Ein Heimspiel ist ein Heimspiel ist ein Heimspiel …

Endlich rollt die Kugel wieder in der Oberliga Nordrhein, Anfang Februar 2003 ging es wieder los! Somit ist es nun an der Zeit, einen kleinen Überblick darüber zu geben, wie der Oberligameister der Herzen Fortuna Düsseldorf, Deutscher Meister 2010, die ersten Partien nach der Winterpause gestalten konnte.

Und es ist doch schön, wenn man einmal positiv starten kann: der fußballerische Start ins neue Jahr begann gut, er begann nämlich überhaupt nicht. Das Auftaktspiel beim Weltverein SC Borussia 1912 e.V. Freialdenhoven fiel nämlich Anfang Februar den widrigen Witterungsbedingungen zum Opfer, oder um es kurz und klar zu formulieren: diese Mädchen wollten nicht auf Schnee spielen.
Nachgeholt wird die Partie im übrigen am kommenden Mittwoch, 12.03.2003, um 20.00 Uhr, wenn es denn nicht zufällig regnen sollte. Mehr dazu sowie die Auflösung meines „echten Insiders“ am Schluss des letzten Kapitels gibt es später in diesem Programm.

Somit sah der Spielplan der Fortuna wie folgt aus: da der 20. Spieltag komplett abgesetzt wurde, startete man eine Woche später mit dem 21., und das hieß: Heimspiel gegen den 1. FC Bocholt. Sodann fuhr man fort mit dem 22. Spieltag, und das hieß: Heimspiel gegen den Bonner SC. Dann kam der 23. Spieltag, da hätten wir eigentlich beim Rheydter SV antreten müssen, aber der ist bekanntermaßen pleite und aus dem Rennen. Also spielfrei. Dann kam das Karnevalswochenende, eigentlich spielfrei und für Nachholspiele reserviert, dummerweise standen wir im Niederrhein-Verbandspokal-Halbfinale, und das hieß: Heimspiel gegen den Verbandsligisten 1. FC Kleve. Schlussendlich folgte der 24. Spieltag, und das hieß: Heimspiel gegen SW Essen. Bitte, wir haben niemanden bestochen und auch keine Heimspielrechte getauscht, es ergab sich wirklich rein zufällig so! Vom 10.02.2003 bis 09.03.2003 vier Heimspiele am Stück, das halten nur die ganz Harten durch. Wenn ich da an die letzte Saison gedacht hätte, als wir in der gesamten Saison nur fünf Heimspiele gewinnen konnten, wäre mir womöglich bei dieser Konstellation etwas mulmig geworden, aber zum Glück ist ja in der Oberliga alles anders.

Natürlich wurde zuvor, in der Winterpause, das große Saisonziel, den Sprung auf einen einstelligen Tabellenplatz noch zu schaffen, in Angriff genommen. Die Mannschaft fuhr in ein Trainingslager nach Colakli/Türkei, der Vorstand spendierte noch einen Neuzugang. Nein, keinen Spieler, sondern Ex-Fortune Thomas Allofs wurde als irgendwas verpflichtet, als genau was, ist mir bis heute noch ein Rätsel, da auch die örtlichen Zeitungen diverse Stellenbeschreibungen in Umlauf setzten, sportlicher Direktor, sportlicher Leiter, Manager, Scout und was weiß ich noch alles. Irgendwas wird er auf jeden Fall schon machen, und vielleicht ist es ja einmal zum Wohle der Fortuna. Wäre eigentlich ganz was Neues, aber man gibt die Hoffnung ja nicht auf.

