32. – 34. Spieltag

Westfälische Wochen

Von Spitzenreitern, Absteigern und der Duplizität der Ereignisse, alles komischerweise in Zusammenhang mit der westfälischen Tiefebene; von Heimkomplexen, Sonntagsschüssen und der Macht der Unentschieden, ebenfalls in Zusammenhang mit der westfälischen Tiefebene; aber auch von der Deutschen Bahn, die in keinster Weise die westfälische Tiefebene benötigt, um mal wieder einen unvergesslichen Samstag zu kreieren. Ach ja, eine Jahreshauptversammlung gab es auch noch. Also nix wie los!

Die westfälischen Wochen begannen mit unserem letzten Freitagsspiel für diese Saison, am 22.04.2005, daheim gegen Spitzenreiter Paderborn. Da konnte man eigentlich nur gewinnen, Paderborn war klarer Favorit, zumal bei Fortuna einige Spieler ausfielen, sodass unter anderem Verbandsligaspieler Ben Abelski sein Saisondebüt in der Regionalliga geben musste. Erste Irritationen beim Gegner zeigten sich bereits vor Spielbeginn: ich konnte beobachten, wie Paderborns Erfolgstrainer Pavel Dotchev genüsslich vor dem Eingang zu den Spielerkabinen ein Zigarettchen paffte. Leider kam er nicht rüber an den Getränkestand und bestellte noch ein Bier, um völlige Entspannung zu genießen. Nachdem er seine innere Unruhe mit Nikotin erfolgreich bekämpft hatte, wollte er zu seinen Spielern in die Kabine zurückkehren und stellte einigermaßen verblüfft fest, dass sich die Tür von außen nicht öffnen ließ. Ein Ordner bat ihn schließlich herein, nachdem er sich laut genug bemerkbar gemacht hatte. Wäre doch nett gewesen, ihn in diesem Moment aus dem Stadion zu locken („Da gibt’s noch einen anderen Weg, komm doch eben mit…“) und der Mannschaft anschließend mit einem Schulterzucken zu sagen: „Euer Trainer? Och, der ist eben nach Hause gegangen, dem war es zu langweilig hier!“ Immerhin, ein gutes Omen, wie ich fand.

Ich fand es zurecht, denn Fortuna legte vor 6.200 Zuschauern den deutlich besseren Start hin, völlig ohne Respekt vor dem Tabellenführer und ohne groß darüber nachzudenken, wie ersatzgeschwächt man angetreten war. Paderborn viel zu behäbig, ich weiß nicht, ob die das für ein besseres Trainingsspiel hielten oder ob sie immer so auftreten, auf jeden Fall gab es nicht viel von ihnen zu sehen. Und nachdem unser Torwart Deuß erst in der 28. Minute einen fulminanten Volleyschuss von Maaß als erste Paderborner Torchance prima parierte, hätte es auf der anderen Seite scheppern können: zunächst scheiterte Lambertz aber am glänzenden Torwart Loboué, den Nachschuss von Policella aus 16 Metern kratzte Latinovic von der Linie. Jawohl, jener Latinovic, der in der Winterpause von Eintracht Trier gekommen war, finanziert unter anderem – wodurch? Genau, durch die Einnahmen des SC Paderborn aus dem DFB-Pokal. Der hätte also in der 33. Minute eigentlich gar nicht auf der Linie rumstehen dürfen. Ein echtes Paderborner Retortenbaby, finanziert durch kroatische Plastiktüten. Aber was soll’s, dann hätte da eben jemand anders rumgestanden. Nur erzähle mir bitte keiner, Paderborn hätte nicht von der ganzen Geschichte profitiert. Daran glaubt noch nicht mal deren Präsident und Hauptsponsor, dessen Namen ich nicht nennen will, weil ich es weiterhin unglaublich finde, dass der damals versuchte, auch den HSV in den Bestechungsskandal hineinzuziehen und natürlich ungeschoren mit dieser Unverschämtheit davon kam.

Nun, sämtliche Plastiktüten dieses Landes hätten ihnen kurz vor der Pause nichts genutzt, als ausgerechnet Debütant Abelski nach Zuckerpass von Lambertz allein auf Loboué zu stürmte, den Ball aber nicht nur an ihm, sondern auch knapp am Tor vorbei schob. Es wäre ein verdienter Lohn für eine engagierte Leistung gewesen, sowohl der Mannschaft selbst als auch von Abelski, der keinesfalls enttäuschte, aber leider kurz nach dieser Aktion verletzt ausgewechselt werden musste. So betrat Stürmergott Walter Otta den Heiligen Rasen und ehe er auch nur gucken konnte, wo der Ball sich befand, pfiff der Schiri zur Pause, 0:0, höchst verdient und sogar ein bisschen ärgerlich für Fortuna.

Die machte nach der Pause da weiter, wo sie zuvor aufgehört hatte. 52. Minute: Pass von Kruse auf Otta, unser chilenisch-argentinisch-italienischer Torschützenkönig dreht sich mal schnell (!) um die eigene Achse und leitet die Kugel tatsächlich sofort (!!) auf Policella weiter, der stürmt in den freien Raum und überwindet Loboué mit einem Schlenzer ins lange Eck – 1:0, das erste Heimtor der Fortuna im Flinger Broich im Jahr 2005, zuvor hatte man nur bei den Heimspielen in der Arena getroffen.

