31. – 34. Spieltag

Last orders, please!

Bonner SC – Fortuna

Am Sonntag, den 02.05.2004, gab es endlich mein „Heimspiel“, auf das ich mich die ganze Saison gefreut hatte. Die Vorzeichen waren jedoch nicht so, wie ich es mir erhofft hatte. Denn dass die Fortuna am Mittwoch zuvor aufgestiegen war, dürfte die Bonner locker 3.000 Zuschauer gekostet haben, wenn auch deren offizielle Angabe von 2.100 Besuchern mal wieder für das Finanzamt bestimmt gewesen sein dürfte. Aber mehr als 3.500 waren es nicht an diesem schönen, sonnigen Maitag, und damit doch erheblich weniger als gekommen wären, wenn wir mit diesem Spiel hätten aufsteigen können.

Das Spiel passte sich nahtlos dem Wetter an und endete mit schönstem Sommerfußball 1:1. Bezeichnend auch die Art und Weise wie die Tore fielen, es passte so richtig schön zu Spiel und Tag: in der ersten Halbzeit scheiterte Bellinghausen zunächst mit einem Schuss aus Nahdistanz am prächtig reagierenden Torwart Schuhmacher, der Abpraller wiederum traf einen Bonner Abwehrspieler so unglücklich, dass dieser Bellinghausen die Kugel zum Nachschuss ins leere Tor servierte. Der Ausgleich durch Simsek kurz nach der Pause resultierte aus einem Fernschuss, der unhaltbar abgefälscht wurde. Zwei Zufallstore also für die B-Mannschaft von Fortuna (denn einige Stammkräfte wurden geschont oder waren verletzt) und den Abstiegskandidaten aus Bonn, dem das Unentschieden auch nicht weiter half, im Gegenteil. Und es wäre ein gemütlicher Sonntag Nachmittag ohne irgendwelche Aufregungen gewesen, hätten nicht drei Mann etwas dagegen gehabt.

Diese drei Herren waren mit der Spielleitung beauftragt und verpfiffen die Fortuna derartig, dass es selbst Bonner Spielern peinlich war, und auch die Bonner Fans, die hinterher im Internet über das Spiel diskutierten, schrieben, dass es doch einige „merkwürdige“ Pfiffe zugunsten ihrer Mannschaft gegeben hätte. Wobei die meisten ja eigentlich harmlos bis lächerlich waren. Die Assistenten waren mit der Abseitsregel heillos überfordert, okay, die Fortunen auch, die immer wieder in die Abseitsfalle des Gegners tappten, was jedoch die Fahnenmännchen an der Linie dazu veranlasste, bei jedem langen Pass in die Bonner Hälfte automatisch ihr Arbeitsgerät zu heben, auch wenn zum Beispiel die angespielten Spieler aus der eigenen Hälfte starteten. Ich weiß nicht, bei welcher Summe der Rekord für die meisten falschen Abseitspfiffe bisher lag, seit jenem Sonntag betrachte ich ihn als gebrochen. Die unterschiedliche Regelung von Körperkontakten erstaunte ebenfalls, zumal es genug Situationen gab, in denen ein Fortune zurück gepfiffen wurde, Sekunden später bei identischer Situation ein Bonner jedoch straffrei ausging. Wie gesagt, es war dermaßen auffällig, dass es schon peinlich war, jedoch waren beide Mannschaften so schlecht, und der Tag so schön, dass das eigentlich niemanden gejuckt hätte, wenn da nicht die 63. Minute gewesen wäre, in der Bellinghausen dem förmlich darauf lauernden Schiri endlich die Gelegenheit für einen großen Auftritt gab. Er schoss nämlich an der Seitenlinie einen Bonner Spieler an, das Spielgerät trudelte ins Aus, und das Spiel wurde, wie bei diesem Gespann nicht anders zu erwarten, mit Einwurf für Bonn fortgesetzt. Bellinghausen packte sich darauf hin relativ fassungslos an den Kopf. Ich stand im Innenraum circa drei Meter von dieser Szenerie und kann daher schreiben, dass diese Schilderung der Wahrheit entspricht.

Allerdings weiß der gewiefte Oberliga-Leser natürlich, was jetzt kommt. Der Schiedsrichter, am Mittelkreis und somit zwanzig Meter vom Geschehen weg positioniert, sah dies, dachte wahrscheinlich erleichtert: Na endlich, legte das ganze blitzschnell als Schiedsrichter-Beleidigung aus, zückte aus der Gesäßtasche die Rote Karte und sprintete los. Er hatte die Karte tatsächlich während des gesamten Laufs zur Außenlinie in der Hand und zeigte sie dann dem verdutzten Bellinghausen, der nun überhaupt nicht wusste, was er davon halten sollte. Hinzu kam, dass der Spieler im gesamten Spiel nicht eine einzige Ermahnung oder gar Gelbe Karte von Seiten des Schiris erhalten hatte. Auch wird der Unsinn dieser Aktion noch deutlicher dadurch, dass Bellinghausen nicht nur von drei Bonner Spielern beim Abgang vom Platz getröstet wurde, sondern dass diese Spieler auch den Schiedsrichter ansprachen, damit dieser die Rote Karte zurück nehmen solle! Wozu er selbstverständlich nicht bereit war. Und so beendete er die Saison für einen der stärksten Spieler im Fortuna-Trikot, denn Schiedsrichter-Beleidigung wird mit vier Wochen Sperre geahndet, Bellinghausen bekam als Wiederholungstäter noch zwei Wochen kostenlos obendrauf, und damit war für ihn die Saison gelaufen.

Übrigens wurde Tytarchuk im weiteren Verlauf des Spiels zweimal an fast derselben Stelle, an der sich die vorherige Szene abgespielt hatte, von seinen Gegenspielern dermaßen umgenietet, dass jeweils mehrminütige Behandlungspausen vonnöten waren, um den Spieler wieder einigermaßen fit aufs Spielfeld zu schicken, wobei Fortuna während der jeweiligen Behandlungspausen dann zu neunt weiter spielen durfte, da das Auswechselkontingent bereits erschöpft war. Insbesondere das zweite Foul möchte ich eigentlich mit dem Begriff „Crosscheck ohne Bande“ beschreiben, damit man mal einen plastischen Eindruck bekommt. Nicht nur, dass der Schiri das Spiel in beiden Szenen weiter laufen ließ, nein, nach dem zweiten Foul, unterbrach er es dann doch 5 Sekunden später, um nach dem Abtransport des Spielers – Freistoß für Bonn zu geben! Aha, umhauen lassen darf man sich, aber wenn man sich an den Kopf fasst, gibt es bei diesem Herrn Rot.
Tja, eine solche Schiedsrichter-Leistung lässt sich eigentlich selbst mit „Oberliga-Niveau“ nicht mehr erklären. Etwas klarer wurde mir diese „Leistung“ dann allerdings, als ich den Namen dieses Herrn erfuhr. Es war nämlich zufällig derselbe, der unser Hinspiel gegen Freialdenhoven im Flinger Broich gepfiffen hatte. Damals war er auf eine Schwalbe von Nacev hereingefallen und hatte Fortuna-Stürmer Mayer wegen angeblicher Tätlichkeit des Feldes verwiesen, eine derartige Fehlentscheidung, dass sogar der damals anwesende Schiedsrichter-Beobachter, zu dieser Szene befragt, mit „einem ganz mulmigen Gefühl“ die Heimreise angetreten hatte. Dass das Schiedsrichter-Gespann damals bei Mannschaft und Publikum nicht besonders gut weggekommen war und sich einiges anhören musste, kann man sich vorstellen und erklärt vielleicht einiges von dem, was sich dann in Bonn ereignete. Wobei die Frage erlaubt sein muss, warum dieser Herr dann überhaupt noch einmal für ein Fortuna-Spiel angesetzt wurde. Da kann der Verband richtig froh sein, dass es in diesem Spiel für Fortuna um nichts mehr ging, ansonsten möchte ich mir nicht vorstellen, was auf den Rängen los gewesen wäre.

