15. – 17. Spieltag

Geschenke für alle!

Ja, liebe Leser, es ist soweit: ob Sack oder Rute, der Weihnachtsmann hält für alle etwas bereit. Daher hier die letzte Zusammenfassung für dieses Jahr über den Oberligameister der Herzen, Fortuna Düsseldorf. Mit Geschenken für alle. Für die Fans. Für die Gegner. Der interessierte Leser darf sogar mit einer kleinen Statistik rechnen (aber wirklich nur ganz klein). Der Nikolaus kommt auch – und zwar höchstpersönlich. Zum Abschluss erklärt dann noch ein korrekt bärtig anzusehender Weihnachtsmann aus meinem derzeitigen Wohnort die elementaren Funktionalitäten des Fußball-Geschäfts. Wenn das nix ist, dann weiß ich es auch nicht!

Im November verließen wir Fortuna Düsseldorf völlig zu Recht als Tabellenführer der Oberliga Nordrhein, für den im Kalenderjahr 2003 noch vier Partien anstanden: das Niederrhein-Pokal-Viertelfinale bei Germania Ratingen sowie die Meisterschaftsspiele bei Fortuna Köln, gegen den GFC Düren und noch mal bei Germania Ratingen, wobei dies schon das erste Geschenk an den Gegner war: zweimal binnen drei Wochen über 3.000 Zuschauer bescherten den Ratingern, die sich sonst über einen Zuschauerschnitt von knapp 500 Unentwegten freuen können, schon mal einen vorweihnachtlichen Geldsegen, den der chronisch klamme Verein bestimmt nicht murrend zur Kenntnis genommen hat. Selbiges gilt für Fortuna Köln, aber dazu gleich mehr.

Zunächst also FVN-Pokal in Ratingen. Schöne neue Tribüne dort. Was man als vor einigen Monaten noch insolventer Verein doch so alles auf die Beine stellen kann. Beeindruckend.
Ebenso beeindruckend, wie Fortuna den Gegner binnen dreißig Minuten wegfidelte. Tytarchuk, vom Körpermaß her nicht gerade als Riese bekannt, gelangen zwei Kopfballtore – wenn so was passiert, dann brauchst du dir keine Sorgen mehr zu machen, an diesen Tagen läuft es einfach. Bellinghausen legte vor der Halbzeit noch das 3:0 nach, Lorenzón kurz nach der Pause das 4:0, und damit war der völlig hilflose Liga-Konkurrent noch gut bedient. Der durfte in der zweiten Halbzeit sogar noch ein Tor schießen, wobei er sich den Gepflogenheiten der Fortuna an diesem Tage anpasste: wenn Sitzriese Tytarchuk schon Kopfball-Treffer gelingen, dann macht es Ratingens 3,60 m-Libero Rafoth an diesem Tage natürlich mit dem Fuß. Bis auf diesen kleinen Schönheitsfehler eine beeindruckende Partie der Fortuna, die sich sogar den Luxus leisten konnte, Torjäger Mayer in diesem Spiel komplett zu schonen und gar nicht erst einzusetzen.

Gegner im Halbfinale ist am Karnevalsfreitag 2004 Regionalligist KFC Uerdingen in deren heimischer Grotenburg-Kampfbahn. Endlich mal ein Spiel, in dem wir nicht automatisch die Favoritenrolle haben. Ich bin gespannt, wie die Mannschaft sich gegen den Drittligisten schlagen wird. Da die Uerdinger auch in dieser Saison über den gewohnt, ähm, sagen wir mäßigen Zuschauerstamm verfügen, rechne ich natürlich wieder mit einem Heimspiel, zumal die U76 meines Wissens immer noch von Düsseldorf nach Krefeld fährt. Nach den Straßenbahnduellen gegen Ratingen jetzt also mal wieder ein U-Bahn-Duell. Ich freu mich drauf.

Nun wollen wir aber etwas ausführlicher werden. Am 29.11.2003 stand das Spitzenspiel bei der falschen Fortuna aus der Stadt mit der komischen Kirche in deren Südstadion an. Dort hatten die Fans bereits im Oktober beim Spiel gegen PSI Yurdumspor Köln finanztechnisch ordentlich bluten müssen, was unter anderem darauf zurück zu führen war, dass Fortuna Köln sich die Verlegung des Spiels in das Stadion vom türkischen Verein mittels netter Platzmiete versüßen ließ. Und was einmal gut war, kann doch nicht auf einmal schlecht sein. Und bei einem Sieg wäre die falsche Fortuna bis auf vier Punkte an uns rangekommen. Grund genug für die dortigen Offiziellen, dieses Spiel mal eben zum Topspiel zu erklären und wieder einen ebensolchen Zuschlag zu erheben. Nicht dass der gemeine Düsseldorfer Fan das in dieser Saison nicht gewohnt sei, aber diesmal übertrieben sie es wirklich: erneut 10 Euro im Südstadion für einen unüberdachten Stehplatz in der vierthöchsten Spielklasse Deutschlands! Das war sogar teurer als im Flinger Broich, und das will was heißen. Auch die Sitztribüne war mit 15 Euro preislich sehr großzügig dimensioniert. Okay, das zahlt man in Düsseldorf auch (wenn man da sitzen will, wo die Leute sitzen, die richtig Ahnung vom Fußball haben, muss man sogar 20 Euro hinblättern), aber dies gilt pro Spiel, und nicht nur bei einer Gelegenheit, bei der mal eben schnell Kasse gemacht werden soll. Außerdem kann man bei uns immer noch auf den Stehplatz zu 7 Euro bzw. ermäßigt 4 Euro ausweichen. Und da lag der zweite Haken: Fortuna Köln schickte zum Vorverkauf an die Düsseldorfer Geschäftsstelle zwar zwei tapfere Mitarbeiter, aber keine ermäßigten Karten. Egal, wer sich im Vorverkauf in Düsseldorf eine Karte sichern wollte – ob Rentner, Student, Zivi, Schüler -, für alle waren 10 Euro fällig. Auch eine prima Möglichkeit, das sowieso angespannte Klima zwischen den rivalisierenden Städten vor dem Spiel so richtig schön zu vergiften.
Da reichte es dann auch unserem Vorstand endgültig. Immer widerspruchslos die Weihnachtsgans zu spielen, die man nach Belieben ausnehmen kann, ist nun auch nicht drin. Deshalb gab der Vorstand von Fortuna in der Woche vor dem Spiel folgende Erklärung ab:

