4. – 7. Spieltag

Wir sind wieder da – in allen Belangen

Die Welt ist schön. Der Mensch ist gut. Fortuna Düsseldorf, Oberligameister der Herzen, steht auf Platz 2 der Oberliga Nordrhein. Man denkt und singt „Sowas hat man lange nicht gesehen.“ Wildfremde Menschen liegen sich in den Armen. Freudenfeuer und Salutschüsse künden von unserem Heil. Die Mannschaft wird rot vor Freude über das Erreichte.

Also alles ganz toll, wären da nicht unsere drei Probleme: erstens müssen wir Erster werden, um aufzusteigen, haben mit der derzeitigen Platzierung also nichts erreicht. Auch nicht, wenn wir schon den 34. Spieltag schreiben würden. Hier kommen wir zu unserem zweiten Problem: wir schreiben erst den 7. Spieltag. Und drittens sind insbesondere die letzten drei Sätze des ersten Absatzes durchaus doppeldeutig zu verstehen. Aber der Reihe nach.

Wir knüpfen nahtlos an das letzte Kapitel an, das mit einem doch enttäuschenden 1:1 gegen Viktoria Köln endete. In der Woche darauf gab es den von mir damals bereits erwähnten Interessenkonflikt. Wer sich samstags in Reykjavik eine tolle isländische Mannschaft gegen eine mitteleuropäische Thekentruppe ansieht, hat so seine Schwierigkeiten, sonntags in der BayArena das Auftreten der Fortuna gegen Bayer 04 Leverkusen U21 + Herrn Nowotny live zu verfolgen. Im Gegensatz zu 4.500 anderen, zu achtzig Prozent Fortuna-Fans, die ins Stadion kamen und ein leistungsgerechtes 1:1 sahen. Frühe Fortuna-Führung durch Bellinghausen, früher Ausgleich – nach 16 Minuten war der Fisch gegessen. Es muss wohl in der ersten Halbzeit ein gutes Spiel gewesen sein, welches nach der Pause jedoch verflachte, auch bedingt dadurch, dass Pico Niestroj mit Gelb/Rot vom Platz gestellt wurde. Immerhin, ein Punkt bei einem weiteren Aufstiegsfavoriten, der langsam in die Gänge kommt und sämtliche Spiele nach jenem gegen Fortuna auch gewonnen hat. Und der außerdem mit Herrn Nowotny und Herrn Hertzsch eine durchaus länderspielreife Verteidigung aufbot. Wobei der einhellige Tenor nach dem Spiel war, dass das Mitwirken der beiden auf den Spielverlauf keinen besonders großen Einfluss gehabt habe. Trotzdem bleibe ich dabei, dass es in meinen Augen nicht ganz wettbewerbs-konform sein kann, wenn Mannschaften wie Bayer Leverkusen in der Oberliga theoretisch über einen Kader von mehr als 30 Mann verfügen können, von denen einige dann auch die entsprechende Profi-Erfahrung haben. In einem der Nachfolge-Spiele durfte auch Radoslav Kaluzny mal sein Oberliga-Debüt geben, da kann im Laufe der Saison also noch einiges mehr kommen. Immerhin, Bayer wäre nicht Bayer, gäbe es da nicht noch was zu lachen: so lobte Reiner Calmund vor dem vorerst letzten Einsatz von Jens Nowotny bei den Oberliga-Amateuren, am vorletzten Wochenende gegen die SSG Bergisch Gladbach, den Nationalspieler in höchsten Tönen – wie der an sich arbeiten würde, wie der für sein Comeback schuften würde und sich über das Oberliga-Team wieder an die erste Mannschaft heranarbeiten würde! Herr Nowotny dankte seinem Manager die warmen Worte, indem er in dieser Partie mit Gelb/Rot vorzeitig zum Duschen geschickt wurde. Ja, manchmal kann Fußball auch Spaß machen.

