22. – 28. Spieltag

Ganz viel Fußball (oder auch nicht)

Die Winterpause war lang. Danach kam der Winter. Aus Protest gegen die klimatischen Bedingungen meines Heimatlandes hatte ich daher die Berichterstattung eingestellt, bis der Frühling sich eventuell melden möge. Er hat es tatsächlich getan, und ich muss wieder ran.

Natürlich wird es etwas länger, sechs Spiele gilt es aufzuarbeiten. Und Fortuna wäre nicht Fortuna, wenn es in den vergangenen drei Monaten nicht wieder rund gegangen wäre, auch hinter den Kulissen. Und wenn bei uns nicht alles anders wäre. Während in ganz Deutschland Hunderte von Amateur-Spielen abgesagt wurden, glänzt die Fortuna nämlich derzeit als eine der wenigen Mannschaften, die keinen einzigen Spielausfall hinnehmen musste. Was für die aktuelle Tabelle übrigens sehr beklagenswert ist. Aber fangen wir doch vorne an.

Am 19.02. wurde das Jahr 2005 eröffnet mit dem Heimspiel gegen die Amateure des VfL Wolfsburg. Und da stand direkt ein Name im Mittelpunkt: Hoyzer. Ja, auch ich komme nicht ohne ihn aus, obwohl er mittlerweile schon längst aus den Schlagzeilen verschwunden ist. Der arme Bettelstudent, dem das BAföG zu niedrig war und der unter anderem dadurch auffiel, dass er der Mutter seiner Freundin mal eben eine Eigentumswohnung bezahlte. Diese Blödheit lässt mich Fürchterliches ahnen, was die Jahrgänge angeht, die demnächst ihren Uni-Abschluss machen und auf die freie Wirtschaft losgelassen werden. Bei solchen Leuten muss man froh sein, dass die PISA-Studie nur für Schüler, nicht aber für Studenten gilt. Könnte sein, dass wir demnächst ernsthaft umdenken müssen, was die Schuldzuweisungen an irgendwelche Regierungen für die nächste Wirtschaftskrise angeht. Aber zurück zum Thema: was hat Hoyzer mit der Partie Düsseldorf-Wolfsburg zu tun?
Nun, zunächst einmal gar nichts. Anders sieht das allerdings aus, wenn man das Hinspiel im letzten August betrachtet:

Denn im August letzten Jahres richteten sich die Augen der kroatischen Wettmafia auch auf Fortuna. Am 3. Spieltag der Regionalliga Nord sollen sie eine Kombiwette abgeschlossen haben: Sieg von Hertha BSC (A) gegen Bielefeld (A), Sieg von Fortuna Düsseldorf beim VfL Wolfsburg (A). Schiedsrichter in Wolfsburg damals: Robert Hoyzer aus Berlin. Schiedsrichter in Berlin: der mittlerweile inhaftierte Dominik Marks, sinnigerweise auch aus Berlin.
Bei dieser Besetzung, so wird man sich im Café King zwischen Wettschein und Slibowitz gedacht haben, kann gar nix schief gehen. Vielleicht hätte die Prämie ja ausgereicht, Herrn Hoyzer nicht nur einen Plasma-Bildschirm, sondern auch ein One-Way-Ticket auf die Cayman Islands zu spendieren, und der Skandal wäre nie ans Licht gekommen. Aber nicht mit uns!
Okay, es sah gut aus für die Strippenzieher: Herthas Amateure siegten mit 2:1, unter „kuriosen Umständen“, wie Bielefelds Manager Thomas von Heesen spontan fünf Monate später einfiel. In Wolfsburg führte die Fortuna mit 1:0. Alles klar für den Gewinn…bis Wolfsburgs Stürmer Roy Präger in der 89. Minute den Ausgleich für den VfL erzielte und die Wettmafia so um eine ganze Stange Geld brachte. Denn bei diesem Ergebnis blieb es, bis zum Schlusspfiff hatten die Fortunen „trotz längerer Nachspielzeit“, so Roy Präger in der Rückschau, keine Torchance mehr. Herr Präger erinnert sich richtig, ich habe das Spiel damals hinter dem Wolfsburger Tor verfolgt, und kein Fortune kam in jenen Minuten näher als 30 Meter an mich ran.
Kann man sich die Verzweiflung des Robert Hoyzer vorstellen? Bis zur 89. Minute war die Kohle im Sack. Dann kommt der Präger und köpft völlig freistehend aus 16 Metern den Ausgleich. Bei dieser Konstellation kann man weder Abseits noch Foul pfeifen. Okay, lassen wir halt fünf Minuten nachspielen. Aber dann das: kein Fortune kommt auch nur in die Nähe des gegnerischen Strafraums. Beinahe vermeine ich das stumme Flehen des Ex-Schiris zu vernehmen, während der Ball durch die Düsseldorfer Hälfte hoppelt: „Nun kommt, macht schon! Einmal werdet ihr doch noch nach vorne kommen! Ihr wisst doch gar nicht, wer alles auf eurer Seite steht! Ein Sturz im gegnerischen Strafraum genügt.“ Und in der dritten Minute der Nachspielzeit: „Das nennt ihr Fußball? Ihr kommt ja noch nicht mal mehr über die Mittellinie! Okay, meinetwegen kann auch einer im gegnerischen Strafraum umfallen, ohne dass ein Ball in der Nähe ist. Ist mir jetzt auch egal. Aber bitte, bitte kommt noch einmal nach vorne, ihr Luschen…“. Aber es sollte nicht sein. Und durch Fortunas heroische Weigerung, nach dem Ausgleich noch auf Sieg spielen zu wollen, ging die Kombiwette in die Hose, und mit Herrn Hoyzers Prämie war es auch Essig. Fortuna-Fan wird der wohl nicht mehr werden. Fast könnte man Mitleid haben. Aber andererseits: wer Kombiwetten mit unserer launischen Diva eingeht, dem kann man nur sagen: selbst Schuld! Es gilt die schöne Weisheit:

Fortuna Düsseldorf – mit uns verlieren Sie Ihr Geld, selbst wenn der Schiri auf unserer Seite ist!

Mittlerweile ist ja auch die zweite hier angesprochene Partie, Hertha (A) gegen Bielefeld (A) gekippt worden und muss am 13.04.2005 wiederholt werden, da man beim DFB die Manipulation durch den Schiedsrichter Marks als erwiesen ansieht. Pech für die Hertha, immerhin können beide Vereine sich ins Geschichtsbuch schreiben, zwei der ganz wenigen Clubs in Deutschland zu sein, die das Hinspiel einer Saison erst nach dem Rückspiel austragen müssen (letzteres fand nämlich am 23.03.2005 statt). Hat man ja auch nicht alle Tage.

Nun, dies sollte das Rückspiel der Fortuna gegen Wolfsburg eigentlich nicht über Gebühr belasten. Vielleicht war es aber doch noch in den Köpfen der Spieler derart verankert, dass man unbewusst ein Spiel in tribute to Robert Hoyzer ablieferte und sich 0:0 trennte? Denn wenn man keine Tore schießt, kommt der Schiri auch nicht auf die Idee, sie zu annullieren. Ein ruhiger Nachmittag im Flinger Broich. Okay, der Platz war ein besserer Witz, schneebedeckt und glatt, warum angepfiffen wurde, wusste keiner so ganz genau, schließlich lieferten alle 22 Spieler auf dem Platz über einen Großteil der 90 Minuten nur lustige Rutschpartien. Damit könnte das Ergebnis eventuell auch zusammenhängen, im Zeitalter der Verschwörungstheorien natürlich eine enttäuschende Erklärung. Zumal Tore durchaus fallen konnten: Frank Mayer versemmelte gleich zwei sogenannte Hundertprozentige, einmal umkurvte er galant den Wolfsburger Torwart und setzte den Ball dann ans Außennetz, beim zweiten Mal verzichtete er auf das Umkurven und setzte die Kugel am Torwart, aber leider auch knapp am Tor vorbei. Und Fortuna-Trainer Uwe Weidemann, in der Winterpause mit einem Vertrag als Cheftrainer bis zum Ende der Saison ausgestattet (ja, man gewinnt halt nicht ungestraft beim Wintermeister Braunschweig, dann muss man auch mit den Konsequenzen leben), pulverisierte sämtliche Bedenken der Verschwörungsfanatiker, die schon wieder ihre Köpfe hoben, indem er nach dem Spiel zu den vergebenen Großchancen sagte: „Der Franky hat die doch nicht absichtlich nicht rein gemacht!“ So muss es sein, direkt in die Offensive gehen! Außerdem hatte er Recht, so was ist bei Mayer keine Absicht, sondern normal. Und dass dies beileibe nicht nur auf ihn zutrifft, kann man in den kommenden Spielen noch sehen.

