dass auch dies die Pyromanen-Fraktion nicht sonderlich interessiert zu haben scheint, kann man meiner Meinung nach sehr gut sehen, für wen sie diesen ganzen Zirkus veranstalten. Und warum auch nicht? Sieht ja schön aus, und zahlen muss eh immer der Verein, den man ja dann mal nachdrücklich darauf aufmerksam machen kann, dass er genau diesen Leuten gefälligst Respekt schulde. Ja, nee, ist klar…

Abschließend zu diesem Komplex möchte ich noch eins klipp und klar sagen: verloren hat das Spiel die Mannschaft, die in der 93. Minute pennte. Ohne Wenn und Aber. Wer nur einmal die Woche neunzig Minuten seinen Beruf ausüben muss, und von Berufs wegen auch weiß, dass dies mal ein paar Minuten länger dauern könnte, der hat gefälligst auch 93 oder 95 Minuten zu arbeiten. Das kann ich verlangen, zumal es ja bekanntermaßen nicht der erste Gegentreffer in letzter Sekunde war, den die Mannschaft sich in dieser Saison bisher eingefangen hat. Den Scorerpunkt für dieses Tor bekommen bei mir aber trotzdem weiterhin diejenigen, die anders sind, die sich dem Kommerzfußball entgegen stemmen (wobei sie darin bei mir sogar Zustimmung bekommen würden), und die dies dann dergestalt tun, dass sie mit spießig deutscher Gründlichkeit genau zum vorher geplanten Zeitpunkt eine Aktion starten, die dem anrennenden, relativ hilflosen Gastgeber 5 Minuten Pause vor dem Schlussspurt bescherte. Und dabei bleibe ich auch. Man darf auch gerne anderer Meinung sein, wenn die konstruktiv-kritisch geäußert wird, hör ich sie mir sogar an. Beschimpfungen und Beleidigungen zeigen allerdings nur die ganze Hilflosigkeit derjenigen, die in keiner Weise kritikfähig sind und diese Aktion dennoch bis zum heutigen Tage nicht erklären können. Wie auch, es ist ja keiner gewesen. Und da dies nicht die erste Aktion war, die für Unterbrechungen sorgte und/oder im Spielbericht vermerkt wurde, auch nicht die zweite, dritte oder vierte, man kann sie in den letzten Jahren kaum noch an zwei Händen abzählen (womit durchaus nicht nur der Einsatz von Pyro gemeint ist), jedoch diese Riesenwelle nach sich zog, hab ich sie diesmal genauso ausführlich ausgebreitet wie ich diese Dinge ansonsten bei Spielberichten zu ignorieren pflege.

Zusätzlich sei noch gesagt, dass der VfB Lübeck auch einige nette Anhänger aufzuweisen hat. Nachdem sie im Mai diesen Jahres, als wir mit unserem 1:0-Sieg an der Lohmühle den Lübeckern den Aufstieg versauten, noch kurzerhand eine Prügelei nach dem Spiel angezettelt hatten, beließen sie es diesmal bei einigen unübersehbaren Nazi-Grüßen in den Gästeblock nach dem spielentscheidenden Treffer. Jeder disqualifiziert sich halt selbst, so gut er kann.

Und damit ist das Thema für mich abgehakt, das Spiel eh lange schon. Aber in eine Zusammenfassung muss es natürlich rein, auch wenn die Sache an sich schon längst vergessen ist. Also für mich. Für den Verein natürlich nur bis zur nächsten Zahlungsaufforderung.

Letzter gegen Vorletzter, begleitet vom Allerletzten

Nach der Niederlage in Lübeck hatte die Fortuna spielfrei. Der Vorstand stellte sich hinter Trainer Weidemann, was ja ein untrügliches Alarmsignal ist, bis zum jetzigen Zeitpunkt allerdings tatsächlich noch so gemeint zu sein scheint. Die Leistung von Lübeck habe überzeugt, hieß es. Aber natürlich beobachte man das Geschehen sehr genau, hieß es. Schön, dass man jetzt schon damit anfängt.

