17. – 21. Spieltag

Im November und Dezember 2005 wurde bei Fortuna noch einiges geboten. Wer zwischen Glühwein und Bratäpfeln oder stundenlangem Anstehen bei der Post und im Kaufhof noch etwas Zeit erübrigen kann, den möchte ich mit den letzten 5 Spielen der Fortuna beglücken: über einen überraschenden Sieg, sechs Punkte in 18 Stunden, eine ganz normale Anreise, eine Klatsche mit Applaus und einen schönen Abschluss:

Im Osten was Neues

Am 12.11.2005 fuhr der Fortuna-Tross gen Osten, zum Spiel beim Chemnitzer FC. Nun musste man vor dem Spiel konstatieren, dass eine Reise in die Länder der aufgehenden Sonne für Fortuna bislang zumeist nicht mal das Spritgeld wert war. Dort hatte es eigentlich stets was auf die Mütze gegeben, egal, wohin man reisen musste (Chemnitz, Dresden, Aue, Leipzig). Das einzig Zählbare, das mir von dort in Erinnerung geblieben ist, war ein 2:2 in Aue in der Saison 2001/02. Und selbst damit stieg man damals noch ab, also auch nichts, was in übermäßig erfreulicher Erinnerung bleiben sollte.
Und so begaben sich ca. 500 Fortunen nach Chemnitz und hofften, dass es diesmal anders werden möge. Einige wurden bei der Hinfahrt noch durch Sightseeing aufgehalten, als man feststellte, dass die Autobahnraststätte Eisenach tatsächlich über einen Beate-Uhse-Shop verfügt, ein bei solchen Haltepunkten doch normalerweise eher selten vorhandenes Angebot. Und damit das nicht so bleibt, hier noch ein Tipp von mir: allein durch das Anstreichen der Außenfassade könnte man schon den ein oder anderen zusätzlichen Neugierigen locken. Angelaufene Fassade und bröckelnder Putz animieren jetzt nicht grad zum Verweilen. Also: da geht doch noch was!

Auf dem Platz ging erst mal gar nix, nur die Herztätigkeit der mitgereisten Fortunen unter den 3.700 Zuschauern schraubte sich in Schwindel erregende Höhen. Es musste einem Angst und Bange werden, Chemnitz überrannte die Fortuna in den ersten 20 Minuten und hatte Chancen im Minutentakt. Aber alles blieb ungenutzt, auch Ex-Fortune Frank Mayer verballerte zwei Hundertprozentige, beim ersten setzte er einen Kopfball ans Außennetz, beim zweiten Mal kam er völlig frei aus 16 m zu Schuss, aber Deuß konnte parieren. Fortuna bekam kein Bein auf die Erde. Hinzu kamen die Herren Atulahi, Nounouh und Nedeljkovic. Schon mal gehört? Ich auch nicht, das waren drei Jungs aus der Verbandsliga-Mannschaft, die auf der Bank Platz nehmen mussten, weil Fortuna-Trainer Uwe Weidemann das Personal ausging. Denn mit – tief Luft holen – Heeren, Albertz, Canale, Bürk, Pusic, Czajor, Abelski, Melunovic und Steegmann fehlten der Fortuna schlappe 9 Spieler aus dem Regionalliga-Kader. Umso beeindruckender, dass die Truppe dann in der 1. Halbzeit den CFC zerlegte, weil die Konter saßen, als die Himmelblauen sich nach der stürmischen Anfangsphase wieder etwas beruhigten. Zweimal Feinbier auf Podszus, Saisontore Nummer 8 und 9 für den Ex-Chemnitzer. Entscheidend dann sicherlich das 3:0 durch einen Kopfball von Feinbier mit dem Pausenpfiff, sein 6. Saisontor. Das brach dem CFC das Genick. In der 2. Halbzeit verwaltete Fortuna den Vorsprung nur noch, Chemnitz konnte nicht mehr, und bevor alle einschliefen, gab es noch zwei Aufreger: Rot für Chemnitz‘ Adamu nach einem unglaublichen Foul, von hinten mit zehn Meter Anlauf und beiden Beinen an der Außenlinie in Kizilaslan hineingesprungen. Nur der DFB mag wissen, warum er den Spieler lediglich zu 4 Spielen Sperre verdonnerte, das war wirklich versuchte Körperverletzung; zum anderen das 4:0 durch Tim Kruse mit einem direkt verwandelten Freistoß. Ein schönes Spiel, ein verdienter Sieg, weil Fortuna nach 20 Minuten wirklich alles im Griff hatte, vielleicht um ein Tor zu hoch, aber wer fragt am nächsten Tag noch danach? Zwei Serien hielten, zum einem der fünfte Sieg im sechsten Spiel (nebst dem 1:1 in Wuppertal), zum anderen blieb Torwart Deuß wiederum ohne Gegentor, da waren es schon 505 Minuten hintereinander, dass er in Pflichtspielen den Ball nicht aus dem eigenen Tor holen musste. Wirklich beeindruckend.

Abschließend sei noch der WDR lobend erwähnt, der es schaffte, exakt 1 Minute 36 Sekunden vom Spiel Chemnitz gegen Fortuna zu zeigen, um anschließend (in der Regionalliga-Sendung!) ungerührt fünf Minuten über das Freundschaftsspiel Olympia Bocholt gegen Borussia Dortmund zu berichten Naja, nix Neues, wenn Fortuna Köln beim Gegner 4:0 gewonnen hätte, hätten sie dafür eine Sondersendung veranstaltet, aber wenn Düsseldorf dieses Kunststück mal gelingt (ich weiß gar nicht, wann wir das letzte Mal auswärts 4:0 gewonnen haben, ist schon sehr lange her) – also nee, dafür machen die ja keine zwei Minuten frei. Dann lieber Freundschaftsspiel…

6 Punkte in 18 Stunden

Ein Wochenende für’s Guinness-Buch bei Fortuna. Am Freitag, den 18.11.2005, um 18.30 Uhr, gab es die drei Punkte aus dem Emden-Spiel zurück, die Partie wurde 2:0 für Fortuna gewertet, weil beim Emder Schindler in der Dopingprobe nach dem Spiel eine verbotene Substanz festgestellt wurde. Der gleiche Einspruch von RW Oberhausen gegen die Spielwertung ihrer Partie in Emden eine Woche später , als keine Dopingprobe stattfand, wurde als unzulässig zurückgewiesen. Der Spieler selbst wurde rückwirkend vom 07.10.2005 für 6 Monate gesperrt.

