8. – 10. Spieltag

…und siegt und siegt und siegt

Hier wieder dabei sein, hier wieder gewinnen…wer derzeit bei betandwin oder ähnlichen Zockerbuden auf Fortuna Düsseldorf, den Oberligameister der Herzen, wettet, dürfte von Woche zu Woche ein längeres Gesicht machen. Viel gibt’s da nämlich nicht zu holen. Mich persönlich schockt das aber nicht so sehr. Eher das Gegenteil.

Wir verließen unseren kleinen Sympathieträger im letzten Kapitel mit einem 2:0 gegen Kleve und der Eroberung des zweiten Tabellenplatzes der Oberliga Nordrhein. Aber, ach!, das ist schon hundert Jahre her. So viel hat sich seither getan, da wollen wir nicht zögern, sondern sofort beginnen.

Am Dienstag nach dem Kleve-Spiel ging es in der 2. Runde des Niederrhein-Pokals ausgerechnet gegen die Amateure von Borussia Mönchengladbach. Der aktuelle Tabellenzweite gegen den aktuellen Tabellenführer, das nenn ich mal eine gelungene Auslosung! Eine ernsthafte Standortbestimmung, dazu quasi ein Spitzenspiel auf Pokalebene. Nun, Letzteres wurde es dann doch nicht, es war zunächst viel Vorsicht im Spiel, bevor es zum Schluss richtig spannend wurde. Als Mönchengladbach durch Podszus in Führung ging, freundete sich der eine oder andere bereits mit dem Gedanken an, sich jetzt voll und ganz auf die Meisterschaft konzentrieren zu können. Aber da es ein typisches Pokal-Spiel war, kam die ebenso typische Wende: Trainer Morales wechselte Kizilaslan und Sesterhenn ein, der eine machte den Ausgleich, der andere in der Verlängerung den 2:1-Siegtreffer. So muss Pokal sein! Und wer dreimal pro Saison gegen Mönchengladbach spielen kann, der kann das auch gegen Ratingen 04/19, dieser Liga-Konkurrent und städtebauliche Nachbar ist nämlich der nächste Gegner im Pokal. Es darf also weiter von Berlin geträumt werden.

Aber keine Zeit zum Feiern, der nächste Brocken wartete schon 5 Tage später. „Auswärtsspiel“ beim selbst ernannten Aufstiegsfavoriten SSVg Velbert. Da das Spiel aufgrund diverser Vorkommnisse im Niederrhein-Pokal-Endspiel zwischen beiden Teams am 1. Mai ins Zoo-Stadion nach Wuppertal verlegt wurde, war es natürlich ein Heimspiel. Auch hatten die jeweiligen Fußballverbände noch rechtzeitig mitgespielt und eingedenk der Ereignisse beim letztjährigen Saisonausklang gegen den Wuppertaler SV die an diesem Wochenende stattfindende Partie der Regionalliga Nord zwischen dem Chemnitzer FC und dem WSV ebenfalls auf Sonntag verlegt, als einzige Partie an diesem Regionalliga-Spieltag übrigens. So blieben uns einige Wuppertaler Freunde als Zaungäste erspart.

Und um es dann mal ganz kurz zu machen, was dieses ganze Gerede wegen der Sicherheit angeht: es gab keine nennenswerten Vorfälle rund um das Spiel, im Stadion selbst blieb alles friedlich. War ja auch von Velberter Seite so gut wie keiner da, um mal wieder die Liebe zu Fü…äh, Verein, Volk und Vaterland lautstark und nachdrücklich zu bekräftigen. Die entsprechenden Herrschaften hatten einfach das Spiel boykottiert, weil es nicht auf heimischer Scholle statt finden durfte. Niemand vermisste sie ernstlich.

Außerdem standen alle Zeichen auf Frieden. Und das ist wörtlich zu nehmen, die Fortuna-Ultras nahmen das Spiel zum Anlass, endlich mal wieder eine jener Wallfahrten zu unternehmen, die das Herz jedes Sozialkunde-Lehrers erfreuen. Das Spiel wurde geschickt zum Vorwand genommen, endlich mal die Uralt-Klamotten aus dem Keller zu holen, oder, je nach Alter, bei den Eltern aus dem Schrank zu klauen. Wohlwissend, dass man in das graueste Stadion der grauesten Stadt der Oberliga Nordrhein kommen würde, ließ man der Phantasie freien Lauf und marschierte fröhlich singend auf, ausgerüstet mit Transparenten, auf denen Dinge wie „Wir kommen in Frieden“ zu lesen stand, Peace-Fahnen, Sonnenblumen-Aufnähern, übelsten Schlaghosen, grellsten Hemden und der für meine Begriffe unglaublichsten Afro-Look-Perücke der Fußball-Geschichte. Sie zogen aus und nahmen Wuppertal im Sturm, im Sturm der Liebe, möchte man sagen. Alle mochten sich, und alles war gut, und sogar die Tatsache, dass man in Wuppertal so gerne Kölsch trinkt, dass es sogar auf der Anzeigetafel weithin zu lesen ist, wurde lachend akzeptiert. Altgedienten Ostermarsch-Touristen in der Schwebebahn standen die Tränen in den Augen, als sie beim Anblick des friedlichen Haufens an längst vergangene Zeiten erinnert wurden, und sogar die begleitende Polizei konnte sich eines Schmunzelns nicht erwehren, denn an diesem Tage hatte anscheinend keiner der Wackersdorf-Veteranen Dienst. Ein schönes Bild.