Aber was sag ich da: manchmal!? Was nach dem Leverkusen-Spiel folgte, waren Oberliga-Festwochen für den in dieser Hinsicht nicht gerade verwöhnten Fortuna-Fan. Zunächst Heimspiel gegen Borussia Wuppertal. Eine Mannschaft, die wie im letzten Jahr wieder zu den Geheimfavoriten zählt, aber, ebenfalls wie im letzten Jahr, nur schwer in Gang kommt. Höhepunkt war sicherlich, dass das hart umkämpfte Unentschieden gegen den starken Aufsteiger PSI Yurdumspor Köln am Grünen Tisch in eine Niederlage umgewandelt wurde, weil die Wuppertaler vergessen hatten, ihren Torhüter (!) auf dem Spielberichtsbogen zu melden. Liebe Wuppis: an diesen Dingen müsst ihr aber noch hart arbeiten. Wenn ihr nämlich tatsächlich eines Tages die Höhen der Regionalliga erklimmen solltet, dann werden auch die Aufgaben der Funktionäre komplizierter. Dann müsst ihr nicht nur Spielberichtsbogen korrekt ausfüllen, sondern auch noch Faxgeräte fehlerfrei bedienen können. Falls ihr damit Probleme haben solltet, empfehle ich einige Nachhilfestunden beim SV Wilhelmshaven, die müssten das mittlerweile blind beherrschen…

Aber zurück zum Fußball. In der letzten Saison gewann die Borussia am Flinger Broich mit 2:0 durch Tore von Holger Gaißmayr und seinem Sturmpartner Krysztof Benedyk, in der letzten Saison mit Abstand das torgefährlichste Stürmerduo der Liga. Da das damals ein frühsommerlicher Langeweiler war, der eigentlich keinen Sieger verdient hätte, wollte die Borussia nun wieder etwas gut machen und brachte die beiden Herren daher gar nicht erst mit. Gaißmayr hat aufgrund einer Verletzung noch kein Saisonspiel bestritten, Benedyk tat uns den Gefallen, sich zuvor im Spiel gegen Velbert vom Platz stellen zu lassen. So soll es sein!

Folgerichtig trat die Borussia mit einem halben Stürmerchen an und mauerte, eine Spielweise, mit der die Fortuna bekanntlich (noch?) nicht zurecht kommt. Dementsprechend sahen 4.500 am Broich 36 Minuten lang die Neuauflage des Spiels Island-Deutschland, nur das schöne Wetter machte den Unterschied. Und dann Knut Hartwig.

Wer das ist? Keine Ahnung, bis zur 37. Minute. Da vertändelte Hartwig nämlich am eigenen 16er den Ball gegen Bellinghausen und legte diesen anschließend unsanft im Strafraum zu Boden. Klarer Elfmeter und Rot für Hartwig, denn er war letzter Mann. Beim Elfer guckte ich wie üblich nicht hin, und natürlich machte Zeyer ihn rein. Vielleicht werde ich demnächst tatsächlich mal wieder einen Blick riskieren…

1:0 für Fortuna, ohne dass es im Spiel bislang eine einzige Torchance gegeben hätte! Auch was für’s Guinness-Buch. Da wollten die Wuppertaler nicht zurück stehen und glichen noch vor der Halbzeit aus, ebenfalls, ohne zuvor eine Chance gehabt zu haben. Bei einer Flanke in den Strafraum stolperte ein Wuppi über die Füße von Gerrit Bürk, der Schiri entschied auch hier auf Elfmeter, auch der war drin. Ausgleich.

Bevor die Wuppertaler dann in der zweiten Halbzeit jedoch noch ein bisschen mehr mauern konnten, gab es noch einen Paukenschlag vor der Pause: Mayer erlief sich in der 45. Minute einen Ball, den der Torwart nach Fernschuss Bürk nicht hatte festhalten können, passte nach innen, und Youngster Andi Lambertz war mit seinem ersten Oberligator zur Stelle. Endlich mal die richtige Antwort und nicht, wie in der letzten Saison, diese lähmende Hilflosigkeit, die sich nach fast jedem Gegentreffer breit gemacht hatte.

In der 2. Halbzeit war die Sache dann recht einfach. Victor Lorenzón, dessen italienischer Vorfahr endlich gefunden und mit einem Pass der genannten Staatsbürgerschaft gewürdigt worden war, köpfte in seinem ersten Spiel für Fortuna das 3:1, und dann folgte etwas, das man bei Fortuna lange nicht gesehen hat: ein sensationell heraus gespieltes Tor, langer Pass auf Bellinghausen, der weiter mit dem Außenrist (jeder Spieler aus dem 98/99er-Kader hätte sich den Fuß gebrochen) über 30m in den Lauf von Mayer, der ließ die Kugel zweimal aufspringen und haute sie dann links neben dem Pfosten ins Tor. Ein 1a-Kontertor, da konnten einem die Augen feucht werden. Besonders jüngere Zuschauer, dem Mythos Fortuna aufgrund ihres Alters naturgemäß noch nicht so lange verhaftet wie wir alten Säcke, forderten die Zeitlupe als bleibende Erinnerung. Tja, dafür spielen wir leider in der falschen Liga, aber was nicht ist, kann ja vielleicht bald noch werden.

