Intermezzo: Von einem Testlauf mit Richtfestcharakter

10.09.2004: erstes Spiel der Fortuna in der neuen Multifunktionsarena Düsseldorf. Um dieses Spiel hatte es bereits im Vorfeld viel Wirbel gegeben. Die Arena ist noch gar nicht fertig, offizielle Einweihung ist erst im Januar 2005. Aber Fortuna durfte vorher schon mal gucken, wie es sich denn so anfühlt, zumindest in einem erstklassigen Stadion zu spielen. Beziehungsweise in einer Arena. Dies wird von den Betreibern immer wieder gerne betont. Es handelt sich um eine Multifunktionsarena, in der nebenbei auch Fußball gespielt werden kann. Mit diesem Argument wurden übrigens von Anfang an keinerlei Stehplätze auf den Rängen eingeplant. Im Innenraum stehen schließlich genug Leute rum, das muss reichen. Das wiederum passt natürlich einigen Fans nicht, was diese gestern mit einem Spruchband „Pro Stehplätze“ auch deutlich zum Ausdruck brachten.

Auch ansonsten haperte es ein wenig mit der Organisation vor dem Spiel. Wer wann wie und wo seine Dauerkarte vom Flinger Broich in eine Arena-Karte umtauschen konnte, blieb ziemlich lange im Dunkeln. Den Dauerkartenbesitzern wurden dann in den einzelnen Blöcken die Plätze zugewiesen, was zur Folge hatte, dass sie, wenn sie noch Bekannte und Verwandte zum Spielbesuch animieren konnten, diese leider nicht neben sich unterbringen konnten, sondern irgendwo anders im Stadion. Diejenigen, die keine Dauerkarte haben, hatten dann noch etwas mehr Pech: die Kartenpreise für dieses Drittliga-Spiel lagen zwischen 15 und 30 Euro. Der allgemeine Aufschrei dagegen wurde vom Arena-Chef in einem Zeitungsinterview mit dem Satz „Ich kann die Aufregung gar nicht verstehen, die Preise sind doch noch moderat“ kommentiert, klares Anzeichen dafür, dass die Preise noch Entwicklungspotenzial nach oben besitzen. Dann konnte man online Tickets bestellen, deren Blocknummer sich auf dem ebenfalls online verfügbaren Belegungsplan leider an ganz anderen Stellen befanden wie in der realen Arena. Wenn dies nicht rechtzeitig bemerkt worden wäre, hätte es einigen Besuchern wenigstens eine lustige Schnitzeljagd vor dem Spiel garantiert. Die gab es trotzdem, aber dazu später mehr.

Auf Intervention der Fortuna, die an diesem Abend auch nur Gast war, Veranstalter war der Arena-Betreiber, kamen dann wenigstens noch einige Tickets für 10 Euro in den Umlauf. Diese wurden aber bevorzugt zum Gegner nach Berlin abgegeben, um von dort noch einige Fans anzulocken. Denen passte der Termin nämlich auch nicht besonders, klar, freitags nachmittags nach Düsseldorf, das kriegt auch nicht jeder hin. Überhaupt, Berlin: diese Partie wäre ja eigentlich erst am 12. Spieltag fällig gewesen. Normalerweise hätten wir gestern Abend gegen die Amateure des 1.FC Geißbock antreten sollen. Die hatten aber abgesagt, weil sie einen oder zwei Spieler ihres Teams an diesem Wochenende für den U20-Länderpokal in Duisburg abstellen mussten. Ich warte ja immer noch auf eine logische Erklärung, warum dies die Amateur-Mannschaften von Bundesligisten dazu berechtigt, Spiele verlegen zu lassen. Wegen mangelnder Chancengleichheit kann es nun wirklich nicht sein. Schließlich liefen die Kölner am letzten Samstag beim Duell mit der Dortmunder Reserve schon mit fünf Profis auf. So mussten die Berliner herhalten, die an diesem Wochenende eigentlich spielfrei gehabt hätten. Die fühlten sich, wie ich finde, nicht ganz zu Unrecht, ein wenig „missbraucht“, da sie am 1. Spieltag schon für die Neueröffnung des Berliner Olympiastadions beim Spiel gegen Hertha BSC Amateure als „Eröffnungsfans“ eingekauft wurden, ohne gefragt zu werden, mit der Folge, dass sie so ein lustiges Vorspiel bestreiten durften, bevor der Main Act Hertha BSC die Bühne betrat. Man sieht, die Stimmung war vor dem Spiel nicht die beste.

