26. – 30. Spieltag

April-Marathon – stolpern, schwanken, durchhalten

Diesmal ohne Umschweife direkt zur Sache. Wie im letzten Kapitel angekündigt, standen im April sieben Spiele auf dem Programm. Da rätselhafterweise den gesamten Monat über kein Schnee fiel, wurden alle Partien auch tatsächlich ausgetragen. Es wird daher etwas länger. Also ab dafür. Über Siege, Niederlagen, Platzverweise, An- und Abreisen, Bratwürste sowie einen Zuschauerrekord – hier entlang:

04.04.2004: Fortuna – PSI Yurdumspor Köln

Nächster big point gegen einen Verfolger. Der starke Aufsteiger aus Köln-Chorweiler kam in den Flinger Broich. Und zunächst mal muss die Frage erlaubt sein: hätten wir nicht nach dem Spiel Protest einlegen müssen? „Yurdumspor“ klingt ja nun irgendwie türkisch, falls es das Wort noch in einer anderen Sprache geben sollte, bitte ich um Mitteilung. Auf dem Zettel mit den Mannschaftsaufstellungen tauchten beim Gast allerdings noch ganze drei türkische Namen auf. Vielleicht hätte das einen Einspruch gegen die Spielwertung ermöglicht? Andererseits kann man daran sehen, wie sehr die Kölner den Erfolg wollen. So sehr, dass sie durch ihre zusammen gekaufte Mannschaft, die aus Türken, Deutschen, Osteuropäern und Afrikanern besteht, sogar die ursprünglichen Wurzeln ihres Vereins auseinander pflücken. Kein Wunder, dass nur etwa zwei Dutzend Fans den Tabellen-3. nach Düsseldorf begleiteten, und dass die Heimspiele von Yurdumspor im Schnitt von vielleicht 150 bis 200 Zuschauern, etwaige Gästefans eingerechnet, besucht werden (bis hin zu beeindruckenden 80 Besuchern am 29. Spieltag gegen Adler Osterfeld), die Spiele der rein türkischen Jugendmannschaften des Vereins sich aber ungebrochen großer Beliebtheit erfreuen. Wenn ich in der Türkei einen deutschen Fußballverein aufmache, interessieren mich ja auch eher die Spiele, bei denen meine Landsleute mitspielen, ansonsten ist die Notwendigkeit, einen solchen Verein zu gründen, ja wohl etwas in Frage gestellt.

Andererseits möchte ich natürlich nicht versäumen, auch hier auf den Multi-Kulti-Effekt dieser Truppe hinzuweisen. Nicht, dass mir jemand unterstellt, ich wäre dafür, in Vereinen mit ausländischem Namen dürften nur noch Fremde der gleichen Nationalität spielen! Wenn ich da allein an Bayern denke, wenn dann die halbe CSU zusammen mit ein paar Alm-Öhis auflaufen müsste…nicht auszudenken.

Das Hinspiel in Köln hatte die Fortuna mit 4:1 gewonnen. Folgerichtig dachte man sich, man solle am besten da weiter machen, wo man im Hinspiel aufgehört hatte. In der dritten Minute erzielte Frank Schön das erste Tor für Fortuna. Dachten alle, auch die Kölner Spieler, die gar nicht protestierten. Der Schiri dachte anders und pfiff das Tor ab. Warum, weiß bis heute kein Mensch. Es war kein Abseits, und wenn es ein Foulspiel gewesen sein soll, dann müsste Schön ins Guinness-Buch der Rekorde – drei Meter ringsum ihn stand nämlich niemand. Rätselhaft.

Ebenso rätselhaft, dass in der Rückrunde eine solche Entscheidung anscheinend ausreicht, um die Fortuna völlig aus der Bahn zu werfen. Was dann folgte, war nämlich das mit Abstand schwächste Heimspiel der Saison. Erste Halbzeit noch ganz okay, zweite Halbzeit grausam schlecht. Die Kölner, die in der ersten Halbzeit wirklich nur durch gekonnte Fallsucht auffielen (ebenso wie der Schiri, der fiel nämlich meistens darauf herein), merkten, dass hier was ging, konterten zweimal über ihren pfeilschnellen Spieler Anderson Faluyi (klingt jetzt auch nicht grad türkisch) und gewannen verdient mit 2:0. Wobei an solchen Tagen dann natürlich auch noch ein bisschen Pech dazu kam: beim 0:1 wurde Faluyis Schuss für Deuß unhaltbar abgefälscht, dann traf Böcker aus 5 Metern nur den Pfosten, und geradezu tragisch fiel das 0:2: Axel Bellinghausen, der einen rabenschwarzen Tag erwischte (aber nicht nur er), blieb bei einem Eckball als letzter Mann an der Mittellinie stehen. Die Ecke fliegt herein, die Kölner klären, der Ball fliegt auf Bellinghausen zu, dieser versucht einen Kopfball mit tiefem Kopf, das Ding geht völlig in die Hose, Faluyi schnappt sich die Kugel, sprintet über vierzig Meter auf und davon, und dann wird es richtig traurig: Bellinghausen setzt im Strafraum zur Grätsche an und trifft auch völlig korrekt den Ball, keine Notbremse! Leider legt er die Kugel damit am heraus stürzenden Deuß vorbei, Faluyi braucht nur durchzulaufen und ins leere Tor einzuschieben. Unglücklicher geht’s wirklich nicht mehr.

Andererseits, bei allem Pech, die Niederlage war verdient und hätte sogar noch höher ausfallen können, Ex-Profi Gülünoglu düpierte Deuß noch mit einem Heber aus dreißig Metern von der Seitenauslinie, aber der Ball ging nur an die Latte. Somit bleibt der Herr Faluyi der Spieler, der in Hin- und Rückspiel alle drei Treffer für Yurdumspor gegen Fortuna erzielte. So gesehen stand die Fortuna-Abwehr gegen alle übrigen Spieler von Yurdumspor recht sicher. Wenn der Faluyi doch bloß verletzt gewesen wäre, dann hätte es wenigstens noch einen Punkt gegeben. So verlor Fortuna das zweite Heimspiel nacheinander, wieder gegen einen direkten Konkurrenten, Mönchengladbach rückte bis auf sieben Punkte heran.

07.04.2004 (Mittwoch): Borussia Freialdenhoven – Fortuna (in Solingen)

Das Spiel, das aufgrund der Ereignisse und verbalen Äußerungen im und um das Hinspiel unter keinem guten Stern stand. Um es vorab zu sagen, es gab keinerlei Ausschreitungen, Revanchefouls oder Pöbeleien. Vielleicht lag es ja an der Verlegung der Partie ins Stadion am Hermann-Löns-Weg in Solingen. Die 3.800 Fortunen, die dort am Mittwoch Abend anreisten, hätten nämlich auf der Freialdenhovener Sportanlage beim besten Willen keinen Platz gehabt. Da hätte es natürlich etwas eng werden können, auch mit der Ruhe.

Oder vielleicht lag es ja auch an der Mannschaft, die sich gegen den besten Sturm der Liga (jawohl, das ist Freialdenhoven!) von einer ganz anderen Seite präsentierte als noch einige Tage zuvor im Heimspiel gegen Köln. Mag sein, dass die den besten Sturm der Liga haben, in der ersten Halbzeit kam keiner von denen auch nur in die Nähe des Balles. Fortuna zerlegte Freialdenhoven in seine Bestandteile, dass selbst deren Bankdrückern vor lauter Staunen keine Zeit zum Provozieren blieb, wovon man noch im Hinspiel reichlich Gebrauch gemacht hatte. Selbst der bäuerliche Stadionsprecher und bekennende Kölsch-Fan Franz Weidinger hinterließ nichts Zitierenswertes für die Nachwelt. Das war einige Tage zuvor noch ganz anders gewesen, als er in einem einschlägig bekannten Oberliga-Nordrhein-Forum zur Leistung eines ihm nicht genehmen Schiedsrichters noch folgendes zu besten gegeben hatte: „Ich frage mich, wessen unehelicher Sohn der ist, dass der sein Unwesen in der Oberliga treiben darf!“ Und das als Offizieller. Immer wieder nett, mal auf die ländliche Sichtweise solcher Angelegenheiten hingewiesen zu werden.