Das wiederum ließ natürlich den Präsidenten von Emden nicht ruhen, der ja schon im Vorfeld durch selten schlaue Sprüche klar gemacht hatte, dass sein Verein anscheinend gar nicht weiß, wozu solch alberne Doping-Richtlinien gedacht sein könnten. Oder vielleicht doch? Im letzten Artikel hatte ich ja geschrieben, dass der Verein den Spieler Schindler „aus versicherungstechnischen Gründen“ während des laufenden Verfahrens vom Spielbetrieb freigestellt hatte. Ich weiß ja nicht, welche Versicherung anschließend mit dem Herrn Präsidenten gesprochen hat, aber exakt eine Woche vor der Verhandlung feuerte der Mann, der sich das Fair Play auf die Fahne geschrieben hat, seinen Spieler fristlos. Begründung? Bis heute unbekannt, auf jeden Fall nicht veröffentlicht. Aber es hat selbstverständlich nichts mit verbotenen Substanzen zu tun, sonst könnte der Herr ja moralisch gar nicht so groß auftrumpfen, wie er es nach dem Urteilsspruch tat, als er Fortuna als „unsportlich“ und „unsolidarisch“ anprangerte. Was war geschehen? War jetzt bei uns ein gedopter Spieler aufgetaucht? Mitnichten. Es war in der Verhandlung nur so, dass der DFB, wie von mir im vorherigen Artikel schon erahnt, dem kleinen Aufsteiger noch eine Brücke bauen wollte. Zitat: „Wir sind doch Juristen, und Fußball sollte auf dem grünen Rasen entschieden werden. Einigen sich die drei Vereine, werden die beiden Spiele wiederholt.“ Natürlich, Fußball wird auf dem grünen Rasen entschieden. Das nenn ich aber wirklich mal Fair Play: erst einen Spieler mit verbotenen Substanzen einsetzen, ständig dessen Unschuld beteuern, ihn anschließend vom Spiel- und Trainingsbetrieb freistellen und kurz vor der Verhandlung schnell feuern, damit der Verein sich von der Strafe für den Spieler abkoppeln kann – Belohnung: ein Wiederholungsspiel. Und vielleicht können da ja dann drei Leute mit Haarwuchsmittel intus auflaufen, macht ja nix, wenn man wieder erwischt wird, wird an den grünen Rasen appelliert und schwupps, das nächste Wiederholungsspiel! Also das deckt sich nicht mit meiner Vorstellung von einer Einhaltung gewisser Regeln und Fair Play. Mit der des Vereins anscheinend auch nicht. Während Emden und Oberhausen diesem Vorschlag selbstverständlich zustimmten, lehnte Fortuna ihn ab. Mit der zwingenden Rechtsfolge, dass die Punkte nach Düsseldorf gingen.
Wie sich der Präsident dann noch hinstellen und gegen Fortuna wettern kann, dazu fällt mir nicht mehr viel ein. Aber auch anhand seiner weiteren Äußerungen glaube ich langsam zu wissen, wieso es Ostfriesenwitze gibt – er bezeichnete es ausdrücklich als „unverschämt“ vom DFB, dass dieser dem Schindler keine Chance gegeben habe, durch eine weitere Untersuchung nachzuweisen, dass er keine leistungssteigernden Mittelchen zusätzlich genommen habe. Zur Erinnerung, der bei Schindler nachgewiesene Wirkstoff Finasterid verhindert genau diesen Nachweis, deshalb steht er nämlich auf der Doping-Liste. Rührend auch, dass der Präsident meint, Herr Schindler könne mit diesem zweiten Test über 4 Wochen nach dem Spiel noch etwas nachweisen.
Zu seinem Glück ist er, was unglaubliche Äußerungen angeht, ja in bester Gesellschaft. Denn für Vereine aus dem Norden hat der Fernsehsender NDR schließlich ein großes Herz. Die brachten zwei Tage nach dem Urteil einen ausführlichen Bericht über diese Posse. O-Ton NDR: „Die unterlegenen Düsseldorfer kennen keine Moral…“ Das ist in meinen Augen schon nicht mehr schlecht, das geht noch tiefer. Das ist so was von erbärmlich, dass ich mich seitdem ernsthaft frage, welchen Beruf die Leute dieses Senders auf meine (Gebühren-)Kosten schwänzen. Journalist kann es auf gar keinen Fall sein.

Dabei hätten sie sich nur mal ein Beispiel an ihrem Trainer und seiner Mannschaft nehmen sollen. Der Trainer, Marc Fascher, zeigte sich zwar auch enttäuscht von dem Urteil, aber beschränkte seinen Kommentar auf einen einzigen Satz, dann ging er hin und stellte die Mannschaft auf, die sich keine 24 Stunden später gegen den VfL Osnabrück mit einem grandiosen 4:0 die Punkte wieder zurückholte. So sieht eine sportlich faire Reaktion aus!

Als Krönung erhielt der Präsident der Emder nach diesem Spiel auch noch Unterstützung, ausgerechnet durch Pelé Wollitz, seit Jahrzehnten bekannt als einer der fairsten und solidarischsten Spieler und Trainer aller Zeiten, der sich nicht zu schade war, den Spruch „Solidarität gibt es im Fußball nicht“ loszulassen. Naja, ausgerechnet er wird natürlich genau wissen, wovon er da geredet hat.

Und da der Präsident der Emder nicht locker ließ, das Schicksal seines armen kleinen Aufsteigers mal so richtig öffentlich zu beweinen, freue ich mich schon auf das Rückspiel am 18.03.06, da facht er die Stimmung ja schon ordentlich an. Ich bin bereit, darauf zu wetten, dass er entweder in der Tageszeitung am Spieltag oder im Stadionheft zu diesem Spiel wieder darauf eingehen wird, ich wette sogar, dass irgendwo das Wort „Revanche“ zu lesen sein wird. Wird bestimmt ein nettes Rückspiel…

