Sommerpause Teil I

Ihr wollt es doch auch wissen!

Sommerpause? Nein danke! Wenn kein Fußball gespielt wird, war es beim Oberligameister der Herzen, Fortuna Düsseldorf, schon immer am lustigsten. Kein Wunder, muss man sich doch nicht kopfschüttelnd fragen, was unsere Lieblinge um Gottes willen schon wieder auf dem grünen Rasen abliefern, sondern kann sich ganz auf das Treiben im Hintergrund konzentrieren, und was das angeht, war Fortuna schon immer allererste Sahne.

Und so reißt es mich nunmehr kurzfristig aus meiner wohl verdienten Sommerpause, denn bei uns Fortunen geht’s wieder ab! Stillstand ist Rückschritt, und somit verkünde ich – wenn auch etwas kürzer als sonst – mal eben, womit man als Fan eines Viertligisten pünktlich zum offiziellen Beginn der Saison am 01.07.2004 (bzw. einen Tag zuvor) überrascht werden kann.

Zum Beispiel mit einem neuen Trainer. Da hatte es ja einige Spekulationen gegeben, eine wilder als die andere. Dieter Brei war in der Verlosung, Stephan Engels, das Ex-Fortuna-Kicker-Gespann Rada/Voigt, sogar Jean-Marie Pfaff sagte Bedrohliches von der großen Herausforderung und dem tollen Umfeld. Und ein Verein wie Fortuna Düsseldorf kann auch in der 10. Liga spielen, da darf trotzdem kein Nobody auf der Bank sitzen. Traditionsverein, natürlich.

Und deswegen wurde gestern auch Massimo Morales als neuer Chefcoach vorgestellt. Äh – Massimo wer? Keine Ahnung. Und damit stehe ich bei weitem nicht alleine, im Gegenteil. Also mal kurz die Vita gecheckt:

Massimo Morales, geboren am 20. April 1964 in Caserta, 20 Kilometer nördlich von Neapel, die Eltern sind spanischer Abstammung; spielte in jungen Jahren für den Ortsverein Casertana in der vierten Spielklasse Italiens; sammelte als Trainer weltweit Erfahrung; arbeitete als Jugendtrainer unter Giovanni Trapattoni 1996 bis 1998 beim FC Bayern München, war „Co“ bei der ghanaischen Nationalmannschaft; beobachtete als Chefspielerscout beim AC Mailand; agierte als Cheftrainer beim niederländischen Ehrendivisionär de Graafschap, auch Bellinzona (Schweiz) und Potenza sowie Varese (Italien) tauchen als Stationen auf; spricht sechs Sprachen und besitzt die Trainer-A- und -B-Scheine, die hierzu erforderlichen Prüfungen hat er in Deutschland abgelegt.

Na, dann geht’s ja. Ein absolut unbeschriebenes Blatt, der auf die Frage, ob er denn die Oberliga kenne, selbstbewusst antwortete, das nun gerade nicht, aber immerhin habe er mal ein Regionalliga-Spiel gesehen. Ich möchte gar nicht wissen, welches das war. Immerhin, sechs Sprachen spricht er: italienisch, deutsch, französisch, spanisch, englisch und holländisch. Leider nicht russisch, weshalb Sergii Tytarchuk auch in der nächsten Saison das Tor nicht treffen wird, weil ihm der Zuspruch fehlt. Immerhin kann man sich auf interessante Kommentare von der Trainerbank während eines Spiels gefasst machen und vielleicht sogar noch was lernen. Kampf dem PISA-Syndrom!

Ein Mann, der immerhin schon in der Nähe der Großen gearbeitet hat, verläuft sich jetzt in die Vierte Liga. AC Mailand, Nationalmannschaft Ghana, FC Bayern, und jetzt das. Bin gespannt, wer ihm sagen muss, dass ein Gegner seines Teams jetzt PSI Yurdumspor Köln heißt, ein anderer Borussia Freialdenhoven. Und vor allem, in welcher Sprache.

Ein in Deutschland absolut unbeschriebenes Blatt also, dieser Trainer. Wäre interessant, diese Entwicklung zu beobachten, wenn man ihn in Ruhe arbeiten ließe. Leider hat er sich dafür den falschen Verein ausgesucht, denn Fortuna muss ja in diesem Jahr aufsteigen, weil sonst die Lichter ausgehen, wenn man dem, was so aus offiziellen Kreisen rüberkommt, Glauben schenken darf.

