17. – 21. Spieltag

Nutzen Sie unser Super-Christmas-Special! Wir geben Ihnen Gelegenheit, zurückzureisen in die jüngste Vergangenheit! Erleben Sie die letzten Wochen der Fortuna hautnah mit! Kommen Sie an Orte, von denen Sie zuvor nicht mal zu träumen gewagt hätten! Seien Sie live dabei, wenn bei Fortuna mal wieder Geschichte geschrieben wird – natürlich nur als Beobachter, denn aktiv in die Vergangenheit einzugreifen, ist auch mit unserem Angebot leider nicht möglich. Seien Sie also mittendrin, aber stehen Sie nur ohnmächtig dabei!

Vorsicht: wir sind natürlich bemüht, Ihnen bestmöglichen Service zu bieten, leider können wir aufgrund unserer Angebote nicht dafür garantieren, dass Sie ungeschoren davon kommen, womit wir selbstverständlich nicht die körperliche Unversertheit ansprechen, die ist Ihnen garantiert, sondern eine gewisse Mischung aus ohnmächtiger Wut und ungläubigem Staunen, die Sie empfinden könnten. Dies ist der besondere Thrill unserer Angebote. Nur für Hartgesottene! Und hier kommen sie, unsere beiden Angebote, die Sie in die jüngste Vergangenheit zurückbeamen werden, mit allen Extras, die wir zusätzlich anbieten (Preise auf Anfrage):

Angebot 1: Werden Sie Aufsichtsratmitglied bei Fortuna Düsseldorf!

Achtung: dieses Angebot gilt nur für den 27.11.2004. Reisen in die fernere Vergangenheit mit diesem Angebot halten wir für reine Geldschinderei, da Sie außer einigen Leuten, die zu dem nicken, was ein Einzelner zu sagen hat, nichts erleben würden. Und da sind wir ehrlich, dafür sollen Sie unseren Preis nicht bezahlen!

Unser Angebot gilt somit nur für den 27.11.2004. Es werden zwei Grundvarianten angeboten, die beide jedoch denselben Hintergrund haben, damit ein wenig Action in die Sache kommen kann: Sie gelten von vorneherein als Gegner des Aufsichtsratsvorsitzenden, egal, ob Sie sich diesbezüglich schon einmal geäußert haben oder nicht. Das macht die ganze Sache prickelnder, versprochen!

Variante A: Das Modell „Sascha Dücker“. Sie reisen als frisch bestelltes Aufsichtsratsmitglied (Namensschildchen im Preis inbegriffen!) zur Sitzung ins Düsseldorfer Rathaus, um Ihre Tätigkeit aufzunehmen. Seien Sie voller Vorfreude, voller Enthusiasmus, überdenken Sie Pläne, wie Sie dem Verein helfen könnten, aus der aktuellen Misere herauszukommen. Überschreiten Sie die Schwelle zum Sitzungssaal im Düsseldorfer Rathaus. Und erleben Sie sofort anschließend, wie Sie von einem kleinen Grinsemännchen mit strahlend weißen Zähnen angepöbelt werden, er werde sich mit Kriminellen wie Ihnen nicht an einen Tisch setzen! Aber keine Angst – wir versprechen Ihnen, Sie werden nicht auf irgendwelche besoffenen asozialen Dauerpöbler stoßen (zumindest nicht bei diesem Angebot), Sie sollen ja etwas geboten bekommen für Ihr Geld. Deshalb handelt es sich bei diesem Krakeeler auch nicht um einen alkoholisierten Berber aus der Düsseldorfer Altstadt im Delirium tremens, sondern um den Aufsichtsratsvorsitzenden des Vereins Fortuna Düsseldorf und gleichzeitig Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, Joachim Erwin, der die von Ihnen gebuchte Sitzung mit diesem Opener schwungvoll beginnt. Genießen Sie Ihr ungläubiges Erstaunen, im falschen Film gelandet zu sein, während Ihr Gegenüber vor Ihren Augen mit einem lustigen Schriftsatz wedelt, in Fachkreisen „Dossier“ genannt. Ahnen Sie vielleicht soeben, warum die Aufsichtsratssitzung von ihrem ursprünglichen Termin eineinhalb Wochen nach hinten verschoben wurde? Denken Sie aber zu keinem Zeitpunkt daran, dass die Prüfung neuer Aufsichtsratmitglieder eigentlich nicht dem Aufsichtsratsvorsitzenden obliegt, sondern dem Wahlausschuss. Also laut Vereinssatzung. Apropos: Sie erhalten natürlich vor Antritt Ihrer Reise einen Abdruck dieser Satzung. Diesen dürfen Sie natürlich auch nach Beendigung der Reise behalten, daraus kann man prima Konfetti machen, der Karneval steht ja auch bald an, besonders in Düsseldorf.

Und in einer anderen Sache haben wir natürlich auch vorgesorgt: nicht, dass Sie sich in dem Glauben wähnen, der AR-Vorsitzende habe nix gegen Sie in die Hand! Dafür hat er ja extra die Sitzung verlegen und ein Detektivbüro beauftragen lassen (nämlich uns). Wir haben da etwas vorbereitet, damit Ihr grinsender Gegenüber nicht nur leere Blätter vor Ihren Augen schwenken muss. Irgendwas, das nun wirklich nicht das Geringste mit Fortuna zu tun hat, sagen wir, eine Steuersache aus dem Jahr 2001 gegen einen kulturellen Verein, dessen künstlerischer Vorstand Sie waren. Oder so ähnlich, falls Sie eine andere Persönlichkeit bevorzugen, sind wir da flexibel, wir finden immer was, und wenn Sie mal im Alter von 16 Jahren bei McDonald’s zweihundert Servietten haben mitgehen lassen, weil Ihnen zuhause das Klopapier ausgegangen ist. Hauptsache, man kann es gegen Sie verwenden. Vertrauen Sie uns, wir machen keine halben Sachen!