Diese Äußerungen des Herrn Präsidenten waren mir mal sofort eine Nominierung für den „Tor des Monats“ wert. Dann wurde ein Mann von der Geschichte überrollt. Der Mann war ich. Denn am nächsten Tag kam heraus, dass einer der Zungenbrecher des TSV 1860 München, der Herr Vucicevic, beim Zweitliga-Spiel gegen Wacker Burghausen (2:0 für die „Löwen“) ebenfalls positiv auf Finasterid getestet wurde. Bei dem sieht man übrigens auch sofort, warum er ein Haarwuchsmittel benötigt. Und hier sieht es derzeit so aus, dass auch Vucicevic bereits für 6 Monate gesperrt wurde, eine Entscheidung über den Protest von Burghausen gegen die Spielwertung allerdings ins neue Jahr verschoben wurde. Grund hierfür ist anscheinend eine Regeländerung, wonach einer Mannschaft, in deren Reihen ein gedopter Spieler aufgefallen ist, nicht zwangsläufig die Punkte aberkannt werden müssen. Diese Regeländerung wurde wohl zum 01.10.2005 eingeführt, somit hatten die Emder schlicht Pech, dass ihr Spiel gegen uns am 17.09. stattfand, und das der 60er gegen Burghausen erst im Oktober. Und nun muss ich sagen, da habe ich fast schon wieder Verständnis für die Äußerungen des Präsidenten von Kickers Emden. Solange sie sich gegen den DFB richten, meine ich, das Anprangern einer sportlich unfairen und unsolidarischen Fortuna bleibt für mich immer noch der größte Ostfriesenwitz seit Otto Waalkes. Aber der DFB macht sich langsam aber sicher mal so richtig lächerlich. Ich bin ja mal gespannt, wie man beurteilen will, ob ein Spieler, dem eine verbotene Substanz nachgewiesen wurde, „spielentscheidend“ eingegriffen habe. Genau so wird nämlich jetzt von Seiten der „Löwen“ argumentiert, da Vucicevic in dem bewussten Spiel erst eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselt wurde, als das Endergebnis von 2:0 bereits feststand. Bei Schindler und Kickers Emden mag das dies unstreitig sein, schließlich war der Mann Torschütze. Aber was wird man noch als „spielentscheidend“ auslegen? Zählt nur, ob der Spieler ein Tor erzielt? Oder auch, ob er in der 90. Minute den entscheidenden Elfer zum Sieg rausholt? Oder den tödlichen Pass spielt? Oder umgekehrt, in der 93. Minute auf der eigenen Torlinie den Sieg rettet? Die Möglichkeiten dürften nahezu unbegrenzt sein, vielleicht kann man von Seiten der gegnerischen Mannschaft demnächst vor dem DFB-Gericht noch über das Prinzip des spielentscheidenden Einwurfs referieren, damit man möglicherweise die Punkte bekommt.

Und mal abgesehen davon – wieso ändert der DFB seine Regeln zum 01. Oktober? Ich meine, natürlich sind irgendwelche Gesetze und Vorschriften nicht auf Ewigkeit eingemeißelt, wer wüsste das besser als ich, der ich täglich damit zu tun habe. Aber warum werden solche Regeln dann nicht zum 01.07. eines jeden Jahres geändert, damit sie auch wirklich einheitlich für jedes Saisonspiel gelten? So trat der wahrscheinlich schlimmste Alptraum des DFB tatsächlich ein: zwei Herrschaften, die sich erwischen ließen, der eine kurz vor, der andere kurz nach der Regeländerung, beide Spiele nur einige Wochen auseinander, aber möglicherweise mit anderen Urteilen, was die Vereine angeht (die Spieler wurden ja beide gesperrt). Unmöglich, so was. Und da die Herren des DFB das wohl ähnlich sahen, vertagten sie das Urteil über die Spielwertung kurzerhand bis zum St. Nimmerleinstag. Jetzt hoffen sie natürlich, dass keine der beiden Mannschaften zum Saisonende diese drei Punkte benötigt. Und die Emder, nicht faul, legten natürlich sofort Berufung gegen ihr Urteil ein. Hätte ich auch gemacht. Aber vorerst bleiben die drei Punkte bei uns, und da der DFB nur höchst selten, um nicht zu sagen: eigentlich nie ein Urteil zurücknimmt, sag ich mal, dass die Punkte auch bei uns bleiben werden.

Also: Verständnis für den Ärger der Emder, aber weiterhin Ärger darüber, dass sich einer ohne jede Spur von Unrechtsbewusstsein und Selbstkritik hinstellt und dem geschädigten Verein nachträglich mangelndes Fair Play unterstellt. Und zwar besonders, wenn es derjenige ist, der den betroffenen Spieler kurz vor der Verhandlung nun derart schwungvoll entsorgt hat, dass weiterhin Zweifel bleiben, ob der Spieler neben seinem Haarwuchsmittel nicht doch noch etwas anderes eingenommen hat…

Soweit der Bericht aus dem Gard-Haarstudio. Ich hoffe, die Angelegenheit ist damit erledigt. Ich schätze mal, dass ich vergebens hoffe, aber zumindest bis zum neuen Jahr wird ja wohl Ruhe sein.

Am nächsten Tag Heimspiel gegen die andere Mannschaft der Stunde, Carl Zeiss Jena. Die waren Tabellen-4., hatten ebenfalls 16 Punkte aus den vorangegangenen 6 Spielen geholt und stellten mit Sebastian Hähnge gleichauf mit Marcel Podszus (je 9 Treffer) den zweitsichersten Schützen der damals aktuellen Torjägerliste.

Das Spiel fand im Flinger Broich statt. In der LTU-Arena war in der Woche zuvor Phil Collins zu Gast, und das gleich zweimal. Eine Woche nach dem Spiel trat ein ganz spezieller Freund von mir auf, Marius Müllermilch-Westernstiefel. Dem würde ich persönlich zwar noch nicht einmal die Genehmigung erteilen, in Düsseldorf auf dem Burgplatz vor 500 Leuten zu spielen, aber es ist ja alles Geschmackssache, und außerdem darf der Bertreiber der LTU-Arena, sprich die Stadt, nun wirklich nicht wählerisch sein, wer ihr den einen oder anderen Euro in die Kassen spült, bei den ganzen Miesen, die sie in diesem Jahr gemacht haben. Da man befürchtete, dass der Rasen in der Arena diese ganzen Großveranstaltungen nicht mitmachen würde, wurde das Fortuna-Spiel kurzerhand ins alte Stadion verlegt, was die meisten Fortuna-Fans erheblich erfreute.

Es wurde eine prima Partie vor 6.300 begeisterten Zuschauern, die besonders in der 2. Halbzeit durchaus ein „Spitzenspiel“ sehen konnten. Fortuna siegte mit 3:1. Jena war ein klasse Gegner – sehr ballsicher, technisch vom Feinsten, und mit überfallartigen Kontern, bei denen sie plötzlich zu sechst oder siebt ausschwärmten, das war schon hohe Kunst. Sehr erstaunlich, wenn man bedenkt, dass sie Aufsteiger sind, und in ihren Reihen fast nur „Nobodies“ stehen. Aber die Mannschaft ist exzellent eingespielt, das konnte man sehen. Fortuna hielt erst mit Kampf dagegen und fand dann auch zum Spiel, und so ist es kein Zufall, dass alle drei Düsseldorfer Tore herausgespielte Treffer waren. 1:0 durch Feinbier, mit Drehschuss flach ins Eck auf Anspiel von Cebe (48.). Im Gegenzug fiel allerdings der Ausgleich, wieder mal durch einen Freistoß aus 20 m Entfernung, von Jenas Kapitän Ziegner über die Mauer ins Mauereck geschlenzt, ein tolles Ding, Deuß konnte nur hinterher gucken (war natürlich unhaltbar, hätte allerdings der Nulle den kassiert, ohne sich zu bewegen…ich darf gar nicht drüber nachdenken). 2:1 für Fortuna durch das erste Saisontor von Andy Lambertz in der 67. Minute nach Steilpass Feinbier auf Cebe und dessen Hereingabe von rechts. 3:1 Podszus in der 82. Minute, nach Steilpass Feinbier auf den gerade eingewechselten Henri Heeren und dessen Hereingabe von links. Jena spielte auch nach dem 1:3 munter nach vorne und hatte ebenfalls noch Torchancen. Und da Podszus noch einmal frei vor dem Tor über selbiges schoss und zusätzlich noch den Pfosten traf, hätten auch mehr Tore fallen können. Machte Spaß, den beiden zuzugucken.