Aber zurück zum Spiel. In der ersten Halbzeit bekam Freialdenhoven kein Bein auf die Erde, die 2:0-Führung für Fortuna war nur die logische Folge. Zunächst wuchtete Böcker einen Eckball von Zeyer per Kopf in die Maschen, dann gab es was fürs Auge: ein 40-m-Freistoß von Niestroj, mit viel Schnitt in den Strafraum gebracht, mit so viel Schnitt, dass keiner mehr dran kam – auch der Torwart nicht. Kurioses Ding, aber unhaltbar. Danach traf Niestroj noch den Pfosten, Ouejdide scheiterte frei stehend am Torwart – über ein 0:4 hätte sich Freialdenhoven zur Halbzeit nicht beschweren können. Die Fans kamen aus dem Staunen und Klatschen gar nicht mehr heraus, nur unterbrochen von gellenden Pfeifkonzerten, wenn der Herr Nacev, Deutschlands große Hoffnung für die Oscar-Verleihung aus dem Hinspiel, mal die Kugel berührte. Aber auch er spielte an diesem Abend einen fairen Ball, und als er in der 2. Halbzeit Gelb sah, weil er ausgerechnet den damaligen Leidtragenden, Frank Mayer, umriss, da stand er schon bei Mayer, um sich entschuldigen, als dieser noch gar nicht wieder auf den Beinen war. Na also, so geht’s doch auch.

Apropos 2. Halbzeit: da schaltete Fortuna einen Gang zurück, und prompt schlug es ein. Nachdem Deuß zunächst noch einen gefährlichen Freistoß parieren konnte, war er einige Minuten später machtlos, und Josip Labas netzte nach einer knappen Stunde zum Anschlusstreffer ein. Ich will gar nicht mehr weiter darauf hinweisen, dass ich mittlerweile seit Jahren die Verpflichtung dieses Stürmers fordere, es wird ja langsam langweilig. Reicht denn diese Statistik immer noch nicht? Drei Tore hat Freialdenhoven in anderthalb Jahren gegen uns geschossen – wer hat wohl alle drei Hütten gemacht? Und wer besitzt mittlerweile unterbewusst schon so viel Fortuna-Blut, dass er sich kurz vor Schluss noch auswechseln ließ, um ja nicht noch den Ausgleichstreffer zu erzielen? Aber gut, das mit dem einsamen Rufer in der Wüste ist mir auch vertraut…

Diese beiden Torschüsse waren übrigens die einzigen Chancen, die Freialdenhoven im gesamten Spiel hatte, und so können die unterbewussten Fortunen unter den Lesern schon mal befreit aufatmen – denn natürlich heißt das, dass wir das Spiel gewannen. Aber wie…Freialdenhoven machte zwar noch Druck, was Fortuna in den letzten Minuten allerdings an klaren Konterchancen versiebte (und damit das Spiel unfreiwillig spannend bis zum Schluss hielt), übertraf die Spiele gegen Velbert und Wuppertal zusammen bei weitem. Eine lokale Tageszeitung schrieb am nächsten Tag von 15:2 Torchancen. Ich kann dies nicht bestätigen, ich hatte nach der zehnten entnervt aufgehört zu zählen.

Am Schluss gab es dann noch ein einziges großes Pfeifkonzert. Schuld daran war der Freialdenhovener Zimmermann, mit geschätzt 1,20 m Körpergröße der kleinste Skinhead, den ich je beim Fußball gesehen habe. Der brillierte nämlich mit einer eingesprungenen Pirouette von hinten in die Beine von Bellinghausen. Da ich im Laufe dieser Saison ja schon gelernt habe, dass bei Oberliga-Schiris diese „Blutgrätsche von hinten = Rot“-Regel nicht gilt, war ich nicht überrascht, dass es nur Gelb gab. Eine Minute später war ich jedoch sehr überrascht, dass Zimmermann noch weiter spielen durfte, denn nachdem er ordentlich ausgepfiffen wurde, zeigte er noch einige flinke Fingerspiele Richtung Tribüne, die auch dem Schiri nicht entgangen waren. Trotzdem juckte es ihn nicht. Mittlerweile bin ich natürlich schlauer, denn wenn ein Olli Kahn Deutschlands bestem Schiri ungestraft den Vogel zeigen darf, dann kann man als Schiri ja auch mal Mitleid mit so einem Oberliga-Kicker zeigen. Fortan wurde Zimmermann bei jeder Ballberührung genauso gellend ausgepfiffen wie Nacev auf der anderen Seite des Platzes. Dies steigerte sich in der Schlussphase, als die beiden sich mehrmals die Bälle zuspielten, zu einer fast schon künstlerisch zu nennenden Tonfolge, dass es das Getier im benachbarten Vogelpark wohl aus den Bäumen gehauen haben dürfte.

Übrigens habe ich genau hingeschaut nach dem Treffer von Labas. Nein, nicht, wie der blitzschnell die Kugel aus dem Netz holte und Richtung Anstoßkreis trabte, sondern ins Stadionrund. Außer den Spielern auf dem Platz und der Freialdenhovener Bank freute ich niemand. Die hatten wahrhaftig keine Fans dabei! Und das bei einem Heimspiel…

Nun noch ein paar Worte zu Hin- und Rückfahrt bei diesem Spiel, der Zufälle wegen.

Die Anreise konnte noch mit dem Wagen bewältigt werden. Wir starteten frohgemut aus Bonn eindreiviertel Stunde vor dem Spiel und kamen fünf Minuten vor dem Anpfiff an. Bei einer Strecke von vielleicht 50 km. Schuld daran waren zunächst drei Unfälle auf ebenso vielen Kilometern auf der A3 am Heumarer Dreieck, weil sich Tausende von Leuten gedacht hatten, nur sie allein hätten diese ungemein clevere Idee, den Gründonnerstag frei zu machen und könnten daher bereits am Mittwoch entspannt in den Osterurlaub fahren. Kaum hatte sich das ganze Knäuel noch in Köln entwirrt, gaben wir ordentlich Gas, um die Verspätung aufzuholen. Und zwar circa dreißig Sekunden lang. Dann krachte ein Hagelschauer nieder, wie ich ihn schon lange nicht mehr gesehen habe, der die Sicht auf unter 50 Meter verringerte und – bei freier Autobahn! – die Geschwindigkeit auf eigentlich noch zu flotte 30 km/h herab setzte. Glücklicherweise war der Spuk nach einer Viertelstunde hinter Köln vorbei, so dass wir noch rechtzeitig zum Spiel gelangten.

Zufall I: im letzten Jahr im März erwischte uns – gleiche Wagenbesetzung – ein eben solcher Hagelschauer. Auch in Köln, damals allerdings auf der A4. Auch damals waren wir auf dem Weg zu einem Auswärtsspiel. Der damalige Gegner: Freialdenhoven. So kann’s gehen. Wenn die Bauern schon in ein anderes Stadion umziehen, verlagert sich sogar der Hagel. Wahrscheinlich als Ersatz für die fehlenden Fans, damit die Freialdenhovener Spieler und Betreuer zumindest ein wenig daran erinnert wurden, dass sie ein Heimspiel hatten.

Die Rückfahrt hingegen musste mit der Bahn absolviert werden. Da meinem Gedächtnis entschwunden war, wie man vom Solinger Stadion zum Bahnhof Ohligs gelangen konnte, wurde die einheimische Ordnungsmacht befragt. Auskunft: „Immer den Berg rauf.“ Nun gut, wir mussten (in dieser Reihenfolge) erst geradeaus, dann links, dann rechts, dann wieder geradeaus marschieren, aber immerhin ging es die gesamte Zeit bergan. So gesehen keine unwahre Auskunft.

Um 22.16 Uhr sollte ein Regionalexpress fahren, der auch in Bonn Halt machte. Witzigerweise wurde er bei unserer Ankunft am Bahnhof, deutlich vor 22 Uhr, schon mit 20 Minuten Verspätung angezeigt. Schnell noch nebenan bei McDonald’s ein wenig Proviant für die Rückfahrt einverleibt. Zurück zum Bahnsteig, stellten wir fest, dass wir uns nicht hätten beeilen müssen: nunmehr wurden 45 Minuten Verspätung angezeigt. Aber dann: die großherzige Durchsage (wahrscheinlich vom Bahnhof Wuppertal, in Ohligs war nämlich weit und breit kein Bediensteter zu sehen), dass um 22.26 Uhr ein ICE herein rauschen würde, der ausnahmsweise mit IC-Ticket bis Köln benutzt werden konnte. Wir hatten jedoch ein Job- bzw. Studententicket. Schnell zum Automaten, gucken, was so ein IC-Ticket kosten könnte. Keine Ahnung, diese Tickets kann man leider an den Automaten nicht mehr ziehen, und die Schalter waren bereits alle geschlossen, wie schon gesagt. Trotzdem wollten wir es wagen, schließlich galten unsere Tickets auch für diese Strecke, allerdings eben nur für den Nahverkehr. Aber da hatte man bei der Bahn wohl schon darüber nachgedacht, wer bei solch einer Ankündigung sich wohl alles in ihren feinen Zug drängeln könnte. Prompt kam die Durchsage, dass auch dieses Gefährt lockere 25 Minuten Verspätung haben würde. Und um zu zeigen, wer hier die Macht hatte, kam gleich noch hinterdrein, dass die Ankunft des Regionalexpress auf unbestimmte Zeit verschoben werden müsse. Der stand nämlich zwischen Ennepetal und Schwelm. Ja, da muss man auch schon mal Mitleid haben. Möchtet ihr in finsterer Nacht ausgerechnet zwischen Ennepetal und Schwelm mit dem Zug stecken bleiben? Ach, ihr wart noch nie in dieser Gegend? Ich aber. Und deshalb sage ich: habt Mitleid mit diesen geknechteten Kreaturen!

