4. – 7. Spieltag

Tach, da bin ich wieder. Ich dachte, so kurz vor meinem Urlaub könnte eine Zusammenfassung der letzten Geschehnisse rund um Fortuna Düsseldorf seit dem Auswärtsspiel in Wolfsburg (11.08.2004) nicht schaden. Wer dies als Drohung interpretiert, dass mit einer „bestimmten Länge“ des Beitrags gerechnet werden kann, liegt völlig richtig und ist hiermit entschuldigt, falls er sich an dieser Stelle bereits verabschiedet. Ich wünsche demjenigen auch hier und jetzt bereits einen schönen September. Der Rest möge mir folgen in die unendlichen Weiten, die das Leben um, mit und wegen Fortuna Düsseldorf so mit sich bringt.

Also: nächstes Spiel am 14.08.2004, Heimspiel, Gegner: KFC Uerdingen. Das können wir ganz schnell abhaken, das Spiel war ein einziger Offenbarungseid, und zwar durchaus von beiden Seiten. Selten ein so schlechtes Spiel gesehen, das den Anspruch erhob, ein Drittliga-Spiel sein zu wollen. Normalerweise gehen solche Spiele ja 0:0 aus, aber ebenso normal ist, dass Fortuna irgendwelchen Grottenkicks noch die (negative) Krone aufsetzt. Und so köpfte Heun für die ziemlich schlechten Uerdinger, die es zumindest inder ersten Halbzeit ansatzweise mit Fußball versuchten, in der 40. Minute den Ball ins Tor, während Hoersen für die noch schlechteren Fortunen in der 2. Halbzeit mit einem Freistoß nur den Pfosten traf. Und dann verliert man so ein Spiel halt 0:1. Absolut unnötig, denn wie gesagt, so richtig viel zeigte Uerdingen auch nicht, aber Fortuna kam an jenem Tag einfach nicht ins Spiel, hatte kaum Torchancen und verlor schlussendlich verdient, wenn es auch etwas ungerecht anmuten mag, dass man für so einen Kick, den die Uerdinger besonders in der 2. Halbzeit hinlegten, noch drei Punkte bekommen kann. Schnell vergessen.

Halt, doch nicht so schnell. Ich muss noch mal kurz auf den letzten Artikel eingehen, in dem ich von beunruhigenden Parallelen zur Saison 2000/2001 gesprochen hatte. Von jener Saison auf die aktuelle schließen zu wollen, ist natürlich hanebüchener Unsinn und haut längst nicht mehr hin. Nach dem Uerdingen-Spiel hingegen machte ich diesbezüglich mal kurz Inventur und erschrak doch ein wenig. Denn bis zum damaligen Zeitpunkt waren die Spielzeiten zwar nicht identisch, aber mit ein bisschen Tüfteln und etwas Verschwörungstheorie im Blut ließen sich doch schon einige bemerkenswerte Übereinstimmungen feststellen.

Die erste Saison-Niederlage nach gutem Spiel in Münster damals wie heute hatten wir schon. Ebenso den ersten dreifachen Punktgewinn, der damals wie heute mit einem 3:1 eingefahren wurde, damals gegen die Dortmunder Amateure am 4., diesmal gegen Braunschweig am 2. Spieltag. Am 3. Spieltag spielte man im Jahr 2000 gegen die Werder-Amateure 1:1, wobei Werder den Ausgleich in der 90. Minute erzielte. Diesmal waren wir am 3. Spieltag bei den kleinen Radkappen in Wolfsburg, wo Roy Präger in der 89. Minute zum 1:1-Endstand ausglich. Erschreckend, oder? Aber es geht noch weiter: damals gab es am 5. Spieltag ein Heimspiel gegen den SV „Faxen macht Spaß, wenn man weiß, wie’s geht“ Wilhelmshaven. Wie gesagt, es war der 5. Spieltag. Da aber die damalige Regionalliga Nord ebenfalls aus 19 Teams bestand, hatte Fortuna am damaligen 2. Spieltag spielfrei. Damals wie heute war also das vierte Spiel ein Heimspiel, damals Wilhelmshaven, diesmal Uerdingen. Das Ergebnis in beiden Fällen: 0:1. Kann mir jemand verübeln, dass ich nach dem Uerdingen-Spiel äußerst nervös war? Ich wollte schon eine als Wartungstrupp getarnte Sabotage-Einheit los schicken, um mal die Fax-Geräte sämtlicher anderen Vereine „unter die Lupe“ zu nehmen, um den anscheinend jetzt schon feststehenden Abstieg wieder in allerletzter Sekunde vermeiden zu können. Aber zum Glück hat sich dies mit den weiteren Ergebnissen vorerst erledigt. Jetzt spielen wir nämlich auch gegen den Abstieg, obwohl es keine Parallelen zu damals mehr gibt. Nicht, dass ich das irgendwie besser fände. Aber es erspart mir wohl weitere längere Tiraden zum Thema „Parallelen zur Saison 2000/2001“ in noch folgenden Artikeln.