Also ein 4:1 gegen einen Gegner, gegen den man in der letzten Saison in beiden Spielen exakt null Punkte holte, das spornt doch so richtig an. Und so fuhr man gestärkt zum Uhlenkrug nach Essen, zum Spiel gegen den dort beheimateten ETB SW Essen, wo man vor nahezu exakt einem Jahr schon einmal einen denkwürdigen 3:2-Sieg errungen hatte.

Wer würde sich nicht noch an dieses Spiel erinnern! Wer dies tatsächlich nicht tut, ist herzlich eingeladen, seine diesbezügliche Bildungslücke mittels des entsprechenden Kapitels aus dem ersten Teil dieses Kompendiums zu schließen. Wer sich damit unverständlicherweise nicht aufhalten möchte, dem seien kurz die Eckdaten hingeworfen: Essener Führung, Ausgleich, Platzverweis Fortuna, Fortuna geht in Unterzahl in Führung, muss den Ausgleich hinnehmen, Platzverweis Essen, Siegtor zum 3:2 in allerletzter Sekunde, gefolgt von einem Platzsturm begeisterter Fans.

Warum ich dies noch mal aufschreibe? Hier die Eckdaten des diesjährigen Aufeinandertreffens an gleicher Stelle: Führung Essen, Platzverweis Fortuna, Ausgleich in Unterzahl, Platzverweis Essen, Siegtor zum 2:1 fünf Minuten vor dem Abpfiff. Nix wirklich Neues am Uhlenkrug also Nur dass es diesmal nicht einen Platzsturm gab, sondern vier. Ach ja, einen Pfosten- und einen Lattentreffer habe ich noch vergessen.

Dabei war es die ersten 25, 30 Minuten mal wieder ein ziemliches ödes Spiel vor 2.500 Zuschauern (2.000 davon Fortuna-Fans). Dann gelang den Essenern durch einen Freistoß-Kunstschuss die Führung, und es ging richtig rund.

Zunächst flog Lambertz vom Platz, nachdem er selbst übel gefoult worden war, strampelte er im Flug noch mit den Beinen, der Schiri legte dies als Tätlichkeit aus und zeigte Rot. Umstritten, aber kann man machen. Dass der Schiri dies wohl auch so in seinem Sonderbericht sah, mag man daran erkennen, dass die Strafe verhältnismäßig gering ausfiel, nämlich nur 2 Spiele Sperre.

Dies geschah in der 44. Minute, also auch wieder zum „psychologisch…“, und den Rest spar ich mir mal, wird mir sonst zu teuer, das Phrasenschwein lässt grüßen.. Es gab etwas Unruhe in den Stehblöcken, nach Aussagen Anwesender wurde jemand festgenommen, der einen Polizeihund angebellt hatte (!), aber ich vermute mal, da wird auch schon ein wenig mehr gewesen sein. Auf jeden Fall wurde dies von einigen Herren auf der gegenüber liegenden Tribüne genutzt, um sich schon mal mit dem Spielfeld bekannt zu machen und zwecks Unterstützung der armen unschuldigen Stehplatz-Opfer den Rasen zu stürmen. Nach ein paar Handgemengen, bei denen wohl auch ein wenig Pfefferspray zum Einsatz kam, war es dann aber wieder ruhig.