Eins noch zur Klarstellung: ich bin eigentlich keiner, der immer grundlos auf die Schiris drauf haut. Im Gegenteil, ich empfinde höchsten Respekt für jemanden, der sich dies jedes Wochenende auf irgendwelchen Bolzplätzen antut. Aber wenn sie es denn schon machen, dann bitteschön auch richtig. Und wenn schon der Gegner selbst gegen die Bevorzugung protestiert, dann kann etwas nicht stimmen.

Apropos Gegner: leider muss man konstatieren, dass der Bonner SC zurecht absteigen muss. In der knappen halben Stunde, in der die Bonner mit einem Mann mehr auf dem Platz standen, erspielten sie keine einzige Torchance! Im Gegenteil, die dickste Chance des Spiels vergab für Fortuna Kizilaslan, als er nach einer Hereingabe von Böcker nur um Fußspitzenlänge an Ball und leerem Tor vorbei segelte. Zu diesem Zeitpunkt wurde Tytarchuk mal wieder draußen behandelt und somit wäre es das Siegtor von neun gegen elf gewesen! Und wer trotz numerischer Überlegenheit so grottenschlecht weiter spielt, obwohl er die Punkte bitter nötig hat, der steigt halt ab.

Soviel von einem gemütlichen Nachmittag im Bonner Sportpark Nord, an dem anscheinend einzig und allein das Schiedsrichter-Gespann etwas auszusetzen hatte und tatkräftig dagegen hielt.
Ganz besonders lustig allerdings dann das virtuelle Nachspiel, in dem einige beleidigte Schreiber im offiziellen Forum der Fortuna dem Verein Wettbewerbsverzerrung unterstellten, weil man nur mit einer besseren B-Elf aufgelaufen sei. Zitat: „Vor einer Woche hätten wir gegen die doch drei, vier Tore geschossen“ . Ja, klar, dreißig Minuten in Unterzahl, davon circa zehn Minuten sogar mit zwei Mann weniger, aber wir hätten sie dann doch locker abschießen können! Außer, dass dieser Schreiber die letzten Spiele der Fortuna nun mal überhaupt nicht gesehen haben kann, ansonsten hätte er solche dämlichen Äußerungen nicht getätigt, überraschte vor allem der Begriff „Wettbewerbsverzerrung“. Ein anderer Schreiber sah diesen Tatbestand allein durch die Mannschaftsaufstellung erfüllt. Wenn ich einen Wettbewerb verzerre, dann muss ich ja wohl irgendeine dritte Mannschaft durch mein Verhalten schädigen. Die einzigen, die durch das Spiel geschädigt wurden, waren jedoch die Bonner. Sie spielten nur Unentschieden, ihre schärfsten Gegner im Abstiegskampf, Ratingen und Viktoria Köln, gewannen zeitgleich ihre Spiele, und plötzlich fanden sich die Bonner mit sieben Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz bei nur noch drei ausstehenden Spielen wieder.

Aber es ist nun mal bei jedem Verein so, dass es Stänkerer gibt, die auch nach dem kleinsten Grund suchen, um meckern zu können, ohne auch vorher nur mal zwei Minuten nachzudenken. Und normalerweise lache ich über diese Bemühungen, da hier aber offen ein Manipulationsversuch des Abstiegskampfes unterstellt wurde, wollte ich dieses eine Mal kurz darauf eingehen.

So gesehen war bei diesem Spiel richtig was los – auch wenn fußballerisch überhaupt nichts los war an jenem sonnigen Mai-Sonntag.

Fortuna – SC Fortuna Köln

Auch diese fußballerische Offenbarung vom 07.05.2004 können wir schnell abhaken. Verdientes 2:2-Remis zweier Mannschaften, für die es nicht mehr um viel ging, und die mehr mit dem Wetter und sich selbst zu kämpfen hatten, als gegeneinander. Die Kölner gingen in der ersten Halbzeit durch Döpper in Führung, mit dem allerersten Schuss, der aufs Tor von Deuß kam, und sie bauten diese Führung mit einem Rekord aus: sie erzielten das schnellste Tor nach Wiederanpfiff, Jonas Wendt traf exakt 17 Sekunden nach dem Anstoß zur zweiten Halbzeit und leistete sich im Überschwang der Gefühle einige lustige Fingerspiele gegen die Sitzplatztribüne, dieser Sport scheint immer beliebter zu werden und macht den Schiris offensichtlich überhaupt nichts aus. Zum Glück fasste Wendt sich nicht an den Kopf, das hätte übler für ihn ausgehen können. Die einzig wahre Fortuna, die diesmal auf 8 Stammspieler verzichtete, teils verletzt, teils gesperrt, teils für das Pokalfinale gegen RW Essen geschont, schien besiegt. Dann wechselte Trainer Morales wenigstens noch Pico Niestroj ein, und der brachte in der Tat noch mal mächtig Schwung ins Spiel. Einen Freistoß von ihm konnte Kölns Torwart Klein nicht festhalten und Lorenzón staubte zum Anschlusstreffer ab. Das glückliche Händchen des Trainers bewies eine Viertelstunde vor Schluss Kizilaslan, ebenfalls im Laufe der zweiten Halbzeit eingewechselt, der dank seines kraftvollen Eindringens in den gegnerischen Strafraum einen völlig berechtigten Elfmeter herausholte, den ebenfalls Lorenzón verwandelte, denn Standard-Elfmeterschütze Zeyer war fünf Minuten zuvor ausgewechselt worden. Der Elfer soll recht sicher verwandelt worden sein, ich kann dazu nichts sagen, denn ich behalte nach dem Elfmeter-Debakel in der letzten Saison weiterhin die Prozedur bei, bei Strafstößen für Fortuna meinen Blick überall hin, nur nicht aufs Spielfeld zu richten. Klappte großartig, in dieser Saison war jeder Elfmeter drin. Kurz vor Schluss hatte Kizilaslan noch den Siegtreffer auf dem Schlappen, aber zunächst wurde er von seinem Gegenspieler und dem Kölner Torwart gebremst und seinen Nachschuss stocherte ein Kölner Abwehrspieler vor der Torlinie. Es wäre auch zuviel des Guten gewesen, trotz toller kämpferischer Leistung in der zweiten Halbzeit, in einem Spiel, in dem in der letzten Viertelstunde mehr los war als in den gesamten 75 Minuten zuvor, und das man daher getrost abhaken kann.

Um auch wieder den Wissensdurst eines mittlerweile lieb gewonnenen Freundes, nämlich des imaginären Wahrscheinlichkeitsstatistikers in uns allen, zu befriedigen, hier noch eine kleine Anmerkung: auch in der letzten Saison endete diese Partie im Flinger Broich 2:2. Auch damals hatte eine Fortuna – nämlich die aus Düsseldorf – schon 2:0 geführt. Auch damals goss es in Strömen. Und auch damals – es kann nicht mehr wirklich überraschen, oder? – geschah dies an einem Freitag Abend. Viel Spaß beim Rechnen.