Natürlich haben Sie durchaus die Möglichkeit, sich gegen solche Methoden zu verwahren! Sprechen Sie dagegen! Protestieren Sie gegen dieses Gebaren! Zeigen Sie sich empört – ist alles im Preis inbegriffen. Und staunen Sie, wie Sie plötzlich von einer jungen Dame, die Sie noch nie in Ihrem Leben zuvor gesehen haben, abgewatscht werden, so dürften Sie mit dem OB nicht reden! Rätseln Sie, wer diese Frau sein könnte! Erfahren Sie dann, dass es sich um die persönliche Referentin des OB handelt! Rätseln Sie weiter, mit welcher Berechtigung die persönliche Referentin des Oberbürgermeisters der Stadt Düsseldorf in einer Aufsichtsratssitzung des Vereins Fortuna Düsseldorf nicht nur sitzt, sondern auch noch die Klappe aufreißt und recht beleidigend wird. Allein dieses Rätsel rechtfertigt unseren Preis, denn Sie dürfen es nach Beendigung Ihrer Reise gerne wieder mit in die Gegenwart zurücknehmen und weiter daran tüfteln, Sie werden es nicht herausbekommen, darauf geben wir lebenslange Garantie, andernfalls erstatten wir 10 % des Reisepreises zurück!

Des Weiteren stellen wir für Sie kostenlos einen kleinen Taschenspiegel zur Verfügung, den Sie natürlich ebenfalls behalten dürfen! Kramen Sie diesen nun heraus und beobachten Sie, wie sich Ihr Gesicht aufgrund all der bisher erlebten Unverschämtheiten von leichenblass über tiefrot so langsam blau verfärbt. Messen Sie Ihren Blutdruck (natürlich bekommen Sie das entsprechende Gerät von uns an die Hand, wir bitten aber um Kautionshinterlegung und anschließende Rückgabe des Gerätes, diese Dinger sind knapp in Zeiten der Gesundheitsreform) und entscheiden Sie nun für sich, dass es reicht. Treten Sie zurück, bevor Sie überhaupt die Arbeit aufgenommen haben. Dem Rest der Sitzung folgen Sie im Hintergrund ohne Mitsprachemöglichkeit. Aber natürlich sollen Sie für unseren Preis noch mitbekommen, was so entschieden wird, nachdem der OB Sie aus dem Weg geräumt hat. Versuchen Sie gleichzeitig, Ihre Gefühle in den Griff zu bekommen, und die beiden Schmutzfinken nicht hier und jetzt an die Wand zu nageln. Das ist ein Kick auf höchstem Niveau, um den Sie jeder beneiden wird, der sich von Ihrer Reise erzählen lässt!

Variante B: Das Sparmodell „Thomas Bollien“ für den kleinen Genuss zwischendurch. Die Grundvoraussetzungen sind dieselben, nur sind Sie zunächst stiller Beobachter dabei, wie das neue Aufsichtsratsmitglied in einem Meisterstück gelebter Demokratie und Satzungstreue entsorgt wird. Danach wird sich das Grinsemännchen allerdings an Sie wenden, auch Ihren Rücktritt fordern und sagen: „Wenn Sie nicht zurücktreten, sorge ich dafür, dass Sie mit Ihrer Firma in Düsseldorf kein Bein mehr auf den Boden bekommen!“ Wägen Sie Ihre Bewunderung für seine Entschlussfreudigkeit und seine zupackende Art, eventuelle Gegner einfach aus dem Weg zu räumen, als befände man sich im Krieg, gegen Ihre Hassgefühle über eine absolut diktatorische Führung des Aufsichtsrats ab und überlegen Sie, welch ein Dossier der Vorzeigedemokrat und seine Dreckwühlerin über Sie angelegt haben könnten. Und falls es da beim besten Willen nichts gibt, überlegen Sie weiter, was die beiden sich ausdenken könnten (oder wir – wie gesagt, wir finden immer etwas, dazu können Sie anschließend Ihren Mitreisenden befragen, der das Modell „Dücker“ gewählt hat). Denken Sie daran, welchen Einfluss dieser Hüter der im Grundgesetz verankerten Freizügigkeit in dieser Stadt hat, und treten Sie dann vorsichtshalber auch zurück, weil Sie keine Lust haben, dass dieser Wegbereiter des Parlamentarismus Ihnen den Lebensabend wegen eines maroden Vereins versauen will, der sein Denkmal werden soll, weil für ihn bei seinen ganzen Verflechtungen bei Sponsoren, Arena-Betreibern und wer weiß, wo sonst noch, so einiges auf dem Spiel steht. Retten auch Sie sich in den Hintergrund, wo Sie sich mit dem Reisenden des Modells „Dücker“ ungläubig anstarren können, dass so etwas in heutiger Zeit überhaupt noch möglich ist.