„Der Vorstand von Fortuna Düsseldorf hat am gestrigen Abend Stellung genommen zur Eintrittskarten-Politik des nächsten Meisterschafts-Gegners Fortuna Köln.

Zwar wurde Verständnis gezeigt für eine Topspiel-Zulage, wie sie am kommenden Wochenende erhoben wird, jedoch stieß die Höhe des Zuschlags auf Ablehnung.

Des Weiteren hat der Vorstand zwischenzeitlich beim FVN angezeigt, dass für dieses Spiel keine Karten zu Sozialtarifen angeboten werden.

Ein positives Signal seitens des Verbandes oder aus der Nachbarstadt bliebe abzuwarten.

Vorstandssprecher Karl-Heinz Meyer: ‚Wir hoffen, dass trotz dieser Fan-unfreundlichen Preisgestaltung unsere Mannschaft auf die gewohnt tolle Unterstützung durch viele mitreisende Anhänger unserer Fortuna rechnen darf.’“

Das „positive Signal“ seitens des Gegners bestand dann darin, dass man sich (erst dann!) ermäßigte Karten für die Tageskasse zurück legen lassen konnte. An der Tageskasse gab es dann tatsächlich an einem Schalter auch ermäßigte Karten zu kaufen. Dieser Schalter öffnete am Spieltag um 13.30 Uhr und meldete um 13.45 Uhr ausverkauft. Pech nur für die ungezählten ermäßigt-berechtigten Fans, die die Karten bereits im Vorverkauf erworben hatten und die vollen 10 Euro bezahlen mussten.

Auch sonst trugen die Offiziellen von Fortuna Köln nicht gerade zur Völkerverständigung bei. Der Schreiber dieser Zeilen erhielt gegen Vorlage seines Presseausweises bereits zwei Wochen vor dem Spiel die schriftliche Zusicherung einer Innenraumkarte. Er erhielt sie auch am Spieltag von einer freundlichen Mitarbeiterin der Geschäftsstelle. Fast wäre es ihm damit sogar gelungen, den Innenraum zu betreten, er wurde jedoch circa fünf Meter vor dem Gelobten Land vom leider nicht so freundlichen Marketingleiter der Kölner gestoppt, der mit kühnem Pinselstrich die Innenraumberechtigung auf der Karte entwertete und eine Tribünen-Berechtigung daraus machte. Und das, obwohl auf der Karte, die ja eine Innenraum-Karte war, aus diesem Grunde ausdrücklich „ohne Platzberechtigung“ vermerkt war. Hurra, eine Tribünenberechtigung ohne die Berechtigung, sich dort auch setzen zu dürfen! Das gibt es wohl nur in Köln, und wohl auch nur, wenn Düsseldorf auftaucht. Als Begründung wurde übrigens angegeben, es dürften jetzt auf einmal (5 Minuten vor Spielbeginn!) nur noch Fotografen in den Innenraum. Komisch nur, dass dem kurz danach anrückenden Zweier-Team von pro-fortuna.de samt Kamera und Mikro sowie einigen Interview-Absichten erst gar keine Innenraumberechtigung erteilt wurde! Hier war dann die Begründung, es dürfe nicht gefilmt werden, weil der WDR ausnahmsweise mal im Stadion filmte. Die drehen eine Langzeit-Doku über Fortuna Köln. Wenn sie die solange drehen, bis der Verein wieder im bezahlten Fußball spielt, wird das eine Lebensaufgabe. Auf jeden Fall werden sie darüber berichten können, dass die Offiziellen der falschen Fortuna sehr wohl viertklassiges Niveau haben. Denn es ging ja noch weiter. Als Stürmer Frank Mayer – ich greife hier kurz vor – in der 2. Halbzeit schwer verletzt vom Feld getragen wurde, verweigerte man Fortunas Pressesprecher, diesem in die Kabine zu folgen, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen! Er hatte wohl vergessen, die entsprechende Kabinen-Benutzungs-Berechtigung zu beantragen. Den Frauen der Düsseldorfer Vorstandsmitglieder Sesterhenn und Meyer verweigerte man den Zutritt zur Pressekonferenz nach dem Spiel, sie hatten wohl vergessen, einen VIP-Raum-Berechtigung zu beantragen. Also bitte! Zu solchen Kindereien fällt mir ebenso wenig etwas ein wie den beiden Vorstandsmitgliedern, die der Pressekonferenz daraufhin demonstrativ fern blieben und sich draußen vor der Tür warm zitterten.

Nach all diesem Hickhack hoffe ich, dass der Verein entsprechend reagieren und beim Rückspiel auch mal die Stehplatz-Preise für Tageskarten ein wenig anheben wird. Die meisten Fortuna-Fans dort wird es eh nicht jucken, die haben Dauerkarten. Dann verteilen wir noch großzügig Berechtigungen an Berichterstatter, die wir zehn Minuten vor Spielbeginn in Berechtigungskarten für den Bahndamm oberhalb der Südostkurve umfunktionieren, schließlich kann man von dort auch alles sehen und hübsche Fotos machen. Und da es in Deutschland meistens nur einen Trainer einer Fußballmannschaft gibt, Fortuna Köln sich aber den Luxus leistet, zwei Hauptverantwortliche zu beschäftigen, dürfen die jetzt schon mal anfangen zu knobeln, wer von beiden zur Pressekonferenz nach dem Spiel ins VIP-Zelt darf. Denn kindisch können wir auch.

