18. – 21. Spieltag

Und jährlich grüßt das Murmeltier

So langsam reibt sich auch die Oberliga Nordrhein den Winterschlaf aus den Augen, streckt sich gähnend und versucht, einen Fuß aus dem Bett zu bekommen. Wobei die Betonung auf dem Wort “langsam“ liegt. Wie eigentlich immer in den etwas niedrigeren Klassen des deutschen Fußballs, in denen es zur Absage eines Spiels noch reicht, wenn ein Staffelleiter in seinem Büro friert und mal kurz zum Telefon greift, und wo die Austragung eines Spiels an so wichtigen Gegenständen wie Schneeschaufeln oder Kipplastern scheitern kann.

Dabei begann es, wie es beginnen soll: noch während der Winterpause, die Fortuna-Kicker weilten im Trainingslager in Spanien, wurden die vier Nachholspiele aus der Hinrunde angesetzt und konnten problemlos über die Bühne gehen. Da fragt man sich natürlich schon, wozu so eine Winterpause im Januar eigentlich gut sein soll. Ich persönlich startete somit meine Rückrunde mit einem Besuch des Spiels Viktoria Köln gegen Bayer Leverkusen Amateure am 25.01.2004, zum einen, weil es von Bonn zum Stadion der Viktoria kein besonders weiter Weg ist, zum anderen, weil dieses Spiel ja auch für die Fortuna nicht ganz unwichtig war, galt Leverkusen doch gemeinhin als der ärgste Verfolger des Oberligameisters der Herzen. Und die mussten motiviert sein bis in die Haarspitzen, schließlich drang in der Woche zuvor die Kunde an ihr Ohr, dass die Fortuna ein Spiel im Trainingslager mal locker mit 2:6 verloren hatte. Okay, es war ein Testspiel gegen den HSV, der alles einsetzte, was Rang und Namen hatte, aber das nackte Ergebnis musste die Oberliga-Konkurrenz doch frohgemut stimmen. Und immerhin hätten die Leverkusener bei einem Sieg in Köln nur noch vier Punkte Rückstand auf Fortuna gehabt.

So begab ich mich mit 400 anderen Unentwegten an jenem Sonntag ins Flughafenstadion in Köln-Höhenberg, sah einen echten Grottenkick der Leverkusener, eine kämpferische Glanzleistung der Viktoria und einen völlig verdienten 1:0-Sieg der Kölner, der allerdings für Leverkusen nicht nur ärgerlich, sondern auch peinlich war, resultierte der Siegtreffer der abstiegsgefährdeten Domstädter doch aus dem einzigen Schuss, der an diesem Nachmittag seinen Weg auf das Gehäuse der Pillendreher fand, einem Freistoß, der geschätzt acht Minuten in der Luft unterwegs war, den Leverkusener Torwart jedoch so sehr faszinierte, dass er erst staunend stehen blieb, um sich die Kugel dann ins eigene Netz zu boxen. Als Anhänger des Spitzenreiters konnte man sich ein Grinsen nicht verkneifen, denn das Spiel mussten die Leverkusener ganz klar gewinnen. Und da auch der zweite Verfolger, Yurdumspor Köln, in seinem Nachholspiel in Bocholt nicht über ein 1:1 hinaus kam, ging die Fortuna mit „echten“ sieben Punkten Vorsprung in die Rückrunde.

Es wurde zwar endlich wieder Fußball gespielt, aber ein trauriges Bild blieb doch haften: da die mäßige Anzahl der Zuschauer sich bei Schmuddelwetter komplett auf der überdachten Tribüne versammeln konnte, blieb der deprimierende Anblick der Dame, die auf der gegenüber liegenden Stehplatz-Geraden ihren Getränkestand eröffnet hatte, jedoch vergeblich auf Kundschaft wartete. Erst in der zweiten Halbzeit verirrte sich ein einziger Zuschauer auf die Stehplätze, der sich wahrscheinlich umgeblickt und stolz gedacht haben mag: Das gehört alles mir! Gerne hätte er wohl mit einem Becher Bier auf sein neues Königreich angestoßen, leider blieb ihm dies verwehrt, da die Dame vom Getränkestand kurz nach dem Anpfiff, wahrscheinlich hemmungslos schluchzend, entschwunden war. Tja, da blieb als Trost nur die Sicherheit, dass es drei Wochen später erheblich voller werden würde, auch auf der Stehplatz-Geraden.

Die Rückrunde hätte am 01.02.2004 mit der Partie bei Union Solingen starten sollen. Am Konjunktiv merkt der geneigte Leser schon, was kommt, auch kann es den erfahrenen Fortuna-Fan nicht mehr überraschen. Da genügt ein Blick auf die Spielansetzung: erstes Spiel im neuen Jahr auswärts – okay, plan einen Familientag ein, das gibt sowieso nix. 2001 in Bremen – Schnee. 2002 in Köln – Regen. 2003 in Freialdenhoven – Schneeregen. 2004 in Solingen – Schnee. Dieses erste Auswärtsspiel plant bei uns schon kein Mensch mehr ein, das kann man allein daran sehen, dass Fortuna nur zwei Tage später plötzlich ein Freundschaftsspiel gegen Schalke 04 aus dem Hut zauberte (0:1 verloren nach ordentlicher Leistung). Ja, gute Vorbereitung ist alles, auch im Hinblick auf den Rückrundenstart! Alle Jahre wieder dasselbe Bild, wir wollen, aber der Gegner nicht, und der scheint stets mit dem Wetter im Bunde zu sein, gleichgültig, wann die Spiele statt finden sollen, denn bei den Partien damals in Bremen und Köln handelte es sich um Spiele der Regionalliga Nord, die somit nicht für Anfang, sondern erst für Ende Februar angesetzt waren und trotzdem ausfielen.

