35. – 38. Spieltag

Game over, Player One! Auch die zweite Regionalliga-Saison der Fortuna nach dem Wiederaufstieg ist vorüber. Das schreit natürlich nach einer kurzen Zusammenfassung der letzten vier Spiele sowie einem kleinen allgemeinen Rückblick auf die Saison, die erst tiefdunklen Schatten, dann aber auch sehr viel Licht zu bieten hatte.

Schlechtes Benehmen mit gutem Ergebnis

Zunächst gab es am 07.05.2006 das Spiel bei Preußen Münster. Wie es zu diesem Spieltermin – sonntags abends um 18.00 Uhr – kommen konnte, hatte ich gegen Ende des letzten Artikel schon ausführlich geschildert, inklusive der Vermutung, dass nicht das jetzt schon legendäre Volleyballspiel der Damen des USC Münster gegen den Schweriner SC am Freitag zuvor Grund für die Spielverlegung war, sondern eher die Angst der Verantwortlichen bei Preußen, zu diesem Termin nach desaströsen Heimleistungen zuvor plötzlich fantechnisch ein Auswärtsspiel zu haben. Diese Vermutung ließ sich in der Woche vor dem Spiel noch untermauern: plötzlich griffen die Preußen ganz tief in die Trickkiste, jeder Dauerkartenbesitzer konnte einen Fan zusätzlich bei freiem Eintritt mitbringen, jeder Zuschauer, der im Preußen-Trikot auflief, erhielt ebenfalls freien Eintritt, und ganze Schulklassen oder Vereinsmannschaften, die sich bis anderthalb Stunden vor Spielbeginn auf der Geschäftsstelle meldeten, konnten für den Pauschalpreis von 20 Euro ins Stadion, unabhängig von der zahlenmäßigen Stärke der jeweiligen Gruppe.

Dann wurde am Samstag vor dem Spiel noch bekannt, dass sich „Unbekannte“ mal den Gästeblock vorgenommen und dort alle Wellenbrecher mit einer nicht näher definierten Substanz eingeschmiert hatten. Dies erwies sich als wahr, und wie gesagt, es war 24 Stunden vor dem Spiel bekannt. Reaktion des Vereins Preußen Münster: exakt null. Man wollte also unbedingt ein „richtiges“ Heimspiel, und wenn man dafür die gegnerischen Fans durch Schikanen wie unglaubliche Spielverlegungs-Begründungen oder Gästeblöcke, in denen man sich nicht einmal an Wellenbrechern festhalten konnte, vergraulen muss – so what? Wenn’s hilft, den Abstieg zu vermeiden, muss man schon mal den Arsch rausholen. Das hatte man ja schon kurz vor der Winterpause demonstriert, als man den damaligen Trainer Colin Bell entließ, als er gerade mit einem Hörsturz krank im Bett lag. Und wer hart gegen sich selbst ist, kann sich das auch bei anderen leisten, ist schon klar. Auch das Ordnungspersonal auf der Tribüne und im Innenraum, besonders diejenigen, die die Vorgesetzten spielen sollten, war ein wenig auf Krawall gebürstet, sodass es rundum eine wenig entspannte Angelegenheit wurde. Angesichts dieser Außendarstellung dieses Vereins halte ich es für meine Pflicht, mich bei der Bewacherin des VIP-Zeltes zu bedanken, die mir ermöglichte, gegen Vorlage einer Pressekarte dortselbst eine Mannschaftsaufstellung abzuholen: „Aber nur bis zu dem Tisch, auf dem die Aufstellungen liegen, nicht weiter!“ Weiter hätte ich mich auch nicht bewegen wollen, vielleicht wäre mir der Geruch nicht bekommen. Eigentlich unbeschreiblich, aber ich hab’s trotzdem versucht.