Das Spiel stand also unter denkbar schlechten Vorzeichen. Da war es umso beeindruckender, was die Truppe dann auf dem Platz ablieferte: nach neun Minuten stand es 2:0 für Düsseldorf, von wegen Spitzenspiel! Zunächst wieder ein Kopfballtor von Schön, diese Standards klappen immer besser, und von den Gegnern merkt es irgendwie keiner. Dann verlieren die Kölner nach dem Anstoß den Ball, Gegenangriff Düsseldorf, erst wird Mayer im Strafraum umgesenst, anschließend Sesterhenn, das war dann doch zuviel des Guten, Elfmeter. Zeyer machte ihn rein, und man konnte ein wenig befreit durchatmen. Als Tytarchuk anschließend sogar noch auf 3:0 erhöhte, war der Fisch gegessen, zumal der Gegner uns dann noch den Gefallen tat, sich selbst zu schwächen und seinen stärksten Mann aus dem Spiel zu nehmen: Hemmersbach, der kurz zuvor durch eine unglaubliche Freistoßvariante den Anschlusstreffer erzielt hatte (Freistoß aus 17m, der Ball wird angetickt, der ausführende Spieler senst über die Kugel, und als sich schon alles schlapp lacht, haut Hemmersbach die Pille aus dem Hintergrund noch flach zum 1:3 in die Ecke – genialer Trick, falls gewollt, aber ich bezweifle es mal), und der auch sonst auf der linken Seite ein ziemlicher Unruheherd war, sorgte selbst für Düsseldorfer Entlastung, indem er sich kurz vor der Halbzeitpause zu einer Tätlichkeit gegenüber Sesterhenn hinreißen ließ und Rot sah.

In der zweiten Halbzeit wankte Fortuna kurz, fiel aber nicht und legte noch das 4:1 durch Bellinghausen nach. Betrüblich an diesem Spiel war einzig und allein die schwere Verletzung von Frank Mayer, der sich bei einem Zusammenprall mit Torwart Szymaszek einen Außenbandriss des rechten Knies zuzog und 2-3 Monate ausfallen wird. In diesem Fall will ich dem Torwart keine Schuld geben, ich stand zufällig genau hinter dem Tor, vor dem sich die Aktion abspielte und bin der Meinung, dass es halt ein ganz normaler Zweikampf war, wie er in jedem Spiel vorkommt. Was man beileibe nicht vom gesamten Kölner Spiel behaupten konnte.

Womit wir bei der Nachbereitung des 4:1-Sieges wären. Zunächst gab es einen friedlichen Platzsturm der Fortuna-Anhänger, die ihre Mannschaft feiern wollten (wobei hier die Frage erlaubt sein muss: wer hat eigentlich die Tore aufgemacht, so dass diese Leute aufs Spielfeld gelangen konnten?) Leider befanden sich unter diesen jubelnden Fans auch wieder mal ein paar Spinner, für die das ganze keinen Sinn macht, wenn nicht wenigstens irgend etwas zu Bruch geht, seien es Zäune, Gegenstände oder Kieferknochen. Diese machten sich dann mit dem Kölner Block bekannt, indem dort einige Stühle, die neben den Trainerbänken aufgestellt waren, in den Block flogen. Außerdem sollen noch zwei Balljungen verletzt worden sein. Ich sage hier ausdrücklich das, was ich auch schon nach dem Niederrheinpokal-Finale in Velbert gesagt habe: bei solchen Leuten kenne ich keine rosarote Vereinsbrille, wenn man die ermitteln kann – weg damit! Und ich kann die Empörung der Kölner darüber, wie anschließend auf der Pressekonferenz geäußert, durchaus verstehen. Die sollten sich allerdings mal ein wenig zurück halten, denn das Spinnertum ist auch in Köln stets präsent: zum Zeitpunkt der Unruhe befand ich mich zufällig just in diesem Kölner Block, den ich nach Spielschluss durchqueren musste, um zu dem Gebäude zu gelangen, in dem die Pressekonferenz stattfinden würde. Und ich staunte nicht schlecht, als aus dem Block der lieben, unschuldigen Kölner plötzlich Kölsch-Flaschen (!) zurück aufs Spielfeld flogen! Aha, bei den Düsseldorfern also Einzeleinlass mit ausgiebiger Personenkontrolle, bei den Heimfans konnte direkt kistenweise Bier mitgebracht werden. Wahrscheinlich ein familiärer Zug der Vereinsführung – und auch noch human dazu, denn anders konnten einheimische Fans die teilweise üble Treterei ihrer Spieler (die ansonsten eigentlich einen schönen Ball spielen können und nicht zu Unrecht in der Spitzengruppe stehen) während der Partie wohl nicht ertragen.