Nun, es kam schließlich eine weitere Regionalbahn, die nur unfassbare 15 Minuten Verspätung hatte, und brachte uns wenigstens noch mittels erfolgreicher Rhein-Überquerung nach Köln Hauptbahnhof (okay, auf der Brücke musste angehalten werden, unmittelbar nach der Ankündigung, dass der Bahnhof gleich erreicht werden würde, aber das ist wirklich Standard). Und wie kommt man jetzt weiter nach Bonn? Genau, mit der letzten Regionalbahn um 23.59 Uhr. Also, wenn er pünktlich wäre. Wieder fast eine Stunde Wartezeit. Vorher gibt es keine Chance, direkt vom Dom direkt in die ehemalige Bundeshauptstadt zu reisen. Irgend jemand scheint irgend wen da nicht zu mögen. Bevor wir uns aber auf der Domplatte häuslich einrichteten, fuhren wir lieber um 23.12 Uhr mit einem Uralt-Express (Deutsche Reichsbahn) nach Siegburg/Bonn, wie der Bahnhof wegen seinem ICE-Sprinter-Gleis heißt, wobei es sich allerdings doch nur um Siegburg handelt. Nach der Anfahrt des Zuges in Köln fuhren wir erst mal ein Stück den Weg zurück, den wir soeben gekommen waren, klar, jetzt mussten wir ja wieder die Rheinseite wechseln. Ich konnte es kaum noch glauben. In Siegburg wechselten wir dann noch in die Straßenbahn und zuckelten gemütlich über eine halbe Stunde mit diversen Jungprolls, Zugedröhnten und Sturzbetrunkenen durch die Gegend und waren pünktlich um 00.15 Uhr in Bonn. Bei Spielende 21.15 Uhr, wohlgemerkt. Und 5.30 Uhr Weckerklingeln…

Es wäre eine (gerade von mir) wohl schon allzu oft gelesene Schilderung, so dass man ermüden könnte, wäre da nicht folgendes gewesen:

Zufall II: Wie gesagt, es war der 07.04.2004. An diesem Tage hatte ich es in diversen Radio-Nachrichten gehört und in der einschlägigen Presse, sowohl lokal als auch überregional, gelesen: nach umfangreichen Tests des Fahrgastverbandes verkündete dieser, dass bei der Bahn mittlerweile 90% aller Züge pünktlich fahren würden. Ich habe die Berichte mit meinen eigenen Augen gesehen. Zwölf Stunden später dachte sich die Bahn wohl, es wäre jetzt an der Zeit, die restlichen 10% auf die Schiene zu schicken. Somit kam ich an diesem Tag auf viereinviertel Stunden An- und Abreise für eine Strecke von insgesamt circa 100 km. Was tut man nicht alles für die Oberliga…

12.04.2004 (Ostermontag): Fortuna – Bergisch Gladbach

Ja, der Ostermontag, Ausklang des besinnlichen Osterfestes. Genau der richtige Zeitpunkt, mal ein nettes, unaufgeregtes Fußballspiel zu sehen. Zum Beispiel gegen den Tabellenletzten und designierten Absteiger Bergisch Gladbach, der bis dato sämtliche Partien im Jahr 2004 verloren hatte. Nach dem Spiel war die Statistik dieselbe, keine Aufregung also. Die waren über die gesamte Saison gesehen bisher eigentlich mein liebster Gegner. Im Hinspiel trotzten sie uns zwar ein Unentschieden ab, beeindruckten aber mit einer überaus gelungenen Organisation des Spiels. Im Rückspiel schlossen sich dann auch die Spieler diesem Verhalten an. Freundlich, nett, harmlos, kriegten sie überhaupt nichts auf die Reihe und verzeichneten tatsächlich exakt mit dem Schlusspfiff den ersten Torschuss. Okay, der war auch drin, und Fortuna-Trainer Morales tobte mal wieder, aber zuvor hatten Frank Mayer mit seiner ersten Bude nach seiner schweren Verletzung, Pico Niestroj mit Traumtor (aus 20 Metern volley in den Giebel) und Djebrane Abda mit seinem ersten Saisontreffer überhaupt schon für klare Verhältnisse und somit für einen nie gefährdeten 3:1-Sieg gesorgt. Und alles wäre gut gewesen, wenn es die 40. Minute nicht gegeben hätte. Da kabbelten sich Bellinghausen und Bergisch Gladbachs Torwart Forsbach im Strafraum ein wenig miteinander. Etwas unübersichtliche Situation, da anschließende Rudelbildung. Der Schiri hatte nichts gesehen, sein Assi, der die Bergisch Gladbacher Spielhälfte zu betreuen hatte, auch nicht. Der winkte somit ab, der Schiri ermahnte beide Spieler und wollte weiter spielen lassen, wurde jedoch von einer wild wedelnden Fahne gestoppt. Sein Assistent aus der Fortuna-Hälfte nämlich, circa 70 Meter (und somit etwa zehnmal weiter als der Schiri) vom Geschehen entfernt, hatte alles genau gesehen und flüsterte wie wild auf den Schiri ein, so dass dieser dann beide Spieler wegen „Stoßens“ mit Rot unter die Dusche schickte. Ziemlich überflüssige Rangelei, aber auch ziemlich überflüssige Platzverweise, wie ich finde. Die beiden „Kampfhähne“, die der Assi da gesehen haben wollte, versöhnten sich noch in der Kabine miteinander und wer weiß, vielleicht haben sie auch noch vor lauter Fassungslosigkeit zusammen einen gehoben, es würde mich nicht wundern.

Wie „schwer“ diese „Tätlichkeiten“ wogen, konnte man daran sehen, dass beide Spieler zwei Spiele Sperre bekamen – Mindeststrafe. Da musste sich also so ein Fahnenschwenker mal wieder unbedingt profilieren und mehr Hektik ins Spiel bringen, als es überhaupt verdient hatte.

Da fällt mir dann glatt noch etwas zu meiner beliebten „Zufalls-Statistik“ auf: zweimal haben wir gegen Bergisch Gladbach gespielt, in beiden Spielen flogen jeweils zwei Spieler vom Platz. Das verwundert auch nicht weiter, war doch der Schiri vom Hinspiel tatsächlich derselbe, der auch das Rückspiel leitete. Und wieder eine nette Rechenaufgabe für den Wahrscheinlichkeitsstatistiker…

Und wenn man es pfiffig sieht, kann man sogar sagen, dass Bergisch Gladbachs Torwart Forsbach der Gewinner des Spiels war; durch die Sperre durfte er nämlich beim nächsten Heimspiel seiner Truppe gegen Freialdenhoven nicht mitwirken, war daher an dem unfassbaren 1:7 nicht beteiligt und konnte mit gutem Gewissen sagen: „Ich konnte nix dafür.“ Prompt bekam er eine Woche später eine Einladung zum Probetraining beim 1.FC Köln. Manchmal sind Rote Karten doch nicht so schlecht.

Übrigens hatte Fortuna das Spiel mit dem Platzverweis bereits gewonnen, egal, wie es ausgegangen wäre. Denn Bergisch Gladbach wechselte danach natürlich einen Feldspieler aus, um den Ersatztorwart zu bringen. Der hielt auch noch einige ordentliche Sachen. Leider, so stellte sich nach dem Spiel heraus, hatten die Bergischen vergessen, ihn auf dem Spielberichtsbogen zu melden. Und wie so was ausgeht, ist ja seit dem 1. Spieltag, als Borussia Wuppertal das gleiche Missgeschick gegen Yurdumspor unterlief, bekannt.