Da war es nur gut, dass Fortuna zur Deeskalation beitrug und das Spiel mit 0:2 abschenkte. Preußen-Trainer Hans-Werner Moors, der mal wieder eine Sperre wegen Schiedsrichterbeleidigung auf der Tribüne absaß, das gehört bei ihm zum guten Ton, konnte mit dem Ergebnis zufrieden sein. Mit dem Spiel jedoch nicht. Vor 8.000 Zuschauern an einem milden Frühlingsabend war Fortuna in der erste Hälfte nämlich ganz klar tonangebend, den Preußen flatterten gewaltig die Nerven. Was die an Querschlägern im eigenen Strafraum produzierten, war schon lustig anzuschauen. Der Preußen-Fan-Block versuchte alles, skandierte bereits nach 20 Minuten und dem x-ten Aussetzer „Aufwachen! Aufwachen!“, und forderte nach einer halben Stunde „Wir woll’n euch kämpfen seh’n!“ Nutzte alles nix, Preußen-Torwart Gößling wurde vom Schiri ebenfalls nach 30 Minuten (!) ermahnt, weil er beim Stande von 0:0 (!) auf Zeit spielte! Aber Fortuna hatte wohl keine Lust, noch mehr Öl ins Feuer zu gießen, man spielte relativ unmotiviert nach vorne und vergab die wenigen Chancen kläglich. Ich glaube, nach einem 0:1 wären die Preußen auseinander gebrochen. So kamen sie in der 40. Minute einmal nach vorne, und es stand 1:0. Auf links hatte Bäumer die Kugel ganz klar mit der Hand mitgenommen, aber der Schiri hatte wohl noch das Volleyballspiel im Kopf, und da ist so etwas ja erlaubt. Ergo ließ er das Spiel weiterlaufen, Bäumer flankte, und Tino Milde nickte völlig freistehend zur Führung ein. Dafür, dass der so alleine fünf Meter vor dem Tor auftauchte, gab es nun wirklich keine Entschuldigung mehr, außer vielleicht der Tatsache, dass dies der erste Ball des Spiels war, der tatsächlich mal in den Fortuna-Strafraum gelangte. Fortuna hatte sich schlicht einlullen lassen und bekam nun die Quittung.

Anschließend sorgte sie auch gleich dafür, dass die Zuschauer nicht durch das Spielgeschehen vom Sonnenbaden abgelenkt wurden, Handspiel von Lambertz im Strafraum direkt nach der Pause, 51. Minute. Vom Schiri mal wieder nicht gesehen (wie gesagt, beim Volleyball erlaubt), allerdings vom Assistenten angezeigt. Kann man geben. Ex-Fortune Pico Niestroj machte die Kugel zum 2:0 rein und erstickte damit jede wie auch immer von Fortuna-Trainer Weidemann in der Pause geplante Aufholjagd im Keim. Da anschließend auf dem Rasen nichts mehr passierte, übten sich die Preußen wieder darin, nette Gastgeber zu sein: Preußen-Torwart Gößling verbot seinem Balljungen, ihm ins Aus geschossene Bälle sofort wiederzuholen, als ihm von anderer Seite dann doch mal erstaunlich schnell so eine Kugel wieder entgegen flog, drosch er sie Richtung Gästeblock und fluchte wie ein Kesselflicker, ohne dass es den Schiri interessiert hätte. Anschließend machte ich noch Bekanntschaft mit einem Herrn Böckmann, so stand es zumindest auf seinem Preußen-Trikot mit der großen 100, das diese Halboffiziellen alle an jenem Abend trugen (Herr Böckmann wollte wohl Eintritt sparen), anscheinend eine Art Oberordner, der in puncto Schikane auch „gebrieft“ war und seinen diesbezüglichen Job zur vollsten Zufriedenheit erledigte. Ohne näher darauf einzugehen, möchte ich Herrn Böckmann nur eins sagen: auch Sie sind Oberliga, viel Spaß dabei!
Wobei es mich nicht wundern würde, wenn die über ein Hintertürchen doch noch drin bleiben würden, schließlich sind sie am letzten Spieltag noch 15. geworden, das heißt, wenn es bei irgendeinem Verein noch Lizenzprobleme für die neue Saison geben würde, wäre Münster der erste Nachrücker. Und wer so viel Einsatz an allen Fronten zeigt, der hätte es doch auch verdient, oder? Aber bis das feststeht, wünsche ich erst mal viel Spaß bei den Spielen gegen Sportfreunde Lotte und den VfB Hüls. Mal sehen, ob die auch alles mit sich machen lassen.

Übrigens: der USC Münster verlor am Freitag zuvor in der Damen-Volleyball-Bundesliga 0:3 gegen den Schweriner SC. Größere Zwischenfälle sind mir nicht bekannt. Man hatte in Münster also mal wieder alles richtig gemacht. Genutzt hat es beiden Vereinen nichts.