Nach dem Treffer spielte Fortuna weiter nach vorn, wollte nachlegen, und fing sich natürlich den Ausgleich, zum einen verschuldet durch Ersatz-Libero Nicolaj Hust, zum anderen einfach durch schieres Pech. Ah, der Hust! Was hab ich in der Woche nach dem Berlin-Spiel gepredigt, den nicht als Ersatz für den gesperrten Libero Böcker in die Abwehr zu stellen, wenn überhaupt, dann ins defensive Mittelfeld, da kann er unter der Grasnarbe grätschen soviel er will! Ich hatte die kühne These aufgestellt, mit einem Hust als Libero müssten wir mindestens zwei Tore schießen, um einen Punkt mitzunehmen, da er mit seiner nickligen Art unter Garantie zwei Strafstöße verursachen würde, mehr allerdings nicht, weil er sich nach dem zweiten mit Gelb/Rot verabschiedet hätte. Nun, zum einen hörte natürlich niemand auf mich, warum auch, zum anderen strafte er meine Befürchtungen Lügen, indem er eigentlich eine recht ordentliche Partie hinlegte, bis auf die 62. Minute, als ihm ein grober Stockfehler unterlief. Und ein Spitzenreiter braucht halt nur einen. Dreißig Meter vor dem eigenen Kasten verschätzte sich Hust bei einem heranfliegenden Ball total und unterlief ihn, sein Gegenspieler sammelte die Kugel ein, ein kurzer Blick, Pass auf Mittelstürmer Löbe, der zog aus 16 Metern trocken ab, und Lorenzón fälschte bei seinem Rettungsversuch die Kugel unglücklich und unerreichbar für Deuß ab. So kann’s gehen. Es war eigentlich keine richtige Torchance, aber sie nutzten sie trotzdem. Anschließend erinnerten sie sich daran, dass ihr Trainer hier wohl gewinnen wollte und drehten ein wenig auf, aber es kam nichts mehr dabei heraus. Deuß hielt kurz vor Schluss einen Kopfball von Lorenz und damit auch den hochverdienten Punkt fest. Dies sah auch Gäste-Trainer Dotchev so, der nach dem Spiel von einer starken Fortuna sprach und gleich noch den Versprecher des Abends brachte: „Diese Fortuna hat mit dem Klassenerhalt nichts zu tun!“

So beeindruckend der Punktgewinn gegen den Spitzenreiter auch war, leider half er nur wenig, denn keine 24 Stunden später gewann Chemnitz gegen St. Pauli und verkürzte den Abstand auf den ersten Abstiegsplatz, den die Himmelblauen weiterhin inne hatten, wieder um zwei Punkte.

Noch ein Wort zu Paderborn: wenn die aufsteigen, dann tun sie mir fast Leid. Circa 100 Fans begleiteten den Tabellenführer nach Düsseldorf, eine wahrhaft gigantische Anhängerschar. Auch die Mannschaft spielt zwar gut, aber merkwürdig uninteressiert, der Löbe freute sich nach seinem Tor kein Stück, als wäre er im Training, und auch die anderen laufen größtenteils mit langen Gesichtern über den Rasen, so als wollten sie sagen: „Mein Gott, ich hab Erste oder Zweite Liga gespielt, und jetzt muss ich mich in diesem Bauernverein ohne Zuschauer rumschlagen, weil Geld nun mal alles ist und der Präsident und Hauptsponsor der Meinung war, er könnte sich mal einen Zweitliga-Aufstieg kaufen.“ Wirklich traurig. In der Woche darauf kam es zum absoluten Showdown in der Regionalliga Nord, als der Tabellenzweite Paderborn gegen Spitzenreiter VfB Lübeck antrat und 4:1 gewann – vor der „Rekordkulisse“ von 6.000 Zuschauern, davon noch fast 1.000 aus Lübeck! Einfach nur deprimierend.

Und warum ich Herrn Dotchev nur die Auszeichnung „Versprecher des Abends“ gönne, folgt jetzt. Den „Spruch des Spieltages“ setzte nämlich am nächsten Tag jemand anders. Und zwar ein Reporter des WDR. Nun ist der WDR ja bekanntermaßen ein Fernsehsender für ganz Nordrhein-Westfalen, solange Nordrhein-Westfalen nur aus Köln besteht. Entsprechend war ich übrigens auch nicht überrascht, dass der WDR, der in der letzten Saison eine Übertragung des attraktiven Niederrheinpokal-Finales RW Essen gegen Fortuna Düsseldorf unter anderem aus „sendeplatztechnischen Gründen“ abgelehnt hatte, obwohl mehr als vier Wochen Zeit zur Planung gewesen wären, dass also dieser WDR am 02.05.2005 abends spontan das Programm ändern und live nach Bahnhofskapellendorf schalten konnte. Warum? Na klar, die Fahrstuhltruppe des 1. FC Köln war soeben zum gefühlt 100. Mal in die Erste Liga aufgestiegen, aus der sie in der nächsten Saison auch zum 101. Mal wieder absteigen werden. Dafür kann man ruckzuck das Programm ändern, denn das interessiert sicherlich ganz Nordrhein-Westfalen. Also, diese Fernseh-Truppe zeigte am Samstag nach dem Paderborn-Spiel ihre übliche, von keinerlei Fachwissen getrübte Zusammenfassung des Regionalliga-Spieltages. Und beim Spiel Eintracht Braunschweig gegen 1. FC Köln Amateure fiel dann auch der Ausspruch, der wirklich nur vom WDR kommen kann. Vor Beginn des Spiels wurde eine Großeinstellung von Kölns Trainer Christoph John präsentiert, und der Reporter sprach mit Grabesstimme aus dem Off: „Er war heute nicht zu beneiden. Ohne jegliche Profi-Unterstützung musste seine Mannschaft beim Aufstiegsfavoriten antreten.“ Nochmal? Gerne, sogar in kursiv: „Er war heute nicht zu beneiden. Ohne jegliche Profi-Unterstützung musste seine Mannschaft beim Aufstiegsfavoriten antreten.“ Der arme Christoph! Da durfte er tatsächlich nur mit all seinen Amateuren, von denen er nur 20 in seinem Kader hat, auflaufen! Ich mein, ich weiß zwar, dass dies zurecht vom Sprecher bemängelt wurde, weil es wirklich die absolute Ausnahme bei den Geißböcken ist, aber es war nett vom WDR, diese Tatsache auch mal denjenigen Zuschauern nahe zu bringen, die sich nicht so sehr für die Mannschaftsaufstellungen der Regionalliga interessieren. Daher sage ich „Danke, WDR!“, und an die Adresse des gebeutelten Kölner Trainers geht von mir ein langgezogenes „Ooooooh“. Ich hoffe, es war mitleidig genug.
Obwohl: Mitleid kann man eigentlich nur mit dem WDR haben. Den 1:1-Ausgleich der Kölner in Braunschweig erzielte nämlich Giovanni Federico. Schlagt mal unfallfrei die Seite 123 des kicker-Sonderheftes vom letzten Sommer auf und guckt, in welchem Kader der gemeldet ist…