Außerdem soll Bergisch Gladbach, durch diesen Wirrwarr vollständig entnervt, insgesamt viermal ausgewechselt haben, was ich persönlich weder bestätigen noch dementieren kann. Es hätte allerdings zu dieser bedauernswerten Truppe gepasst. Tschüss, macht’s gut, und viel Glück in der Verbandsliga.

Erwähnenswert noch die handgezählt 51 Zuschauer, die im Gästeblock logierten – Rekordbesuch an Auswärtsfans in der Rückrunde! Es hätten eigentlich noch mehr werden sollen, aber die von einem Düsseldorfer Fan-Club engagierten „Rent-a-Fan“-Göttinger, die so die Zeit überbrücken, bis ihr insolventer Verein wieder neu gegründet wird und am Spielbetrieb teilnehmen darf, und die den Gästeblock verstärken sollten, konnten leider nicht anreisen, da fast alle von ihnen das verlängerte Osterwochenende mit privaten Terminen belegt hatten. Schade, das wäre bestimmt ein schöner Anblick gewesen.

Zack, da war der erste weg. Der Herr in weiß folgt sogleich. (www.triggerfish.de/wolff)

18.04.2004: Borussia Mönchengladbach (A) – Fortuna

Ein Spitzenspiel, das keines war, denn während Fortuna seine beiden Aufgaben nach den zwei Heimniederlagen gelöst hatte, hatte Gladbach diese beiden Spiele verloren, so dass der Abstand wieder 13 Punkte betrug. Natürlich kann man 0:1 in Velbert verlieren, haben wir letzte Saison im Pokal-Finale schließlich auch. Peinlicher war da schon die 3:5-Heimniederlage der Ostholländer gegen den Neuling 1.FC Kleve, nach 0:2-Rückstand und 3:2-Führung. Trainer Thomas Kastenmaier, mittlerweile der dritte Ex-Profi in dieser Saison, der bei Mönchengladbach an der Seitenlinie das Zepter schwingt, soll nur noch gestaunt haben, was dieser Mannschaftsteil, in dem er früher selbst bei den Profis aktiv war, und der sich an diesem Abend fälschlicherweise hinter dem Namen „Abwehr“ tarnte, sich so zusammen spielte. Wir waren verständlicherweise nicht ganz so unglücklich über den Spielverlauf wie er.

Es war schön, noch einmal auf dem Bökelberg zu spielen. Obwohl die Borussia auch wieder alle Register zog. In der letzten Saison wurde die Partie ebenfalls auf dem Bökelberg ausgetragen, es waren circa 1.600 Zuschauer zugegen – trotzdem gingen an den Kassen die Tribünenkarten aus, die man aus dem Grenzlandstadion, der „üblichen“ Heimstatt der Amateure, herangeschafft hatte, weil man nur mit dem „üblichen“ Zuschauerzuspruch gerechnet hatte. Das sollte diesmal nicht passieren! Da man aber anscheinend auch keine Lust hatte, mehr Tribünenkarten als letztes Jahr zu drucken, kam man auf den rettenden Gedanken, für einen Tribünenplatz, egal welchen, 20 Euro Eintritt zu kassieren. Ich will gar nicht darüber nachdenken, was die genommen hätten, wäre dies ein Regionalliga-Spiel gewesen. Immerhin waren die Stehplatzpreise oberligareif (8 bzw. 4 Euro), so dass sich dann doch 4.200 Besucher einfanden, davon ungefähr 3.500 Düsseldorfer.

In der ersten Halbzeit gab es nicht viel zu sehen. Gladbach, eingedenk der Schmach des Hinspiels, als man 10 Spieler mit Profi-Erfahrung einsetzte und in der ersten halben Stunde drei Hütten kassierte, relativ vorsichtig, Fortuna mochte auch nicht, und so kam nicht viel dabei heraus. Da war es schon interessanter, die Rauchentwicklung in den gegenüber liegenden Stehblöcken zu verfolgen. Gladbach begann mit Schwarz (vom Stadionsprecher natürlich unentdeckt), Fortuna konterte mit Grau und Gelb (vom Stadionsprecher selbstverständlich gerügt), die Gladbacher legten noch mal Schwarz und einen Hauch Rot nach, aber die Fortunen hatten noch Zartrosa im Gepäck und entschieden den Wettbewerb damit für sich. Dann war Halbzeit, und gesehen hatten wir auf dem Rasen bis dato nix, was nun wirklich nicht an irgend welchen Rauchschwaden lag.

Dies änderte sich schlagartig in der 52. Minute, als der Schiri aus Köln (gut, dass ich nicht Berti Vogts bin, sonst müsste ich jetzt unken: „Wie kann man so jemanden so ein Spiel pfeifen lassen? So nah dran…“) mutig und entschlossen das Spiel an sich riss wie einst Günter Netzer. Nur dass der Kölner die Variante vom tödlichen Pfiff erfand, die selbst Günter nicht drauf hatte. Nach einiger Verwirrung im Fortuna-Strafraum stolperte Gladbachs Stürmer Podszus, und der Schiri pfiff Elfmeter. Ich habe in diesem Moment zufällig die Gladbacher Auswechselbank beobachtet: dass da nicht einige Herren von selbiger herunter fielen vor Lachen, war schon erstaunlich, auch „Kaste“, der neben der Bank stand, sah man nur ungläubig den Kopf schütteln. Weiterer Kommentar zu diesem Pfiff wohl überflüssig. Altmeister Wynhoff verwandelte zum 1:0, und dann ging alles ganz schnell: drei Minuten später legte Schuchardt nach feiner Kombination und einem sanften Schlummer seines Gegenspielers Sankharé das 2:0 nach, noch einmal sechs Minuten später schlug es erneut ein: Camdali, bis zu diesem Zeitpunkt mit zwei Fernschüssen an Deuß gescheitert, versuchte es ein drittes Mal aus gut 25 Metern, und diesmal traf er. Von Fortuna überhaupt nichts zu sehen, umso schmerzlicher, als der Ehrentreffer von Einwechselspieler Kizilaslan eine Viertelstunde vor Schluss deutlich machte, dass bei einer konzentrierten Leistung mehr drin gewesen wäre, der Treffer war nämlich durchaus fein heraus gespielt und solide abgeschlossen.

Und auch wenn Fortuna verdient verlor, weil man ganz schwach spielte und nach dem Elfmeter völlig einbrach: so lustlos, wie auch Gladbach in der ersten Halbzeit ein bisschen herumkickte, halte ich jede Wette, dass die Partie 0:0 ausgegangen wäre, wenn dies dem Schiri nicht zu langweilig gewesen wäre.

Der drehte dann noch richtig auf und zeigte Frank Schön, der sich über die x-te Schwalbe von Podszus beschwerte, binnen zehn Sekunden erst Gelb, dann Rot, wegen Schiedsrichterbeleidigung, wobei Schön gar nicht mehr zu beruhigen war und auch nach dem Spiel beteuerte, er habe nichts gesagt. So langsam gehen uns die Spieler aus…

Richtige Fingerakrobatik bewies der Schiri dann kurze Zeit später, als er Gladbachs Schwarz erst mit Gelb verwarnte, dann das Spiel wieder freigab, um dem verdutzten Spieler nur Sekunden später erst Gelb, dann Rot unter die Nase zu halten. Ob er plötzlich gemerkt hatte, dass Schwarz schon Gelb gesehen hatte oder ob dieser vielleicht auch bei seiner Verwarnung bedrohlich gehustet hatte, entzieht sich meiner Kenntnis.

Was sich der Schiri und sein Assistentengespann anschließend noch zusammenpfiff und –winkte, veranlasste die gesamte Haupttribüne, also auch einige Gladbacher, kurz vor Schluss, stimmlich gewaltig, zu postulieren: „Schiedsrichterlehrgang, wir fordern Schiedsrichterlehrgang!“ Aber auch wenn dieses Trio die mit Abstand schlechteste Spielleitung hinlegte, die ich in diesem Jahr gesehen habe, waren sie auch nicht Schuld daran, dass Fortuna an diesem Tage bis zum Einbruch der Dunkelheit hätte weiter spielen könne, ohne ein weiteres Tor zu erzielen. Dafür waren sie einfach zu schwach. Und so kassierten sie auch verdient die erste Auswärtsniederlage der Saison. Und versiebten auch den dritten big point gegen einen direkten Konkurrenten.

Und da beide Mannschaften so richtig schlecht waren, konnte ich auch irgendwie nicht besonders böse sein. Bedrückt hat mich vielmehr während des gesamten Spiels etwas anderes: nämlich eine Zaunfahne mit der gut lesbaren Aufschrift „Wülfrath“. Und zwar im Gladbacher Fan-Block. Bei dem auf dem Transparent genannten Ort handelt es sich um meine Heimatstadt, und mittlerweile bin ich doch froh, dort nur noch an Weihnachten und Omas Geburtstag hinzufahren. Was zuviel ist, ist zuviel.