Und letzteren Satz beziehe ich ausdrücklich auch auf den Schiedsrichter. Erstliga-Referee Lutz Wagner gab sich die Ehre und pfiff derartig souverän, dass er von beiden Seiten hoch gelobt wurde. Der Mann war die Ruhe selbst und hatte einfach alles im Griff. Bezeichnend dafür eine Szene, in der Wagner vor der Seitenlinie an der Osttribüne auf Freistoß für Jena entschied, was den dortigen Zuschauern natürlich nicht gefiel, sodass sie ihrem Unmut mit einigen lauten „Hoyzer, Hoyzer“-Rufen Luft machten. Als Herr Wagner mit Blick auf die Tribüne daraufhin verständnislos den Kopf schüttelte, änderten die Zuschauer den Gesang in „War nur Spaß, war nur Spaß, war nur Spaß“, woraufhin Wagner sich mit hochgestelltem Daumen bedankte. Ganz großer Sport. Und vielleicht sollten sich seine erheblich lebensjüngeren Kollegen mal ein Beispiel an ihm nehmen, die sich durch eine Abstellung in die Regionalliga wohl dermaßen beleidigt fühlen, dass sie zum Teil mit unglaublicher Arroganz über das Feld stiefeln und ihre Entscheidungen treffen. Spontan fallen mir da die Herren Gräfe, Kinhöfer, Schriever oder Gagelmann ein. Ihr hättet an jenem Nachmittag mal richtig was lernen können. Aber so wie ihr zeitweise über den Platz stolziert, habe ich den Eindruck, dass ihr denkt, so etwas gar nicht mehr nötig zu haben.

Die eine Fortuna-Serie ging somit weiter, 19 Punkte aus den letzten 7 Spielen, die andere hatte der Jenenser Ziegner durch seinen Kunstschuss beendet: nach exakt 555 Minuten kassierte Fortuna-Keeper Deuß mal wieder ein Gegentor. Für Fortuna-Verhältnisse ein Giganten-Rekord, der wahrscheinlich auch noch in 10 Jahren Bestand haben wird. Und da auch Heeren und Albertz endlich wieder zu Kurzeinsätzen kamen, konnte man somit relativ guten Mutes zum letzten Hinrundenspiel fahren. Ein echte „Standortbestimmung“, die Partie beim Tabellenführer Holstein Kiel, fanfreundlich auf den Freitag gelegt. Einen bitteren Beigeschmack bekam das noch zusätzlich, weil Fortuna am Dienstag zuvor im Pokal in Wuppertal antreten musste. Warum man in Kiel auf gar keinen Fall samstags spielen konnte, bleibt wohl deren Geheimnis.

Ein ganz normaler Freitag

Gääähn, langweilig. Im letzten Jahr erst in der Meisterschaft in Wuppertal einen Punkt geholt und am 22.11. an gleicher Stelle aus dem Pokal ausgeschieden. In diesem Jahr erst in der Meisterschaft in Wuppertal einen Punkt geholt und am 22.11. an gleicher Stelle aus dem Pokal ausgeschieden. Hui, ist das aufregend

Verdienter 3:0-Sieg des WSV, wenn auch ein Tor zu hoch, vor 3.200 Zuschauern, die wohl nur Spaß am Spiel hatten, wenn sie sowieso schon ihren Sommerurlaub in der Antarktis planen. Zum Schluss waren es im Stadion minus 2 Grad Immerhin schoss der WSV schöne Tore, auch wenn diese den Spielern wohl kein zweites Mal gelingen werden: 1:0 durch Heinzmann mit etwas verunglücktem Fallrückzieher, der erst an den rechten, dann an den linken Pfosten ging und dann ins Netz trudelte, 2:0 nach der Pause durch Lejan, gerade fünf Minuten im Spiel, mit einem schicken Schlenzer, und 3:0 kurz vor Schluss durch Wiwerink mit einem strammen Schuss aus 16 m ins kurze Eck nach schönem Konter. Positiv war, dass ausgerechnet Ex-Fortune Policella, der ein Tor angekündigt hatte, mit Strafstoß (Handspiel Eraslan) kurz vor der Pause an Deuß scheiterte. Von Fortuna ansonsten nicht viel zu sehen, zwei Chancen durch Podszus und Kruse, das war’s auch schon. War die befürchtete Zeit- und Kraft-Verschwendung vor dem Spiel in Kiel drei Tage später.