Erfahren Sie dann, dass der Trainer an jenem Morgen beurlaubt wurde, was zumindest überraschend kommt, denn nach sportlichen Gesichtspunkten hätte er schon längst weg sein sollen, und da dies nicht geschehen ist, fehlt jetzt eigentlich ein so richtig griffiger Grund, den man auch verstehen würde. Staunen Sie darüber, dass es der General Manager Thomas Berthold gewesen ist, der dem Trainer an jenem Morgen die Kündigung überbrachte, jener General Manager, der noch Wochen zuvor öffentlich behauptet hatte, „Zwischen den Trainer und mich passt kein Blatt Papier“, und der auch zu einem Zeitpunkt, als Morales schon in der Kritik stand, laut überlegt hatte, wenigstens ein Blatt mit der Vertragsverlängerung dazwischen zu schieben. Nun hat halt nur noch die Kündigung gepasst. Staunen Sie zeitgleich darüber, dass der General Manager dennoch im Amt bleibt, bedenken Sie aber bitte, dass es ein bitterkalter Samstagmorgen war, an dem er diesen Schritt vollziehen musste, vielleicht war er müde und hatte sich jenen Teil des Hirns abgefroren, in dem das Kurzzeitgedächtnis sitzt. Urteilen Sie nicht zu hart, seien Sie lieber froh, dass dieser anerkannte Fachmann nicht doch, wie zunächst geplant, in den Vorstand aufrücken wird.

Das machen nunmehr zwei andere Herren. Staunen Sie über den Lieblingskandidaten des OB, Bauunternehmer Hermann Tecklenburg, der schon viereinhalb Jahre in annähernd derselben Position beim KFC Uerdingen dilettierte und auch noch schamlos genug ist, dies zuzugeben: „Viereinhalb Jahre konnte ich ja die Vorstandsarbeit in Uerdingen trainieren, um es hier einzubringen.“ Grinsen Sie aber nicht über die Uerdinger, die diesen Azubi viereinhalb Jahre lang nicht losgeworden sind, schließlich ist er dort gleichzeitig Hauptsponsor, da gönnt man sich schon mal was. Erinnern Sie sich dunkel daran, dass auch im Paul-Janes-Stadion bereits seine Werbebanden hängen – und natürlich haben Sie im Hinterkopf, dass er als neuen Trainer immer Peter Vollmann in der Hinterhand hat und dies auch derart öffentlich anpreist, dass man glatt vermuten könnte, der gute Herr Vollmann beziehe einen monatlichen Zuschuss aus Tecklenburgs Armenkasse. Ist natürlich nix dran, das wissen Sie ja.

Neuer Vorstandssprecher wird Peter Frymuth. Erinnern Sie sich daran, in ihm einen alten Fortunen zu erkennen – zeitgleich wird Ihnen allerdings einfallen, dass der gute Herr Frymuth im wirklichen Leben noch etwas anderes ist, nämlich Leiter der Bezirksverwaltung Düsseldorf-Eller, und somit Untergebener des Oberbürgermeisters, der zeitgleich Aufsichtsratsvorsitzender ist. Beginnen Sie zu verstehen, warum das Grinsen des OB langsam echt wirkt und warum sich auch die persönliche Referentin entspannt, die nun einem schönen Nachmittag entgegen sehen kann. Da lässt sich der OB die Laune auch nicht mehr davon verderben, dass ihm das neue AR-Mitglied von der Nachrückerliste nicht so ganz genehm ist. Der wird mit einem launigen „Da werden wir wohl mal die Satzung ändern müssen“ abgefrühstückt und kann sich schon mal auf die nächsten Sitzungen freuen. Je nach Entwicklung der Lage und der Dossiers im OB-Büro können wir somit vielleicht in naher Zukunft auch noch ein Modell „Armes Schwein“ in dieses Angebot einbauen. Ein weiteres AR-Mitglied wird dann im Frühjahr nächsten Jahres durch die Mitgliederversammlung bestellt. Wer da antreten will, hat somit ausreichend Zeit, sein eigenes Leben vorher noch von einem renommierten Detektivbüro durchforsten zu lassen (z.B. von uns). Spart dem OB-Büro Zeit und wichtige Steuergelder. Oder der OB schlägt praktischerweise direkt einen Kandidaten vor. Na, was wird wohl passieren?

Abschließend, wenn Sie sich wieder ein wenig erholt haben, dürfen Sie natürlich, egal welches Modell Sie gewählt haben, noch an der Presseerklärung nach dieser jetzt schon legendären Aufsichtsratssitzung teilnehmen. Bewundern Sie die Eloquenz des OB! Der behauptet vollmundig, dass es „nie die Absicht war, Thomas Berthold zum Vorstandssprecher zu machen.“ Stimmt. Zwischen Vorstandsmitglied pur und Vorstandsmitglied inklusive Vorstandssprecher ist ja ein kleiner Unterschied. Ist also nicht gelogen. Staunen Sie über den Satz des Tages: „Wir sind uns jetzt alle immer einig, wir reden ab jetzt nur noch mit einer Zunge. Es gibt keine Fraktionen mehr innerhalb des Aufsichtsrates.“ Für diese rhetorische Glanzleistung dürfen Sie auch gerne applaudieren! Das hat er prima hingekriegt – das Wort „Gleichschaltung“ würde aus dem Munde eines CDU-Funktionärs auch ziemlich merkwürdig klingen.

Wir garantieren Ihnen jedoch, dass Ihnen bei letzten Satz des selbsternannten Fortuna-Gottes der Mund offen stehen bleiben wird! Befragt, ob er nicht in der Vergangenheit doch den ein oder anderen klitzekleinen Fehler begangen habe, sagt der sympathische Pseudo-„Primus-inter-pares“ (Latein, Mittelstufe) Folgendes: „Ich habe Fortuna mehrfach gerettet, und ohne mich gäbe es diesen Verein nicht mehr. Da kann man sich nicht allzu viele Fehler vorwerfen.“ Und da kann man auch nix mehr sagen. Nur gerecht, dass er diese Aussage in keinster Weise mit Fakten untermauert, er muss schließlich nicht jedem alles erklären! Sie bleiben ratlos zurück, sollten jedoch spätestens jetzt zur in unserem Angebot inbegriffenen Sonnenbrille greifen, um vom Heiligenschein des Göttlichen nicht allzu sehr geblendet zu werden. Sollten Sie Atheist sein und derlei Mumpitz nicht glauben, dürfen Sie ihn gerne fragen, welche Drogen er denn so zu sich nimmt. Sie werden keine Antwort erhalten, er wird zu entrückt sein.

