5. – 8. Spieltag

Mini-Serie

Ich sollte meine Beiträge besser mehrfach Korrektur lesen, bevor ich sie abschicke. Okay, der ein oder andere wird sagen: wozu abschicken? Korrigier sie doch bis in alle Ewigkeit! Egal, Fakt ist jedoch, dass sich der Schluss meines letzten Beitrags zum Thema Fortuna Düsseldorf quasi wie der Untergang des Abendlandes liest. Das war natürlich weit übertrieben. Immerhin stehen wir mittlerweile nicht mehr auf dem letzten Abstiegsplatz der Regionalliga Nord. Sondern auf dem ersten. Wenn das kein Fortschritt ist!

Ja, damals im August sah es düster aus. Wir hatten ja nix. Keine Stürmer, keine funktionierende Abwehr. Noch nicht mal Punkte. Aber dann machten sich einige Recken auf, dies zu ändern und Fortuna wieder aufblühen zu lassen. Mit einer Mini-Serie ungeahnten Ausmaßes soll der Verein wieder dahin zurückkehren, wo er hingehört: an die Spitze, ins Oberhaus des deutschen Fußballs, an die finanziellen Fleischtöpfe europäischer Sinnlos-Wettbewerbe, auf dass die LTU-Arena bis in alle Ewigkeit gefüllt sei bis auf den letzten Platz!

So, und jetzt nehmen wir die rosa Vereinsbrille ab und konstatieren, dass es besser geworden ist seit dem letzten Bericht, was nicht weiter schwer war, denn schlechter ging ja kaum. Gut ist aber dennoch was anderes.

Wir haben einen!

Also einen Dreier, meine ich. Am 23.08.2005 war es soweit: ein ungefährdetes 2:0 gegen den FC St. Pauli. Nun, bereits die Vorzeichen waren günstig. Am Wochenende zuvor war der Weltjugendtag zu Ende gegangen. Da konnte auch ich mich endlich entspannen und mit der nötigen Konzentration auf das Spiel gegen St. Pauli vorbereiten. Dachte ich zumindest. Vorher war dies nicht möglich, da man in unserem Gemeindezentrum, welches meinem Domizil direkt an der Straße gegenüber liegt, ca. 300 Teilnehmer kaserniert hatte, zum größten Teil Spanier. Und singen konnten die! Wenn sie nicht gerade zu irgendwelchen Terminen unterwegs waren, dann sangen sie, was die spanische Lunge hergab. Ich sag nur „Kumba ya, my Lord!“ oder „My bonny is over the ocean“. Ich hab sie alle gehabt in jener Woche. Fast hätte ich eine Horde frommer Jünglinge am letzten Tag sogar noch auf die Kühlerhaube genommen, als die im seligen Vertrauen auf Gottes Allmacht mitten in einer Kurve in stockfinsterer Nacht mit ca. 40 Mann einfach mal singend die unbeleuchtete Straße überqueren wollten. Glück gehabt. Sie waren nett, aber ich war froh, als sie weg waren.

Einen Tag später waren sie wieder da. An jenem Montag, dem Tag vor dem Spiel gegen St. Pauli, trat ich nämlich eine Schulung an, deren Ort in unmittelbarer Nähe der Bonner Rheinauen lag. Just dort zelebrierte jedoch an jenem Montag der Neokatechumenale Weg (bitte mal mit 2 Promille aussprechen, ist ein Brüller auf jeder Party), eine Art Hardcore-Katholiken-Vereinigung, einen Großgottesdienst, zu dessen Durchführung Kardinal Meißner himself aus Köln eingeflogen wurde. Die hatten zwar mit dem Weltjugendtag nichts mehr zu tun, hatten aber ihren Termin absichtlich so gelegt, da die Teilnehmer ja sowieso alle beim WJT gewesen waren, da brauchte man die nicht lange durch die Gegend kutschieren. Und sie kamen, 70.000 Teilnehmer mit 1.400 Bussen, von denen gefühlt die Hälfte vor unserem Schulungsgebäude parkte. Ungläubig bestaunte ich die diversen Kinderkreuzzüge, die da anmarschiert kamen, aus Polen, den USA, der Schweiz und Italien, allesamt riesige Transparente vor sich hertragend, die hätte man in keinem Stadion der Welt an der Sicherheitskontrolle vorbei bekommen, jeder Trupp weiterhin ausgerüstet mit mindestens einer Gitarre, zehn Bongotrommeln sowie einem Megaphon, dass es allen Vorsängern dieser Erde nur die Tränen des Neides in die Augen treiben konnte. Von allen Gegenständen wurde hemmungslos Gebrauch gemacht, während sie in die Rheinauen einfielen, um sich selbst zu schwören, ab diesem Tage den klerikalen Weg zu gehen und zukünftig das Priesteramt anzusteuern. Nachwuchswerbung mal ganz anders. Sehr beeindruckend, aber auch ein wenig unheimlich.