Das Kind hatte zuvor viele Namen: von einem Soft Opening wurde gesprochen, von einer Pre-Premiere, ich persönlich sah gestern Funktionspersonal, auf deren Ausweis beide Worte sprachlich genial zusammen gezogen wurden, Pre-Opening also, und der Arena-Betreiber selbst beehrte uns einige Wochen vor dem Spiel noch mit den Worten, es handele sich um einen Testlauf mit Richtfestcharakter. Man wolle mal so sehen, wo es noch Mängel gebe und wie diese abzustellen seien. Nun, wenn sie dies Ernst gemeint haben, dann müssten sie nach gestern Abend eine ellenlange Liste ihr Eigen nennen.

Um eins vorweg zu nehmen: die Arena war ausverkauft, das heißt, so weit wie zum derzeitigen Zeitpunkt baupolizeilich zugelassen. 38.123 Zuschauer bedeuten Rekord für ein Spiel in der Regionalliga Nord. Es standen noch etliche Zuschauer vor dem Eingang, die keine Karten mehr bekamen (allein am Spieltag wurden an den 24 Kassen vor der Arena noch 14.000 Tickets verkauft). Es standen allerdings beim Anpfiff auch noch etliche Zuschauer vor der Arena, die sehr wohl Karten hatten, aber noch nicht bis zur Spielstätte vorgedrungen waren. Schuld daran war ein komplettes Verkehrschaos bei der Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die auf die Menschenmassen allem Anschein nach nicht eingerichtet waren und zusätzlich – wenn’s schon schief geht, dann auch richtig – noch unter einem gut einstündigen Stromausfall der Oberleitungen zu leiden hatten. Aber getreu dem Motto, das ich eigentlich nur von der Deutschen Bahn AG kenne: Hauptsache, die haben bezahlt, wie die von A nach B kommen, kann uns ja egal sein, wurde das Spiel pünktlich um 19.30 Uhr angepfiffen. Es hatte fast den Eindruck, die wollten nicht so viele Zuschauer auf einmal auf dem Gelände haben. Dazu trug auch die pfiffige Maßnahme bei, für 38.000 Zuschauer genau zwei Einlassbereiche zur Verfügung zu stellen. Wie sich das auf diejenigen auswirkte, die 30 Euro für ein Drittligaspiel hingelegt hatten und nun erst eine halbe Stunde nach Anpfiff in die Arena kamen, kann man sich lebhaft vorstellen.

Mit dem Auto war es hingegen endlich wieder wie in alten Rheinstadion-Zeiten: da die Parkplätze am Rheinufer zum Teil aus mir nicht bekannten Gründen gesperrt waren, wurde ein Großteil der Wagen auf die Parkplätze des alten Rheinstadions umgeleitet. Wie hatte ich das vermisst: endlich mal wieder drei Euro für’s Parken bezahlen, hinterher die Karre in dem unübersehbaren Blechchaos nicht wiederfinden, weil an der Beleuchtung der Parkflächen auch gespart wurde und anschließend über eine Stunde brauchen, um vom Parkplatz wieder runter zu kommen, weil für die riesigen einzelnen Parkfelder jeweils nur eine Abgangsstraße zur Verfügung steht. Da konnten einem schon mal Tränen der Nostalgie in die Augen schießen.

Nachdem man jedoch Eingang und Sicherheitskontrolle passiert hatte, war das Gröbste geschafft. Die einzelnen Blöcke sind übersichtlich und gut ausgeschildert, Fragen dürfte es da keine geben. Und wenn doch, war das mal wieder Pech für die Zuschauer. Die netten Damen, die an den einzelnen Aufgängen postiert waren, bekannten nämlich freimütig, „nur von Farben Ahnung“ zu haben. Dies bezog sich auf die stolzen Besitzer von Arbeitsausweisen, deren fachliche Zuständigkeiten und Genehmigungen auf einer auf dem Ausweis befindlichen Farbpalette angekreuzt waren, deren Bedeutung dann auf der Rückseite erläutert wurde. Da wussten die Mädels Bescheid, bei allem anderen leider nicht. Aber hier soll ein Lob nicht verschwiegen werden, eine der aparten Damen in dunklen Kostüm gestand zwar lächelnd: „Ich hab etwas den Überblick verloren“, allerdings bemühte sie sich auch wirklich, ihn wiederzufinden und man wurde nicht mit einem Achselzucken und einem geraunzten: „Weiß ich auch nicht.“ abgespeist.. Die gaben sich wirklich alle Mühe. Dafür einen aufrichtigen Dank.