Dabei sah es zunächst so aus, als bestünde noch eine Chance, das Spiel stattfinden zu lassen. Denn die lawinenartigen Schneefälle, die in Nordrhein-Westfalen für den Donnerstag vor dem Spiel angesagt waren, kamen auch pünktlich, sollten allerdings laut Wettervorhersage am Samstag wieder verschwinden, was sie ebenso pünktlich taten. Wenn der Platz also von vorneherein konsequent vom Schnee geräumt worden wäre, hätte eine Chance bestanden. Dachte sich auch Union Solingen, inspizierte mal vorsichtig die Ausrüstung, die so ein Platzwart in der Vierten Liga besitzt und ließ dann per Internet folgendes mitteilen:

„Es mangelt zur Zeit an allem bei der Union. Einen verzweifelten Hilferuf richtet die Union
an alle Solinger Unionfreunde, die Schneeschieber haben. Hintergrund ist, dass die Union
keine Gerätschaften hat, um den Schnee selber zu räumen. Sollte der Schnee bei Beginn des
Tauwetters nicht rechtzeitig beseitigt sein, so wird mit großer Wahrscheinlichkeit
das Spiel abgesagt werden. Von Seiten der Union wurde darauf hingewiesen, dass es in den
letzten 25 Jahren bei ähnlichen Bedingungen oft zu Absagen in Solingen kam.
Daher bittet die Union alle Freiwilligen (auch Düsseldorfer)(evt. Freikarten geplant)
sich zu melden und mitzuhelfen, damit es nicht zu einer Absage kommen muss.“

Also, wenn jemand in der nächsten Vorweihnachtszeit noch ein paar Euro übrig hat, die er oder sie für wohltätige Zwecke spenden möchten, der möge sich diesen Tipp merken: Schaufeln für Union! Es wird immer wieder gern und meist auch nicht zu Unrecht darüber gemeckert, welche tausend bürokratischen Hindernisse die Fußball-Verbände den einzelnen Clubs in manchen Lebenslagen auferlegen. Allerdings zeigen solche Tage, dass gewisse Vorschriften wohl nötig sind, wenn Viertligisten in dem guten Glauben, Deutschland läge geographisch vielleicht in der Klimazone der gemäßigten Tropen, noch nicht einmal Gerätschaften zum Räumen von Schnee besitzen.

Im übrigen hätte es nach dem Aufruf der Solinger auf beiden Seiten nicht an Freiwilligen gemangelt, die alles geben wollten, um den Platz bespielbar zu schuften. Termine und Schaufeln für den nächsten Tag waren bereits ausgetauscht, da blickte der Staffelleiter mal aus seinem Fenster, misstraute dem zuvor so zuverlässigen Wetterbericht, was die angekündigte Wetterbesserung am Wochenende betraf, und sagte den kompletten Spieltag ab. Tja, hätten die Unioner das vorher geahnt, hätten sie sich ihr Eingeständnis sparen können. Aber hinterher ist man immer schlauer.

So hieß es, sich bis Freitag, 06.02.2004, zu gedulden, bis die Rückrunde in Gestalt des Heimspiels gegen den SV Adler Osterfeld starten konnte. Zuvor erfreute man sich noch an zwei Namen aus dem Trainingslager: Nicolaj Hust und Sebastian Kehl. Während der eine, bereits im Dezember verpflichtet, sich im Trainingslager gut in die Mannschaft einfügte und schon beim ersten Spiel der Rückrunde von Beginn an im defensiven Mittelfeld auflief, beglückte uns der andere, nach einem Bericht der Westdeutschen Zeitung, mit einem netten Sätzchen. Als die Profis von Borussia Dortmund nach Abschluss ihres Trainingslagers in Malaga in den Flieger Richtung Heimat mit Zwischenstopp in Alicante bestiegen, staunten sie nicht schlecht, als sie an Bord der Maschine von einer 20köpfigen Fanschar der Fortuna begrüßt wurden. Insgesamt waren es wohl mehr als 40 Anhänger, die in Oliva das Training der Mannen um Trainer Morales verfolgten. Und das veranlasste Nationalspieler Sebastian Kehl zu einem erstaunten „Gibt es doch nicht, bei uns waren gerade mal sieben Leute“.

Schön, wenn so ein Nationalspieler mal neidisch auf einen Viertligisten ist. Wobei Herr Kehl ja noch vergaß, zu erwähnen, dass es sich bei „seinen“ sieben Zaungästen wohl eher um irgendwelche Kuckuckskleber der DFL oder Unterhändler von Stephen Schechter gehandelt haben dürfte als um echte Fans.

Zwei weitere Personalien haben sich übrigens erledigt. Sören Seidel kam, sah und verlor, obwohl er bei den Testspielen im Trainingslager auch einen Treffer markieren konnte, wurde er nicht verpflichtet. Ebenso wenig wie Dänen-Bomber Kim Olsen. Der überzeigte zwar bei seinem Kurzauftritt, konnte jedoch nicht bezahlt werden, was man schon daran sehen kann, dass er in der Zwischenzeit von Sheffield Wednesday verpflichtet wurde. Der kann also nicht ganz so schlecht gewesen sein. Schade, dass es nicht geklappt hat.

Aber wie gesagt, am genannten Freitag ging es dann endlich los, Heimspiel gegen die Gäste aus dem Oberhausener Stadtteil, weiterhin mit Hans-Günther Bruns an der Seitenlinie. Über das Spiel muss man nicht viel Worte verlieren, das war es nicht Wert, Fortuna bemüht, auch überlegen, die Osterfelder sehr diszipliniert in der Abwehrarbeit, ohne irgendwelchen Druck nach vorne zu entwickeln, auch nicht, als die Vertretung für den immer noch verletzten Stürmer Frank Mayer, der im Sommer geholte Franzose Kamal Ouejdide, noch vor der Pause das Goldene Tor erzielte, nach toller Vorarbeit von Tytarchuk, der im gegnerischen Strafraum einem Adler die Kugel abnehmen und Ouejdide mustergültig bedienen konnte. Endlich mal ein Tor von Ouejdide, der wohl auch schon im Trainingslager durch bärenstarke Leistungen auffiel. Sein zweiter Treffer in dieser Saison, den ersten hatte er – wo? aber genau: im Hinspiel in Oberhausen erzielt. Trainer Morales wird es mit Genugtuung gesehen haben, hatte er den Stürmer in der Hinrunde nach schwachen Leistungen doch stets verteidigt und auf dessen nicht vorhandene Vorbereitungszeit im Sommer hingewiesen. Anscheinend hat der „richtige“ Trainer da mal wieder mehr Weitblick bewiesen, als die Hunderte selbst ernannter Aufstiegscoaches, die den Spieler nach der Hinrunde am liebsten in der 2. Mannschaft gesehen hätten, und auch das nur aus dem Grund, weil wir keine Dritte haben. Vielleicht lohnt es sich doch, diesem Übungsleiter Monat für Monat sein Gehalt zu überweisen, obwohl wir es doch sowieso alle immer besser wissen.