Aber egal, jetzt hieß es, weiter zu punkten. Die nächste Partie stand bei den Amateuren von Arminia Bielefeld an. Doch halt, vorher gab es noch etwas zu staunen: Jahreshauptversammlung bei Fortuna am 25.04.2005. Da wird das fleischgewordene Aufsichtsrat-Mandat Joachim Erwin aufgrund seiner permanenten Alleingänge unter weitest gehender Ignoranz von so etwas Albernem wie einer Vereinssatzung aber was auf die Mütze kriegen! Dachten und sagten bzw. schrieben viele vorher. Genutzt hat es natürlich nix, denn der Mann ist ja nicht doof. Und so stellte sich zunächst ein gewisser Herr Calmund als Kandidat für den Aufsichtsrat vor. Seine Rede dauerte tatsächlich weniger als zwei Stunden, eigentlich unglaublich, damit brachte er sämtliche Pizza-Bringdienste der Landeshauptstadt um das Geschäft ihres Lebens, hatten diese doch schon spekuliert, Großbestellungen entgegen nehmen zu können, da außer Callis Rede noch so einiges mehr auf der Tagesordnung stand. Aber die rheinische Humörbombe hatte es eilig, er war nämlich noch in Aachen beim Geburtstag von Egidius Braun eingeladen, dementsprechend hielt sich seine Ansprache in Grenzen. Aufgelockert durch den ein oder anderen lustigen Spruch zu potentiellen Sponsoren („Lach nicht, Junge, mach lieber das Portmonee auf!“) und zu OB Grinsekatze und seiner ebenfalls anwesenden „Sportreferentin“ („Da kam dann der Erwin mit seiner V-Waffe Begale und hat mich überredet“), machte er mit dieser Rede ordentlich Punkte und entschwand. Des Weiteren wurde als Aufsichtsratsmitglied noch ein Herr eines großen deutschen Unternehmens vorgestellt, welches bereits die Namensrechte an der Arena besitzt, und mit dem der Calli in seiner Freizeit wohl auch noch zusammenarbeitet. Und so kam es dann wie es kommen musste, kurz vor der Wahl des Aufsichtsrates stürmte jener Herr jenes großen deutschen Unternehmens nochmals ans Mikro und berichtete aus erster Hand, Calli habe ihn soeben noch mal aus Aachen angerufen und gesagt, er mache es nur, wenn sowohl der große deutsche Unternehmer als auch – na? Klar, oder? – OB Erwin in den Aufsichtsrat gewählt werden würden. Natürlich, glaub ich sofort. Der faule Apfel musste ja unbedingt mitverlesen werden. Wer sich das wohl ausgedacht hat? Es gibt allerdings keine Preise für die richtige Antwort. Und so rettete sich der OB mal wieder in den Aufsichtsrat, wenn auch mit einem deutlichen Dämpfer, denn er erhielt nur die viertmeisten Stimmen. Wenn alles nix mehr nützt, dann greift man halt zur Erpressung. Dass dies von langer Hand geplant war, wurde in einem Zeitungsinterview deutlich, welches er nach der Versammlung gab, und in dem er betonte: „Uns gab es nur im Dreierpack.“ Das hatte er vorher leider vergessen zu erwähnen. Und so nützt auch das schönste Herumkrakeelen einer angeblichen „Opposition“ in Internet-Foren vor der Versammlung nichts, wenn derjenige, gegen den sich die Opposition richten soll, sich über sowas schlapp lacht und schon längst alles geplant hat. Dafür wird jetzt natürlich als Erfolg verkauft, dass er im Gegensatz zu seiner letzten Wahl über hundert Stimmen einbüßte. Na, da gratulier ich aber. Und da ich mein letztes Hemd darauf verwette, dass der Mann auch wieder Vorsitzender des Aufsichtsrates werden wird, darf es somit weitergehen wie zuvor. Zum Glück kann sich jetzt aber wirklich niemand mehr beschweren, er habe von nichts gewusst.
Obwohl, eine Hoffnung bleibt noch: da unsere neue Nummer Vier im Aufsichtsrat selbstverständlich auch durch dieses Wahlergebnis in keinster Weise in seinem Selbstvertrauen getrübt war, erzählte er dem Zeitungsreporter anschließend noch etwas anderes. Um nämlich klar zu machen, wofür er sich hergibt und krumm legt und wie dankbar man ihm gefälligst so langsam mal sein sollte, erzählte er die köstliche Anekdote, er könne ja jederzeit bei Bayern München anfangen. Der Kalle Rummenigge habe ihn vor geraumer Zeit bereits gefragt. Nun erzählt der Kalle ja fast so viel wie der Calli, wenn der Tag lang ist, aber hier möchte ich doch einhaken. Denn diese große Chance soll nicht an Kleinigkeiten scheitern! Somit gebe ich hiermit offiziell zu Protokoll, dass ich unserer Nummer Vier den Flug nach München bezahlen würde, meinetwegen sogar Erster Klasse, das wäre es mir wert. One-Way-Ticket natürlich. Da kann er dann zum Rumgenippe stolzieren und sagen: “Jung, hier bin ich!” während Rotbäckchen wahrscheinlich entgegnen wird: „Schön für Sie – aber wer sind Sie eigentlich?“ Aber bitte, lassen Sie sich davon nicht abschrecken! Mach et, Jo!