In der zweiten Halbzeit stellte Trainer Morales um, und ließ die Mannschaft offensiver spielen. Sein Konzept ging auf, nachdem Bellinghausen zunächst den Pfosten getroffen hatte, konnte Mayer ausgleichen, gefolgt von einem friedlichen Platzsturm. Dann wurde es dramatisch, zunächst traf der Essener Möllensiep mit tollem Volleyschuss nur die Latte, dann flog der Essener Stöhr vom Platz, nach kapitaler Blutgrätsche von hinten im Mittelkreis, dann erzielte Mayer kurz vor Schluss eher unfreiwillig den Siegtreffer, als er bei einem missratenen Schuss von Zeyer im Weg stand, aber goldrichtig reagierte und die Kugel per Kopf im Netz versenkte, gefolgt von einem friedlichen Platzsturm, dann drehte Deuß in der letzten Minute mit toller Parade einen ebenso tollen Freistoß noch um den Pfosten, dann war Schluss, gefolgt von einem friedlichen Platzsturm. Und alle, alle hatten sich lieb…

Noch ein Wort zu den Gastgebern: nach den Vorfällen vom letzten Jahr, für die auch der ETB wegen mangelnder Organisation vom Verband zur Kasse gebeten wurde, waren diesmal die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt worden. Und wie! Anstatt des rot-weißen Trassierbandes, das noch im letzten Jahr Verwendung als Absperrung zum Spielfeld hin fand, wurde diesmal eine rot-weiße Plastik-Absperr-Kette verwendet, die auch zumindest auf meiner Seite der Tribüne schon vor dem Anpfiff niedergelegt wurde, um einen BGS-Wagen passieren zu lassen. Mal wieder clever gemacht, langsam bewundere ich sie. Aber ansonsten waren sie sehr nette Gastgeber, man fühlte sich richtig wohl und nahm als Dank auch noch die drei Punkte mit, eigentlich unverschämt, aber in dieser Saison haben wir leider keine Zeit für Sentimentalitäten. Sowohl der Präsident des ETB als auch der Einsatzleiter der Polizei bestätigten nach dem Spiel übrigens den „ruhigen Verlauf“, an die friedlichen Platzstürme hat man sich in Essen also schon gewöhnt, das kleine Scharmützel zur Halbzeit war schnell vergessen. Trotzdem werden die Essener mir nicht böse sein, wenn ich feststelle, dass ich nächstes Jahr nicht mehr unbedingt zu ihnen reisen möchte, wenn auch aus anderen Gründen.

Außerdem hatten die Herren auch allen Grund, den Ball flach zu halten. Als nämlich während der zweiten Halbzeit ein Fortuna-Fan auf den Stehblöcken aufgrund der doch ziemlich heftigen Wärme an diesem Nachmittag einen Kreislaufkollaps erlitt, stellte man bestürzt fest, dass man vor lauter zusätzlichen Polizei- und Ordnungskräften glatt vergessen hatte, die meines Wissens bei solchen Veranstaltungen vorgeschriebenen Sanitäter zu organisieren, weshalb man über Stadionlautsprecher nach einem Arzt suchte. Auch der Krankenwagen benötigte dann eine volle halbe Stunde, da kann man von Glück sagen, dass niemand einen Herzanfall erlitt, der hätte im wahrsten Sinne des Wortes wohl ziemlich alt ausgesehen. Und spannend genug dafür war das Spiel allemal.

Am letzten Freitag dann noch das bislang letzte Heimspiel gegen den Aufsteiger 1. FC Kleve. Die hatten nicht nur am Sonntag zuvor den Meisterschaftsfavoriten SSVg Velbert 4:2 vernascht, sondern am darauf folgenden Dienstag in einem Nachholspiel noch 0:2 in Leverkusen verloren. Die hätten also aufgrund dieses Pensums eigentlich ordentlich platt sein sollen. Hatte ihnen nur keiner gesagt, sie spielten munter mit, hatten zum Teil sogar die bessere Spielanlagen und hielten die Partie über 70 Minuten dermaßen offen, dass es schon wieder nach einem 0:0 aussah.

Dass es doch noch anders kam, verdanken wir unserem Abräumer Dirk Böcker. Der flog nämlich wegen einer Notbremse vom Platz und verhinderte damit ein mögliches 0:1, von dem sich die Mannschaft wohl nicht erholt hätte.
Und wie in Essen geschah das, womit keiner mehr rechnete: in Unterzahl raffte sich die Mannschaft wieder auf und schoss Kleve binnen vier Minuten ab. Okay, natürlich geht ein Dankeschön an den Klever Abwehrspieler, der im Strafraum den Ball gegen Bellinghausen vertändelte, so dass dieser nach innen passen konnte und Mayer nur noch ins leere Tor einschieben musste. Und das 2:0 war ein eben solches Sahne-Tor wie zwei Wochen zuvor das 4:1. Langer Ball von Schön auf Mayer, der legte sich den Ball geschätzt hundert Meter vor, übersprintete locker seinen Gegenspieler und spielte genau im richtigen Moment den Pass nach innen, wo Tytarchuk ebenfalls nur noch abstauben musste. Klasse!