Aber jetzt muss ich mal eine Lanze brechen. Und zwar für mich. Und nebenbei für circa 3.000 andere Zuschauer, denen es ähnlich ergangen sein dürfte, da am Flinger Broich nur die Sitzplatztribüne überdacht ist.

Ich stand bei diesem Spiel am Spielfeldrand, eigentlich ungewöhnlich für Heimspiele, bei denen ich meist die Sitzplatztribüne frequentiere, aber diesmal war zwecks Durchführung des Live-Tickers für die Fortuna-Homepage ein Wechsel in den Innenraum unerlässlich. Eigentlich ist für mich so ein Platz im Innenraum eine Belohnung, diesmal war es die Höchststrafe. Einen solchen Regen wie bei diesem Spiel habe ich noch nie erlebt. Es regnete den ganzen Tag über, es regnete während des Spiels, und es wurde immer schlimmer. Schon nach der ersten Halbzeit, war ich vollständig durchnässt, trotz Kapuze und dem zeitweisen Einsatz eines Schirms des Kollegen. Ein noch nie selbst erlebtes Phänomen trat auf: meine Regenjacke machte schlapp. Diese Regenjacke hat schon so einiges mitgemacht, war schon bei einer Menge Fußballspielen am Start, auch bei solchen mit zweifelhafter Witterung. Unter anderem war sie ein treuer Begleiter bei den Nationalmannschafts-Lachnummern auf Island und Färöer, letzteres wohl als eines der regenreichsten Länder Europas bekannt. Aber was sind die Färöer gegen Düsseldorf im Mai? Zum ersten Mal konnte meine Regenjacke die Wassermassen nicht mehr fassen und wurde auch von innen nass. Ein Bekannter überreichte mir vor dem Spiel eine Eintrittskarte für das letzte Saisonspiel gegen Ratingen. Diese lagerte ich natürlich in der Innentasche meiner Jacke. Nach meiner Rückkehr vom Spiel in heimische Gefilde musste ich diese Karte auf die Heizung legen, sie war nur noch ein feuchter Lappen.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit flüchteten wir und stellten uns vor die Sitzplätze, um wenigstens in den Genuss eines gewissen Schutzes durch das Tribünendach zu kommen. Es nutzte nichts, der Wind peitschte den Regen, der immer schlimmer wurde, auch dort hin. Er brachte auch noch eine gewisse Kälte mit sich, so dass das Telefonieren mit klammen Fingern auch nicht gerade leichter wurde. Ein absoluter wettertechnischer Tiefpunkt, ein Glück, dass wenigstens die Mannschaft noch halbwegs für ein Happy-End sorgte.

Nach dem Spiel boten mir Bekannte an, mich mit ihrem Wagen zum Bahnhof nach Solingen-Ohligs zu fahren. Ich bedankte mich herzlich, stieg ein und ruinierte den Beifahrersitz. Auf jeden Fall wird er wohl nie wieder das werden, was er einmal war, ich glaube, ich bestand äußerlich zu neunzig Prozent nur noch aus Wasser, was ja den inneren Bestandteilen des menschlichen Körpers nahezu entspricht. Wäre vielleicht einen Bericht für „Welt der Wunder“ wert gewesen. Was für ein Tag!

Aber es gab noch etwas, um den Tag abzurunden. Nachdem ich nach einer erstaunlich problemlosen Rückreise (pünktliche Züge, guter Anschluss in Köln, muss ja auch mal gesagt werden, wenn es denn mal vorkommt) feststellte, dass es in Bonn womöglich sogar noch schlimmer regnete als zuvor in Düsseldorf, und ein Bus weit und breit nicht in Sicht war, musste sodann ein Taxi zur Reise in die heimische Wohnung herhalten. Ich stieg ein und traute meinen Augen nicht: auf diesem Bildschirm am Armaturenbrett, auf dem normalerweise das Navigationssystem grafisch seinen Dienst verrichtet, lief irgendein Martial-Arts-Film! Da hatte der Taxifahrer wohl mal schnell die DVD gewechselt. Aber es kam noch besser, das System ist nämlich sehr fahrer- und kundenfreundlich. Sobald der Wagen anfuhr, verschwand der Film automatisch vom Bildschirm und machte einer Anzeige Platz, wonach die Übertragung nunmehr gestoppt werde, um den Fahrer nicht vom Straßenverkehr abzulenken. Sehr löblich! Was leider nicht verschwand, war der Ton, und somit verbrachte ich die letzten zehn Minuten meiner Heimreise damit, die Anzeige auf dem Bildschirm zu betrachten, akustisch untermalt von den Geräuschen, die so entstehen, wenn sich schätzungsweise zehn Karate-Kämpfer ebenso pausen- wie sinnlos was auf die Glocke hauen. Und meine Fassungslosigkeit über die Errungenschaften der Technik hat es auch nicht mehr beeinträchtigt, dass ich beim Bezahlen des Fahrpreises, als der Taxifahrer kurz den Motor abstellte und daraufhin das Bild wieder zurück kehrte, feststellte, dass sich sämtliche beteiligten Kämpfer natürlich bester Gesundheit erfreuten. Ist ja nur Kino. Aber es passte dermaßen gut als Abschluss des Tages, dass ich mich heute noch frage, ob der ganze Tag nicht irgendwie ein ganz falscher Film war.

Mir ist schon des öfteren unterstellt worden, dass ich in meiner Fußball-Leidenschaft doch ein wenig verrückt sein könnte. Dies habe ich stets empört zurückgewiesen. Nach jenem Freitag muss ich mich bei diesen Leuten wohl entschuldigen: es sieht so aus, als ob sie zumindest teilweise nicht ganz Unrecht haben.

Intermezzo: RW Essen – Fortuna

Ja, da war ja noch ein Pokal-Endspiel. Obwohl, vom Sportlichen her quasi bedeutungslos, da RW Essen den Aufstieg in die Zweite Liga an jenem Abend schon so gut wie in der Tasche hatte und Fortuna damit unabhängig vom Ausgang dieses Niederrhein-Pokal-Finales für die 1. Hauptrunde des DFB-Pokals qualifiziert war. Und deshalb konnte man das Finale auch gepflegt 0:2 verlieren.

Es war kein großes Spiel, bei Essen hat der Aufstieg absolute Priorität, deshalb ließ deren Trainer Jürgen Gelsdorf nur fünf oder sechs Spieler seines Regionalliga-Kaders spielen, füllte den Rest mit Spieler aus der zweiten Mannschaft auf und brachte auch noch einige A-Jugendliche zum Einsatz, und zwei davon, natürlich beide vor gar nicht langer Zeit von…? richtig: Fortuna zu RW Essen gewechselt, knipsten die Fortuna aus. Man muss sagen, dass man gegen eine solche derartige zweite Garnitur mehr erwarten kann, aber mehr ging wohl nicht. Und wenn es schon nicht läuft, dann klappt auch gar nichts: während die Essener zweimal ins Tor trafen, setzte zunächst Tytarchuk einen Flachschuss, später noch Zeyer einen Foulelfmeter jeweils an den Innenpfosten, und zum wiederholten Mal in dieser Saison war das Leder so gehässig, in beiden Fällen wieder ins Feld zurück zu springen. Es gibt Tage, da geht gar nichts, und ein solcher war anscheinend der 12.05.2004. Zumindest, was die Mannschaft auf dem Platz betrifft.