Zu diesem Spiel allerdings noch schnell ein Abstecher in die Kategorie „Lustige Leserbriefe von Leuten, die so richtig Ahnung vom Fußball haben.“ Beim Fachblatt für Profi-Fußball, der SportBild, trudelte im Februar ein Leserbrief ein, den die Zeitung völlig zu Recht abdruckte, damit man mal sehen kann, wie sehr sich einige Leute in der Regionalliga auskennen und sich dann auch noch dazu berufen fühlen, dies mal öffentlich kund zu tun. Ich persönlich hätte den Brief ja unter der Rubrik „Lachnummer der Woche“ abgedruckt, aber bei der SportBild glauben sie natürlich noch an das, was in diesem Brief verzapft wurde. Da schrieb nämlich ein Herr die nachfolgenden schlauen Zeilen:

„Profis sollen bleiben
Warum soll die Regionalliga eine Tabuzone für Bundesliga-Klubs werden? Es
besuchen doch wesentlich mehr Zuschauer die Spiele der Regionalliga, wenn
bekannte Fußballprofis mitkicken. Das bedeutet nicht zuletzt Mehreinnahmen,
die viele Regionalliga-Klubs erst überleben lassen.“

Also von dieser Seite hab ich das noch gar nicht gesehen. Die anderen Zuschauer übrigens auch nicht, und das schon seit Jahren, wie man an den entsprechenden Zahlen ablesen kann. Dies gilt sogar – der Herr Briefeschreiber wird es kaum glauben – für die eigenen Fans der „Wir peppen unseren Amateurkader mal eben auf, damit mehr Zuschauer kommen“-Vereine. Unter den 4.000 Zuschauern, die sich an jenem Nachmittag den Arsch abfroren, waren handgezählte 15 Fans aus Wolfsburg, und das, obwohl der VfL mit Roy Präger und Stefan Meissner immerhin zwei auch den eigenen Fans nicht ganz unbekannte Herren auf dem Platz präsentierte. Ja, Undank ist der Welt Lohn. Aber ich hoffe, der Briefeschreiber hat von Herrn Rummenigge, der ja nachweislich der Meinung ist, die Regionalligen müssten eigentlich aus 36 Amateur-Vertretungen der Profi-Klubs bestehen, für seine Werbung eine Freikarte erhalten. Natürlich für die Bayern Amateure. Vielleicht zum Auswärtsspiel bei den Mainz Amateuren. Ich würde es ihm gönnen, ehrlich gesagt.

Weiter ging es mit dem Spiel beim KFC Uerdingen am 26.02. Das Spiel beim Fast-Pleite-Klub in der Nachbarschaft, der mit ordentlich Freikarten vor dem Spiel auch für eine ordentliche Kulisse sorgen wollte. Dies gelang auch, es waren knapp 16.000 Zuschauer anwesend. Und die erlebten Erstaunliches. Der Abstiegskandidat (das sind wir) spielte den Tabellen-5. (das war damals Uerdingen) in dessen eigenem Stadion dermaßen an die Wand, dass denen Hören und Sehen verging, und Uerdingens Trainer Wolfgang Maes nach dem Spiel in der Pressekonferenz fünf Minuten lang über das tolle Spiel der Fortuna räsonierte und anschließend hinzufügte: „Ich wollte eigentlich, dass meine Mannschaft heute so spielt.“
Dass er nicht völlig ausflippte und seiner Truppe, die eine für ihren Tabellenplatz völlig indiskutable Leistung ablieferte, direkt nach dem Spiel 20 Strafrunden im Stadion aufdrückte, lag einzig und allein am Ergebnis: das Spiel ging nämlich 1:1 aus, was der bislang größte Witz in dieser Saison war. Die Fortuna verballerte Großchancen, als ob es morgen verboten werden würde, es war wirklich nicht mehr feierlich. Allein sechs Mal tauchten Fortuna-Spieler frei vor Torwart Sokolov auf – nicht ein Ball war drin. Da wurde am 5-Meter-Raum noch mal quer gespielt, da wurde der am Boden liegende Torwart angeschossen, da wurde aus fünf Metern Entfernung die Latte getroffen, da wurde der Ball Zentimeter am Tor vorbei geschossen – es war unfassbar. Und diesmal durfte sich nicht nur Frank Mayer, sondern die halbe Fortuna-Mannschaft darin sonnen, einen hochverdienten Sieg kläglich vergeben zu haben. Ob Mayer, Neuzugang Bozic, Lambertz, Policella, Podszus, Bellinghausen – was die alles vergaben, können sie normalerweise nie wieder gut machen. Selbst heute, einen Monat nach dem Spiel, kann ich nur den Kopf schütteln. So eine tolle Mannschaftsleistung und dann so eine Chancenverwertung – wie sagt man so schön? „Und so spielt ein Absteiger…“

Aber halt, ein Quäntchen Glück hatten wir ja noch. Denn natürlich darf man sich nicht wundern, dass man, wenn man vorne nicht trifft, dann hinten selbstverständlich eins kassiert, obwohl der Gegner überhaupt keine herausgespielte Torchance hat. Und natürlich darf man sich als Fortune nicht wundern, wenn es mal wieder ausgerechnet ein Ex-Fortune ist, der trifft: Michael Hopp, vor der vergangenen Saison zu RW Erfurt gewechselt, kam von dort zur Winterpause nach Uerdingen. Gegen Düsseldorf wurde er nach einer Stunde eingewechselt, vom Stadionsprecher ausdrücklich als „Premiere-Spieler“ begrüßt, sein allererster Auftritt für den KFC. Fünf Minuten später nahm er die Kugel aus 16 Metern versuchsweise volley und haute sie in den Winkel. Na danke schön! Warum immer wir? Ich glaube, kein Verein in Deutschland hat eine solch sichere Trefferquote von Ex-Spielern bei Spielen gegen ihren ehemaligen Verein aufzuweisen. Immerhin, ist auch eine Leistung…
Aber das Glück, das Fortuna in diesem Spiel dann doch noch hatte, manifestierte sich im hochverdienten Ausgleich. Wenn man nämlich ein Dutzend klarster Torchancen vergibt, dann muss es, wenn man denn doch noch trifft, natürlich so ein Eierbällchen sein. Mile Bozic, an diesem Tag bärenstarker Neuzugang aus der Winterpause und ebenfalls mit seinem allerersten Spiel für seinen neuen Verein, allerdings zum Glück für Fortuna, köpfte nach einem Eckball Uerdingens Torwart Sokolov den Ball durch die Hosenträger, die Kugel eierte hinter die Linie und wurde von einem Uerdinger Abwehrspieler weggeschlagen. Da hatten allerdings sowohl der eine Schiedsrichterassistent als auch Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus (für uns: die „Bibi“) bereits längst auf Tor erkannt. Ich stand zwei Meter von der Situation entfernt hinter dem Tor, und kann daher sagen, der Ball war hinter der Linie, wenn auch nur kurz. Auch die Uerdinger Abwehrspieler, die direkt daneben standen, protestierten kein Stück, das überließen sie dem Publikum, welches sich, fünfzig Meter entfernt postiert, noch Tage später darüber aufregte, man habe dem KFC den Sieg gestohlen, anstatt soviel Anstand zu besitzen und in der nächstgelegenen Krefelder Kirche eine Dankeskerze für den geschenkten Punktgewinn zu entzünden.