Am nächsten Tag, am Spieltag, waren sie endlich weg. Dafür war jemand anders mal vorbeigekommen, um nach dem Rechten zu sehen: die letzte Etappe der Deutschland-Tour rollte ausgerechnet durch Bonn, um sponsorengerecht vor der Telekom-Zentrale zu enden. Wieder waren sämtliche Zufahrtsstraßen zum Rheinufer gesperrt, um den Stars ein verzugsloses Dahinrollen zu ermöglichen. Das war mittlerweile schon nicht mehr nur ärgerlich, sondern auch in höchstem Maße gefährlich, denn ich musste ja nach der Schulung directement zum Bahnhof, um in Richtung Düsseldorf durchzustarten. Dies war nur mittels eines Gewaltmarschs zum „nächsten“ U-Bahnhof möglich, und ich darf dem geschätzten Leser versichern, er liegt nicht gerade um die Ecke – im Gegensatz zur Bushaltestelle, von der aus ich ca. 10 Minuten zum Bahnhof gebraucht hätte, wenn die Strecke denn freigegeben gewesen wäre. Aber bei soviel Frömmigkeit und Spitzensport (nämlich von mir, um den Bahnhof noch rechtzeitig zu erreichen) – was konnte da noch schief gehen? Wer von solch einem wichtigen Ort anreiste, der konnte doch unmöglich von der eigenen Mannschaft enttäuscht werden! Und so war es dann auch.

Hierzu muss man sagen, dass das Spiel deshalb auf den Dienstag verlegt werden musste, weil St. Pauli am Samstag zuvor in der 1. Runde des DFB-Pokals antreten musste. Daran hatten sie anscheinend so viel Spaß, dass sie gleich mal in die Verlängerung gingen. Sie waren also etwas platter als unsere Jungs. Aber ich finde, dies entschuldigt nicht viel. Wer bis zur 71. Minute braucht, um erst- und einmalig aufs Fortuna-Tor zu schießen (und dann auch noch drüber), der kann sich nun wirklich nicht mit mangelnder Fitness rausreden. Das war einfach ganz schwach, was die Hamburger boten. Und dabei spielte bei uns noch nicht mal der Albertz mit. Bei dem hatte der DFB mal so richtig zugelangt, als Retourkutsche für seine Kopfnuss gegen Nickenig im Spiel bei Köln II. Der DFB legte Albertz 8 Wochen auf Eis, frühestens am 15.10 beim Wuppertaler SV kann er wieder auflaufen. Ich persönlich finde die Strafe okay, denn es war schon ein ziemlicher Ausraster. Es darf jedoch die Frage erlaubt sein, wie viele Wochen ein Kahn, ein Ballack oder ein Podolski für diese Tätlichkeit bekommen hätten. Zumal Ali in den letzten 9 Jahren gerade mal ein halbes Jahr in Deutschland gespielt hat, somit kaum vorbelastet gewesen sein dürfte. Würde mich schon interessieren, ob der DFB bei vorgenannten Spielern auch mal die Höchststrafe verhängen würde. Als Anhaltspunkt darf hier gerne der Oberhausener Ralf Keidel aus der letzten Saison gelten. Platzverweis im Derby gegen Duisburg nach Kopfstoß, Publikums- und Schiedsrichter-Beleidigung, somit unter Anfertigung eines Sonderberichts. Drei Spiele Sperre. Ich will ja nicht von Ungleichbehandlung reden, aber ein wenig merkwürdig ist es schon.

Zurück zum Spiel: in der 3. Minute gab es direkt die erste Riesenchance für Fortuna, als Denis Wolf eine Kopie seines Auftritts aus der 6. Minute des Spiels gegen Osnabrück hinlegte: schön von Podszus freigespielt, stürmte er alleine über die halbrechte Seite auf das Tor zu, derselbe Spielzug, dieselben Spieler, dieselbe Chance wie gegen Osnabrück – und auch dasselbe Ende, derselbe Schuss und dieselbe Abwehr des Torwarts, nur hieß der in diesem Fall Hollerieth und nicht Berbig. Man musste sich wirklich die Augen reiben, es war ein exakt identischer Verlauf. So langsam kann man ahnen, warum der Wolf nur bedingt zum Torjäger taugt.

Aber diesmal konnte es der Gegner nicht ausnutzen. Auch nicht, dass der Schiri nur eine Minute später einen klaren Foulelfmeter verweigerte, als Pusic von Hollerieth gefällt wurde. Und auch nicht, dass derselbe Spieler in der ersten Halbzeit mal wieder nur den Pfosten traf und kurz vor der Pause freistehend an Hollerieth scheiterte. Es machte alles nichts, weil Podszus in der 18. Minute mit einem Hammer von der Strafraumgrenze in den linken Winkel das 1:0 erzielt hatte, und die Hamburger danach augenscheinlich keine Lust mehr hatten. So konnte Fortuna das Spiel gepflegt über die Runden schaukeln, noch ein paar Hochkaräter vergeben und auf des Schiris Gewissensbisse warten. Als Pusic in der 68. Minute mal wieder im gegnerischen Strafraum zu Boden sank, da gab es dann doch den Elfmeter. Den hätte zwar kaum noch jemand gegeben, aber es war wohl eine Konzessionsentscheidung an die 4. Minute sowie an das Übersehen eines glasklaren Handspiels im St. Pauli-Strafraum zuvor. Es gab also Elfmeter, Henri Heeren haute das Ding souverän rein (jawohl! Souverän! Und das bei Fortuna! Wird jedenfalls behauptet, ich selbst habe wie üblich weggeguckt), und das Spiel war entschieden. Sollte St. Pauli noch irgendwie Lust auf Gegenwehr gehabt haben, so verging ihnen dies in der 81. Minute, als Eger wegen Meckerns mit Gelb/Rot vom Platz flog. Der hatte wohl auch keinen Bock mehr, es goss in Strömen, man war müde, das Spiel war nicht mehr zu drehen – warum also noch zehn Minuten dumm durch die Gegend rennen? Mit 10 Mann war St. Pauli dann völlig chancenlos und mit dem 0:2 noch gut bedient. Und so feierten wir völlig verdient den ersten Saisonsieg, einen typischen Fortuna-Sieg: zuvor gegen zwei Tabellenletzte verloren (Wattenscheid, Köln II), nun kam der aktuelle Tabellen-2. und wurde weggehauen. Man kennt es ja…