Erleben Sie abschließend noch, wie der Trainer der Verbandsliga-Mannschaft, Uwe Weidemann, als Interimstrainer für die drei Partien in Chemnitz, gegen Münster und in Braunschweig vorgestellt wird. Wie man ihm viel Glück und Unterstützung wünscht – und wie man ihm gleich mal klar macht, was ein Krawattenträger von Fortuna Düsseldorf in dieser Situation von einem Interimstrainer erwartet: „Wir gehen mit Uwe Weidemann die Zielmarke von neun Punkten an.“

Anschließend transferieren wir Sie in die Gegenwart zurück. Zum Abschluss Ihres Trips erhalten Sie von uns kostenlos die CD-ROM-Ausgabe von Meyer’s Geschichts-Lexikon, in der Sie dann, quasi als Nachbereitung der Reise, nachlesen können, dass es sich bei Ihrem Trip tatsächlich nur um eine Rückführung zum 27.11.2004 gehandelt hat, und wir Sie nicht versehentlich einige Jahrzehnte bis Jahrhunderte zu weit zurück geschickt haben. Wir garantieren Ihnen: die Verblüffung auf dem Gesicht unserer Kunden, wenn sie dies feststellen, ist unser schönster Lohn!

Des Weiteren erhalten Sie den Leitfaden: „Theorie und Praxis des Amerikanischen Wahlkampfes in Deutschland am Beispiel einer Landeshauptstadt“. Der Verfasser ist unbekannt, soll jedoch irgendwo in einem kleinen Dorf am Rhein sitzen. Viel Spaß beim Studium!

Und? Gut erholt und Lust auf mehr? Oder war das erst gar nix für Sie, zu viele Krawatten, zu viele Anzüge und ein quäkendes Frauenzimmer, das Ihnen Ihre Lieblingsbeschäftigung kaputt quatscht? Ja, wir können Sie verstehen. Was Sie jetzt brauchen, ist Bier und Bratwurst, ist arschkalte November- und Dezember-Luft, endloses Fahrerei auf Deutschlands Autobahnen oder Schienen, um nach 90 irgendwie belanglosen Minuten zu schwören, nie wieder so einen Ausflug zu machen, nur um es sich doch anders zu überlegen und zum Schluss zu wissen, dass Sie wieder mal alles richtig gemacht haben. Kurzum: Sie brauchen Fußball! Und natürlich haben wir da etwas für Sie vorbereitet:

Angebot 2: Werden Sie Fan von Fortuna Düsseldorf!

Dieses Angebot gilt etwas länger, nämlich vom 13.11.2004 bis 10.12.2004, Sie sollen ja ein bisschen was erleben. Sie werden von uns mit einer wahren Elefantenhaut ausgestattet. Nichts kann Sie großartig schocken, auch sechs sportliche Abstiege in zehn Jahren machen Ihnen nichts aus, denn wir haben für Sie in denselben Zeitraum noch zwei Aufstiege und einen Klassenerhalt aufgrund des Lizenzentzugs für eine eigentlich gerettete Mannschaft gepackt. In Ihr Langzeitgedächtnis pflanzen wir dann noch die Erinnerung an DFB-Pokal-Siege, Europapokalspiele und ein 7:1 gegen Bayern München ein. Dies wird immer dann in den Vordergrund treten, wenn Sie während Ihrer Reise verzweifelt denken sollten: „Warum tue ich mir das noch an?“ Es ist so von uns programmiert. Sie gelten als Träumer, als Rebell wider die Vernunft, als unermüdlicher Killer der menschlichen Logik – halt als Fortuna-Fan. So ausgerüstet ziehen Sie los in die große weite Welt der Regionalliga Nord im oben genannten Zeitraum.

Sehen Sie zunächst das Heimspiel gegen den VfB Lübeck! Leiden Sie mit, fiebern Sie mit, jubeln Sie mit! Natürlich wird auch der Humor nicht zu kurz kommen! Hinterher dürfen Sie nämlich auch zur Pressekonferenz. Und dort werden Sie hören, wie der Noch-Trainer der Heim-Mannschaft, Massimo Morales, Folgendes zum Besten geben wird: „Die erste halbe Stunde von uns war fast perfekt!“ Bedenken Sie, dass Sie sich in einem VIP-Zelt befinden, bevor Sie den Schluck Bier, den Sie grad im Mund haben, ungläubig über die Umstehenden prusten, da Sie nicht ganz zu Unrecht der Meinung sind, die ersten 30 Minuten des soeben erlebten Fußballspiels seien von Seiten beider Mannschaften so ziemlich das Schlimmste gewesen, was Sie in dieser Saison ertragen mussten. Genau zum Ende dieses „perfekten“ Spielabschnitts erzielte Frank Mayer die Führung für die Hausherren, und es kam etwas Bewegung ins Spiel. Und zwar dergestalt, dass die Gäste mal ein wenig Druck machten, den Spieß binnen fünf Minuten umdrehten und mit einem 2:1 in die Pause gingen.