Dermaßen gestärkt, musste sich die hochmotivierte Mannschaft am ersten Februar-Wochenende, wie schon erwähnt, noch mit Schneeschippen vor der eigenen Auffahrt begnügen, bevor man sie endlich im Heimspiel gegen den 1. FC Bocholt von der Kette lies. Und was soll man sagen: es wurde ein voller Erfolg, der Gegner wurde 4:0 weggefidelt, war allerdings auch so was von harmlos, dass man sich wirklich erstaunt fragte, wie die in der Tabelle acht Punkte mehr haben konnten. Bellinghausen, Abelski und Mayer schossen die klare Führung heraus, und dann gab es etwas lange nicht Gesehenes: Michi Rösele, nach langer Verletzungspause wieder im Kader, vom Trainer seitdem jedoch rätselhafterweise Weise nur mit einem Platz auf der Ersatzbank bedacht (hat er vielleicht einen Deckel auf Petrovics Namen im Trainingslager machen lassen? Anders ist das für mich kaum zu erklären), wurde eingewechselt und verwandelte einen Elfmeter zum 4:0-Endstand. Ein denkwürdiges Erlebnis, ein sicher verwandelter Elfmeter bei Fortuna Düsseldorf! Das war im letzten Kalenderjahr nicht selbstverständlich und ist es auch weiterhin nicht, wie die weiteren Ereignisse glasklar belegen werden.

Denn nun folgte das Heimspiel gegen den Bonner SC, das ist der Verein meines derzeitigen Wohnortes, weshalb ich bei denen natürlich auch den einen oder anderen Blick über den Tellerrand mitbekomme. Der BSC ist nämlich auch eine dieser lustigen Pleitetruppen der Liga, was sich dergestalt zeigte, dass die Spieler erst unmittelbar vor dem Spiel bei Fortuna (wie gesagt, Mitte Februar) die Dezember-Gehälter überwiesen bekamen. Dies hatte einige Folgen im sozialen Bereich, zum Beispiel musste BSC-Libero Konjevic seine Wohnung räumen, da er mit der Miete nicht mehr nachkam, und der beste Torschütze der Bonner, Köbler, musste Frau und Kind wieder in die Heimat nach Augsburg umsiedeln, weil sie ihren Lebensunterhalt hier nicht mehr bestreiten konnten. Hierbei handelt es sich durchaus nicht um einen oder zwei Witze! Oder andersrum gesagt: bei solchen Nebenerscheinungen kann einem die Lust am Fußball schon mal vergehen, dies war auch bei den Bonnern der Fall, die mit der Empfehlung von vier Niederlagen am Stück bei einer wirklich gelungenen Ausbeute von 0:13 Toren an den Flinger Broich gereist kamen. Und so spielten sie zunächst auch. Bis zu jener entscheidenden Minute in der 1. Halbzeit…

Folgendes konnte gesehen werden: Frank Mayer machte nach schöner Vorarbeit von Tytarchuk und Niestroj das 1:0, dann gab es Elfmeter für Fortuna, Trainingslager-Libero-Entdeckung Christoph Chylla verwandelte souverän zum 2:0 (Rösele saß ja zur Abwechslung auf der Bank). Soweit alles im grünen Bereich, die Bonner regten sich auch gar nicht großartig auf, einige schienen doch mehr in Gedanken damit beschäftigt, wo am nächsten Tag das Mittagessen herkommen sollte.

Dann aber: nur eine Minute nach dem 2:0 wieder Elfmeter für Fortuna nach klarem Foulspiel von BSC-Keeper Sheybal. Zunächst auch hier mal wieder ein großes Dankeschön an den Schiri für die soziale Regelauslegung: wie bereits bei unserem relativ erfolglosen Gastspiel beim Wuppertaler SV gab es auch hier für den Torwart nur Gelb, denn der Torwart zählt in der Oberliga bei der Notbremsen-Regelung anscheinend nicht mit. Aber nun gut, immerhin war es ein klarer Elfmeter, nach knapp 25 Minuten das 3:0, alles gelaufen.