Denn drumherum ging so einiges. Unter anderem war ein gewisser Friedhelm Funkel im Krefelder Grotenburg-Stadion zu Gast. Und der hatte auch gleich was zu lachen, nämlich bei der Durchsage, dass man sich offiziell bei 16.000 Zuschauer bedanke. Gerade er sollte sich in diesem Stadion wohl bestens auskennen, daher nehme ich seine Angabe von 20.000 Besuchern auch wesentlich ernster. Um das zu erkennen, brauchte man allerdings auch keinen Funkel. 16.000 hätte bei dem Fassungsvermögen der Grotenburg bedeutet, dass noch mal so viele Zuschauer hinein gepasst hätten, und dass das nicht möglich war, konnte man auch mit bloßem Auge erkennen. Also eine beeindruckende Kulisse für ein Verbandspokal-Endspiel.

Beeindruckend dann auch die Choreographie, die die angereisten Fortunen boten. Wochenlang war hierfür gesammelt worden, es wurde ein großes Geheimnis um die Choreo gemacht, man hätte meinen können, die Organisatoren wollten Fortuna-Idol Klaus Allofs oder vielleicht doch nur den Papst als Glücksbringer einfliegen. Aber natürlich war es nichts dergleichen. Sondern das:

Also ich fand, es sah toll aus. Klar, ich stand ja auch nicht drunter.

Eine beeindruckende Demonstration, wozu einige Leute fähig sind, wenn man ihnen nur Zeit, Geld und Material gibt. Für diesen erneuten Beweis, dass die meisten Fans der Fortuna schon lange nicht mehr nur viertklassig sind, sage nicht nur ich herzlichen Dank.

Und so endete ein insgesamt wieder erfolgreicher Pokalwettbewerb, auch wenn der ganz große Wurf wieder nicht gelang. Aber, wie schon beschrieben, diesmal ist das Glas nur halbleer, und ich habe natürlich auch nichts gegen eine 1. Pokalrunde gegen LR Ahlen oder SV Wehen Taunusstein.

Bei diesem Spiel konnte man recht gut sehen, dass die dezimierte erste Garnitur der Fortuna nur noch auf Knien und Brustwarzen ins Ziel kriecht, während der zweite Anzug nur wenig brauchbare Alternativen zu bieten scheint. Psychologisch raffiniert daher die schon am nächsten Tag folgende Presseerklärung des GMF Thomas Berthold: gleich drei neue Spieler für die nächste Saison wurden vorgestellt, möglichst noch fünf weitere wurden angekündigt. Das konnte einigen Spielern für die nächsten zwei Spiele vielleicht noch ein wenig Feuer unter dem Hintern machen.

Neu: Carsten Nulle, Torwart, RW Oberhausen. In der zweiten Liga beim SV Waldhof Mannheim war er der einzige „Abwehrspieler“, dem beim letztjährigen Abstieg der Waldhöfer noch eine gute Saisonleistung bescheinigt wurde, obwohl ihm die gegnerischen Spieler regelmäßig die Hütte voll knallten, weil seine Vorderleute des öfteren die Arbeit einstellten. Nulle wechselte nach dem Abstieg der Waldhöfer zu RW Oberhausen, kam dort aber nicht an Ruhrpott-Urprollgestein Adler vorbei.

Neu: Marcel Podszus, Stürmer, Borussia Mönchengladbach Amateure. Vorstellung überflüssig, wer meine Artikel in den letzten zwei Jahren regelmäßig verfolgt hat, wird diesen Namen ebenso regelmäßig gelesen haben. Ein torgefährlicher Mann, der im Sommer 2002 eigentlich schon kommen sollte, nun aber über die Umwege Fortuna Köln und Borussia Mönchengladbach sowie mit der Empfehlung vieler Tore in den letzten zwei Jahren anreist, darunter vier Treffer mit beiden Klubs gegen Fortuna. Und so einen Knipser können wir wirklich gut gebrauchen.

Neu: Markus Lösch, Mittelfeld, Eintracht Trier. Eine ganz erstaunliche Verpflichtung. Er soll dem Spiel noch mehr Impulse geben und mit seiner Erfahrung auch eine Führungsrolle übernehmen. Es wäre schön, wenn er die diesbezügliche Lücke füllen würde, die Michael Zeyer hinterlässt. Dieser verkündete nämlich zeitgleich seinen Abschied. Nach dem letzten Spiel gegen Ratingen würde er die Fußballschuhe an den Nagel hängen. Eigentlich schade, aber er hat Recht: einen besseren Abschied kann es nicht geben. Ich sage danke. Endlich mal einer aus dem Oberhaus, der nicht zum Abkassieren kam, sondern durch Leistung und Auftreten beeindruckte. Ich werde ihn vermissen, ebenso seine Macke, die gesamte Saison mit herunter hängendem linken Stutzen zu spielen. Sah zwar Scheiße aus, hatte aber irgendwie etwas. Und trotz des verschossenen Elfmeters im Pokal-Endspiel muss angesichts der Saison 2002/03 die Frage erlaubt sein: gibt es einen Elfmeterschützen nach Michael Zeyer? Ich glaub, der Löschi übt schon…

GFC 09 Düren – Fortuna

„Nächste Saison habe ich neue Stürmer. Gottseidank.“ Dieser schöne Spruch stammt von Fortuna-Trainer Morales, wurde nach dem Spiel in Düren am 16.05.2004 gesprochen und war der einzige, den der kicker unzensiert in seinen Drei-Zeilen-Bericht übernehmen konnte. Wer das Spiel gesehen hat, der weiß, warum. Es war der Höhepunkt Düsseldorfer Lustlosigkeit gegen einen Gegner, der auch nicht viel besser war, sich aber wenigstens ab und zu mal bemühte. Trotzdem hätte Düren nicht 3:1 gewinnen müssen. Solche spielerischen Bankrotterklärungen von beiden Seiten gehen normalerweise 0:0 aus, und die Fans fordern ihr Geld zurück. Wirklich erstaunlich, dass es an diesem herrlichen Frühlingstag anders kam, bei diesem Kick, der mit Abstand der Schlechteste war, den ich in dieser Saison von der Fortuna gesehen habe. Man fühlte sich wieder an schlimmste Zeiten in der Vergangenheit erinnert, wobei es diesbezüglich ja doch von Vorteil ist, Fortuna-Fan zu sein, da muss man sein Gedächtnis nicht allzu sehr anstrengen, so lange ist es ja noch nicht her.

Dabei war alles gerichtet für einen gemütlichen Sonntag Nachmittag. Düren trat diesmal in der „Westkampfbahn“ an, in der eigentlich Lokalrivale SW Düren 99 gegen den Ball tritt. Und zwar nur gegen den Ball tritt, die können im Verein nur Fußballer haben und keine Platzwarte. Die ganze Anlage ist derartig marode, dass es eine helle Freude war. Nostalgie, wo man hinblickte. Das begann bei dem Tribünchen, das ich nach dem ersten Anblick auf „Alabama, 1863“ taxierte, eine etwas zu groß geratene Südstaaten-Veranda, schön aus Holz, allerdings schon ein wenig verwittert. Geradezu skurril der Anblick des kleinen Glaskastens für den Sprecher, den man reichlich lieblos inmitten dieses Kleinod amerikanischer Bürgerkriegs-Architektur gesetzt hatte. Rechts und links von der Tribüne befanden sich Stehplätze in Form von Steinstufen, die bis zum Spielfeld hinunter reichten. Die Betonung liegt auf „befanden“ = Vergangenheit. Mittlerweile sind diese Stufen komplett mit Gras und Unkraut überwachsen, da muss jemand das Städtische Gartenbauamt jahrelang mit Gewalt fern gehalten haben. Am oberen Ende dieser Stufen, wo es nach hinten wieder bergab ging, hatte die Natur bereits gesiegt, und einen durchgehenden Hügel geschaffen, nur hier und da sah man noch eine Stufe listig aus dem Grünzeug hervor lugen. „Idyllisch“ wäre noch untertrieben.