Schon weniger nett war, dass an einem Einlass Kameras einkassiert wurden, weil Fotografieren angeblich nicht gestattet sein sollte, allerdings eben nur an diesem einen Einlass (Tausende hatten ihre Kameras mit im Stadion), und an einem anderen Durchgang Rucksäcke und Handtaschen mitsamt Inhalt einkassiert und in einem Container mit Aufschrift „Fundbüro“ gelagert wurden, wo es nach dem Spiel bei der Rückgabe aufgrund der dort anstehenden Menschenmassen und des etwas überforderten Personals zu turbulenten Szenen kam.

Im Inneren der Arena ist noch vieles Baustelle, nackter Beton glänzt neben ebenso nackten Holzgeländern, aber das sieht nur lustig aus und stört mich persönlich eigentlich weniger. Auch die Verpflegungsstationen, die ich gemäß dem neben jeder Theke angebrachten Schild jetzt auch nicht mehr „Würstchenbude“ sondern „Counter“ nennen darf, mussten noch improvisieren. Bratwurst wurde gar keine ausgegeben, sondern nur Bockwurst und eine daraus zusammen gestückelte Currywurst zu 2,- Euro, über die ich lieber schweige, dazu noch Brezeln und Süßigkeiten. Zum Glück war Herbert Grönemeyer nicht vor Ort, der soll nämlich mit seinen fast schon ausverkauften Konzerten am 07./08.01.2005 die Arena offiziell einweihen. Wie er dann aber seinen Hit „Currywurst“ schmettern soll, ohne dass ein Haufen aufgebrachter „Bochum“-Fans anschließend sofort den Counter zerlegt ob dieser Fälschung, die da angeboten wird, ist mir allerdings nicht ganz klar. Aber das ist sicherlich steigerungsfähig, da will ich die Messlatte nicht allzu hoch ansetzen. Altbier wurde nicht ausgeschenkt, sondern nur alkoholfreies Pils, was in Düsseldorf eigentlich verwundern sollte, aber nicht tut, da es sich um diejenige Brauerei handelt, die einer der Sponsoren der Arena ist und daher auch einer kompletten Hintertor-Tribüne ihren Namen gegeben hat. 0,5 Liter Cola für 3,- Euro ist okay (plus 1 Euro Pfand), aber diese großen Becher störten nicht nur mich. Das ist wieder dieses typisch amerikanische Event Feeling. Ich will mir doch nicht gleich einen halben Liter Flüssigkeit reingießen, und wenn ich es mir ein wenig einteilen möchte, wird es schal. Kleinere Portionen wären durchaus angemessen gewesen. Auch sollte man sich etwas wegen der Pfandbecher einfallen lassen, die nur an den Buden selbst wieder abgegeben werden konnten, was zu noch längeren Schlangen führte. Da sollte man vielleicht über die Einführung zumindest eines „Extra-Counters“ pro Tribüne nachdenken.

Toilettenräume hingegen sind reichlich vorhanden, quasi alle zwanzig Meter lacht einen so ein Schild an, sehr ordentlich. Trotzdem kam es auch hier in der Halbzeit zu den üblichen Schlangen, weil die Bewegungsfreiheit des Einzelnen nach rechts und links vor den Urinalen doch sehr großzügig bewertet wurde. Aber natürlich kein Vergleich zum Flinger Broich, wo es zum Beispiel für die komplette Westtribüne einen einzigen Raum gibt.