Nach diesem Spiel gegen Uerdingen sah dann auch der Trainer ein, dass so ein Spielmacher vielleicht doch etwas hätte. Im Mittelfeld herrscht nämlich in der Kreativabteilung gähnende Leere, seitdem der Herr Zeyer die Fußballschuhe an den Nagel gehängt hat. Markus Lösch und Nicolaj Hust sind dann doch eher von der defensiven Fraktion. Wobei ich den Hust schon einige Spiele nicht mehr gesehen habe. Der weilt nämlich in Dänemark, um seiner Frau bei der Geburt ihres gemeinsamen Kindes beizustehen, was ich sehr löblich finde. Jedoch lassen sich sowohl Frau Hust als auch der zukünftige dänische Nationalspieler bei der WM im eigenen Lande 2026 (oder 2027 bei den Frauen, ich weiß es nicht genau) etwas Zeit, weshalb Hust noch nicht wieder in Düsseldorf gesehen wurde. Wobei ich gestehen muss, dass ich ihn bislang nicht sonderlich vermisse. Nicht, dass ich ihn nicht mögen würde, nein, er ist definitiv schöner als David Beckham, aber wie gesagt, im Mittelfeld bringt er ziemlich wenig nach vorne, und für einen eher defensiveren Spieler foult er meiner Meinung nach zuviel und wandelt deshalb des öfteren am Rande eines Platzverweises. Aber vielleicht lässt ihn ja der Nachwuchs, wenn er denn endlich da ist, etwas geschickter zu Werke gehen.

Ein Spielmacher durfte es also mal gerne sein, und in der Not frisst der Teufel Fliegen und das sogar mit einem Salto rückwärts. Fortuna holte sich nämlich ihren dritten Argentinier, Mariano Pasini, der ein klassischer Spielmacher sein soll. Salto rückwärts deshalb, weil der Herr Pasini während der Vorbereitungszeit schon ein Thema war, allerdings seine Gehaltsforderungen die Portokasse der Fortuna erbleichen ließen. Keine Ahnung, ob er sich nunmehr zum Dumping-Preis angeboten hat, weil ihn kein anderer Verein haben wollte, oder ob ihn jetzt irgendein Fortuna-Sponsor als Werbungskosten von der Steuer absetzt, auf jeden Fall wurde er verpflichtet. Natürlich muss er noch Trainingsrückstände aufholen und darüber hinaus werden die Spielgenehmigungen vom argentinischen Verband ja traditionell per Brieftaube übermittelt, ein Verfahren, welches uns vom letzten Jahr mit Victor Lorenzón noch bestens in Erinnerung ist. Deshalb konnte Pasini im August auch gar nicht mehr eingesetzt werden.

Am 21.08.2004 war dann endlich DFB-Pokal-Zeit. Der VfL Bochum erschien zum Wettbewerb mit den eigenen Gesetzen im Flinger Broich, die Bude voll, endlich mal wieder ein erstklassiger Gegner, Pokalfieber, und ich, wie im letzten Artikel schon angemerkt, auf einem Geburtstag in Meppen verplant.

Nun hat es fünf Jahre gedauert, bis ein Erstligist zu einem Pflichtspiel in Düsseldorf erscheint. Wer weiß, wann es das nächste Mal der Fall sein wird? Außerdem wollte ich am darauf folgenden Sonntag in Meppen das Oberliga-Spiel des dortigen SV gegen den kultigen Aufsteiger Barmbek-Uhlenhorst verfolgen. Ein Blick in den Videotext verriet mir jedoch, dass ich mich verguckt hatte, die hatten schon eine Woche zuvor gegeneinander gespielt (3:2 für Meppen, falls es jemanden interessiert). Das gab dann den Ausschlag. Zumal das Geburtstagskind in einem Alter ist, in dem es, von bedauerlichen Unglücksfällen einmal abgesehen, zu 99,9 % wahrscheinlich ist, dass man ihr auch im nächsten Jahr wieder würde gratulieren können. Somit wurde der Besuch meinerseits ebenso verlegt, wie ich es am Karnevalsfreitag diesen Jahres bei einem Geburtstag im selben Haushalt schon getan hatte, weil Fortuna damals im Pokal in Uerdingen bei einem damals noch klassenhöheren Gegner spielte. Aber sie haben es wieder sehr verständnisvoll aufgenommen. Ich habe sogar die Hoffnung, dass sie auch weiterhin mit mir sprechen werden. So in etwa ab Januar 2005, wenn ich Glück habe.

Nun, das sollte das Erlebnis zunächst nicht trüben, denn die erste Halbzeit des Pokalspiels war wirklich Klasse. Peter Neururer, mit allen Stars seiner UEFA-Cup-Truppe angetreten, gab hinterher offen zu, dass seine Mannschaft in den ersten 20 Minuten mit dem aggressiven Forechecking der Fortuna überhaupt nicht zurecht kam. Folgerichtig stand es auch nach 10 Minuten 1:0, als Podszus einen Pass von Kruse aufnahm und aus 16 Metern flach an Vander vorbei zur Führung einschob, nachdem sich Alexander Knavs einen groben Stockfehler geleistet hatte, der zeigte, dass auch solch hoch bezahlte Leute an manchen Tagen in der Oberliga ziemlich dumm ausgesehen hätten. Es gab auch noch Chancen, die Führung auszubauen, bis Bochum merkte, dass das eben nicht ganz so im Vorbeigehen zu erledigen war. Als sie besser ins Spiel fanden, stand es dann auch ruckzuck 2:1 für die Ruhrpottler, beide Treffer durch Peter Madsen. Besonders ärgerlich der zweite Treffer, ein Foulelfmeter, verursacht von Fregene an Bechmann, wofür unser Eisenbieger allerdings wirklich nicht viel konnte, weil er mit einem haarsträubenden Pass ausgerechnet von Routinier und Mannschaftskapitän Lösch am eigenen Sechzehn-Meter-Raum arg in die Bredouille gebracht worden war. Tja, und wenn schon solchen sturmerprobten Leuten die Nerven flattern…