Fast war es schade, dass auch noch Fußball gespielt wurde. Allerdings ging es auf dem Rasen 90 Minuten lang auch recht friedlich zu, und als das Spiel zu Ende war, hatten ca. 2.500 Zuschauer (davon 2.000 Fortuna-Fans) durch einen Treffer von Tytarchuk in der 27. Minute einen 1:0-Sieg gesehen, der in der ersten Halbzeit noch auf der Kippe stand, aufgrund der 2. Hälfte jedoch völlig verdient war und noch höher hätte ausfallen können.

Leider reichte das immer noch nicht zur Tabellenführung, denn Borussia Ostholland hatte den Schock der Niederlage in der Woche zuvor verdaut und ebenfalls locker gewonnen. Immerhin wurde der 3-Punkte-Rückstand gehalten.

Letzten Sonntag dann das nächste Auswärtsspiel, eine Premiere. Zum ersten Mal spielte Fortuna gegen eine Mannschaft, deren vollständiger Name länger ist als der mancher Vorschrift, die ich in meinem Beruf anwenden muss: der Gegner hört auf den Namen Partnerstadt Istanbul Heimatsport Köln, oder PSI Yurdumspor Köln, ist als Aufsteiger in die Oberliga Nordrhein bärenstark gestartet, stand vor dem Spiel auf Platz vier und hatte die beeindruckende Serie von 4 Siegen in Folge aufzuweisen. Wir zum Glück auch, darüber hinaus sind wir die einzige Mannschaft der Oberliga Nordrhein, die noch kein Spiel verloren hat. Zweiter gegen Vierter also – wenn das kein Spitzenspiel war!

Womit wir beim Problem des PSI Yurdumspor wären. Die Mannschaft ist alles andere als eine türkische Thekentruppe, spielt aber normalerweise auf einer Anlage, die einen an eben diese denken lässt. Die Bezirkssportanlage Chorweiler war somit völlig ungeeignet für dieses Spiel, da dort nicht mehr als circa 2.000 Leute Platz finden. Die hatte die Mannschaft zwar in der letzten Saison wahrscheinlich in allen Heimspielen zusammen nicht, an diesem Sonntag würde es aber anders werden, daher zog man ins Südstadion um, der Heimat von Fortuna Köln, die den Rasen auch einen Tag zuvor im Stadtderby gegen die Viktoria (3:0) schon ordentlich umgepflügt hatte. Aber auf jeden Fall gab es keine Probleme, den Weg zu finden, denn das Südstadion kennt nun wirklich jeder Fortune aus Düsseldorf, der in den letzten Jahren mit der Mannschaft gereist ist, hat uns doch die falsche Fortuna aus der Stadt mit der komischen Kirche in den letzten Jahren stets liebevoll begleitet, wenn es mal wieder eine Liga tiefer ging.

Und an dieser Stelle mal ein ganz dickes Lob an den Gastgeber: sie hatten alles prima organisiert, waren immer freundlich und guter Laune. Sogar ihre eigenen Musik-CDs hatten sie mitgebracht. Tarkan und Co. rockten das Stadion und zwangen bereits zur Halbzeit die Lautsprecheranlage in die Knie. Kein Wunder, muss die doch ansonsten so merkwürdige Sachen wie „Mr losse den Dom in Kölle“ oder ähnlich erschütterndes Liedgut wiedergeben. Die hat halt den Kulturschock nicht verkraftet. Geschieht ihr recht.

Weniger nett waren allerdings die Eintrittspreise. 10 Euro für einen Stehplatz habe ich in der Oberliga noch nie gesehen. Yurdumspor wohl auch nicht, ich kann mir nicht vorstellen, dass dies der normale Eintrittspreis bei normalen Heimspielen auf ihrer Bezirkssportanlage ist. Jedoch lag das wohl nicht so sehr daran, dass Yurdumspor mal einen ordentlichen Zahltag haben wollte, daran wahrscheinlich auch, aber größtenteils wurde es damit begründet, dass der SC Fortuna Köln, bekanntermaßen auch immer für eine spektakuläre Insolvenz gut, sich diese Nachbarschaftshilfe mit einer ebenso spektakulären Platzmiete hatte vergüten lassen. Die musste natürlich irgendwie wieder rein geholt werden, und wie kann man das am besten machen? Natürlich über erhöhte Eintrittspreise. Es ist immer dasselbe, wenn der Fortuna-Tross anrückt, heißt es immer „Achtung, die Asis kommen!“, aber bevor sich alles in die Bunker flüchtet, werden mit letztem Einsatz wenigstens noch die neuen Preise am Kassenhäuschen angeschlagen. „Top-Zuschläge“ in Köln, Oberhausen (Osterfeld), Wuppertal (Velbert) und bei SW Essen verdeutlichen dies. Sollte uns irgend jemand jemals in der Oberliga eine Träne nachweinen, dann dürften das wohl die Kassierer sein…Denn die Rechnung geht immer auf, auch im Südstadion waren es wieder 4.000 Zuschauer. Liebe kann man nicht erklären, aber andere können ganz gut davon leben. Jeder Juwelier dieses Landes wird diese simple Wahrheit bestätigen können.

Übrigens sollte man die Tatsache, dass Yurdumspor Aufsteiger ist, auch gleich wieder vergessen. Die Truppe ist äußerst spielstark und kaufte sich vor Saisonbeginn auch noch ordentlich Oberliga-Erfahrung ein, allein von Fortuna Köln, Viktoria Köln und dem Bonner SC wurden insgesamt acht Spieler verpflichtet. Insoweit ist die Platzierung wirklich keine große Überraschung, da spielen ein paar prima Fußballer.