Aber natürlich muss man trotz der tollen Leistung der Fortuna attestieren, dass der Ausgleich recht glücklich war, denn den gibt auch nicht jeder Schiedsrichter. Und ob die Truppe mit einer „konventionellen Torchance“ an diesem Nachmittag noch den Ausgleich erzielt hätte, darf zumindest bezweifelt werden. So gesehen ein hochverdientes Unentschieden, das eigentlich ein Sieg hätten sein müssen, aber der Niederlage nur äußerst glücklich von der Schippe gesprungen. Normal geht bei uns halt nicht.

Dann kam der März und die Verlagerung der kompletten Regionalliga-Saison nach Düsseldorf. Diesen Eindruck konnte man zumindest gewinnen, denn es folgten vier Heimspiele am Stück. Berlin, Wuppertal, Kiel und Osnabrück, alle mussten in die Landeshauptstadt. Die Erklärung ist ganz einfach: das Spiel gegen Wuppertal wäre eigentlich ein Auswärtsspiel gewesen, das Hinspiel somit ein Heimspiel. Da das Heimspiel gegen den WSV jedoch in der Arena ausgetragen werden sollte, diese allerdings im letzten Sommer noch nicht fertig gestellt war, wurde vor Beginn der Saison das Heimrecht getauscht. Somit hatten wir in der Hinrunde drei Auswärtsspiele am Stück, nunmehr also drei Heimspiele. Danach sollte am 23.03. eigentlich das Auswärtsspiel bei den Amateuren des 1.FC Köln folgen, aber die ließen die Partie mal wieder (wie schon das Hinspiel) verlegen. Ergo kam als nächstes Spiel das Heimspiel gegen den VfL Osnabrück. Vier Heimspiele am Stück – das halten nur die ganz Harten durch. Und damit der geneigte Fan auch nicht vor Langeweile einschlief, wurden immer schön abwechselnd die Lokalitäten gewechselt: gegen die Hertha-Amateure am Flinger Broich, gegen den WSV in der Arena, gegen Kiel im Flinger Broich, gegen Osnabrück in der Arena – also ich finde, da hätte man noch einen dritten (geheim gehaltenen) Ground auswählen und die Anreise per Schnitzeljagd organisieren können. Das wäre mal ein netter zusätzlicher Event gewesen.

Die Partie gegen die Hertha-Bubis ist schnell geschildert, natürlich endete sie 0:0. Die dickste Torchance konnte direkt in der 8. Minute gesichtet werden, als die Truppe binnen fünf Sekunden drei Hochkaräter vergab: zunächst köpfte Bozic nach einer Ecke aus Nahdistanz, der Hertha-Keeper konnte parieren, den Abpraller setzte im Gewühl ein mir nicht sichtbarer Fortune an den Pfosten, und der nächste Nachschuss wurde von einem Hertha-Spieler von der Linie gekratzt. Da konnte man schon ahnen, dass das an diesem Tag wieder nichts werden würde mit dem Toreschießen. Und wenn’s dann doch mal klappte, dafür hatte der Gegner ja dann noch den Schiri, der in den letzten zehn Minuten der Partie dem Policella zwei Tore wegpfiff, wobei zumindest eine Entscheidung (angeblich Abseits) nun wirklich nur noch müde belächelt werden konnte. Aber wenn’s mal nicht läuft, dann läuft halt auch gar nix, und so konnte man auch hier abschließend sagen: Glück gehabt, dass man sich nicht noch einen der gefährlichen Konter der Herthaner (von mir persönlich gezählte 18 Männeken aus Berlin im Gästeblock) einfing und zumindest noch den Punkt behielt.

Apropos Hertha: da hätte ich ja noch was zu unserem Bundesliga-Nachwuchs, der unbedingt amateurhöchstklassig spielen muss, um Wettkampfpraxis für die höheren Weihen zu erhalten. Herthas Amateur-Trainer Karsten Heine konnte seinem Manager am nächsten Tag zumindest mitteilen, dass seine Bubis in puncto „Verhalten in der Öffentlichkeit“ durchaus schon an ihre großen Vorbilder Effenberg oder Assauer heranreichen. Nach dem Spiel entblödeten sich diese Getto-Gören, die im übrigen alle denselben trendy Friseur zu haben scheinen, nicht, sich durch den Zaun mit einem Teil der Düsseldorfer Haupttribüne anzulegen, wobei auch von Spielerseite durchaus kreative Beschimpfungen gehört werden konnten. In dieser Kategorie eher enttäuschend der Co-Trainer, der sich mit einem müden „Ihr Düsseldorfer Hurensöhne!“ vom begeisterten Publikum verabschiedete. Da dies doch etwas schlapp war, wollte ein Spieler auch noch etwas bieten, und so ließ die Nummer 14 der kleinen Herthaner, ein Herr Kretschmer, der schon während des Spiels durch einige gezielte Provokationen aufgefallen war, dann vor der Haupttribüne noch die Hosen runter und zeigte dem staunenden Publikum seinen ganz kleinen Herthaner. Nun, diese doch eher kümmerliche Darbietung kann noch dahin gehend entschuldigt werden, dass es an diesem Tag nur plus drei Grad waren. Trotzdem eine gelungene Performance, mit der er wohlweislich solange gewartet hatte, bis die Schiris bereits in der Kabine waren und auch keine Fernsehkamera mehr lief. Sollten sowohl wir als auch die Herthaner die Klasse halten, überlege ich derzeit, dem Mann beim nächsten Aufeinandertreffen zu dieser gelungenen Darbietung zu gratulieren und ihm als Zeichen meiner Verehrung den Ehrenpreis des Verbandes deutscher Exhibitionisten – den Goldenen Trenchcoat – zu überreichen. Was für ein Drecksack. Aber Profi-Fußball hat nun mal nix mit Hirn zu tun.

Als nächstes stand die Arena-Partie gegen den Wuppertaler SV auf dem Programm. Die Kalkulation derjenigen, die dieses Spiel unbedingt in die Arena verlegt sehen wollten, ging auf, es kamen über 15.000 Besucher, und die hätten im Flinger Broich wahrlich keinen Platz gefunden. In der Arena bedeutete dies allerdings, dass die Riesenturnhalle (das Dach war aufgrund der Witterung komplett geschlossen) noch nicht mal zu einem Drittel gefüllt war. Und das ist die Zukunft bei Fortuna, wenn irgendwann mal regelmäßig dort gespielt werden sollte, denn mehr Zuschauer bekam man auch zu besten Zweit- und Erstligazeiten nicht ins alte Rheinstadion, Spitzenspiele einmal ausgenommen. Und obwohl ich die Stimmung eigentlich recht ordentlich fand, der Anblick von über 35.000 leeren Sitzplätzen sorgt bei mir nun nicht gerade für Jubelstürme. Hinzu kam mal wieder das schon übliche Pannen-Szenario, so wurde die Heizung nicht hochgefahren, weil dies den Arena-Betreibern wohl zu teuer war, ergo herrschten in dem Bunker gepflegte fünf Grad plus (wenn überhaupt), das Dach war erst am Vormittag vor dem Spiel geschlossen worden, zuvor hatte es allerdings kräftig geschneit, was zur Folge hatte, dass im Oberrang einige Sitze klitschnass waren, die Anzeigetafel funktionierte dann doch eher sporadisch alle paar Minuten mal, an den Verpflegungsständen war teilweise nicht nur kein Wechselgeld vorhanden, sondern einigen gingen schon zur Halbzeit die Würstchen und Schnitzel aus, obwohl man bei der doch eher überschaubaren Zuschauermenge nun wirklich keine Schwierigkeiten mit der Planung hätte haben dürfen. Man hat sich ja daran gewöhnt, dass in „Europas modernster Veranstaltungsstätte“ (Sie lasen den Werbeblock, vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit) eine Veranstaltung, bei der mal nichts schief geht, partout nicht möglich ist. Gut, wenn dann wenigstens das Spiel passt.