Leider war es nach der tollen ersten Halbzeit allzu schnell zu Ende, denn schon 10 Minuten nach Wiederanpfiff erzielte Lokvenc das 3:1 und danach hätte man das Spiel abpfeifen können, es tat sich nichts mehr. Bemerkenswert jedoch, dass der Treffer, auch im Fernsehen gut sichtbar, dreifach irregulär war, ich glaube, das gibt es auch nicht besonders oft. Zunächst war der Freistoß, der zum Tor führte, mehr als nur ein Witz (bloß kein harter Körpereinsatz gegen einen Bundesliga-Star, von diesem Leitsatz machte der Schiri so manches Mal Gebrauch), dann wurde Lambertz von einem Bochumer aus der Mauer geschoben (internationale Härte, ich vergaß), Colding haute das Ding an den Pfosten, den Abpraller brachte Wosz nochmal in den Strafraum, dort wurde für Lokvenc aufgelegt, nachdem sich im Strafraum mit einem Bochumer Ellenbogen noch etwas Bewegungsfreiheit verschafft wurde. Glückwunsch an den Schiri, solche Fehlentscheidungen sind wirklich schon etwas Besonderes. Natürlich ändert das nichts daran, dass Bochum verdient gewann, ärgerlich bleibt es allemal. Es war übrigens der einzige Torschuss, den Lokvenc im gesamten Spiel abgab. Ja, wenn wir doch auch mal so einen hätten…

Vier Tage später ging der Liga-Alltag mit dem Beginn unserer drei Auswärtsspiele in Folge weiter, wieder mal mit einem deutlichen Signal, dass niemand die Amateur-Mannschaften irgendwelcher Bundesligisten braucht. 900 Zuschauer beim Spiel in Berlin gegen die Amateure von Hertha BSC – davon die Hälfte Fortuna-Fans! Wohlgemerkt, an einem Mittwoch. Diejenigen, die Hunderte von Kilometern fahren mussten, die kamen, diejenigen, die um die Ecke wohnen, interessierten sich nicht die Bohne für das Spiel. Immer wieder traurig.

Traurig auch, dass die Hertha mal zeigte, was sie so von ihren Amateuren hält, indem sie gleich vier Spieler aus dem Profi-Kader einsetzte plus die inziwschen reamateurisierten Tretschok und Covic, die ich auch nicht gerade als fußballerische Leichtgewichte bezeichnen würde. Dagegen war der eine Präger bei Wolfsburg schon eher eine faire Aufstellung. Gerechterweise siegte Fortuna 2:0, durch zwei Tore von Frank Mayer, einen Kopfball in der ersten Halbzeit und das spielentscheidende Tor kurz vor Schluss, so cool gemacht, dass man fast Absicht unterstellen könnte: Konter Fortuna, flacher Pass von Ndjeng in die Mitte auf Mayer, der grätscht in den Ball und produziert ein Kullerchen, das aber schön fies gegen die Laufrichtung von Tremmel rollte und daher unhaltbar war, auch wenns etwas komisch aussah. Prima Tor! Und der Sieg war verdient, Hertha konnte die Fortuna-Abwehr nicht ernsthaft gefährden und so stand endlich mal hinten die Null.

Diese Serie musste natürlich sofort ausgebaut werden und daher gab es wiederum drei Tage später beim Wuppertaler SV ein torloses Unentschieden. Der WSV, noch ohne Saisonsieg und derzeit in so lustigen internen Querelen verstrickt, dass einem alten Fortunen vor lauter Wiedererkennungswert das Herz aufgehen könnte, war in der 2. Halbzeit etwas mehr am Drücker (über die erste Hälfte weigere ich mich zu schreiben), als Fortunas Kapitän Markus Lösch zwanzig Minuten vor Ende der Partie allerdings mit Gelb/Rot vom Platz flog, erschraken die Wuppertaler wohl über die Möglichkeit, hier ihr erstes Spiel zu gewinnen und hatten danach keine einzige Torchance mehr. Im Gegenteil, Fortunas Bester in den letzten Wochen, Andy Lambertz, hatte tatsächlich für Fortuna in Unterzahl noch den Siegtreffer auf dem Schlappen, doch seinen Schuss aus knapp 12 Metern konnte Maly glänzend parieren. Ein Sieg wäre auch für keine von beiden Mannschaften so richtig verdient gewesen. Thomas Hoersen rettete uns den einen Punkt in der 2. Halbzeit, als er auf der Torlinie stehend bei einem echten Volley-Knaller von Andreas Gensler (ja, genau der Ex-Fortune, der gegen uns immer so gern trifft) tapfer seinen Kopf hinhielt und das Leder an die Unterkante der Latte lenkte, von wo aus es ins Feld zurück prallte. Mehr gibt es auch von diesem Spiel nicht zu berichten. Die teilweise doch recht unfreundliche Behandlung durch Wuppi-Personal ist schließlich Standard, wenn Fortuna anrückt und daher keiner Erwähnung wert. Ups…

Nach dem Spiel befand der Trainer übrigens, dass zur Ergänzung des Kaders noch ein weiterer Stürmer notwendig sei. Dreimal dürft ihr raten, aus welchem Land er kommt. Natürlich Argentinien, womit wir so langsam mit dem VfL Wolfsburg gleich gezogen haben dürften. Der Mann heißt Walter Otta, hat – wie bei Fortuna nicht anders zu erwarten – einen italienischen Pass und war mal Torschützenkönig in Chile. Und zwar 1997, kein Witz. Da bin ich wirklich mal gespannt, ob er diese Form konservieren konnte. Er traf erst Anfang September in Düsseldorf ein und könnte frühestens beim Spiel gegen Union Berlin eingesetzt werden, wenn bis dahin die Brieftauben…aber ihr wisst schon. Also kann ich momentan außer seinem Namen wahrlich nix über ihn sagen. Time will tell.