Es war ein ganz normaler Freitag, dieser 25.11.2005. Zumindest bei mir zuhause in Bonn. Obwohl, man hätte etwas ahnen können. Karten waren klar gemacht, Übernachtung ebenfalls, sodass man endlich wieder ein ganzes Wochenende in Kiel würde genießen können – da fiel zwei Tage vor dem Spiel der Wagen der besten Fahrerin von allen dem deutschen Handwerksgewerbe zum Opfer, welches ja zurecht einen…ähm, na, irgendeinen Ruf genießt. Die Werkstatt, in der der Wagen zu diesem Zeitpunkt verweilte, sah sich außerstande, die Reparatur bis Freitagmorgen zu bewerkstelligen, sodass das Gefährt ausfiel. Und so viel war nun auch nicht daran zu machen. Dann schloss sich das Dienstleistungsgewerbe nahtlos an, der Aachener Autoverleih, der daraufhin kontaktiert wurde, stellte zwar wunschgemäß den Wagen zur Verfügung, sah sich allerdings außer Stande, dieses vor 10 Uhr morgens zu bewerkstelligen. Eine Tagesgebühr für einen ganzen Tag zu berechnen, wäre ja auch wirklich nicht wirtschaftlich. Also für den Verleih, vom Kunden ist selbstverständlich keine Rede. So musste die ursprüngliche Planung, morgens um 7.00 Uhr aufzubrechen, wieder verworfen werden zugunsten einer Anreise meinerseits von Bonn nach Aachen bis 10.00 Uhr und dann Start zur großen Reise von dort aus. Um 8.01 Uhr ging es in Bonn mit dem Zug los nach Aachen, und der Tag war immer noch normal. Erste Anzeichen, dass sich dies eventuell ändern könnte, traten nach dem Umsteigen in Köln in den Regionalexpress nach Aachen auf. Der Zug hielt schon am ersten Bahnhof, Köln-Ehrenfeld, lockere 15 Minuten, und da ist nun wirklich gar nichts los. Begründet wurde dieser Halt dann mit einer Durchsage, die in meine endlose Liste hervorragender Ausflüchte der Bahn aufgenommen werden konnte, denn sie war mir neu, selbst ich hatte so etwas noch nicht gehört: „Verzögerung im Betriebsablauf aufgrund außerplanmäßigen Personalwechsels.“ Jawohl, ein außerplanmäßiger Personalwechsel. Was darf ich mir darunter vorstellen? Hatte der Lokführer spontan gesagt: „Wisst ihr was, macht euren Scheiß allein!“ und war nach Hause gegangen? Oder konnte ein Schaffner zufällig vom Bahnhof Ehrenfeld sein Häuschen sehen, weshalb er beschloss, mal eben dort vorbeizuschauen, weil er der Meinung war, er habe am Morgen vergessen, die Waschmaschine abzustellen? Keine Ahnung, eine nähere Erklärung blieb natürlich aus, aber wir standen erst mal, bis sie einen Ersatzmann herangekarrt hatten. Dann schlich der Zug etwas unmotiviert durch die Prärie, was ich bei Käffern wie Horrem, Düren oder Langerwehe durchaus nachvollziehen kann. Und stellte schließlich im Bahnhof Eschweiler seinen Betrieb ein, weil im Bahnhof Stolberg die Oberleitung defekt war. Und da Eschweiler noch verdammt weit von Aachen entfernt ist, zumindest, wenn man zu Fuß gehen muss, stellte die Bahn tatsächlich einen Bus, der die Passagiere unter Anlaufen aller Bahnhöfe, die der Zug nun nicht mehr schaffen würde, zum Aachener Hbf brachte. Beste Laune somit garantiert, und das am Freitagmorgen. Zusammengepfercht in diesem einen Bus, in dem geschätzt 100 Grad im Schatten herrschten, rollten wir nun von Kaff zu Kaff.
Übrigens: es gibt da doch so ein lustiges Sprichwort, das man Frischluftfanatikern gerne entgegenschleudert, wenn sie mit den offenen Fenstern in der Wohnung bei arktischen Außentemperaturen gerne ein wenig übertreiben: „Erfroren ist schon mancher, erstunken noch keiner!“ Wer sich davon überzeugen möchte, dass auch dieses Sprichwort nur Schall und Rauch ist, der sollte mal zum Bahnhof Stolberg fahren. In Stolberg wird (oder wurde) Kupfer verarbeitet, was wohl dazu geführt hat, dass im Laufe der Jahre irgendwo neben dem Bahnhof eine große Abraumhalde angelagert wurde. Und was da jetzt so genau schlummert, weiß anscheinend niemand, zumindest traut sich niemand ran. Schon mit dem Zug dort am Gleis zu stehen, bei geschlossenen Türen, ist geruchstechnisch nicht sehr erhebend. Aber in einem Bus zu sitzen, in dem eh kaum noch Luft ist, vor dem Bahnhofsgebäude zu halten und dann die Türen aufzureißen und die erste „Frischluft“ einzuatmen – das ist ein Erlebnis für Kenner. Viel Spaß beim Ausprobieren und Taschentuch oder Spucktüte nicht vergessen.

Also, bereits die Anfahrt zur Anfahrt war mit einigen Hindernissen versehen, weshalb wir nicht vor 11.00 Uhr aus Aachen wegkamen. Aber abgesehen davon war es immer noch ein ganz normaler Freitag, es ging zügig voran. Verwundert war ich nur über die andauernden Schneewarnungen im Radio, auf der Autobahn war davon nämlich so gut wie nix zu sehen.
Bis wir ins Münsterland kamen.

Was nun folgte, war ein vierstündiger Horrortrip. Und die Zeit großer Entscheidungen. Umkehren oder tapfer durchhalten? Das ganze Wochenende wegschmeißen, nur wegen ein bisschen Schnee? Von „bisschen“ konnte aber bald schon keine Rede mehr sein, es schneite unaufhörlich, der Schneefall wurde immer stärker, und das Dreckszeug blieb auch noch liegen. Wir standen in Ladbergen, und seit jenem Tag weiß ich, dass die Erbauer dieses Dörfchen sich bei dem Namen etwas gedacht haben. Mir ist nie aufgefallen, dass sich dort eine Steigung befindet, seit jenem Freitag weiß ich es, es steht sogar ein Schild dort, das auf 4% hinweist. Selbiges aus einer Flasche hätte sich so manch einer gewünscht, der dort stand, denn wer je freitags auf der A 1 nach Norden gefahren ist, der weiß, was da an Lkw unterwegs ist, und der weiß zusätzlich noch, dass die Fahrspuren nach dieser Steigung auch noch von drei auf zwei zusammengeführt werden.

Nun, wir kletterten mühselig diesen Hügel hinauf und auf der anderen Seite wieder herunter, vor, neben und hinter uns schlingernde und rutschende Lkw, Fahrspuren schon längst nicht mehr zu sehen, und so manch ein Dreißig-Tonner hatte verloren, wenn er am Berg plötzlich stehen musste und anschließend wieder anfahren wollte. Von einem Stau kroch man zum nächsten, zwischendurch hatten wir das etwas aparte Erlebnis, dass uns beim Überholen eines Lkw selbiger eine riesige Ladung Schneematsch auf die Windschutzscheibe schleuderte, sodass es ungelogen schlagartig im Wageninneren stockfinster wurde. Aber auch in dieser prekären Situation behielt die beste Fahrerin von allen den Durchblick bzw. gewann ihn zwei Sekunden später wieder, ohne vorher die Leitplanke zu küssen. Und daher an dieser Stelle auch ein großes Lob und noch mehr Dank an Helmchen für ihre Fahrkünste an jenem denkwürdigen, normalen Freitag. Wenn Du nach dieser Leistung nicht als winterfest gelten kannst, dann kenn ich keinen, der das ist. Ganz große Klasse.

Wobei wir ja auch ein bisschen Glück hatten: wir kamen in mehreren Stunden Schleicherei noch zwischen Münster und Osnabrück durch. Als wir anschließend weiter Schneefall, aber noch halbwegs freie Straße hatten, konnten wir über den Verkehrsfunk hören, wie sich all die kleinen Staus auf dieser Strecke allmählich zu einem großen vereinigten, der schließlich eine Länge von ca. 40 km hatte, was dann auch zur Sperrung der Autobahn führte. Dem waren wir nur um wenige Stunden entronnen. Auch gab es im Radio schon die ersten Meldungen über Stromausfälle im Raum Osnabrück, zu diesem Zeitpunkt von den Reportern vor Ort noch mit einem Lächeln kommentiert, denn der Strom kam nach ca. einer halben Stunde wieder. Zwei Stunden später lachten sie nicht mehr, da kam der Strom nämlich nicht mehr zurück. Aber zu diesem Zeitpunkt waren wir bereits aus dem Gröbsten raus.
Zwischen Osnabrück und Bremen war es noch mal eine Schweinefahrt, es war stockfinster, nachmittags um vier, die Bahn auch nicht beleuchtet, es schneite weiter wie bekloppt, aber man konnte fahren. Zwischen Bremen und Hamburg wurde es dann weniger, und in Hamburg selbst war keine Schneeflocke zu sehen. Da konnte man schon mal ins Grübeln kommen, ob man die vorhergehenden Stunden nur geträumt hatte. In fliegender Fahrt ging es weiter nach Kiel und – um 19.15 Uhr vor dem Stadion geparkt, eine Viertelstunde vor Spielbeginn, das nenn ich Timing. Schlappe 11 Stunden von Bonn über Aachen nach Kiel, an einem ganz normalen Freitag. Es sei denn, man muss durchs Münsterland…