Selbiges war nämlich nach 100 Sekunden entschieden. Flanke von Ndjeng, Kopfball Policella, 1:0. Sie können es ja doch noch. Von diesem Schock erholte sich der WSV nicht mehr und bekam während seiner Drangphase in der zweiten Halbzeit eines ziemlich bescheidenen Spiels dann auch den Unterschied zwischen „Europas modernster Veranstaltungsstätte“ (Sie lasen den Werbeblock, vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit) und ihrer eigenen maroden Bruchbude Am Zoo aufgezeigt: bei einem Flachschuss von Podszus offenbarte der Rasen in Europas…(na, ihr wisst schon) nämlich echte Heimmannschaftsqualitäten. WSV-Keeper Maly lag schon am Boden und hätte die Kugel wohl problemlos gehalten, wäre der Ball nicht durch ein Loch im Rasen unmittelbar vor ihm ein wenig hochgehüpft und hinter ihm im Netz eingeschlagen. Fortunas Mittelfeldspieler Kruse rannte danach erst mal zum ominösen Loch und bedankte sich dafür, die Entscheidung in diesem Spiel herbeigeführt zu haben. Ja, wir arbeiten wirklich mit allen Tricks. Anschließend hätte die Fortuna das Ergebnis noch höher schrauben können, aber in altbewährter 2005-Manier wurde noch die ein oder andere hochkarätige Chance vergeben, es wäre auch nicht verdient gewesen, soviel besser war die Fortuna auch nicht als der allerdings zugegeben selten harmlose Gegner.

Tja, und wenn das Spiel schon relativ langweilig ist, dann sorgt der Verein eben selbst für Abwechslung. Was er dahingehend tat, indem er in der Woche nach dem WSV-Spiel seinen General Manager Fußball und Netzwerk-Experten Thomas Berthold rausschmiss. Und diese Posse wiederum ist so unglaublich, dass ich nur spontan sagen kann: das ist Fortuna! Ich wäre wirklich enttäuscht gewesen, wenn da mal gesunder Menschenverstand gewaltet hätte.

Der Vertrag mit Berthold aus dem Jahr 2003 wurde von Walter Bau-Mann und Fortuna-Aufsichtsrat Thomas Speck ausgearbeitet. Ursprünglich sollte es sich um einen Kontrakt zwischen Berthold und der Walter-Gruppe handeln. So war es verkündet worden, so hatte ich es damals auch hier beschrieben.
Kurz vor der Unterzeichnung dann das Umdenken: Der Hobby-Golfer wurde Fortuna-Angestellter, Walter Bau sicherte im Gegenzug eine Sponsorensumme zu, die Bertholds Gehalt übertraf.
„Deshalb haben wir den Vertrag damals unterschrieben“, erklärt Ex-Präsident Charly Meyer. Ganz wohl war den Bossen dabei aber im Sommer 2003 nicht, denn der Vorstand wurde mehr oder weniger überrumpelt, wie Meyer verrät: „Ich habe damals zu Werner Sesterhenn (Finanzvorstand) gesagt, dass wir eigentlich zurücktreten müssten. Aber wir wollten nicht, dass es wieder Theater gibt.“
Das kam dann später. Weil Walter Bau in die Pleite stürzte und sich nicht mehr an die Zusagen halten konnte, hatte Fortuna die Personalie Berthold auch in puncto Gehaltszahlung an der Backe. Und wer den Vorstand damit „überrumpelt“ hatte, darüber braucht wohl nicht weiter spekuliert zu werden, es war natürlich – wer meine letzten Artikel gelesen hat, der kann schon erwartungsfroh mit der Zunge schnalzen – der König von Düsseldorf, das fleischgewordene Aufsichtsratsmandat und der von keinem Wölkchen am Himmel seines Selbstbewusstseins getrübte Joachim Erwin, Träger der Goldenen Zahnreihe der blend-a-med-Forschung und anderer staatlicher Auszeichnungen, der hier mal wieder seine Finger im Spiel hatte. Der in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender von Fortuna gemeinsam mit seinen Kollegen in diesem Gremium eigentlich eine Kontrollfunktion gegenüber dem Vorstand hat. Im Aufsichtsrat hätten bei diesem Vertrag eigentlich sämtliche Alarmglocken schrillen müssen, aber wie soll das gehen, wenn der AR-Vorsitzende selbst den Deal einfädelt und ein weiteres Aufsichtsratsmitglied anschließend den Vertrag aushandelt? Noch schnell das Präsidium zur Unterschrift „überredet“, schon hatten wir einen Weltmeister. So einfach geht das, wenn man die Vereinssatzung locker ignoriert. Den Herrn Weltmeister wieder loszuwerden, ist da wesentlich schwieriger, besonders wenn man sich diesen Vertrag mal etwas näher anguckt.

Da hatte man nämlich in grenzenlosem Selbstvertrauen dem Berthold eine prozentuale Beteiligung an den Zuschauereinnahmen gewährt. Es gab im letzten Jahr schon Ärger, als dies ruchbar wurde. Leider hatte man vergessen, diese Einnahmen von den Einnahmen aus Arena-Spielen, die ja erwartungsgemäß höher sein würden als die aus dem Flinger Broich, abzugrenzen. Das heißt nein, vergessen hatte man es nicht, der Vertrag enthält nämlich eine Präambel, in der eine von Bertholds Aufgaben glasklar damit umrissen wird, als „Zugpferd für die Arena“ zu dienen. Also gestand man ihm wohl auch die Einnahmen aus den Arena-Spielen zu. Da er diese (von den Spielen gegen Union Berlin und Bayern München) wohl bis heute nicht erhalten hat, reichte der Herr im Februar anscheinend eine Klage über ca. 100.000 Euro ein, um den ganzen Krawattenträgern des Vereins mal klar zu machen, dass er, im Gegensatz zu ihnen, durchaus in der Lage ist, Verträge nicht nur zu unterschreiben, sondern auch zu lesen.

Nun aber nix wie weg mit Berthold! Tja, das war leider nicht so einfach getan wie gesagt. Zunächst hieß es, man trenne sich vom Manager aufgrund seiner verfehlten Personalpolitik. Ja, die zweitdümmste Ausrede der Welt, um einen Manager loszuwerden – Fortuna kramt sie unverdrossen hervor. Und keine Panik, wir würden das ganze nicht noch toppen können – die dümmste kommt später noch.

Verfehlte Personalpolitik – da kann man schon zustimmen. Was der alles so eingekauft hat, was dann ein Flop war oder die hochgesteckten Erwartungen nur zum Teil erfüllen konnte, das wäre schon eine ansehnliche Liste geworden. Wenn man sie ihm denn zeitgleich mit der Trainerentlassung im November präsentiert hätte, da stimmte es nämlich noch. Wenn man sich völlig neutral und wertfrei die Bilanz von Bertholds Einkäufen nach dem WSV-Spiel ansieht, muss man feststellen, dass seine Neuzugänge acht der letzten neun Treffer erzielt und somit für den Gewinn von zwölf Punkten seit Ende November zuständig waren (als einziger „Nicht-Bertholder“ traf in diesem Zeitraum Dirk Böcker zum 2:0 in Braunschweig). Jaja, aber verfehlte Personalpolitik. Im November hätte es gestimmt, damals hätte man ihn allein schon wegen seiner Äußerung, seine Neuzugänge würden erst im Winter einschlagen, obwohl er bei feststehendem Aufstieg bereits seit Ende April Planungszeit hatte, zusammen mit seinem Trainer, dessen Schicksal er ja immer mit seinem eigenen verknüpft hatte, feuern können. Diesen Moment verpasste man, der Winter gab dem Golfer Recht, und ihn jetzt wegen verfehlter Personalpolitik zu feuern, ist mal so richtig intelligent, um es höflich zu formulieren.