Aber wir sind mit unserem Angebot nicht einseitig! Und da ja in Düsseldorf der Karneval nicht mehr fern ist, beglücken wir Sie daher noch mit einem zweiten Spaßvogel, nämlich dem Gästetrainer, der bei seiner Spielanalyse anschließend eindeutig klarstellen wird, dass man als Ex-Profi definitiv auch zu viele Kopfbälle in seiner Karriere absolvieren kann. Stefan Böger, Coach des VfB Lübeck und 129facher Erstligaspieler von Hansa Rostock, dem MSV Duisburg und dem HSV, wird Ihnen nämlich erklären, dass seine Mannschaft das Spiel über weite Strecken dominiert habe und daher eigentlich den Sieg verdient habe. Bedenken Sie, was wir über die Umgebung gesagt haben, bevor das Stück Rinderbraten vom VIP-Catering aus Ihrem Munde schwungvoll ins Dekolleté der vor Ihnen postierten Dame segelt, die zwar nicht mal weiß, welche Sportart hier ausgeübt wurde, aber sich mal blicken lassen wollte! Verschlucken Sie sich lieber, es sind immer Sanitäter im Stadion, es kann Ihnen nichts passieren. Und erinnern Sie sich daran, dass der VfB Lübeck noch genau eine Torgelegenheit zu Beginn der zweiten Halbzeit hatte und sich danach hinten reinstellte und das 2:1 über die Zeit mauern wollte. Bestraft wurde dies durch den eingewechselten Kizilaslan, der den verdienten 2:2-Ausgleich erzielte, auch wenn niemand genau weiß, wie. Es war ein derartiges Durcheinander im Lübecker Strafraum, dass wohl auch der Schütze noch heute rätselt, wie er da den Ball reingemogelt hat, aber egal, es war verdient, denn Fortuna hatte zwar auch keine großartigen Chancen, kämpfte aber wenigstens und war den alles betonierenden Gästen überlegen, so dass die Punkteteilung in Ordnung geht. Nach Ihrer Rückkehr in die Gegenwart dürfen Sie dann übrigens noch rätseln, wie es diese Freunde des gepflegten 1-10-0-Systems bis auf Platz 3 der Tabelle geschafft haben. Vielleicht könnte ein kleiner Trip nach Lübeck zum Rückspiel Sie aufklären, denn die Unterschiede sollen gewaltig sein. Aber bis dahin ist es noch lang hin.

Der Abend klingt übrigens mit einem weiteren Rätsel aus, bei dessen Beantwortung Ihrer Phantasie keinerlei Grenzen gesetzt sind: sinnieren Sie ruhig noch einige Stunden darüber, welches Spiel die beiden Übungsleiter wohl gesehen haben mögen. Dies kann reizvolle Erinnerungen an gemütliche Fernseh- oder Stadion-Abende mit sich bringen! Wie gesagt: alles ist erlaubt, von Real Madrid gegen Manchester United bis hin zu VfB Stuttgart gegen Werder Bremen aus der letzten Saison (4:4). Nur Fortuna Düsseldorf gegen VfB Lübeck am 13.11.2004 kann’s wohl nicht gewesen sein.

Dann haben Sie erst mal Pause, das Spiel beim Chemnitzer FC am 20.11.2004 fällt nämlich wegen Unbespielbarkeit des Platzes aus, was Sie auch sofort glauben, als Sie aktuelle Fotos der Spielstätte sehen. Grönland ist nix gegen diese Schneelandschaft, man könnte sich höchstens eine romantische Schlittenfahrt vorstellen, aber beim besten Willen kein Fußballspiel. Nutzen Sie die Gelegenheit, um sich an den wahren, halbwahren oder auch nur auflagenträchtigen Schlagzeilen und Artikeln der ortsansässigen Zeitungen aufzuheizen, erregt mit anderen zu diskutieren, obwohl Sie ebenso wenig Ahnung von der Materie haben wie diese, jedoch selbstverständlich der Meinung sind, ein gewisses Fan-Dasein reiche aus, um eh alles besser zu wissen. Gehen Sie dann am Freitag, den 26.11.2004, ins Paul-Janes-Stadion, zum Spiel gegen die Amateure von Werder Bremen, und erleben Sie eine der schlimmsten Darbietungen der Fortuna der Neuzeit. Schauen Sie, wie erstaunt die Truppe ist, durch einen abgefälschten Freistoß von Ndjeng eher aus Versehen in Führung zu gehen! Erleben Sie, wie dieses Missverständnis aber sogleich wieder ausgebügelt wird, indem die Mannschaft direkt im Gegenzug den Ausgleich kassiert! Sehen Sie dann Torwart Nulle, wie er majestätisch unter einer Flanke hindurch segelt und den Bremern so noch vor der Pause das 2:1 ermöglicht! Und sehen Sie weiter, wie die Mannschaft in der zweiten Halbzeit weiterhin sichtbar nichts auf die Reihe bekommt und wie sich dann auch der Fußballgott mit Grausen abwendet, sodass zwei Minuten vor Schluss ein Kopfballtor von Kizilaslan nicht gegeben wird, weil der Schiri der Meinung ist, der Ball habe die Linie nicht im vollen Umfang überschritten, und Bremen im Gegenzug das Tor zum 3:1-Endstand schießt. In diesem Sinne zwar unglücklich, aber dennoch hochverdient, weil die Weser-Kicker klar besser waren und die Fortunen…hm, sagen wir es mal so, nicht gerade für ihren Trainer spielen.