Betritt man die Halle (das Dach war gestern offen), so ist man durchaus beeindruckt. Das Teil sieht für jemanden, der die Fortuna in den vergangenen zwei Jahren nur auf Oberliga-Spielplätzen gesehen hat, absolut gigantisch aus. Die Schalensitze haben immer abwechselnd sämtliche Farben, die auf der Farbpalette zu finden sind, eine psychologisch raffinierte Auswahl, denn dadurch sieht es auch bei halb gefülltem Stadion so aus, als seien die restlichen Plätze ebenfalls besetzt. Über bzw. hinter beiden Toren je eine elektronische Anzeigetafel, leider war mir der Blick auf den größten Teil derselben verwehrt, weil ich ganz oben unter dem Dach Platz nahm und das Dachgestänge den Blick auf die Tafeln teilweise verwehrt. Dafür kann man hervorragend auf den Rasen hinunter sehen, was ja wohl die Hauptsache ist. Auch ganz oben ist man nicht kilometerweit vom Rasen entfernt wie noch im Rheinstadion, da die Ränge relativ steil nach oben ansteigen und unten sehr dicht am Spielfeldrand abschließen. Die Klappsitze sind halbwegs gemütlich, die Beinfreiheit ist leider etwas eingeschränkt, was einen bedauerlichen Nachteil hat: nein, nicht, dass ich dafür einen Minuspunkt für mangelnden Komfort verteilen würde, das ist mir bei einem Fußballspiel so was von egal, aber es können in dem schmalen Zwischenraum zwischen besetztem Klappsitz und davor befindlichem Geländer keine Leute vorbei gehen. Also muss auch hier die ganze Reihe aufstehen, wenn jemand sich vom Gang aus auf Sitz 53 begeben will. Kaum sind alle aufgestanden, sieht die Reihe dahinter gar nix mehr, wie im Kino. Schade.

Das Vorprogramm, welches ab 17 Uhr laufen sollte, konnte ich mir schenken, aufgrund der oben angeführten Anreisebedingungen war ich erst im Stadion, als sich beide Teams schon warm liefen. Zum Show-Programm kann ich daher nix sagen, was aber auch besser so ist, ist dies doch eine der Gegebenheiten, die ich auch in fremden Stadien nicht sonderlich mag. Wenigstens waren keine Cheerleader zu sehen.

Nach einigen offiziellen Begrüßungsworten durften dann auch die Spieler endlich los legen (nur zur Erinnerung: während noch einige Tausend Zuschauer draußen vor den Eingängen standen), und nachdem das Spiel angepfiffen wurde, da vergaß man den ganzen Ärger, denn die Akustik in dem Laden ist einfach atemberaubend, wenn die Fans ordentlich Stimmung machen. Und dazu hatten sie auch allen Grund, denn die Fortunen, sichtlich motiviert bis in die Haarspitzen, legten los wie die Feuerwehr gegen einen, so schien es, ängstlichen und hypernervösen Gegner.

Zum Glück dauerte es bis zur 20. Minute, ehe diese Überlegenheit auch in den Führungstreffer umgesetzt werden konnte. Zum Glück für diejenigen, die zu spät kamen, denn so bekamen wenigstens einige von ihnen noch dieses historische erste Tor in der Arena mit. Wenn auch nur im Stehen, denn unter der Menge, die circa eine Viertelstunde nach Anpfiff bei mir in den Block geströmt kam, waren einige, auf deren Eintrittskarte groß und deutlich „Reihe 30“ aufgedruckt war. Diese Reihe existiert aber auf der Westtribüne (noch?) nicht! Bei 29 oben unter dem Dach ist Schluss, danach kommt nur noch eine Art breite Terrasse auf der man stehen kann. Also nicht nur ein Zuschauerrekord sondern auch ein Eintrag ins Guinness-Buch für die wahrscheinlich erste Arena, die Eintrittskarten mit Platzangaben druckt, die noch gar nicht existieren. Immerhin durften sich diese Leute irgendwo im Block ein freies Plätzchen suchen, was dann doch noch zur eingangs erwähnten Schnitzeljagd führte, die nur selten von Erfolg gekrönt war, da die übrigen Reihen ja gut besetzt waren. Diese Leute hätte man ja vielleicht auch noch auf die anderen Blöcke verteilen können. Dazu hätte ihnen aber ein Ordner etwas sagen müssen. Dies war aber nicht möglich, erstens weil das keine Ordner mehr sind, sondern, wenn ich dem Aufdruck auf der Rückseite ihrer T-Shirts glauben darf, „Scouts“, zweitens war kein einziger „Scout“ bei uns im Oberrang zu finden, der die Leute hätte aufklären können. Etwas verwirrend das Ganze, und eindeutig steigerungsfähig.