Scheibenschießen

Fünf Tage später war somit Wiedergutmachung angesagt für das besonders in der zweiten Hälfte ziemlich lustlose Auftreten der Fortuna in Münster. Da kam der Gegner gerade recht, der Chemnitzer FC war, wie im vorherigen Artikel von mir bereits vermutet, in der Zwischenzeit abgestiegen. Leider gab es kein Wiedersehen mit unserem ehemaligen Stürmer und Entertainer Frank Mayer, der war vom Chemnitzer Trainer in die 2. Mannschaft geschickt worden, und da die an jenem Wochenende ein Heimspiel hatten, durfte er nicht mit nach Düsseldorf. Schade eigentlich, ich hätte ihn gerne noch einmal gesehen, aber wer weiß, vielleicht taucht er ja schon bald wieder in unseren Gefilden auf, ich kann mir nicht vorstellen, dass er mit Chemnitz in die Oberliga geht.

In einem abwechslungsreichen Freitagsspiel behielt Fortuna gegen das Schlusslicht letztlich verdient mit 4:3 die Oberhand. Was sich zunächst zu einem Debakel für die Gäste hätte entwickeln können, wurde richtig spannend, weil Fortuna-Stürmer Marcel Podszus – bei der frühen Führung in der 3. Minute durch Wolf noch genialer Passgeber – in den ersten 20 Minuten gleich vier Hochkaräter versiebte. Der erste Chemnitzer Ball, der aufs Fortuna-Tor kam, war auch gleich drin, ein Kopfball von Baumann nach Ecke Tomoski, anschließend kullerte Marcus Feinbier einen Freistoß aus 18 m ins Netz, den Torwart Süßner zu spät sah. Und weil alle so gut drauf waren, erlaubte sich auch Schiri Otte einen lustigen Scherz und pfiff in der 40. Minute einfach mal Elfmeter, als Adamu sich erschöpft im Fortuna-Strafraum zu Boden legte. Eine der größten Lachnummern der Saison, aber was soll’s – Kapitän Görke verwandelte zum unverdienten Ausgleich und Pausenstand von 2:2. Das Schiri-Gespann sorgte dann noch für weitere Lacher, als der Assistent auf der Westtribünenseite in einem Fall Abseits winkte, obwohl gleich zwei Chemnitzer hinter Feinbier standen, in einer anderen Situation das Fähnchen ebenfalls hob, obwohl ein Rückpass eines Chemnitzers vorlag. Großer Sport. Der Dritte im Bunde, der bis dahin fehlerfreie Assistent auf der anderen Seite, entschloss sich dann, sich dies nicht länger antun zu wollen und schied in der Pause mit Verdacht auf Muskelfaserriss aus. Ein Ersatzmann wurde gesucht und gefunden: unter den zahlreich angereisten Polizisten befand sich auch ein Oberliga-Schiri, der bei seinem Einsatzleiter ausgelöst und zum Dienst an der Linie verpflichtet wurde. Die Pause dauerte daher 15 Minuten länger als üblich, aber es lohnte sich, auch seine Leistung war einwandfrei.

In der 2. Halbzeit spielte Chemnitz dann auch mit, und so ging es munter hin und her. Lenk erzielte nach einer knappen Stunde Spielzeit die Führung für Chemnitz, als die grad aufgrund einer Verletzung in Unterzahl waren, ein tolles Tor. Natürlich darf der niemals so ungehindert durchs Mittelfeld spazieren, aber der Abschluss, Vollspannstoß aus 16 m halbhoch ins Eck, der hatte was. Allerdings nur für ca. 90 Sekunden, denn im Gegenzug glich Kopfballungeheuer Wolf nach Freistoß Feinbier mit seinem zweiten Treffer im Spiel aus. Schließlich sorgte eine Kopfball-Stafette von Heeren und Böcker, die der Kapitän mit einer Bogenlampe abschloss, für den letztendlich verdienten Sieg. Natürlich viel zu viele Gegentore gegen den Tabellenletzten, dafür aber sehr unterhaltsam. Ein netter Abend! Dies sah auch Gästetrainer Müller so, dem das Spiel ganz gut gefallen hatte, auch wenn er seiner Abwehr für die erste Halbzeit das Prädikat „Das ist halt Oberliga!“ verlieh. Ein sympathischer Mann, dessen doch sehr ausgeprägter sächsischer Dialekt sowie die beharrliche Bezeichnung seiner Stadt als „Karl-Marx-Stadt“ (in der Ansprache an Fortuna-Trainer Weidemann gegen den er früher oft gespielt hat, Weidemann stammt ja aus Erfurt) an frühere Zeiten denken ließ. Alles in allem ein harmloses Spiel, das mit viel Abwechslung das Herz erfreute. Gerne mehr davon!