Gähner II

Das Spiel bei den Amateuren des Hamburger SV im April diesen Jahres zählte zu den größten Grausamkeiten, seit der Mensch gegen einen Ball tritt. 90 Minuten Dauergebolze ohne Sinn und Verstand und ein lichter Moment des damaligen Stürmers Frank Mayer – Fortuna gewann 1:0. Ein Klassiker, wie man auch mit absolut indiskutabler Leistung drei Punkte mitnehmen kann. Und solche Kultstreifen haben natürlich immer eine Fortsetzung. Das Grundgerüst der Handlung bleibt gleich, nur kleine Details ändern sich. Und natürlich gibt es bei einer Fortsetzung meistens weniger Zuschauer, weil der Kultfaktor doch stark sinkt.

So auch am 28.08.2005, beim Gastspiel der Fortuna beim Hamburger SV II. Im April waren es noch stolze 914 Zuschauer, die die AOL-Arena bevölkerten, diesmal immerhin noch 791. Davon wieder über 500 Fortuna-Fans, die sich auch durch den etwas ungünstigen Termin, nämlich Sonntagnachmittag um 14.00 Uhr, nicht schrecken ließen. Dennoch wollten die Akteure auf dem grünen Rasen (jawohl, grün! Wer meine Beschreibung des Spielfelds vom April noch mal nachschlagen möchte, der wird dann wissen, warum ich diesen Umstand extra erwähne…) zunächst an alte Erfolge anknüpfen. Die erste Halbzeit gehörte nämlich wieder mal zu dem schlechtesten, was der Regionalliga-Fußball zu bieten hatte. Bei mir persönlich wurde die Angelegenheit noch dadurch erschwert, dass ich am Freitag zuvor ein wirklich gutes Oberliga-Lokalderby zwischen Waldhof und dem VfR Mannheim gesehen hatte und einen Tag später auch die Partie zwischen dem „großen“ HSV und Hannover 96 noch halbwegs ansehnlich fand, trotz Ewald Lienens 8-2-0-System. Aufgrund des am Sonntag gebotenen Gewürges in der ersten halben Stunde drohte ich nunmehr wirklich einzuschlafen, beide Mannschaften gaben sich leidlich Mühe, ein Déjà-vu nach dem anderen zu erzeugen. Erst kurz vor der Pause schreckte ich mal kurz hoch: Kruse hatte aus 16 Metern abgezogen, der Hamburger Keeper konnte die Kugel nur prallen lassen, Kruse schlurfte an drei augenscheinlich schlafenden Gegenspielern vorbei und kam aus 8 Metern tatsächlich zum Nachschuss, der erste Knall hatte den Keeper jedoch aufgeweckt, und er konnte auch diesen Schuss parieren. Damit ging es in die Pause, und man konnte tief beeindruckt von der exakten Kopie, die beide Teams dort ablieferten, nur dasselbe denken wie im April: kann ja nur besser werden.

Nun, im April war dies nur ein schöner Traum, diesmal stimmte es tatsächlich. Zwar blieb es ein schwaches Spiel, aber in der 2. Halbzeit war mehr los als in den drei anderen von April und August zusammen. Ein paar Torchancen hüben wie drüben, wobei die Hamburger das Tor des Öfteren trafen, aber Torwart Nulle dreimal souverän abwehren konnte. Das hätte der Torwart des HSV sicherlich auch gern getan, aber die Fortunen taten ihm den Gefallen nicht und zielten stets am Tor vorbei oder drüber. Immerhin hatten sie jetzt mehr vom Spiel, und in der 64. Minute konnte Ungeheuerliches gesichtet werden: ein perfekter Spielzug der Fortuna. Ausgehend von einem fulminanten Fehlpass eines Hamburger Abwehrspielers, genau in die Füße von Heeren (HSV II-Trainer Philipkowski nach dem Spiel: „Was wir an Fehlpässen in dieser Partie gespielt haben, das war schon Wahnsinn!“), schaute dieser einmal kurz und schickte dann Marzok mit genauem Pass in den Strafraum. Dieser lief von links aufs Tor zu, und dann – unfassbar, aber wahr – versuchte er nicht, mal wieder die Anzeigetafel oder die Eckfahne mit einem abgerutschten Schuss zu treffen, sondern legte wunderbar am Keeper vorbei quer auf Podszus, der nur noch abstauben musste. Davon hätte ich gerne mehr gesehen, aber es blieb so ziemlich die einzige gelungene Kombination. Immerhin, Fortuna war besser als der HSV, so schwach es insgesamt auch war, und der Sieg wäre nicht unverdient gewesen. Wenn es da nicht die 89. Minute gegeben hätte…