Aber dann! Ich sag nur: 04.09.2004. Drittes Auswärtsspiel in Folge, diesmal bei Holstein Kiel. Das mag dem ein oder anderen ein leichtes Gähnen entlocken, mir nicht, habe ich doch vor einiger Zeit ebenso einige Zeit in Kiel verbracht, um dort zu arbeiten und von dort aus die weite Welt zu erkunden. Logisch, dass ich mich auf dieses Auswärtsspiel ganz besonders freute. Da ich zwar nicht mehr so ganz in meiner damaligen Branche arbeite, aber immerhin noch denselben Arbeitgeber habe, wurden bereits vor Wochen zarte Kontakte geknüpft und die Unterkunft für dieses Wochenende gesichert. Am Freitag, den 03.09., konnte es los gehen.

Es ging zunächst unfassbar gut los: der IC, mit dem ich von Bonn nach Hamburg fuhr, hatte keinerlei Verspätung und ich darüber hinaus eine sehr nette Sitznachbarin, mit der ich mich vier Stunden bestens unterhielt. Ich werde das jetzt bei Reservierungen immer beantragen. Wenn der Sitznachbar stimmt, ist alles halb so wild. Und diese Kleinigkeit werden die für mich ja wohl einrichten können.

Also, äußerst gut gelaunt betrat ich den Regionalexpress von Hamburg nach Kiel. Pinneberg wurde noch gemeistert (weiß jemand, dass die angeblich die größte Baumschule Europas haben? Nein? Dann jetzt aber), kurz darauf fand ich mich jedoch auf dem Bahnsteig von Wrist wieder. Wo das ist? Ich habe keine Ahnung. Ebenso habe ich keinen Schimmer, wie der Mensch in Brokstedt (ein Stück weiter von „Keine Ahnung“) auf das dortige Gleis gelangen konnte, wo er zu diesem Zeitpunkt ziemlich verstreut lag. Und da Brokstedt wie gesagt nur über ein einziges Gleis verfügt, musste dieses erst wieder frei geräumt werden, ehe der Zugverkehr in beiden Richtungen wieder frei gegeben werden konnte. Jaja, wenn die Bahn schon pünktlich ist, dann geben sich andere Leute eben Mühe. Wobei ich weiß, dass das eine ziemlich traurige Angelegenheit ist, aber zu diesem Zeitpunkt war sie zweifellos bereits geschehen und nicht mehr rückgängig zu machen. Und so besichtigte ich halt 45 Minuten den Bahnhof von Wrist. Sehr malerisch. Dann schlug das Ganze auch noch zu meinem Vorteil aus, denn da der Aufenthalt sich alle fünf Minuten verlängerte, wurden Busse herangekarrt, die die Leute, die nur die halbe Strecke fahren wollten, nämlich bis Neumünster, nunmehr auf dem Straßenwege weiter beförderten. Eine unkontrollierbare Masse strömte aus dem Zug auf den Bahnhofsvorplatz und ich bekam endlich einen Sitzplatz im Zug. Im Gegensatz zu den meisten der nach Neumünster Reisenden, als sie am Bahnhofsvorplatz ankamen, standen da nämlich genau drei Busse. Die entsprechenden Verteilungskämpfe zu beobachten, verkürzte die restliche Wartezeit, bis es dann weiter ging.

Auch der Fahrdienstleiter, sprich Lokomotivführer, wollte noch etwas zum Gelingen des Abends beitragen. Als wir an einem Signal nämlich noch einmal fünf Minuten stehen mussten, um den Zug aus der Gegenrichtung passieren zu lassen, da sagte er dies durch und begann seine Ansage wortwörtlich mit: „Hallihallo, hier spricht ihr Lokomotivverführer…“! Wohl dem, der sich in schweren Zeiten seinen Humor noch dermaßen bewahrt.

Schlussendlich langte ich mit 30minütiger Verspätung in Kiel an, wurde von einer Bekannten abgeholt (auch Fortuna-Fan, auch 5 Jahre in Kiel gewohnt…man sieht, wir sind wirklich überall) und zu meiner Unterkunft kutschiert. Schnell das Zimmer bezogen, unmittelbar am Wasser, mit Blick auf den Marinehafen, sehr schön, und dann den Tag in der Forstbaumschule ausklingen lassen. Hierbei handelt es sich um eine Art Parkcafé/Restaurant mit riesigem Biergarten und großer Tradition, dem Geschichtsinteressierten sei gesagt, dass ich diesen Namen schon in Buch-Erinnerungen von Marineoffizieren aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden habe. Herrliches Wetter, man konnte bis zum Schluss draußen sitzen. Dass langsam Schluss war, zeigte gegen Mitternacht ein kleiner Igel, der furchtlos den Biergarten enterte, hier und da einen Essensrest vom Boden verspeiste und sich im Scheinwerferlicht der Terrasse sonnte, um anschließend wieder seines Weges zu ziehen, nachdem er den letzten Gästen genügend „Oh“s und „Ah“s entlockt hatte.

Beim Abmarsch konnte ich dann noch beobachten, dass Kiel über dieselben Trottel verfügt, die einem auch in Bonn oder Düsseldorf zwangsläufig über den Weg laufen. Wenn ich schon nachts unbeleuchtet besoffen Fahrrad fahre, sollte ich es mir sparen, damit auch noch Treppen hinunter zu rasen. Und sollte ich das wider Erwarten heil überstehen, sollte ich dies als himmlische Fügung nehmen und schleunigst absteigen. Ich sollte nicht die noch vorhandene Grundgeschwindigkeit dazu benutzen, um gegen den wirklich einzigen Poller weit und breit zu donnern, der auf dem Bürgersteig hinter der Treppe steht. Naja, der Typ hatte wohl nur ein paar Schürfwunden, aber das Fahrrad sah danach nicht mehr so ganz gut aus und gab auch merkwürdige Geräusche von sich, als es wieder in Bewegung gesetzt wurde. Aber wie gesagt: bei solchen Anblicken fühlt man sich fast schon wieder heimisch.