Nur Sieger auf dem Platz

Bitte schön, machen wir doch! „Wir werden um unser Leben laufen!“, sagte – nicht Fortuna-Coach Uwe Weidemann, sondern Jena-Trainer Heiko Weber vor dem Spiel. Sie wollten unbedingt den einen noch nötigen Punkt zum Aufstieg holen. Klappte nicht, Fortuna siegte in einem flotten Spiel 3:2 bei Carl Zeiss Jena, aber die Gastgeber stiegen durch die gleichzeitige Niederlage des VfB Lübeck in Kiel trotzdem auf.

Es war ein Festtag in Jena, die Hütte war voll, über 12.000 Zuschauer bildeten einen prächtigen Rahmen für den Durchmarsch der Jenenser aus der Ober- in die 2. Liga. Die sind mal wieder der lebende Beweis, dass man eben nicht auf Teufel komm raus irgendwelche Stars verpflichten muss, um Erfolg zu haben, eine sehr gut eingespielte Truppe mit quasi blindem Verständnis reicht schon, wobei natürlich auch eine gewisse fußballerische Qualität vorhanden sein sollte. Und die war in der Tat vorhanden: vor dem Fortuna-Spiel hatte Jena im gesamten Jahr 2006 noch nicht verloren und vor dem ersten Fortuna-Treffer über 700 Minuten kein Gegentor kassiert. Und wer solch souveräne Serien hinlegt, der steigt verdient auf.

Nun, wir waren zwar zum Gratulieren gekommen, allerdings erst nach Spielende. Was die Fortuna im letzten Jahr geschafft hatte, nämlich dem VfB Lübeck in dessen letzten Heimspiel noch den Aufstieg zu vermiesen, wollte man auch diesmal zumindest versuchen. In der ersten Halbzeit des abwechslungsreichen Spiels waren zunächst die Freistoß-Strategen am Zug: Feinbier semmelte die Kugel aus 20 m halbhoch ins rechte Ecke, Jenas Kapitän Ziegner glich mit einem Schlenzer aus 16 m aus. Zu Beginn der 2. Halbzeit legte Fortuna gegen zeitweise sehr nervöse Gastgeber wieder vor, Podszus überwand Torwart Person, nachdem er im Strafraum zwei Abwehrspieler schön hatte ins Leere laufen lassen. Endlich mal wieder ein Tor durch Podszus, man hatte schon Angst, nach den ganzen Torchancen, die er insbesondere in Leverkusen und gegen Chemnitz ausgelassen hatte, wüsste er nicht mehr, wo sich das gegnerische Tor befinden könnte. Jena schlug durch Zimmermann zurück, und als sich die Thüringer anscheinend schon mit dem Unentschieden anfreundeten, setzte Fortuna den entscheidenden Konter, den der eingewechselte Ivan Pusic mit einem schönen Lupfer zum Siegtreffer abschloss. Eine beeindruckende Leistung der Fortuna, vornehmlich jeweils zu Beginn der beiden Spielhälften verdient, als man klar dominierte. Jena konnte aber jeweils zurückschlagen, gab sich dann jedoch wohl zu früh mit dem Punkt zufrieden. Den brauchten sie dann auch nicht mehr, denn der einzige Verfolger, der VfB Lübeck, verlor im Schleswig-Holstein-Derby glatt 1:4 in Kiel und war damit auch aus dem Rennen. Aber ich glaube nicht, dass dies während der Partie eine Rolle gespielt hat. Den Spielern war nur das Pausenergebnis bekannt, und das war nur ein 1:0 für Kiel. Jena-Trainer Heiko Weber war nach dem Spiel auch ungefähr anderthalb Sekunden angesäuert und sagte: „Wir hatten nicht mit einer so starken Fortuna gerechnet.“ Klar, wer steigt schon gerne mit der ersten Heimniederlage nach einem halben Jahr auf? Sieht ja doch etwas doof aus. Aber direkt danach juckte ihn die Niederlage auch nicht mehr („Die schönste Niederlage der Vereinsgeschichte!“), auch nicht, dass Fortuna das einzige Team der Liga ist, gegen das sie in beiden Spielen der Saison keinen einzigen Zähler einfahren konnten. Glückwunsch zum Aufstieg nach Jena, aber auch ein großes Lob an die Fortuna, die mal wieder Tralala hätte spielen können, es aber nicht tat. Somit hatte man inmitten der Aufstiegsfeierlichkeiten im Ernst-Abbe-Sportfeld plötzlich noch die Möglichkeit, am letzten Spieltag sogar noch am FC St. Pauli vorbeizuziehen und sich Platz 5 der Abschlusstabelle zu sichern. Wer hätte dies noch vor dem 12. Spieltag (Platz 19) gedacht?