So, nachdem jetzt viele Zeilen dafür verschwendet wurden, dass sich doch nix geändert hat, könnte es mal wieder um Fußball gehen. Wie gesagt, Auswärtsspiel in Bielefeld. Aber zuvor muss ich leider feststellen, dass ich in diesem Jahr noch gar nichts von meinen Freunden von der Deutschen Bahn zu berichten hatte. Dies änderte sich schlagartig an jenem 30.04.2005 und ich bin der Letzte, der überragende Leistungen nicht zu würdigen wüsste.

Also bitte, hier der Plan: ich wollte am Samstagmorgen mit dem Regionalexpress um 9.01 Uhr von Bonn nach Düsseldorf reisen. Dort um zehn Uhr angekommen, sollte es per Wagen weiter nach Ostwestfalen gehen. Klingt einfach, oder?

Hier die Durchführung: als ich um viertel vor neun an jenem Samstagmorgen auf dem Bonner Hauptbahnhof eintreffe, ist noch alles gut. Obwohl es mich misstrauisch machen sollte, dass die große Anzeigetafel in der Halle ihren Geist aufgegeben hat. Dies ist allerdings relativ normal, sodass sich mein Pulsschlag durchaus noch im akzeptablen Bereich hält. Auch was man so auf den Bahnsteigen an- und abfahren sieht, täuscht trügerische Normalität vor. Alles pünktlich, keine gravierenden Ausfälle.
Dies ist der Bahn allerdings zu langweilig. Getreu dem Motto „Wenn wir samstags in aller Herrgottsfrühe schon arbeiten müssen, dann bringen wir euch auch ins Schwitzen“ wird jetzt generalstabsmäßig der große Horror geplant. Listig lässt man die Regionalbahn um 8.52 Uhr einfahren. Die hält auch in Köln, weil alles, was aus Bonn raus nach Norden fährt, zwangsläufig in Köln halten muss. Das heißt, wenn nachfolgende Züge Verspätung haben, könnte man mit diesem Zug zumindest bis nach Köln gelangen und von dort aus mit anderen Zügen weiterreisen, die ja glücklicherweise auch aus anderen Richtungen als nur aus Bonn in der Stadt mit der komischen Kirche einlaufen. Das weiß natürlich auch die Deutsche Bahn. Und deshalb hält sie strategisch genial die Klappe, bis die Regionalbahn anfährt. Ich sehe den letzten Waggon des Zuges noch in der Ferne um die Kurve entschwinden, da bricht das Jüngste Gericht in Gestalt einer Lautsprecherdurchsage über die Leute auf dem Bahnsteig an Gleis 1 herein:

Der Zug um 9.01 Uhr wird erst mit 15, dann 20, dann 35 Minuten Verspätung angezeigt, fällt schließlich ganz aus. Ursache des Ausfalls: „Triebwagenstörung“. Sie hätten auch sagen können „Eine unserer Uralt-Loks ist wieder im Arsch, aber zum Glück haben Sie ja alle längst bezahlt, wir nennen das Kostendämpfung, haha!“ Aber bei der Bahn sind sie höflich. Also in Bezug auf ihre Züge, meine ich. Der Zug ist selbstverständlich genau in dem Moment, in dem die andere Bahn den Bahnhof verließ, stehen geblieben, so dass man diese nicht noch zwei Minuten hätte anhalten können, damit die wartenden Bahnfahrer in Bonn wenigstens noch bis Köln hätten gelangen können.