Und so konnte man am letzten Wochenende nur schauen, was sich auf den anderen Plätzen in der Regionalliga Nord so tat. Und nebenbei den Start einer neuen Werbekampagne bewundern: Du bist Deutschland! Echt? Das ist mir jetzt relativ neu. Welch eine Bürde! Ich hab schon Probleme genug damit, Papst zu sein. Nach dem 11. September 2001 waren wir alle Amerikaner. Was will man uns noch alles aufbürden? Da konnte ich dann mal ein Wochenende darüber nachdenken, warum ich mir ungefragt von irgendwelchen sogenannten Prominenten zu sagen lassen habe, dass ich Bewohner dieses Landes bin. Als ich damit fertig war, war Fortuna Tabellenletzter, denn RW Oberhausen hatte das geschafft, woran die Fortuna in der Nachspielzeit gescheitert war, nämlich 0:0 gegen Lübeck zu spielen. Was natürlich einige zu der süffisanten Bemerkung veranlasste, da hätten die Fans wohl keine Pyroshow geliefert, da könne man mal sehen, was das für Nette seien. Ich würde eher sagen, es lag daran, dass Bärwolf für Lübeck einen Elfmeter am Tor vorbei schoss, aber das ist natürlich nur meine Meinung. Jedenfalls reichte RWO dieser Punkt, um an uns vorbeizuziehen. Somit kam es am 01.10.2005 zum Treffen der Giganten in der LTU-Arena: Letzter gegen Vorletzter, Fortuna gegen RW Oberhausen. Angeblich 6.300 Zuschauer waren anwesend, davon ca. 300 aus Oberhausen, was für die wahrscheinlich einen Auswärtsfahrer-Rekord darstellt. Ist ja auch eine unheimliche Entfernung, die von Oberhausen nach Düsseldorf zurückzulegen ist. Man könnte glatt meinen, in Oberhausen interessiert es niemanden so richtig, ob die Truppe direkt von der 2. in die Oberliga durchgereicht wird, wonach es derzeit verdammt stark aussieht. Naja, was solls, lieber die als wir.

Und wie beginnt ein typisches Fortuna-Spiel in dieser Saison? Genau, grober Stellungsfehler von Bürk, den Eraslan dann mit einem Foul ausbügeln muss, wieder mal einer der berühmten Freistöße aus 18 Metern Entfernung – 0:1 in der 5. Minute, diesmal mit der Variante, dass RWO-Stürmer Mehic den Ball mit dem Kopf noch ein wenig abfälschte. So lernt dann auch Patrick Deuß langsam mal die Eigenarten seiner Vorderleute schätzen, zuvor blieb es ja Carsten Nulle vorbehalten, Freistöße aus dem Netz zu holen.

Und wer weiß, wie es weitergegangen wäre, wenn nicht relativ postwendend, nämlich bereits nach 13 Minuten, der Ausgleich gefallen wäre. Pino Canale, der endlich mal ein Spiel ablieferte, in dem man seine Rolle annähernd als „Regisseur“ bezeichnen könnte, spielte einen Traumpass in den Strafraum, Marcus Feinbier lief ganz alleine dem Ball hinterher und spitzelte ihn vor Torwart Masuch ins lange Eck. Bestens motiviert übrigens durch die Oberhausener Fan-Schar hinter dem Tor, die unmittelbar zuvor noch „Feinbier, du Arschloch!“ intoniert hatte, keine Ahnung, warum, meines Wissens hat der nie in Oberhausen gespielt, vielleicht hat er ihnen mit Greuther Fürth mal einen zuviel reingetan. Auf jeden Fall merkte er es sich bestens und gab keine Minute später die Antwort. Alles wieder offen.

Und da RW Oberhausen das mit Abstand schlechteste Team war, das ich in dieser Saison bislang gesehen habe (die eigene Mannschaft mit eingeschlossen), sich nur noch hinten rein stellte und mauerte, und sich nur noch nach vorne traute, wenn es mal irgendeine Unaufmerksamkeit auf Fortuna-Seite gab, wurde es zunächst eine recht einseitige Angelegenheit. Dass es „nur“ ein 2:1-Sieg wurde, lag in der unglaublichen Chancenverwertung. Jeder durfte mal, sie scheiterten alle. Melunovic an den Pfosten, Podszus an die Latte, Feinbier noch mal an den Pfosten, Lambertz alleine vor Masuch, Heeren alleine vor Masuch, Cakir alleine vor Masuch, und das waren nur die dicksten Chancen – das Spiel hätte dermaßen klar ausgehen müssen, dass einige Dauernörgler hätten meckern können, die Mannschaft hätte die sechs Tore doch gefälligst auf mehrere Spiele verteilen sollen. Aber nur Feinbier traf noch zu Beginn der 2. Halbzeit mit einem Flugkopfball, ausgerechnet nach Flanke von Bürk, dessen einzig gelungene Aktion im Spiel dies war. Und anstatt sich entspannt zurückzulehnen und den Abschuss von RWO zu genießen, wurde es zum Schluss noch mal richtig spannend, als natürlich Bürk zehn Minuten vor Schluss mit Gelb/Rot vom Platz flog, und die Mannschaft zehn Zitterminuten hinlegte. Aber selbst dafür war RWO zu harmlos, es gab noch einmal ein kleines Durcheinander im Fortuna-Strafraum, aber keine echte Torchance mehr für die Kleeblätter, und der Sieg war perfekt.