Nicht mehr gewundert habe ich mich darüber, dass es ausgerechnet diese Werfer waren, die anschließend die anwesende Polizei aufs Übelste beleidigten, weil diese nicht eingegriffen habe. Woraufhin sich Polizei und Ordnungsdienst in Köln bis heute darüber streiten, wer innerhalb des Stadions zuständig ist und wer außerhalb.
Und zu den verletzten Balljungen: natürlich ist das eine Riesen-Sauerei. Leider habe ich keine gesehen, und es wurde anschließend sowohl seitens des Vereins als auch der Kölner Presse nicht mehr darauf eingegangen. Zweifel dürfen also erlaubt sein. Nicht dass einer von denen noch versehentlich eine Kölsch-Flasche abbekommen hat…

Auf der Pressekonferenz gab es dann auch noch ein Highlight, das mich noch einmal auf das Spiel eingehen lässt. Das Trainergespann der Kölner, die Herren Epstein und Außem erkannten neidlos den Sieg der Fortuna als hoch verdient an, wobei insbesondere Herr Außem nicht an Kritik an seinem Spieler Hemmersbach sparte, der der Mannschaft mit dem Feldverweis einen „Bärendienst“ erwiesen habe. Eine verständliche Aussage, die allerdings aus dem Munde eines Mannes, der zehn Minuten vor Spielende selbst auf die Tribüne verwiesen wurde, etwas merkwürdig klingt. Noch merkwürdiger allerdings, was Kölns Urgestein Dieter Epstein dann zum Schiri zu sagen hatte: nachdem er nochmals ausdrücklich betont hatte, dass die Niederlage nicht dem Schiri zuzuschreiben war, fügte er dann doch noch an, sein Team sei vom Schiri benachteiligt worden, und zwar „eindeutig“. Und nun muss ich sagen, ich bin viel gewohnt, aber da blieb mir doch die Spucke weg. Denn als Herr Epstein das Thema „Schiedsrichter“ zur Sprache brachte, dachte ich eigentlich, dass er sich bei diesem bedanken wollte für dessen Ängstlichkeit, konsequent die Regeln auszulegen. Ich bezweifle zwar, dass Herr Epstein diese Zeilen jemals lesen sollte, falls er es aus Versehen jedoch doch tut, gebe ich ihm hier noch einiges zur Erinnerung mit.

Die Rote Karte gegen Hemmersbach wegen Tätlichkeit hatten wir schon. Ebenfalls hätte es nach 9 Minuten Rot geben müssen, denn der Spieler, der Sesterhenn im Strafraum foulte, war eindeutig letzter Mann, und es war eine ebenso eindeutige Notbremse. Der Schiri entging diesem Dilemma, in dem er nach Abwarten des Vorteils das erste Foul im Strafraum an Mayer als elfmeterwürdig wertete und somit die Notbremsen-Regelung umging. Da hätte Herr Epstein schon mal ein Stoßgebet zum Himmel schicken sollen.

Mitte der ersten Halbzeit hätte er dann mal den spontanen Kniefall proben müssen, als Casper am Mittelkreis (!) mit einer eingesprungen beidbeinigen (!!) Blutgrätsche von hinten (!!!) gegen Bellinghausen brillierte. So etwas hab ich schon lange nicht mehr gesehen, und ich frage mich, wozu die entsprechende Regel überhaupt da ist, wenn etwas dermaßen Eindeutiges nur mit einer Gelben Karte geahndet wird.

Zum Schluss bliebe noch Torwart Szymaszek. Keine Ahnung, ob der vielleicht Mannschaftskapitän war, da er ein kurzärmeliges Trikot trug, war leider keinerlei Kapitänsbinde zu erkennen, wobei ich nicht weiß, ob das nicht sogar vorgeschrieben ist. Aber auch wenn er Kapitän war, dann rechtfertigt das noch lange nicht, alle fünf Minuten zu einem 60-m-Sprint auf den Schiri anzusetzen, wenn man mit einer Entscheidung nicht einverstanden ist. Der ist in der ersten Halbzeit mehr über den Platz gelaufen als manch Kölner Stürmer. Und spätestens als er kurz vor Schluss (und ziemlich genau vor meinen Augen) versuchte, Tytarchuk mittels gestreckten Beins außerhalb des Strafraums in die ewigen Jagdgründe zu befördern, hätte er Rot sehen müssen. Diese Kreuzung zwischen Jens Lehmann und Olli Kahn wusste das auch ganz genau und mimte erst mal fünf Minuten selbst den Verletzten, kam aber auch mit Gelb davon. Hinterher habe ich den Überblick verloren, welcher Kölner Spieler eigentlich noch nicht verwarnt worden war, aber bei konsequenter Regelauslegung hätten die Kölner das Spiel nur mit 7 Mann beenden dürfen. Und dann kommt einer der Kölner Trainer und meckert noch über den Schiri! Vereinsbrillen sind eine schöne Sache und kosten auch nix, wer wüsste das nicht. Aber Fairness auch nicht.

Ach ja, zur Zuschauerzahl hätte ich noch einen: laut Durchsage waren es 4.000 Besucher an diesem frostigen Samstag-Nachmittag. Da kann ich wieder nur ungläubig mit dem Kopf schütteln. 4.000 waren bereits im Oktober gegen Yurdumspor anwesend, und diesmal war es erheblich voller. Ich korrigiere diese pessimistische Schätzung also mal eigenhändig auf circa 6.000 und schreibe dies mit einem schönen Gruß an das zuständige Betriebsstättenfinanzamt. Denn irgendwie gönne ich diesen Kölnern nach diesem Spiel nicht mehr viel.