Leider steht die marode Lok irgendwo vor Andernach, der IC, der um 9.21 Uhr in Bonn abfährt und ebenfalls in Düsseldorf hält, kann nicht vorbei, ehe das Teil abgeschleppt ist. Der IC wird mit 15, 20, 35 und 45 Minuten Verspätung angekündigt, erscheint schließlich um 10.10 Uhr. Vom ICE, der um 10.03 Uhr hätte fahren sollen, spricht da schon keiner mehr. Der IC darf allerdings aufgrund des vorherigen Zugausfalls auch bis Oberhausen mit Fahrausweisen des Nahverkehrs benutzt werden. Der Zugschaffnerin, traditionell am unteren Ende der Nahrungskette in der Bahn stehend, hat man’s leider nicht gesagt. Somit führe ich bei der unvermeidlichen Fahrkartenkontrolle zwischen Langenfeld und Düsseldorf noch eine wenig erquickliche Diskussion mit der Schaffnerin. Als es mir reicht und ich sie frage, wie sie auf die Idee kommt, für dieses Chaos überhaupt noch Geld nehmen zu dürfen, wird es richtig lustig. Zum Glück lässt sie mich in Düsseldorf aussteigen und nicht einkerkern. Denn wer aufmuckt, der hat nichts mehr zu lachen, das konnte ich schon am „Service Point“ in Bonn beobachten: der Herr dort (der eine rechtzeitige Durchsage der Verspätung „versäumt“ hatte) war äußerst pampig, hatte als Erklärung für die zusätzlichen Kosten (denn da war der IC noch nicht für Fahrausweise des Nahverkehrs freigegeben, dies erfolgte erst kurz vor Eintreffen des Zuges) nur die geniale Begründung „Pech!“ parat und wäre von meinem Vorgänger in der Schlange wirklich fast über den Tresen gezogen worden. Dabei hätte dieser erboste Fahrgast doch wissen müssen, dass die Bahn grundsätzlich nie einen Plan B hat, da bei ihr doch fast immer alles glatt läuft! Andererseits, bei dieser Arroganz, die der Herr hinter dem Schalter an den Tag legte, hätte ich fast Verständnis dafür gehabt, wenn es ein wenig eskaliert wäre. Auch der Fahrgast der Bahn ist halt nur begrenzt leidensfähig. Dass das Personal vor Ort dies auch normalerweise weiß, konnte ich in anderem Zusammenhang beobachten: als der endgültige Ausfall des Zuges gemeldet sowie die schöne Ansage getätigt wurde, dass sich alle weiteren Züge um unbestimmte Zeit verspäten würden, da dachte ich, es wäre nicht schlecht, vorsichtshalber noch mal die Örtlichkeit des Bahnhofs aufzusuchen, wer weiß, wie lange man noch auf dem Bahnsteig würde ausharren müssen? Und da entdeckte ich dann auch, dass sich ein Schaffner vorsichtshalber beim Klomann in dessen Aufenthaltsraum hinter Plexiglas niedergelassen hatte. Der wusste schon, warum. Wahrscheinlich hat er sich vorher bei der mit den Örtlichkeiten vertrauten Fachkraft erkundigt, ob die Scheibe schusssicher sei.

Lange Rede, kurzer Sinn: mit genau 59 Minuten (brillant!) Verspätung kam ich in Düsseldorf an, zum Glück erwartet von der geduldigsten Fahrerin der Welt, die es nicht anders kennt, wenn sie mich von irgendeinem Bahnhof dieser Republik abholt. Die Weiterfahrt verlief relativ unspektakulär, mal abgesehen davon, dass sich auf der A 2 natürlich unmittelbar vor der Abfahrt Bielefeld ein Unfall ereignete, sodass wir wenigstens auch noch einen ordentlichen Stau mitnehmen konnten. Aber auch das konnte uns nicht mehr aufhalten.

Jetzt also Fußball. Spiel gegen die Amateure von Arminia Bielefeld, sicherer Abstiegskandidat. Genau wie zwei Wochen zuvor Union Berlin. Und deshalb stand es zur Pause auch 2:0 für Arminia.
Wobei diesmal nicht eine grottenschlechte Leistung der Fortuna dafür verantwortlich war. Auch nicht eine etwas bessere Leistung der Arminia. Nein, die spielten wirklich unter aller Kanone, das schlechteste Team, das ich bislang gesehen habe. Fortuna war klar überlegen, machte aber die Bälle mal wieder nicht rein. Höhepunkt war Fummelbruder Kizilaslan, der aus drei Metern am Tor vorbei köpfte. War auch unfair, war ja niemand da, den er hätte umspielen können. In der 18. Minute spielte Ndjeng einen Fehlpass auf den Bielefelder Wieczorek. Der lief mit dem Ball nach vorne, suchte eine Anspielstation, fand keine (man konnte in den Fernsehbildern sehr schön sehen, wie er kurz verzweifelt die Arme hebt, weil sich niemand anbietet), hämmerte deshalb aus 20 Metern einfach drauf und traf in den Winkel. So ein Ding macht der normalerweise nur, wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen, hier gelang es ihm mit dem allerersten Torschuss der Bielefelder in diesem Spiel überhaupt! Auch der Stadionsprecher sprach etwas ungläubig von einem „Sonntagsschuss am Samstagnachmittag“. Davon wird der Wieczorek noch seinen Enkeln erzählen, da bin ich mir relativ sicher.

Dies war der erste Torschuss der Bielefelder. Der zweite folgte in der 32. Minute, den konnte Deuß mit dem Fuß abwehren. Die anschließende Ecke wurde per Kopf verlängert und Mehr machte die Kugel mit dem Fuß aus fünf Metern rein. Drei Torschüsse – 2:0. Eigentlich unfassbar.
Zugleich habe ich hiermit bereits sämtliche Torschüsse der Bielefelder im gesamten Spiel geschildert. In der 2. Halbzeit gab es keine mehr. Die waren unfassbar schlecht, so spielten sie binnen fünf Minuten drei Konter in Überzahl, die sämtlichst mit einem Pass in den ganz freien Raum auf Torwart Deuß endeten. Auch konnte eine Rückgabe eines Bielefelder Spielers auf den guten eigenen Torwart Kockel gesichtet werden – aus der Fortuna-Spielhälfte heraus. Ansonsten erschöpfte sich die Bielefelder Tätigkeit in der 2. Halbzeit im Ballwegschießen. Zum Weglaufen. Also, wenn die nicht zu Recht absteigen, dann weiß ich es nicht.