Ja denkste! Denn jetzt nahm einer unserer Führungsspieler mal das Heft in die Hand. Ungeachtet der Tatsache, dass Chylla noch 60 Sekunden zuvor sicher verwandelt hatte, schnappte sich nämlich Pico Niestroj die Kugel. Berauscht von seinem wirklich guten Pass zum 1:0, gedachte er, nun auch mal ein Zeichen zu setzen. Dies gelang ihm famos, wenn auch etwas anders als erwartet, Sheybal konnte den Strafstoß lässig abwehren und die Bonner, die sich eigentlich schon mit der Niederlage abgefunden hatten, kamen wieder ins Spiel zurück. In der zweiten Halbzeit zogen sie mal kurz das Tempo an und schafften binnen einer Viertelstunde den 2:2-Ausgleich, wobei ausgerechnet Köbler den Ausgleich erzielte. Frau und Kind nach Hause geschickt, schon trifft er wieder! Bemerkenswert, zumal Bonn in der Folgezeit durchaus noch hätte gewinnen können, aber glücklicherweise blieb es bei unserem Standard-Heimergebnis. Was Fortuna in der zweiten Halbzeit zeigte, war, höflich formuliert, unglaublich, der „Spirit of Colakli“ mutierte zum „Sprit of Colakli“, denn es hatte teilweise durchaus den Anschein, als hätten die Spieler im Trainingslager anstelle konditioneller Grundlagen das einarmige Reißen in der Halbliterklasse praktiziert, so platt wirkte die Truppe nach 70 Minuten. Wie gegen Bocholt eine Woche zuvor übrigens, aber da stand es schon 3:0 und der Gegner hatte keine Lust mehr, da war es nicht so aufgefallen. Naja, immerhin den Bonnern einen kleinen Lichtblick verschafft. Die Januar-Gehälter sollen mittlerweile auch eingetroffen sein, quasi als Belohnung. Wir bauen auch noch jeden Gegner auf.

Nach dem eingangs erwähnten spielfreien Wochenende kam dann ausgerechnet am Karnevalsfreitag der 1. FC Kleve zum Pokal-Halbfinale ins Paul-Janes-Stadion. Die Ausgangslage war klar: Fortuna ist Oberligist, der Gegner spielt eine Liga tiefer – so was gibt eigentlich ein 1:1 und wird nach Verlängerung und Elfmeterschießen verloren. Doch Kleve hatte den Fehler gemacht, im laufenden Wettbewerb bereits drei Oberligisten auszuschalten, man war also gewarnt. Da nutzte auch die Anwesenheit des Ex-Düsseldorfers-jetzt-Klevers Oleg Poutilo, mittlerweile eingeweißrussischt zu Aleh Putsila, nichts (also wer einen anderen Ausdruck für das weißrussische Gegenstück von „eingedeutscht“ hat, der möge sich bitte melden). In der ersten Halbzeit war das Spiel noch einigermaßen offen, Kleve spielte gut mit und hatte auch die erste klare Torchance. Das 1:0 für Fortuna durch Tytarchuk war in der Tat die erste Torchance für die Heimmannschaft, eine sehr schmeichelhafte Pausenführung. In der zweiten Halbzeit überschlugen sich dann die Ereignisse, zunächst das 2:0 durch Mayer oder auch nicht, dessen verunglückte Flanke war wohl nicht hinter der Torlinie, aber der Schiri drückte auch mal ein Auge für uns zu, dann flog Putsila vom Platz, dann fiel das 3:0, dann flog noch ein Klever Spieler vom Platz, dann verschoss Michi Rösele einen Foulelfmeter (dazu schreib ich jetzt schon gar nix mehr), dann fielen noch zwei Tore, am Ende ein standesgemäßes 5:0, das aber deutlich zu hoch ausfiel. Somit hat Fortuna das Niederrheinpokal-Finale erreicht, dessen Gewinner an der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals der nächsten Saison im August teilnehmen darf. Dieses Endspiel war terminiert für den 01.05.2003. Peinlicherweise steht aber am 01.05. auch das Halbfinale des Kreispokals an, in dem entschieden wird, wer sich für den Niederrheinpokal in der nächsten Saison qualifiziert, und hier ist Fortuna auch noch vertreten. Alles klar? Nein? Mir auch nicht, das hat der Verband wieder ganz toll hinbekommen, hat wohl keiner damit gerechnet, dass unserer Truppe dermaßen zum Pokalschreck mutieren würde. Mal sehen, wie das gelöst werden wird.

Lustig wird das Finale sowieso. Aufgrund einer von mir persönlich nicht nachvollziehbaren Regelung wird das Heimrecht der Pokalpartien bereits lange im voraus ausgelost, und zwar auch, und dies ist ebenfalls kein Witz, für das Endspiel, in dem es ja auch praktisch um nichts geht. Und da hat in diesem Jahr der Gegner Heimrecht, so was Albernes wie ein Finale auf neutralem Platz gibt es nicht. Sehr sportlich.