Das Beeindruckendste war jedoch, wie die Truppe sich nach dem Platzverweis wieder an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zog und den Gegner in einem mitreißenden Kampf versenkte. 5.000 Zuschauer tobten und standen Kopf, und seitdem sind wir Tabellenzweiter. Zum ersten Mal seit -? Keine Ahnung, ich glaube, selbst in der Saison des Bundesliga-Aufstiegs 94/95 waren wir nie Zweiter, sondern „Hauptsache am Ende Dritter“. Da stellen sich schon mal lange nicht gekannte Glücksgefühle ein.

Um das Wochenende ordentlich abzurunden, sollte dann noch Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach Amateure stolpern. Die hatten nämlich die ersten sechs Spiele allesamt gewonnen und residierten vor diesem Spieltag bereits mit sechs Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze. Dann spielten sie gegen die Leverkusener U21. Und weil Sonntag war, und ich Langeweile hatte, habe ich mir den Ausflug nach Mönchengladbach-Rheydt gegönnt, und siehe da – fette 350 Zuschauer wollten diesen Knaller sehen, darunter auch einige Fortuna-Fans, die sogar teilweise im Trikot aufgelaufen waren. In der ersten Halbzeit gab es ein flottes Spielchen, leider noch ohne Tore. Dann ein unglaublicher Eklat: in der Pause suchten wir die Caféteria auf (hieß wirklich so!), um uns an einem Getränk und vielleicht einem kleinen Imbiss zu laben. Während wir dort in der Schlange warteten, dass das Bedienungspersonal (eine ältere Dame und ein noch älterer Mann im Trainingsanzug) durch gekonnte Aktionen die Wartezeit verkürzen würde, drängelten sich hinter uns gar finstere Gestalten mit Müh und Not durch die schmale Tür und belegten die wenigen Sitzplätze in diesem Berufsschul-Imitat: der Calli und Peter Hermann, dazu noch Herr Grashoff von Borussia Ostholland (oder war’s der Drygalski? Kann diese Silberpudel leider nicht auseinander halten). Und der Calli schnappte uns dann noch das letzte Stück Zitronen-Kuchen vor der Nase weg! Ich schwor, dass dies Folgen haben würde, war aber noch zu einer Vertagung der Affäre bis nach Spielschluss bereit. Und wurde durch Callis Mannschaft besänftigt, die die Gladbacher kontertechnisch in der 2. Halbzeit zerlegte und 3:0 gewann. Den Schlusspfiff erlebten allerdings nur noch rund 150 Zuschauer, der Rest war schon vorzeitig gegangen, war ja langweilig, und dann hatte es auch noch angefangen zu regnen.

Aufgrund des Ergebnisses sei dem Calli der Mundraub verziehen. Denn damit sind wir dran, es sind noch drei Punkte Rückstand auf Mönchengladbach, der Saisonstart darf somit als gelungen bezeichnet werden.

Hinter uns hat in der Tabelle jetzt die U21 von Bayer aufgeschlossen, wie zu erwarten, dahinter dann direkt drei Kölner Vereine am Stück: Yurdumspor, Fortuna und Viktoria Köln, alle mit jeweils 13 Punkten. Wow, wann hatten wir das zum letzten Mal – 3 Kölner Clubs hinter uns! Macht momentan mehr Spaß, die Tabelle zu lesen, als sich die armen Betrogenen des 1.FC Köln im Fernsehen anzuschauen, die sich am Samstag empört am Marathontor versammelten, weil der Boulevard ihnen in echtem kölschen Größenwahn mal wieder den UEFA-Cup versprochen hatte, sie aber wieder mal nur eine Mannschaft von Friedhelm Funkel präsentiert bekamen. Also so gesehen vermisse ich die Erste Liga (noch) nicht.