Apropos Trainer: machen Sie sich bei diesem Spiel klar, dass er Freiwild ist. Diskutieren Sie mit ihm während des Spiels, beleidigen Sie ihn, werfen Sie auch mal ein Becherchen nach ihm (Pfand wird nicht erstattet), versuchen Sie sich auch gerne mal im Weitspucken – alles ist erlaubt an diesem Abend. Und wenn er dann den Gang zur Pressekonferenz nur unter Polizeischutz antreten kann, denken Sie bloß nicht daran, dass auch jemand, dem man vorwerfen muss, wirklich niemals an irgendetwas Schuld sein zu wollen, immer noch Mensch bleibt, den man so behandeln sollte, wie man selbst behandelt werden möchte. Seien Sie sich immer im Klaren darüber, dass das Recht zur freien Meinungsäußerung zwar seine Grenzen in allgemeinen Gesetzen und den Gesetzen zum Schutz der persönlichen Ehre findet, dass das aber niemanden hier so richtig interessieren wird. Werden Sie also mal so richtig ausfallend und sagen Sie ihm, was Sie von ihm halten. Hindern Sie anschließend noch den General Manager an der Abreise, indem Sie ihm ein paar Mal vor die Reifen seines Autos treten und springen Sie geschickt zur Seite, wenn er dann doch los fährt (keine Angst, Ihnen passiert nix, Kinder und Besoffene haben immer einen Schutzengel). Torkeln Sie anschließend ins VIP-Zelt und pöbeln Sie noch ein bisschen mehr – ist alles im Preis inbegriffen! Lallen Sie ruhig noch was von „Wir sind Fortunen und ihr nicht!“ – versteht bei Ihrer Promillezahl eh niemand mehr. Wundern Sie sich, warum Sie nicht Ernst genommen werden und wanken Sie wütend nach Hause.

Das war aufregend, nicht wahr? Und dabei war das nur die Hälfte des Trips! Denn jetzt wird alles gut. Oder auch nicht. Während Sie am nächsten Morgen noch über der Kloschüssel hängen und den letzten Rest Galle hoch würgen, weil Ihr Magen schon seit 24 Stunden keine feste Nahrung mehr beinhaltet, die er von sich geben könnte, hat Fortuna einen neuen Trainer. Und während Sie wahlweise mit kaltem Waschlappen auf der Stirn oder noch kälterem Frühstücksbier den tristen Samstag einläuten, fliegen im Rathaus schon die Fetzen. Dies kommt allerdings alles erst in den nächsten Tagen ans Licht. Auch, dass Neu-Trainer Weidemann ein Machtwort bezüglich der beiden suspendierten Spieler Podszus und Hoersen spricht und sie wieder in den Kader holt. Es reicht allerdings nicht mehr für das Nachholspiel in Chemnitz am 30.11.2004.

Erleben Sie dort den absoluten Tiefpunkt Ihrer Vergangenheitsreise. Sehen Sie, wie die Mannschaft wieder 30 Minuten Grottenfußball vom Feinsten bietet und folgerichtig 0:1 zurück liegt. Verzweifeln Sie, als Sie Victor Bocchio sehen – nach seiner Roten Karte im Pokalspiel vier Wochen gesperrt, nun wieder der erste Einsatz – nach 32 Minuten raus mit Innenbandabriss, sechs bis acht Wochen Pause. Unfassbar. Denken Sie, dass es nicht schlimmer kommen kann. Doch, es kann: noch in der ersten Halbzeit treffen Mayer und Ndjeng nur Pfosten und Latte. In der zweiten Halbzeit scheint ein Ruck durch die Mannschaft zu gehen, sie kommt besser ins Spiel, ist klar dominierend, gleicht in der 67. Minute durch Pasinis Fernschuss hochverdient aus. Freuen Sie sich, dass es wieder aufwärts geht, aber irgendwann am letzten Wochenende, bei einem Ihrer zahlreichen Toilettengänge, haben Sie im Suff den Fußballgott angepöbelt, der sich nach dem Bremen-Spiel angeekelt nach dort verzogen hatte. Der hockt jetzt immer noch da und ist beleidigt. Und zeigt Ihnen mal, wie er solche Angelegenheiten zu lösen pflegt: wenn sich schon die Mannschaft aufrafft, dann fällt eben der Torwart um. War ja auch oft genug umgekehrt in dieser Saison. Sehen Sie das unglaubliche 2:1 der Chemnitzer in der 73. Minute, als Fillinger ein Freistößchen aus 30 Metern Entfernung auf das Fortuna-Tor kullern lässt. Der Ball droht auf dem Weg einzuschlafen, hält aber tapfer durch, dafür nimmt ihm Fortuna-Torwart Nulle diese „Tätigkeit“ ab und lässt die Kugel, die er eigentlich schon sicher hatte, zwischen seinen Armen hindurch ins Tor trudeln. Fassen Sie sich an den Kopf und schreien Sie es ruhig laut, nachdem Sie es eben nur gedacht haben: „Schlimmer kann es nicht kommen!“ Doch, es kann: kurz vor Schluss erzielt nämlich Walter Otta mit herrlichem Flugkopfball den hochverdienten Ausgleich, den der Schiri aufgrund einer Abseitsstellung nicht gibt. Was es allerdings nicht gibt, ist die Abseitsstellung, wie man hinterher im Fernsehen recht gut erkennen kann. Aber es nutzt nichts, der Treffer zählt nicht, das Spiel ist aus, Fortuna hat 1:2 verloren und ist in der Tabelle jetzt sogar vom Gegner überholt worden – jenen Chemnitzern, die in den ersten fünf Spielen dieser Saison einen einzigen Punkt holten und kein einziges Tor erzielten.