Da gab es nämlich Freistoß für den HSV, gut 50 Meter vom Tor der Fortuna entfernt. Bevor der ausgeführt werden konnte, musste zunächst der Schiri zu Höchstform auflaufen. Es gab eine Rangelei um den Ball, anschließend stellte sich Kizilaslan noch vor selbigen – alles, um Zeit zu schinden. Der Schiri griff durch und zückte den gelben Karton, also ob es am nächsten Tag verboten werden würde. Sechsmal Gelb gab es im gesamten Spiel – allein vier davon resultierten aus dieser Szene, alle völlig berechtigt, ich find so was eh immer albern. Nachdem alle Herrschaften auf des Schiris Karte gebucht waren, konnte es dann auch weitergehen. Ein Hamburger Abwehrspieler drosch die Kugel hoch und weit in den Fortuna-Strafraum, und was 88 Minuten lang nicht passiert war, geschah diesmal: die Abwehr bekam den Ball nicht raus, ein fröhliches Gestochere im Strafraum hob an, und schließlich war es Benny Feilhaber, der die Pille aus fünf Metern über die Torlinie brachte, ich glaube sogar, mit der Pieke. Tor für Hamburg, Sieg futsch. Sieg endgültig futsch, als sich im Gegenzug drei Fortunen nicht einig waren, wer den Ball denn aus fünf bis acht Metern im Hamburger Gehäuse unterbringen sollte, letztendlich war es Marzok, der diese Hundertprozentige versemmelte, und dann war Feierabend. Immerhin der erste Auswärtspunkt der laufenden Saison, das interessierte aber niemanden mehr. Trainer Uwe Weidemann saß nach dem Abpfiff noch minutenlang regungslos auf der Bank, als habe er soeben den Aufstieg vergeigt, die Spieler guckten sich fassungslos an wie ein Bräutigam seine Braut anschaut, die soeben im Standesamt auf die Frage des Beamten erwidert hat: „Kann ich das im Mittelteil mit den guten und schlechten Tagen noch mal hören?“ Aber es nutzte alles nix, der Sieg war weg, und die Erkenntnis, dass man solche Gurkenkicks nicht immer glücklich gewinnt, war auch nicht gerade neu. Ein absolut unnötiges Unentschieden.

So gesehen war es tatsächlich nicht mehr als Teil II dieser 90minütigen Gähn-Übung im April. Nur mit nicht ganz so glücklichem Ende. Genau wie im Kino halt.

Das Gesetz der Mini-Serie – oder: wie man ein Spiel interessant redet

Bereits fünf Tage später ging es weiter mit dem Heimspiel gegen Werder Bremen II. Aber halt, vorher gab es noch etwas zu staunen: pünktlich zur Schließung der Transferliste zum 31.08. holte Fortuna nämlich noch eine spektakuläre Neuerwerbung: vom Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth kam Stürmer Marcus Feinbier. Auf den hatte man während der Sommerpause auch schon ein Auge geworfen. Leider hatte Fortuna-Vorstand Tecklenburg mal wieder die tolle Idee, herauszuposaunen, was für eine tolle Idee das sei, deshalb erschien der Name Feinbier schon vorab in der Presse, das Fürther Präsidium reagierte verschnupft und legte die Verhandlungen zunächst auf Eis. Wie genau es dann weiterging, weiß ich nicht, in der Zeitung stand hinterher zu lesen, dass selbst Calli Calmund seine Connections habe spielen lassen, und schlussendlich wechselte Feinbier tatsächlich am letzten Tag der Transferperiode zur Fortuna – angeblich ablösefrei. Andere Quellen sprechen von einer Ablöse von 30.000 Euro, wahrscheinlich für die Fürther Kaffeekasse, was ja auch noch ein Schnäppchen wäre. Ich nehme an, Calli hat noch ein Tässchen heiße Butter obendrauf spendiert, dann war der Deal in trockenen Tüchern.