Apropos Gegner: der wurde ermittelt zwischen unseren Oberliga-Konkurrenten SSVg Velbert und MSV Duisburg (A). Duisburg Amateure? War da nicht was? Jawohl, das ist die Truppe, die gerne mal sieben rekonvaleszente Spieler aus dem Profi-Kader für ihre Meisterschaftsspiele einsetzt, um sich als sonst abgeschlagener Tabellenletzter ja nicht dem Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung auszusetzen. Leider ist das im Pokal verboten, weshalb die MSV-Amateure in Velbert auch mit ihrer wahren Stärke brillierten und 0:5 eingingen. Somit müssen wir also im Mai zum zweiten Mal in dieser Saison ins Stadion „Sonnenblume“ nach Velbert zum Gastspiel gegen die dortige SSVg. Zu jenem Gegner, bei dessen Anhängerschaft (bzw. eines guten Teils selbiger) die ersten zwei Buchstaben der Vereinsbezeichnung wirklich gut zum Tragen kommen, besteht doch zwischen der politischen Ausrichtung dieser Gestalten und der Farbe des Teints derjenigen, die sich in Zeiten schwerer Wirtschaftskrisen noch einen Vier-Wochen-Trip nach Barbados leisten können, eine ziemliche Ähnlichkeit. Bei unserem ersten Spiel dort im Oktober gab es nach der Partie schon ein leichtes Aufeinanderprallen derjenigen, die sowieso nie so ganz genau wissen, wie das Spiel ausgegangen ist, weil sie dafür nicht ins Stadion kommen. Das wird bei diesem Spiel, in dem es um ein kleines bisschen mehr geht als nur um drei Punkte in der Hinrunde, sicherlich friedlicher werden! Erschwerend kommt hinzu, dass die SSVg nur eine Woche zuvor zum Oberliga-Rückspiel im Flinger Broich antreten muss, da kann man sich ja schon mal gegenseitig beschnuppern. Zum Glück liegt das Velberter Stadion auch noch in einer Wohngegend, da haben die dortigen Bewohner dann auch wenigstens etwas davon.

Soviel zum Pokal, sollte die Hürde Velbert genommen werden (denn spielstark sind die zu allem Überfluss ja auch noch), dann werde ich natürlich noch meine Wunschgegner für die 1. DFB-Pokal-Hauptrunde vorstellen. Allerdings spielen bei Velbert auch noch die Ex-Fortunen Marek Lesniak (mittlerweile sogar als Spielertrainer) und Andreas Gensler, die gegen ihren alten Klub wohl gerne mal wieder gerne ins Tor treffen würden, und es würde ja auch gut zu Fortuna passen, wenn ein Ex-Düsseldorfer sie in der 90. Minute erledigt. Aber warten wir es erst mal ab, vielleicht machen wir ja einmal in dieser Saison unserem Vereinsnamen alle Ehre. Besonders den jüngeren Spielern wäre es zu gönnen.

Genug vom Pokal, zurück zur Oberliga. Gestern präsentierte sich zum nunmehr vierten Heimspiel in Folge SW Essen im Flinger Broich, nicht irgend jemand, sondern immerhin der Tabellen-4. und als solcher durchaus noch mit Aufstiegsambitionen, allerdings schlecht ins neue Jahr gestartet mit zwei Niederlagen, darunter ein knappes 1:5 in Freialdenhoven. Das dämpfte wohl auch die Erwartungen der dortigen Anhängerschaft. 120 Fans aus Essen hatten sich angekündigt, fuhren dann aber lieber zu Bundesligaspiel „Auf Schalke“, weil sie die Mannschaft im Verdacht hatten, die letzten beiden Partien, sagen wir mal, mit auffallender Lustlosigkeit angegangen zu sein, um nicht in die Gefahr zu kommen, aufsteigen zu müssen. Warum das in der Theorie nicht ganz so weit hergeholt ist, sehen wir später.

Auf jeden Fall waren, ich habe dreimal nachgezählt, exakt neun Fans der Essener Schwarz-Weißen gestern anwesend, in einem raffinierten 4-3-2-System über den gesamten Gästeblock verteilt. Und die einzige Zaunfahne die sie besitzen, lag eingeschlossen auf der Essener Geschäftsstelle, die bei der Abfahrt an diesem Morgen leider nicht geöffnet war. Ja, eine Liga, in der der Tabellen-4. neun Fans mitbringt, macht doch so richtig Spaß.