Am nächsten Morgen wurde ich etwas ungewöhnlich geweckt, nämlich durch das Tuten eines Schleppers. Ein Blick aus dem Fenster offenbarte, dass zwei dieser stämmigen kleinen Kerlchen soeben ein riesiges Versorgungsschiff (ein sogenannter Einsatzgruppenversorger, falls hier Fachleute mitlesen) von der Pier verholten und aus dem Hafenbecken schleppten, wobei sie ohne Unterlass ihre Typhone betätigten. Da man so etwas nicht alle Tage geboten bekommt, also zumindest nicht hier in Bonn, nutzte ich die günstige Gelegenheit, aufzustehen und ein wenig im Hafengelände umherzustreifen und alte Erinnerungen aufzufrischen, bis mich meine Begleiterin, die mich an jenem Wochenende wirklich klaglos durch die Gegend kutschierte, dafür nachträglich nochmals herzlichen Dank, abholte, und wir die paar Minuten zum Stadion zurück legten. Zu Fuß wäre es auch möglich gewesen, aber dafür war es bereits zu warm.

Am Stadion erwarteten mich zunächst ein, nein zwei Schocks. Zum einen war der Vorplatz mit reichlich grünen Uniformen gesegnet, und am Bahnhof soll es wohl noch schlimmer gewesen sein. Dies erklärt sich aber dahin gehend, dass an diesem Samstag in Kiel gleichzeitig das Hafenfest, der Tag der Offenen Tür im Kieler Landtag mit Anwesenheit der Ministerpräsidentin und anderen wichtigen Leuten sowie das Spiel gegen einen Gegner statt fanden, bei dessen letzter Anreise es vor zweieinhalb Jahren an der Tanke gegenüber dem Stadion wohl leicht gescheppert hatte. Der örtliche Einsatzleiter hatte wahrscheinlich wochenlang vorher schon Alpträume und schickte an jenem Tag alles, was laufen und eine Uniform tragen konnte, nach Kiel. Vorab bemerkt, am und im Stadion blieb alles ruhig, ob am Landtag irgendwelche enttäuschten Polit-Touristen randalierten, weil auch Heide Simonis ihnen das Konzept von Hartz IV nicht schlüssig erklären konnte, ist mir nicht bekannt.

Der zweite Schock war das Stadion. Von außen sieht das ja wie neu aus! Wenn ich da an die Bruchbude denke, die ich vor etlichen Jahren zuletzt besucht hatte! Eine schöne neue Außenfassade mit integrierter Gastronomie, sehr fein. Auch die Rückseite war sehenswert, es ist nämlich eine schöne kleine Haupttribüne entstanden, auch wenn ich blaue Sitze nicht unbedingt sehr attraktiv finde, aber was macht das schon, in „unserer“ Arena hat man ja gleich alle Farben genommen, die auf der Palette zur Verfügung standen. Die Gegengerade und Hintertorkurven sehen zwar immer noch etwas baufällig aus, aber immerhin sind sie vom Unkraut befreit worden, um dessentwillen ein Witzbold das Stadion vor Jahren mal beim WWF angemeldet hatte, um diese äußerst seltene Unkrautart vor der Vernichtung zu schützen. Doch, ist sehr nett geworden.

Nett waren auch die Kieler Fans, mit denen man sich ordentlich unterhalten und auch ein Bierchen schlürfen konnte. Aber da gibt es natürlich immer Ausnahmen. Diesmal ausgerechnet unter den Leuten mit den wichtigen Plastik-Bändchen am Handgelenk. Was von diesen VIPs im Laufe des Spiels gepöbelt wurde, würde mir hier völlig zurecht einen Verweis einbringen, wenn ich es wörtlich wiedergeben würde. Keine Ahnung, warum die Schaum vor dem Mund und Luft im Hirn hatten. Vielleicht haben die wirklich gedacht, wer so viel Kohle hinlegt wie sie, der dürfe sich tatsächlich ungestraft hemmungslos daneben benehmen. Vielleicht sind es aber auch nur Hinterwäldler, die noch nie über Papas Bauernhof hinaus gekommen sind und daher dachten, so redet man im Rheinland. Selten so etwas – sorry – Asoziales erlebt wie dieses „VIP-Publikum“.

Die waren genauso unerfreulich wie die erste Halbzeit des Spiels. Dazu muss man wissen, dass Kiel nicht umsonst in dieser Saison als Aufstiegsfavorit gehandelt wird. 15 Neue wurden geholt, auf der Bank ein gewisser Frank Neubarth als Trainer und ein gewisser Klaus Thomforde im Trainerstab. Fast alle Spieler des KSV Holstein verfügen über geballte Erst-, Zweit- und/oder Regionalliga-Erfahrung. Frank Neubarth kann es sich sogar leisten, einen André Breitenreiter (HSV, Unterhaching) wahrlich nicht einer der Schlechtesten und keineswegs schon zum alten Eisen zählend, mal eben 70 Minuten auf der Bank schmoren zu lassen. Dafür hat er ja dann Leute wie Henzler (Union Berlin), Sandmann (HSV, Union Berlin), Tutas (RW Essen), Molata (HSV, Bielefeld, Union Berlin), Piorunek (Braunschweig, Münster) und noch so einige andere auf dem Feld. Eine bärenstarke Truppe, die in der ersten Halbzeit auch genauso spielte und Fortuna auseinander nahm. Besonders in den ersten 20 Minuten wurden fast im Minutentakt Chancen heraus gespielt. Während dieser Zeit kam Fortuna gerade dreimal über die Mittellinie und in die Nähe des Kieler Tores. Das war eine schöne Lektion, wie weit man an durchschnittlichen Tagen noch von einem Spitzenteam entfernt ist. Fortuna schwamm ohne Ende, und erst als Trainer Morales Mitte der ersten Halbzeit den ziemlich indisponierten Ndjeng aus dem Spiel nahm und Pasini zu seinem Regionalliga-Debüt verhalf, wurde es etwas ruhiger. Zu seinem Spiel sage ich mal: Naja, geht sicherlich auch besser. Andererseits: für den Anfang habe ich schon Schlimmeres gesehen, also auch hier erstmal: abwarten.

