1. – 4. Spieltag

Traumstart

Herzlich willkommen bei Tasmania Düsseldorf! Nach vier Spielen der neuen Saison wage ich zumindest eine Voraussage: es gibt ein nettes Lied, das dem hartgesottenen Fortuna-Fan aus finsteren Spielzeiten noch geläufig sein dürfte: „Wir fahren weit, wir fahren viel, und wir verlieren jedes Spiel!“ Dieses Kleinod deutscher Sangeskunst werden wir in den nächsten Monaten wohl des Öfteren anstimmen können. Denn bislang haben wir uns lediglich in der Nachbarschaft die Bude vollhauen lassen, die langen Touren kommen erst noch.

Bevor es los ging, konnte Fortuna noch einen Neuzugang vermelden. Ermin Melunovic wurde vom SV Wehen geholt, ein Stürmer, berühmt geworden durch ein einziges Spiel im Jahr 2001, die legendäre Begegnung des 1.FC Schweinfurt 05 gegen LR Ahlen, die Mörderpartie der damaligen 2. Liga, allein deswegen, weil sie wirklich und wahrhaftig als „Top-Spiel“ montags abends live im DSF zu sehen war. Es war eine hervorragende Schlammschlacht, die mich an längst verflossene Kindertage erinnerte, als Muttern sowohl den Nachbarsjungen als auch mich nach der Rückkehr vom Bolzplatz erst einmal unter die Dusche zu stellen pflegte, um zu schauen, unter welcher Dreckkruste eventuell ihr Sohn zum Vorschein kommen könnte. Das damalige Schlammcatchen im DSF ohne meine Beteiligung gewann Schweinfurt mit 4:2, und Melunovic machte alle vier Buden für den späteren Absteiger. Danach spielte er mal hier, mal da, knipste hier ein wenig und saß dort ein wenig auf der Bank, bis es ihn nunmehr zur Fortuna verschlug. Ein Strafraumwühler, einer, der immer da hingeht, wo es wehtut und mit vollem Einsatz spielt, leider mit 32 auch nicht ganz taufrisch und direkt nach seiner Verpflichtung – wie könnte es bei uns anders sein? – auch noch eine Woche verletzt aufgrund einer Risswunde, die er sich im Testspiel gegen Eintracht Trier zuzog, sodass er zum Saisonstart noch nicht die Kraft für 90 Minuten hatte. Aber immerhin, wenigstens ein Stürmer, diese Spezies ist ja bei uns sehr rar gesät in dieser Saison.

In der Vorbereitung gab es in acht Testspielen nur Siege, auch durchaus gleichklassige Mannschaften wurden geschlagen, Elversberg 2:0, Trier 1:0, der FSV Mainz II (Absteiger aus der Regionalliga Süd) gar 4:0, als Sahnehäubchen wurde im letzten offiziellen Testspiel sogar dem Zweitliga-Aufsteiger Sportfreunde Siegen mit 3:2 bedeutet, dass der seine Vorbereitungen auf die erste Saison des Vereins im „bezahlten Fußball“ noch ein wenig intensivieren müsse. Damit nicht alle so abhoben wie der Boulevard (siehe letzten Bericht), wurde drei Tage vor Saisonbeginn noch schnell ein Testspiel beim VfR Fischeln in Krefeld vereinbart, bei welchem Trainer Uwe Weidemann überwiegend Spieler aus der 2. Mannschaft einsetzte, und das Fortuna prompt mit 1:3 verlor. Mit dieser obligatorischen kleinen Blamage im Gepäck glaubte man, für die Saison gerüstet zu sein.

Verpatzter Auftakt

Und sie begann am 29.07.2005 um 19.30 Uhr, eine Woche früher also als die Regionalliga Süd und die Erste bzw. Zweite Bundesliga. Aufgrund der Tatsache, dass wir wieder 19 Mannschaften (und 5 Absteiger) in der Liga haben, gibt es logischerweise auch in dieser Saison wieder 38 statt 34 Spieltage. Als die Fans der anderen Ligen also noch sprachen: „Wann ist die Scheißsommerpause endlich zu Ende?“, konnten wir schon wieder frohlocken: „Och, ihr müsst noch warten? Was für ein Pech, ich geh dann mal zum Fußball…“
Wie gesagt, am 29.07. um 19.30 Uhr ging es los. Gegen 21.20 Uhr richtete ich den Blick zur Decke und dachte: „Warum war die Scheißsommerpause so früh vorbei?“ Immerhin, Zocker, die in der Fortuna schon seit Jahren einen zuverlässigen Partner bei einer ganz bestimmten Wette sehen, wurden auch diesmal nicht enttäuscht, dürften aber kaum reich geworden sein, da sich die diesbezüglichen Quoten schon der 1:1 annähern dürften, zu wahrscheinlich war das Ergebnis: auch im elften Jahr seit 1994 kein Auftaktsieg. Egal, ob auswärts oder daheim, egal, ob 1. oder 4. Liga – am 1. Spieltag ist für uns nichts zu holen. 1:2 gegen den VfL Osnabrück.