Die absolute Krönung war jedoch der Platz. Ratlose Blicke des Torwarttrainers der Fortuna beim Aufwärmen sowie seine Meinung „Das Tor ist niemals 2,44 Meter hoch!“ veranlassten uns, diesbezüglich genauere Nachforschungen anzustellen. Und in der Tat, als ich mich auf die Torlinie stellte und den Arm empor reckte, konnte ich die Torlatte mit der Hand locker umfassen. Und ich spiele nicht bei den Telekom Baskets Bonn, sondern bin 1,86 Meter lang. Irgendwie merkwürdig, zumal die Breite des Tores durchaus korrekt zu sein schien.

Des Rätsels Lösung kam uns dann bei einem Blick auf die Totale des Spielfelds. Der ganze Platz war eine einzige Hügellandschaft, es hätten nur noch die Maulwürfe gefehlt. Und die höchsten Hügel – wegen der guten Übersicht – befanden sich natürlich auf der Torlinie, das erklärte dann auch das etwas niedrige Gehäuse. Auf diesem Platz wäre jeder Schuss unter die Latte als haltbar einzustufen, es sei denn, beim Torwart handelt es sich um eine Pygmäe.

Auf der Gegengeraden hatten die Dürener allerdings nicht von einer anscheinend lieb gewonnenen Gewohnheit lassen können und wie weiland 2002 an der Städtischen Grillhütte wieder eine Menge Bauzaun aufstellen lassen. War auch dieses mal so überflüssig wie damals, sah aber auch genauso blöd aus.

Aus dem Hintergrund tritt sogleich Rhett Butler und nimmt Scarlett O’Hara in die Arme…

Übrigens war auch ein dritter Dürener Verein anwesend: hinter der Tribüne ging es zum Clubheim der SG Düren. Dort verpflegten wir uns vor dem Spiel und während der Pause. Mein erster Blick fiel auf ein Foto an der Wand neben der Bar, auf dem acht stattliche Herren im Sportlerdress abgebildet waren. Die Bildüberschrift lautete: „Nicht-Bezirksligaaufsteiger 1997“ Na also, hier gibt es noch echten Humor, dachte ich und wollte gerade vorschlagen, es demnächst doch mal mit elf Spielern zu versuchen, von wegen der Chancengleichheit und so, als mir auffiel, dass es sich bei der SG Düren um den ortsansässigen Tennisclub handelt, dessen Plätze direkt an die Tribüne des Stadions grenzen. Und so verfolgten wir in der Halbzeitpause den atemberaubenden Kampf um die Ü-30-Vereins-Meisterschaft der Damen. Als das Fußballspiel wieder anfing, führte die lange Blonde 6:4, 3:1, aber die kleine Dunkle hatte den wesentlich besseren Aufschlag. Das war spannender als das ganze Spiel, welches zeitweise nebenan versucht wurde, zu spielen.

Ach je, jetzt hab ich das böse Wort gesagt. Es hätte ein so gemütlicher Nachmittag werden können, die letzte Auswärtsfahrt, wirklich noch einmal im original Oberliga-Style, bei schönstem Wetter. Wenn nur dieses „Spiel“ nicht gewesen wäre…

Okay, es gab auch Höhepunkte. In der 17. Minute schlug Michael Zeyer einen Querpass auf die Dürener Eckfahne. Der dort postierte Polizist nahm das Leder fehlerfrei an und spielte den sauberen Pass in den Fuß des Dürener Keepers. Applaus auf offener Szene. Dasselbe wiederholte sich zehn Minuten später, als einer seiner Kollegen die Versiertheit deutscher Gesetzeshüter in wirklich allen Sportarten demonstrierte und einen Ball mit gekonntem Abwurf millimetergenau in die Arme des Torwarts zirkelte. Da klatschten selbst die eigenen Kollegen, die man auf einem Grashügel neben der Tribüne zusammen gepfercht hatte und die sich allem Anschein nach ordentlich langweilten. Das war schon großer Sport.

Das auf dem Rasen eigentlich weniger. Niemals in dieser Saison hat ein Fortuna-Spiel weniger mit Fußball zu tun gehabt. Dies galt durchaus für alle Beteiligten. Und so entwickelte sich ein einziges Gekrampe, Gewürge und Gebolze. Das Spiel bestand aus circa 600 Standardsituationen, mehr nicht. Freistöße, Einwürfe, Ecken – manchmal kann Fußball so simpel sein. Und die Sonne so schön, an einem Nachmittag im Frühling…

Doof ist nur, wenn da einer nicht mitspielt. In diesem Fall war es der Schiri. Als Frank Schön Mitte der ersten Halbzeit im eigenen Strafraum mit seinem Gegenspieler zusammen prallte, pfiff er einfach mal so Elfmeter. Kein einziger Dürener hatte zuvor protestiert, alle hatten weiter gespielt – egal. Wo der Regelverstoß gewesen sein soll, blieb offen. So bekam Schön für diesen Zusammenprall auch noch Gelb, und Ex-Fortune Jörres machte den Ball rein, zwar glücklich, denn Deuß war dran, aber Tor ist Tor.

In der zweiten Halbzeit dann zur Abwechslung mal eine Standardsituation. Jörres haute einen Freistoß aus dreißig, vierzig Metern einfach mal aufs Tor, ein Dürener hielt den Fuß dazwischen, abgefälscht – Tor. Auch wieder großartig rausgespielt.

Es folgt zur Abwechslung mal eine Standardsituation. Jörres wollte sich aus alter Freundschaft nicht lumpen lassen und riss Tytarchuk völlig sinnlos an der Torauslinie um, dermaßen offenkundig, dass er nach dem Elfmeterpfiff von einigen Mitspielern direkt verbal ordentlich was auf die Glocke bekam. Lorenzón verwandelte zum Anschlusstreffer, und damit war das Spiel entschieden, denn der gute Victor trifft zwar ein ums andere Mal in der Rückrunde, nur leider haben wir in 2004 auch kein Spiel mehr gewonnen, wenn er mal eingenetzt hat. Sollte ihm zu denken geben.

Kurz darauf flog Schön nach einem Allerweltsfoul mit Gelb/Rot vom Platz, und damit hatte der Schiri mit seinem Witz-Elfmeter in der ersten Halbzeit mehr entschieden als man glauben mochte. Es kamen erstaunlich gute 5 Minuten der Fortuna, in denen man sich schemenhaft erinnerte, dass man auch einmal Fußball spielen konnte, aber nachdem ein Dürener Spieler einen schönen Ball von Abda, den dieser dem Dürener Torwart an der Torauslinie abgeluchst hatte, noch von der Linie kratzte, und im Gegenzug mit dem einzig passablen Spielzug des gesamten Spiels das 3:1 durch einen schnellen Konter fiel, war der Fisch gegessen. Glückwunsch, Düren, zum Klassenerhalt, wer hat noch nicht, wer will noch mal? Wir tun gerne jedem einen Gefallen, es darf nur nicht so auffallen.