Und wenn Sie nach Ihrer Rückkehr dem Fußballgott ins Gewissen geredet haben, bevor Sie ihn wieder an die frische Luft befördern, verrät er Ihnen noch ein kleines Detail, das wie das Tüpfelchen aufs „i“ passt: der Schiri war dieselbe Aachener Printe, die der Fortuna im Oktober in Paderborn mit einem nachweisbar zu Unrecht gegebenen Elfmeter in der 89. Minute noch einen Punkt klaute…

Wir wissen, dass wir Ihnen bis hierher viel zugemutet haben. Nicht umsonst haben wir Sie vor Beginn der Reise mit einer Elefantenhaut und reichlich kostenlosem Alkohol ausgestattet. Anders wäre das wohl kaum zu ertragen. Aber Sie wollten ja das knallharte Event, Sie wollten ja alles haben, was der Fußball zu bieten hat – ansonsten wären Sie ja zur Konkurrenz gegangen, die Rückreisen zu den 136 Meisterschaftssaisons der Bayern oder deren 95 Pokaltriumphen anbietet. Aber nein – Sie wollten Fortuna, Sie bekommen Fortuna!

Und zwar im Spiel gegen Preußen Münster am 04.12.2004, erstes Rückrundenspiel. Ein entscheidendes. Verliert Ihre Mannschaft auch hier, stellt sich die Frage, ob sie nach der Winterpause überhaupt noch antreten soll. Freundschaftsspiele zur Vorbereitung auf die Oberliga können auch ganz nett sein.

Übrigens können Sie dieses Angebot auch in der Variante „Auswärtiger Fan“ buchen. Sie haben also auch zu den Heimspielen eine etwas längere Anreise. An diesem Tag kommen Sie mit dem Auto aus Bonn nach Düsseldorf. Sie fahren über die A 59 auf die A 3 am Heumarer Dreieck. Da waren zwei Kilometer Stau gemeldet. Na ja, Sie sind früh los gefahren und locker, das passt alles. Leider gibt es diese lustige Eckverbindung von der 59 auf die 3, die sich über mehrere Kilometer hinzieht. Die ist auch dicht, davon hat Ihnen aber kein Radiosender etwas erzählt. Wozu auch, Sie merken es ja früh genug. Sie stehen locker über eine Stunde im Stau, nur um anschließend zu sehen, woran es liegt: am Heumarer Dreieck stößt nicht nur die A 59 auf die A 3, sondern kurz darauf auch die A 4. Der Verkehr verläuft dort zeitweise sechsspurig, bevor er auf drei Spuren zusammen geführt wird. Dort ist auch seit Monaten (Jahren?) schon eine Großbaustelle, so dass mit Behinderungen gerechnet werden muss. Was Sie nun allerdings erblicken, ist Ihnen völlig neu: von den sechs Spuren im Zusammenführungs-Stück wurden vier gesperrt, kein Wunder, dass sich dort alles staut. Ihr Blutdruck steigt erneut in schwindelerregende Höhen (falls Sie Angebot 1 zuvor angenommen haben, werden Sie durch unseren medizinischen Dienst kostenlos gecheckt, bevor Sie Angebot 2 annehmen dürfen), als Sie bemerken, dass Sie nichts bemerken – kein Baustellengerät, natürlich keine Arbeiter, keine Baugruben, noch nicht mal eine Schaufel bekommen Sie zu Gesicht – irgendjemand hat einfach nur diese vier Spuren mit diesen lustigen Hütchen abgesperrt und ist wieder nach Hause gefahren. Deshalb kam wahrscheinlich auch kein Hinweis im Radio. Dadurch wiederum schaffen Sie es erstmals seit Jahren, zu einem Spiel Ihrer Mannschaft zwanzig Minuten zu spät zu kommen, obwohl Sie zwei Stunden vor Anpfiff los gefahren sind. Falls Sie im Bereich Köln auch schon mal das ein oder andere Problemchen mit der Deutschen Bahn AG hatten, nehmen Sie sich doch jetzt einfach die großflächige Planierung der Stadt mit der komischen Kirche vor, wenn Sie einmal Bundeskanzler werden sollten (vielleicht bald in unserem Angebot – falls nicht vorher ein gewisser OB J.E. aus D. Bundeskönig wird).

Sie sind also wieder im Paul-Janes-Stadion. Das erste, was schockt, ist die Aufstellung. Marcel Podszus von Beginn an auf dem Platz, Thomas Hoersen auf der Bank. Guck an, der Herr Weidemann hat sich durchgesetzt. Der General Manager wollte das noch verhindern, ist aber zurück gepfiffen worden. Außerdem merkt der das gar nicht, er ist nämlich gar nicht erst im Stadion. Im Tor auch wieder Patrick Deuß, Nulles Tränen nach dem Spiel in Chemnitz waren also durchaus vorausschauend.