Das mit dem „Blick zur Decke“ meine ich übrigens durchaus wörtlich, denn eine Stunde vor dem Spiel wurde das Dach der Arena zugefahren. Grund hierfür war eine akute Unwetterwarnung für den Raum Düsseldorf, die 70 Liter Regen auf den Quadratmeter in den nächsten Stunden ankündigte. Normalerweise entscheidet der Schiri übrigens, ob so ein Dach geöffnet bleibt oder geschlossen wird, es sei denn, die Entscheidung wird von solch aktuellen Meldungen überholt. Der Zustand, den das Dach bei Spielbeginn hat, darf dann aber bis Spielschluss auch nicht mehr verändert werden. DFB-Regel. Na, hätten Sie’s gewusst? Also ich nicht. Schon kompliziert, was man beim modernen Fußball alles beachten muss.

Das Spiel sahen 12.000 Zuschauer, eine ordentliche Zahl, die aber das alte Fortuna-Problem offenbarte: in einer Arena, die über 50.000 Zuschauer fasst, wirkt das mit Verlaub etwas lächerlich. Die andere Spielstätte hingegen, der Flinger Broich, wäre an jenem Abend mit dieser Zuschauerzahl anderthalbfach ausverkauft gewesen. Wie man es macht, macht man es falsch.
Mit Letzterem kann man auch sehr gut das Spiel gegen Osnabrück beschreiben, denn Fortuna bot insbesondere in der ersten Halbzeit eine prima Partie, versiebte aber diverse Hochkaräter, so zum Beispiel Denis Wolf, der schon in der 6. Minute von seinem Gegenspieler konsequent ignoriert wurde und mutterseelenallein auf Torwart Berbig zu stürmte, jedoch zu lange mit dem Abschluss wartete, sodass der Keeper parieren konnte. Auch Marcel Podszus vergab zwei gute Chancen. Relativ frohgemut ging man in die Pause, denn die Fortuna hatte die Osnasen gut im Griff. Und Osnabrück ist ja nicht irgendjemand, sondern einer der ganz heißen Aufstiegsfavoriten, zudem die wahrscheinlich eingespielteste Mannschaft der Liga, hatten sie doch in der Sommerpause exakt einen einzigen Abgang zu verzeichnen, und das war noch nicht einmal ein Stammspieler. In der ersten Halbzeit war bis auf eine Chance für Feldhoff nicht viel von ihnen zu sehen.

Dies änderte sich zu Beginn der 2. Halbzeit schlagartig, als Menga auf der rechten Seite einen Steilpass aufnahm, viel Raum und Platz hatte und dann punktgenau flach in die Mitte servierte, wo Feldhoff nur noch abstauben musste. 0:1, zu diesem Zeitpunkt ein ziemlicher Witz, aber wen kümmert das schon. Nicht mehr witzig war allerdings, dass Scharpenberg direkt im Gegenzug den Ausgleich verballerte, als er nach einer Ecke und anschließendem Tohuwabohu aus acht Metern Entfernung lieber versuchte, den Ball über das Fangnetz unter das Hallendach zu pöhlen, anstatt ihn schlicht reinzumachen. Wenig später lief Fortuna wieder in einen Konter, der so identisch mit dem ersten war, dass es in den Augen weh tat, und das Spiel war gelaufen. Einzige Neuerung: Menga spielte diesmal nicht ab, sondern zog mit dem Ball von rechts in den Strafraum, ließ Andy Lambertz mal so richtig alt aussehen, schickte auch Fortuna-Torwart Nulle in die falsche Ecke und demonstrierte anschließend, dass er als Bodenturner ebenfalls eine vielversprechende Karriere vor sich gehabt hätte. Ein blitzsauberes Kontertor mit anschließendem Salto – was will man als Zuschauer mehr verlangen? Höchstens noch, dass es die eigene Mannschaft gerne hätte erzielen können. Aber irgendwas ist ja immer.

Endgültig durch war die Partei ausgerechnet in der Minute, in der man nochmals Hoffnung schöpfen konnte. In der 67. Minute musste Ali Albertz ziemlich erschöpft ausgewechselt werden, es kam der schon genannte Ermin Melunovic. Der brauchte exakt 10 Sekunden, um sich erstmals mit dem Schiri anzulegen, und danach noch mal 50 Sekunden, um einen Elfmeter für Fortuna rauszuholen. Der war berechtigt, denn die idiotische Klammerei von Enochs war noch bis unters Tribünendach zu sehen. Zudem bedeutete dies Gelb/Rot für den Osnabrücker. Jetzt das Anschlusstor, und dann noch zwanzig Minuten mit einem Mann mehr auf dem Feld, da geht doch noch was! Leider ging dann doch nichts mehr, weil Böcker ziemlich schwach schoss, Berbig ziemlich stark parierte, und wenn man schon kein Glück hat, dann kommt auch noch Pech dazu, der Ball trudelte nämlich anschließend an den Pfosten und von dort leider nicht ins Tor. Von diesem Schock erholte sich der Gastgeber nicht mehr. Dass doch noch das 1:2 fiel, war reiner Zufall und hatte auf das Spielgeschehen keinen Einfluss mehr: Flanke von rechts in den Strafraum, Podszus wollte per Kopf auf den besser postierten Melunovic auflegen, geriet jedoch in Rücklage, und aus dem Kopfball wurde eine Bogenlampe, die sich quasi in Zeitlupe neben dem doch etwas verblüfft dreinschauenden Berbig genau ins lange Eck senkte. Ja, solche Tore kassiert der, aber Elfmeter halten! Danach schaute Bundesliga-Schiri Kinhöfer mal kurz auf die Uhr, stellte fest, dass 93 Minuten rum waren, und pfiff erst gar nicht mehr an. So gesehen wirklich nur noch einen Ehrentreffer. Eine bittere, weil unnötige Niederlage, denn Osnabrück wirkte über weite Teile des Spiels eben nicht so gut eingespielt, wie alle vermutet hatten, in der ersten Halbzeit ließ sich die Abwehr mehrmals einfach überlaufen, und insbesondere bei Standards wackelte sie im gesamten Spiel bedenklich. Aber sie waren eben cleverer, nutzten ihre wenigen Torchancen und schaukelten das Spiel dann routiniert nach Hause, wobei man der Fortuna besonders gegen Ende der Partie anmerkte, dass sie dann doch einige ältere Herrschaften in ihren Reihen hat. So gesehen ein verdienter Sieg der Osnabrücker, auch wenn ein Punkt für Fortuna, wenn man das gesamte Spiel betrachtet, nicht unverdient gewesen wäre.