Diesmal fiel es jedoch auf. Die Leistung der Mannschaft war – höflich formuliert – eine Unverfrorenheit gegenüber dem Trainer und den fast 2.000 Fans, die sich trotz der Bedeutungslosigkeit dieses Spiels mal wieder in die Einöde aufgemacht hatten. Und da kann es auch keine Entschuldigung sein, dass Bellinghausen gesperrt und Mayer, Böcker, Sankharé und Ouejdide verletzt waren und gar nicht erst aufliefen. Der Rest der Truppe stößt anscheinend bereits beim Begriff „Oberliga-Qualität“ hart an ihre Grenzen, ebenso bei Begriffen wie „Einstellung,“, „Moral“ und „Ehrensache“. Das hatte auch der Trainer gesehen, knallte nach dem Spiel die Tür zur Kabine, die sich auf der Rückseite der Tribüne befand, mit solcher Wucht zu, dass es wohl so manch moderne Stahlrohr-Tribüne in seine Bestandteile zerlegt hätte, aber diesen Veteranen aus der Schlacht bei Yorktown natürlich nicht beeindrucken konnte. Über die anschließende Schimpfkanonade des Coaches decken wir den Mantel des guten Benehmens und lassen den anfangs erwähnten Satz einfach mal so stehen. Nur soviel: so mancher Spieler dürfte sich gewünscht haben, dass Herr Morales so schlecht zu verstehen war wie einst Trapattoni bei den Bayern. Dummerweise spricht er viel besser Deutsch als sein damaliger Vorgesetzter und war gut zu verstehen. Sehr gut sogar.

Neben dem Prestigeverlust für diese erbärmliche Leistung hatte die Sache dummerweise noch einen negativen Höhepunkt: da Velbert 4:0 in Ratingen gewann und somit 14 Spielen in Folge ungeschlagen blieb, zogen sie in der Tabelle nach Punkten gleich und aufgrund des besseren Torverhältnisses an Fortuna vorbei. Der ganze schöne Vorsprung – leichtfertig verspielt, weil sich die meisten Spieler seit dem Aufstieg mental bereits in der Sommerpause befanden. Jetzt kommen wir also nicht nur als Vize-Pokalsieger in den DFB-Pokal, weil Pokalsieger RW Essen in die 2. Liga aufsteigt, sondern steigen auch nur auf, weil die SSVg Velbert keine Lizenz für die Regionalliga beantragt hat. Peinlich, aber nicht zu ändern. Auf jeden Fall nicht mehr mit dieser Mannschaft.

Wobei das ganze ja durchaus auch noch eine humoristische Note hat, besonders für mich als Ex-Wülfrather. Weil in meiner einstigen Nachbarstadt Velbert niemand, weder Fans noch Vorstand noch irgendwelche Klein-Sponsoren, in der Rückrunde an die Mannschaft glaubte, und weil der Klub generell in seiner Stadt so unbeliebt ist wie nur irgendwas (fragt sich nur, warum…), so dass dort auch keine Sponsoren oder städtischen Gelder aufgetrieben werden können, verzichtete man im März auf eine Meldung zur Regionalliga, weil diese circa 11.000 Euro gekostet hätte und das Stadion eben nicht regionalligatauglich ist, von der Infrastruktur mal ganz zu schweigen. Die Velberter Mannschaft, vor der Saison Mitfavorit um den Aufstieg, aber mit ziemlich durchwachsener Hinrunde, spielte seitdem wie befreit auf und haute jeden Gegner weg. Jetzt gucken sie wahrscheinlich beim dortigen Vorstand genauso belämmert aus der Wäsche wie bei der Fortuna die Spieler. Zwei schöne Beispiele, was mangelnder Einsatz, Desinteresse und absolute Lustlosigkeit so alles bewirken können. Der Imageschaden hüben wie drüben dürfte gewaltig sein.

Wobei man ja noch sagen muss, dass wir mit dem weniger blauen Auge davon kommen. Denn so peinlich die letzten Spiele auch waren, so armselig es dem Außenstehenden erscheinen mag, als Zweiter aufzusteigen, weil der Meister keine Lizenz beantragt hat – spätestens am 1. Spieltag der Regionalliga Nord 2004/2005 interessiert die meisten Leute diese Rückrunde nicht mehr die Bohne. In Velbert allerdings werden sie es bis in alle Ewigkeit in der Vereinschronik stehen haben, dass sie die große Chance, als sie plötzlich da war, nicht nutzen konnten, weil sie nicht an ihre Mannschaft geglaubt haben. Und ob sie im nächsten Jahr noch einmal eine solche Saison vorfinden, in denen die drei Erstplatzierten fünf Wochen vor Saisonende das Fußballspielen einstellen und bereits für die nächste Spielzeit zu testen beginnen, darf auch bezweifelt werden.

Fortuna – Ratingen 04/19

Der Saison-Kehraus am 23.05.2004. Diesmal war kaum noch jemand aus der Stammelf dabei, die waren alle platt. Und die zweite Garnitur, die zeigte diesmal dem verblüfften Beobachter, dass zumindest das Düren-Spiel gänzlich unnötig gewesen war. Denn ein bisschen Fußballspielen können sie tatsächlich, ich hatte nach der Vorwoche schon ein wenig Bedenken. Und so schossen sie den Städtenachbarn mit einem verdienten 3:0 in die Verbandsliga. Die Führung besorgte Lorenzón mit einem doch recht zweifelhaften Elfmeter kurz vor der Pause (ich sah wie üblich nicht hin), eigentlich somit der Garant dafür, dass das Spiel nicht zu gewinnen war, wie meine scharfsinnige Analyse vom Sonntag zuvor ja besagte. Aber auch damit wurde am Ende aufgeräumt, denn Eyüboglu ließ in der zweiten Halbzeit ein tolle Freistoßtor folgen. Danach hätte es noch einmal spannend werden können. Ratingen erhielt einen Elfmeter, und Olivier Djappa war von dieser Gelegenheit so erfreut, dass er die Kugel einnetzte, obwohl der Schiri den Ball noch gar nicht frei gegeben hatte. Bei der anschließenden Wiederholung konnte Deuß parieren, und damit war Ratingen endgültig K.O. Zum Schluss gab es noch etwas lange nicht Gesehenes zu bewundern: ein schön heraus gespieltes Tor der Fortuna, als der große, alte Mann Michael Zeyer – im letzten Spiel seiner Karriere auf eigenen Wunsch erst in der zweiten Halbzeit eingewechselt – in den Ratinger Strafraum eindrang, auch den Keeper umkurvte, jedoch zu weit nach außen gedrängt wurde und den Ball außerdem nicht auf seinem Schussbein hatte. Und dann ging es endlich mal wie in der Hinrunde und ab und zu auch noch zu Beginn der Rückrunde: Ball stoppen, Kringel drehen, Kopf hoch, und endlich war auch mal wieder jemand nachgerückt. Rückpass auf Sankharé, und der versenkte die Kugel halbhoch im rechten Eck. Das war’s. Ein versöhnlicher Abschluss, auch wenn beim Gegner einige bittere Tränen geweint wurden.

Allerdings muss man sagen, dass Ratingen zurecht absteigen muss. Es wäre für sie so einfach gewesen, sich zu retten. Zur Halbzeit, als sie 0:1 zurück lagen, und Fortuna keineswegs übermächtig war, lag Viktoria Köln bei SW Essen bereits 0:2 zurück. Ein einziges Tor hätte den Ratingern gereicht, um vorbei zu ziehen und die Klasse zu halten. Aber außer dem Elfmeter hatte das Team im gesamten Spiel keine einzige Torchance. Keine! Die wirkten teilweise so, als ob sie gar nicht wüssten, worum es ging. Tja, und dann darf man sich nicht wundern, wenn man absteigt.