Ein Wort noch schnell zur Bahn. Es gibt einen alten Spruch erfahrener Bahnfahrer, der besagt: Wenn der Zug kommt, ist er da. Seit jenem Sonntag in Mönchengladbach kann ich den noch ergänzen: Das heißt aber noch lange nicht, dass er auch los fährt. Um 17.20 Uhr saßen wir im Zug, dieser sollte um17.40 Uhr abfahren (wohlgemerkt: von Mönchengladbach, kein Bahnhof vorher). Zwanzig Minuten später, also kurz vor 18 Uhr, kroch er tatsächlich mal los, fuhr exakt 20 Meter und blieb, immer noch am Bahnsteig, nochmals zehn Minuten stehen. Begründung: keine. Zwar versuchte die Bahn, das ganze noch unkonventionell zu bereinigen, indem der 10minütige Aufenthalt in Köln auf deren zwei verkürzt wurde sowie der groß und deutlich im Fahrplan angegebene Halt in Troisdorf einfach übersehen wurde (Begründung: keine), dennoch schafften wir es durch einige ungeplante Aufenthalte vor, zwischen und hinter Köln Technologiepark (wo man aus dem Zugfenster nur Schrottplätze sieht und sich so seine Gedanken macht, was der gemeine Kölner wohl unter „Technologiepark“ verstehen mag) dann doch noch mit heldenhaftem Einsatz, in Bonn-Beuel 30 Minuten Verspätung zu haben. Und dass das für mich immer noch die falsche Rheinseite von Bonn ist, dafür kann die Bahn ja nix….

Immerhin traute sich sowohl während der gesamten Fahrt als auch während des Stillstands kein einziger Schaffner durch den Zug. Der wird schon gewusst haben, warum. Und einige Leute konnten somit zwar langsam, dafür aber kostenlos reisen.

Ja, an der Pinkelrinne schreibt es sich schwer. Besonders, wenn man aus Gladbach kommt.
Aber das entschuldigt nichts. Innenansichten des gemeinen Ostholländers.

21.04.2004 (Mittwoch): Union Solingen – Fortuna

Och nö. Nicht schon wieder Solingen. Zweimal binnen zwei Wochen wird dann doch ein wenig langweilig. Außerdem konnte sowohl Hin- als auch die Rückfahrt mit dem Auto absolviert werden. Nix Aufregendes also. Ich wollte daher die Berichterstattung von diesem Spiel auf einen flotten Dreizeiler beschränken. Aber das gelingt mir jetzt doch nicht. Mal sehen, wie kurz ich es halten kann.
Zunächst mal: 9.000 Zuschauer. Oberliga-Rekord in dieser Saison. Eine prima Kulisse. Selbst das ZDF filmte mit, für seinen 7minütigen Bericht über Fortuna in der Sport-Reportage am 25.04.2004. Überaus freundliche Gastgeber, der Stadionsprecher wünschte uns vor dem Spiel schon viel Glück in der Regionalliga (etwas, das ich gar nicht leiden kann, aber er hatte es ja nur gut gemeint). Vor dem Spiel Cheerleader. Beim Einlaufen der Mannschaften Musik, „Time to say good-bye“. Unglaublich. Sind die Solinger in bezug auf Fortuna optimistischer als ich? Oder können die einfach nicht rechnen? Auf jeden Fall ein sehr herzlicher Empfang, keinerlei Zwischenfälle, die Solinger Ordner verteilten während der zweiten Halbzeit Wunderkerzen an alle Besucher, ein sehr schönes Bild, als die alle brannten (also die Wunderkerzen, meine ich). Und nur knapp zwei Dutzend Idioten schmissen die Dinger auch auf den Rasen, eine gute, weil niedrige Quote. Alles ganz prima, aber…

Jawohl, zwei Wochen zuvor hatte es ja auf dem Weg zu und von diesem Ort diese beiden Zufälle gegeben. Diesmal gab es im Stadion die zwei großen Abers.

Aber I: ist nebensächlich, kann sofort wieder vergessen werden, sollte aber nicht unerwähnt bleiben. Bei all den netten Ordnern, Organisatoren, Bedienungen: die Bratwurst im Solinger Stadion war mit Abstand das Schlechteste, was ich jemals in einem Fußball-Stadion zu mir genommen habe. Und ich darf den Lesern versichern, dass ich im Laufe der Jahre viele Bratwürste kommen und den Weg alles Irdischen gehen sah. Die Bratwurst, die es am Würstchenstand direkt am Haupteingang gab, wäre ein Fall für amnesty international gewesen. Jede Bratwurst, wirklich jede, die in den zehn Minuten, in denen ich vor dem Stand verweilte, vom Grill kam, war schwarz. Hatte denen niemand gesagt, dass es heißen muss, über der Holzkohle gegrillt, nicht auf der Holzkohle? Immerhin erreichte der Senfverbrauch rekordverdächtige Höhen, aber selbst damit ließ sich der Geschmack nicht übertünchen. Ein schwarzer Tag für das Solinger Wurstwesen! Und ich bin sicher, hätte diese Bude bei einem Spiel der Fortuna zum Beispiel im Stadion von Fortuna Köln gestanden, sie und der Grillmeister wären noch vor dem Spiel binnen kürzester Zeit nur noch eine verschwommene Erinnerung gewesen. Bitte, man soll den Teufel ja nicht an die Wand malen, aber falls wir doch in nächster Zeit irgendwann wieder bei euch antreten müssen, versucht es zumindest vorher mal mit einem Übungs-Grillen. Ihr wart so nett, euch gibt man gerne eine zweite Chance. Aber auch nur die.

Aber II: das Spiel. Also das Spiel von Fortuna, meine ich. Das der Solinger lässt sich in anderthalb Sätzen zusammenfassen: wie im Hinspiel. Mit elf Mann hinten drin, vorne ein einziger Torschuss in der gesamten Partie. Aber das Spiel der Fortuna…

Insgesamt zeigte sich Fortuna verbessert. Nicht nur gegenüber dem Gladbach-Spiel, das war nun wirklich nicht weiter schwer, auch gegenüber so manch anderer Quälerei in der Rückrunde. Da wurde teilweise wieder recht ordentlich kombiniert, da ging es über die Außen, wo Sesterhenn auf rechts bis zu seiner Auswechslung ein starkes Spiel machte und auch Marzok, der Debütant aus dem Verbandsliga-Team, hinterließ auf links bis zu seiner Auswechslung einen ordentlichen Eindruck. Es wurden Chancen heraus gespielt, manchmal entstanden sie auch durch Zufall, wenn die Solinger den Ball nicht weg bekamen. Und hier kommt das Stichwort: Chancen.

Ich habe bereits einiges geschrieben, was Fortuna an Chancen in manchen Partien der Rückrunde vergeben hat (Wuppertal, Velbert, Freialdenhoven). An diesem Mittwoch wurde alles getoppt. Ich stand während des gesamten Spiels hinter dem Solinger Tor und wurde fast wahnsinnig. Hier eine Auswahl dessen, was ich erleiden musste, damit ihr mal einen kleinen Eindruck bekommt:

3. Min.
Langer Ball auf Marzok am langen Pfosten, der hätte die Kugel direkt nehmen sollen, dann wäre sie drin gewesen, „seine“ Ecke des Tores war leer. Aber er nimmt sie an, und so hat der Abwehrspieler Zeit dazwischen zu gehen.

10. Min.
Langer Pass von Zeyer, Libero Heller verlängert unfreiwillig mit dem Kopf, Mayer, völlig freistehend, nimmt den Ball per Dropkick aus 10 Metern und nagelt ihn auf den Parkplatz.

17. Min.
40-m-Freistoss von Niestroj in den Strafraum, Lorenzón steigt hoch und köpft den Ball an den Innenpfosten, der Ball springt wieder ins Feld und wird geklärt.

27. Min.
Mayer spielt im Strafraum quer, aus spitzem Winkel kommt Sesterhenn angerauscht und haut den Ball ans Lattenkreuz.

51. Min.
Langer Ball auf die linke Seite, auf Tytarchuk, der lässt seinen Gegenspieler stehen, geht in den Strafraum, schießt aus spitzem Winkel, Torwart Prostka (einer von sechs Ex-Fortunen bei Solingen) kann mit dem Fuß abwehren.

53. Min.
Tytarchuk diesmal über rechts, geht in den Strafraum, passt in die Mitte, Prostka kommt nicht ran, aber Marzok verpasst den Ball vor dem leeren Tor um Zentimeter.