Und weil der Abend eh schon verdorben war, kam der angekündigte Wolkenbruch natürlich erst nach Spielschluss, als wir zum Parkplatz marschierten. Pitschnass wurde ich anschließend am Düsseldorfer Hauptbahnhof entlassen. Zeit, meine Erfahrungen mit der Deutschen Bahn mal wieder ein wenig aufzufrischen, die hatte ich in der Sommerpause etwas vernachlässigt. Sie zeigte aber sogleich, dass sie nichts verlernt hatte.

Ich nahm die Regionalbahn um 22.40 Uhr nach Aachen, um in Köln umzusteigen. Die Bahn war auch pünktlich in Düsseldorf und rollte relativ flott los. Kurz vor Köln stellte man jedoch wohl fest, dass dieser kleine Bummelzug skandalöserweise keine Verspätung hatte, und man hielt ihn mal wieder unmittelbar vor der Einfahrt in den Bahnhof an. 23.11 Uhr sollte die Bahn in Köln sein, 23.18 Uhr fuhr ein IC nach Bonn. Nach dem taktisch genialen mehrminütigen Aufenthalt in unmittelbare Zielnähe sah ich von diesem IC natürlich nur noch die Hacken, die Verspätung hatte genau ausgereicht, um ihn beim Aussteigen aus dem Zug den Bahnhof hinausrollen zu sehen. Dann mein großer Fehler, der wohl auf die mangelnde Erfahrung während der Sommerpause zurückzuführen war: bedient mit den äußeren Umständen (klitschnasse Klamotten, Spiel verloren, Köln Hauptbahnhof an sich) beschloss ich, nur noch nach Hause zu wollen, und daher ausnahmsweise eine Extra-Zahlung in Kauf zu nehmen: um 22.53 Uhr fuhr nämlich ein ICE Richtung Bonn. In diesem fabelhaften Zug gilt natürlich ein Job-Ticket nicht, weshalb für die Strecke Köln-Bonn (mit viel Großzügigkeit in der Messung 30 km) über 13 Euro fällig waren. Aber wie gesagt, es war mir egal. Flugs an einem der Automaten den entsprechenden Fahrschein gezogen – erlauschte ich die Durchsage, wonach dieser ICE 20 Minuten Verspätung haben würde. Vielen Dank, fünf Minuten eher, und ich hätte das Geld gespart! So ging es nun doch mit der Regionalbahn weiter, die kurz darauf eintraf. Ich schätze mal, um mich herum waberten schon einige Dampfwölkchen, so sehr wie ich innerlich kochte und äußerlich nass war, denn für diesen Zug hätte ich ja nicht extra bezahlen müssen. Aber die Bahn zeigte mir noch, dass man alles steigern kann, und hielt den Zug, der bis dahin pünktlich gewesen war, in Brühl an, um laut Durchsage „Zwei Fernzüge“ überholen zu lassen. Da war dann mein ICE auch dabei. Für den ich bezahlt hatte, in dem ich aber nicht saß, der später als die Regionalbahn losfuhr und trotzdem vor ihr das Ziel erreichte. Zum Glück kam kein Schaffner mehr, ich glaube, der hätte sich warm anziehen können.

Fortuna und der 1. Spieltag – das passt halt nie. In jeder Hinsicht.

Im Westen nichts Neues

Weiter ging es bereits am darauffolgenden Dienstag, 02.08.2005, beim Aufsteiger Wattenscheid 09. Die Fahrt hätte man sich sparen können. Ein Blick in die jüngere Historie zeigt, dass wir im Jahr 2001 schon einmal am 2. Spieltag in Wattenscheid angetreten waren. Damaliges Ergebnis: 0:2. Diesmaliges Ergebnis: 0:2. Aber hinterher ist man ja immer schlauer.