Mit diesem Treffer war das Spiel gelaufen, denn Osterfeld tat nichts nach vorne, beraubte sich in der 2. Halbzeit dann selbst noch etwaiger Offensivbemühungen durch die Gelb/Rote-Karte für Lo Mele wegen zwei Allerweltsfouls. Der nutzte seinen vorzeitigen Abgang, um mit Fortunas Trainer an der Seitenlinie noch einen freundlichen Erfahrungsaustausch zu betreiben, einen wirklich freundlichen, das muss gesagt werden. Und warum auch nicht? Sind beides Italiener, heißen beide Massimo mit Vornamen, warum sollen da nicht ein paar Worte gewechselt werden? Wenn wir uns aber erinnern, was zum Beispiel beim Heimspiel gegen Freialdenhoven an verbalen Nettigkeiten ausgetauscht wurde, so mutete dieses freundschaftliche Gespräch so wirklichkeitsfern an, dass es hier mal Erwähnung finden sollte.

Im übrigen hatten wir Glück, dass am Freitag gespielt wurde, am Samstag und Sonntag wüteten Regenschauer mit Sturmböen über den Plätzen und ließen sämtliche Partien mit Ausnahme der Begegnung SW Essen gegen Borussia Wuppertal wieder mal ausfallen. Es scheint, dass die Rasenplätze einiger Konkurrenten wohl eher zum Freiluft-Halma als zum Fußballspielen taugen. Egal ob Schnee oder Regen, um diese Jahreszeit ist es wahrscheinlicher, dass ein Spiel ausfällt, als dass es statt findet. Aber wir alle lieben ja die Nachholspiele an diversen Wochentagen, besonders diejenigen Vereine, die kein Flutlicht haben.

Am nächsten Sonntag, 15.02.2004, ging es zu Viktoria Köln ins Flughafenstadion. Die waren mir von Anfang an sympathisch. Zunächst natürlich durch den Sieg im Januar gegen Leverkusen, dann aber auch durch die Eintrittskarte, die ich bekam, und bei der es sich, wie ich durch konsequenten Vergleich mit einigen anderen Tribünenkarten feststellte, anscheinend um ein Einzelstück handelt. Danke, liebe Viktoria, das Ding werde ich mir einrahmen.

Kölsch as Kölsch can: Cologne goes Rechtschreibreform

Aber wir wollen fair bleiben. Denn ansonsten war es große Klasse, was die Kölner für dieses Spiel aufzogen: kein Top-Zuschlag, weder auf die Eintrittspreise noch bei Würstchen und Getränken – schöne Grüße an Yurdumspor und besonders Fortuna Köln.. Neben der Vereinsfahne der Viktoria an der Tribünen-Außenseite wurde auch die der Fortuna hochgezogen – auch etwas, das nicht jeder Gastgeber freiwillig machen würde. Im Vorprogramm wurde man nicht nur mit kölschen Karnevalsliedern, sondern tatsächlich auch mit dem „Altbierlied“ beschallt – der Marketingleiter von Fortuna Köln, der natürlich auch im Stadion weilte, muss wohl einen spontanen Hörsturz erlitten haben. Zu guter Letzt gab es nach dem Spiel sogar noch Freibier, und zwar für alle, Kölner und Düsseldorfer. Der Marketingleiter von Fortuna Köln wird am Rande der Ohnmacht gestanden haben.

Für diejenigen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisten, gab es noch ein besonderes Schmankerl: Viktorias Präsident Winni Pütz, ein sympathischer, mit allen Wassern gewaschener Kölscher Klüngler, der seine Finger überall im Spiel hat, kannte wohl auch jemanden bei den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB), der ihm noch einen Gefallen schuldig war. Und so wurde bei denjenigen Straßen- und U-Bahn-Haltestellen der KVB, die über eine elektronische Laufband-Anzeige verfügen, noch bis weit nach Spielschluss permanent die Nachricht wiederholt, mit welchen Bahn-Linien man am schnellsten zum Stadion gelangen konnte, nebst besten Wünschen für ein spannendes Spiel. Wohlgemerkt: für ein Oberliga-Spiel! Ein toller Service, der hier nicht unerwähnt bleiben soll.

Da wollten die Kölner Spieler natürlich nicht nachstehen, obwohl es sich bei den Viktorianern in gewisser Weise um einen Angstgegner handelte (Hinspiel Unentschieden, letzte Saison Unentschieden und Niederlage). Begeistert von der angenehmen Atmosphäre staunten sie in der ersten Halbzeit noch ein wenig über die vielen Leute, die ins Stadion gekommen waren – folgerichtig führte Fortuna zur Pause 2:0. Zunächst die Führung durch einen Elfmeter von Michael Zeyer, den ich natürlich nicht schildern kann, weil ich weiterhin nach den Erfahrungen der letzten Saison nicht mehr hingucke, was großartig zu funktionieren scheint. Was das Zustandekommen des Elfmeters, sprich das voran gegangene Foul betrifft (Schön soll im Strafraum nach einer Ecke weggeschoben worden sein), so sag ich mal, den kann man geben, den gibt aber nicht jeder. Bundesliga-Schiri Kinhöfer tat es trotzdem.
Das 2:0 war wieder mal ein Sahne-Konter über ganze drei Stationen, Traumpass Tytarchuk auf Ouejdide, der schüttelte zwei Gegenspieler ab und ließ auch den Torwart noch stehen bzw. liegen, bevor er den Ball ins leere Tor schob. Ein tolles Ding.