75. Min.
Zeyer kommt über links in den Strafraum, halbhoher Pass auf Tytarchuk, der schießt aus 5m volley über das Tor.

83. Min.
Einwurf Fortuna, dann Pass in die Mitte, Mayer kommt nicht ran, ein Solinger will klären, schießt einen anderen Solinger an, von dem prallt der Ball zurück zum ersten Solinger, und dessen Abpraller wiederum rollt am rechten Eck vorbei.

Noch Fragen? Ich hatte keine mehr. Höchstens noch die, wer zum Donnerwetter denn an diesem Abend das Tor vernagelt hatte. Und ich möchte nochmals betonen, dass es sich bei dieser Aufzählung um eine Auswahl handelte. Da war noch viel mehr. Aber ganz so viel schreiben wollte ich dazu dann doch nicht mehr.

In der 90. Minute leistete sich ein Solinger dann ein hohes, gestrecktes Bein im eigenen Strafraum gegen Lorenzón. Der Schiri pfiff indirekten Freistoß für Fortuna. Da er alle Solinger Abwehrspieler auf die Torlinie zurück beorderte, kann die Entfernung zum Tor höchstens 9,15 Meter betragen haben. Da Körpertreffer aus dieser Entfernung bei untrainierten Personen, wie ich eine bin, höchst schmerzhaft sein können, ging ich direkt hinter dem Tornetz in Deckung. Wie mein Nebenmann meinte, wäre dies der sicherste Ort, weil sie diesen Freistoß überall hin schießen würden, nur nicht ins Tor. An diesem Abend war ich geneigt, ihm Recht zu geben.

Es dauerte einige Zeit, bis der Freistoß ausgeführt werden konnte, es gab die üblichen Nickligkeiten und Unruheherde. Dann tippte Zeyer die Kugel an, Lorenzón tippte noch ein wenig weiter und Niestroj holte die rechte Klebe raus. Eine Sekunde später sah der Ort des Geschehens so aus:

(www.triggerfish.de/wolff)

Doch noch gewonnen, zwar glücklich, aber wenn jemals ein Sieg verdient war, dann dieser. Und soooo wichtig wie kaum ein anderer in der Rückrunde. Auch wenn mich das Spiel 5 Jahre meines Lebens gekostet haben sollte, am Ende war es das Wert. Und Union Solingen bleibt das einzige Team, gegen das wir in zwei Jahren Oberliga kein einziges Gegentor kassiert haben (2:0, 1:0, 0:0, 1:0).

Das waren die drei Zeilen, die ich zum Solingen-Spiel los werden wollte.

25.04.2004: Fortuna – 1. FC Bocholt

Na also, geht doch. Endlich mal ein Drei-Zeilen-Spiel. Absoluter Langeweiler, da Fortuna nicht gegen das Abwehrbollwerk des 1. FC Bocholt ankam (die hatten im gesamten Spiel nicht eine einzige Torchance – sagt wohl alles). Als die Fortunen merkten, dass sie an diesem Tag mit spielerischen Mitteln nicht durchkamen, stellten sie die Bemühungen ein und warteten auf gegnerische Fehler. Es dauerte bis zur 89. Minute, bis Bocholt diesen Fehler machte. Nach einem 40-m-Pass von Abda auf Ouejdide verschätzte sich dessen Gegenspieler, so dass der Franzose den Ball rechts im Strafraum erlaufen konnte. Und dann der entscheidende Fehler: plötzlich stürmte Bocholts Torwart Kirn relativ unmotiviert auf den Stürmer zu. Wäre er auf der Linie geblieben oder etwas langsamer heraus gelaufen, hätte Ouejdide den Ball an diesem Tag mit ziemlicher Sicherheit entweder volley Richtung Bahndamm gesetzt oder versucht, Kirn dreimal auszuspielen, wodurch er hinterher mitsamt Ball an der Eckfahne gelandet wäre. So aber genügte ein gepflegter Lupfer, um das Spiel zu entscheiden. Verdient war es, denn Bocholt hatte außer 11 Abwehrspielern und einem wirklich guten Support nichts zu bieten, aber Fortuna tat sich äußerst schwer, und natürlich muss ein Sieg, der in der vorletzten Minute zustande kommt, immer als „glücklich“ bezeichnet werden. Abhaken.

Stop! Kommt wieder nicht hin! Dies lag jedoch nicht am Spiel der Fortuna, das ist wirklich abgehakt. Aber bei den anderen Spielen dieses Spieltages war noch das ein oder andere gebacken.

Zur Halbzeit stand es beim Spiel des Tabellenletzten Bergisch Gladbach gegen Yurdumspor 0:0. Leverkusen führte 1:0 gegen Solingen, Mönchengladbach gar mit 4:0 in Freialdenhoven. Besonders die Gladbacher setzten also noch mal zum Spurt an, hatten sie doch am Mittwoch zuvor bereits locker 5:0 bei Fortuna Köln gewonnen (und auch hier alle Treffer bereits in der ersten Halbzeit erzielt). Da es bei uns zur Halbzeit torlos 0:0 stand, schien es so, als ob wir ein wenig Vorsprung einbüßen würden. Gerade deshalb waren wir doppelt froh, als die Mannschaft irgendwie noch das 1:0-Siegtor schaffte und die Verfolger damit wenigstens auf Distanz halten konnte. Dann warteten wir auf die Endergebnisse der anderen Partien.

Zunächst etwas ebenso Erfreuliches wie Unerwartetes: Bergisch Gladbach, in der Rückrunde bislang mit rekordverdächtigen 0 (in Worten: null) Punkten, putzte Yurdumspor mit 2:0, und das erste Tor erzielte ausgerechnet ein Türke, Büyükünsal, der in der Winterpause von Yurdumspor an den Tabellenletzten abgegeben worden war. Ja, so kann’s gehen. Yurdumspor ist raus aus dem Aufstiegsrennen. Schon am Mittwoch zuvor waren sie mit 1:4 bei Borussia Wuppertal eingegangen und hatten dabei nicht durch Spielkunst, sondern vielmehr durch drei gelb-rote Karten brilliert. Da war wohl irgendwie jemand dem Druck nicht gewachsen.

Aus Leverkusen ereilte mich die Kunde, dass die gegen Union Solingen nach 75 Minuten 2:0 in Führung gelegen hatten. Klare Sache also. Fünfzehn Minuten später pfiff der Schiri die Partie ab, und Union hatte 3:2 gewonnen. Unglaublich, eigentlich, aber das ist Fußball (und das ist ein Euro ins Phrasenschwein). Wir konnten es kaum fassen. Blieb nur noch, zu erfahren, inwieweit Mönchengladbach in puncto Torverhältnis aufgeholt hatte.

4:0 hatten die vor der Pause in Freialdenhoven geführt. Was dort dann in der 2. Halbzeit passierte, kann man natürlich von zwei Seiten sehen. Im Spielbericht der Gastgeber taucht die Formulierung „Jahrhundertspiel in Freialdenhoven“ auf. Auf der Mönchengladbacher Homepage schrieb man, halb ungläubig-staunend, halb verschwörerisch-„dianaesk“: „Was dann in der Halbzeitpause geschah, wird man wohl nie so ganz erfahren.“ Freialdenhoven schaffte unmittelbar nach Wiederbeginn den Anschlusstreffer (auf der Ostholländer Website als „Ehrentreffer“ verbucht), dachte sich wohl, wenn schon verlieren, dann auch mit Herz, stürmte los und nagelte die kleinen Fohlen mit 6:4 an die Wand. Sie hatten nur das Pech, dass ihnen das Ergebnis niemand, besonders nicht im Paul-Janes-Stadion zu Düsseldorf, so richtig glauben wollte. Erst als abends die entsprechenden Spielberichte erschienen, konnte man in Erwägung ziehen, dass es vielleicht wahr sein könnte. Ganze 311 Zuschauer erlebten ein Spiel, dem die Aufnahme in die Dorfchronik sicher sein dürfte. Ich wünschte, ich wäre dabei gewesen. Ganz großer Sport, da kommt bei denen kein Tennenfest mehr mit. Mein größter Respekt daher an diese Mannschaft, die zurück schlug, als jeder dachte, sie wollte nur noch Schadensbegrenzung betreiben. Und das hätte ich auch geschrieben, wenn es die Fortuna gewesen wäre, die sich als Gast dort unsterblich blamiert hätte.