Eigentlich ein kurioses Ergebnis, denn Fortuna hatte gut 70 % Spielanteile und gewann das Eckenverhältnis ungelogen mit 10:0. Umso kurioser vielleicht, dass die Niederlage auch bei diesen Begleiterscheinungen völlig verdient war und sehr schön zeigt, was man sich für sämtliche Statistiken eines Spiels kaufen kann. In der ersten Halbzeit schoss Ohnesorge (was für ein Omen!) einen Freistoß für Wattenscheid flach, leider sprang die gesamte Mauer hoch, der Ball war drin. In der zweiten Halbzeit spielte Fortuna zunächst zwanzig Minuten ein Powerplay, während dem die Wattenscheider nicht aus ihrer eigenen Hälfte herauskamen. Da konnte man sehen, warum die am Wochenende zuvor 0:4 in Lübeck verloren hatten und damit auch noch zufrieden gewesen waren: unter Druck war die Abwehr unsicher wie ein Teenie beim ersten Date, ich zählte allein in diesen zwanzig Minuten drei Kerzen im eigenen Strafraum und fünf Versuche, den Ball über die Tribüne auf die ziemlich nah dahinter gelegene Abraumhalde einer Zeche zu pöhlen (die übrigens schon zu Gelsenkirchen gehört). Ein souveränes Abwehrspiel sieht sicherlich anders aus, aber es ging gut, weil Fortuna bei aller Überlegenheit einfach nichts einfiel. Und nachdem Wattenscheid Mitte der 2. Halbzeit einen prima Konter spielte und Terranova aus 10 Meter einnetzen konnte, war auch dieses Spiel durch. Einfach nur traurig, diese Leistung. Gut, wenn dann wenigstens noch das Ambiente stimmt.

Denn eins muss man hervorheben: die Wattenscheider Wurst, egal ob Variante Brat oder Curry, ist wieder da! Und das eine Jahr Oberliga hat ihr nicht geschadet, die Konkurrenz kann einpacken. Selbst Paderborn hat keine Chance. Schön, wenn sich solche Traditionen halten können. Wie sehr die Wurst überzeugte, konnte man daran sehen, dass sie zumindest auf der Osttribüne zur Pause schon ausverkauft war. Das wunderte mich auch nicht, konnte ich doch beobachten, wie während der ersten Halbzeit vereinzelt Leute die Tribüne verließen und mit bis zu sechs Würstchen in den Händen zurückkehrten – komplette Reihenverpflegung! Und diese Leute hatten auch die Zeit und Muße, dies zu tun – von den 4.500 Zuschauer waren ca. 3.000 Düsseldorfer, und wenn man sich nicht zu sehr aufregen wollte, war es schon gut, zwischendrin mal lieber Würstchen zu holen, als ununterbrochen das beobachten zu müssen, was die Lieblinge in kurzen Hosen auf dem grünen Rasen so zelebrierten.
Auch schön übrigens, dass die Wattenscheider ihre Pressekonferenz immer noch in der alten Turnhalle neben der Laufbahn abhalten, ebenso ist dies der „VIP-Raum“. Schnittchen und Sekt neben Turnmatten und Medizinbällen, ich find das richtig gut. Da behält man die richtige Bodenhaftung.

Fazit: ein Hoch auf die Würstchen, aber sportlich war es vergeudete Zeit.

4 Standards für ein Hallelujah

Somit war nach zwei Spieltagen natürlich schon wieder Feuer unterm Dach, denn der gemeine Düsseldorfer Anhänger wechselt ja zumeist zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt – irgendwelche Graustufen dazwischen gibt es nicht. Da kam das Spiel gegen RW Essen am Freitag, 05.08.2005, gerade Recht. Der Topfavorit würde der Mannschaft das Letzte abverlangen, eine gute Gelegenheit, sich zu rehabilitieren. Und in der Tat, über 18.000 Zuschauer rieben sich verwundert die Augen, nach einer Viertelstunde führte Fortuna nicht nur mit 2:0, sondern hatte auch noch zwei weitere Hochkaräter vergeben, Essen fand überhaupt nicht statt. Zunächst das erste Tor für Ali Albertz, ein Kopfball aus 8 Metern, nach toller Vorarbeit von Melunovic, der von der Torlinie zurückgelegt hatte. 2:0 durch Podszus, unter gütiger Mithilfe von RWE-Keeper Langerbein, der wohl mit einem Schuss aufs lange Eck gerechnet hatte, als Podszus vom linken Strafraumeck abzog. Unser Mann wählte jedoch die kurze Ecke, und Langerbein warf sich den Ball quasi selbst rein. Und die Führung war auch verdient, Fortuna überrollte die Essener und hatte im Anschluss durch Albertz und Heeren auch noch gute Gelegenheiten, die aber jeweils von Langerbein zunichte gemacht wurde. Man war eindeutig Herr im Haus.

Bis es in der 35. Minute Freistoß für Essen gab, und Michael Bemben zum 2:1 einschießen konnte. Das war übrigens das Ding, welches gestern im Angebot zum „Tor der Woche“ in der Sportschau war, falls es jemand gesehen hat. Da riss der Faden, und man war froh, sich mit der Führung in die Pause zu retten.
Als ich mich 15 Minuten später wieder zum Tribünenaufgang begab, warf ich mal schnell einen Blick aufs Spielfeld. Aha, die stehen alle noch rum, es ist also noch nicht angepfiffen. Ein nochmaliger Blick belehrte mich aber eines Besseren, die standen alle rum, weil sie darauf warteten, dass Bemben einen Elfmeter zum 2:2 versenken würde, was er dann auch tat. Der Schiri hatte tatsächlich keine 30 Sekunden gebraucht, um nach Wiederanpfiff auf den Punkt zu zeigen. Ich habs hinterher im Fernsehen gesehen und muss sagen, den kann man geben, Foul von Bürk an Kiskanc.
Ein Grossteil der Leute hatte also noch nicht wieder gesessen, da war die ganze schöne Führung wieder verspielt. Obwohl, ein Punkt gegen Essen, damit könnte man zur Not auch noch leben, ist ja nicht so schlecht.