Das 0:0 zur Halbzeit war für Fortuna äußerst schmeichelhaft, und diese Wortwahl ist eine Untertreibung ersten Ranges. Dies änderte sich mit Beginn der 2. Halbzeit, als die Mannschaft plötzlich dagegen hielt und mitspielte, wodurch sich ein richtig gutes Spiel entwickelte. Nur drei Minuten nach Wiederanpfiff deutete Pasini seine Gefährlichkeit mit einem Freistoß an, den Henzler nur prallen lassen konnte, den Nachschuss setzte Podszus knapp über die Latte. Nur drei Minuten später machte es Mayer besser und erzielte nach einem tollen Konter ein Tor, welches allerdings zurecht wegen Abseitsposition nicht gegeben wurde. Das Spiel wogte hin und her, Chancen hüben wie drüben, bei strahlendem Sonnenschein, endlich hörte man auch mal was von den 5.100 Zuschauern, kurzum, es war eine Halbzeit der unterhaltsameren Art – da erzielte Kiel durch Molata mit einem Kopfball nach Freistoß das 1:0 für Holstein.
Das war jetzt wirklich nicht mehr verdient, aber wen interessiert das noch. Die Fortunen hingegen waren derart geschockt, dass sie nahezu bewegungsunfähig über das Spielfeld taumelten und den Holsteinern nur zwei Minuten später mit einem Traumtor die Vorentscheidung ermöglichten: auf der rechten Seite hebelten drei Kieler die Fortuna-Abwehr mit Doppelpass und Hackentrick aus, das sah so aus wie Brasilien gegen Angola, dann der halbhohe Pass in die Mitte und am linken Strafraumeck packte Tutas einfach mal die selbige Klebe aus und nagelte den Ball halb hoch rechts ins Eck. Wie gesagt, ein Tor, das man nicht alle Tage sieht, selbst Frank Neubarth, eigentlich kein Ausflipper vor dem Herrn, war kaum noch zu halten. Fortunas Torwart Carsten Nulle kassierte nach dem Treffer Gelb fürs Ballwegschießen und wahrscheinlich noch 50 Euro Geldbuße für die Vereinskasse von Holstein obendrauf, denn so schnurgerade, wie der Ball am Himmel empor stieg, weit über die Tribüne hinweg Richtung Förde, mit voller Wucht und Wut getreten, würde es mich nicht wundern, wenn sie das Leder niemals wieder gefunden haben und ihm nun die Kosten für eine Neuanschaffung in Rechnung stellen würden. Gegen diese Wumme hat Uli Hoeneß 1976 einen unbedeutenden Flachschuss aufs tschechoslowakische Tor losgelassen.

Das Ärgerliche war ja, dass Fortuna bewies, dass man durchaus mithalten konnte. Der Anschlusstreffer zum 1:2 war nämlich auch vom Feinsten: Linksflanke von Tytarchuk auf Policella, der, kurz zuvor für Mayer eingewechselt, seinen üblichen einen Lichtblick pro Spiel hatte und nicht sinnlos aufs Tor köpfte, sondern prima zurück legte auf Lambertz, der den Ball runternahm, im Strafraum noch zwei Gegenspieler wie Slalomstangen stehen ließ und an Henzler vorbei ins Netz einschob. Auch prima gemacht, aber leider war es das, und somit war das Spiel verloren. Insgesamt betrachtet natürlich verdient, wenn man nur die 2. Halbzeit nimmt, muss man sagen, durchaus unglücklich. Schade, ich hätte mir bei der Rückkehr an alte Wirkungsstätten wirklich einen Punkt gewünscht. Aber man kann ja nicht alles haben.

Nach diesem frustrierenden Ende musste mal wieder ein Gemütsaufheller her. Und so wurde beschlossen, nach einem kleinen Bummel am Bahnhof, der ja direkt am Ende der Förde, der sogenannten „Hörn“ liegt, und bei dem wir uns die „AIDA blu“ anschauten, die dort vor Anker lag, zum Plöner See zu fahren. Eine stille Genugtuung für mich. Denn die Seen rund um Plön sind wirklich sehr schön, die ganze Landschaft ist sehr malerisch, noch dazu bei so einem tollen Wetter. Ich allerdings kannte die Plöner Seen nur mit 20 kg Gepäck auf dem Rücken und einer Umrundung auf Zeit in so lustigen olivgrünen Klamotten, die ich mir mal für 3 Monate eingehandelt hatte. Daher erfüllte mich der ungehemmte Genuss des Sonnenuntergangs am Badestrand des Kleinen Plöner Sees (wobei der Strand genauso groß ist wie der Name des Sees andeutet) doch mit einer gewissen innerlichen Befriedigung. Da konnte man glatt vergessen, dass man einige Stunden zuvor verloren hatte. Anschließend wurde noch ein McDonalds in Raisdorf besucht, was nicht weiter erwähnenswert wäre, befände sich nicht direkt daneben eine Großraumdisco, deren Programm kostenlos an der Theke auslag. Was da heutzutage alles geboten wird, also ich hab schon weniger gelacht. Von Schaumbad-Partys über „Kater sucht Kätzchen“-Single-Treffs bis hin zur „ultimativen Fete zum ‚(T)Raumschiff Surprise‘-Film“, wobei die Tatsache, dass der Film schon seit Wochen in den Kinos läuft, fröhlich ignoriert wurde. Also früher ging man in die Disco, hörte Musik, tanzte ein bisschen, suchte sich selbst und ohne dämliche Flirtshow einen entsprechenden Partner, wenn man ohne vor Ort war, versoff draußen vor der Tür das Taschengeld, weils drinnen zu teuer war und fuhr anschließend beschwingt nach Hause oder zur nächsten Fete. Aber wenn ich mir diesen Event-Zettel betrachte, der mir da in die Finger fiel, ist diese Schilderung ja wohl finsterstes Mittelalter. Naja, wer’s braucht…