Zum Glück hatte Fortuna den zuvor von mir noch gescholtenen Kizilaslan auch in der zweiten Halbzeit auf dem Feld. Getreu dem Motto „Bei 0:2 ist eh alles egal“, holte der seine Dribbelkünste raus und hatte zweimal Erfolg. Bei der ersten Gelegenheit konnte er nur durch ein Foul gebremst werden, den fälligen Strafstoß verwandelte Lorenzón zum Anschlusstreffer. Die zweite Nummer war allerdings noch besser, in der 82. Minute spielte Kizi erst fünf Abwehrspielern Knoten in die Beine und dann tatsächlich noch den tödlichen Pass auf Podszus, der nur noch abstauben musste. Eine tolle Leistung unserer Nummer 29, genau wie in Berlin beide Tore vorbereitet, das lässt wirklich hoffen, dass das Leben für ihn nicht nur aus Dribblings mit anschließendem Ballverlust besteht.

Ein Wort noch zum Umfeld des Spiels: gespielt wurde in der „Schüco-Arena“ ehemals auch als „Alm“ bekannt. Ich hoffe, es ist Ironie, dass das protzige Schild „Schüco-Arena“ ausgerechnet an der maroden Nordtribüne hängt, dem einzigen Teil des Stadions, der noch nicht umgebaut ist. Mit Verlaub, es sieht etwas lächerlich aus, aber das sind nun mal die modernen Zeiten. 1.600 Zuschauer machten die „Arena“ voll, davon 1.500 aus Düsseldorf. Auf der heimischen Hintertortribüne befanden sich handgezählte 82 Bielefeld-Fans, dazu noch zwei Dutzend auf der Haupttribüne, und nicht zu vergessen die beiden D-Jugend-Mannschaften, die die Arminia in der zweiten Halbzeit anfeuerten, nachdem sie zuvor auf dem Kunstrasenplatz neben der „Arena“ gegeneinander gespielt hatten. So gesehen konnten die Bielefelder glatt sagen, dass sie einen Auswärtspunkt geholt hatten. Verdient war der zwar nicht, aber das wird sie sicherlich nicht gekümmert haben. Und so kümmert es auch mich nicht, wenn ich jetzt sage: Viel Spaß in der Oberliga Westfalen nächste Saison.

Nach dem Spiel machten wir uns auf, die ostwestfälische Einöde zu erforschen. Auf dem Weg nach Detmold, wo vor der Rückfahrt in einem Brauhaus gespeist wurde, konnten sehr schöne Fleckchen Erde gesichtet werden. Bielefeld-Hillegossen, Bielefeld-Ubbedissen, Leopoldshöhe-Asemissen und – ungelogen – Helpup sind immer eine Reise wert. Wer hier tot überm Zaun hängt, wird sicherlich beneidet, aber vielleicht auch nur, weil er tot ist. Für diese Käffer muss die Erfindung des Automobils die segenreichste Darbietung des letzten Jahrhunderts gewesen sein. Ohne Wagen ist man hier nämlich rettungslos verloren.

Die Rückfahrt verlief ohne größere Probleme, bis – ja, bis mich meine Fahrerin um kurz vor halb neun am Kölner Hauptbahnhof absetzte, damit ich die restlichen 25 km mit dem Zug bewältigen könnte. Der Zug nach Bonn um 20.24 Uhr war nicht etwa schon weg, nein, er war ohne Angabe von Gründen ausgefallen. Ein Blick auf die Bezeichnung des Zuges ließ da schon eher etwas erahnen, es war derselbe, der am frühen Morgen bei Andernach schlapp gemacht hatte. Die Bahn hatte es binnen 12 Stunden nicht geschafft, einen Ersatzzug zu ordern. Hätte ja auch Arbeit bedeutet. Der nächste Zug war mit den üblichen 15 Minuten Verspätung angekündigt und zwar auf Gleis 7.

Nun war an jenem frühen Abend auf dem Bahnhof die Hölle los, es war knüppelvoll, unter anderem auch durch Fußballfans verschiedenster Couleur, die auf ihrem Umsteigebahnhof den Tanz in den Mai anscheinend mit einem kleinen Abstecher in die Kölner Altstadt eingeläutet hatten und dementsprechend später nach Hause fuhren. Auch auf Gleis 7 stapelten sich die Passagiere, zumal nach der Regionalbahn noch ein IC einlaufen sollte, natürlich ebenfalls mit 15 Minuten Verspätung. Ich wartete und wartete, kein Zug kam, ich ließ die Augen mal ein wenig in die Ferne schweifen, da, auf Gleis 10 keuchte gerade ein Regionalzug heran , mal sehen, ob ich das Schild an der Lok lesen kann, ein bisschen Training für die Augen kann ja nicht schaden, also der erste Buchstabe dürfte ein „R“ sein, der zweite ein „E“ und die Zahl dahinter enthüllt sich so langsam als eine mir aus der Schule noch gut bekannte Ziffer, nämlich als „5“…RE 5 nach Koblenz! Kurzer Blick auf die Anzeigetafel auf Gleis 7, in der Tat, da war mein Zug! RE 5 nach Koblenz über Bonn, angekündigt auf Gleis 7, lief auf Gleis 10 ein, keine Durchsage, kein Anzeigenwechsel, nichts! Mit kühnem Sprint erreichte ich die Bahn noch, während so einige Dutzend Passagiere auf Gleis 7 etwas ungläubig guckten. Das nenn ich noch flexible Fahrplangestaltung! Aber andererseits: sie brauchten sich nicht zu grämen. Denn in Hürth-Kalscheuren hielt unsere Bahn natürlich für schlappe 15 Minuten, um zwei verspätete ICs vorbei zu lassen, und da war der von Gleis 7 auch dabei. Und wenn nun auch Fahrgäste drin saßen, die IC-Fahrkarten nachlösen mussten – mein Gott, das ist halt Pech! Der Fahrgast muss bei der Deutschen Bahn halt immer die Augen offen halten. Und sich nicht auf Durchsagen verlassen, die Hälfte davon ist gerade in Köln eh nie zu verstehen. Der Lernprozess ist schmerzhaft, aber wie würde die Bahn sagen: „Irgendeiner muss es ja machen. Warum also nicht wir?“
Und so war es ein schöner Ausflug in die ostwestfälische Einöde, mit einem Punktgewinn, der zwar eigentlich zu wenig war, mit dem man aber in Anbetracht eines 0:2-Rückstandes zur Pause doch zufrieden sein muss.