In der 2. Halbzeit war es dann schon spannender, als die Viktoria aufdrehte und die Fortuna zeitweise in die eigene Hälfte zurück drängte. Doch dann die Entscheidung Mitte der 2. Halbzeit: Handspiel von Böcker im eigenen Strafraum, Elfmeter für Köln. Doch Deuß kann den Schuss halten. Und nicht nur das, er kann ihn auch kontrolliert abwerfen, der Gegenzug läuft, langer Pass auf Ouejdide, der scheitert im ersten Versuch noch am Kölner Torwart, drückt den Ball aber im Nachschuss über die Linie. Das war’s, daran änderte auch das schöne Gegentor zum 1:3 sowie ein Lattentreffer der Kölner kurz vor Schluss nichts mehr.

Spaß brachte hinterher noch die Pressekonferenz, in der der Sprecher nach der offiziellen Zuschauerzahl befragt wurde, was dieser nach mehrsekündigem Schweigen mit der Gegenfrage: „Tja, was soll ich jetzt dazu sagen?“ beantwortete. Aber er setzte noch einen drauf und gab an, die entsprechende Auskunft der Geschäftsstelle am Telefon zuvor nicht genau verstanden zu haben, weil gerade so viele Hintergrundgeräusche aus dem Stadion zu hören gewesen seien. Aber was ein richtiger Kölner ist, der gibt sich zur Karnevalszeit nicht mit zwei lauen Pointen zufrieden: als sich alle Anwesenden wieder einigermaßen von ihren Heiterkeitsanfällen erholt hatten, gab er die Zahl mit 2.500 an. Dafür hätten ihm alle Anwesenden sofort und unwidersprochen eine „Rakete“ genehmigt, was ja, wie der erfahrene Karnevalist weiß, eine nicht ganz so schlechte Auszeichnung für den gemeinen Büttenredner ist. Näher war da schon der kicker dran, der am Tag danach 4.500 Zuschauer ausmachte. Wobei er diese Zahl ruhig mit dem Vermerk „mindestens“ hätte ergänzen können. Was soll’s, diese Kölner waren richtig nett, und Winni Pütz, der im letzten Sommer wegen einiger Unklarheiten in der Bilanz schon mal kurzfristig in U-Haft gesessen hat, kann das Geld bestimmt gut gebrauchen. Also belassen wir es dem Finanzamt zuliebe bei 2.500 Zuschauern, zum überwiegenden Teil Fortuna-Fans, die auch teilweise schon von der nächsten Saison träumen und von den Möglichkeiten, die sich dann auftun könnten.

Alles in allem ein schöner Tag in Köln mit hervorragenden Gastgebern und dem Sahnehäubchen der zeitgleichen 1:2-Heimniederlage der Leverkusener gegen Velbert oben drauf. Der Karneval konnte kommen!

Wir denken weiter: Werbung für den Aufstieg!

Und er kam. Am Karnevalsfreitag, 20.02.2004, war alles gerichtet für ein großes Fußballfest und eine echte Standortbestimmung: Niederrhein-Pokal-Halbfinale beim Regionalligisten KFC Uerdingen, gegen eine höherklassige Mannschaft also, die sicherlich auf dem Papier die Favoritenrolle inne hatte, auch wenn sie in dieser Rückrunde noch kein Pflichtspiel bestritten hatte. Aber die Fortuna ja auch nur deren zwei, so ein großer Unterschied war also nicht gegeben.

Es gab einen ordentlichen Run auf die Tickets, die Uerdinger eröffneten den Vorverkauf bereits vor Weihnachten, um dem Ansturm Herr zu werden. Klar, schließlich kann man problemlos von Düsseldorf nach Krefeld mit der U-Bahn fahren, es war trockenes Wetter, wenn auch etwas kühl…das alles zog auch Kurzentschlossene noch in die Grotenburg, in der die Uerdinger immer noch über die grellste Anzeigetafel aller mir bekannten Fußballvereine verfügen, das Teil ist der Hammer, es ist nahezu unmöglich, sie ohne Sonnenbrille zu betrachten, weil bleibende Sehschäden befürchtet werden müssen, besonders bei solch einem Abendspiel, wie es unsere Pokalpartie war. Da der KFC um diese Attraktion weiß, erstrahlt die Anzeigetafel immer noch im alten Glanz, obwohl schon seit Jahren jedem Nichtblinden klar ist, dass man es bei der Wahl der Farben für Schrift und Grafiken wohl ein bisschen übertrieben hat.

Ein echtes Pokal-Highlight also, das die Leute anzog wie es das Licht der Anzeigetafel mit den Motten getan hätte, wäre es nur etwas wärmer gewesen. Als das Spiel wegen des großen Zuschauerandrangs mit einer Viertelstunde Verspätung angepfiffen wurde, waren es 11.100 Zuschauer, darunter 7.500 Fortuna-Fans, die den Anstoß im Stadion verfolgten. Um es noch mal zu wiederholen: bei einem Halbfinalspiel eines Drittligisten gegen einen Viertligisten. Liebe Zweitliga-Fans solcher Publikumsmagneten wie Wacker Burghausen, LR Ahlen, SpVgg Unterhaching oder SSV Jahn Regensburg: falls ihr bei dieser Zuschauerzahl nur noch den Kopf schütteln könnt, sagt mir ruhig Bescheid, ich wiederhole die Zahl gerne noch einmal.