Verfolgt wurde er übrigens nicht nur von den genannten 6.300 Menschen, sondern auch von einem tierischen Zaungast: das ortsansässige Boulevardblättchen wollte mal wieder werbewirksam Unterstützung leisten. Dies geschah nicht in Form von Freikarten an Düsseldorfer Schulen, was ich persönlich etwas sinnvoller gefunden hätte, sondern dergestalt, dass dem Team ein echtes Ferkel als Glücksbringer zur Verfügung gestellt wurde. Das arme Vieh wurde in der Woche vor dem Spiel auch noch auf den Namen „Toni“ nach Toni Turek getauft, was einige findige Fans dazu bewog, das Schweinchen ca. 2 Minuten, nachdem die Namensgebung bekannt geworden war, in „Erwin“ umzubenennen – ist schließlich auch nur ein weiterer deutscher Vorname, oder? Sehe ich ähnlich. Es brachte Glück, fühlte sich aber sichtlich unwohl, und ich hoffe, dass dem Borstentier ein weiterer Auftritt in der LTU-Arena erspart bleibt. Fortuna quält seine Anhänger schon oft und lang genug, da muss man es nicht noch auf Tiere ausweiten.

Es gibt natürlich auch Siege, die einigen Leuten nicht gefallen. Die sind der Meinung, alles bei Fortuna ist Scheiße, egal, was passiert. Mich amüsiert besonders der eine, der im Forum ständig „Weidemann raus!“ zum Besten gibt, was sein gutes Recht ist und aufgrund sinnloser Wiederholungen eh nicht Ernst genommen wird (also von mir zumindest nicht), der jedoch zeitgleich stolz verkündet, solange dieser Trainer auf der Bank, werde er, also der Fan (vielleicht sogar ansonsten ein „wahrer“, wer weiß das schon?), die Spiele boykottieren. Da kann man sich ja unheimlich gut ein Bild machen, Respekt! Auch nicht schlecht ein anderer, der die mangelnde Laufbereitschaft eines Feinbier kritisierte und die „Marcus Feinbier!“-Rufe aus dem Block deshalb überflüssig fand. Der Mann hatte ja auch grad nur zwei Tore geschossen, da kann man ihm ruhig mangelnden Einsatz vorwerfen. Ich habs im letzten Bericht schon geschrieben: was das Thema Arroganz und Überheblichkeit angeht, kann sich anscheinend so mancher Fan derzeit mit den gerne und meist auch zurecht kritisierten Vorständen oder Aufsichtsräten der Fortuna auf eine Stufe stellen. Es geht halt immer noch niveauloser, man muss nur wollen. Und da ist mein letztes Stichwort für heute gefallen. Reden wir doch mal kurz über den WDR.

Dieser Fernsehsender wird von mir nicht besonders häufig, und wenn, dann auch nur kurz thematisiert. Er ist, was die Berichterstattung zur Regionalliga angeht, einfach zu schlecht, als dass man großartig Gedanken an ihn verschwenden sollte. Aber diesmal gaben sie sich solche Mühe, noch ein bisschen schlechter zu sein. Und dieses Bemühen muss natürlich gewürdigt werden.

Also: Auftritt Okka Gundel, nett anzusehende Blondine, die die Regionalliga-Sendung an jenem Samstag moderiert. Das Spitzenspiel RW Essen gegen Osnabrück ist gelaufen, Osnas Trainer Wollitz hat die vier Platzverweise für sein Team schon entsprechend mit Schiebungs-Verdacht bewertet, ohne mal ernsthaft an den 26.03. dieses Jahres zurückzudenken und zu erkennen, dass es diesmal halt ihn erwischt hat, Vorhang auf für die Partie Fortuna gegen RWO. Mitnichten. Denn die Okka hat da vorher noch etwas zu sagen. Über den Vorstand der Fortuna, der nach dem Aufstieg vor der letzten Saison ein bisschen auf „dicke Hose“ gemacht habe. Und jetzt sei man Tabellenletzter. Weiter: „Das Einzige, was bei Fortuna ein bisschen glamourös ist, ist das Fußballstadion.“ Und schon folgt ein Bericht, in dem Fortunas Nieten vorgestellt werden. Und darauf bin ich wirklich mächtig sauer. Allerdings aus einem anderen Grund, als man vielleicht vermuten könnte.