Wer jetzt allerdings glaubt, der Feinbier wäre bei der Fortuna-Gemeinde höchsterfreut begrüßt worden, der irrt sich natürlich gewaltig. Sowas gibt es bei uns schon lange nicht mehr. Schon wieder einer, der 35 Jahre alt ist! Ein Perspektivspieler sieht irgendwie anders aus. Ein findiger Kopf rechnete dann noch aus, dass die 90 Zweitliga-Tore, die Feinbier auf dem Konto hat, ja nur einen Treffer in jedem dritten Spiel bedeuten! Was für eine Durchschnitts-Krampe, ob der für einen Regionalliga-Abstiegskandidaten geeignet ist? Naja, für einen x-beliebigen schon, aber doch nicht für Fortuna Düsseldorf. Schade, dass Robinho nicht grad frei war. Aber auch der trifft ja nicht in jedem Spiel. Das Beste ist für uns gerade gut genug, um sich im Vorfeld darüber zu mokieren. Dass die errechnete Torquote von Feinbier bei noch 30 ausstehenden Spielen (vor dem Werder-Spiel) eine Bilanz von 10 Toren in dieser Saison bedeuten würde, was immerhin mehr Treffer wären, als in der letzten und vorletzten Saison überhaupt ein Fortuna-Spieler erzielt hatte (auch Fortuna-Gott Frank Mayer hatte es in beiden Spielzeiten bei jeweils 9 Treffern belassen) – interessiert niemanden. Und dass der Feinbier nicht geholt wurde, um Fortuna zum Champions League-Triumph im Jahre 2010 zu führen, sondern schlicht, um uns in dieser Saison aus dem Keller zu ballern, und somit die etwas, hm, nachlässige Personalpolitik in Sachen Stürmer nachträglich zu korrigieren – interessiert auch nicht so wirklich. Hauptsache, man kann meckern, noch bevor der Mann auch nur einmal versuchsweise gegen den Ball getreten hat. Dass man – durchaus auch, was das Ansehen bei Bundesliga-Vereinen angeht – dermaßen aus dem letzten Loch pfeift und uninteressant geworden ist, dass man schon froh sein kann, wenn ein solcher Spieler überhaupt noch daran interessiert ist, für Fortuna Düsseldorf zu spielen, für einen drittklassigen Verein auf einem Abstiegsplatz, das haben anscheinend einige immer noch (oder schon wieder?) erfolgreich verdrängt. Und ich sagte „froh“, nicht „dankbar“. Auch Feinbier hat bestimmt keinen Roten Teppich erwartet, und angemessene Kritik an ungenügenden Leistungen muss selbstverständlich erlaubt sein. Aber dafür muss er doch erst mal die Leistung verweigern, und dazu hatte er noch gar keine Gelegenheit. Aber wir wären ja nicht Fortuna, wenn uns das irgendwie stören würde…Den zahlreichen (oder besser: zahllosen) Präsidien, Vorständen oder Aufsichtsräten bei Fortuna ist immer gerne, und zumeist nicht zu Unrecht, ein Hang zu Selbstdarstellerei vorgeworfen worden, hinter dem konstruktives und sinnvolles Handeln für den Verein schon des Öfteren zurückstand. Gerade in letzter Zeit habe ich den Eindruck, dass es ausgerechnet unter den Fans, die ein solches Gebaren irgendwelcher Krawattenständer naturgemäß als erste kritisieren, nicht wenige gibt, die sich dort etwas abgeguckt haben. Egal, was wir schreiben, sagen, machen – Hauptsache, wir sind an vorderster Front mit dabei, und sei es noch so blöd oder unüberlegt. Naja, jeder Verein hat die Fans, die er verdient, und jeder Fan hat den Verein, den er verdient – wird schon was dran sein.

Zum Schmunzeln gab es aber doch noch etwas. Denn der Herr Feinbier kam ja nicht nur wegen des tollen Umfelds und der sportliche Perspektive, hier etwas bewegen zu können oder aufgrund des klangvollen Namens. Das alles war natürlich auch Teil der in der Presse veröffentlichten Erklärung – business as usual halt. Nein, er kam auch deswegen, weil seine Frau, gebürtig aus Leverkusen, nach all den Jahren endlich wieder in die Heimat wollte. Verständlich. Auch glaube ich, dass Fortuna sich nicht verpflichtet hat, ihr irgendeinen Job zu besorgen, jedenfalls war davon noch nicht die Rede, aber da lasse ich mich gerne eines Tages wieder überraschen. Auf jeden Fall ein schöner Grund, wie ich finde, vor allem ein verständlicher. Feinbier drückte dies in einem Interview dann jedoch so aus: „Meine Frau wollte endlich wieder zurück in den Westen.“ Daher an dieser Stelle ein herzlicher Gruß von mir in die Zone nach Fürth.

Parallel zum Feinbier-Transfer lief vor dem Werder-Spiel noch eine Nummer, die wiederum typisch Fortuna ist. Denn eigentlich wollte man zusätzlich noch Jozef Kotula verpflichten. Der ist 29 Jahre alt, Abwehrspieler, und kickt beim FC Bratislava, das ist der Verein, der in der Champions League-Quali Celtic Glasgow knapp mit 5:0 weggeputzt hatte. Kotula spielte zuvor drei Jahre lang in der Regionalliga Süd bei den Sportfreunden Siegen, war daher in hiesigen Gefilden ein nicht unbekannter Name. Flink wie wir sind, wurden die Kontakte geknüpft, der Boulevard meldete die Verpflichtung als perfekt – bis dann jemandem auffiel, dass Kotula gar keine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland mehr hat. Das ist ja auch nicht das Erste, was ich bei einem Transfer von ausländischen Spielern berücksichtigen würde…also keine weitere Verstärkung für die Abwehr.

Dann kam der 02.09. und das Heimspiel gegen Werder II. Um die Spannung hochzuhalten, sprach man vor dem Spiel tatsächlich davon, die „Mini-Serie“ ausbauen zu wollen, jene Mini-Serie, die aus einem Sieg und einem Unentschieden bestand. Also hintereinander, das ist ja der Trick. Ja, ich kann auch noch aus jedem kleinen Faktum etwas rausholen, das zur Schlagzeile taugt, wenn ich mich nur bemühe. Leider gab es da eine andere Serie, auch nicht viel größer, aber vom Wortlaut her viel beeindruckender: Fortuna hat noch nie in der Regionalliga gegen Werder gewonnen. Sechs Spiele, egal, ob heim oder auswärts – nur Unentschieden oder Niederlagen. Und wie das bei solch ungemein wichtigen Mini-Serien so ist – als das Spiel nach 90 Minuten abgepfiffen wurde, hatten beide gehalten, sodass man sie weiter verwenden kann. Ist doch schön, wenn die Spieler auch in Sachen PR ein bisschen was machen. 2:2 vor doch erstaunlichen 6.700 Zuschauern.