„…und tausendfach strömte das Volk zusammen“: Eine ganze Tribüne Fortunen

Und es war wirklich ein Spiel, an das wir noch lange denken werden. Denn in der ersten Halbzeit spielte Fortuna den Regionalligisten glatt an die Wand, lieferte vielleicht sogar die beste Saisonleistung ab. Die Uerdinger kamen mit dem aggressiven Forechecking überhaupt nicht klar und sahen sich zunächst einmal in die Defensive gedrängt. Erst nachdem die Fortuna zu Anfang einige gute Gelegenheiten überhastet vergeben hatte, kam Uerdingen langsam auf.

Und dann geschah das, was in der Vergangenheit meistens der Todesstoß für jedwede Fortuna-Mannschaft gewesen ist: beim ersten gefährlichen Angriff der Uerdinger bediente Markus Feldhoff mit tollem Pass Thomas Reichenberger (beide dürften dem Profi-Fußball-Interessierten durchaus noch als Spieler von Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt und Energie Cottbus im Gedächtnis sein), Fortunas Abwehr leistete sich einen kollektiven Sekundenschlaf und Reichenberger netzte unhaltbar zum 1:0 für Uerdingen ein.

Ich bin mir ziemlich sicher, in der letzten Saison wäre es das gewesen. Fortuna hätte noch ein bisschen Gegenwehr geleistet, dann irgendwie das zweite Tor bekommen und wäre, zufrieden mit der Leistung, unzufrieden mit dem Ergebnis, mit leeren Händen nach Hause gefahren. Aber in dieser Saison werden Spiele in Unterzahl gewonnen, es werden Kontertore erzielt, die von gegnerischen Strafstößen ausgehen, es werden die eigenen Chancen relativ konsequent genutzt – also warum auch nicht gegen einen Drittligisten? Dachte sich die Mannschaft ebenfalls und glich nur vier Minuten später aus. Freistoß von links durch Niestroj, und der aufgerückte Abwehrspieler Dirk Böcker packte den Uwe Seeler aus und beförderte die Kugel mit dem Hinterkopf ins lange Eck. Alles wieder offen.

Wie gesagt, die erste Halbzeit war eine Spitzenleistung der Fortuna gegen einen Gegner, der absolut nicht ins Spiel fand. In der zweiten Halbzeit sah es ein wenig anders aus, Uerdingens Trainer, der Fußballfreunden allseits bekannte Bildungsbürger „Pelé“ Wollitz, hatte seiner Mannschaft in der Pause wohl ordentlich Feuer unterm Hintern gemacht. Uerdingen spielte überlegen, Fortuna verteidigte geschickt und hatte bis auf einige gefährliche Flanken und einen Schuss von Feldhoff, der nur knapp das Tor verfehlte, nicht viel zu befürchten. Dennoch waren es bange Minuten, die wir auszustehen hatten, insbesondere Ex-Fortune Jan Tauer, bei jedem Ballkontakt in der ersten Halbzeit mit gellendem Pfeifkonzert bedacht und daraufhin zunächst völlig untergetaucht, wurde auf der linken Seite immer stärker und leitete manch gefährlichen Angriff ein. Aber als Endergebnis der Uerdinger Bemühungen bleibt, dass der Schuss von Reichenberger, der das 1:0 brachte, tatsächlich der einzige war, der während des gesamten Spiels auf das Tor von Patrick Deuß kam. Alles andere ging entweder vorbei oder wurde bereits vorher bereinigt.

Fünf Minuten vor Schluss packte sich alles, was (real oder in Gedanken) rot-weiß gewandet war, relativ fassungslos an den Kopf: bei einem Konter der Fortuna hatte ein Uerdinger nach Linksflanke völlig unmotiviert im eigenen Strafraum statt eines Abwehrschlages ein Luftloch produziert, so dass die Kugel urplötzlich vor den Füßen des völlig frei stehenden Tytarchuk landete. Dieser war jedoch von der Chance ebenso überrascht wie alle anderen und versuchte, statt des Uerdinger Tors endlich mal die unverdrossen neonhell strahlende Anzeigetafel mittels gezieltem Blattschuss zu eliminieren. Die Riesen-Chance, kurz vor Schluss, leider vertan, alles sah nach Verlängerung aus.

Zwei Minuten vor dem Ende konnte aber folgendes gesichtet werden: der eingewechselte Bellinghausen, der aufgrund seines Trainingsrückstandes nach überstandener Zahn-OP nicht von Anfang an spielen konnte, erlief sich auf der linken Seite einen Querschläger, ließ seinen Gegenspieler etwas alt aussehen, dann der kluge Rückpass auf Ouejdide, und der setzte den Ball, den er gar nicht richtig traf, ins lange Eck, wobei vielleicht auch noch die Schuhspitze von Tytarchuk mit dran war, das wusste hinterher keiner so genau. 2:1, Sieg, Finale! Eine große Leistung der Mannschaft, die ihr nicht jeder zugetraut hätte. Vor allem die Tatsache, dass der Sieg, wenn man das gesamte Spiel betrachtet, durchaus verdient war, weil Fortuna einfach besser war als der Drittligist, macht Mut. Frei nach dem Motto: wir haben keine Chance, aber die wollen wir nutzen. Nach diesem Spiel müsste eigentlich jedem klar sein, dass die Fortuna in dieser Saison an guten Tagen bereits jetzt durchaus regionalligatauglich ist.