Was die Fortuna nicht daran hinderte, die Truppe mit 4:1 auseinander zu nehmen und nach Chorweiler zurückzuschicken. Wobei das Ergebnis ein wenig zu eindeutig erscheint. In der ersten Halbzeit war Fortuna überlegen, aber nur Torjäger Mayer schaffte es, den Ball einmal über die Linie des Kölner Gehäuses zu drücken. Kurz nach der Pause dann der Ausgleich für Yurdumspor, als Anderson Faluyi im Düsseldorfer Strafraum drei Gegenspieler wie Slalomstangen stehen ließ und einschoss, durchaus verdient. Ausgerechnet der Herr Faluyi, Neuzugang aus Bonn und im Team der ehemaligen Bundeshauptstädter bereits in der letzten Saison gegen uns erfolgreich! Da züchtet sich wohl schon wieder jemand einen „Lieblingsgegner“ heran. Dies sollte durch die sofortige Verpflichtung Faluyis unterbunden werden. Oder am besten aufsteigen und hoffen, dass kein Regionalliga-Club den pfeilschnellen Stürmer verpflichet.

In dieser Phase wankte Fortuna, fiel aber nicht und entschied schließlich durch einen Doppelschlag von Mayer und Zeyer das Spiel. Und dann kam die 94. Minute…

Dazu darf ich kurz anmerken, dass ich das Spiel in beiden Halbzeiten jeweils hinter dem Yurdumspor-Tor verbrachte. Und das war eine weise Entscheidung, denn hier bekam man richtig Unterhaltung geboten. Der Keeper der Kölner, Daniel Galic, war extrem motiviert und, ich darf es mal so schreiben, schiss in den 90 Minuten wirklich alles zusammen, was ihm vor die Augen kam, inklusive der eigenen Balljungen. Außerdem hatte er auch immer, wenn er sich unbeobachtet wähnte, im Zwiegespräch mit sich selbst einige nette Bezeichnungen für die Gäste-Mannschaft parat. Der war nichts anderes als die kölsche Reinkarnation von Klaus Thomforde. Tja, und wie heißt es so schön? „Wer bis zum Hals in der Scheiße steckt, sollte tunlichst nicht noch den Mund aufmachen“. Und so geschah es dann in der 94. Minute, dass Herr Galic auch noch einmal aktiv am Geschehen teil nehmen wollte, und zwar dergestalt, dass er einen Rückpass eines Abwehrspielers mit Wucht und Vollspann wieder in die gegnerische Hälfte befördern wollte. Leider beförderte er ihn nur circa 3 Meter weit, dann traf der Ball auf ein Hindernis, nämlich den Kopf von Andi Lambertz, der nicht nur der Youngster, sondern auch der Kleinste im Team ist. Und nachdem der sich von seinem Schädelbrummen wieder erholt hatte, stellte er ziemlich überrascht fest, dass ihm etwas gelungen war, das er, laut eigener Aussage zum letzten Mal geschafft hatte, „Als ich noch auf kleine Tore gespielt habe“ – nämlich ein Kopfball-Tor zu erzielen. Ganz großes Kino im Südstadion!

Und wir sagten artig Danke zu Herrn Galic, auch aus einem anderen Grund: in der laufenden Nachspielzeit kam per Handy nämlich die Meldung, dass Mönchengladbach völlig überraschend 0:1 gegen SW Essen verloren hatte. Leider nur 0:1, denn das bedeutete Punktgleichheit und Gleichstand in der Tordifferenz, da Gladbach aber mehr Tore erzielt hatte, standen sie weiterhin auf Platz 1 der Tabelle. Sekunden später packte Galic jedoch die rechte Klebe aus, Lambertz konnte nicht mehr rechtzeitig aus dem Weg hechten und Fortuna war aufgrund dieses Tores Tabellenführer! Jetzt stell sich mal einer vor, das wäre am letzten Spieltag passiert….

Immerhin, die erste Tabellenführung in irgendeiner Liga seit Mai 1994! Damals war es auch die Oberliga Nordrhein, allerdings noch als 3. Liga. Was für ein Gefühl! Jahre der Demütigungen, des Schüttelfrosts und der Tränen waren binnen Sekunden vergessen. Daher waren die Gesänge „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ nicht ganz unberechtigt, obwohl das Spiel zwischendurch auch richtig eng war. Aber solche Siege sind ja bekanntlich eh die Schönsten.

Tja, und dann wollte ich es eigentlich kurz machen. Aber das geht nicht. Vorgestern folgte das Heimspiel gegen Borussia Freialdenhoven. Tabellenerster gegen Tabellenletzter, was soll da schon groß passieren? Ich will diese Frage zunächst vorsichtig beantworten: „Einiges.“ Oder anders gesagt: es wurde ein unglaubliches Skandalspiel mit weit reichenden Folgen.

Zunächst das Sportliche: Fortuna gewann 1:0 und baute die Tabellenführung sogar noch aus, da Mönchengladbach in Kleve nur Unentschieden spielte, und Leverkusen völlig überraschend zuhause gegen Fortuna Köln verlor. Das Tor erzielte Tytarchuk in der 53. Minute, der Sieg war zwischenzeitlich sehr in Gefahr, letzten Endes aber verdient.