Werfen wir schnell einen Blick in der Tabelle nach unten, wer ist überhaupt nicht aus den Startlöchern gekommen? Drittletzter ist derzeit der letztjährige Aufsteiger GFC Düren mit Trainer Wilfried Hannes, etwas überraschend, war die Truppe doch aufgrund ihrer Neuverpflichtungen durchaus im Kreis der Geheimfavoriten genannt worden. Vorletzter ist Aufsteiger SSG Bergisch Gladbach, zwei Unentschieden, sonst nur Klatschen, ganze zwei Tore erzielt, von denen hört und sieht man gar nix, ich fürchte, das wird ein kurzer Aufenthalt in „höheren“ Gefilden. Letzter mit nur einem einzigen Pünktchen sind leider die Sympathen von Borussia Freialdenhoven, sehr zu meinem persönlichen Leidwesen. Aber dies liegt wohl auch an zwei reichlich kuriosen Dingen: zunächst wechselte Coach Wilfried Hannes vor der Saison nach Düren, neuer Trainer wurde ein Herr Otten. Alles klar, gute Vorbereitung, mit Stefan Lämmermann von Alemannia Aachen auch noch einen guten Profi an Land gezogen – und dann wurde kurz vor Saisonbeginn festgestellt, dass Herr Otten nicht über die für die Oberliga erforderliche Trainerlizenz verfügt. Adios, Herr Otten – erster Trainerwechsel bereits vor Saisonbeginn, rekordverdächtig. Den Namen des Neuen habe ich vergessen, aber der musste quasi binnen 48 Stunden seine Mannschaft für das erste Spiel finden und bastelt seitdem verbissen darum, eine Stammformation aus Leuten aufzustellen, die er vor einigen Wochen noch gar nicht kannte.

Das zweite Schelmenstück ist aber eigentlich noch besser. Etwa zeitgleich mit dem neuen Trainer wurden die Freialdenhovener stolze Besitzer eines neuen Rasens. Da dieser sich jedoch mit dem Setzen etwas Zeit lässt, mussten die Borussen schon zwei Heimspiele gegen Auswärtsspiele tauschen. Nunmehr haben sie fünf Auswärtsspiele nacheinander und verlieren eins nach dem anderen, obwohl mein Lieblingsstürmer Josip Labas endlich wieder trifft, und das, obwohl er ja eigentlich schon längst nicht mehr dort spielen dürfte.

Nach einem Blick auf den Spielplan habe ich übrigens festgestellt, dass Freialdenhoven somit in der Rückrunde 11 (!) Heimspiele haben wird. Hoffentlich wird die Ernte gut, sonst kann sich das dort keiner leisten. Ich persönlich drücke ihnen ja die Daumen, aber wie war das noch mit der Operettenliga…?

Kann es bei diesem momentanen Zustand eigentlich noch etwas zu kritisieren geben? Oja, eine Menge. Und zwar bei uns selbst, den Fans.

Da picke ich jetzt nur mal das Spiel gegen Borussia Wuppertal raus. Beim Auflaufen der Mannschaften zeigte der Block A der Westtribüne ein überdimensionales Blockbanner mit dem Konterfei von Stürmer Mayer, nebst Aufschrift „Frank Mayer, einer wie wir. Geht er, gehen wir.“ Gut leserlich, schöne Choreographie. Ja, Frank Mayer ist bei uns absoluter Publikumsliebling. So einem steht man schon mal bei, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Und was war passiert? Hatte der Vorstand Mayer irgendwie mit Rausschmiss gedroht? Oder hatte er sich öffentlich für irgendwelche geschassten Mannschaftskameraden eingesetzt oder meinetwegen den Aufsichtsrat kritisiert, was dann obrigkeitsseits mit einer Abmahnung beantwortet wurde, wie es ja auch mal der große FC Telekom München tut (außer bei Olli Kahn, an den traut sich ja keiner ran aus Angst, der könne zuschnappen)? Nichts von alledem. Des Rätsels Lösung ist schlicht und ergreifend. Mayer hatte eine ziemlich durchwachsene Vorbereitung gespielt, im ersten Saisonspiel gegen Solingen auch nichts gerissen, und fand sich dann zur Abwechselung mal auf der Bank wieder, weil er in diesem Jahr auf seiner Position, im Gegensatz zur letzten Saison, dummerweise Konkurrenz hat. Das war alles. Es genügte einigen Leuten anscheinend, dem Rest der Mannschaft mal überlebensgroß zu zeigen, was sie von ihnen ohne Frank Mayer halten. War bestimmt gut gemeint, fand ich persönlich aber ziemlich daneben.