Aber es kann die ärmste Sau nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Metzger nicht gefällt. Schiri Metzger aus Aachen hatte mal wieder Lust, spielentscheidend einzugreifen. Dies hatte er im letzten Jahr bereits bei zwei Spielen der Fortuna eindrucksvoll getan: in Paderborn in der 90. Minute einen Witz-Elfer gegeben, der zur 3:4-Niederlage führte, in Chemnitz den glasklaren Ausgleich aberkannt, obwohl mindestens drei Meter am Abseits fehlten. Bei der Nominierung dieses Schiris hatte man schon eine böse Vorahnung, und er enttäuschte uns nicht. Vielleicht hatte er sich auch nur gemerkt, dass der Express im Rahmen des Wettskandals auch mal einen kleinen Artikel über ihn gebracht hatte, aufgrund dieser auffällig falschen Pfiffe. Und so tat er denn, was ein Schiri tun muss, und zeigte nur sieben Minuten später schon wieder auf den Punkt. Und diesmal war es wirklich eine einzige Frechheit, Fortuna-Torwart Nulle hatte ganz klar den Ball gespielt, der Essener Kiskanc war erneut eher prophylaktisch gefallen und innerlich bestimmt ein wenig verdutzt, als Schiri Metzger wohl dachte: „Danke schön!“ und einfach mal noch einen Elfmeter pfiff. Vielleicht war Metzger auch überrascht, dass Nulle mal an den Ball kommen konnte (bis dahin hatte der ja kaum was aufs Tor bekommen), sodass er beschloss, dies zu sanktionieren. Auf jeden Fall war das fast eine genau so große Fehlentscheidung wie einst die von Herrn Gräfe gegen Osnabrück (aber wirklich nur fast – die ist auf alle Zeiten unschlagbar).

Bemben bekam nun Angst vor der eigenen Courage und ließ Wehlage den Elfer reinmachen. Er selbst setzte dann in der 87. Minute den Schlusspunkt mit dem 2:4 – wieder per Freistoß! Vier Gegentore durch zwei Elfmeter und zwei Freistöße – ich versuche seitdem, mich daran zu erinnern, ob ich so etwas schon mal erlebt habe, aber bis jetzt ist mir noch nix eingefallen.
Hätte der Bemben sich auch den zweiten Elfmeter zugetraut und zehn Minuten vor Schluss ein paar Zentimeter niedriger gezielt, als er mit einem 25-Meter-Hammer nur das Lattenkreuz traf, der wäre als fünffacher Torschütze vom Platz gegangen! Aber es reichte auch so, drei Tore in einem Spiel hatte er laut eigener Auskunft nämlich zuletzt in der Jugend mal erzielt. Es wäre auch des Guten zuviel gewesen, ein Unentschieden war für Fortuna auch in diesem Spiel drin. Zum Beispiel musste Podszus direkt nach dem zweiten Elfmeter im Gegenzug das 3:3 köpfen, aber er setzte die Flanke von Heeren völlig freistehend zwar schön gegen die Laufrichtung von Torwart Langerbein, aber auch knapp am Tor vorbei. Und dann war es wieder vorbei und die dritte Niederlage binnen 7 Tagen perfekt.

Das nennt man mal einen gelungenen Saisonstart! Obwohl man es hätte wissen können. Diejenigen, die das Spiel machen sollen, Scharpenberg, Albertz, Heeren, sind nun mal schon jenseits der 30, da ist nicht zu erwarten, dass 90 Minuten Powerfußball kommt. Da müssen dann halt andere in die Bresche springen. Im Mittelfeld war Neuzugang Canale bislang ein Totalausfall und wird es in nächster Zeit auch bleiben, denn in der Woche vor dem 4. Spieltag wurde bekannt, dass er an der Leiste operiert und mindestens vier Wochen ausfallen wird. Ja, Fortuna und ihre Neuzugänge…Lambertz ist im Formtief, allerdings auch noch dadurch begünstigt, dass er in den ersten beiden Spielen plötzlich in der Abwehr aushelfen sollte, wovon er nun wirklich nichts versteht, und was sich diese sogenannte Abwehr so zusammenkickt, ist wirklich nicht mehr feierlich. Die scheinen alle von heute auf morgen das Fußballspielen verlernt zu haben, sogar jemand wie Kapitän Dirk Böcker, in der letzten Rückrunde die Zuverlässigkeit in Person, spielt derzeit dermaßen transusig, dass ich ihn nach dem Wattenscheid-Spiel spontan zur Dopingprobe vorschlagen wollte, weil ich mir diese Leistung nur so erklären konnte, dass ihm irgendjemand etwas in den Tee gekippt hatte. Neuzugang Erdal Eraslan aus Uerdingen ist momentan so schlecht, dass man glatt meinen könnte, er wäre Krefelds letzte Rache für den Lizenzentzug gewesen, und das nach durchaus solider Vorbereitung, Bürk verschuldete drei der vier Gegentreffer gegen Essen, und zu Cakir schreib ich am besten gar nichts mehr, denn ich bin normalerweise ein höflicher Mensch. Von unserem „Sturm“ wollen wir mal gar nicht sprechen. Podszus ist kein gelernter Stürmer, er ist eigentlich der Mann hinter den Spitzen, muss aber mangels Alternativen ganz vorne spielen, Denis Wolf ist mehr ein Rechtsaußen und verbreitet auch nicht wirklich Torgefahr, ein guter Techniker, auch ziemlich schnell, aber eben auch ein Hemd, dem man bei etwas Gegenwind am liebsten einen Stein um den Hals hängen würde, weil man befürchtet, dass es ihn sonst wegpustet. Melunovic, wie schon gesagt, ein Wühler par excellence, reibt sich auf, ohne groß etwas zu reißen, kann aber eine ganze gegnerische Abwehr alleine beschäftigen. Ich hoffe, bei ihm kommt noch mehr von dem, was er bei seinen Einsätzen bisher andeuten konnte, denn das war gar nicht schlecht. Albertz schlägt noch immer geniale Pässe, was er macht, hat meist Hand und Fuß, allerdings meine ich zu bemerken, dass ihm derzeit noch nach 70 Minuten die Luft ausgeht. Scharpenberg spielt defensiv recht umsichtig und hat ein ordentliches Stellungsspiel. Das braucht er aber auch, denn er ist einfach zu langsam, wird er einmal überlaufen, sind Ball und Gegner weg.