Aber auch die Kölner, die im März und April so stark aufgeholt hatten, verschätzten sich. Sie schafften in Essen nur noch den Anschlusstreffer, verloren das Spiel, und wären trotzdem drin geblieben, wenn…ja, wenn nicht der Bonner SC tatsächlich mit einem 3:3 bei den Amateuren von Mönchengladbach den entscheidenden Punkt zum Klassenerhalt geholt hätte. Glückwunsch an den Verein meines derzeitigen Wohnortes. Obwohl ich natürlich befürchte, dass der Große Vorsitzende Viol spätestens nächste Woche erklären wird, dass er mit 6 Trainern und 35 verschiedenen Spielern in dieser Saison mal wieder alles richtig gemacht hat.

Auch Viktoria Köln muss man leider sagen: selbst Schuld. Am vorletzten Spieltag war die Truppe nämlich bereits gerettet, führte zur Halbzeit mit 2:0 gegen Borussia Wuppertal, die nur noch um die Goldene Ananas spielten; damit hatten die Kölner vier Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz. Ich würde gerne wissen, was im Sportpark Höhenberg in der zweiten Halbzeit los gewesen ist, auf jeden Fall verloren die Kölner noch mit 2:4 und legten damit den Grundstein zum Abstieg.

Verrückte Liga. Und über das 6:0 am letzten Spieltag von Bergisch Gladbach gegen Fortuna Köln schreibe ich da schon gar nix mehr. Auch nicht über die schönen Ergebnisse, die Borussia Freialdenhoven in dieser Saison fabrizierte: einem 5:1, 5:2, 5:3, 6:4, 7:1 und 8:2 standen unter anderem ein 0:6, 3:6 oder 2:5 gegenüber. So hatte man 69 Tore erzielt und schrammte dennoch nur um zwei Punkte am Abstieg vorbei. Sehr unterhaltsam, das ganze.

Mit Bergisch Gladbach und Viktoria Köln verlassen jetzt die zusammen mit dem 1.FC Bocholt und Union Solingen ganz klar gastfreundlichsten Vereine die Liga (also bei Spielen gegen Fortuna, meine ich). Es wird kälter in der Oberliga Nordrhein…

Fortuna schloss somit die Punktspielrunde mit 71 Zählern ab. Velbert leider auch, die ließen beim letzten Heimspiel nichts mehr anbrennen und siegten 4:0 gegen Solingen. Somit ist Velbert aufgrund der um vier Treffer besseren Tordifferenz Meister, was ihnen aber nichts nutzt, weil sie den Aufstieg ja im März schon abgeschenkt hatten. Die Richtigkeit dieser Entscheidung wurde auch in der Woche vor dem letzten Spieltag nochmals vom Vorsitzenden der SSVg bekräftigt. Wenn sich dort nicht gewaltig etwas tut, wird es auch in den nächsten Jahren stets an der Infrastruktur und dem Stadion scheitern. Und warum die SSVg selbst in der eigenen Stadt nicht besonders beliebt ist, demonstrierten dann auch wieder einmal einige sogenannte „Fans“, die den Vorsitzenden in der Woche nach Übernahme der Tabellenführung am 33. Spieltag beschimpften und auch per Handy bedrohten. Enttäuschung ist eine Sache, zum Handy zu greifen und anonym zu drohen, eine andere. Ihr müsst noch viel lernen. Aber mich persönlich wundert das ja nicht. Und als Aufsteiger fallen die Gratulationen natürlich erheblich leichter, deshalb gehen meine herzlichen Glückwünsche für die Oberliga-Meisterschaft ins Niederbergische nach Velbert. Als Fazit bleibt dies: da könnt ihr mal sehen, was mit eurer Mannschaft alles möglich gewesen wäre, wenn das Umfeld…nun ja, wenn das Umfeld halt nicht eben Velbert gewesen wäre.

Somit endet auch die Saison 2003/2004. Der gemeine Fortuna-Fan freut sich auf den August, wenn es endlich in einer neuen Liga wieder weiter geht mit dem Oberligameister der Herzen, dem Spitzenzweiter aller Ligen. Endlich weg von Gegnern wie Freialdenhoven, Düren, Bergisch Gladbach, Yurdumspor. Jetzt kommen richtige Mannschaften! Werder Bremen Amateure. Borussia Dortmund Amateure. VfL Wolfsburg Amateure. Schalke 04 Amateure. Hamburger SV Amateure. 1.FC Köln Amateure. Und dazu noch Aleks Ristic mit Union Berlin. Heeeeeee – kann man sich das noch mal überlegen??? Ich glaub, ich will wieder zurück…

Natürlich ist das Nonsens. Denn trotz so manchem Horror-Gegner in der nächsten Saison ist der Weg in die Regionalliga natürlich das einzig Richtige. Und außerdem gibt es da ja noch ungleich interessantere Mannschaften zu bestaunen, zum Beispiel St. Pauli, Osnabrück, Union Berlin, VfB Lübeck. Daher gilt es, den Blick nach vorne zu richten und Geschehenes abzuhaken. Es ist vorbei. Zwei Jahre Oberliga sind zu Ende. Wir haben viel gesehen, wir haben viel mitgemacht. Da gebietet es die Höflichkeit, sich ordentlich zu verabschieden. Also: Ciao Ciao, Oberliga. Aber das ist sicherlich zu allgemein. Also:

Ciao Ciao, Velbert: kaum normale Fans, aber DFB-Pokal spielen. Nicht für die Regionalliga melden, aber Meister werden. Für mich als Wülfrather irgendwie doch tröstlich, dass sich niemand für euch zu interessieren scheint, noch nicht einmal ihr selbst. Aber ich hoffe, ihr habt mittlerweile größere Eingangstore am Stadion. Denn so gern ich auch die Erinnerung an euch verdränge, die an den 01.05.2003 wird noch lange haften bleiben.

Ciao Ciao, Mönchengladbach (Amateure): Ihr habt es nicht geschafft. Trotz Skoubo, Ketelaer, van Houdt, Pletsch, Eberl, Korrell, Korzynierz, Obradovic. Euch würde ich höchstens vermissen, wenn ich ne Dauerkarte für die erste Mannschaft von Ostholland hätte.

Ciao Ciao, Leverkusen (Amateure): Ihr habt es nicht geschafft. Trotz Hertzsch, Nowotny, Fritz, Kaluzny, Balitsch, Jones, Juric. Euch würde ich höchstens vermissen, wenn ich ne Dauerkarte für die erste Mannschaft von Pillentown hätte.

Ciao Ciao, Yurdumspor: ihr wart erst erstaunlich stark, zum Schluss aber erstaunlich schwach. Und da nach eurem 0:2 in Bergisch Gladbach in der Zeitung zu lesen stand, einige Yurdumspor-Spieler hätten vor diesem Spiel in einem Wettbüro auf die eigene Niederlage gesetzt (ob da etwas dran ist, konnte bisher noch nicht abschließend ermittelt werden), hoffe ich, ich bekomme nächste Saison mit, wenn ihr mal wieder kurz vor Ende der Saison beim Tabellenletzten antreten müsst. Dafür lege ich mir heute schon den Einsatz für betandwin zurück.