Abgeschlossen wurden die westfälischen Wochen nun mit dem Spiel gegen die Amateure von Borussia Dortmund. Und wie könnte es anders sein, natürlich wurde unentschieden gespielt. Es war eine exakte Kopie des Hinspiels, die erste Halbzeit konnte man vergessen, in der zweiten das 1:0 für Fortuna durch Mayer, anschließend saudummer Ausgleich in Zusammenhang mit einem Freistoß. Während es allerdings im Hinspiel der Schiedsrichter war, der einen durch schnell ausgeführten Freistoß erzielten Treffer der BVB-Bubis gab, obwohl er selbst noch in der Mauer herumturnte und Anweisungen erteilte, schoss diesmal Fortuna-Torwart Deuß den Bock, der den Sieg kostete. Bei einem Freistoß, der als Flanke in den Strafraum segelte, verschätzte er sich beim Herauslaufen völlig und wurde von Steegmann einfach per Hinterkopf überlupft. Wäre er auf der Linie geblieben, hätte er auf den Ball eine Kappe werfen können, so schwach war der geköpft, aber hinterher ist man ja immer schlauer. So war der Sieg futsch, und man musste noch dankbar sein, dass es bei einem Punkt blieb, denn in der 80. Minute leistete sich die Dortmunder Nummer 9, der kurz zuvor eingewechselte Mahir Saglik, die Lachnummer des Tages, als er eine flache (!) Hereingabe aus drei (!!) Metern über (!!!) das Düsseldorfer Tor setzte. Schafft auch nicht jeder, deshalb gab es anschließend auch Standing Ovations von der Haupttribüne und Jubelstürme aus dem gesamten Stadion, wobei in dieser hämischen Akklamation wahrscheinlich das Geräusch von 5.000 Steinen unterging, die den Zuschauern vom Herzen fielen aufgrund der Unglaublichkeit dieser Aktion, denn es war wirklich beinahe unmöglich, diesen Ball nicht im Tor unterzubringen. Und so muss man auch hier sagen: wer weiß, wozu dieser geschenkte Punkt noch gut sein kann, auch wenn man eigentlich gewinnen wollte.

Dennoch erstaunte so einiges bei diesem Langeweiler, so zum Beispiel die Anzahl der Gästefans, die sich in einem für Amateurvereine erstaunlichen Bereich zwischen 100 und 150 bewegte, sicherlich begünstigt durch die Tatsache, dass die Profis des BVB erst am Sonntag spielten. Dieser Konstellation hatten wir wohl auch das Mitwirken der Herren Odonkor und Addo zu verdanken, die aber nicht weiter auffielen.
Auch mache ich mir so meine Gedanken, ob das 1:0 durch Frank Mayer in seinem ersten Spiel nach mehrwöchiger Erkrankung regulär war. Am Treffer selbst gab es nicht das Geringste auszusetzen, ein sehr schöner Kopfball nach Freistoß und anschließender Kopfballvorlage, allerdings an den äußeren Umständen. Unmittelbar nach Wiederanpfiff ging nämlich ein Gewitter über dem Flinger Broich nieder, dass es nur so prasselte. Werbebanden wurden durch die begleitenden Sturmböen geknickt, und auch während des Freistoßes, der zum Führungstreffer führte, gab es Blitz und Donner über dem Stadion. Und da bin ich nicht ganz regelsicher, aber ich meine, bei Gewitter müsste ein Schiri das Spiel eigentlich unterbrechen. Oder muss er dann nach dem Blitz die Sekunden bis zum Donner zählen, das Ergebnis mal 330 Meter rechnen, um anschließend zu wissen, wie weit das Gewitter entfernt ist und erst ab einer bestimmten Nähe abbrechen? Keine Ahnung, aber ich bin ja auch nur ein Weichei. Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus (für uns immer noch: die „Bibi“, obwohl wir auch das vierte Spiel unter ihrer Regie nicht gewinnen konnten) ist da deutlich härter, sie ließ lässig weiterspielen, obwohl auch ihr schicker Zopf unter der Wucht der Regentropfen an die Kopfhaut geklebt wurde. Das nenn ich noch Einsatz! Und da in dieser Phase des Spiels das Tor für uns fiel, hat sie selbstverständlich alles richtig gemacht. Wen kümmert schon so ein bisschen Blitz und Donner?