Ein weiteres Problem ist aber auch, dass die Ersatzbank nicht adäquat besetzt ist. Der zweite Anzug passt in keinster Weise und stellt nicht wirklich Alternativen zur Verfügung. Als Henri Heeren die ersten beiden Spiele verletzt pausieren musste, fehlte prompt hinten links die Absicherung, weswegen dort auf einmal Lambertz herumturnte, der sich weder auf dieser Seite noch auf dieser Position besonders auskennt

Tja, und unser größtes Problem steht im Tor. Egal, wer drinsteht, ob Carsten Nulle oder Patrick Deuß, beide sind für mich nur Durchschnitt. Derzeit hat Carsten Nulle die besseren Karten. Dabei wird sich der Trainer schon etwas gedacht haben, könnte man vermuten. Das sehen zahlreiche Fans anders. Ich glaube allerdings eher, dass es daran liegt, dass Deuß einer der letzten Publikumslieblinge aus der Oberliga ist, die anderen haben sich oder wurden ja fast alle vom Acker gemacht. Nulle hatte nach der letzten Hinrunde nach einigen Patzern seine Position räumen müssen, sie sich in der Vorbereitung aber wieder zurück erkämpft. Das passt nun einigen nicht, weshalb sie nichts unversucht lassen, ihm auch wirklich jedes Gegentor anzuhängen. Die Mauer beim Freistoß würde er falsch stellen, in seiner Torwartecke zu weit am Pfosten stehen. Da wird bei der Argumentation teilweise mit dem Zentimetermaß gearbeitet und es spielt keine Rolle, ob Fotos oder das Fernsehen etwas anderes zeigen, Objektivität ist fehl am Platze, wenn es um einen Liebling geht. Einige Leute entblöden sich auch nicht, eine ganz besondere Argumentation ins Spiel zu bringen: als von anderer Seite darauf hingewiesen wurde, dass es im Sinne der Unterstützung für die Mannschaft vielleicht ein wenig kontraproduktiv sei, dem eigenen Torwart bereits nach fünf Minuten durch „Nulle raus!“-Rufe deutlich zu machen, was man vom ihm hält, weil ihn das eventuell noch nervöser machen könne, kam die Antwort, wenn der sich von draußen nervös machen lasse, dann müsse er sich einen anderen Job suchen. Dem stimme ich bedingt auch zu. Nur leider sind es dieselben Leute, die tatsächlich argumentieren, Nulle müsse ausgetauscht werden, weil er unsicher wirke und mit seiner Abwehr nicht rede. Ähm, hallooo – noch jemand zuhause? Da laufen diese Herrschaften in der Defensivabteilung seit Saisonbeginn wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen umher und foulen in der Nähe des eigenen Strafraums, was das Zeug hält – und der ist daran Schuld, weil er nicht genug mit den armen Kleinen redet? Also so ein Alibi hätte ich auch mal gerne für meine Arbeit. Nein, nein, es geht gerade bei dieser Debatte bei den meisten doch recht deutlich allein um persönliche Sympathien. Und da, wie gesagt, der Nulle auch in meinen Augen kein Überflieger ist, mittlerweile auch schon in der Presse zwischen den Zeilen benannt wird, obwohl ich ihm bislang keines der Gegentore ankreiden würde, wird sein erster grober Patzer wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Auch wenn es ein spielentscheidender sein sollte, einige Leute wird es wohl tatsächlich freuen, weil sie dann ihren Liebling Deuß, der im Übrigen für das ganze Theater absolut nichts kann, wieder zwischen den Pfosten haben. Und erst wenn der dann vielleicht auch mal kräftig daneben greifen sollte, wie einige Male in der letzten Rückrunde (neben sehr guten Leistungen in anderen Spielen), dann – ja, dann wird es wohl endlich mal die Abwehr Schuld gewesen sein. Vielleicht hat man dann ja auch schon eine neue Sau, die man durchs Dorf jagen kann.