Gleichzeitig stellte man fest, dass man eine weitere Kleinigkeit im Vertrag übersehen hatte: da es ein bis zum 30.06.2006 zeitlich befristeter Vertrag war, kam man vor Ablauf der Frist nur durch eine fristlose Kündigung aus dem Machwerk heraus, und dafür eignet sich eine Begründung wie „verfehlte Personalpolitik“ wohl eher nicht. Und ja – wir können es, wir können auch die dümmste Ausrede der Welt heranziehen, wenn wir Leute loswerden wollen: die fristlose Kündigung erfolgte wegen Spesenbetrugs! Es ging – Achtung, hinsetzen! – um die gigantische Summe von 104 Euro, die aus dem Jahr – Achtung, wenn sitzende Position bereits eingenommen, bitte anschnallen! – 2003 stammen soll! Im August 2003 soll der Ex-GMF mit dem Ex-Trainer und noch einem Ex-Wasweißich in einem Restaurant in Stuttgart gespeist und ebendiesen Betrag zu Abrechnung gebracht haben. Durch mühevolle Recherchen (der Ex-Trainer wurde im März 2005 befragt, ob er im August 2003 mit dem Ex-GMF gespeist haben könnte) fand die Fortuna-Führung nun aber heraus, dieses Essen habe eventuell gar nicht stattgefunden. Potzblitz! Aus welcher Ecke des Rathauses dieser Beleg plötzlich auftauchte, darüber braucht wohl nicht weiter spekuliert werden, da sitzen schließlich Meister dieses Fachs. Die Buchhaltung ist nicht über diesen Beleg gestolpert, die Kassenprüfung auch nicht, aber kaum wird ein griffiger Grund für die Entlassung benötigt, taucht der Fetzen Papier mehr als anderthalb Jahre später „plötzlich“ auf. Nebst einer Erklärung von Berthold, er habe schon früher öfters gesagt, wenn die Summe nicht korrekt sei, solle man sie ihm doch vom Gehalt abziehen. Das tat man natürlich nicht, sondern bewahrte das Zettelchen anscheinend liebevoll gepflegt irgendwo auf und präsentierte es ihm jetzt als Kündigungsgrund. Ich liebe ja auch Bananerepubliken, in denen es drunter und drüber geht, allerdings doch eher im Fernsehen, darüber kann man so herrlich schmunzeln und dankbar sein, nicht in einer solchen zu leben. Aber ich hätte wissen müssen, dass die große weite Welt eigentlich nur einen Steinwurf von mir entfernt beginnt…

Denn es wurde ja noch besser. Zum Gütetermin zwischen Berthold und Fortuna vor dem Arbeitsgericht tauchte noch ein Detail auf, das dem Fass nun wirklich den Boden ausschlägt. Bitte – wer meinem gut gemeinten Hinweis, sich hinzusetzen und anzuschnallen, nicht gefolgt ist, der darf sich nicht wundern, beim Studium der nächsten Zeilen fassungslos zu Boden zu stürzen: Fortuna verpflichtete sich in dem Vertrag, „dafür Sorge zu tragen“, Bertholds Ehefrau einen Job als Fernsehmoderatorin zu verschaffen! Bitte, kreidet diesen schlechten Witz nicht mir an, wir reden hier über Tatsachen und keine Erfindungen von mir, um die Stimmung ein wenig aufzulockern! Woraufhin Herr Berthold natürlich seine Klage im Stile eines echten Stoßstürmers wieselflink dahin gehend erweiterte, dass er zusätzlich zu seinen 100.000 Euro Arena-Einnahmen auch noch deren 105.000 als Schadenersatz für seine Ehefrau haben möchte, da sie ja wohl niemand von euch schon mal auf dem Bildschirm gesehen hat, oder?

Hier kurz der Hinweis für alle Mädels, die gern mal Moderatorin bei QVC werden möchten: bewerbt euch einfach mal bei Fortuna Düsseldorf! Wenn genug Bewerbungen eingegangen sind, veranstalten wir vor einem Heimspiel auf dem Rasen ein großes Casting, die Gewinnerin bekommt die Stelle bei QVC und ihr Lebensgefährte oder Ehemann wird neuer Manager bei Fortuna. Machen wir es also diesmal einfach umgekehrt. Bevor wir demnächst bei „taff“ oder „blitz“ oder „Leute heute“ als offizielle Casting-Agentur vorgestellt werden.

Auf QVC komme ich deswegen, weil dieser Sender im Düsseldorfer Hafen sitzt und weil Fortuna behauptet, man habe Frau Berthold ein Vorstellungsgespräch nach dort vermittelt, aber sie habe den Job nicht angenommen. Damit sei man der vertraglichen Verpflichtung nachgekommen. Da bin ich wirklich mal gespannt, ob ein Richter dies ebenso beurteilt, nämlich dass mit einer einmaligen Vermittlung eines unverbindlichen Vorstellungsgesprächs und nicht zustande gekommenen Moderatoren-Vertrages der Passus „…dafür Sorge zu tragen, dass…“ wirklich erfüllt ist. An Bertholds Stelle würde ich es durchaus darauf ankommen lassen.

Und über so Kleinigkeiten, wie sie dann beim Gütetermin noch ans Tageslicht kamen, nämlich dass Fortunas Buchhalter dem Ex-Manager im Jahr 2004 insgesamt 370.000 Euro überwiesen hatten, obwohl vertraglich eine Deckelung bei 300.000 vorgesehen war, was den Verantwortlichen erst zum Gütetermin „aufgefallen“ war, schreibe ich schon gar nix mehr.
Hier müsste eigentlich der Auftritt des größten Oberbürgermeisters aller Zeiten kommen, der den Berthold mal eben wegfegt, ihm vor Gericht sagt, was für ein Abzocker er sei und der für klare Verhältnisse sorgt. Er sollte sich damit auskennen, schließlich war er ja am Zustandekommen des Vertrages maßgeblich beteiligt. Und – kam er, sah er und siegte er? Natürlich nicht, der hohe Herr ließ sich entschuldigen und den Anwalt verlesen, er denke gar nicht daran, sich als Zeuge zur Verfügung zu stellen, denn: „Ich treffe keine Personalentscheidungen bei Fortuna.“ In der Tat, als Aufsichtsrats-Vorsitzender steht ihm das offiziell überhaupt nicht zu. Dass bei Fortuna allerdings keine Personalentscheidung ohne ihn getroffen wird, ist nun wirklich jedem bekannt und wird vom Strahlemann üblicherweise auch nicht ernsthaft bestritten. Man merke sich diese Äußerung eines echten Lokalpolitikers aus der Provinz: überall die Finger reinstecken, überall mitmischen, hinter den Kulissen Druck ausüben und die Fäden ziehen, aber schlauerweise nirgendwo mal etwas Schriftliches hinterlassen, und sich anschließend hinstellen und sagen: „Ich kann doch nix dafür, das lag doch gar nicht in meiner Macht.“ Und somit den Vorstand, der das ganze (freiwillig?) unterschrieben hat, im Regen stehen zu lassen. Sorry, ich muss mal eben austreten, mir ist schlecht geworden.