Nun, mittlerweile spielt und trifft er wieder, die Zwangspause scheint ihm nicht geschadet zu haben. Allerdings nicht, weil da eine Demo für ihn veranstaltet wurde, sondern weil seine Vertreter es auch nicht besser machten und in den ersten vier Spielen gerade mal ein einziges Stürmertor zustande brachten. Dass Mayer jetzt wieder spielt, ist auch gut so, denn ein Frank Mayer in der jetzigen Form ist ein Tor-Garant und wieder für locker 20 Treffer gut (vier sind es mittlerweile schon wieder). Aber jetzt bin ich etwas gespalten. Soll ich mir wünschen, dass er wieder neunzehn Hütten macht wie im Vorjahr und uns zum Aufstieg schießt? Selbstverständlich. Oder soll ich mir wünschen, dass er in dieser Saison auch alle 100%igen rein macht, dann werden es nämlich über 30? Und dann kommt ein Verein wie der VfB Lübeck, der wohl schon im letzten Jahr mal lose angefragt hatte? Was machen dann diejenigen Leute, die diese Aktion veranstaltet haben? Stehen sie zu ihrem Wort? Naja, dann haben sie wenigstens einige nette Zugfahrten zu den Heimspielen ihres Idols in der nächsten Saison vor sich. Wie gesagt, es war bestimmt gut gemeint, ist jedoch meiner Ansicht nach ein ziemlich falsches Signal für sämtliche anderen Spieler der Truppe.

Aber der Fortuna-Fan ist ja stets neutral und schafft sich einen Ausgleich. Und wenn man einen so hochjubelt, kompensiert man das halt dahin gehend, dass man einen anderen in Grund und Boden verdammt. Dieser andere heißt Anthony Roche, kommt aus Australien und spielt ebenfalls im Sturm. Und zwar ziemlich schlecht, meiner unbescheidenen Meinung nach, obwohl er ab und zu sein Können aufblitzen lässt. Leider wirkt er mit seiner Hüftsteifheit neben dem quirligen Mayer, dessen allzu oft sinnloses Umreißen und Wegschubsen von Gegenspielern natürlich als „voller Einsatz“ gewertet wird, doch ziemlich deplatziert. Dennoch wird er von Trainer Morales derzeit immer wieder in der Anfangsformation gebracht, damit er seine spielerischen Defizite abbauen kann. Die Begründung finde ich nun auch etwas merkwürdig, und auch ich würde ihn nach den bisher gezeigten Leistungen erst einmal nicht unbedingt weiter aufstellen, zumal ja Tytarchuk am letzten Freitag auch getroffen hat. Allerdings sehe ich auch aufgrund dieser meiner Meinung noch lange keinen Grund, den Spieler regelmäßig ordentlich nieder zu machen, wie es einige Stadionbesucher derzeit geradezu beeindruckend vorexerzieren, vom obligatorischen Auspfeifen über höhnische Beifallstürme bei der Auswechslung bis hin zu diesen leicht debilen älteren Gestalten, die am letzten Freitag bei wirklich jedem Ballkontakt des Spielers „Die Nr. 10 raus!“ brüllten. Und das von Leuten, die vor Jahren den anerkannten Kö-Stehgeiger Darko Pancev bis zum letzten unterstützten und sogar Marcus Marin supporteten, der anscheinend nur in Düsseldorf unterschrieben hatte, um zeitgleich bequem in Köln seinen Trainerschein machen zu können! Die wollten erkennbarerweise nicht, der kann (momentan) nicht besser. Trotzdem machen einige jeden seiner Auftritte zum Spießrutenlauf. Wie war das mit St. Pauli und Leo Manzi? Aber doch nicht in Düsseldorf, bei den besten Fans der Welt! Es hat den Anschein, als ob sie ihn persönlich dafür verantwortlich machen, dass der Trainer ihn laufend aufstellt. Tja, und mit diesen Gestalten habe ich nun so ein Problem, weil ich der irrigen Meinung war, man solle das ganze Team während eines Spiels unterstützen, und nicht nur die Lieblinge. Weil nämlich ein ganzes Team verliert oder siegt. Aber das ist für einige wohl albernes vorletztes Jahrhundert.