Am Sonntag dann zunächst noch ein Abstecher nach Kiel-Schilksee an den Strand, danach ging es Richtung Heimat. Aber nur grob, denn in Hamburg wurde abgefahren und die Hagenbeckstraße in der Nähe des gleichnamigen Tierparks angesteuert, sodann wurde einmal durch die Kleingartenanlage marschiert und siehe da – der Ort des Spiels HSV Amateure gegen SC Paderborn lag vor uns, Zweiter gegen Dritter der Regionalliga Nord, quasi ein Spitzenspiel. Zusammenfassend kann man sagen: Oh mein Gott. Und zwar zu so ziemlich allem. Das „Stadion“, in dem die HSV Amateure spielen, ist der Wolfgang-Meyer-Sportplatz (auf der Eintrittskarte übrigens durchaus pfiffig mit „WM-Stadion“ abgekürzt), eine blitzblanke kleine Anlage, nett anzusehen, jedoch mit einigen kleinen Schönheitsfehlern. Zum einen sicherlich die mangelnde Größe, mehr als 2.000 Zuschauer passen da nicht drauf, was natürlich die Chancen erhöht, dass wir mit Fortuna im April nächsten Jahres in die AOL-Arena dürfen. Nach dem Aufstieg der Amateure in die Regionalliga musste ja auch zwangsläufig mit dem ein oder anderen Gästefan gerechnet werden, weshalb auf der Gegengeraden eine kleine Tribüne aufgestellt wurde. Diese befindet sich jedoch hinter dem gestrüppbewachsenen Zaun, der das Sportplatz-Gelände abschließt! Die Gästefans gucken also quasi von außerhalb der Sportanlage über den Zaun aufs Spielfeld, es sieht schon etwas skurril aus. Gewöhnungsbedürftig auch, dass neben der schmucken kleinen Haupttribüne kein Platz für ein weiteres Bauwerk war – eine Toilette zum Beispiel. Wenn man so eine Dackelblase hat wie ich, muss man den Sportplatz komplett verlassen, vorbei am Kassenhäuschen und dann rechts rein zu einigen roten Backsteinhäuschen ehrwürdigen Alters laufen. Hier befinden sich zwei Türen für Damen und Herren, die eine dritte Tür in die Mitte nehmen, nämlich die des Platzwarts. Ich wette, an manchen Tagen hält der es vor Begeisterung kaum in seinem Büro aus. Immerhin bietet so ein Toilettengang die Möglichkeit, mit den Spielern ins Gespräch zu kommen, denn die Örtlichkeiten befinden sich an der Rückseite der Umkleidekabinen.

Hinzu kommt ein einziger Würstchen- bzw. Getränkestand, der an diesem Tag heillos überfordert war, da aufgrund des wieder mal tollen Wetters, der Tatsache, dass es sich um ein Spitzenspiel handelte und der weiteren Tatsache, dass die Bundesliga, mithin auch die Profis des HSV, an jenem Wochenende spielfrei hatten, insgesamt 1.100 Besucher anwesend waren. Immerhin entdeckte ich am Imbissstand etwas, das ich aus unseren Breiten auch nicht kenne, nämlich eine Schinkenwurst, die wirklich vorzüglich schmeckte und mit 1,50 € preislich auch recht fair dimensioniert ist.

Die war auf jeden Fall besser als das Spiel, das uns anschließend serviert wurde und das in der ersten Halbzeit technisch noch recht ansehnlich war, nach dem Goldenen Tor für Paderborn durch Georgi Donkov allerdings zu einem Grottenkick höchster Kajüte mutierte, weil Paderborn sich die Tabellenführung in der 2. Halbzeit nur noch ermauerte. Ich weiß, ich weiß, das heißt „Cleverness“, „Abgezocktheit“ oder „Ein Spiel sicher nach Hause schaukeln“ – aber wenn ein Tabellenführer ungestraft so auftreten darf, dann gute Nacht. Die Zeitspielerei der Paderborner mutierte ins Unverschämte, zum Schluss wurde wirklich sämtlicher sportlicher Anstand gebrochen und sich beim kleinsten Zweikampf schon mal prophylaktisch auf den Rasen gelegt. Glanzstück hierbei ohne Zweifel die „Verletzung“ von Paderborns Torwart Loboué in den Schlussminuten. Der hatte vor einem der ganz großen HSV-Talente, dem Bosnier Kucukovic (bereits 5 Tore in der laufenden Saison und gerade mal 17 Jahre alt, der Bengel) geklärt und war leicht mit diesem zusammen gestoßen. Loboué spazierte ganz normal mit dem Ball zur Sechzehn-Meter-Grenze, warf ab, und als er sah, dass seine Mannen die Kugel ins Aus beförderten und somit erneut ein HSV-Angriff zu erwarten war, setze er sich ganz gemütlich im Strafraum hin und winkte dem Schiri, er sei verletzt. Damit aber nicht genug: nachdem er sich zwei Minuten hatte pseudo-behandeln lassen, verschwand er einfach wortlos durch den efeubehängten Ausgang im Maschendrahtzaun hinter seinem Gehäuse. Vielleicht wollte er ja auch nur schnell aufs Klo, bevor die abwandernden Besucher dort noch einmal einfallen würden? Wer weiß das schon. Es wurde aber noch besser: irgendwie hatte der Paderborner Ersatztorwart schon Feierabend gemacht. Wahrscheinlich desillusioniert von den bisherigen guten Leistungen der etatmäßigen Nummer Eins in dieser Saison hatte der sich zwar auf die Bank gehockt, aber keine Torwartklamotten an! Und so dauerte es geschlagene fünf Minuten, bis der Kleine mithilfe zweier Betreuer ausgehfertig gemacht wurde und aufs Spielfeld gelangte. Wirklich oberpeinlich, aber von Erfolg gekrönt, der Schiri ließ zwar insgesamt lockere 100 Minuten spielen, aber durch die permanente Zerstörung des Spielflusses kam der HSV zu keinen nennenswerten Aktionen mehr. Wie gesagt, wenn so die Zukunft der 2. Liga aussieht, dann gute Nacht. Das Gleiche betrifft übrigens auch den Paderborner Anhang, der mit fetten 30 Mann vertreten war. Auf der HSV-Tribüne waren alleine sechs Fortunen vertreten, 20 % des gesamten Auswärtsfan-Bestands der Paderborner, um mal einen kleinen Vergleich zu geben. 30 Leute, die den Spitzenreiter nach auswärts begleiten…da freu ich mich schon auf die Spitzenbegegnung der 2. Liga in der nächsten Saison, Spielvereinigung Unterhaching gegen SC Paderborn, montags live im DSF. Wenn die ihre Live-Sendung eine halbe Stunde früher beginnen, können sie dann wenigstens alle Anwesenden namentlich vorstellen.