Das Spiel hingegen in der ersten Halbzeit eher weniger, ein ziemliches Gewürge und Gekrampfe, der Platz ob der Beanspruchung in den letzten Wochen auch schon ein ziemlicher Acker – halt, letzteres nehme ich zurück, nachdem ich gestern Abend die Bilder aus der nagelneuen Volkswagen-Arena in Wolfsburg gesehen habe. Sponsoring ist ja schön und gut, aber man hätte dem Hauptfinanzier, der sich anscheinend unglaublich dafür interessiert, für wen oder was er da bezahlt, mal mitteilen sollen, welche Sportart in dem komischen Bauwerk verrichtet werden soll, das er aus seiner Portokasse bezahlt hat. Dagegen war der Rasen des Flinger Broich gestern durchaus erstligatauglich.

Und wie das so ist bei Fortuna in diesem Jahr, beginnen wir doch zur Abwechslung mal mit einem Elfmeter, klares Foul an Bellinghausen in der 13. Minute, Strafstoß, da der Fußballverband Niederrhein leider meinen Änderungsvorschlag vom Dezember, bei Elfmeter für Fortuna lieber drei Ecken zu geben, nicht beachtet hat. Selbiges tue ich bei Fortuna-Elfmetern in dieser Saison ebenfalls, ich gucke einfach nicht mehr hin. Und schon ging es, Chylla verwandelte zu 1:0, alles andere als souverän, mit Glück und Innenpfosten, aber egal, der ist jetzt nicht nur die Libero-Entdeckung des Trainingslagers sondern auch unser Elfmetergott, bei zwei verwandelten von insgesamt zwei Strafstößen mit einer unglaublichen Trefferquote von 100 %. Außerdem hat er die positive Statistik wieder in Führung gebracht, es steht nämlich nunmehr sechs verwandelte zu fünf verschossene Elfmeter. Ein spannender Kampf um den Sieg bahn sicht hier noch an.

Die Essener kamen daraufhin besser ins Spiel, spielten auch einen ziemlich ruppigen Ball, das konnten sie sich allerdings leisten, der Schiedsrichter, ein Herr aus Leverkusen mit Kölner Autokennzeichen, pfiff zwar immer eifrig Freistöße, ließ aber selbst Tritte gegen am Boden liegende Spieler ungeahndet. Aha, ein Herr der internationalen Härte. Der musste sich natürlich bei anderen Dingen abreagieren. Als Zeh kurz vor der Pause den nicht unverdienten Ausgleich für SWE erzielte, zog der sich das Trikot über den Kopf, behielt es aber an, verließ das Spielfeld, um Trainer Benatelli zu herzen – alles O.K. Als Frank Mayer kurz nach der Pause nach prima Pass von Niestroj (manchmal bricht bei dem wirklich die Champions League durch) mit seinem 13. Saisontreffer das 2:1-Siegtor erzielte, zog der sich das Trikot über den Kopf, zog es aber ganz aus, verließ das Spielfeld, um kurz vor Block A der Westtribüne zu feiern – Gelb. Verstanden habe ich das nicht, ebenso wenig die geschätzt 120 Freistöße, die es gegen Ende der Partie für SW Essen gab. Aber Hauptsache kein Heim-Schiri, das wäre ja unfair!

Fortuna machte nach der Führung mal wieder das, was sie gar nicht können, nämlich sich hinten reinstellen und den Vorsprung verteidigen. Dass es diesmal ausnahmsweise nicht schief ging, verdankten sie nur einem einzigen Spieler, nämlich Torwart Petrick. Was der gestern alles rausholte, war schon unglaublich, insbesondere wenn der versierte Fortuna-Anhänger weiß, was man nach dem Abgang von Georg Koch 1997 so alles zwischen den Pfosten ertragen musste. Glanzstück war kurz vor Schluss die Abwehr eines Freistoßes aus 16m und des anschließenden Nachschusses aus 4m. Das war mit Abstand die beste Torwartleistung seit langem, und nur deshalb wurde das Spiel gewonnen. Die zehn Herren vor Petrick hatten in der Schlussphase wirklich alles gegeben, um das Standard-2:2 zu ermöglichen. Aber ganz unverdient war der Sieg nicht, denn was SW Essen in den ersten 70 Minuten bot, war wahrlich eines Tabellen-4. unwürdig.