Not gegen Elend

Und so ging man so richtig schön zerstritten ins nächste Spiel am 13.08.2005. Am 4. Spieltag spielte mit Lübeck gegen St. Pauli der Erste gegen den Zweiten. Was für ein Langweiler! Wer noch echten Fußball sehen will, für den gab es an diesem Wochenende nur eine Wahl: Südstadion Köln, 1.FC Köln II gegen Fortuna Düsseldorf, 19. gegen 18., beide Teams zusammen mit sechs Spielen, 0 Punkten! Wenn das nicht ein echter Kracher ist, dann weiß ich es auch nicht mehr!

Und da ich die obige Analyse der bisherigen Mannschaftsleistung ziemlich exklusiv habe – es ist nämlich nur meine eigene, ganz persönliche Meinung, der sich niemand anzuschließen braucht -, der Trainer jedoch in dem ein oder anderen Punkt, besonders, was die Abwehr betrifft, ähnliche Gedanken gehabt zu haben schien, wurde unmittelbar vor dem Köln-Spiel noch einmal auf dem Transfermarkt zugeschlagen: der 24-jährige Abwehrspieler Oliver Barth wurde von den Stuttgarter Kickers verpflichtet, trainierte zweimal mit der Mannschaft mit und legte ein blitzsauberes Debüt hin. Das macht Hoffnung für die Zukunft, aber andererseits, wenn jemand, der (zeitlich gesehen) mal eben zum Training vorbeischaut und sofort aufgestellt wird, plötzlich bester Spieler einer Mannschaft ist, sagt das viel über den Rest aus…

Und da die Kölner trotz der wirklich nervtötenden Jammerei von Trainer Christoph John nach jeder Niederlage, sein Team sei nicht konkurrenzfähig ohne Spieler aus der Profimannschaft, keine solchen gestellt bekam, wurde es das befürchtete Krampenspiel an einem wunderschönen Samstagnachmittag im Kölner Südstadion. Not gegen Elend auf ganz hohem (Elends-)Niveau. Aber momentan gibt es anscheinend einen Unterschied zwischen „schlecht“ und „Fortuna Düsseldorf“: man daddelte so ein bisschen rum, dann traf Pusic mit einem 16-m-Schuss nur den Pfosten, dann daddelte man ein bisschen weiter, und als gar nix mehr zu passieren drohte, erzielte Dirk Böcker endlich mal ein Tor – prima Kopfball in den Winkel, leider in den eigenen. Eigentor in der 44. Minute zur Kölner Führung, schlimmer geht’s nun wirklich nicht mehr.

Anfang der 2. Halbzeit zeigte man mal kurz, dass man es durchaus kann und schoss bereits 8 Minuten nach Wiederanpfiff den Ausgleich – zur Vorbereitung reichte ein langer Ball aus der eigenen Hälfte, dann nutzte Pusic einen Stellungsfehler seines Gegenspielers, ging auf und davon und überwand den Kölner Keeper mit einem Flachschuss aus 16 Metern, sein erstes Regionalliga-Tor. Im weiteren Verlauf erhöhte Fortuna den Druck, hatte auch mehr vom Spiel – und rannte natürlich in den erstbesten Konter der Kölner in der 71. Minute, den Pagano nach schöner Vorarbeit von Epstein lässig vollenden konnte. Es geht halt nix im Moment.

Doch halt, ein bisschen was geht ja immer. In der 87. Minute dieses Langeweilers kam nämlich noch mal richtig Bewegung in die Sache. Der Ball rollte irgendwo in der Nähe des Kölner Strafraums herum, als sich plötzlich eine Spielertraube auf dem Spielfeld zusammenfand und sich gar aufs Herzlichste begrüßte. Was war geschehen? Anscheinend hatte Nickenig abseits des Balles Albertz gefoult, um dessen Eingreifen ins Spiel zu verhindern. Nicht nett, sogar höchst unsportlich. Daraufhin hatte sich Albertz anscheinend mit einer Kopfnuss revanchiert, die den Kölner fällte. Sicherlich provoziert, aber ebenso sicherlich auch aus Frust über die wieder einmal eher mäßige Leistung, also kurz gesagt: dämlich. Dann brauchte der Schiri fünf Minuten, um bei der folgenden Rudelbildung alle Streithähne auseinander zu treiben und weitere fünf Minuten, um den Sachverhalt im Zwiegespräch mit seinem Assistenten rechtlich zu würdigen und auf seinem Kärtchen zu vermerken. Anschließend kam er richtig ins Schwitzen: erst zeigte er Nickenig, der von zwei Leuten mit Nasenbeinbruch vom Platz geführt wurde, Gelb/Rot, dann Albertz Rot, dann dem Kölner Tosun ebenfalls Gelb/Rot, da er sich bei der Rudelbildung besonders hervor getan hatte. Und mit allem lag er richtig, wie der Schiri überhaupt eine recht souveräne Leistung an diesem Nachmittag ablieferte, was nicht selbstverständlich war, denn es war sein erstes Regionalliga-Spiel. Einzig ein wohl klares Handspiel der Kölner im eigenen Strafraum übersah er, aber das kann passieren, denn klar war es wohl auch nur für Leute, die hinter dem Tor standen, selbst von der Tribüne aus war es nicht zu erkennen.