Ciao Ciao, Borussia Wuppertal: also zu euch fällt mir irgendwie gar nix ein, so farblos wart ihr. Deshalb heißt ihr ab nächster Saison ja auch Wuppertaler SV II. Doch, eins vielleicht noch: ich hätte wirklich gerne mal auf eurer eigentlichen Heimspielanlage Am Ölberg gespielt. Da hab ich 1983 mal in der C-Jugend 1:2 verloren, da wäre noch eine Rechnung offen gewesen. Aber selbst beim damaligen Spiel vor 50 Zuschauern war es ja schon überfüllt…

Ciao Ciao, Adler Osterfeld: als ihr in der letzten Saison zwischenzeitlich auf Platz 3 standet, kommentierte euer Trainer Bruns dies so: “Ein Aufstieg in die Regionalliga kommt für uns nicht in Frage.” Vielleicht solltet ihr euch mal mit Velbert zusammen tun…

Ciao Ciao, Fortuna Köln: wieder einmal trennen sich unsere Wege. Ihr wart unglaubliche Gastgeber…dafür seid ihr aber auch zweimal im Flinger Broich so richtig nass geworden. Viel Glück beim Unternehmen „Abwenden der Insolvenz, die 7.“

Ciao Ciao, 1.FC Kleve: ihr wart ein starker Aufsteiger, der uns alles abverlangte. Dank euch durfte ich während des Rückspiels in Krefeld sogar fünf Minuten ordentlichen Hagel unter freiem Himmel genießen. Ob das auch passiert wäre, wenn wir bei euch zuhause hätten spielen dürfen?

Ciao Ciao, Union Solingen: ihr wart mit Abstand der angenehmste Gegner. In zwei Jahren kein Tor gegen uns geschossen und uns zum Schluss sogar noch zum Aufsteiger gemacht. Wenn nur diese eklatante Bratwurst-Schwäche nicht wäre…

Ciao Ciao, 1.FC Bocholt: das genaue Gegenteil. Feierlich verabschiede ich mich nicht nur von den tollen Fans dort, sondern auch von der mit Abstand besten Currywurst der Oberliga Nordrhein…

Ciao Ciao, GFC Düren: für euer Organisationsgeschick werdet ihr mir immer als City of Bauzaun im Gedächtnis bleiben. Und dafür, dass man in eurer Städtischen Grillhütte nur Bockwurst bekommt…

Ciao Ciao, SW Essen: ein Gruß an die unerreichten Sicherheitsfanatiker: Absperrungen zum Spielfeld, die nur aus Trassierband bzw. Plastikketten bestanden, Bierstände an der Seitenauslinie, keine Sanitäter im Stadion bei dreißig Grad im Schatten. Aber musstet ihr drei Spieltage vor Schluss noch den Benatelli feuern? Der konnte doch immer so schön jammern…

Ciao Ciao, Freialdenhoven: danke für die beste Anfahrt zu einem Fußballstadion, die ich je mitmachen durfte. Danke auch für unglaubliche Ergebnisse in dieser Saison. Ich wünsche ausdrücklich alles Gute. Und Ciao Ciao, Josip Labas: unfassbar, dass wir sportlich nicht zueinander finden. Von dem nunmehr gesparten Geld für die Beflockung meines nächsten Fortuna-Trikots mit deinem Namen werde ich einen Altar errichten lassen, auf dass sich die Fortuna-Gemeinde ewig erinnern möge, welche Chance sie verpasste…

Ciao Ciao, Viktoria Köln: die beste, freundlichste und lustigste Kölner Karnevalstruppe. Habe mich bei Auswärtsspielen in der Stadt mit der komischen Kirche nie so wohl gefühlt wie bei euch. Da können irgendwelche Geißböcke noch so oft auf den Rasen des Müngersdorfer Stadions pinkeln…Veil Glück in der Verbandsliga.

Ciao Ciao, Ratingen: danke für den Einblick ins deutsche Wirtschafswesen. Wer schmeißt die wildesten Parties, während draußen der Gerichtsvollzieher schon seine Aufkleber sortiert? Richtig, der bankrotte Geschäftsmann. Und wer baut eine nagelneue Tribüne, obwohl man doch schon während des Baus insolvent war? Ihr seid eindeutig zu Höherem bestimmt. Auch wenn es erst einmal in die Verbandsliga geht. Dafür alles Gute.

Ciao Ciao, Bonn: da bleibt wenigstens ein Auge trocken. Ihr bleibt mir ja erhalten. Zumal euer Präsident bei der ersten Mitgliederversammlung seit fünf Jahren am 17.05.2004 mal wieder für zwei Jahre gewählt wurde. Ich bin gespannt, ob es bei eurem alljährlichen Chaos in Vorstand, Mannschaft und Verein in der nächsten Saison endlich mal zum Deutschen Comedy-Preis reicht.

Ciao Ciao, Bergisch Gladbach: the Ground of selbstgebackenem Kuchen on the Haupttribüne. Ihr wart die besten Gastgeber. Wenn ihr jetzt noch diese hässliche Stadt rund um dieses hübsche Stadion abreißen würdet, könnte man es glatt öfter bei euch aushalten.

Macht’s gut, alle miteinander. Ich bin froh, dass ich euch los bin. Ich vermisse euch jetzt schon.

Und hier endet alles. Der achte Liga-Wechsel in den letzten zwölf Jahren ist perfekt. Das bringt natürlich auch andere Veränderungen mit sich. Im WDR-Videotext wechseln wir von Tafel 225 auf Tafel 223. Anstatt gar keiner Berichterstattung gibt es jetzt die WDR-Regionalliga-Sendung am Samstag Nachmittag, also auch keine Berichterstattung, aber immerhin mit Bildern. Gibt es etwas Unterhaltsameres im deutschen Fußball als Fortuna? Ich stelle mir nur vor, ich würde jedes Jahr Meister oder Vizemeister werden. Jedes Jahr gegen Real Madrid, Manchester United, AC Mailand spielen. Alles in Frage stellen, nur weil ich mal kurzfristig Vierter bin. Die Schuld immer schön bei anderen suchen, weil in meinen Vereinsstatuten festgeschrieben steht, dass ich immer Recht habe. Ich glaube, es würde zwar etwas, aber nicht ewig dauern, und ich würde mich danach sehnen, mich für Fortuna sonntags mittags ins Auto zu setzen und los zu fahren. Nach Freialdenhoven. Mich auf der Landstraße wieder hoffnungslos verfahren. Mich nach den schon etwas älteren Angaben eines Routenplaners richten, die mich schnurstracks zur Grube des Tagebergbau Inden führen würden, weil die entsprechende Landstraße schon vor Jahren verlegt wurde. Ich würde den Sportplatz doch noch rechtzeitig finden, nur um festzustellen, dass sich dort von den heimischen Zuschauern eh niemand so richtig dafür interessiert, wie das Spiel ausgeht. Ich würde all das tun, weil es manchmal einfach besser ist und mehr Spaß macht. Und ich würde niemals von einem BVB- oder Bayern-Fan erwarten, dass er das versteht.

Aber wie gesagt: das wird noch etwas dauern. Zunächst einmal habe ich wirklich nichts dagegen, dass es ein wenig aufwärts geht. Und daher bin ich natürlich jetzt schon gespannt, wie es der Fortuna in der Regionalliga Nord ergehen wird. Verabschieden möchte ich mich mit einem Zitat, das belegt, dass unsere, die einzig wahre Fortuna schon im Mittelalter sehr beliebt gewesen sein muss. So beliebt, dass sie sogar Eingang in eines der berühmtesten literarischen Werke der damaligen Zeit fand. Denn es muss unsere Fortuna sein, von der im nachfolgenden Dreizeiler die Rede ist: mit Fortuna in die Hölle fahren, ihren Namen dort noch hoch leben lassen und dafür göttlich ausgelacht werden – das ist mein Verein. Und dafür liebe ich ihn.

„Nur das will ich, dass man es klar verstehe,
dass ich, wenn’s mein Gewissen nicht vergällt,
zu der Fortuna, wie sie sei, auch stehe.“

(Dante Aligheri, Göttliche Komödie, Inferno, XV. Gesang)

Danke für die Aufmerksamkeit: janus

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