Seit jenem Sonntag habe ich übrigens eine schwere Glaubenskrise. Natürlich ist die Dame aus unserem Vereinsnamen, Fortuna, die römische Glücksgöttin. Und während sie sich in den letzten Jahren meist verschämt abgewandt hatte, hat sie in dieser Saison durchaus ab und zu ihr schützendes Händchen über uns gehalten. Mit dieser vergleichsweise läppischen Aktion kann es an jenem Sonntag aber irgendwie nicht getan gewesen sein. Für diese unglaubliche zweite Halbzeit in der Oberliga Nordrhein musste sie wohl schon ein paar Gefälligkeiten springen lassen. Aber was…? Nein, ich glaube, ich möchte nicht näher darüber nachdenken…

Die Tabellensituation stellte sich somit wie folgt dar: Fortuna an der Spitze mit 65 Punkten, neun Zähler vor der besten Rückrundenmannschaft, der SSVg Velbert (neun Siege und ein Unentschieden in den letzten 10 Spielen, auch das kann sich wahrlich sehen lassen), 13 Punkte betrug der Vorsprung vor Mönchengladbach und Leverkusen. Und deshalb konnten wir mit dem kommenden Spiel gegen Leverkusen bereits den Aufstieg klar machen.

Ja, und jetzt höre ich schon die Kommentare des mitdenkenden und –rechnenden Lesers, ich solle mich mal auf der nächsten Klippschule anmelden zwecks Erlernens der Grundbegriffe der Mathematik. 9 Punkte Vorsprung vor Velbert und noch 5 Spiele = 15 mögliche Punkte – wo soll da der Aufstieg herkommen?

Ganz einfach: als im März die Lizenzunterlagen für die Regionalliga eingereicht werden mussten, hatte Velbert 16 Punkte Rückstand auf Fortuna. Da wollte sich der Velberter Vorstand nicht lächerlich machen, zumal ein Aufstieg doch einiges an Kosten verursachen würde, da das Velberter Stadion beim besten Willen nicht als regionalligatauglich gelten kann. Ergo sah man von einer Meldung für die dritthöchste Spielklasse ab. Es meldeten nur Fortuna und Yurdumspor sowie natürlich die kleinen Fohlen und die ebenso kleinen Pillen. Nachmelden ist nicht möglich. Daher kann Velbert auch noch die nächsten 20 Spiele in Serie gewinnen – aufsteigen dürfen sie in dieser Saison dennoch nicht.

Es interessierten somit allein die 13 Punkte Vorsprung gegenüber Leverkusen und Mönchengladbach. Und da war es in der Tat so, dass ein Sieg im Nachholspiel gegen Leverkusen gereicht hätte, um den Vorsprung auf „uneinholbar“ zu schrauben, egal, wie Mönchengladbach gegen Union Solingen spielen würde.

Es fehlte somit noch ein einziger Sieg, um den Triumph perfekt zu machen. Und das auch nur, wenn die Verfolger wirklich alles gewinnen würden. Fünf Matchbälle für Fortuna.

28.04.2004 (Mittwoch)

Fortuna Düsseldorf – Bayer 04 Leverkusen (A) 0:0

Borussia Mönchengladbach (A) – Union Solingen 0:2

Ich glaub’, wir sind wieder da

Um 21.15 Uhr pfiff der Schiri die Partie ab, die zu diesem Zeitpunkt eh keinen mehr interessierte. Leistungsgerechtes 0:0 zweier Mannschaften, die sich nicht mehr weh tun wollten. Fortuna sicherte hinten die Null, besonders als die Kunde aus Mönchengladbach kam, dass Solingen in Führung lag. Leverkusen zwar bemüht, aber drucklos, man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie nette Gäste sein wollten und eh keine Chance mehr sahen, uns noch ein wenig zu gefährden. Zusätzlich goss es vor dem Spiel und während der ersten Halbzeit wirklich in Strömen, so dass nur selten ein vernünftiges Kombinationsspiel aufkam. Dafür, dass ich bis zum Schluss noch bangen musste, sorgte ausgerechnet einer, der in der Rückrunde so manches Mal zum Matchgewinner geworden war: in der 75. Minute schlug der Gegenspieler von Ouejdide bei einem Rückpass auf ihn ein wunderschönes Luftloch, der Stürmer ging mit dem Ball zwanzig Meter auf und davon und auf den Kasten von Bayer-Keeper Frank Juric zu. Doch der Ex-Fortune hatte etwas gegen eine vorzeitige Freudenfeier und konnte parieren. Damit ist auch die beste Chance im gesamten Spiel bereits genannt. Es war also jederzeit noch möglich, durch irgendeinen abgefälschten Schuss in der Schlussminute ins Tal der Tränen zu stürzen, aber wie gesagt, dafür war Leverkusen zum Glück zu harmlos.

Fünf Minuten nach Spielschluss wurde das Ergebnis aus Mönchengladbach durchgegeben und die Party konnte beginnen. Wildfremde Menschen lagen sich in den Armen, der Rasen wurde gestürmt, die Spieler auf den Schultern vom Platz getragen, über 7.000 Zuschauer (ausverkauft) feierten nach drei Abstiegen seit 1997 (eigentlich vier, wenn man 2000/2001 mitrechnet, als nur aufgrund des Lizenzentzuges für Wilhelmshaven nachträglich der Klassenerhalt in der Regionalliga Nord gelang) endlich mal wieder einen Aufstieg.

Nicht vergessen will ich diejenigen, die die Party an diesem Mittwoch erst möglich machten: Union Solingen gewann drei Tage nach ihrem Triumph in Leverkusen auch in Mönchengladbach und sorgte somit dafür, dass das torlose Unentschieden reichte. Dafür ein herzliches Dankeschön an die Bergischen, bei denen auch wir viele Fans haben und zu denen auch immer mal gerne Fortuna-Fans pilgern, wenn die eigene Mannschaft nicht zeitgleich spielt.

Obwohl: irgendwie hatte ich mit dem Sieg der Solinger gerechnet. Denn die Mönchengladbacher standen bestimmt noch unter Schock von den Ereignissen am letzten Sonntag in Freialdenhoven bzw. versuchten immer noch, zu begreifen, was dort in der zweiten Halbzeit geschehen war. Aus medizinischer Sicht hätten die wahrscheinlich gar nicht antreten dürfen. Aber Hoffnung und Realität sind bekanntlich zwei paar Schuhe. Schön, dass es tatsächlich geklappt hat. Danke Union!

Vier Spieltage vor Schluss ist uns der Aufstieg somit nicht mehr zu nehmen, auch wenn der Tabellenzweite SSVg Velbert nach einem neuerlichen Sieg den Rückstand auf sieben Punkte verkürzte. Und daher hoffe ich, dass die Mannschaft sich auch in den letzten vier Spielen nicht hängen lässt und neben dem Aufstieg auch noch die Meisterschaft klar macht. Zumal wir noch gegen den Bonner SC und Ratingen 04/19 spielen, zwei Teams, die noch um den Klassenerhalt kämpfen. Da wäre es reichlich unfair, jetzt die Zügel schleifen zu lassen.

Womit wir uns, nachdem die Lage an der Tabellenspitze geklärt ist, kurz der noch offenen Frage der Absteiger zuwenden können. Bergisch Gladbach ist seit der gestrigen Niederlage gegen Osterfeld endgültig weg, auch rechnerisch. Die schlechtesten Karten der anderen Teams hat auf Platz 17 der Bonner SC mit derzeit 5 Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Dabei probieren sie wirklich alles, zumindest um in „guter“ Erinnerung zu bleiben: vor dem 26. Spieltag trat Trainer Höck zurück, bevor der Präsident ihn feuern könnte, ein Herr Borr übernahm den Posten. Und zwar für genau 22 Tage. Der feierte zwar einen Einstand nach Maß mit einem 2:1 gegen Borussia Wuppertal, obwohl man sich da nicht ganz einig ist. Das Spiel fand abends statt, der Schiri stand vor dem Spiel eine Dreiviertelstunde im Stau, die Partie wurde also mit ordentlicher Verspätung angepfiffen, Bonn hat kein Flutlicht, und so wurde es gegen Ende des Spiels zunehmend finsterer, so dass zu lesen war, dass der Siegtreffer der Bonner kurz vor Schluss von der Tribüne aus mit bloßem Auge kaum noch wahrnehmbar war. Wer weiß, wo der Ball da gelandet ist…
Ansonsten machten Trainer und Mannschaft genau da weiter, wo sie zuvor aufgehört hatten, und deshalb durfte der Coach nach 22 Tagen wieder gehen, ihm wurde telefonisch von Präsident Viol gekündigt. Das beherrscht der wiederum perfekt, vor einigen Jahren feuerte er nach einem verlorenen Pokalspiel gegen Wegberg-Beeck schon mal Trainer und gesamte Mannschaft telefonisch von den Kanarischen Inseln aus, wo er sich gerade aufhielt (um sie dann am nächsten Tag wieder einzustellen). Reine Routine also.