Somit bleibt als Fazit ein nettes Spiel mit netten Begleitumständen, sowie wieder mal der Nachweis, dass Oberliga nicht langweilig sein muss. Was konnte da schon der Heimspiel-Gegner eine Woche später, der GFC Düren bieten? Zumal in der Woche zuvor die „Amateure“ von Mönchengladbach 5:0 bei Yurdumspor gewonnen und Fortuna somit vorzeitig zum Herbstmeister gemacht hatten. Was bei so unbekannten Torschützen wie Ketelaer oder Skoubo durchaus überraschte. Ungeschlagen Herbstmeister, wir sind die Größten! Fortan wurde nur noch über die Höhe des Fortuna-Sieges gegen das Team von Trainer Wilfried Hannes diskutiert. Leider anscheinend auch in der Mannschaft. Während des Spiels regte sich hinter mir auf der Tribüne jemand ernsthaft auf, weil es nach 15 Minuten noch 0:0 stand (es war jemand von der 20-Euro-Brigade). Was dann passierte, dürfte jedem, der ein bisschen Ahnung vom Fußball hat, klar sein: Fortuna verlor 0:1 und somit gleichzeitig auch das erste Saisonspiel. Und zwar hoch verdient, Düren, mit in Düsseldorf so beliebten Spielern wie Guido Jörres oder everybody’s darling Antonio Destino aufgelaufen, war noch nicht mal besonders stark, hielt jedoch von Anfang an dagegen und machte nicht den Fehler der anderen Mannschaften, sich hinten rein zu stellen und in der ersten Halbzeit überrollen zu lassen. Als Olaf Poll dann kurz vor der Halbzeitpause per Kopf das 0:1 erzielte, weil Böcker eine Flanke unterlief und Deuß zu spät aus dem Tor kam, war die erste Niederlage perfekt.

Naja, nicht so ganz, denn eigentlich hätte das Spiel 1:1 ausgehen müssen, kurz vor Schluss traf Ouejdide eindeutig ins Tor, es war kein Abseits, kein Foul, der Torwart erwischte den Ball erst einen halben Meter hinter der Torlinie, dies sagten selbst die Dürener Fans, die direkt hinter dem Tor standen, und es lässt sich auch anhand von Videoaufzeichnungen nachweisen. Aber wieder einmal hatte der Mann an der Seitenlinie, auf den der Schiri sich in dieser Situation verlassen musste, nix gesehen, obwohl er auf Ballhöhe stand. Tja, schade, aber wie gesagt: es wäre eh nicht verdient gewesen, die Mannschaft meinte, hier wohl im Schongang durchmarschieren zu können, und das wurde entsprechend bestraft. Somit Glückwunsch nach Düren und ein herzliches „Gern geschehen“ für dieses Weihnachtsgeschenk, das allerdings jemand in der Voreifel mit seherischen Fähigkeiten bereits vorausgesagt zu haben schien, wie das T-Shirt von Herrn Destino nach Spielschluss zeigte („Ungeschlagener Oberliga-Tabellenführer-Bezwinger 2003-2004“). Eine nette Idee, wie ich finde, wenn auch natürlich geklaut, aber das soll meinem Schmunzeln keinen Abbruch tun. Ein Glück, dass nur wenige Mannschaften bislang so selbst bewusst auftraten!

Und da dieses Spiel nun mal am 6. Dezember statt fand, konnten wir dann wenigstens noch den Auftritt des Nikolaus bewundern, standesgemäß kam er von oben und brachte uns die Erleuchtung in Form einer roten Bengale. Genauso ungesehen, wie er auf das Dach des Toilettenhäuschens der Nordtribüne gekommen war, verschwand er auch wieder, die vorsorglich herbei geeilte Stadionsicherheit fand nur noch den leeren Mantel. Wie schön, dass es noch solche Wunder gibt!

Und wie schön, dass es trotz Niederlage noch etwas zu lachen gab: im Internet-Forum von Fortuna Köln herrschte natürlich große Freude über diese unerwartete Niederlage des Spitzenreiters. Ein Gast verstieg sich sogar zu der Meldung „Dummdoof verliert“ (denn so buchstabiert der des Lesens und Schreibens nur mäßig kundige Kölner Durchschnittsfan den Namen der Landeshauptstadt), „wenn wir morgen gewinnen, könnte sogar noch was drin sein!“ Das war am Samstag Abend. Keine 18 Stunden später fuhr seine Fortuna zum damaligen Tabellen-Vorletzten nach Freialdenhoven und verlor mal eben mit 0:3. Fußball kann so schön sein, manchmal!

Am letzten Samstag (13.12.2003) ging es dann noch einmal nach Ratingen, um bei übelstem Wetter (Regenschauer, stürmische Winde) die Hinrunde abzuschließen. In der ersten Halbzeit, mit Rückenwind, verballerte Fortuna acht Hochkaräter, von Ratingen war nix zu sehen, Mitte der ersten Halbzeit lautete das Eckenverhältnis 11:0 für Fortuna, Fortuna-Keeper Deuß hatte in der gesamten Halbzeit exakt drei Ballkontakte. Leider stand es nach Toren aber auch 0:0, als der Pausentee gereicht wurde. Normalerweise rächt sich so etwas, aber diesmal gab es die ausgleichende Gerechtigkeit zum nicht gegebenen Tor eine Woche zuvor: bei der einzigen ernsthaften Torchance der Ratinger im gesamten Spiel knallte Olivier Djappa die Kugel an den Innenpfosten, aber zum Glück nicht ins Tor, praktisch im Gegenzug fiel der Siegtreffer für Fortuna durch einen Kopfball von Sesterhenn. Bayern-Dusel mal auf rheinisch.
Dann gab es auch noch einen Herrn Schilling zu bewundern, seines Zeichens Abwehrspieler von Ratingen, der den Micoud gab und sich binnen zwei Minuten erst Gelb und dann Gelb/Rot abholte. Schön, wenn den großen Vorbildern so nachgeeifert wird. Und das auch noch nahezu zeitgleich am Samstag Nachmittag! Wirklich bewundernswert.

Gerechtfertigt war der Sieg allemal, da Fortuna die insgesamt überlegenere Mannschaft war. Aber wie gesagt: so etwas geht ja dann oft noch in die Hose. Am letzten Samstag glücklicherweise nicht.