Abschluss, Ausblick, Rückblick, und tschüss – alles in einem

Letzter Aufgalopp der Fortunen vor der Sommerpause, am 27.05.06, im nunmehr wirklich völlig bedeutungslosen Spiel gegen Holstein Kiel. Und damit es nicht ganz so langweilig wurde, hatte die Ordnerfraktion bei Fortuna mal etwas vorbereitet. Die waren in einer Sitzung unter Woche darauf hingewiesen worden, dass ab jetzt der Sicherheitsstandard der WM zu gelten habe. Und das wurde dann mal ordentlich durchgezogen. Es wurden zum Teil Regenschirme von Besuchern im unüberdachten Teil des Stadions einkassiert, könnten ja als Waffe missbraucht werden, auch vor der Inspektion von Schlüsseln und Kleingeld (!) wurde nicht halt gemacht, könnten ja als Wurfgeschosse Verwendung finden. Die Krönung war die gnadenlose Arrestierung eines Brötchens, das von irgendeinem Hooligan in den Block geschmuggelt werden sollte. Begründung auch hier: Wurfgeschossgefahr! Jemand im Internet-Forum der Fortuna schrieb anschließend, dies sei nicht unberechtigt, schließlich könne so ein Brötchen als Tarnung für Boden-Luft-Raketen verwendet werden. Und wenn bei Fortuna schon mit Brötchen geworfen wird, dann soll wenigstens der Caterer etwas davon haben, schließlich kann man die „Gegenstände“, getarnt als Frikadellenbrötchen, an jedem Verpflegungsstand im Stadion zu zwei Euro Kaufkraft erwerben. Also mal ehrlich: wenn das WM-Standards sind, dann freue ich mich jetzt schon darauf, am 13.06. in Frankfurt, zum Spiel Südkorea-Togo, nackt in die Arena einmarschieren zu dürfen. Sollte ich mir dort keine Lungenentzündung holen, würde ich das Schauspiel dann zwei Tage später in Hamburg wiederholen. Spätestens das wird mich dann ausknocken. Alberner geht wohl nicht.

Ach ja, Fußball gespielt wurde auch noch: Fortuna putzte Holstein Kiel mit 3:0. Wurde auch langsam Zeit: seit 1935 (!) hatte man kein Pflichtspiel gegen Kiel mehr gewinnen können. Da traf es sich gut, dass die „Störche“ am letzten Spieltag zu einem lockeren Trainingsspiel anreisten, denn ihre Aufstiegschance hatten sie bereits vor einigen Wochen verspielt. Das Team von Trainer Frank Neubarth agierte denn auch auffallend lustlos und ermöglichte der Fortuna einen ungefährdeten 3:0-Sieg, wobei sich auch die Heimmannschaft zurückhalten konnte, voller Einsatz war nicht mehr gefragt. Andy Lambertz und Marcus Feinbier schossen die Gäste relativ problemlos ab, es waren Lambertz‘ erster Doppelpack in Fortunas Erster Mannschaft und Feinbiers 15. Saisontor. Da wie erwartet auch der FC St. Pauli keine Lust mehr hatte, gegen eine Zweitvertretung noch einmal alles zu geben, da kann es tausendmal die des HSV sein, spielte man am Millerntor nur 1:1 und überließ Fortuna mit 63 Punkten Platz 5 der Abschlusstabelle, verdienter Lohn für eine engagierte Rückrunde.