Jedenfalls, um dies zum Abschluss zu bringen, die Richterin vertagte bis zur Hauptverhandlung am 29.06. mit der dringenden Empfehlung, sich vergleichsweise zu einigen. Sieht wohl so aus, als ob Fortuna die Kohle aus den Arena-Spielen los ist und Berthold im Gegenzug die Klage wegen seiner Ehefrau zurücknimmt. Ich hoffe, sie wird wenigstens mal bei Kerner oder Beckmann eingeladen, damit sie ein bisschen Werbung für sich machen kann. Das müsste doch drin sein.
Sollte man keinen Vergleich finden, wird es eine hochinteressante Hauptverhandlung, passend natürlich in der Sommerpause. Wer weiß, was da noch alles ans Licht kommt. Vielleicht haben sie dem Berthold noch zwanzig Freiflüge zum Dünen-Surfen nach Abu Dhabi versprochen oder seiner Frau die Ablösung von Thomas Gottschalk als Moderator bei „Wetten, dass…?“ Das kann dann richtig teuer werden. Unseren „Machern“ im Hintergrund traue ich alles zu.
Und noch ein Wort zu den ganzen selbsternannten Moralaposteln und Schwätzern im Fortuna-Umfeld, die dem Berthold „Abzockerei“ vorwerfen: ich bin auch froh, dass diese Pfeife weg ist, ich möchte allerdings denjenigen dieser Lichtgestalten sehen, der diesen Vertrag (der Berthold ja angeboten wurde, den hat er nicht in Personalunion selbst gestrickt, unterschrieben und in Kraft gesetzt) nicht unterschrieben hätte und jetzt nicht versuchen würde, diese Vereinbarungen vor Gericht durchzusetzen. Derjenige kann damit rechnen, ein Denkmal inklusive Heiligenschein vor dem Düsseldorfer Rathaus zu bekommen, gleich neben der Statue des Tausendsassas, der sich eine selbige unter Garantie noch aufstellen lassen wird. Derjenige wäre nämlich wirklich ein Heiliger. Glauben würde ich es ihm trotzdem nicht.

Zurück zum Sport. Das darauf folgende Spiel gegen Kiel geriet nach dieser turbulenten Woche natürlich zur Nebensache, und genauso sah es dann auch aus: 5. Minute, Ecke, Kopfball, Tor – 0:1 Sandmann; 11. Minute, Ecke, Kopfball, Tor – 0:2 Breitenreiter. Mehr ist zu diesem Spiel nicht zu sagen, außer, dass Fortuna zur Pause geschätzt 5:2 hätte führen müssen, allein Policella kreuzte dreimal völlig frei vor Henzler auf und vergab. Wieder war die Fortuna nicht schlechter als der Gegner, wieder vergab man Großchancen zuhauf, und somit verlor man im vierten Regionalligaspiel gegen Holstein Kiel auch zum vierten Mal. Ein findiger Kopf hat übrigens nachgeschaut, dass wir die „Störche“ zuletzt 1935 in irgendeinem Pokalspiel mal besiegt haben. Ein echter Angstgegner, wie es scheint. Und dabei wären die bei einem Fortuna-Sieg auch unten in der Tabelle mit drin gewesen. Aber wer die Lizenz zum Chancenverballern im Jahr 2005 günstig erworben hat, der muss sie natürlich auch nutzen. Und sich abschließend nicht wundern, wenn abgestiegen wird.

Zum Abschluss dieser Heimspielorgie kam am Ostersamstag der VfL Osnabrück in die Arena. Eine Mannschaft, die sich durchaus noch berechtigte Hoffnungen auf den Aufstieg machen kann, die darüber hinaus seit 13 Spielen ungeschlagen war. Und mit meinem persönlichen Lieblings-Coach Claus-Dieter „Pelé“ Wollitz anreiste, der sich mir schon im Hinspiel und besonders in der letzten Saison als Trainer des KFC Uerdingen beim Pokalspiel gegen Fortuna nicht gerade als gutmütiger Staatsbürger, sondern schon eher als Vollproll aufgedrängt hatte. Nur logisch, dass er auch noch etwas zum guten Gelingen des Tages beisteuern wollte. Aber das hatte er nicht exklusiv.
Und hier muss ich nun leider einige Zeilen zum Schiedsrichter dieser Partie verlieren. Das tue ich normalerweise äußerst ungern, es ist diesmal aber unvermeidlich. Ich kann noch nicht mal sagen, dass ich ihn nicht an den Pranger stellen möchte, denn ich tue es ja bereits. Aber das Maß ist so langsam voll. Ich werde mich allerdings bemühen, es so „neutral“ wie möglich zu gestalten.

Also: der Schiedsrichter war Manuel Gräfe aus Berlin. Na, schon mal den Namen gehört? Richtig, der stand kurzzeitig im Verdacht, sich im Zuge der Hoyzer-Affäre gemeinsam mit seinem Assistenten Felix Zwayer auch bei der Manipulation eines Spiels versucht zu haben, nämlich der Partie RW Essen-1.FC Köln (2:2) im November vergangenen Jahres. Nun sind Anschuldigungen nur Anschuldigungen und keine Beweise. Im Gegenteil, die beiden mutierten ja dann mit ihren Kollegen Fröhlich und Blumenstein zu Kronzeugen gegen Hoyzer und meldeten ihn beim DFB. Wobei dieser sich ja mittlerweile nicht mehr so ganz sicher ist, ob Kronzeuge Zwayer nicht doch mitkassiert haben soll, allerdings als Assi des mittlerweile inhaftierten Berliner Schiris Dominik Marks, bei der Partie Karlsruhe-Duisburg (0:3). Aber okay, Gräfe wird also nicht beschuldigt, und dementsprechend hat die Unschuldsvermutung zu gelten. So weit, so gut.

Dann pfiff der Herr Gräfe am 06.03.2005, also vor drei Wochen, ein Bundesliga-Spiel, bei dem er durch eine, sagen wir mal, etwas großzügige Regelauslegung auffiel. Jeder, der sich für Erstliga-Fußball interessiert, wird natürlich wissen, was gemeint ist. Es handelte sich um die Partie Nürnberg-Dortmund. In diesem Spiel verhängte er drei Elfmeter, die allesamt Lachnummern waren. Vielleicht war ihm ja das Spiel zu langweilig. Die Nichtleistung Gräfes an jenem Sonntag und die daraus resultierenden Folgen wurden anschließend in einem Zeitungsartikel so beschrieben:

„Für Schiedsrichtersprecher Manfred Amerell war die indiskutable Leistung von Gräfe ‚die bislang deutlichste Auswirkung nach den letzten Wochen und ein Paradebeispiel dafür, dass die Psyche bei einigen noch nicht vorhanden ist’. Eine Stunde habe der 31-Jährige die Partie souverän geleitet, ‚aber nach einer einzigen Konfliktsituation war die mentale Stärke weg. Daran sieht man, dass es schwer ist, die ganze Sache zu verarbeiten’.

Kurzfristige Konsequenzen muss der junge Referee aus Berlin, der im Wettskandal kurze Zeit sogar selbst in Verdacht geraten war, jedoch nicht befürchten. ‚Er braucht Spiele, um die Sicherheit zu bekommen. Da muss er jetzt durch, auch psychisch, und daran werden wir arbeiten. Wir lassen ihn jetzt nicht fallen’, betonte Amerell, zumal Gräfe selbst wusste, dass es nicht sein Spiel war. Direkt nach Spielschluss entschuldigte er sich bei BVB-Kapitän Christian Wörns für seine indiskutable Leistung.“