Nett, in diesem Zusammenhang auch, dass ausgerechnet Roche nach dem Saisonstart von einer Zeitung als „Neuer“ interviewt wurde. In diesem Interview äußerte er sich sehr beeindruckt von der Kulisse in Düsseldorf und verglich sie damit, dass in seiner Heimat diese Stimmung nur aufgekommen wäre, wenn sein Klub gegen den Zuschauermagneten der Liga gespielt habe, da habe er allerdings dann natürlich diese Fans gegen sich und seine Mannschaft gehabt. „Nur dass sie hier jetzt für mich brüllen“, hatte er in diesem Interview dann hinzugefügt. Da hat er jetzt anscheinend Deutsch gelernt, versteht einiges von den Zurufen und sagt gar nix mehr. Ich kann es ihm nicht verübeln. Und würde wirklich mal eine Pause empfehlen, nicht um ihn vor diesen erwiesenen Fußball-Kennern zu schützen, sondern um mal ordentlich in Form zu kommen. Dem Mayer hat es ja auch nicht geschadet.

Ja, kaum gewinnt die Mannschaft mal, können sich die Fans endlich mal stressfrei ihrer Lieblingsbeschäftigung zuwenden: sich selbst. Und da es am letzten Freitag Mitte der zweiten Halbzeit dann auch über Roche nix mehr zu meckern gab, der war nämlich bereits ausgewechselt, nahm sich ein kleiner Teil der Zuschauer der Nordtribüne mal eben den verhassten Security-Dienst vor. Zu dem muss man wirklich sagen, dass er schon des öfteren unverhältnismäßig hart durchgegriffen hat, es kommt allerdings auf beiden Seiten auch niemand auch nur annähernd auf die Idee, sich mal an die eigene Nase zu packen. Und so geriet eine Demonstration für den Einsatz von Pyro-Mitteln im Stadion (Freudenfeuer selbstverständlich) unversehens zu einer kleinen Keilerei zwischen den Parteien, die wohl nie mehr Freunde werden. Wildfremde Menschen lagen sich in den Armen, wenn auch nicht gerade in friedlicher Absicht. Ende offen, denn das nächste Heimspiel kommt bestimmt. Und wo sich bei der Security sehr wohl einige Leute befinden, die anscheinend ins Stadion kommen, um ihren Machtrausch in Uniform ein wenig auszuleben, da gibt es genauso Zuschauer, die machen, was sie wollen, ohne Rücksicht auf andere oder auf den Verein, der unter solchen Nickligkeiten dann in Form von Geldstrafen, Platzsperren oder Punktabzügen leiden könnte. Aber wenn man sich an irgendwelche Vorschriften halten würde, wäre der Spaß ja auch nur halb so schön. Man darf gespannt sein, ob hier beiderseits ein wenig Nachdenken einsetzt oder ob es so wie in letzter Zeit weiter geht.

A propos weiter gehen: eines sollte demnächst nicht so weiter gehen, das sind die Platzverweise. Zweimal Rot und zweimal Gelb/Rot nach sieben Spieltagen sind jetzt schon mehr als in der gesamten letzten Saison. Und auch wenn es gerade die Platzverweise in Essen und gegen Kleve waren, die die Mannschaft aufwachen und kämpfen ließen, so kann das doch, auf 34 Spieltage hoch gerechnet, nicht immer gut gehen. Denn auch wenn Andi Lambertz nur noch am morgigen Dienstag beim Niederrheinpokal-Spiel gegen Borussia Ostholland Amateure (19.30 Uhr, Flinger Broich, ein echter Pokalknüller also) gesperrt ist und am nächsten Sonntag beim Spiel gegen die SSVg Velbert (15.00 Uhr im Stadion Am Zoo in Wuppertal, wie in einem der vorherigen Kapitel schon angekündigt) wieder mitwirken könnte, jetzt fällt erst mal Dirk Böcker aus, wobei das Strafmaß noch nicht feststeht. Und mit der Zeit schwächt sich die Mannschaft wirklich selbst, denn solche Kraftakte, wie insbesondere letzte Woche in Essen, sind nicht immer drin.

Auf Böckers Position könnte übrigens Neuzugang Janosch Dziwior eingesetzt werden. Mit dem war der Trainer nach dem ersten Saisonspiel nicht zufrieden und schickte ihn in die zweite Mannschaft, damit er sich dort Spielpraxis holen könne.

Dziwior spielte – und flog mit Roter Karte vom Platz. Wir sind Fortuna Düsseldorf – wir können alles!

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