Und nun, lieber Leser, falls Du bis hierher durchgehalten haben solltest, kann ich die Verständnislosigkeit in Deinem Blick sehen und Deine Gedanken lesen: was ist das denn für eine Truppe? 1:0 gegen den Tabellenletzten, zwischenzeitlich sogar noch sehr glücklich? Was ist das denn für eine Gurkentruppe, die da an der Tabellenspitze steht? Nun, die Erklärung ist relativ simpel: Fortuna spielte 72 Minuten (!!!) in Unterzahl. Womit wir bei der Minute 18 des Spiels wären, die die gesamte, bis dahin völlig friedliche Partie kippen ließ.

Folgendes hatte sich ereignet: ein Gewühl im Strafraum, der Ball wird mit Müh und Not zur Ecke geklärt. Fortunas Sturmführer Frank Mayer und Freialdenhovens Abwehrspieler Mario Nacev flüstern sich einige zärtliche Worte zu. Plötzlich liegt Nacev am Boden, rollt sich herum, als ob es dafür auch noch Kilometergeld geben würde. Muss fast zehn Minuten behandelt werden. Keiner hat etwas gesehen.

Keiner? Aber nicht doch. Da haben wir doch den Sportskameraden Wolske aus Bochum. Der pfeift nicht, steht an der Seitenlinie mit einem Fähnchen in der Hand. Ob ihn das vielleicht gewurmt hat, dass er nur den Linienrichter geben durfte? Jedenfalls hebt er sein Fähnchen und winkt kräftig. Er hat alles gesehen. Er stand zwar von allen Beteiligten am weitesten entfernt und hatte aufgrund des Gewühls im Strafraum die schlechteste Sicht. Trotzdem hatte er etwas gesehen. Was, war auch nicht so ganz klar, dazu gleich mehr.

Auf jeden Fall holte sich der Schiri, fünf Meter am Geschehen dran und auch nichts gesehen, seinen Rat und zeigte dem bestimmt auch den Schiris mittlerweile als Hitzkopf bekannten Mayer dann die Rote Karte. Das war der Auftakt zu aufregenden Minuten, in denen diverse Gegenstände auf den Platz flogen, Mayer eine Werbebande ausknockte und Nacev sich die gesamte Zeit am Boden liegend behandeln ließ. Ein Kopfstoß soll es gewesen sein, Tätlichkeit, klare Sache also. Wenn, ja, wenn nicht…

…der Herr Nacev ganz übel seinen Beruf verfehlt hätte. Kann man allein schon daran sehen, dass er früher mal beim KFC Uerdingen und bei Fortuna Köln gespielt hat. Das konnte ja nix werden. Also beschloss er vor dem Fortuna-Spiel, auf Schauspieler umzusatteln. Es ist nie zu spät zum Lernen, zumal ein gewisses Talent vorhanden zu sein scheint. Aber einen wichtigen Grundsatz der Schauspielerei hatte er außer Acht gelassen: ein Schauspieler ist in seiner Rolle nur so glaubwürdig, wie er sich an seine Umgebung anpassen kann. Oder auf neudeutsch: Herr Nacev hätte mal vor seinem Auftritt die Location checken sollen, Zeit genug dafür hatte er ja beim Warmlaufen. Und dann wäre ihm vielleicht aufgefallen, von wo aus im Stadion überall gefilmt wird. Unter anderem wird das komplette Spiel von der jeweiligen Haupttribüne des jeweiligen Stadions aufgezeichnet, um dem Trainer eine Videoanalyse der Partie zu ermöglichen. Und diese Bilder zeigen nun leider ziemlich eindeutig, dass Mayer den Nacev in keinster Weise berührt hatte, etwas, das die Zuschauer hinter dem Freialdenhovener Tor zuvor schon aus nächster Nähe beobachten konnten und auch lautstark kund taten.

Völlig hilflos nicht nur in dieser Situation auch das Schiri-Gespann. Denn von dem angeblichen Kopfstoß fand sich im Spielbericht nichts wieder. Darin steht, Mayer habe seinen Gegenspieler nur geschubst, was aber auch keiner gesehen hat. Diese Eintragung ist natürlich gut für Fortuna, denn damit bekommt Mayer nur zwei Spiele Sperre, ist also bei unserem Top-Spiel am übernächsten Sonntag wieder spielberechtigt. Aber ich will noch auf etwas anderes hinaus: wenn der Schiri hier nur ein Schubsen mit Rot ahndete, wo blieb dann die Gelbe Karte für die fast 10minütige Schauspiel-Einlage von Nacev auf dem Rasen des Flinger Broich? Von einem Schubser fällt der zehn Minuten um? Das kann noch nicht mal der Schiri geglaubt haben. Also, warum kein Gelb? Diese Frage ist durchaus von Bedeutung, denn da der Herr Nacev weder schauspielern noch Fußball spielen kann, holte er sich noch in der ersten Halbzeit die Gelbe Karte ab. Das hätte dann aber Gelb/Rot bedeutet und der numerische Gleichstand wäre wieder hergestellt gewesen. So durfte dieser Schmierenkomödiant das Spiel sogar noch beenden und außerdem darauf hoffen, mit seiner Einlage für eine sechswöchige Sperre seines Gegenspielers gesorgt zu haben. Dagegen war doch ein Andy Möller ein Dreck. Wie gesagt, das Schiri-Gespann war mit der gesamten Partie völlig überfordert, insbesondere der Herr Wolske an der Linie winkte zu den unpassendsten Gelegenheiten bzw. tat es eben nicht, und das durchaus bei beiden Teams. Fast hätte er einem Leid tun können, aber nur fast, denn schließlich wollte er seinen großen Auftritt in der 18. Minute und bekam ihn auch.