Fortunen im Karneval: Andi Lambertz (re.) geht als Sieger, Jan Tauer (li.) nur als Uerdinger

So weit, so genial. Aber war da noch was? Nun, darüber gehen die Meinungen natürlich auseinander. Es gibt nicht wenige, die meinen, so ein kleiner Platzsturm mit anschließenden Zaunfahnenklau am gegnerischen Block und ein bisschen Prügel für diejenigen, die nicht schnell genug beiseite springen können, das sei „normal“. Also für Fortuna. Die fanden das nicht weiter aufregend. Klar, sie hatten ja auch die Logenplätze, 100 Meter entfernt, nur dabei statt mittendrin, da sieht man das immer entspannter. Und schließlich, so deute ich ihr Argument, passiert das doch eh immer und überall. Weil von wegen Fußball und Emotionen und so. Und der Spaß, ganz wichtig, klar. Und wer keinen Spaß haben will und im Weg steht, der hat halt Pech gehabt. Diese Leute interessiert auch nicht im geringsten, wenn der Verein wegen eines solchen Verhaltens Einzelner mal wieder ordentlich zur Verantwortung gezogen wird, egal ob mit Punktabzug, Geldstrafe oder vielleicht mal mit einem Geisterspiel. Im Gegenteil, ich glaube, die freuen sich dann, endlich mal wieder über den Verband meckern zu können, der natürlich „mit Kanonen auf Spatzen“ schießt. Auch der Begriff „Wiederholungstäter“ sagt ihnen nichts, denn ihrer Meinung nach ist ja nix vorgefallen. Bei diesen Leuten darf der sympathische Randalierer durchaus auf Verständnis hoffen, er wollte ja nur seiner „überschäumenden Freude“ Ausdruck verleihen.

Dann gibt es noch die Meinung, dass das nicht schön war, der gegnerische Ordnungsdienst aber eine gehörige Mitschuld gehabt habe. Das müsse man doch auch mal anprangern! Normalerweise bleibt mir bei solcher Argumentation die Luft weg, denn ich war eigentlich der Meinung, ziemlich eindeutig festlegen zu können, wer mit dem ganzen Unsinn angefangen hat, aber wenn ich die Ereignisse noch mal Revue passieren lasse, muss ich sagen: da kann ich eigentlich nur zustimmen! Da wurden anscheinend auch während des Spiels so strenge Leibesvisitationen durchgeführt, dass einige um ihre mühsam eingeschmuggelten Feuerwerkskörper fürchteten, die doch eigentlich nur für die anschließende Karnevalsfete gedacht waren. Aus lauter Angst, entdeckt zu werden, wurden die Gegenstände dann mal schnell aufs Spielfeld geschossen bzw. geworfen. Das waren eindeutig die Ordner Schuld! Und nach dem Spiel erst: als die „freudetrunkenen“ Fans ein Tor zum Spielfeld öffneten, da wurden sie glatt auch noch auf den Rasen getrieben! Welche Arglist! Denn kaum wurden diese Leute aufs Spielfeld gelockt, die natürlich gar nicht dorthin wollten, da wurden einige von ihnen von dieser Soldateska quer über den gesamten Platz zum Uerdinger Fan-Block gejagt! Unglaublich! Und dort sind dann einige wohl noch ihrer Kleidung beraubt worden, anders ist so ein Zaunfahnenklau in Notwehr ja wirklich nicht zu erklären. Nicht dass noch jemand behauptet, dieser kleine Trupp Karnevalsanhänger habe das alles freiwillig gemacht. Schließlich haben wir ja die besten Fans der Welt. Auch das waren eindeutig die Ordner Schuld!

Und dann sind da noch diejenigen, die empört auf die negative Presse verweisen und sagen, es sei ja klar, dass wegen dieser 20 Bekloppten so ein Wind gemacht wird, aber dass die anderen 7.480 Fortuna-Fans im Stadion so einen begeisterten und friedlichen Support geboten hätten, würde mal wieder unterschlagen. Ein gewichtiges Argument, das aber im Zusammenhang mit Ausschreitungen so was von daneben ist, dass mir dazu nicht einmal mehr ein Kopfschütteln einfällt. Natürlich wird darüber nicht berichtet – wieso auch? Das hat das Normalste von der Welt zu sein, dass man sich im Stadion friedlich begeistert, egal ob 7.000 oder 70.000 Leute da rumstehen und frieren. Vielmehr ist es anscheinend so, dass das gestiegene öffentliche Interesse an Fortuna nun auch diejenigen anlockt, die den Verein in den letzten Jahren sogar zu schlecht fanden, um nur zum Prügeln mal hin zu fahren.

Dass man bei Fortuna noch nicht mal einen grandiosen Sieg über einen klassenhöheren Gegner feiern kann, ohne dass einige Gestalten, die sich einen Dreck für den Verein interessieren, alles wieder kaputt machen, das ist das eine, was bei mir vom diesjährigen Karneval hängen geblieben ist. Dass es nicht wenige Leute gibt, die das ganze auch noch völlig in Ordnung fanden, ist die andere Sache, die mir ziemlich sauer aufstößt. Und dagegen hilft auch kein Rollmops.

Natürlich gibt es auch Gegenbeispiele. So beschaffte ein Fortuna-Fan-Club einer Krefelder Vereinigung ihre Zaunfahne wieder und sandte sie den Seidenstädtern zurück. Der Verein Fortuna distanzierte sich ausdrücklich von diesen Geschehnissen und wertet derzeit das vorhandene Bildmaterial aus, um noch ein paar Hirnlose mehr als die, die noch auf dem Spielfeld festgenommen werden konnten, aus dem Verkehr ziehen zu können.

Und ebenso natürlich war die Stimmung während und nach dem Spiel auf beiden Seiten gereizt. Das beste Beispiel für einen fairen Verlierer gab der schon erwähnte Herr Wollitz. Als Fortunas Abwehrspieler Fregene in der zweiten Halbzeit im Luftkampf von seinem Gegenspieler mittels sauberem rechten Haken an die Schläfe aus dem Verkehr gezogen wurde, bewusstlos auf dem Rasen lag und anschließend von selbigem mit einer Trage abtransportiert werden musste, war das dem fairen Sportsmann Wollitz nur diverse abfällige Handbewegungen wert, wahrscheinlich vermutete er, dass dieser Schauspieler sich selbst K.O. geschlagen habe, um die gegnerische Mannschaft zu schwächen. In der Pressekonferenz nach dem Spiel beklagte er sich, dass seine Mannschaft kurz vor Schluss einen Elfmeter hätte bekommen müssen, es ihn aber nicht gewundert hätte, dass dies nicht der Fall war, schließlich habe der Schiri schon in der Halbzeitpause zu den Spielern gesagt, die sollen nicht mehr so lange machen, ihm sei kalt. Und schließlich brachte er seine Wertschätzung für sämtliche Fortuna-Fans zum Ausdruck (und in diesem Zusammenhang zieht meiner Meinung nach wieder das Argument, dass man von 20 Vandalen nicht auf über 7.000 Hunnen schließen kann), in dem er kurz nach dem Spiel im Spielertunnel lauthals forderte, dass alle Fortuna-Fans hinter Zäune eingesperrt gehören, man kenne sie ja.