Aber zurück zum historischen ersten Tor. Fortuna-Trainer Morales hatte ein wenig umgestellt nach der Niederlage in Kiel, für den bisher in der Meisterschaft erfolglosen Stürmer-Neuzugang Marcel Podszus hatte er den bisher überhaupt erfolglosen Stürmer-Neuzugang Gustav Policella gebracht. Und der Gustav, der bei seinen bisherigen Kurzeinsätzen in der Liga durch eine, sagen wir, eher passive Leistung aufgefallen war, nahm sein Herz in beide Hände und zeigte, warum er dann doch die erhoffte Verstärkung werden kann, die er bisher nur ansatzweise war. Noch nie gesehene Dinge konnten gesichtet werden: der kann den Ball freiwillig abspielen! Der kann sogar gute Pässe schlagen! Und verdammt noch mal, er kann sogar mal Zweikämpfe gewinnen! Eine ganz starke Vorstellung von Policella, gekrönt mit dem 1:0 in der 20. Minute, als er nach einer Ecke von Ndjeng mit dem Kopf schneller am Ball war als sein Bewacher und die Kugel per Aufsetzer in den rechten Winkel setzte. Ein schönes Tor und dazu hoch verdient.

Wie überhaupt die gesamte Fortuna-Mannschaft sich stark verbessert zeigte und dem Gegner keine Chance ließ. Der Zweitliga-Absteiger besaß in der erste Halbzeit nicht eine einzige Gelegenheit, ja, er schoss auch nicht einmal aufs Tor! Dafür glänzten sie durch eine eher rustikale Spielweise und Bundesliga-Schiri Gagelmann, dem ich dieses Prädikat nach diesem Spiel eigentlich absprechen möchte, drückte manchmal nicht nur beide Augen, sondern wahrscheinlich auch noch alle Hühneraugen zu. Zwei glasklare Tätlichkeiten ließ er in der ersten Halbzeit ungeahndet (wobei ich dem Herrn von Union aus Reihe 26 Sitz 5 gerne auf diesem Wege zurufen möchte, dass auch der Versuch einer Tätlichkeit mit Rot zu ahnden ist), bemerkenswert insbesondere die zweite, als Matthias Straub, ein Giftzwerg der besonderen Art, dem am Boden liegenden Frank Mayer mit voller Absicht kräftig auf das Schienbein stieg. Dies geschah unmittelbar vor den Augen des einen Assis auf der Westtribünenseite, der auch hektisch mit seinem Fähnchen wedelte, was Herrn Gagelmann, zwanzig Meter vom Geschehen entfernt, jedoch nicht weiter interessierte, denn er hatte sowieso alles besser gesehen. Und dies war nicht der einzige Fall, in dem er mit seinen Linienrichtern nicht konform ging, der Mann scheint eine Anlage zum Alleinunterhalter zu haben. Dann ist er aber so ziemlich im falschen Geschäft.

Wie gesagt, in der ersten Halbzeit die Fortuna bärenstark, die Berliner schon weniger als harmlos, mir fällt dazu allerdings auch kein weiteres Adjektiv ein. Aber da Fortuna mal wieder gute Torchancen ausließ, konnte man zur Halbzeit auch nur vorsichtig optimistisch sein, denn eine 1:0-Führung ist bei Fortuna ja bekanntlich noch lange nicht die halbe Miete. Und fast, fast hätte es sich bewahrheitet, direkt in der 46. Minute, mit dem allerersten Torschuss der Berliner, 10 Meter rechts vor dem Tor, Drehschuss aufs lange Eck. Aber an diesem Abend wollten auch die Berliner die Feierlichkeiten nicht weiter stören. Der Ball strich Zentimeter am linken Eck vorbei, und es war die erste und letzte Torchance der Hauptstädter in diesem Spiel, in dem sie auf ganzer Linie enttäuschten.

Im Gegensatz zu ihren Fans übrigens. Circa 650 von ihnen hatten den Weg in die Landeshauptstadt gefunden, waren in der ersten Halbzeit ziemlich sprachlos ob der Vorstellung ihrer Lieblinge, forderten dann „Wir wollen euch kämpfen sehen!“ und setzten dies, als sie sahen, dass es die Mannschaft nicht sonderlich kümmerte, gleich selbst in die Tat um, indem sie fast die gesamte zweite Halbzeit durchsangen. Eine starke Leistung, an der sich deren Mannschaft mal schleunigst ein Beispiel nehmen sollte, damit es nicht ganz fixl noch ein bisschen weiter runter geht. Die können sich ja mal bei uns erkundigen, wie schnell so etwas gehen kann.