Dass in solchen Situationen das Klima ein wenig vergiftet ist, erscheint jedem, der schon mal ein Fußballspiel besucht hat, relativ klar. Auf dem Spielfeld nicht, da blieben die Akteure doch bemerkenswert ruhig und liefert noch ein halbwegs spannendes Spiel ab, mit einem prima Tor von Tytarchuk auf der einen Seite, einem prima Pfostenschuss von Kastrati auf der anderen, sowie mit der Einlage des Tages von meinem Lieblingsspieler aller gegnerischen Vereine, Freialdenhovens Mittelstürmer Josip Labas. Beeindruckt von dessen Leistungen in der letzten Saison hatten meine Wenigkeit und andere seit Monaten massiv die Verpflichtung dieses Wuselers gefordert (na ja, so massiv nun auch wieder nicht, schließlich hat uns keiner der Offiziellen erhört). Das muss ihn wohl beeindruckt haben, denn als er sich Mitte der zweiten Halbzeit mal wieder davon geschlichen hatte und mutterseelenallein vor Deuß auftauchte – da erinnerte er sich wohl daran, wo seine größten Fans sitzen und schoss den Ball Zentimeter neben das Tor. Jaaa – kaufen! sag ich, kaufen! Jetzt mehr denn je! Der Mann ist im Herzen Fortune, er weiß es nur noch nicht. Da muss doch was gehen!

Apropos gehen: als die Spieler nach Abpfiff das Feld verließen, da ging es erst richtig los. Herr Nacev demonstrierte vor Zeugen noch seine gute Kinderstube und spuckte dem Mannschaftsbetreuer der Fortuna ins Gesicht, dieser wiederum soll (ohne Zeugen) Freialdenhovener Offizielle beleidigt haben (falls das stimmt, ist natürlich auch hier eine Entschuldigung angebracht, darüber braucht nicht diskutiert zu werden), und der Freialdenhovener Mannschaftsbus wurde 30 Minuten an der Abreise gehindert. Nicht schön, zugegeben, allerdings ging nichts zu Bruch und es gab auch keine blauen Augen. Ja, wenn die Dörfler mal in die Großstadt kommen, dann wollen sie was erleben!

Tja, und nun müsste es eigentlich gut sein, oder? War es aber nicht. Zunächst mal verewigten sich noch am Spieltag noch zahlreiche Fortuna-Fans teils mit Ernst gemeinten, teils mit völlig überzogenen Worten in den Gästebüchern bzw. Foren der beiden Webseiten von Freialdenhoven. Völlig unnötige Beleidigungen, natürlich, auch darüber braucht nicht diskutiert zu werden. Kinderkram, kennt jeder.

Dann jedoch, und zwar am Montag, einen Tag nach dem Spiel, tauchte plötzlich im Forum auf www.borussia-freialdenhoven.de (warum nicht ein bisschen Werbung, eigentlich mag ich sie ja) einer aus Freialdenhoven auf, der mal ein wenig zurückkeilte. Dummerweise in Threads, die von besonnenen Leuten mit besonnenen Worten geführt worden waren. Und was da dann zu lesen stand (bzw. steht), fand ich so unglaublich grotesk, dass ich es hier mal wiedergeben möchte. Warum, wird nach dem Studium dieser geistigen Höchstleistungen erklärt. Und bevor es hier zur Sache geht, möchte ich ausdrücklich betonen, dass ich mit dem „kleinen Dorfverein“ Borussia Freialdenhoven sympathisiere (Ausnahmen folgen später), ihnen eigentlich den Klassenerhalt wünsche und, wie schon erwähnt, seit Monaten darauf poche, endlich Mittelstürmer Labas zu verpflichten, weil der Typ in meinen Augen ne echte Granate ist.

Aber nun ist es an der Zeit für den Auftritt von Franz Weidinger, so sein Nickname, der gleichzeitig auch sein echter ist. Fachlich kompetente Analyse nach dem Spiel, geschrieben am Montag Mittag. Nichts verändert (bzw. einen einzigen Satz herausgenommen, Erklärung folgt), nichts dazu geschrieben, schon gar nichts korrigiert, nur die mit „Anm“ gekennzeichneten Klammerzusätze und die Hervorhebungen stammen von mir.

Ach QBrezelQ! Welch armseliger Tabellenfürhrer ihr seid, sieht man daran, was sich bei euch auf der Bank rumlümmelt. In verschiedenen Gästebüchern wurde sich schon über das Verhalten vom Zeugwart beschwert. Auch mich hat er als „Schwule Sau“ betitelt, bzw. hat mir Prügel angedroht (*Anm: nicht bewiesen*). Dabei ist es nur ein kleiner „Hans Wurst“. Also dem würde auch ich empfehlen, beim Rückspiel Urlaub zu machen. Er war doch ein Einheizer des Asi-Mobs, der sich Fans schimpft.
Ich bin jedenfalls froh, dass das Dorf an der Düssel keinen WM-Zuschlag für 2006 bekommen hat. Wäre ja nicht zum erstenmal, dass ihr NRW und ganz Deutschland blamieren würdet.
Hesse, Sachse, Bayer, Thüringer, Hamburger, Bremer oder Pfälzer müsste man sein!
Besser wäre aber, wenn der Rhein mal so richtig……lassen wir das, sonst stellt man sich auf das gleiche niedrige Niveau wie viele von der Fortuna!