Man kennt Wollitz ja – und man erschreckt doch, wenn sich einer als solcher erweist, wie man ihn sich immer vorgestellt hat.

Tja, und warum ich das alles hier erwähne? Dreimal dürft ihr raten, wer der Endspielgegner der Fortuna sein wird, in jenem Spiel also, dessen Sieger für die 1. Hauptrunde des DFB-Pokal in der nächsten Saison qualifiziert ist. Genau, niemand anderes als unsere guten Freunde von RW Essen, die im zweiten Halbfinale den 1. FC Bocholt mit 3:1 bezwangen. Auch der zweite Oberligist stand knapp vor der Sensation, denn bis zur 88. Minute hielt die Mannschaft von Jupp Tenhagen ein 1:1 an der Essener Hafenstraße, bevor dem Regionalligisten noch zwei Treffer gelangen. Beim Verband werden sie sich bekreuzigt und sich so eine „Lappalie“ wie das letztjährige Endspiel gegen Velbert zurück gewünscht haben, als die beiden Endergebnisse eintrudelten. Und so haben wir jetzt zwar schon einen fixen Spieltermin, den 12.05.2004, aber noch kein Stadion, die Entscheidung, wo das Spiel statt finden soll, wurde vom Verband erst einmal vertagt. Verschiedene Alternativen sind im Gespräch und auch schon wieder verworfen worden. Ganz besonders erstaunlich die Variante unseres GMF Thomas Berthold, der ernsthaft das Stadion Am Zoo in Wuppertal vorschlug, wegen der guten Erreichbarkeit von beiden Seiten und des Fassungsvermögens von 28.000 Zuschauern. Noch erstaunlicher die Antwort des Sport-Direktors des Zoo-Hausherren Wuppertaler SV, der sagte, er könne sich dies durchaus vorstellen. Wenn das Wirklichkeit wird, dann kann aber nun ehrlich niemand beim Verband sagen, er habe von nichts gewusst. Fortuna gegen RW Essen ist schon schlimm genug, wenn dann noch die Freunde aus Wuppertal und Velbert auf einen Sprung herein schauen, um Hallo zu sagen, dann wird das ein sehr abwechslungsreiches Endspiel, auch ohne dass Fußball gespielt werden müsste. Warten wir mal ab, wie sich das weiter entwickelt.

Tja, und eigentlich hätte nun noch ein ausschweifender Bericht über das Spitzenspiel an diesem Sonntag kommen sollen, die Amateure von Bayer Leverkusen zu Gast bei Fortuna. Leider war Frau Holle zuerst da, und deshalb wurde das Spiel, wie auch alle übrigen des 21. Spieltages, abgesagt. Die nächsten Spielausfälle, die den Staffelleiter langsam arg in die Bredouille bringen dürften, denn, wie schon erwähnt, es ist nicht leicht, Nachholspiele unter der Woche abends auszutragen, wenn der austragende Verein kein Flutlicht hat. Das geht frühestens ab April. Und so stehen jetzt noch einige Umplanungen an.

Zum Beispiel wird der komplett ausgefallene 18. Spieltag ebenso komplett am 21.04.2004 nachgeholt. Für Fortuna bedeutet das, an diesem Mittwoch nach Solingen zu reisen. Da werden wir allerdings erst einmal gepflegt gähnen, schließlich sind wir schon zwei Wochen vorher, am 07.04.2004, dort. Es war ja schon nach dem Hinspiel gegen Borussia Freialdenhoven klar, dass das Rückspiel auf dem dortigen Dorfplatz eigentlich nicht durchführbar ist, aufgrund der schauspielerischen Einlage von Verteidiger Nacev, der damit den Platzverweis für Frank Mayer provozierte, und den verbalen Auswüchsen, die dieses Spiel nach sich zog. Das haben sie jetzt auch in Freialdenhoven eingesehen und die Partie verlegt. Wie sie dabei ausgerechnet auf Solingen kommen konnten, das nicht mal in ihrer Nähe liegt, ist mir zwar schleierhaft, doch des Menschen Wille ist sein Himmelreich.

Ebenfalls verlegt wurde die Partie beim 1. FC Kleve. Die hatten Angst, weil ihre drei städtischen Stadien über keinerlei Absicherungen zum Spielfeld verfügen. Auf Betreiben der Stadt Kleve wurde dann entschieden, dass das Spiel an einen anderen Ort verlegt wird. Ihr werdet nie erraten, wohin. Am 21.03.2004 (Sonntag) müssen wir – nein, nicht in Solingen, sondern in der Krefelder Grotenburg gegen den Aufsteiger antreten. Dass die seit Karnevalsfreitag davon unheimlich begeistert sind, kann sich jeder vorstellen. Es sollte mich nicht wundern, wenn auch da noch mal eine kleine Änderung eintreten würde.

Und da das Pokalfinale auch an einem Mittwoch statt finden wird, und das Spiel gegen Leverkusen eigentlich ebenfalls nur dienstags oder mittwochs nachgeholt werden kann, erwarten uns noch anstrengende Wochen. Aber dafür hat man in diesem Land ja dann die Wochenenden immer so schön frei. Schuld sind natürlich die Grünen. Seit Jahrzehnten stemmen die sich gegen die Erderwärmung, und dann fallen Ende Februar Fußballspiele wegen Schneefall aus. Dafür sind die verantwortlich. Wir kriegen hier Mittelmeer-Klima, hatte uns die Industrie versprochen! Naja, nicht wortwörtlich, aber doch so durch die Blume gesagt, durch die selbe Blume, die mittlerweile unter Tonnen von Schnee versunken ist. Das hat man nun von seinem ökologischen Bewusstsein! Stress ohne Ende, Fernreisen unter der Woche, und Termine, die man gar nicht so schnell in seinen Kalender eintragen kann, wie sie wieder geändert werden.