Denn eins vorab: das, was mit diesem Bericht suggeriert werden soll, die bereits angesprochene Überheblichkeit unserer Krawattenträger (insbesondere eines bestimmten), das Missmanagement, die Schulden, der schlechte Ruf – all das stimmt. Das stimmte gestern, das stimmt heute, das stimmt auch noch morgen, und im letzten Jahr stimmte das auch. Insoweit sehe ich schon mal überhaupt keinen Grund, diesen Bericht ausgerechnet vor dem Oberhausen-Spiel zu bringen. Den kannst du zu jeder Tages- und Nachtzeit senden, der stimmt immer. So aber spart man beim Spielbericht wieder ein paar Minuten, und das, obwohl es bei diesem Spiel wirklich viel zu sehen gab, und das Ganze angeblich immer noch eine Sportsendung sein soll. Aber okay, ist halt WDR.

Und weil das halt WDR ist, überziehen die gute Okka und ihr Männeken, das den Bericht erstellt hat, mal eben gewaltig, damit die Message, Fortuna Düsseldorf sei ein Trottelverein, auch richtig gut rüberkommt.
Zunächst mal bleibt die Frage, was irgendeine „dicke Hose“ der Verantwortlichen vom Mai 2004 damit zu tun haben könnte, dass die Mannschaft im Oktober 2005 Tabellenletzter ist. Dann kommt die finanzielle Misere ins Spiel, eingeblendet wird Herr Kölmel, zeitlich der „Dicken Hose“ nachfolgend. Wusste gar nicht, dass der uns in letzter Zeit mal wieder was gepumpt hat. Anschließend eine kurze Einblendung des besten Manager-Praktikanten aller Zeiten (also bestbezahlten, meine ich), Thomas Berthold. Was der jetzt noch mit der aktuellen Mannschaft zu tun haben soll – wäre höchstens noch als Quizfrage bei „Wer wird Millionär?“ interessant, weil’s dann Geld dafür geben würde. Besonders perfide: das lächerliche Hickhack um die Arena kommt ins Spiel, da mittlerweile, wie nicht anders zu erwarten, der Düsseldorfer Steuerzahler die Zeche zahlen und den Arena-Verlust des diesjährigen (Nicht-)Betriebs ausgleichen soll. Gleichzeitig nennt sie die Arena aber ausdrücklich „Fußball-Stadion“, was nun wieder eindeutig heißen soll, dass Fortuna ihre Finger auch im Arena-Geschäft mit drin hat. Tststs, Okka, das solltest gerade du aber besser wissen. Warst ja schließlich oft genug da. Bist auch schon im Pressebereich gesichtet worden, wenn du nicht vom Spiel berichtet hast (z.B. gegen St. Pauli, das war dienstags abends, wüsste nicht, dass du da irgendwas kommentiert hättest), und am VIP-Bereich hast du ja auch nicht angehalten, nicht wahr? Wir füttern auch noch die Leute durch, die uns hinterher in die Pfanne hauen. Du bist blond, und manchmal hilfts anscheinend.

Das größte Schmierenstück kommt dann aber im Bericht. Zum Beweis des Düsseldorfer Größenwahns allgemein und im speziellen der des lebenden Aufsichtsrats-Mandats Joachim Erwin wird ein Interview mit selbigem eingeblendet, aufgenommen am Tag des Aufstiegs, unmittelbar nach dem entscheidenden Spiel am 28.04.2004 im VIP-/Pressezelt des Flinger Broich. Der WDR fragt den Strahlemann, was er sich nach dem Aufstieg vorstellt. Antwort: „Fortuna Düsseldorf 2012 Deutscher Meister, vielleicht ein bisschen früher.“ Ausblendung. Was für ein Großkotz, indeed! Ich stand übrigens bei dem Interview in der Nähe. Und der Satz ging mit einem Lachen so weiter: „Nein, wir wollen die Kirche mal im Dorf lassen, erstmal ist wichtig, dass wir nächste Saison nicht wieder absteigen.“ Aber das wäre jetzt für den Bericht nicht so gut gewesen, nicht wahr? Da habt ihr mal schnell auf den Knopf gedrückt, bevor es peinlich sachlich wurde, und man es nicht mehr verwenden konnte. Vielleicht hat sich ja auch just in dem Moment euer Kameramann am Freibier bedient, wäre auch nachzuvollziehen.