Ein Grottenkick, den man möglichst schnell abhaken sollte. Werder ging kurz vor der Pause in Führung, Torschütze war Libero Schierenbeck, von dem man auch hätte wissen können, dass er seit Jahren gegen Fortuna ständig zu Hochform aufläuft und regelmäßig seine Bude macht. Schierenbeck also staubte nach einem Eckball ab, völlig frei am 5-m-Raum stehend. Wie man den übersehen konnte, war mir ein Rätsel, der Mann ist geschätzt 2,78 m groß. Aber gut, wieder mal ein Rückstand gegen Werder, nichts Neues.

In der Kabine schien es dann zur Pause ordentlich gerappelt zu haben, denn Fortuna kam mit mehr Einsatz aus der Kabine, und Trainer Weidemann hatte auch ein glückliches Händchen bei den Einwechslungen. Er brachte nämlich Melunovic und Cebe, die für ordentlich Alarm nach vorne sorgten. Melunovic holte dann auch kurz nach Wiederanpfiff einen Elfer raus, den man beim besten Willen nicht geben musste. Heeren machte die Kugel zum Ausgleich rein und hätte eigentlich vier Minuten später erneut antreten müssen, als Marzok im Strafraum diesmal klar umgesäbelt wurde, aber des Schiris Pfeife blieb stumm, Konzessionsentscheidung, diesmal umgekehrt. Muss man mit leben. Womit man eigentlich gar nicht leben musste, war das 1:2 durch Polenz, der einen Konter über ganze zwei Stationen abschloss, nachdem der Ball im Mittelfeld leichtsinnig vertändelt worden war. Aber es ist halt Werder, wir sind es ja gewohnt. Schön, dass wenigstens noch der Ausgleich fiel, Torschütze Cebe, der zunächst mit dem Ball mehr in den Strafraum stolperte als dass er ihn am Fuß führte, anschließend jedoch mit toller Einzelleistung drei Abwehrspieler und Torhüter Vander umkurvte und die Kugel aus ganz spitzem Winkel, fast von der Torauslinie, noch versenken konnte. Mehr war an jenem Abend nicht drin.

Und Feinbier? Von dem war ziemlich wenig zu sehen, obwohl er 90 Minuten durchspielte. Immerhin, eine Chance hatte er, die er leider nicht nutzen konnte. Viel mehr hätte ich auch nicht erwartet, nach nur zweimaligem Training mit der Mannschaft. Allerdings lag es nicht daran, dass er aufgrund noch mangelnden Spielverständnisses von seinen Mitspielern kaum angespielt wurde, sondern eher am Gegenteil. Gerade in der Schlussphase wurde es immer wieder mit hohen Bällen auf Feinbier versucht. Die Bremer Innenverteidigung mit Schierenbeck (Personenbeschreibung siehe oben) und Peitz (maximal einen Zentimeter kleiner) muss sich gefühlt haben, als ob schon Weihnachten sei – so viele geschenkte Kopfbälle kriegen die auch nicht alle Tage. Es war schlicht zu einfallslos, und so blieb es beim 2:2, obwohl Fortuna in der 2. Halbzeit eine deutliche Leistungssteigerung zeigte.

Ein Unentschieden, das alle gut fanden und keiner will

Ja, ein fast schon lyrischer Satz, mysteriös, vielleicht gar bedeutungsschwanger. Die Auflösung hingegen ist recht simpel.

Am 10.09. spielte Fortuna beim Zweitliga-Absteiger RW Erfurt. Die hatten ihre bisherigen drei Heimspiele alle gewonnen, sind also eine im heimischen Steigerwald-Stadion eine Macht. Fortuna spielte 60 Minuten in Unterzahl und knöpfte den Erfurtern mit dem 2:2 den ersten Heimpunkt ab.

Vor dem Spiel hätten alle diesen Punkt gut gefunden. Weil man in unserer Lage bei solchen Mannschaften froh sein muss, überhaupt etwas zu holen. Auch wenn man sich die obige Kurzzusammenfassung anschaut, bleibt es noch ein guter Punkt. Ab der 33. Minute in Unterzahl, gegen ein solch heimstarke Truppe: prima, würde man sagen. Aber bei Fortuna natürlich nur im Konjunktiv. Denn der Hase liegt woanders im Pfeffer: in der 90. Minute – erzielte Erfurt den Ausgleich zum 2:2-Endstand. Wieder, wie in Hamburg, wurde der Sieg in letzter Minute verschenkt. Und das bringt nun alle auf den Baum.