Wie sieht nun die Abschlusstabelle der Hinrunde der Oberliga Nordrhein aus? Leider ein wenig verzerrt, da ein Spiel ins neue Jahr verlegt wurde und drei Partien des 16. und 17. Spieltags abgesagt werden mussten und ebenfalls erst im neuen Jahr nachgeholt werden. Zweimal betroffen von den Spielabsagen übrigens die SSVg Velbert. Tja, hätte man das gewusst, dann hätten die ins Guinness-Buch kommen können, als einzige Mannschaft, die bereits am 30.11.2003 Winterpause hatte.

Bei der Spielverlegung handelt es sich übrigens um die Partie Viktoria Köln-Bayer Leverkusen (A). Die hatten nicht, wie im letzten Kapitel beschrieben, alle drei Spiele vor der Winterpause in den November vorgezogen, weil sie im Dezember wegen ihrer zwei Mann, die bei der U20-WM eingesetzt wurden, nicht spielen wollten, sondern nur deren zwei. Die noch ausstehende Partie in Köln wurde auf den 25.01.2004 terminiert. An diesem Wochenende wollten die Kölner zwar an einem Turnier teilnehmen, aber was schert das so einen wichtigen Bundesliga-Verein, ob ein klammer Fußball-Club sich in der Winterpause ein paar Euro dazu verdienen will! Schließlich bringen die zu erwartenden 10 Leverkusener Fans ja auch ordentlich Geld in die marode Kasse der Viktoria! Und überhaupt: wichtig geht nun mal vor!

Somit sehen wir Fortuna als Tabellenführer mit 40 Punkten ins neue Jahr gehen. Die meisten Siege (12), die wenigstens Niederlagen (1), der drittbeste Sturm (34 Treffer), die beste Abwehr (11 Gegentore), den besten Zuschauerschnitt (5.413) – ja, zum Kuckuck, wenn diese Saison nicht aufgestiegen wird, wann dann? Aber wir sollten durch das Düren-Spiel ausdrücklich gewarnt sein. Momentan sind es sieben Punkte Vorsprung auf Leverkusen, also auch im ungünstigsten Fall, nämlich wenn Leverkusen das Nachholspiel in Köln gewinnt, verbleibt ein Vorsprung von vier Zählern auf Platz 2. Ebenfalls oben dabei: Yurdumspor Köln auf Platz 3 mit 32 Punkten (ebenfalls ein Spiel weniger), Gladbach „Amateure“ mit 31 Punkten, und Fortuna Köln mit 30 Zählern. Auch noch zu beachten die SSVg Velbert, die mit zwei Siegen in den beiden Nachholspielen ebenfalls auf 32 Zähler kommen kann. Der Vorsprung ist komfortabel, sollte aber nicht zu Müßiggang verleiten. Zwei schlechte Spiele zu Beginn der Rückrunde sowie die Ahnung, wer denn noch alles für die Leverkusener „Amateure“ auflaufen könnte, und der Vorsprung ist dahin. Äußerste Vorsicht ist also geboten.

Am Tabellenende finden wir auf den Abstiegsrängen neben Viktoria Köln (14 Punkte, ein Spiel weniger) und der SSG Bergisch Gladbach (13 Punkte) mit dem 1. FC Bocholt (13 Punkte, ein Spiel weniger) auch eine Mannschaft, die man dort nicht unbedingt erwartet hätte. Da muss Trainer Jupp Tenhagen wohl noch eine Schippe drauflegen. Zumindest im Tabellenkeller wird die Rückrunde sehr spannend werden. Ich persönlich hoffe ja, dass sie es an der Tabellenspitze nicht wird.

Ach ja, apropos „Profis bei den Amateuren“: ich lese immer wieder gern, dass Fortuna keineswegs überraschend so deutlich an der Spitze steht, da wir ja eh nur Erst- und Zweitliga-Spieler beschäftigen, im Gegensatz zu den anderen Vereinen. Darüber kann ich nur leise kichern. Ist ja sehr bequem für die anderen Vereine, diese Erklärung. Schauen wir uns kurz mal den Kader der Fortuna an. Und wie Recht die anderen doch haben!

Da läuft bei uns zum Beispiel ein Dirk Böcker auf: fette drei Zweitliga-Spiele für LR Ahlen. Zwar schon in der Saison 2000/01 aber egal, Erfahrung ist ja alles. Huch, Pico Niestroj, noch schlimmer: ein einziges Erstliga-Spiel mit Fortuna, aber 46mal 2. Liga! Frechheit, so einen erfahrenen Spieler in der Oberliga einzusetzen! Ach, das letzte 2.Liga-Spiel war im Jahr 2000? Egal, der kommt auf die Liste! Weiter im Text. Frank Schön ist ja wohl die Krönung: 63x 2. Liga! Zuletzt 98/99? Und der macht grad neben seiner Spieler-Tätigkeit noch eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich? Na und? Ein altes Kämpferherz vergisst ja wohl nicht! Aboucar Sankharé – der ist ja wohl das Allerletzte: 7 Minuten Champions League mit dem RC Lens – und das auch noch in 2 Spielen! Welch Renomée, welch internationale Erfahrung! Und nicht zu vergessen die Herren Rösele und Dziwior: geballte Erst- und Zweitliga-Erfahrung aus Köln, Gütersloh, Ahlen und was weiß ich wo noch! Stimmt schon, aber Moment: der Dziwior hat in der gesamten Hinrunde nur ein einziges Spiel gemacht, der Rösele deren drei, und beide sollen in der Winterpause abgegeben werden? Egal, hab ich überlesen. Was für ein zusammen gekauftes Starensemble!