Noch ein kurzer Blick auf die Tabellensituation der Oberliga Nordrhein. Es kann sich naturgemäß nicht viel getan haben, schließlich sind von den 36 für dieses Jahr angesetzten Partien 25 ausgefallen und davon erst 3 nachgeholt worden. Immerhin haben wir momentan 9 „echte“ Punkte Vorsprung auf Yurdumspor Köln, das heißt, bei gleicher Spielanzahl. 12 „echte“ sind es auf die Amateure von Mönchengladbach, 13 „unechte“ auf Bayer Leverkusen, die noch ein Spiel weniger haben, bislang im neuen Jahr jedoch durch eine beeindruckende Niederlagen-Serie aufhorchen ließen. Gegen Viktoria Köln verloren, gegen Velbert verloren und letzte Woche im Pokal sogar gegen Germania Teveren ausgeschieden. Nun ist eine Niederlage gegen Teveren keine Schande, welcher Fortune wüsste das nicht (remember 1993?), es ist jedoch schon ein bisschen peinlich, da diese Mannschaft nicht mehr, wie damals, in der 3., sondern nur noch in der 6. Liga (Landesliga) spielt. Und ich habe natürlich keine Ahnung, woran es bei Leverkusen liegen könnte, gebe aber nur mal so zu bedenken, dass die Leverkusener „Amateure“ im Gegensatz zur Hinrunde einen Aderlass im Kader ertragen mussten: Ingo Hertzsch nach Frankfurt ausgeliehen, Jens Nowotny wieder im Kader der Profi-Mannschaft, ebenso wie Clemens Fritz, Sebastian Schoof an RW Essen ausgeliehen…und kaum spielen da nur noch die Amateure, verlieren sie ein Spiel nach dem anderen. Kann natürlich auch Zufall sein…

Was die Abstiegsfrage angeht, da wird noch lange nix entschieden sein. Bestes Beispiel hierfür ist Borussia Freialdenhoven. Die putzten unter Woche in einem Nachholspiel Union Solingen mit 5:1 und stehen nun auf Platz 14. Aber auch nur, weil sie dieses eine Spiel mehr haben als alle anderen Klubs, die unter ihnen stehen. Ohne dieses Spiel wären sie nämlich auf Platz 17. Ein schönes Beispiel, wie eng es unten zu geht, und neben meinen Lieblings-Bauern müssen sich auch noch Solingen, Kleve, Bocholt, Viktoria Köln, Ratingen und Schlusslicht Bergisch Gladbach auf aufregende Wochen gefasst machen.

Meine Freunde vom Bonner SC hingegen verblüffen derzeit die Fachwelt. Mit der zum größten Teil in der Winterpause neu zusammen gestellten Mannschaft gelang ein 1:0-Sieg bei Fortuna Köln und ein 2:2 bei Yurdumspor Köln, bei dem die Bonner bis kurz vor Schluss in Führung lagen. Erstaunlich. Warten wir mal ab, wie die Mannschaft spielen wird, sollte Vereins-Chef Viol auch in der Rückrunde ab und zu den Geldkoffer vergessen.

Aber für einen Brüller war er noch gut. Auf der Suche nach Verstärkungen hat er anscheinend den Kölner Stadt-Anzeiger gelesen. Und da ist ihm wohl der Bericht aus dem letzten Spätherbst über die beiden tapferen Recken der SSG Bergisch Gladbach aufgefallen, die vom Verein suspendiert wurden, nachdem sie im Training erst mit den Fäusten und nachher noch mit diversen Gegenständen aufeinander los gegangen waren. „So einer fehlt mir noch für’s Image!“ wird Viol frohlockt haben, schließlich musste er ja Preis-Boxer Daniel Sengewald in der Winterpause feuern. Und so verpflichtete er einen der beiden Kämpfernaturen, Michael Kyei, für sein Bonner Team. Schön, wenn man noch eine Chance bekommt.

Besonders, wenn der Gegner nicht weit ist. Denn sein Sparrings-Partner aus Bergisch Gladbacher Zeiten, Dragan Bubic, ist auch wieder im Geschäft. Und wo? Nicht irgendwo, sondern ausgerechnet auch in der Oberliga Nordrhein wurde er vom Nachbarn Viktoria Köln verpflichtet! Das garantiert ein interessantes Spiel der beiden Klubs gegeneinander, vielleicht kann man auch ein paar schöne Infights bewundern. Ich bin gespannt.

Das nächste Spiel der Fortuna am kommenden Sonntag, 07.03.2004, wird, was den Spielort betrifft, übrigens schon wieder leichtes Gähnen beim Fortuna-Fan auslösen. Es geht nämlich zum vierten Mal binnen anderthalb Jahren ins Stadion Am Zoo, um gegen Borussia Wuppertal hoffentlich zu punkten. Viermal Zoo gegen drei verschiedene Gegner (Wuppertaler SV, Borussia Wuppertal, SSVg Velbert) – sollten wir im Mai tatsächlich zum fünften Mal dort auflaufen müssen, um den vierten unterschiedlichen Konkurrenten in diesem Stadion, RW Essen, auf unserem Weg in den DFB-Pokal aus dem Weg zu räumen, sollten mal ein paar Anwälte mitfahren und prüfen, ob wir nicht langsam ein gewisses Gewohnheitsrecht an diesem Stadion erworben haben. Dies kann ja nicht so ungünstig sein, wenn der Wuppertaler SV dort in der nächsten Saison gegen den 1. FC Köln oder Hertha BSC Berlin antreten wird.

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