Schön, wenn die Spieler einen dann wenigstens entschädigen, ein 0:0-Gemurmel hätte dem Ganzen wirklich die Krone aufgesetzt. Aber es war ein Hammer-Spiel am Freitagabend, leider ohne völliges Happy End. 3:2 führte die Fortuna beim Spitzenreiter nach 90 Minuten. Nach 92 Minuten auch noch, nach 94 und 95 ebenso, der Schiri bequemte sich in der 96. Minute, abzupfeifen, da stand es dann 3:3. Natürlich wieder mal ärgerlich, aber andererseits hätte niemand gedacht, dass die Mannschaft beim Spitzenreiter überhaupt so gut würde mithalten können.

0:1 durch Eigentor Lindemann, der den Ball nach einer Ecke von Albertz (genau wie Heeren von Anfang an dabei), bedrängt von Oliver Barth, ins eigene Tor köpfte; 1:1 durch Dobry mit Abstauber nach einer Ecke; 1:2 durch Feinbier mit Kopfball nach Freistoß von Albertz unmittelbar vor dem Pausenpfiff. 1:3 durch Lambertz mit einem Sahne-Konter und Schuss aus 11 m ins rechte Eck. 2:3 durch den eingewechselten Coiner, wieder durch Abstauber, diesmal nach einem Freistoß, leider viel zu früh, so um die 60. rum. 3:3 durch Coiner, der dritte Abstauber, als Deuß, der bis dahin überragend gehalten hatte, einen abgefälschten Fernschuss von Boy nur nach vorne abklatschen konnte. 6:6 wäre auch möglich gewesen, besonders in der 2. Halbzeit ein begeisterndes Spiel, bei dem es nur rauf und runter ging.

Insgesamt ein gerechtes Remis, allerdings mal wieder mit ganz fadem Beigeschmack: in der 86. Minute Gelb/Rot für Lambertz. Was war geschehen? Fortuna wollte wechseln. Da es in Kiel weder eine Anzeige- noch irgendwelche Nummerntafeln gibt, beorderte Trainer Weidemann zunächst Lambertz an die Seitenlinie, um diesem mitzuteilen, dass er Albertz Bescheid sagen solle, weil dieser ganz am anderen Ende des Platzes stand. Schiri Schriever legte dies als Zeitspiel aus und zeigte Lambertz Gelb/Rot. Holstein-Trainer Frank Neubarth fand das völlig okay, sagte anschließend bei der Pressekonferenz, wer Zitat „ständig auf Zeit spielt und den Schiedsrichter verarscht, der muss mit so etwas rechnen“ Zitat Ende. Ich wusste ja immer, dass zuviel Kopfbälle der geistigen Gesundheit schaden, und Herr Neubarth macht da keine Ausnahme, zumal ihn wirklich niemand nach seiner Meinung zu diesem Platzverweis gefragt hatte, er wollte da nur mal kurz etwas klarstellen. Natürlich wird solch eine Auswechslung kurz vor Schluss auch zum Zeitschinden genutzt, wer wüsste das nicht. Herr Neubarth fand es halt gut, dass der Schiri hart durchgriff. Er fand es ebenso gut, dass der Schiri nur auf einer Seite hart durchgriff. Denn in derselben Szene lamentierten vier (!) Kieler, zwei davon ebenfalls mit Gelb verwarnt, beim Schiri und forderten gut sichtbar den Platzverweis für Lambertz; diesem Wunsch kam Herr Schriever gerne nach, ohne jedoch mindestens einen Kieler ebenfalls wegen Unsportlichkeit runterzuwerfen und die Regeln auf der anderen Seite genauso konsequent auszulegen. Ebenso fand es der Schiri völlig okay, dass Herr Neubarth und seine Konsorten von der Ersatzbank beim Ausgleich allesamt das Feld stürmten, obwohl das Spiel nicht beendet war. Das wäre wohl auch noch eine Minute Nachspielzeit gewesen, wenn er die Regeln auf beiden Seiten gleich streng ausgelegt hätte. Aber in der Euphorie muss man schon mal Fingerspitzengefühl zeigen, nicht wahr, Herr Neubarth? Aber irgendwie hatte Herr Schriever eh ein wenig den Überblick verloren, er zeigte nämlich, auch für die Fernsehkameras gut sichtbar, vier Minuten Nachspielzeit an. Da das Tor zum 3:3 in der 96. Minute fiel, hätte man gerne gewusst, wie er diese mathematische Unmöglichkeit zustande gebracht hatte, aber er war irgendwie nicht besonders auskunftsfreudig. Also, ein etwas trauriges Ende eines Superspiels. Wie gesagt, es war ein verdientes Remis, denn Kiel spielte zum Schluss wirklich beeindruckenden Powerfußball, aber davon sollte man sich als Schiri nicht weichkochen lassen. Was die Zuschauer von dem Spiel hielten, konnte man übrigens nach dem Schlusspfiff sehen, als ein Kieler Fan Fortuna-Trainer Weidemann öffentlich zu dieser Mannschaftsleistung gratulierte. Sagt wohl alles. Schade, dass es nicht ganz gereicht hat.

Die Rückfahrt von Kiel zwei Tage später dauerte übrigens etwas über 5 Stunden… ausgerechnet in Ladbergen mussten wir von der Bahn runter zum Autohof, um nachzutanken. Genau in dem Moment, als wir bezahlen wollten, fiel der Strom an der Tankstelle aus. Die Mitarbeiterin hinter dem Tresen fluchte, was die münsterländische Tiefebene hergab, es war nicht der erste Stromausfall an jenem Morgen. Auch beim McDonald’s nebenan mussten sie die Hörnchen wohl über der Holzkohle grillen, so schmeckten sie jedenfalls. Auch der ein oder andere abgeknickte Strommast, aus der Entfernung zu beobachten, gemahnte uns an diesen ganz normalen Freitag. Schön, dass wenigstens das Spiel so außergewöhnlich war.