Nein, nein und nochmals nein: der einzige, der bis vor wenigen Monaten noch Zweitliga-Luft schnupperte, und dem man mit Fug und Recht die langjährige Erfahrung eines Profis der höheren Spielklassen zugestehen kann, ist Michael Zeyer. Alle anderen hatten relativ kurzweilige Profi-Erfahrungen, oder es ist schon lange her. Von Leistungsträgern wie Bellinghausen, Deuß, Mayer oder Tytarchuk, die insgesamt noch nicht mal auf 15 Regionalliga-Einsätze kommen (ganz zu schweigen von höherklassigen Spielen), und bei denen Deuß noch „nebenher“ studiert und Bellinghausen seinen Zivildienst ableistet, spricht niemand. Das wollte ich hier nur mal getan haben.

Und was andere können, kann ich auch: was ist mit Ketelaer, Skoubo, Pletsch, Eberl oder van Houdt, alle mehr oder weniger regelmäßig bei Gladbachs „Amateuren“ im Einsatz? Was mit Hertzsch, Nowotny, Kaluzny, Fritz bei Leverkusen? Was mit Lesniak und Ridder bei Velbert? Mit Mademann bei Bergisch Gladbach? Mit Djappa bei Ratingen? Mit Stefan Lämmermann bei Freialdenhoven? Gülünoglu bei Yurdumspor? Lipinski bei Kleve? Katemann bei Bocholt? Gaißmayr bei Borussia Wuppertal? Und noch so einigen anderen? Ach, von denen spricht auch keiner? Wollte ich dann auch nur mal getan haben.

Was für mich persönlich oder für Fortuna allgemein gilt, gilt auch für die sogenannten „kleinen“ Vereine: bitte erst mal vor der eigenen Haustür kehren. Es lässt sich nicht leugnen, dass Fortuna insgesamt qualitativ am besten besetzt ist (mit Ausnahme der beiden „Amateur“-Mannschaften, da man bei denen ja nie weiß, wer in einem Spiel so alles gleichzeitig auflaufen wird), aber so groß ist der Unterschied zu den anderen Teams, wie dargestellt, nun auch wieder nicht, Und deshalb sind wir auch noch lange nicht aufgestiegen, auch wenn jeder das behauptet, um uns in Sicherheit zu wiegen. Aber ich bin guter Hoffnung, dass sich der Trainer und die Mannschaft nicht davon anstecken lassen werden.

Tja, und hier sollte eigentlich das Ende kommen. Is aber nich. Ich habe euch den bärtigen Weihnachtsmann versprochen, ihr bekommt ihn auch. Er hat uns auch diesmal nicht enttäuscht, der Bonner SC, in Gestalt von Weihnachtsmann John Viol. Die Weihnachtsgeschichte, die er in den letzten vier Wochen präsentiert hat, klingt zwar beim ersten Lesen wieder mal unglaublich, aber es gilt erneut: alles ist wahr!

Wir blenden kurz zurück auf das Ende des letzten Kapitels, da war ja davon die Rede, dass Ende November die Oktober-Gehälter gezahlt werden sollten. Per Scheck. Oder bar. Oder so. Das hatte ich mir nicht ausgedacht (bis auf das “Oder so”, kleine schöpferische Eingebung von mir), das war tatsächlich so verkündet worden. Am 22.11.2003 nun folgte, zeitgleich zu unserem Niederrhein-Pokal-Spiel in Ratingen das Mittelrhein-Pokalspiel der Bonner Löwen bei Fortuna Köln. Das wurde übrigens 0:3 verloren, aber das interessiert ja keinen. Eher das Drumherum, welches von der Zeitung Express aufgerollt wurde.

Demnach trafen sich die Spieler am Spieltag um 11.45 Uhr am Sportpark Nord, um gemeinsam nach Köln aufzubrechen. Es war jedoch kein Bus vor Ort, so dass die Spieler im Privatwagen nach Köln fahren mussten. Benzingeld mussten sie erst einmal sammeln. Nett auch, dass bei diesem Treffen die wichtigsten Leute irgendwie fehlten: Trainer Höck und die beiden Vorsitzenden Viol und Demann waren zuvor schon nach Köln aufgebrochen, ohne die Spieler davon zu unterrichten. Diese starteten dann gegen 12.15 Uhr, nachdem Spieler Ronny Waldkirch noch zehn Euro für Benzin vorgestreckt hatte.
Nach der 0:3-Pleite warteten die Kicker in der Kabine auf Herrn Viol, der die erhofften Gehälter mitbringen wollte, bis ihnen mitgeteilt wurde, dass sich Viol und sein Vize schon auf dem Weg nach Bonn befänden. Daraufhin brauchten die Spieler, der Bundestag möge dies staunend und ehrfurchtsvoll zur Kenntnis nehmen, genau zwei Minuten, um einen Trainingsboykott für die kommende Woche zu beschließen.
Nachdem sie wieder mühsam Geld für die Rückfahrt zusammen geschnorrt hatten, fuhren die Spieler nach Hause. Die Kapitäne schauten noch schnell in der Geschäftsstelle vorbei und fanden Geschäftsführer in spe Fritz Bäuml und die Herren Viol und Demann in trauter Dreisamkeit. Und als die Spieler den dreien vom anstehenden Trainingsboykott berichteten, flippte Viol mal wieder aus.

Der Ausraster bestand darin, dass Viol sowohl Geschäftsführer in spe Fritz Bäuml als auch Geschäftsstellenleiter Dietmar Sebus feuerte. Spieler, die sich wegen den nach wie vor ausstehenden Gehaltsforderungen an einem Trainingsstreik am Montag, 24.11.2003, beteiligten, sollten entweder abgemahnt oder, wie zuvor die Spieler Sajaia und Guhn, direkt gefeuert werden. Viol hatte entgültig die Schnauze von (Zitat) „Weicheiern und Waschweibern“ (Zitat Ende) und will nun mit seinem Vize Gerd Demann den Bonner SC alleine führen. Auch plant er, in der Winterpause zehn neue Spieler zu holen.