Nun bin ich sehr damit einverstanden, dass ein Schiedsrichter, der in einem Spiel so viele Fehler macht, nicht verdammt werden, sondern eine Bewährungschance erhalten sollte. Er ist schließlich auch nur ein Mensch, auch wenn man das in der ersten Aufregung gerne mal vergisst. Ich bin ebenfalls sehr damit einverstanden, dass der entsprechende Schiri dann erst mal ein, zwei Ligen tiefer eingesetzt wird. Aber was zur Hölle hat man sich beim DFB dabei gedacht, einem solchen Mann, unübersehbar in einer Formkrise befindlich, ein solch wichtiges Spiel wie Fortuna Düsseldorf gegen den VfL Osnabrück anzuvertrauen, in dem es für beide Mannschaften noch um alles geht? War nicht die Rede davon, den Mann wieder aufzubauen? Zum Beispiel spielten am Ostersamstag in der Regionalliga Nord zeitgleich mit dem Fortuna-Spiel die Mannschaften der Borussia Dortmund Amateure und der HSV Amateure gegeneinander. Der HSV steht in der Tabelle oben, darf aber nicht aufsteigen, die Dortmunder stehen im Mittelfeld der Tabelle. Ein Spiel um die Goldene Ananas, höchstens geeignet für die Amateurspieler (oder die Profi-Ersatzbankdrücker), den Profi-Trainer oder seinen Vertreter auf sich aufmerksam zu machen, falls diese Herren am Ostersamstag nicht grad was anderes zu tun hatten und auch tatsächlich im Stadion weilten. Sportlicher Wert gleich null. Warum bekommt der nicht so ein Spiel als Aufbau? Denn es passierte exakt dasselbe wie in Nürnberg, nach ein, zwei kritischen Situationen, leider direkt zu Beginn des Spiels, entglitt ihm die Partie vollständig und wurde zu einem richtig netten Skandalspiel. Hier das Protokoll der, wie ich meine, entscheidenden Szenen:

7. Minute: Ndjeng überläuft Ewertz, der foult ihn. Ewertz ist letzter Mann, Gräfe zeigt Rot. Vertretbar. Osnabrück nur noch mit zehn Mann. Mein Claus-Dieter führt an der Seitenlinie den HB-Männchen-Gedächtnis-Tanz auf, brüllt den Assistenten an.

10. Minute: rechte Seite in der Osnabrücker Hälfte: Nouri senst Policella um. Ordentliche Blutgrätsche von der Seite, den Ball noch nicht einmal mehr im Blickfeld, das Ganze direkt vor der Osnabrücker Bank. Nouri bekommt Gelb, aber selbst dies ist Claus-Dieter schon zuviel. Der faire Sportsmann brüllt wieder rum, als wäre er auf dem Hamburger Fischmarkt. Dann kickt er eins der rot-weißes Hütchen, die zur Begrenzung der Coaching-Zone dienen, in Richtung Assi, trifft diesen beinahe noch. Gräfe verweist ihn auf die Tribüne. Wollitz klettert über die Brüstung und sitzt auf der Tribüne direkt hinter der Trainerbank, kann also weiter lustig Anweisungen geben. Meiner Meinung nach ist der Ausschluss des Trainers von der Bank gerade dafür eben nicht gedacht. Aber Gräfe lässt ihn gewähren.
Wollitz hat sich den Hintern noch nicht angewärmt, da steht es 1:0 für Fortuna: Der aus dem Foul resultierende Freistoß kommt nach innen, wird von Kruse per Kopf verlängert, und Policella drückt die Kugel aus kurzer Distanz über die Linie. Osnabrücks Torwart Berbig reklamiert Abseits. Das ist auch nach Studium der Fernsehbilder nicht aufzuklären, ich tendiere eher zum Nein, Policella wuselte sich hinter seinem Gegenspieler durch und hielt den Schlappen hin.

14. Minute: Ndjeng gibt den Ball von rechts herein, Berbig verfehlt die Flanke, Podszus trifft mal wieder das leere Tor nicht, aber sein abgerutschter Schuss erreicht Policella, der staubt zum 2:0 ab. Unser Arena-Gustav! Fünf Hütten bisher, alle zuhause, vier davon in den drei Arena-Spielen. Den Flinger Broich mag er anscheinend nicht so sehr.

Nach 14 Minuten liegt der Aufstiegsaspirant 0:2 hinten, hat einen Mann weniger auf dem Platz und ist (angeblich) seines Trainers beraubt. Ich habe den starken Eindruck, dass Manuel Gräfe danach Mitleid mit den gebeutelten Osnabrückern bekam. Anders sind seine Entscheidungen nicht mehr zu erklären.

Es beginnt damit, dass er in der ersten Halbzeit wahllos Gelbe Karten an Fortuna-Spieler verteilt. Für Aktionen, die nun wirklich alles rechtfertigen, nur keine Verwarnung, und das direkt mehrfach hintereinander. Die Anzahl der Osnabrücker Freistöße in Düsseldorfer Tornähe wird bis zum Schlusspfiff in exorbitante Höhen ansteigen.
Fortuna passt sich dem Schiri-Niveau an. Nachdem man mehrere Großchancen zum 3:0 vergeben hat, unterläuft Bellinghausen einen langen Pass auf Feldhoff, der schießt in der 37. Minute zum Anschlusstreffer ein. Verdient, Osnabrück kämpft, ist spielerisch sowieso klar überlegen. Teilweise eine Augenweide, wie bei denen der Ball läuft.

Dann ist Halbzeitpause. Ich werde Augen- und Ohrenzeuge, wie die Osnabrücker Spieler beim Gang in die Kabine den Schiri wüst beschimpfen, er solle gefälligst endlich mal vernünftig pfeifen. Keine Karte, keine Ermahnung, nichts. Kennt er die entsprechende Regel nicht? Fortuna-Trainer Weidemann möchte beim Schiri vorsprechen wegen der vielen unnötigen Verwarnungen. Dessen Antwort (Zitat): „Mit Ihnen rede ich nicht.“ Das gilt allerdings anscheinend nur für Fortunas Trainer, nicht für die gesamte Mannschaft. Denn in der Pause erscheint Herr Gräfe in der Fortuna-Kabine und spricht (Zitat): „Mir ist es egal, ich werde euch wahllos runterschmeißen.“ Ob er ähnliche Reden auch in der Osnabrücker Kabine schwingt, ist mir nicht bekannt. Bekannt ist mir allerdings, dass er bei der Auswahl seiner Gesprächspartner doch etwas eigen ist. Fortuna-Trainer Weidemann weist er ab. Man sollte nun meinen, dass er es generell so hält. Tut er aber nicht. Denn Osnabrücks Trainer Wollitz wird sich später sowohl bei der Pressekonferenz als auch im WDR-Fernsehen ausdrücklich für seinen gekonnten Vollspannstoß gegen das rot-weiße Hütchen entschuldigen, wobei er bei beiden Gelegenheiten ebenso ausdrücklich betonen wird, dass er diese Entschuldigung auch bereits beim Schiedsrichter angebracht hat – in der Halbzeitpause. Noch Fragen?