Aber kommen wir doch zur 50. Minute, die Minute, die den Fußball-Fan das ganze Kuddelmuddel, das rund um die Partie geherrscht hätte, vergessen ließ. Oder um es mit einem dummen Spruch zu sagen: das war Fußball!

Freistoß für Fortuna, circa 22 Meter vor dem Union-Tor. Fortunas neuer Regisseur Mariano Pasini legt sich in seinem allerersten Heimspiel für den Aufsteiger den Ball zurecht. Die Union-Mauer sortiert sich noch, da zirkelt Pasini die Kugel fast aus dem Stand rechts oben in den Winkel. Klasse-Tor!

Aber nicht für Herrn Gagelmann aus Bremen. Der hatte den Ball noch nicht frei gegeben und fühlte sich heftigst übergangen. Und nachdem er zuvor schon bei der ein oder anderen Blutgrätsche der Unioner Gnade vor Recht ergehen ließ, war dieses Vergehen von Pasini so schlimm und Besorgnis erregend, dass er ihm direkt Gelb zeigen musste. Ja, solche Selbstdarsteller sehe ich immer wieder gerne. Da können bei irgendwelchen Grätschen bewusst Verletzungen des Gegners in Kauf genommen werden – egal, Fußball ist ja ein Kampfsport. Aber wenn man mal nicht auf den Pfiff des Schiris wartet – an die Wand! Peinlich, peinlich.

Pasini bekommt also Gelb und fasst sich erst einmal fassungslos an den Kopf (zur Erinnerung: in der Oberliga wäre er damit bei so manchem Schiri direkt vom Platz geflogen). Dann aber denkt er sich wohl achselzuckend „Na und?“, legt sich die Kugel ein zweites Mal zurecht und haut sie dann zur Abwechslung links oben in den Winkel! Unglaublich, ein Sahne-Tor, und diesmal konnte auch Herr Gagelmann beim besten Willen nichts dagegen sagen. Ganz großes Kino in der Arena!

Damit war das Spiel natürlich entscheiden, es tat sich nicht mehr viel, die einen wollten nicht mehr und die anderen konnten nicht mehr. Bemerkenswert noch, dass Andy Lambertz mal wieder bester Fortune war, der Bengel ist derzeit in einer Riesen-Form und spielt alles, manchmal inklusive sich selbst schwindlig, eine famose Leistung, die in eine Auswechslung mündete, bei der er von einem Betreuer gestützt werden musste, weil er so platt war! Ein großes Lob auch an Pasini, der in seinem Heimdebüt alles gab und auch einige tolle Pässe spielte, deutlich zu erkennen gab, dass er der erhoffte Regisseur im Mittelfeld werden kann und kurz vor Schluss mit Wadenkrämpfen ausgewechselt werden musste. Und wenn er sich heute wieder erholt hat, dann darf ihm mal jemand erklären, dass er ab Mittwoch bis auf weiteres im Flinger Broich antreten darf. Ich hoffe, der glaubt das auch und hält das nicht für eine Verarsche, dürfte ihm unsere „normale“ Heimstatt im Vergleich zur Arena doch eher wie ein Trainingsplatz vorkommen.

Abschließend zum Spiel verleihe ich noch zwei „Arena-Eumels des Monats“ bzw. direkt „…des Jahres“, da wir ja in 2004 nicht mehr dort auflaufen werden. Der eine geht an Nicolaj Hust. Der Däne ist endlich Vater geworden (Glückwunsch hierzu), und ich hatte ja im letzten Artikel diesbezüglich die Hoffnung geäußert, dass er nun ein wenig ruhiger werden würde. Und dann das: kurz vor Schluss für Pasini eingewechselt, rannte er von der Seitenlinie in die eigene Hälfte, haute mit seiner ersten Berührung (nicht „Ballberührung“) direkt mal einen Gegenspieler um und kassierte nach geschätzt 10 Sekunden auf dem Platz Gelb. Dazu fällt mir vor lauter Kopfschütteln überhaupt nix mehr ein.