Dass ein Spiel solange dauert, bis der Schiri abpfeift, hatten die Fortunen schon in Hamburg erfahren dürfen, gelernt hatten sie daraus leider nichts. In Erfurt wurde nicht nur der Lernprozess diesbezüglich erneuert, es gab auch eine neue Weisheit zu bestaunen: das Spiel beginnt auch wirklich, wenn der Schiedsrichter anpfeift. Das war anscheinend bisher eher unbekannt, denn der erste Erfurter Schuss nach knapp 3 Minuten war auch schon drin. Und endlich mal wieder ein Freistoß aus 18 Metern. Das wird so manchen erleichtert haben, da konnte man endlich mal wieder Torhüter Carsten Nulle die Schuld geben. Dass das Ding, von Gruev abgefeuert, unhaltbar im Winkel einschlug, egal. Dass diese Abwehr anscheinend nicht in der Lage ist, unmittelbar vor dem Strafraum mal nicht zu foulen – scheißegal. Dass es im gesamten Spiel wieder mal insgesamt vier solcher Freistoß-Situationen mit unmittelbarer Torgefahr gab – aber sowas von egal, außerdem bei der Fernsehaufzeichnung gar nicht zu sehen, deshalb uninteressant. Irgendsoein Trottel scheute sich noch nicht mal, einen Vergleich zu Alt-Fortune Georg Koch zu ziehen. Der hätte die Kugel selbstverständlich rausgeköpft. Ach, man wird es irgendwann Leid. Die wahren Fans, sie werden es schon schaffen, dass der Torwartwechsel kommt. Selbst wenn der Nulle in einem Spiel drei Elfer halten und anschließend vorne noch das Siegtor köpfen würde. Weil er eben – diese Begründung ist kein Witz – keine Unhaltbaren hält. Die aktuelle Nummer Eins im bundesdeutschen Tor hält momentan nicht mal haltbare, aber wen kümmert das, bei uns hat es anders zu sein. Besonders, wenn man persönlich den Spieler eben nicht mag. Das passt dann schon.

Zurück zum Spiel. Sagte sich auch Fortuna und zeigte sich erstaunlich wenig geschockt. Schon in der 27. Minute war der Ausgleich da, Oliver Barth wuchtete einen Eckball mit dem Kopf in den Winkel und brachte uns zur Verzückung, denn niemand vermag sich zu erinnern, wann wir zuletzt ein Tor nach einem Eckball erzielt haben. Ist auch eher eine Frage für Altertumsforscher.

Und da der Olli Barth grad so gut in Schwung war, zupfte er in der 33. Minute seinen Gegenspieler am Trikot und durfte dafür mit Gelb/Rot duschen gehen. Harte Entscheidung, aber vertretbar, wenn ich frühzeitig Gelb kassiere, darf ich nicht so hingehen. Fortuna fortan nur noch zu zehnt, und Erfurt, bis dahin sichtlich verwirrt, dass es jemand gewagt hatte, in ihrem Stadion den Ausgleich zu erzielen, bekam wieder Oberwasser. Die Anzahl der Ecken für Erfurt im Verlauf des weiteren Spiels hab ich nicht gezählt, es waren geschätzt fünfzehn bis zwanzig, aber es sprang bei aller Überlegenheit selten etwas heraus, Fortuna kämpfte, stand hinten gut drin und hielt das 1:1. Man freundete sich mit dem Punkt bereits an, als die 86. Minute heranbrach. Der eingewechselte Canale hämmerte von rechts einen Strafstoß in den Strafraum, genau auf Feinbier, und der hätte auch bei aller Gegenwehr den Treffer nicht mehr verhindern können, so gut wurde er bedient, 1:2.

Ja, der Feinbier. Dabei hatte man sich gewundert, was der zu diesem Zeitpunkt noch auf dem Platz machte. Hatte sich kopfkratzend gefragt, warum Trainer Weidemann nach dem Platzverweis den schnellen Stürmer Denis Wolf für Mittelfeldmann Tim Kruse herausnahm, so ein Konterspieler müsste doch bei einem Unterzahlspiel eher von Nutzen sein. Man hatte gestaunt, wie viele Zweikämpfe der Feinbier verlieren konnte, man hatte verblüfft konstatiert, wie wenig Kopfbälle er gewinnen konnte. Er war mit einer der Schlechtesten auf dem Platz. Bis er in der 86. Minute plötzlich genau richtig stand, um abzustauben. Denn das ist sein Spiel. Den sieht man manchmal im gesamten Spiel überhaupt nicht, plötzlich ist er da. Das ist halt eine andere Art Stürmer als Fummelbruder Policella mit seiner guten Technik. Auch ein anderer Typ als Wadenbeißer Mayer, der von seinem unermüdlichen Einsatz lebte und wahrscheinlich zuhause nach dem Spiel kein Abendessen bekam, wenn er nicht eine Gelbe Karte wegen unmotivierten Grätschens in der gegnerischen Hälfte, wegen Meckerns, Ballwegschlagens oder Trikotausziehens vorzuweisen hatte. Das alles ist nicht so sehr Feinbiers Spiel. Natürlich gibt dies Anlass zur Kritik, wenn er nicht trifft. Diesmal traf er allerdings und hatte somit alles richtig gemacht. Dito der Trainer, der ihn im Spiel ließ, obwohl er über weite Strecken wirklich abtauchte. Das ist zwar manchmal grausam anzusehen, ist aber genau die Art von Abgezocktheit, die zum Beispiel einem Denis Wolf immer noch fehlt.