In der 2. Halbzeit geht es zunächst um Fußball. Feldhoff versiebt den Ausgleich in der 50. Minute, als er freistehend am leeren Tor vorbei semmelt. Man könnte meinen, er würde ein Fortuna-Trikot tragen. Wie man so was im halben Dutzend galant erledigen kann, zeigen danach mal wieder die Fortuna-Spieler. Osnabrück macht auf, bringt mit Menga und Reichenberger zwei weitere Stürmer, wirft alles nach vorne, zum Schluss stürmt sogar Torwart Berbig mit. Es ergeben sich hochkarätige Konterchancen für Fortuna. Aber alles wird vergeben. Da spielt man mit drei gegen einen Abwehrspieler und läuft ins Abseits. Da läuft Podszus von der Mittellinie allein auf Berbig zu, der gerade vom einem seiner Sturmläufe Richtung eigenes Tor sprintet. Warum lupft er die Kugel nicht aus dreißig Metern? Selbst wenn die daneben geht, muss der Berbig noch den ganzen Weg zurück, den Ball wiederholen und abschlagen, alles Zeitgewinn. Aber nein, Podszus läuft und läuft, Berbig kommt in den eigenen Strafraum, kann ihm entgegenlaufen und anschließend parieren. Und so weiter und so fort…
Das Spiel muss längst entschieden sein, die reguläre Spielzeit ist abgelaufen. Da zeigt Herr Gräfe die Nachspielzeit an. Ist mir schon mal unbegreiflich, es hat in der zweiten Halbzeit genau eine kurze Verletzungspause gegeben, kein Mensch weiß, warum der zwei oder drei Minuten Nachspielzeit anzeigt (ob zwei oder drei ist umstritten, je nach Blickwinkel des Beobachters).
Und dann kommt die 94. Minute. Mathematisch und logisch ist diese Nachspielzeit jetzt auch von ihm nicht mehr zu erklären. Feldhoff fummelt sich am Strafraum fest, passt in selbigen. Dort steht allerdings nur Fortuna-Abwehrspieler Guthleber. Der läuft zum Ball, von der Seite kommt Menga angerauscht, stößt ihn weg, kommt dann selbst zu Fall, der Ball rollt ins Aus. Der Schiedsrichter-Assistent zeigt Abstoß an. Die Osnabrücker drehen sich ab, die Fortuna-Fans jubeln.
Manuel Gräfe aus Berlin pfeift Elfmeter für Osnabrück.
Das ist mit normalen Maßstäben nicht mehr zu fassen. Das ist auch kein „Kann man pfeifen, bei strenger Regelauslegung“. Das ist eine der größten Fehlentscheidungen, seit ich Fußball schaue. Und ich halte mich für neutral genug, dies auch zu schreiben, wenn es ein Strafstoß für Fortuna gewesen wäre. Der Mann steht am Strafraum, zehn Meter vom Geschehen entfernt, sein Assistent hat freien Blick auf die beiden Spieler. Der Schiri kann wirklich alles machen, Abstoß anzeigen, Freistoß für Fortuna pfeifen oder zur Abwechslung mal das Spiel beenden, das nunmehr schon in der 95. Minute ist. Er macht nichts dergleichen, er pfeift Elfmeter für Osnabrück. Wie gesagt, rational erklären kann man das nicht.

Der WDR zoomt unmittelbar nach dem Pfiff auf die Osnabrücker Bank. Dort sitzt Wollitz und lacht sich richtiggehend schlapp. Sagt wohl alles. Und ihr habt richtig gelesen: Herr Wollitz sitzt bei seiner kleinen Humoreinlage auf der Bank. Er hat mal eben kurz den Platzverweis in eine Zeitstrafe umgewandelt. Erst als er die Kamera bemerkt, macht er sich flugs wieder vom Acker. Herr Gräfe hat auch dies entweder nicht bemerkt oder toleriert. Und, sorry, dass ich das schreiben muss, aber: das ganze Verhalten des Herrn Gräfe über einen Großteil des Spiels, insbesondere in den letzten Minuten, lässt mich denken, dass er nur auf diese Gelegenheit gewartet hat. Ist ihm vielleicht durch den Kopf gegangen, dass die Rote Karte ein wenig hart gewesen sein könnte? Dass das erste Tor aus abseitsverdächtiger Position erzielt wurde? Ausgleichende Gerechtigkeit? Auge um Auge, Zahn um Zahn? Mich würde interessieren, was er sich dabei gedacht hat. „Foul!“ kann es beim besten Willen nicht gewesen sein.

Nun, der Rest ist schnell erzählt, Feldhoff macht den Elfer zum 2:2 rein, Herr Gräfe entschließt sich nach einigen Diskussionen, das Spiel gar nicht erst wieder anzupfeifen und verschwindet binnen dreißig Sekunden im Kabinentrakt. Das Spiel hat ihn sicherlich mächtig aufgebaut, danke für die vorausschauende Planung, Herr Amerell.

Eins muss ganz klar gesagt werden: natürlich darf das Spiel zu diesem Zeitpunkt nicht mehr 2:1 stehen. Fortuna muss zwingend 4:1, 5:1 führen, dann lacht man sich über eine solche Nichtleistung kaputt und feiert den Sieg. Und natürlich ist das Unentschieden letztlich nicht ganz unverdient für Osnabrück, die fast 90 Minuten mit einem Mann weniger spielten und eine tolle Moral zeigten. Aber darum geht es nicht. Selbst wenn Fortuna 25 Hochkaräter in diesem Spiel verbraten hätte, berechtigt das den Schiri noch lange nicht, ihnen in der 95. Minute den 2:1-Sieg wegzupfeifen. Oder um eine besonders idiotische Metapher zu bringen: der Mann hat am Ostersamstag den Fußball mit Füßen getreten. Für jeden sichtbar und unerklärlich. Selbst der Gäste-Trainer, sonst immer für einen lustigen Spruch gut, war ganz klein mit Hut und nachdenklich, als er sagte: „Beim Ausgleich hatte wir das Quäntchen Glück.“ Und Herrn Gräfe aus Berlin, den ich hoffentlich nie wieder sehen muss. Was zuviel ist, ist zuviel. So macht Fußball keinen Spaß mehr.

Fortuna verbleibt somit auf Platz 14 der Tabelle mit 29 Punkten. Aber dies ist nur eine Momentaufnahme, denn alle Mannschaften, die unter uns stehen, haben noch Spiele nachzuholen, daher rechne ich damit, dass wir über kurz oder lang auch ohne eigenes Zutun wieder auf einem Abstiegsplatz landen. Es ist zum Haareraufen. In der Hinrunde verlor die Mannschaft meistens zu Recht, weil man zumeist Grottenfußball spielte. In der Rückrunde läuft es spielerisch gut, es werden Unmengen an Torchancen herausgespielt und gepflegt vergeben. Und wenn sie mal treffen, dann pfeifts ihnen der Schiri weg, wie gegen Berlin. Und wenn sie dann doch mal ohne Beanstandung treffen und einem Erfolg nahe sind, dann passiert so was wie am Ostersamstag gegen Osnabrück. Um es ganz klar zu sagen: dass die Mannschaft meiner Meinung nach mittlerweile ziemlich schlechte Karten im Abstiegskampf hat, liegt in allererster Linie an ihr selbst. Dass allerdings durch Schiedsrichter-Entscheidungen gerade in den letzten Minuten eines Spiels nachweisbar schon fünf Punkte flöten gegangen sind (in Münster, in Paderborn, in Chemnitz, jetzt gegen Osnabrück), lässt mich schon darüber nachdenken, was am Ende der Saison los sein wird, wenn diese Punkte fehlen. Denn dann ist nicht nur die Mannschaft zu schlecht für die Regionalliga, dann ist auch das Spiel unfair. Und das sollte eigentlich nicht sein. Also hoffe ich in den nächsten Wochen mal auf ausgleichende (Un-)Gerechtigkeit für uns. Ansonsten wird es nämlich wirklich hart.

Weiter geht’s bereits am kommenden Mittwoch (30.03.) bei den Amateuren des 1.FC Köln, die verlegte Partie des 27.Spieltages. Das sind diese ambitionierten Jungspunde, die im Hinspiel (ebenfalls mittwochs) mal eben mit 7 Profis antraten und 2:0 gewannen. Die neulich beim Spiel gegen Bielefeld auch schon 8 Spieler aus dem Profikader auf dem Feld hatten. Und die am Ostersamstag beim 0:5 in Lübeck ihren Libero wegen Tätlichkeit verloren. Ich bin gespannt, aus welchem Kader der Ersatz gestellt werden wird. Und wen in ihren Reihen man sonst noch so aus dem Fernsehen kennen wird. Fairplay Regionalliga.
Danach geht es am 02.04. zu den Amateuren des HSV, anschließend kommt am 08.04. (freitags) der FC St. Pauli zum letzten Arena-Spiel in dieser Saison vorbei. Und wenn es so weiter geht, wird es auch das letzte Arena-Spiel auf lange Sicht. Denn Arena-Spiele in der Oberliga – bitte, das möchte ich nicht auch noch erleben. So ist es schon frustrierend genug.

Verspricht, dass der nächste Artikel auch wieder kürzer wird: janus

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