Und das, liebe Okka und Konsorten, das nehme ich euch sehr übel, und das macht mich sehr sauer: dass ich wegen euch ausgerechnet den Meister des Größenwahns bei der Fortuna einmal in Schutz nehmen muss. Das hätte ich mir auch nie träumen lassen. Nur weil ihr der Meinung seid, die Wahrheit sei nicht schon erschreckend genug, man müsse hier und da noch ein wenig dazu schrauben. Indem man wirre Zusammenhänge konstruiert und nicht erläutert, Interviews verkürzt und damit so verfälscht, wie man es gerne hätte – das hat schon eine ganz andere Qualität als eure sonstigen Berichte. Da musste anderswo eingespart werden, ich nehme nur mal den Platzverweis von Bürk im anschließenden Spielbericht, von der Hauptkamera nicht eingefangen, wahrscheinlich gabs wieder irgendwo billig was zu trinken, oder woran liegt so was, dass eine Aktion im schönsten Mittelfeld direkt vor der Kamera nicht eingefangen bzw. nicht gezeigt wurde? War ja auch kaum wichtig für das Spiel. Aber wie gesagt, Hauptsache, einen schönen Vorbericht gebracht.

Nochmal: die Grundtendenz dieses Berichtes, die stimmt. Ohne Wenn und Aber. Jedoch bringt ihr es fertig, dass die Leute, die man am liebsten von hinten sähe, aufgrund eines solchen Berichts tatsächlich noch sagen können: „Ist doch alles aufgebauscht! Stimmt doch vorne und hinten nicht.“ Und in bezug auf euer Schmierenstück hätten sie sogar noch Recht. Dafür vielen Dank!

Bezeichnend auch, dass die erste Frage eures Interviewers nach dem Spiel an Marcus Feinbier lautete: „Hat die Mannschaft heute für den Trainer gespielt?“ Etwas anderes fällt euch auch wirklich nicht mehr ein. Schön, dass der Feinbier dem Reporter dann steckte, er sei der Erste, von dem er so etwas hören würde, und im brigen würde die Mannschaft für alle spielen – in der anschließenden Aufzählung fehlten weder die Fans noch die Zeugwartfrau. Sauber retourniert, und ich hoffe, der WDR nimmt keinen Anstoß daran, dass er in dieser Aufzählung nicht genannt wurde. Sonst gibt es das Interview demnächst auch nur noch verkürzt zu sehen, mit der Hintergrundbemerkung: „Feinbier verschmäht Fans und spielt nur für die Zeugwartfrau!“ Ehrlich, nach diesem Bericht würde ich es euch zutrauen.

So, und nun ists gut. War ja auch anstrengend, so wenig Fußball und so viel Gelaber. Fortuna hat 9 Punkte nach 12 Spieltagen (bzw. 11 Spielen), steht weiter unten drin, hat aber ein wenig Anschluss nach oben gewonnen. Da die anderen Ergebnisse fast alle zu Fortunas Gunsten ausfielen, steht man derzeit sogar auf Platz 14, einem Nichtabstiegsplatz! So schnell kann das gehen. Es zeigt jedoch auch, wie schnell man sich die Rote Laterne wieder sichern kann, viel zu eng stehen die Teams da unten beieinander. Am nächsten Wochenende hat die Regionalliga komplett spielfrei, dann geht es zum Wuppertaler SV, mit dem Ex-Fortunen Policella im Sturm, der in dieser Saison bereits 5mal eingenetzt hat, und mit dem Ex-Fortunen Uwe Fuchs auf der Trainerbank. In Wuppertal war eigentlich nie viel zu holen, letzte Saison reichte es immerhin zu einem 0:0. Damals waren die aber noch genauso schlecht wie wir, seitdem haben sie gewaltig zugelegt. Immerhin könnte dann erstmals Jörg Albertz nach seiner 8wöchigen Sperre wieder auflaufen. Der hätte auf dem Platz noch einiges zu zeigen, also fußballerisch gesehen. Und sollte er es dann tatsächlich auch mal tun, würde ich der Okka sogar ne Cola ausgeben. Denn eigentlich bin ich nicht nachtragend. Nur ein bisschen.

Ist auch blond, denkt aber, dass es nicht helfen wird: janus

Kommentare sind geschlossen.