Der neue, der sogleich für 2 Jahre unterschrieb, heißt Danny Hoekman und ist ein ehemaliger niederländischer Erstliga-Profi. Er wurde verpflichtet, so Viol, um die Mannschaft jetzt schon sichten und für die nächste Saison analysieren zu können. Diese Aussage klingt von einem Mann, der noch im März öffentlich verkündete, in der nächsten Saison habe die Truppe eh ein ganz anderes Gesicht, auch ziemlich gut durchdacht. Aber da hält es der Präsident wohl eher mit Herrn Adenauer, was die Seriösität vergangener Aussagen betrifft. Schließlich hatte er ebenfalls im März ja schon mal behauptet, mit dem Abstieg werde der Bonner SC eh nix zu tun haben…

Somit kommt der BSC auf gepflegte vier Trainer in dieser Saison (bislang…), wenn man die Spiele mit den Interimscoaches mitrechnet, sogar deren sechs. Gut, dass es da die Mannschaft gibt, die den Verein noch übertrumpfen kann. Kurze Zeit nach dem Rücktritt Höcks wurde nämlich Mittelfeldspieler Batmaz nach einigen Handgreiflichkeiten im Training suspendiert. Damit schraubte das Team die Zahl der vorüber gehenden oder endgültigen Spieler-Ausschlüsse in dieser Saison auf deren sieben und zog wieder am Verein vorbei. Es sei denn, Herr Viol greift demnächst mal wieder zum Telefon…

Da sie außerdem in den letzten drei Spielen mit vier Platzverweisen glänzten, schätze ich die Chancen des BSC, die Klasse zu erhalten, als relativ gering ein. Aber zum Glück wird mir dieser Komödienstadl auch in der nächsten Saison nicht fehlen, schließlich wohne ich ja in Bonn. Auch Verbandsliga kann lustig sein, wenn das Umfeld stimmt…

Überraschend abgerutscht auf einen Abstiegsplatz ist nach einer Negativserie in den letzten Spielen Ratingen 04/19, Viktoria Köln zog mit einem Sieg in Freialdenhoven vorbei und hat auf Platz 15 nunmehr zwei Punkte Vorsprung. Und da Freialdenhoven an guten Tagen zwar jedem Gegner die Bude vollhaut, an schlechten aber anscheinend die Abwehrarbeit einstellt, darf dort, ebenso wie bei SW Essen, bei fünf Punkten Vorsprung auf Ratingen noch gezittert werden. Die anderen Teams haben sieben bzw. acht Punkte Vorsprung, da dürfte nix mehr anbrennen. Aber wer weiß das schon in dieser Liga…

Also: der Aufstieg ist geschafft, wir sind alle überglücklich, aber es muss noch vier Wochen weitergehen. Als nächstes am nächsten Sonntag, 02.05.2004, 15.00 Uhr, beim Bonner SC. Endlich mein „Heimspiel“, für die Fortuna jetzt bedeutungslos, für Bonn überlebenswichtig. Dann am Freitag, 07.05.2004, 19.30 Uhr, Heimspiel gegen Fortuna Köln. Falls die überhaupt noch antreten, insolvent wie sie sind. Ansonsten interessiert das wirklich keinen mehr, obwohl ich nur ungern gegen die verlieren würde, einmal aus Prinzip, zum anderen wegen dieser „netten“ Behandlung im Hinspiel. Dann folgt am 15. oder 16.05.2004, das steht noch nicht genau fest, das letzte Auswärtsspiel in Düren. Die überlegen seit Monaten verzweifelt, wo sie dieses Spiel denn austragen sollen. Jetzt können sie meinetwegen wieder auf dem Abenteuerspielplatz von letzter Saison antreten, das hätte dann noch mal ein bisschen Original-Oberliga-Flair. Und zu guter Letzt der Saisonkehraus am 23.05.2004, Heimspiel gegen Ratingen 04/19. Dann sind wir erst mal raus aus der Liga.

Aber Moment! Da war doch noch was? Richtig, und zwar das Finale des Niederrheinpokals gegen RW Essen am 12.05.2004, das nunmehr, wie erwartet, in der Krefelder Grotenburg statt finden wird. Jeweils 15.000 Karten erhielten Fortuna und Essen im Vorverkauf zugesprochen. Dieser begann am letzten Montag um 14.30 Uhr. Zwei Stunden später waren die Fortuna zur Verfügung stehenden 6.000 Sitzplatzkarten weg. Auch dort ist also mit einem ordentlichen Ansturm zu rechnen.

Was übrigens den „Heimatsender“ WDR nicht die Bohne interessiert. Von zahlreichen Anfragen in ihrem Gästebuch, ob man diesen alten Westschlager nicht live übertragen wolle, nicht im mindesten beeindruckt, legten sie in ihren Antworten eine Arroganz an den Tag, zu der wohl nur jemand fähig ist, der sich um die Finanzierung seines Ladens nicht zu kümmern braucht, da dies die Gebührenzahler für ihn erledigen. Da wurden die Fans mit „finanztechnischen, sendeplatztechnischen und rechtlichen Gründen“ abgebügelt, ohne dass diese näher erläutert wurden. Wozu auch, ist doch nur Kundschaft. Es war auch nicht nötig, denn keiner dieser Gründe hätte bei etwas Bemühung die Übertragung dieses Spiels verhindern können. Nur mal ein Beispiel zur Ausflucht „rechtliche Gründe“: ratet mal, wer die Senderechte sowohl an der Regionalliga als auch an der Oberliga Nordrhein hat…es gibt aber keine Preise für die richtige Antwort. Und „sendeplatztechnische Gründe“: die hätten über vier Wochen Zeit gehabt, das zu organisieren. Aber egal: die Herrschaften wollen schlicht nicht. Und als einige Bittsteller etwas von „hohen Einschaltquoten“ schrieben, die dieses Spiel garantiere (denn beide Clubs haben ja bei weitem nicht nur Fans in ihren jeweiligen Städten), da erschraken die Verantwortlichen beim WDR zutiefst. Hohe Einschaltquoten und WDR? Nicht, dass uns hinterher unterstellt wird, wir seien noch ein Kommerzsender! Da werden wir mal so richtig süffisant. Und somit wurden die Leute dergestalt beschieden, als Fan von RW Essen könne man seine Mannschaft regelmäßig in der Regionalliga-Sendung am Samstag Nachmittag sehen (daraus impliziert die Ergänzung: …und das muss reichen), die Düsseldorfer Fortuna hingegen sei ja noch viertklassig und müsse bei einem Aufstieg in der nächsten Saison erst einmal beweisen (natürlich in eben jener Sendung), ob sie für höhere Einschaltquoten tauge…

Vielen Dank somit für die (leider nicht neue) Erkenntnis, dass sich beim WDR erst etwas rührt, wenn Köln ins Spiel kommt, siehe zum Beispiel die Übertragungen vom Köln-Marathon oder vom Kölner Radrennen. So etwas Unflexibles und Arrogantes habe ich eigentlich selten erlebt. Momentan geht zwar noch das Gerücht, der kleine Lokalsender tv.nrw wolle das Spiel übertragen, aber derzeit ist es eben nur ein Gerücht. So werden viele mal wieder in die Röhre schauen, obwohl in den unteren Ligen endlich mal was los ist. Aber beim WDR ist halt alles unterhalb der Zweiten Liga bäh, was ja auch die „Qualität“ der Regionalliga-Sendung jede Woche eindrucksvoll beweist.

So, und nun soll es gut sein für diesen Monat. Ziemlich lang, ich weiß, aber bei diesem Spielpan und mit diesem Happy End leider nicht zu vermeiden. Ich gehe feiern und freue mich über jeden Glückwunsch, der mir zugemailt wird oder ins Gästebuch meiner Homepage gelangt. Meinetwegen auch über jedes gutgemeinte „Nur ein Jahr, dann seid ihr wieder da!“ , wie die gegnerischen Fans (wenn denn welche da waren) gerne sangen und deren Schatzmeister heimlich beteten. Aber zunächst einmal ist es einfach nur schön, dass es endlich mal wieder bergauf geht.

Es bleibt noch mein persönlicher Appell an den FC St. Pauli: bitte bleibt drin! Einmal Millerntor in der nächsten Saison entschädigt für so manches in den letzten zwei Jahren.

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