52 Minuten hatte Fortuna in Unterzahl das Remis gehalten. Jetzt mussten sie die Führung noch vier Minuten halten. Das Ergebnis ist bekannt, es klappte nicht. Nach einer Hereingabe von Pavel David, der freundlicherweise nicht an der Flanke gehindert wurde (vielleicht hat ihm ein Fortune sogar noch zugerufen: „Okay, einen hast du noch!“?), standen in der Mitte plötzlich drei Erfurter frei, und der Chef persönlich, Kapitän Ronny Hebestreit, sicherte den Erfurtern per Kopf einen doch recht glücklichen Punkt, verdient zweifelsohne, weil sie in Überzahl natürlich die spielbestimmende Mannschaft gewesen waren, aber dennoch glücklich in letzter Sekunde. Erwähnte ich schon, dass der Nulle Schuld an dem Gegentreffer war? Nein? Wollt ich auch nur mal gesagt haben, begründen brauch ich es ja eh nicht.

So, und das war die Mini-Serie der Fortuna. Vier Spiele hintereinander ungeschlagen, aber nur ein Sieg und drei Unentschieden. Folglich bringt das in der Tabelle nicht so viel, man steht mit 6 Punkten und 11:15 Toren derzeit auf Platz 15, dem ersten Abstiegsplatz, und zwei der vier Teams unter uns haben sogar noch ein Spiel weniger, da sie bereits spielfrei hatten. Es hat sich also nicht wirklich viel geändert. Am nächsten Samstag (17.09.) kommt der erstaunlich auswärtsstarke Aufsteiger Kickers Emden in die LTU-Arena, am darauffolgenden Mittwoch gastiert Fortuna beim VfB Lübeck, der schon wieder Tabellenführer ist, wie einst im Mai, als wir dort siegten, den Klassenerhalt schafften und Lübeck den Aufstieg vermiesten. Aber momentan sind die Vorzeichen wohl etwas anders.
Und über die intelligente Ansetzung, dass ausgerechnet das Spiel mit der weitesten Entfernung unter der Woche stattfindet, hab ich schon lang genug gejammert, es nutzt ja nix, sie werden es trotzdem nicht mehr verlegen. Immerhin hat die Fortuna am Wochenende danach spielfrei. Schauen wir mal, wo sie dann in der Tabelle steht. Man darf gespannt sein.

Gespannt sein darf man auch, wie es mit Trainer Uwe Weidemann weitergeht. Nicht, dass schon irgendjemand seine Entlassung kolportieren würde (außer einigen Fans, denen aktuell zu Nulle nichts mehr einfällt), nein, aber schon bringen sich andere rein zufällig ins Spiel, noch zufälliger sind es alte Bekannte. Jörg Berger, der einstige Retter an allen Fronten, derzeit allerdings nur arbeitsloser Absteiger von Hansa Rostock, wurde nämlich vom Boulevard zitiert, der ihn auf irgendeiner Promi-Veranstaltung ausgrub, weil Berger anscheinend tatsächlich in oder um Düsseldorf herum irgendwo wohnt, was mir persönlich auch neu ist. Und was sagt der Mann, der schon seit langen Jahren mit Fortuna nix mehr am Hut hat, natürlich rein zufällig von der kleinen Zeitung mit den sieben großen Buchstaben befragt, weil man sich dort ja schon mal für alle Fälle absichern will? Genau: „Ich würde Fortuna gerne helfen. Aber bis jetzt hat mich noch keiner gefragt.“ Das ist auch gut so. Ich ergänze es freiwillig um ein „Wer den fragt, wird erschossen!“ und hoffe, dass es damit sein Bewenden hat.
Oder vielleicht doch nicht? Denn letzte Woche kam eine Alternative auf den Markt, die ich eigentlich auch schon abgehakt hatte: im Spiegel wurde über einen Herrn berichtet, der auch mal wieder Lust hätte, alles durcheinander zu bringen. Denn auch Aleks Ristic, arbeitsloser Absteiger von Union Berlin aus der vorletzten Saison, kann sich vorstellen, die Rente ein wenig aufzubessern. Und da ist Fortuna natürlich direkt wieder erste Wahl. Es wäre das vierte Mal. Nach Hartz IV jetzt also Aleks IV und the Return of the Hustenbonbon. Wie war das mit den Fortsetzungen im Kino, die eh immer schlechter sind als der ursprüngliche Film?
Also wenn der kommt, dann will ich aber auch Thomas Berthold wiederhaben. Denn wenn es dann wieder schief geht – und davon bin ich bei Ristic überzeugt -, dann will ich wenigstens Spaß dabei haben.

Hoffnung gibt es immer. Diesbezüglich gab es für mich am letzten Wochenende dann noch ein Schmankerl. Christoph John, Dauer-Weichei und Trainer des 1. FC Köln II, hat es bei nunmehr acht Spieltagen immerhin auf neun offizielle Äußerungen gebracht, man möge seine Bubis doch endlich mit Spielern aus der Profi-Mannschaft verstärken, ansonsten sei man chancenlos. Seinen Vorgesetzten wurde das Gejammer vor dem letzten Wochenende anscheinend zuviel. Und so schickten sie die Herren Matip und Schindzielorz zum Heimspiel der Kölner gegen Hertha BSC II, auf dass sie die Defensive verstärken mochten und der John endlich Ruhe gäbe.
Matip und Sdchindzielorz spielten – der 1. FC Köln II verlor knapp mit 1:5. Manchmal ist der Fußball-Gott eben doch gerecht. Vielleicht demnächst auch wieder bei Fortuna. Und vielleicht sogar so lange, bis der Schiedsrichter abpfeift.

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