Und nun bieten wir Ihnen eine exakte Kopie des Hinspiels. Fortuna klar überlegen, der Gegner kommt kaum mal hinten raus, Chance um Chance wird heraus gespielt – und vergeben. Achtung: wir können nicht garantieren, dass Sie bei der Spielbetrachtung innerlich nicht fünf Jahre älter werden! Denn wir ziehen alle Register und bieten Ihnen ein Déjà-vu der besonderen Art: genau wie im Hinspiel wird Münster eine Viertelstunde vor Schluss eine Torchance haben, genau wie im Hinspiel wird es Sven Fischer sein, genau wie Hinspiel geht die Kugel ins…nein, Pasini haut sie von der Linie, das ging im Hinspiel auch nicht, da war der noch gar nicht da. Atmen Sie tief durch und beobachten Sie nun das goldene Händchen von Trainer Uwe Weidemann, der Gustav Policella einwechselt. In der 82. Minute zieht Ndjeng aus 16 Metern ab, der Gustl wird angeschossen und die Kugel ist drin. Später wird er von „Riecher“ sprechen, aber das ist nur für Sie, damit Sie nach langer Durststrecke mal wieder was zum Schmunzeln haben. Na ja, ganz Unrecht hat er nicht, da stand er wenigstens mal am richtigen Ort im Weg rum. Und hochverdient ist es allemal. Erleben Sie dann noch, dass das Spiel so endet, wie es sich auch nur ein schlechter Dramaturg ausdenken könnte, da eigentlich zu durchsichtig: in der Schlussminute fällt aus einem schönen Konter heraus das 2:0 durch einen tollen16-Meter-Flachschuss, abgefeuert von – Marcel Podszus. Brabbeln Sie nur noch „Der Fußball schreibt die schönsten Geschichten“ vor sich hin und spenden Sie fünf Euro ins Phrasenschwein (freiwillige Abgabe!).

Nun neigt sich Ihre Reise dem Ende entgegen. Und da haben wir natürlich noch ein besonderes Highlight für Sie: das Jahresabschlussspiel bei Eintracht Braunschweig. Der Tabellenführer. Der Herbstmeister. Der schon feststehende Wintermeister, egal, wie die Partie ausgeht. Die Mannschaft, die zuhause noch ungeschlagen ist. Die Mannschaft, die überhaupt erst zwei Spiele verloren hat, das Hinspiel gegen Ihre Truppe und eine Partie beim Wuppertaler SV. Die Übermannschaft der Hinrunde. Fahren Sie hin, freuen Sie sich über die Kulisse von 13.000 Zuschauern. Schauen Sie sich das Spiel an und lassen Sie sich gut gehen, denn dies ist ein Spiel, bei dem die Fortuna wirklich nix zu verlieren hat, alles unter einem 0:3 ist ein ehrenvolles Ergebnis. Hoffen Sie, dass der Gegner Ihr Team unterschätzt und ein bisschen Tralala spielen, seinen Fans vor der Winterpause noch etwas bieten will. Sehen Sie, wie der klare Favorit in der 6. Minute eigentlich in Führung gehen muss, als Daniel Graf allein auf Torwart Deuß zu stürmt, dieser jedoch parieren kann. Und erleben Sie dann mit offenem Mund, wie sich das Spiel dreht, wie die Fortuna aufmacht, den Gegner unter Druck setzt, selbst Chancen heraus spielt. Erleben Sie, wie Braunschweigs Torwart Stuckmann einen Ball abwerfen will, aber keine Anwurfstation findet und nur mit den Schultern zuckt. Hören Sie, wie das Publikum daraufhin zu pfeifen beginnt. Und sehen Sie, wie Braunschweigs Trainer Krüger wiederum daraufhin zwei Einwechselspieler zum Warmlaufen schickt. Schauen Sie auf die Uhr und stellen Sie fest, dass bei dieser kleinen Szene gerade mal 19 Minuten gespielt sind und wittern Sie Morgenluft! Hier geht vielleicht was!

Nach einer halben Stunde semmelt Tim Kruse einen 25-Meter-Freistoß in die Maschen, das hochverdiente 1:0 für Fortuna. Erleben Sie dann in der zweiten Halbzeit, wie die Fortunen binnen zehn Minuten drei glasklare Konterchancen versemmeln. Reiben Sie sich die Augen ob der 100%igen Leistungssteigerung aller Akteure, die zwei Wochen zuvor noch das Fußballspielen verlernt zu haben schienen. Staunen Sie, dass ein Policella das Spielgerät nicht automatisch zum Feind haben muss, im Gegenteil, der ist auf einmal bester Mann auf dem Platz! Und zittern Sie dennoch bis zur 89. Minute (obwohl Braunschweig nur eine gute Torchance in der 2. Halbzeit hat), bis Lambertz im Strafraum gefoult wird und Böcker den fälligen Elfmeter zum sensationellen, weil hochverdienten 2:0-Sieg verwandelt und ca. 1.000 mitgereiste Fortuna-Fans so richtig jubeln lässt.

Hier endet unsere Reise. Als Bonbon geben wir Ihnen einen Tag später noch das 0:0 der Werder-Amateure gegen den Chemnitzer FC oben drauf, was bedeutet, dass Ihre Fortuna auf dem rettenden 14. Tabellenplatz überwintert, auf den Abstiegsplätzen derzeit Werder (A), Chemnitz, Bielefeld (A), Wolfsburg (A) und Union Berlin.

Wenn das keine Motivation für das neue Jahr ist! Man darf gespannt sein, wie es weiter geht. Aber um dies zu erfahren, müssten Sie natürlich eine weitere Reise buchen. Natürlich bei uns, Ihrem Fortuna-Spezialisten. Wir wissen, dass Sie wieder kommen. Denn Sie wollen es doch auch! Unser unten stehendes Motto haben wir übrigens zur Hälfte vom Arbeitgeber unseres Gründers geklaut. Dieser Arbeitgeber besticht zwar durch gewisse Uniformen und Umgangsformen, aber keine Angst, der will auch nur spielen. Und deshalb wünscht er Ihnen auch schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Und er hofft, dass er Ihnen dann vom erfolgreichen Kampf um den Klassenerhalt berichten kann. Oberliga will er nämlich auch nicht mehr sehen. Obwohl er viel dazu erzählen kann. Bis dann! Wir zählen auf Sie!

Fortuna Tours
Wir buchen – Sie fluchen
Und lieben uns doch dafür

janus

Kommentare sind geschlossen.