Ebenso wenig wie zur Wertung von Gästetrainer Frank Wormuth nach dem Spiel. Der Übungsleiter der bis dato eindeutig schwächsten Mannschaft, die ich in dieser Saison gegen Fortuna haben spielen sehen, behauptete glattweg, der Fortuna-Sieg sei unverdient gewesen, seine Mannschaft habe das Spiel in der zweiten Halbzeit kontrolliert und Fortuna sei ja auch in der ersten nur so gut gewesen, weil seine Spieler ihnen immer die Bälle in die Füße gespielt hätten. Ja, nee, is klar. Bezeichnend, dass ihm niemand widersprach, wer so eindeutig das falsche Spiel gesehen hat (und sehen wollte), den soll man nicht noch reizen. Aber etwas ungläubig bin ich schon, wie man so etwas ernsthaft behaupten konnte. Sollte es allerdings Ironie gewesen sein, gratuliere ich ihm aufs Herzlichste für den gelungenen Gag.

Beim Abmarsch vom Arena-Gelände kam es dann natürlich noch zum selben Chaos wie vor dem Spiel, zwar kamen die Bahnen pünktlich und auch in ausreichender Anzahl, die Fans wurden jedoch teilweise von den „Scouts“ durch ein derart ausgeklügeltes Abwanderungssystem vom Verlassen des Geländes abgehalten, dass einem der Verdacht kommen konnte, das Ganze sei ein Probelauf für eine militärische Verschleierungstaktik. Unter anderem musste eine Gruppe, die sich bis auf 300 Meter an die U-Bahn-Station heran gepirscht hatte und vor einem Bauzaun stand, sich dann auf Anweisung des Ordnungspersonals über Unter- und Oberrang „einmal ums Karree“ zurück ziehen, um schließlich von der anderen Seite auf den U-Bahnhof zu gelangen. Sensationell.

Zusammenfassend kann man sagen: natürlich muss auf einer Baustelle mit Behinderungen gerechnet werden. Das war von vorneherein klar. Ebenso klar ist, dass bei einer Premiere nicht alles rund laufen kann. Das wird auch jeder einsehen und verschmerzen können. Allerdings gibt es auch Dinge, die weiß man mit gesundem Menschenverstand schon, bevor ein Probelauf gestartet wird. Zum Beispiel, dass zwei Eingangsbereiche für 38.000 Zuschauer doch ein bisschen wenig sind. Und noch so einiges mehr. Ein bisschen Nachdenken bei der Planung kann also nicht schaden. Aber hoffentlich nimmt man die doch sehr mannigfaltigen Beschwerden über An- und Abreise, auch in der Presse, ein wenig Ernst und versucht, daran zu arbeiten. Die kleineren Mängel in der Arena selbst sollten ohnehin bis Januar Geschichte sein, wenn sie komplett fertig gestellt ist.

Und die Arena selbst? Ich persönlich fand Stimmung und Atmosphäre klasse, wie das allerdings aussieht, wenn die Arena mal nur halb gefüllt sein sollte, steht auf einem anderen Blatt. Und da Fortuna ein Verein ist, der auch in den vergangenen erfolgreichen Zeiten in der 1. Liga selten mehr als 50.000 Zuschauer angezogen hat, lautet mein persönliches Fazit: die Arena ist toll – aber eine Nummer zu groß. Wie immer bei Fortuna.

Und natürlich waren gestern Abend auch sehr viele „Arena-Touristen“ zugegen, die sich für den Fußball eigentlich weniger interessierten. Die waren auch unübersehbar, zumal eine Menge von ihnen das Stadion zum Teil erheblich vor dem Schlusspfiff schon verließ, obwohl sie eigentlich sehr zufrieden waren. Das konnte man überall hören. Diese Leute gilt es natürlich jetzt, für Fortuna zu begeistern und zu animieren, damit sie wieder kommen. Dieses Zuschauer-Potential gilt es zu nutzen.

Das ist gestern Abend teilweise gelungen. Zumindest hörte ich es beim Abmarsch von einer Menge Leute, die vor mir gingen, wie begeistert sie waren. Und dass man sich jetzt auf jeden Fall Karten besorgen wolle.

Nicht für das nächste Heimspiel der Fortuna gegen die Amateure des 1.FC Köln am kommenden Mittwoch, 19.30 Uhr, im Flinger Broich. Sondern für das „offizielle“ Arena-Eröffnungsspiel der Fortuna gegen Bayern München Ende Januar 2005. – Typisch Düsseldorf.

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