Nachdem der Schiri somit ein wenig Platz auf dem Platz geschaffen hatte (und ich mich besorgt fragte, ob er aufgrund der doch recht aufwändigen Kartenzieherei binnen einer halben Minute nicht eine Verletzung erlitten habe, die man landläufig als „Tennis-Arm“ bezeichnet, aber es war alles okay), wurde noch ein paar Minuten gespielt, selbst Torwart Nulle, dem auch seine liebsten Kritiker nun wirklich keinen Vorwurf machen konnten, im Gegenteil, er verhinderte eine höhere Niederlage, stürmte noch mit, aber es reichte nicht mehr. Es reichte nicht gegen die Kölner Bubis, die zu einem guten Teil aus der letztjährigen A-Jugend stammen, und denen der eigene Trainer John nach dem Spiel, natürlich neben einer gewissen Erleichterung über die ersten drei Punkte, ob ihrer Darbietung bescheinigte, bis zum Saisonende da unten nicht mehr rauszukommen. Und wenn man gegen die schon verliert, gegen wen will man dann eigentlich noch gewinnen?

Nun hat der tapfere Leser es geschafft – Schlussphase

Nach 4 Spieltagen auf dem letzten Tabellenplatz, mit souveränen 0 Punkten und 4:10 Toren, das ist kurioserweise weder der schlechteste Sturm noch die schlechteste Abwehr. Aber es passt einfach nichts, und auch der Trainer wirkt langsam ratlos. Dies kann man auch an einer ziemlich unglaublichen Variante sehen, die er in der 2. Halbzeit einführte, und die außer ihm wirklich niemand verstanden hat: er brachte Stürmer Wolf für den mal wieder völlig indisponierten Verteidiger Cakir, das war natürlich völlig okay, und Wolf gefiel mir auf der rechten Seite eigentlich auch recht gut, gewann viele Zweikämpfe, hatte aber mal wieder null Zug zum Tor. Allerdings musste ja nun die Abwehr umgestellt werden, und da stellte Weidemann Lambertz erneut auf die linke Verteidigerposition, das war eigentlich schon Witz genug, aber zusätzlich beorderte er noch den bis dato besten Stürmer, Marcel Podszus, nach hinten rechts! Und über diese Seite lief auch der Konter zum spielentscheidenden Tor, als Podszus, seinem Naturell entsprechend, zu weit aufgerückt war und Epstein aus den Augen verloren hatte. So langsam glaube ich ja, dass das die Verzweifelung des Trainers über die Abwehr ist, sodass er jetzt jeden mal hinten spielen lässt. Vielleicht könnte demnächst der Nulle mal den Vorstopper geben, dann kommt der Deuß wieder ins Tor, und ein Teil der Fanschaft kann diesen absurden Nebenkriegsschauplatz verlassen und sich wieder aufs Wesentliche konzentrieren.

Zum Beispiel auf die Einkaufspolitik, bei der Fortuna mal wieder voll daneben gegriffen hat. Gut, aufgrund der relativ späten Planungssicherheit (Klassenerhalt erst am vorletzten Spieltag) und der Senkung des Etats um 1,5 Mio. Euro konnte man nicht viel erwarten. Aber die momentane Situation toppt so ziemlich alles, was ich bei Fortuna bislang erlebt habe: Cebe und Czajor langzeitverletzt (Cebe konnte immerhin in Köln erstmals nach seiner Verpflichtung ein paar Minuten spielen), Heeren nur ein Spiel gespielt, ebenfalls wegen Verletzungen, Canale jetzt mindestens vier Wochen verletzt, Albertz mindestens ebenso lange gesperrt, ich fürchte, es wird sogar noch länger, Eraslan völlig außer Form (kam in Köln schon gar nicht mehr zum Einsatz), Scharpenberg zu langsam, Wolf zu harmlos, auch Melunovic im Köln-Spiel ohne jeden Stich. Und auf der Ersatzbank die halbe Verbandsliga-Mannschaft…

Tja, und wer nun Schuld hat, darüber kann man sich jetzt 10 Tage das Maul zerreißen, das nächste Spiel findet nämlich erst am 23.08. (Dienstag) statt, da der Gegner am nächsten Wochenende DFB-Pokal spielen muss. Dieser Gegner heißt St. Pauli und steht derzeit punktgleich mit Lübeck an der Tabellenspitze. Natürlich gebe ich die Hoffnung nicht auf, auch mal zu gewinnen, möglichst noch bevor die Saison zu Ende ist. Aber, und das ist für mich das vielleicht Schlimmste an der derzeitigen Situation: vor diesem Spiel, das vom Papier her und aufgrund der zuletzt erlebten Verfassung der Mannschaft und beim Betrachten des noch zur Verfügung stehenden Personals ein absolutes Desaster befürchten lässt, zusätzlich den wieder aufflammenden Ärger um die Arena und die Rückforderung angeblicher Darlehen (oder war es jetzt doch Sponsoring?) vor der Brust – ja, vor diesem Spiel habe ich Mitleid. Mit der eigenen Mannschaft. Denn absichtlich machen die das bestimmt nicht, sie können es anscheinend momentan nicht besser. Traurig, dass es so weit kommen musste.
Will sofort einen (Trost-)Punkt geschenkt haben: janus.

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