Ist schon unglaublich, oder? Aber es kommt noch besser: als die Spieler während des Gesprächs mit Viol auf Bargeld bestanden, da hatte der Allmächtige auch darauf natürlich eine schlanke Antwort parat: „Wo gibt es denn sowas? Wer kriegt denn sein Geld bar ausgezahlt? Ich lebe in einer realistischen Welt. Ich habe es nicht nötig, mich von 19- und 20-Jährigen unter Druck setzen zu lassen.“ Besonders nicht, wenn diese Bubis ihre vertraglich geregelten Ansprüche geltend machen, nachdem sie ja schon in der Vorsaison diesbezüglich mehrfach enttäuscht worden sind, und er selbst zuvor noch Barzahlung angekündigt hatte! Aber ganz realistisch betrachtet wären die Schecks erst um den 05./06.12. zur Auszahlung gekommen. Noch einmal: es handelt sich hierbei um die Oktober-Gehälter. Dass der Mann sich überhaupt noch traut, den Mund aufzumachen, zeugt entweder von komplettem Größenwahn oder von einem sehr unrealistischen Weltbild aus den Frühzeiten des Kapitalismus. Nein, ich bin kein Fan von Karl Marx, aber wenn 6 Wochen zu spät gezahlte Gehälter nach wochenlangen Ausflüchten nicht unter „Ausbeutung“ fallen, dann kann mir gerne mal jemand erläutern, welchen Begriff er hier für angemessen hält.

In der Zwischenzeit reichte es wieder mal einem verdienten Spieler der Bonner, Libero Konjevic, der bereits im letzten Jahr aufgrund der Gehaltsrückstände die Miete für seine Wohnung nicht mehr aufbringen konnte, und dem Viol unter anderem noch Geld vom Juni diesen Jahres schuldet, überlegt derzeit, sich zum 31.12.2003 abzumelden. Kommentiert wurde das von einem Bonner Fan im Internet mit dem Vermerk: „Die Ratten verlassen das sinkende Schiff“. Der kann eigentlich entweder nur von Beruf Sohn sein oder aber keinerlei Unterhaltskosten in seinem Leben haben, so dass er freudestrahlend monatelang umsonst für jemanden spielen würde, der sich stets damit brüstet, genug Geld zu haben, um seinen Verein führen zu können, dies aber jedes Mal in den entscheidenden Momenten vergisst, der Stress, die Hektik, muss man verstehen! Und so ein Spieler braucht ja auch nicht viel zum Leben, das kann er sich ja locker in der Bonner Fußgängerzone zusammen singen. Irgendwann reicht es auch mal dem gutmütigsten Spieler, und so verlieren sie derzeit Spiel auf Spiel, sechs Pleiten in Folge, und nach gutem Saisonstart heißt es in der Rückrunde nunmehr Abstiegskampf. Wobei insbesondere das 2:3 daheim gegen Freialdenhoven nach wohl eher ungewollter 2:0-Führung nach Augenzeugenberichten „krasseste Arbeitsverweigerung“ war. Aber mal ehrlich: wer könnte es ihnen verdenken? Vielleicht waren sie ja auch schon so geschwächt, weil seit Wochen nix Vernünftiges zu essen auf dem heimischen Tisch stand? Wäre ja auch eine Möglichkeit.

Aber da wir ja Weihnachten haben, setzte der Oberguru, der immer alles richtig macht, noch einen drauf. Nach dem ganzen Tohuwabohu, dem dann nix folgte (natürlich wurde kein Spieler vorzeitig entlassen, der Geschäftsführer Bäuml hat überhaupt keinen Vertrag, den man kündigen könnte, um nur die größten Lächerlichkeiten zu nennen), setzte sich dieser Ausbund an Fürsorge zu eine seiner weiteren Geschäftsreisen ab, bis zum 18.12.2003. Nun werden am 15.12.2003 ja wieder mal ein paar Gehälter fällig. Dazu von der Presse befragt, gab Viol die Antwort des Jahres, die sich jeder Konzernchef von Siemens oder Thyssen oder ähnlichen Unternehmen hoffentlich ausgedruckt und gerahmt an die Wand gehängt hat: „Wir sind ein Fußballverein und keine Bank. Wir müssen nicht andauernd über Geld reden. Das wird schon irgendwie klappen.“ Na, als Angestellte dieses Herrn würdet ihr doch Weihnachten jetzt auch so richtig optimistisch entgegen blicken, oder?

Und zum Schluss klaue ich noch, am Ende des Jahres muss das erlaubt sein. Es tauchte nämlich zwischenzeitlich im offiziellen Forum auch mal die Frage auf, ob wir das nicht langsam langweilig finden würden, dieses ewige Gewinnen und diese überlegene Spielweise, die die Mannschaft im Oktober und November (teilweise!) an den Tag legte. Da kam eine Antwort, die ich so gut fand, dass ich sie hier 1:1 übernehme und mich damit in die Winterpause verabschiede. Nein, mir und den meisten anderen bei Fortuna wird noch lange nicht langweilig. Denn:

„Ich leiste mir den Luxus, das zu genießen. Das Leid hab ich auch volley genommen, jahrelang.“

In diesem Sinne, bis zum nächsten Jahr bei Fortuna.

Übrigens: ich bin gerade von einem Weihnachtsbummel zurück gekehrt, bei dem ich erstaunt festgestellt habe, dass es tatsächlich „Kellner-Socken“ zu kaufen gibt. What the hell are Kellner-Socken? Ich habe nicht die geringste Ahnung. Aber andererseits: was wäre dieses Land ohne sie? Denkt mal drüber nach.

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