Osnabrücker Hasenjagd

Fortuna verlor in Osnabrück mit 0:5, und die Fans skandierten nach dem Spiel: „Wir sind stolz auf unser Team!“ Ziemlich merkwürdig, aber es passt. Nach zwei Gelb/Roten Karten gegen Eraslan (41.) und Cebe (55.) war der Fisch schon eine halbe Stunde vor Spielschluss gegessen. Neun Fortunen wehrten sich dann noch tapfer, sodass die Osnabrücker, die das Ganze dann im Schongang nach Hause schaukeln wollten, von den eigenen Fans ausgepfiffen wurden und noch einmal richtig aufdrehen mussten. Am Ende fielen die Treffer fast zwangsläufig.

1:0 durch Reichenberger in der 2. Minute, aber im Gegenzug musste Feinbier den Ausgleich machen, völlig frei vor Berbig semmelte er den Ball übers Tor. Desgleichen Wolf, der gleich zweimal freistehend vor Berbig vergab, ich glaube, bis zur nächsten Eiszeit schießt der kein Tor mehr. 2:0 durch Menga in der 33. Minute, klares Abseitstor, was von einem Kollegen, der unfassbarerweise Osnabrücker ist, und der ziemlich genau auf Ballhöhe saß, auch sofort per SMS mitgeteilt wurde. Vielleicht hätte er den Schiri mal in seinen Verteiler aufnehmen sollen. Überhaupt, Herr Kinhöfer stolzierte mal wieder übers Feld wie all die jungen Bundesliga-Schiris, die ich weiter oben erwähnt hatte. Zu den Gelb/Roten Karten kann man sagen, die waren beide berechtigt, aber auch hier fand ich Herrn Kinhöfer etwas einseitig. Cebe zeigte er Gelb wegen Meckerns, verwarnte ihn eine Minute später mündlich und schickte ihn noch eine Minute später vom Platz. Ich lehnte mich gerade zu meiner Platznachbarin herüber und sagte: „Der soll den Cebe runternehmen!“, in diesem Moment der Pfiff und der Platzverweis. Dabei hatte ich doch gar nicht Herrn Kinhöfer, sondern Fortuna-Trainer Uwe Weidemann gemeint! So kann es gehen. Natürlich ist das selten dämlich von Cebe, allerdings hätte Herr Kinhöfer auch z.B. gerne mal auf Osnabrücks Opa Schütte reagieren können, der in der ersten Halbzeit alles wegholzte, was nicht niet- und nagelfest war, und sich so einiges erlauben durfte, bevor er überhaupt mal ermahnt wurde.

Auf einem grün-braunen Kartoffelacker mit Schneewällen an den Außenlinien, so was sieht man wirklich selten, und ich frage mich bis heute, wie dieser Platz das Prädikat „bespielbar“ erhalten konnte, war Fortuna in der 1. Halbzeit absolut gleichwertig, in der ersten Viertelstunde sogar besser, wie selbst Pelé Wollitz auf der Pressekonferenz hinterher anerkannte. Wenn der Mann gewinnt, kann er sogar ganz ordentliche Bewertungen abgeben. Nach dem zweiten Platzverweis war das Spiel entschieden, und Menga sowie die eingewechselten Wedau und Heider schraubten das Resultat noch in standesgemäße Höhen (also „standesgemäß“ bei dieser Überzahl). Von den 9 Fortunen, die da noch auf dem Platz standen, waren allein Scharpenberg (34), Albertz (34), Feinbier (35) und Heeren (32) wohl zusammen älter als die ganze Osnabrücker Mannschaft Und warum die so lange durchhalten mussten, erklärt sich bei einem Blick auf die beiden Spieler, die schlussendlich eingewechselt wurden: die Herren Kizilaslan und Nedeljkovic sind nämlich Stammkräfte in der Verbandsliga-Mannschaft der Fortuna…Für Nedeljkovic war es der erste Regionalliga-Einsatz überhaupt. Dazu meinen Glückwunsch, ich hoffe, er hat nicht sofort ein Trauma mitbekommen…

Jahresausklang

Am 10.12.2005 kam Aufsteiger Wattenscheid in die LTU-Arena, reiste wieder ab und ließ netterweise auch gleich die Punkte da. Ein verdienter 1:0-Sieg zum Abschluss des Kalenderjahres 2005. In der ersten Halbzeit brannte Fortuna ein wahres Feuerwerk ab, der Gegner schoss nicht einmal (!) in den ersten 45 Minuten auf das Düsseldorfer Tor. Bereits nach 7 Minuten hätte die Partie gelaufen sein müssen, als zunächst Barth es nicht schaffte, den Ball aus 4m über die Linie zu bringen (3.), und dann Albertz mit abgefälschtem Freistoß das Tor dermaßen knapp verfehlte, dass viele den Ball schon drin sahen. Albertz vergab auch die größte Chance des Spiels, als er, von Wolf glänzend freigespielt, aus 10m einen Abwehrspieler anschoss, anstatt sich für eine Ecke zu entscheiden. Auch Feinbier scheiterte mit einem Kopfball aus Nahdistanz am besten Wattenscheider, Torwart Joswig. Hierbei übersah der etwas merkwürdige Schiri Thielert aus Bielefeld (und Bielefeld gibts ja bekanntlich nicht, vielleicht erklärt sich so dessen Leistung) ein glasklares Handspiel der 09er. Auch weitere Hochkaräter konnten die Fortunen nicht nutzen. Als sich alles mit dem torlosen Unentschieden zur Pause abgefunden hatte, bereitete Pusic über rechts noch einmal vor, Feinbier legte auf und Lambertz stocherte die Kugel aus 6m zur hochverdienten Führung ins Netz. Ein Kullerball, mit dem er aber Joswig auf dem falschen Fuß erwischte, deshalb unhaltbar.

In der 2. Halbzeit zunächst Unerhörtes: in der 53. Minute ein Torschuss für 09 von Katriniok – der erste im gesamten Spiel für die Bochumer! Zwei Minuten später folgte der zweite, und der wäre auch fast zum Tor des Monats avanciert: weite Flanke von links ins rechte Strafraumeck, und dort nahm Thomas Rietz die Kugel mal direkt und traf zum Glück nur die Unterkante der Latte. Anschließend drehten die Gäste auf und hatten auch zwei Großchancen durch Iyodo und Toborg, die aber Torwart Deuß glänzend parieren konnte. Dadurch wurde er zum Matchwinner, obwohl seine Abschläge auch diesmal wieder erfahrenen Torwarttrainern die Tränen in die Augen getrieben hätten. Höhepunkt war eine Szene in der 2. Halbzeit, als ein Wattenscheider verletzt am Boden lag, und Deuß die Kugel zwecks Behandlung ins Aus treten wollte. Selbiges war ihm während des gesamten Spiels ganz hervorragend gelungen, diesmal, als es mit Absicht geschehen sollte, blieb der Ball im Spielfeld. Soviel zum Thema Präzision. Außerdem segelte er mal wieder souverän unter einer Ecke durch, was den Gästen eine weitere große Möglichkeit bescherte. Da ist also durchaus Potential für eine konzentrierte Wintervorbereitung gegeben.