Fortuna wird, wie gesagt, Fünfter, mit 63 Punkten und 62:47 Toren. An den nackten Zahlen kann man sehr gut ablesen, woran es gelegen hat, dass es in dieser Saison nicht noch höher hinausging: an der Abwehr und an den Auswärtsspielen. 62 eigene Treffer sind der drittbeste Sturm der Liga, nur RW Essen und Holstein Kiel waren erfolgreicher (okay, eigentlich nur 61, im Hinspiel gegen Emden schoss man nur ein Tor, das Spiel wurde aber mit 2:0 Toren gewertet; aber auch mit 61 Treffern wäre man in der diesbezüglichen Statistik auf Platz 3, also egal). Beste Torschützen bei Fortuna waren Marcus Feinbier mit 15 und Marcel Podszus mit 14 Treffern, gemeinsam bilden sie das torgefährlichste Sturm-Duo der Liga. Das kann sich alles sehen lassen. Dagegen steht man mit 47 Gegentoren gerade mal auf Platz 9 der Abwehr-Wertung. Dasselbe bei der Heim-/Auswärtsbilanz: zuhause wurden nach den beiden Auftaktniederlagen gegen Osnabrück und Essen nur noch ganze vier Zähler abgegeben, verloren wurde überhaupt nicht mehr – Platz 3 in der Heimtabelle. Das Ausweichstadion Flinger Broich erwies sich dabei als uneinnehmbare Festung: vier Spiele, vier Siege, 11:4 Tore. Vielleicht könnte in der Arena ja demnächst mal öfter eine lustige Veranstaltung stattfinden. Auswärts hingegen sicherte man sich zwar noch Platz 5, allerdings mit 13 Punkten Rückstand auf den diesbezüglichen Klassenprimus Jena (36/23).

In die 2. Liga aufgestiegen sind RW Essen und Carl Zeiss Jena, in die jeweiligen Oberligen zurück müssen der Chemnitzer FC, der 1. FC Köln II, RW Oberhausen, die SG Wattenscheid 09 sowie Preußen Münster. Sollte es noch Lizenzentzüge anderer Teams geben, würden diese Vereine in umgekehrter Reihenfolge davon profitieren, d.h. Münster wäre die erste Mannschaft, die trotz Abstiegs noch drin bleiben würde, dann Wattenscheid usw. Wäre aber mal nett, wenn die Saison tatsächlich beendet wäre und nicht wieder über den Grünen Tisch verlängert werden müsste (wie im letzten Jahr z.B. durch den Lizenzentzug für Uerdingen).

Aus der 2. Liga kommt zumindest Ahlen, Dynamo Dresden und die Sportfreunde Siegen wären auch noch möglich. Da jedoch der alte Traditionsverein KSV Hessen Kassel endlich wieder den Aufstieg in die Regionalliga geschafft hat, und die geographisch um einiges nördlicher liegen als die beiden vorgenannten Vereinen, darf noch ein wenig gerätselt werden, wer denn nun in die Nord- und wer in die Südgruppe kommt. Der DFB wollte dies nämlich eigentlich zur neuen Saison eben nach geographischen Gesichtspunkten entscheiden und nicht nach Zugehörigkeit zum Landesverband. Letzteres würde z.B. für Kassel automatisch die Zugehörigkeit zur Regionalliga Süd nach sich ziehen, da die aus dem Fußballverband Hessen kommen und dieser wiederum zur Südgruppe gehört. Da der DFB aber gewiss nicht mit einer solchen Ansammlung geographischer Grenzgänger gerechnet hat (Kassel, Siegen, Dresden), darf man gespannt sein, wie das Problem gelöst wird. Der DFB hat bereits den Termin 12.06. genannt, bis zu diesem Tag müssen alle Unterlagen aller Vereine vorliegen, damit entschieden werden kann, wer überhaupt Regionalliga spielen darf in der nächsten Saison. Erst dann wird über die Liga-Zugehörigkeit entschieden.

Dass Zweitliga-Absteiger nicht unbedingt Favoriten in der neuen Saison sein müssen, hat man in dieser Spielzeit eindrucksvoll gesehen. Okay, RW Essen riskierte alles, stellte einen Mörder-Etat und eine absolut zweitligataugliche Truppe auf und schaffte die direkte Rückkehr. Man hatte sogar noch Kleingeld übrig, um in der Winterpause Arie van Lent und Daniel Stefulj zu verpflichten. Allein diese beiden Transfers zeigen jedoch, wie sehr denen noch zu Beginn des Jahres der Arsch auf Grundeis ging, sie könnten es nicht schaffen. Dann wäre es in der nächsten Regionalliga-Saison nämlich finanziell sehr eng geworden für die Rot-Weißen. Aber sie haben es ja gepackt.