Und da wir zwar seit acht Spielen nicht verloren, die letzten drei Partien allerdings auch nur remis gespielt und im Jahr 2005 im Flinger Broich überhaupt noch nicht gewonnen haben, bleibt es weiter eng in Sachen Klassenerhalt. Fortuna steht auf Platz 9, mit 42 Punkten und führt die Riege der abstiegsgefährdeten Klubs an. Sogar Uerdingen haben wir jetzt überholt, die kämpfen ja immer noch wirtschaftlich darum, für die nächste Saison die Lizenz zu erhalten. Gut möglich, dass dies gelingt, sie es aber sportlich noch derart vergeigen, dass sie in der nächsten Saison überhaupt keine Regionalliga-Lizenz benötigen, denn sie stehen zur Zeit spielerisch etwas neben sich. Wäre quasi die biologische Lösung der ganzen Angelegenheit. Und natürlich auch höchst skurril, denn gegen Ende der Hinrunde stand die Mannschaft zeitweise auf einem Aufstiegsplatz und machte sich Hoffnungen, mit der 2. Liga auch ihre Finanzlöcher stopfen zu können. Aber derzeit reicht es nur zu ebenfalls 42 Punkten und Platz 10. Das kann noch eng werden.

Jawohl, die halbe Liga kann noch absteigen, außer Union Berlin und den Amateuren von Arminia Bielefeld, die sind bereits endgültig weg. Interessanterweise finden sich neben Fortuna, Uerdingen, Münster und Chemnitz ausschließlich Amateur-Teams von Bundesligisten im Abstiegskampf wieder. Alle Spielverderber der Liga mit Ausnahme des Hamburger SV (die stehen sicher auf Platz 5) kann es noch erwischen, schon erstaunlich, wenn man sich so manche Mannschaftsaufstellung anschaut. Ganz lustig fände ich einen Abstieg von Hertha BSC, besonders, wenn denen am Ende drei oder weniger Punkte zum Klassenerhalt fehlen sollten. Die hatten sie nämlich durch die Wiederholung des manipulierten Spiels vom dritten Spieltag gegen Bielefeld eigentlich schon sicher, da sie die Ostwestfalen 6:0 putzten, wobei ein unbekannter Amateur namens Artur Wichniarek vier Treffer erzielte. Da die Herthaner jedoch drei weitere unbekannte Amateure aus dem Profi-Kader auf dem Platz hatten, die allesamt über 24 Jahre alt waren, verstießen sie damit gegen die entsprechende DFB-Regelung und bekamen die Punkte wieder abgezogen. Bielefeld bekam die Punkte übrigens nicht zugesprochen, weil sie nicht protestiert hatten, ein deutliches Zeichen, dass die zu grün für die Regionalliga sind; hier muss der Einspruch gegen die Spielwertung vorsichtshalber bereits beim Anpfiff sicher in der Brusttasche des zuständigen Funktionärs stecken. Und wenn Berlin absteigen muss, weil sie noch nicht einmal regelkonform unfair aufstellen können, dann würde mich das schon erheitern.

Momentan kann ich allerdings noch nicht laut darüber lachen. Fünf Punkte haben wir Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz, aber am kommenden Pfingst-Wochenende haben wir endlich das von mir lang befürchtete spielfreie Wochenende, das jenes vermaledeite eine Spiel mehr als sämtliche Konkurrenten da unten egalisiert. Mit Ausnahme der Kölner, die haben ausgerechnet am letzten Spieltag spielfrei, das kann natürlich auch gepflegt in die Hose gehen. Erst nach dem nächsten Wochenende kann man also klar sagen, was Sache ist und wie viele Punkte noch benötigt werden. Wir können es immer noch aus eigener Kraft schaffen, aber es wird eng, zumal wir nur noch Spiele gegen Mannschaften haben, für die es um alles geht. Am 21.05.2005 gastieren wir in Lübeck beim derzeitigen Spitzenreiter VfB, der allerdings auch noch ein Spiel mehr als die Konkurrenz hat und am vorletzten Spieltag zusehen muss, somit gegen uns also unbedingt vorlegen muss, um die Aufstiegschance zu erhalten. Und danach könnte es zu den von mir schon lange befürchteten Abstiegsendspielen gegen Chemnitz und in Bremen kommen, zwei Teams, die auf Abstiegsplätzen stehen, nichts mehr zu verlieren haben, und gegen die wir in der Regionalliga meines Wissens noch nie gewonnen haben. Also, es könnte noch knapp werden, aber wie knapp, das kann man erst ab nächsten Sonntag so richtig einschätzen.

Und so verabschiede ich mich heute wieder etwas zittrig. Was ist das für eine Liga, in der man in der Rückrunde bislang auswärts noch ungeschlagen ist und nur ein Heimspiel verliert, aber immer noch absteigen kann? Eigentlich unglaublich. Dies zeigt aber auch schon meine fast hellseherische Fähigkeit, bereits im letzten Jahr Urlaub zu buchen, der nur drei Tage nach dem Saisonfinale am 04.06.2005 in Bremen beginnt. Nach dieser Saison, egal wie sie ausgeht, bin ich mehr als urlaubsreif. Aber ich werde natürlich versuchen, in den verbleibenden Tagen zwischen Saisonende und Flucht noch einen letzten Bericht zu liefern. Hoffentlich mit Happy End. Alles andere wäre auch gemein nach dieser Rückrunde.

Aber interessiert das einen Fußballgott? fragt weiter leidend: janus

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