Dann holt der Franz mal tief Luft, und schon kann es weiter gehen:

Brezel@
Selbst, wenn alles stimmen würde, was Du über das Borussenteam schreibst, mit dem Mob, den ihr vielleicht Fans nennt, hält die Borussia nicht mit, selbst wenn ihr, wie wir es nach dem Spiel hatten: einen Spieler mit ausgeschlagenen Zähnen (*Anm, Nichts bekannt, auch keine offizielle Meldung in der Freialdenhovener Presse, auch kein diesbezüglicher Kommentar des Trainers nach dem Spiel bei der Pressekonferenz*) hiefür war der Möchtegern-Profi Schön verantwortlich. Einen Spieler mit Feilchen, das war die eingewechselte Transe des Karnevalsvereins. Da sprichst Du davon, unsere Mannschaft sei unfair gewesen.
Schau mal nach was ihr auf der Bank rumsitzen habt. Ein Zeugwart, der die grosse Lippe riskiert und wenn man sich ihm stellt vom Generalfussballmanager „gerettet“ werden muss. Ach ja, dieser Berthold bestätigte die Meinung, die ganz Fussballdeutschland über ihn als Spieler schon hatte. Charakterlos!!
Nö, also scheint wirklich zu stimmen: Altbier macht blöd! (*Anm. …und das von jemandem, der am Niederrhein zuhause ist, Stichwort: Diebels-Brauerei*)
Nehmt euch mal ein Beispiel am WSV! (*Anm., ja, genau an denjenigen, die beim letzten Meisterschaftsspiel bei uns so richtig die Sau rausließen*)
Auch (sachlich vorgetragene! wie gesagt, kann ja jeder noch nachlesen) Argumente können ihn jetzt nicht mehr bremsen:
Ich bin wirklich gerührt. … Vielleicht war es im ersten Moment der Fall, dass ich mich emotionsgeladen auf das gestrige Niveau eures(r) Offiziellen runtergelassen habe, ok, sorry! Am wahren Sachverhalt ändert es aber nichts. Borussia hat sich nichts zu schulden kommen lassen! Selbst wenn Mario „geschauspielert“ haben soll, (*Anm.: das bitte im Gedächtnis behalten!*)entschuldigt das nicht das Verhalten von Fans und „Leuten“ die auf der Fortunabank sitzen! Ich brauche mich nicht von so ….. beschimpfen zu lassen! Schon gar keine Prügel lasse ich mir androhen!
Und ich mag es auch nicht, wenn Spieler aus unserer angegriffen werden! (*Anm., es wurde niemand auch nur im Entferntesten angegriffen*)
Darüber solltet ihr auch mal nachdenken. Glaube aber nicht das dieser Vorgang im menschlichen Hirn ausgerechnet euch leichter fällt!
Vielen Dank, dass mein Beitrag soviel Interesse findet. Wenn einer dabei ist, der ihn versteht, habe ich schon was erreicht!
VIVA COLONIA!!!!!! (*Anm., keine Anmerkung, nur fassungsloses Staunen…*)

Und jetzt dreht der Franz richtig auf:

Im Forum der Fortuna las ich gerade was über mich!
Verklagt mich doch ruhig! Lach ich drüber!
Ich hab nur meine Meinung kund getan!
Nur KÖLSCH hält uns in Schuss! (*Anm., besonders am Montag Mittag*)

Es ist dreizehn Uhr fünfzehn, und drei Kölsch später gibt Franz noch mal alles:

Sehr geehrter „Markus HRW“!
Ich hab nun langsam die Faxen dick. Ich habe nie einen Brief zur Kölner Fortuna geschrieben. Derjenige der dies getan hat, hat sich mit den Köknern wieder vetragen. (*Anm., wird gleich erklärt*)
Da die Kölner ein kultiviertes Volk am Rhein sind, haben sie auch einen Entschuldigung des Verfassers akzeptiert.
Wissen Sie was, um hier endlich Ruhe zu bekommen:
Die Freialdenhovener Spieler und Fans sind die „Übeltäter“. Die Fans der Borussia hinderten die armen Fortunen daran, mit dem Mannschaftsbus nach Hause zu fahren.
Vorher wurden Spieler, Betreuer und die vorbildlichen Zuschauer der Fortuna noch mit Bier, Quatsch, mit Alt überschüttet und mit Komplimenten unterhalb der Gürtellinie überhäuft, um nicht zu sagen auch noch bedroht. Die Fans der Borussen bespuckten und bewarfen den Bus, ehe die Fortuna-Mannschaft unter Poilzeischutz das Viertel verlassen konnte.
Wollen wir bei der Wahrheit bleiben? OK! Der Zeugwart beschimpfte mich als „Schwule Sau“ (nicht nur mich) (*Anm., wie gesagt, nicht bewiesen, falls es so war, sollte auch hier eine Entschuldigung kommen), wurde handgreiflich gegen unseren vorbildlichen Spieler Mario Nacev, der sich nichts zu schulden kommen ließ, (*Anm. Na, hat sich doch gelohnt, die Wertung, die der Pressesprecher drei Kölsch zuvor seinem Spieler angedeihen ließ, im Gedächtnis zu behalten, oder? Handgreiflich ist im übrigen gar keiner geworden, allerdings hätte ich mir das auch schwer überlegt, wenn ich vorher bespuckt worden wäre*)und drohte auch mir Prügel an!
Aber das ist ja alles erlaubt, weil er ja aus der „Landeshauptstadt“ kommt!
Ich werde mich nun nicht mehr zu dem Thema äussern, habe nur noch eine Bitte:
Ihr habt doch Videoaufnahmen, schau sie dir an, dann siehst du auch wer deie wahren Übeltäter sind! (*Anm., haben wir, daher einen schönen Gruß an den Burgschauspieler*)
Trotzdem bin ich mit eurem Zeugwart noch nicht fertig! Ich erwarte zuerst eine Entschuldigung seitens dieses „Offizeiellen“! Oder darf der alles?