Die anderen drei Absteiger aus der 2. Liga demonstrieren hingegen ihren Fans, dass es immer noch schlechter geht. RW Erfurt fing ganz ordentlich an, sackte dann aber stark ab und schaffte den Klassenerhalt nur aufgrund der um vier Tore besseren Tordifferenz gegenüber den punktgleichen Münsteranern. RW Oberhausen war dieses Glück nicht vergönnt, am Ende fehlten drei Punkte zum Klassenerhalt, der schwächste Sturm der Liga gab den Ausschlag, mit nur 30 erzielten Treffern schaffte man den Durchmarsch in die Oberliga. Selbiges widerfuhr in der Südgruppe Eintracht Trier, denen am Ende sogar vier Zähler fehlten. Daher sollten sich auch die neuen Absteiger nicht allzu sicher sein, sofort wieder oben mitzumischen oder automatisch ein Jährchen ruhige Konsolidierung im Mittelfeld schieben zu können. Das kann ganz schnell anders ausgehen, Nachfrage in Oberhausen und Trier genügt.

Aufsteigen in die Nord werden auf jeden Fall der SV Wilhelmshaven (es sei denn, er hat seine Lizenzunterlagen beim DFB wieder mal per Fax eingereicht…*kicher*), der 1.FC Magdeburg, Union Berlin und endlich mal wieder zwei Zweitvertretungen, die aus Mönchengladbach und Dortmund. Hurra, endlich wieder vor 2.000 Zuschauern im Westfalenstadion spielen. Ich freu mich drauf…

Dies soll als kurzer Überblick über die Saison genügen. Es bleibt die Hoffnung, dass Fortuna eventuell in der Saison wieder oben mitmischen kann. Aktuell (Stand: 27.05.06) wird wohl tatsächlich niemand aus der Stammelf den Verein verlassen, ein für Fortuna nahezu unbekannter Vorgang, wenn es denn so bleibt! Bereits neu verpflichtet wurden für das Mittelfeld Claus Costa vom VfL Bochum II und für die Abwehr Robert Palikuca vom FC St. Pauli, sowie für das Tor Kenneth Kronholm von Wormatia Worms. Da derzeit mit einer weiteren Etateinschränkung für die kommende Saison zu rechnen ist, wird wohl nicht viel gehen, was weitere Neuverpflichtungen betrifft. Aber vielleicht kommt in den nächsten Wochen ja noch der ein oder andere Sponsor aus der Höhle. Zumindest im Sturm dürfte es gerne noch etwas mehr sein, denn das z.B. ein Marcus Feinbier, der wie am Fließband trifft oder Tore vorbereitet, auch die nächste Saison dermaßen unverletzt übersteht wie die abgelaufene Spielzeit, darf mal getrost bezweifelt werden. Handlungsbedarf wäre in jedem Mannschaftsteil gegeben, mal sehen, ob noch etwas möglich ist.

Schließen möchte ich die Saison mit meinen persönlichen Highlights der Fortuna. Die Auswahl ist natürlich rein subjektiv und erhebt niemals den Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit, deshalb ist sie ja auch „persönlich“. Was wird mir also von dieser Saison im Gedächtnis bleiben? Einfach nur eine Auswahl an Stichpunkten für den hoffentlich interessierten Leser:

Sauna: mein erstes Sauna-Spiel! 1. Spieltag, Freitagabend, Heimspiel gegen den VfL Osnabrück. Schwüles Wetter, anderthalb Stunden vor dem Spiel Unwetterwarnung mit prognostizierten 70 Liter Regen auf den Quadratmeter. Nach Rücksprache mit dem Schiri wird das Dach der Arena geschlossen. Im Inneren klettern die Temperaturen während des Spiels an manchen Stellen auf fast 40 Grad. Draußen regnet es natürlich nicht, der große Wolkenbruch kommt erst nach dem Spiel beim Abmarsch auf dem Parkplatz. Passend zum Ergebnis: 1:2 verloren.