Zum Schluss versiebten die Fortunen noch einige Konterchancen. Bzw. deren eine, als der eingewechselte Kizilaslan den Torwart umkurvte, anschließend jedoch lieber einfädelte anstatt das Tor zu machen und dafür Gelb wegen Schwalbe sah. Die restlichen Konterchancen machte der Assistent auf der Haupttribünenseite zunichte, der wie von Sinnen bei jedem langen Ball nach vorne sein Fähnchen hob. Sehr schön von meinem Platz aus zu sehen, dass allein die letzten drei Entscheidungen in den letzten 2 Minuten falsch waren. Naja, wer auch das Fähnchen hebt, wenn der Spieler erkennbar aus der eigenen Hälfte losläuft, der darf sich auch nicht wundern, wenn es für ihn im nächsten Jahr heißt: willkommen in der Oberliga…

Alles in allem verdienter 1:0-Sieg vor 6.500 Zuschauern, da man zur Pause zwingend schon mindestens 3:0 hätte führen müssen. Kalenderjahr 2005 somit beendet mit 32 Punkten und dem 8. Platz, 10 Punkte Rückstand auf Platz 2 sowie 12 Punkte Vorsprung auf Platz 15, das ist nach dem Katastrophenstart (vier Niederlagen in Folge) und der Tatsache, dass die Mannschaft insgesamt 7 Punkte in der Zeitspanne 89.-90.+x. Minute verloren hat, doch ganz beachtlich. Im gesamten Kalenderjahr 2005 (also Rückrunde letzte Saison und die 20 Spiele der aktuellen Spielzeit) wurden darüber hinaus nur insgesamt 7 Meisterschaftsspiele verloren. Es gab Zeiten, da war diese Quote schon im März erfüllt. Ist also nicht so schlecht, auch wenn man dem gemeinen Düsseldorfer Fan eh nie etwas Recht machen kann.

Weiter geht es am 04.02.06 direkt mit einem Knüller-Auswärtsspiel bei RW Essen, das mit 42 Punkten auf einem Aufstiegsplatz überwintert. Anschließend Heimspiel gegen den aktuellen Tabellenletzten 1.FC Köln II, der auch gerne in der Rückrunde dort verweilen darf, sodann der nächste Auswärtsknüller beim FC St. Pauli. Danach wird man wohl sehen, ob für den Rest der Saison Entspannung vorherrscht oder ob es noch einmal eng wird.

In der Woche nach dem Spiel löste übrigens Frank Scharpenberg seinen Vertrag auf. Es passte dann doch nicht so richtig, er war einfach zu langsam, wurde zum Schluss auch nur noch sporadisch eingewechselt, musste allerdings aufgrund der Personalnot in Osnabrück komplett durchspielen und machte für meine Begriffe dort sogar noch eine recht gute Partie. Aber für die Regionalliga reicht es einfach nicht mehr. Langweilig wird es ihm auch in seiner westfälischen Heimat wohl nicht werden, er ist bei mehreren Oberligisten als Spieler und bei einem Verbandsliga gar als Spielertrainer im Gespräch. Ich sage viel Glück und vielen Dank für den geräuschlosen Abgang, so was hat man in Düsseldorf ja eher selten. Mal sehen, ob Fortuna in der Winterpause personell noch nachlegen kann, will und wird.

Übrigens, wer am 02.01.2006 nichts zu tun hat, der kann ja mal in die Köln Arena kommen. Dort steigt der „Rheinland-Cup“, an dem auch Fortuna teilnimmt. Normalerweise interessiere ich mich nicht für Hallenfußball, aber diesmal bin ich dabei. Ich möchte doch zu gerne mal die Schlaumeier sehen, die zu einem Turnier Köln, Düsseldorf, RW Essen, Aachen und Duisburg einladen (zusätzlich noch Frankfurt). Das verspricht einige Unterhaltung.

Schlussendlich habe ich mich im Dezember auch noch in andere Gefilde gewagt und mich köstlich amüsiert. Zunächst war ich am Nikolaustag live dabei, als der Duisburger Trainer Norbert Meier gegen den Kölner Spieler Albert Streit die Rute auspackte, ohne eine zur Hand zu haben, was anschließend bei beiden einen schweren Anfall von Schauspielsucht und einen fünfminütigen Kindergarten mit ca. 30 Erwachsenen an der Seitenauslinie zur Folge hatte, über den ich herzlich lachen konnte. Da lohnte sich das Eintrittsgeld. Übrigens wurden uns unmittelbar vor dem Spiel an den Kassen Karten für die Stehplatzbereiche für 2 (in Worten: zwei) Euro das Stück angeboten. Ja, das ist die Erste Liga. Obwohl, dass das Gestümpere auf dem Platz Erste Liga war, konnte ich wirklich auch nur am Eintrag im Videotext nach erfolgter Rückkehr erkennen.

Und am letzten Donnerstag gönnte ich mir noch einen Ausflug in europäische Gefilde und schaute mir das UEFA-Cup-Spiel des HSV gegen Slavia Prag an. Ein prima Spiel der Hamburger, das 2:0 drückt nur unwesentlich das aus, was allein der Herr Mpenza an glasklaren Chancen inklusive Elfmeter verballerte, gelacht habe ich aber aus zwei anderen Gründen: zum einen wegen Alexander Laas, bei vorherigen Bundesliga-Spiel gegen Köln noch durch den Wurf eines Trommelstocks aus dem gegnerischen Fan-Block niedergestreckt, der bei seiner Einwechslung vom Stadionsprecher mit den Worten „Neu im Spiel mit der Nummer 27 – unser Drummer – Alexander Laas!“ begrüßt wurde. Großes Kino.

Zum anderen aber auch wegen eines Spruchsbandes der Fans von Slavia Prag. Weithin sichtbar stand dort nämlich zu lesen: „Slavia Intellectuals“. Und das ist zumindest mir völlig neu. Ich bin noch nie in einem Stadion gewesen, in dem Intellektuelle mit aller Macht deutlich zeigten, dass auch sie zu diesem Proletensport fahren, sogar über weite Entfernungen. Das macht doch Hoffnung.

Obwohl: vielleicht hab ich das auch falsch verstanden. Vielleicht ist das ja auch tschechisch und heißt irgendwas ganz Fieses. Ich werde mich bemühen, dies in den nächsten Wochen herauszufinden.

Bis dahin wünsche ich frohe Weihnachten, einen guten Rutsch ins neue Jahr und erfolgreichen fußballerischen Start ins Jahr 2006. Und wenn ihr in den nächsten Tagen so manchem Weihnachtsmann begegnet, dann schauet auf den rot-weißen Mantel und denket daran: Fortuna ist überall!

janus

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