Nach dem Spiel ging es dann endgültig Richtung Heimat, unsere tapfere Fahrerin brachte mich zum Kölner Hauptbahnhof, wo ich dann lernte, was an einem Sonntag Abend Demut heißt: in etwas über vier Stunden von Hamburg nach Köln, und dann mit der Bahn anderthalb Stunden von Köln nach Bonn. Diese gigantische Strecke von bestimmt 30 km fährt ja bekanntermaßen kaum noch ein Zug und wenn, dann auch nur mit 20 Minuten Verspätung, sonntags abends um 23 Uhr. Und so endete ein tolles Wochenende (trotz der Niederlage, aber man kann sich dadurch ja nicht alles verderben lassen) mit einem gewissen Misston, der die positive Grundhaltung allerdings nicht trüben soll. Ich hoffe nur, ich habe mit dieser ausführlichen Schilderung nicht zu sehr gelangweilt.

Abschließend zu diesem Wochenende möchte ich mich auch an dieser Stelle nochmals herzlich bei Lord Helmchen bedanken. Diejenige, die gemeint ist, weiß schon Bescheid. Ohne dich wäre es nur halb so schön gewesen. Zugegebenermaßen auch von der praktischen Seite. Und davon profitiert dann auch der Leser. Wenn ich mir nämlich vorstelle, dass ich z.B. alleine mit der Bummelbahn von Kiel nach Plön hätte reisen müssen, wären hier noch drei Seiten mehr rausgekommen.

Fortuna steht nunmehr mit 8 Punkten auf Platz 10, nur einen Zähler vom ersten Abstiegsrang Platz 15 entfernt. Diesen beherbergt ausgerechnet der nächste Gegner, Union Berlin. Somit ist es momentan eher ein Spiel gegen den Abstieg, obwohl die Klubs in der Tabelle so nahe beieinander sind, dass das mit zwei Siegen ruckzuck wieder anders aussehen kann. Aber man sollte wirklich aufpassen, jetzt nicht allzu weit unten reinzurutschen.

Der nächste Gegner ist am Freitag, 10.09.2004, somit Union Berlin in der noch nicht ganz fertigen neuen Düsseldorfer Multifunktionsarena, wo laut Arena-Betreiber „ein Testlauf mit Richtfestcharakter“ statt finden wird. Aha. Über das ganze Kuddelmuddel, das sich im Vorfeld dieses Spiel zutrug, werde ich beim nächsten Mal berichten, oder auch nicht, denn wenn das Ganze ein Bombenerfolg wird, redet natürlich kein Mensch mehr darüber. Aber natürlich bin auch ich sehr gespannt auf die Arena.

Weiter geht’s dann bereits nächsten Mittwoch, 15.09.2004, mit dem „Nachholspiel“ gegen die Kölner Amateure, welches eigentlich am Freitag hätte statt finden sollen, von den Kölnern allerdings verlegt wurde, weil ein oder zwei ihrer Spieler an irgendeinem Auswahl-Länderpokal teilnehmen müssen. Schön, dass so etwas immer wieder ein Grund für Spielverlegungen ist und uns englische Wochen beschert. Aber was kümmert sowas einen wichtigen Profi-Verein in der Regionalliga…

Anschließend geht’s nach Osnabrück (18.09.), und dann wird es richtig bitter. Da kommt einmal mein heimlicher Zweitverein, der Hamburger SV, zum Flinger Broich (25.09.), wenn auch nur mit seinen Amateuren – und was macht janus? Der fährt zur gleichen Zeit in Urlaub. Und auch noch ausgerechnet nach Griechenland. Da wäre ich als Landsmann von Otto Rehhagel bestimmt ein gern gesehener und großzügig freigehaltener Gast gewesen. Aber seit letzten Samstag bin ich mir da nicht mehr so sicher. Auf jeden Fall werde ich versuchen, nicht irgend etwas Albanisches zu sagen oder auszusehen wie Hans-Peter Briegel. Und zumindest bei Letzterem stehen meine Chancen momentan noch ganz gut.

Einen schönen September wünscht:

janus

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