Ende der Vorstellung, das Kölsch war anscheinend ausgegangen.

Warum ich das alles hier reinsetze? Nun, ich habe, wie schon geschrieben, in dieser Litanei einen Satz gestrichen und dies mit „…“ kenntlich gemacht. Ansonsten wäre die ganze Überraschung ja hin gewesen. Franz Weidinger ist nämlich niemand anderes als der Stadionsprecher von Freialdenhoven und als solcher mit Fug und Recht als Offizieller zu bezeichnen. So äußert sich also ein Offizieller des Vereins Borussia Freialdenhoven einen Tag nach dem Spiel.

Selbstverständlich ist der Mann ja wohl für jeden lesbar ein wandelndes abschreckendes Beispiel für übermäßigen Kölschgenuss, besonders am Montag Mittag. Solche Ausfälle habe ich bei Offiziellen eigentlich selten erlebt. Aber er befindet sich ja in bester Gesellschaft. Denn auch der Pressesprecher des Klubs, Herr Offermanns, hat sich ja schon über die Dorfgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Im letzten Jahr mit seinem mehr als lächerlichen Brief an Fortuna Köln, weil deren Fans die Einheimischen während des Spiels als „Bauerntrampel“ beschimpften, woraufhin er mal daran erinnerte, dass diese „Bauerntrampel“ dieses unser Land nach 1945 wieder hoch gebracht haben, und er solche Schmähgesänge nicht wünsche (Schauspielkünste hatte er sich nicht explizit verbeten). Dann hinterließ er anscheinend vor einigen Wochen beim Auswärtsspiel seiner Borussia in Kleve einen so bleibenden Eindruck, dass er seitdem dort als „persona non grata“ gilt, pöbelte anschließend auf der offiziellen Internet-Seite des 1.FC Kleve, warum ihm kein kostenloses Stadionheft zur Verfügung gestellt wurde, und gegen uns war er dann auch nicht mehr zu bremsen, sein „Spielbericht“ strotzt vor Beleidigungen, Pauschalisierungen und schlichten Verdrehungen, so bezeichnete er 8jährige als Hooligans, die „den Hass in den Augen hatten“ und bescheinigte seiner Mannschaft ein sehr gutes Spiel und eine „unglückliche Niederlage“, obwohl die fast die gesamte Partie mit einem Mann mehr auf dem Feld gestanden hatten und nicht nur kein Tor erzielten, sondern noch nicht mal ein torloses Unentschieden halten konnten.

Ich kann verstehen, dass die Bewohner des Dorfes es nicht toll finden, als „Bauerntrampel“ bezeichnet zu werden. Ich komme gebürtig auch aus einer Kleinstadt, ich fände es auch nicht so toll. Aber Spieler wie Nacev oder „Offizielle“ wie Offermanns als Wiederholungs- und der Franz als Ersttäter haben durch ihr Verhalten großen Anteil daran, dass man sie so bezeichnet, wie sie sich geben: als Dorflümmel, die auch beim Thema Fußball so reagieren, wie sie es auf ihren heimischen Feldern tun, wenn sie Schädlinge für die eigene Ernte wittern: mit schauspielernden Vogelscheuchen und ganz viel Gift. Und so ganz nebenbei das Image des zumindest mir recht sympathischen Dorfvereins bei Fans und anderen Vereinen der Liga immer weiter in den Dreck ziehen.

Nur in einem Punkt waren sich am Sonntag und gestern alle einig: das Rückspiel wird man wohl kaum in Freialdenhoven statt finden lassen können. Besonders wenn der Herr Nacev spielt, das gibt nur Ärger. Schade, hatte mich schon auf die Tour gefreut.

Der Vollständigkeit halber möchte ich nicht vergessen, mitzuteilen, dass der Franz sich heute, wenn er auch einen kleinen Seitenhieb auf uns Asis wieder nicht lassen konnte, im Forum für seine Äußerungen entschuldigt hat. Trotzdem fand ich, dass seine Äußerungen zur Berichterstattung über dieses Spiel hier hinein gehörten. Und trotzdem würde ich bei ihm gerne mal montags mittags unangemeldet zur Alkoholkontrolle auftauchen.