Aber Fortuna wäre nicht Fortuna, wenn es nicht noch etwas zum Staunen gäbe. Morales stand nämlich deshalb wohl auf keiner Wunschkandidaten-Liste des Vorstands, weil die ihn bis letzte Woche ebenso wenig kannten wie ich bis gestern. Er kommt nämlich als Empfehlung des Mannes, der bei Fortuna etwas ganz Tolles wird: General-Manager Fußball. Doch, doch, das gibt’s wirklich, und dafür kanns ja auch nur einen geben: Thomas Berthold, 62-maliger Nationalspieler und 332-maliger Bundesliga-Spieler für die Frankfurter Eintracht, die Bayern und den VfB Stuttgart, wurde mit einem souveränen Drei-Jahres-Vertrag ausgestattet. Und der Mann, der eigentlich eher als Hobbygolfer auf der Tribüne des FC Bayern denn als Nationalspieler bekannt wurde, haute auch direkt richtig drauf: „Qualitativ bessere Spieler holen und bis 2006 wieder in der zweiten Liga sein!“ Ich hoffe, er hat seine Portokasse mitgebracht, anders wird das nämlich nicht zu finanzieren sein. Besonders gut kam das unter dem gleichzeitigen Hinweis beider Neulinge, weder Mannschaft noch Etat genau zu kennen. Da fühlt man sich als alter Fortuna-Fan doch direkt wieder in heimischen Gefilden!

Zumal das ganze auch noch steigerungsfähig ist: Vorgestellt wurden die beiden von Aufsichtsratsmitglied Erwin, im Nebenberuf Oberbürgermeister der Landeshauptstadt und als solcher zumeist damit beschäftigt, jeden erreichbaren Journalisten mit Kamera und/oder Mikro erbarmungslos in seine Nähe zu ziehen, da es seiner Meinung nach für diese ja kaum etwas Wichtigeres geben kann als ihn selbst, auch wenn nebenan grad zwei Straßenbahnen zusammengestoßen sind. Der Mann, der die WM 2006 nach Düsseldorf holen wollte. Der Mann, der Olympia 2012 nach Düsseldorf holen wollte (ich winselte bereits im letzten Kapitel). Der Mann, der sich grad anstelle des alten Rheinstadion eine Arena ans Rheinufer setzen lässt, bei der momentan noch nicht mal die Betreiber wissen, wozu diese gut sein soll. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, schließlich bin ich Auswärtiger und kann nicht jeden Tag gucken, was der sich jetzt schon wieder ausgedacht hat, das dann sowieso nix wird. Dieser Mann also kündigte die beiden Neuzugänge mit folgenden Worten an: „Die Verpflichtung unserer neuen sportlichen Leitung soll ein Signal für die regionale Wirtschaft sein, sich bei Fortuna zu engagieren“ Und – Achtung, jetzt kommts – mit dem Hinweis auf 14 verschlissene Trainer seit 1993: „Die Zeit der Schwätzer ist nun vorbei! Fortuna ist kein lahmer Gaul mehr.“

Manche Leute merken schon gar nicht mehr, wenn sie sich selbst parodieren…

Also, es sind große Worte von noch größeren Männern gefallen, nun müssten Taten folgen. Für das entsprechende Kleingeld soll der neue Hauptsponsor sorgen, der aber irgendwie immer noch nicht vorhanden ist. Oder will man jetzt vielleicht noch neue Wege austesten? Mal bei Bernhard Langer anfragen, der Thomas Berthold hat doch bestimmt gute Kontakte zur Szene. Oder bei Langenscheidt, der neue Trainer ist bestimmt ein prima Werbeträger für die. Alles ausprobieren!

Ach ja, es ist wohl noch bekannt, dass in der Winterpause noch Thomas Allofs geholt wurde, als Sportdirektor-oder-so-aber-man-weiß-es-nicht-genau. Der hat in den letzten 6 Monaten eigentlich nur dadurch auf sich aufmerksam gemacht, dass er versucht hat, seinen alten kölschen Kumpel Stephan Engels als Coach zu installieren, was, wie ja nun bekannt, ziemlich daneben ging. Ansonsten war auch wohl er in den letzten Monaten damit beschäftigt, herauszufinden, welche Tätigkeit er eigentlich ausüben soll. Da diese Recherche nicht strafbar ist und Allofs somit nix falsch gemacht hat, wird er befördert und mit einem Sitz im Vorstand bedacht, der Vorstand extra für ihn und Herrn Groth (Marketing-Experte, Ex-Messe-Chef, von daher mit negativen Zahlen in der Bilanz bestens vertraut) von drei auf fünf Leute aufgestockt. Dafür hat der Thommy jetzt aber eine klar umrissene Tätigkeitsbezeichnung: Sportlicher Leiter für die erste und zweite Mannschaft. Was den Sportlichen Leiter vom General-Manager Fußball unterscheidet? Nun, das herauszufinden, kann sich Allofs ja jetzt die nächsten sechs Monate bemühen, dann hat er schon ein Jahr fehlerfreie Tätigkeit hinter sich. Und wenn er eines Tages am Spielfeldrand in die Luft springt und „Heureka!“ ruft, dann ist die Erleuchtung endlich da. Mich würde die Lösung übrigens auch interessieren, da bin ich ehrlich.