Tennis-Arm: 4. Spieltag, Fortuna beeindruckt mit der schlechtesten Saisonleistung, verliert 1:2 beim 1.FC Köln II. Kurz vor Schluss Rudelbildung, wilde Handgemenge, ein Kopfstoß, ein kaputtes Nasenbein. Anschließend beweist der Schiri Durchblick, zeigt binnen Sekunden Ali Albertz Rot und zwei Kölnern Gelb/Rot. Die Karten wedeln nur so durch die Luft, endlich ist Platz auf dem Spielfeld und auch der Schiri übersteht die Situation ohne Zerrung im rechten Arm. Das nenn ich mal wirtschaftliches Handeln!

Hertha BSC II: Ja, auch eine dieser langweiligen II-Mannschaften kriegt eine eigene Erwähnung, ich bin fair! Und das gleich in drei Kategorien!

Lieblingsgegner: in zwei Jahren vier Spiele gegen Hertha II – kein Gegentor (2:0, 0:0, 3:0, 1:0). Find ich okay. Fortsetzung erwünscht!

Kuriosestes Tor: im Hinspiel in Berlin verwandelt Tim Kruse eine Ecke direkt. Ein Kunstschuss gegen den vorderen Innen(!)pfosten und durch die Beine von Torwart Stuhr-Ellegaard. Sein Glück: ausgerechnet bei diesem Spiel ist keine einzige Fernsehkamera im Stadion. Prompt darf der Mann in der nächsten Saison bei den Profis auf der Bank sitzen.

Tor für’s Guinness-Buch: selber Tag, selber Ort, selbes Spiel: 13 Sekunden nach Wiederanpfiff erzielt Marcus Feinbier das vorentscheidende 2:0 für Fortuna. Und das, obwohl bis dahin niemand geglaubt hätte, dass der so schnell nach vorne laufen kann! Auch aus diesem Grund eine erinnerungswürdige Aktion!

Kickers Emden: sympathischer Aufsteiger, dessen Präsidium vor Saisonbeginn mal locker einen einstelligen Tabellenplatz als realistisches Ziel ausgab – sie wurden tatsächlich Neunter, Glückwunsch hierzu. Zwei besondere Kuriositäten prägten unsere Spiele gegen die Ostfriesen: im Hinspiel schaute der Emder Spieler und Torschütze Falk Schindler etwas zu tief ins Haarwuchsmittel, weshalb wir die Punkte bekamen; im Rückspiel verhinderte Fortuna-Torwart Deuß einen weiteren Eintrag ins Fortuna-Guinness-Buch, allerdings einen der Sorte, die man dort nicht unbedingt sehen will: er verhinderte das schnellste Gegentor der Vereinsgeschichte, als er nach 8 (!) Sekunden gegen Grgic parierte, der völlig frei vor ihm auftauchte. Danke, Pat, das sind verpasste Rekorde, die ich gern vergesse!

Die besten Spiele: in dieser Reihenfolge:

Fortuna – Carl Zeiss Jena 3:1
St. Pauli – Fortuna 1:1
Holstein Kiel – Fortuna 3:3

Letzteres wird auch mein persönliches Spiel der Saison: 11 Stunden Anfahrt, weil im Münsterland plötzlich der Winter ausbricht, eine tolle Leistung beim damaligen Spitzenreiter trotz unglücklichem Ausgleich in der 96. (!) Minute, ein schönes Wochenende in Kiel und eine Heimfahrt, die nur noch 5 Stunden dauert, vorbei an stromlosen Münsterländern und umgeknickten Masten. So etwas kann man schlichteren Gemütern auch als Event-Wochenende verkaufen, wenn man sie mal aus ihrem premiere-Fernsehsessel hochbekommen würde! Dabei war es nur Fußball…

Und, und, und…diese Liste ließe sich wohl beliebig fortsetzen, und jeder wird sie mit einem anderen Detail ergänzen können. Aber ich wollte es ja nicht allzu lang machen.

Deshalb ist jetzt auch Schluss. Ich warte jetzt schon auf den Spielplan zur neuen Saison. Schön, wenn da zwischendurch eine vierwöchige Werbemaßnahme das Warten verkürzt, weil zwischendrin auch Fußball gezeigt wird. Was will man mehr? Ich sage absichtlich nicht „Auf Wiedersehen“ oder „Bis bald“, ich weiß, es ist jedes Jahr dasselbe. Aber es stimmt nun mal. We’ll see.

Ihr wart ein ganz wundervolles Publikum, sagt mal wieder: janus

„Das Wort ist der Mantel, in dem der Sinn schweigend auf seine Enthüllung wartet.“
Goethes Erben

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