Und wer glaubt, hier sei jetzt das Ende gekommen, der täuscht sich. Denn wie es scheint, ist derzeit die ganze Liga in Aufruhr. Unser nächster Gegner ist Aufsteiger SSG Bergisch Gladbach. Über die schrieb ich im letzten Artikel sinngemäß, die wären Tabellenletzter und von denen sähe und höre man nix. Hätte ich doch nur ein paar Tage gewartet! Denn nicht nur, dass ihnen kurz darauf der erste Sieg glückte (3:2 gegen Kleve) und sie somit nunmehr Tabellenvorletzter sind (Schlusslicht ist Freialdenhoven), nein, man hörte auch etwas von ihnen. Und zwar, dass der Klub sich von seinen Stürmern Dragan Bubic und Michael Kyei getrennt habe. Die beiden Spieler gerieten im Training aneinander, der eine riss dem anderen eine Kette vom Hals. Als Bubic nach dem Training nach Hause fahren wollte, gerieten sie nochmals aneinander. Bubic erklärte danach, Kyei habe ihn mit einem Messer bedroht, daraufhin habe er, Bubic, sich ein Stück Holz aus dem Wald geholt, um Kyei Angst einzujagen. Dabei seien die beiden nochmals aneinander geraten. So schrieb es der Kölner Stadt-Anzeiger, erstaunlicherweise im Sportteil.

Was ist dagegen eine seichte Ohrfeige, die einst Matthäus dem Lizarazu verabreichte (oder war es umgekehrt?) Na, das sieht ja nach einem heiteren Spiel am Samstag aus. Ich hoffe mal, dass keiner der beiden noch im Kader ist und uns am Samstag mal zeigen will, was echter Kampfgeist ist…

Abschließend noch etwas aus meinen derzeitigen Wohnort Bonn. Auch beim Bonner SC ist wieder mächtig was los, dabei ist noch gar nicht Karneval. Am vorletzten Wochenende verlor das zuvor zuhause ungeschlagene Team sein Heimspiel gegen die Amateure von Bayer Leverkusen mit 0:6, wobei zwei Bonner des Feldes verwiesen wurden. Ich habe das Spiel gesehen und kann daher sagen, das Ergebnis ist ein Witz, bis zum 0:3 hatte Bonn genügend Chancen, nutzte diese jedoch nicht und schwächte sich durch die Platzverweise dermaßen, dass man am Ende einbrach. Bonns Stürmer Sieah, aktueller Top-Torjäger der Liga mit 9 Treffern, sagte wohl genau dies nach dem Spiel in der Kabine, woraufhin ihm einer der Rot-Sünder, Amaniampong (hoffe, der Name stimmt jetzt so…) eine Trinkflasche an den Schädel hauen wollte. Mitspieler Mäkelmann ging dazwischen und holte sich eine Platzwunde am Kopf ab. Einen Tag später wurde der zweite Rotsünder, Sengewald, im Training gegen Libero Konjevic tätlich und flog erst mal aus der Mannschaft.

Aber damit nicht genug: nachdem die Spieler wieder mal den Worten des Alleinherrschers Viol auf baldigen Geldsegen Glauben geschenkt, aber bis zum letzten Donnerstag noch nicht mal die Gehälter für September gesehen hatte (wie mehrfach bereits in der letzten Saison geschehen), trat sie am Donnerstag und Freitag mal kurz in den Streik und verweigerte das Training. So etwas wird in Bonn gerne auf Gutsherren-Art gelöst: der Mannschaftskapitän (!) Guhn, dem der Verein noch Geld aus der letzten Saison schuldet (!) wurde als „Rädelsführer“ (!!) des Streiks ausgemacht und kurzerhand suspendiert. Wie praktisch. Unter dem gleichzeitigen Hinweis von Viol, dass es erst in dieser Woche (eventuell) Geld geben würde.

Daraufhin bestreikten die Bonner Spieler auch das Abschlusstraining, was besonders peinlich war, da die Trainer extra in Oberwinter einen Kunstrasenplatz angemietet hatten, da das Spiel am letzten Sonntag bei Borussia Wuppertal ebenfalls auf diesem Bodenbelag statt fand. Da standen sie nun, die Trainer, mitten in Oberwinter, und hätten sie noch länger auf die Mannschaft gewartet, dann würden sie heute noch da stehen, es kam nämlich niemand.
Immerhin: Charakter haben die Bonner Spieler, im Gegensatz zu ihren Offiziellen und deren Pendants in Freialdenhoven: mit drei Trainingstagen Rückstand trat die Truppe am Sonntag bei Borussia Wuppertal an und holte ein 1:1. Vielleicht rückt der Gott an der Spitze des Vereins ja jetzt mal einen Almosen raus. Ansonsten können die Spieler wohl mal langsam bei der Heilsarmee essen gehen… Was für eine Liga!

Aber was solls, konzentrieren wir uns auf das Naheliegende: Fortuna ist Tabellenführer mit 24 Punkten, zwei Punkte vor Gladbach, vier vor Fortuna Köln und fünf vor Bayer Leverkusen. Am nächsten Samstag wollen die Ultras Düsseldorf zum Spiel bei Bergisch Gladbach mit dem längsten Autokonvoi der Fortuna-Geschichte quasi alle gleichzeitig über die A3 anrücken. Nun, selbst wenn sie 150 Autos zusammen bekommen, ein erfahrener A3-Pendler kann darüber natürlich nur müde lächeln, aber ich finde die Idee ganz nett.
Und egal, wie dieses Spiel ausgeht (wobei ich natürlich hoffe, dass wir gewinnen), auf jeden Fall steigt am übernächsten Sonntag der Knaller schlechthin im Flinger Broich: dann kommt nämlich erneut die Borussia aus Mönchengladbach zum absoluten Spitzenspiel. Vielleicht ist die Hütte ja ausverkauft? 5.300 Zuschauer zur Premiere eines Schmierenkomödianten am letzten Sonntag sind doch ein gutes Omen, oder?

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