Und wer sich jetzt verwirrt fragt, wie Fortuna ausgerechnet auf Berthold kommen konnte und wer den denn jetzt bitteschön bezahlen soll, dem kann geholfen werden:
Aufsichtsratsmitglied Thomas Speck, gleichzeitig Vorstandsmitglied bei Arena-Bauer Walter Bau, lieferte den zündenden Hinweis auf Thomas Berthold. Der arbeitete zuletzt für eine Kunstrasenfirma und hatte beruflich mit Speck zu tun. Bis zum Zweitliga-Aufstieg, also frühestens 2005, soll sich Berthold außerhalb des Oberliga-Etats selber tragen. Durch eigene Sponsorenverträge und jene der Rheinarena Düsseldorf GmbH.

Ach ja, nebenbei spielen wir ja auch noch Fußball: neben den im letzten Artikel bereits erwähnten zwei A-Jugendlichen Lambertz und Steegmann, die einen Vertrag für die erste Mannschaft erhielten, und Mirko Stark vom Wuppertaler SV, kann als vierter Neuzugang Gerrit Bürk vermeldet werden, ein junger Abwehrspieler vom Niederrhein, der zuletzt im Reserveteam von Roda JC Kerkrade kickte. Sicherlich ein Mann mit Perspektive, aber eben auch wieder ein Abwehrspieler. Dazu noch ein italienischer Trainer, der unter Trapattoni gearbeitet hat – hoffentlich kommt nicht wieder eine Abart des Catenaccio zum Vorschein wie in den alten Zeiten, als eine Umbenennung des Teams in Fortunic Düsseldorfic eigentlich nur noch eine Frage der Zeit zu sein schien.
Das Training beginnt am 18.07.2003, die Saison erst am 24.08.2003, dazwischen liegen 8 Testspiele und die erste Runde des ARAG-Pokals. Gleich das erste Testspiel wird mein Lieblingskick werden, man spielt nämlich am 19.07.2003 beim VfL Rheinbach, vor den Toren Bonns. Damit hat sich in dieser Saison, kaum dass sie richtig begonnen hat, die Anzahl meiner „Heimspiele“ bereits von 1 auf 2 verdoppelt! Ein gutes Omen, wie ich finde.

Übrigens hätte ich da noch einen ziemlich unglaublichen Vorgang, den ich mit Fug und Recht in die Zeitspanne „Sommerpause“ einordnen kann, denn er ereignete sich Anfang Juni, als die Oberliga-Meisterschaft bereits beendet war. Nicht jedoch die Meisterschaft der A2-Junioren. Am letzten Spieltag trifft die Fortuna-Auswahl in diesem für sie völlig unwichtigen Spiel auf den FC Büderich. Kurz vor Schluss führt Fortuna 3:0 und ein Fortune wird des Feldes verwiesen. Ein Zuschauer am Spielfeldrand legt sich daraufhin so heftig mit dem Schiedsrichter an, dass dieser die Partie kurzerhand abbricht. Der Name dieses engagierten Zaungastes: Helmut Pöstges. Seine Tätigkeit (unter anderem): Vorstandsmitglied und Jugend-Obmann bei Fortuna. Im Nachhinein blieb dieser Zwischenfall zwar ohne Folgen, denn das Spiel wurde nicht, wie zunächst fälschlicherweise gemeldet, für den FC Büderich gewertet, der dadurch den Abstieg vermieden hätte (zur Erinnerung: bei einer 3:0-Führung der Fortuna-Jünglinge). Nach einigem Hin und Her wurde das Spiel neu angesetzt und die Fortuna-Bubis schickten den FC Büderich mit einem 8:0 ins Tal der Tränen. Aber so etwas gibt es wirklich nur bei Fortuna.

Ein Kunstrasen-Greenkeeper als General-Manager, ein Weltenbummler mit der Erfahrung von 0 Oberliga- und 1 Regionalliga-Spiel als Trainer, ein Althool im Vorstand…mir macht das richtig Spaß. Ich freue mich auf Fortuna. Genieße jede Saison, denn es könnte die letzte sein.

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