So, und was ist das Fazit nach dieser Heimspiel-Orgie: Platz 9 mit 29 Punkten, 34:38 Tore, Pokalfinalist und Frank Mayer an der Spitze der Torjägerliste. Der einstellige Tabellenplatz ist erreicht, der Trainer ist somit ein Gott, denn genau das hatte er vor der Saison vorhergesagt. Noch einmal zur Erinnerung: einstelliger Tabellenplatz, wenn’s gut läuft, kann es unter die ersten Fünf gehen. Da es nicht gut gelaufen ist, ist die Truppe im Soll. Auch wenn einige Unverbesserliche, deren fußballerischer Verstand sich anscheinend dahin gehend erschöpft, der Meinung zu sein, allein der Name Fortuna Düsseldorf garantiere den direkten Aufstieg aus dieser Operettenliga, das nicht wahrhaben wollen und daher wieder mal alles besser gemacht hätten. Aber ansonsten wäre es ja auch langweilig. Und vielleicht geht ja noch was…

Nein, ich bin kein Phantast, sondern Realist. Es sieht momentan wie folgt aus: unangefochtener Tabellenführer ist der Wuppertaler SV, mit sieben Punkten Vorsprung. Und da der Wuppertaler SV ja bekanntlich eh nur Zweiter wird, ziehen jetzt alle Mannschaften an einem Strang, damit der WSV das gesteckte Ziel auch noch erreichen kann.

Die Rede ist von Fortuna Köln und der SpVgg Germania 04/19 Ratingen. Beide Klubs stehen nämlich mal wieder kurz vor der Insolvenz. Und was passiert, wenn die jeweiligen Verfahren eröffnet werden, das kennen wir ja schon vom Rheydter SV: die Vereine werden mit 0:0 Punkten und 0:0 Toren an das Tabellenende gesetzt, die Spiele der anderen Mannschaften gegen diese Mannschaften werden annulliert.

Abgesehen davon, dass damit auf einen Schlag die Abstiegsfrage geklärt wäre (es gibt nämlich nur drei Absteiger aus der Oberliga), ergibt sich somit ein völlig neues Tabellenbild: der WSV hat nämlich alle vier Begegnungen gegen beide Teams gewonnen und bekäme somit 12 Punkte abgezogen, Mönchengladbach nur 5, Osterfeld ebenfalls nur 5 und SW Essen gar nur drei. So wäre der zweite Tabellenplatz für den WSV noch zu schaffen! Wollen wir ihnen alles Gute dafür wünschen und alle verfügbaren Daumen drücken!

Übrigens wäre Fortuna dann auch wieder ein bisschen im Geschäft, denn wir haben bislang gegen beide Klubs nur unsere Heimspiele absolviert, beide natürlich 2:2, so dass uns nur lächerliche zwei Punkte abgezogen werden würden.

Ein möglicher Ausgang, der übrigens bei den Teams, die daraus Vorteile ziehen würden, nämlich Adler Osterfeld und SW Essen, doch eher blankes Entsetzen hervorruft: „Wir legen gar nicht so viel Wert darauf aufzusteigen. Wir sind da mehr oder weniger rein gerutscht“, sagt Essens Präsident Manfred Kuhmichel. „Der Verbleib in der Oberliga wäre auch nicht schlecht.“ Und Osterfelds Trainer Hans-Günter Bruns erläutert: „Unser Präsident hat gesagt, ein Aufstieg kommt nicht in Frage.“ Der wäre nämlich finanziell kaum zu stemmen. Ja, warum zum Kuckuck spielen die denn dann da oben mit? Operettenliga, wie schon gesagt.
Und das, wo andernorts (Unterhaching) vermeintliche Klassenerhalte wegen vermeintlicher Lizenzentzüge (Eintracht Frankfurt) gerne schon mal eingeklagt werden! Aber in der Oberliga ist eben alles ein paar Nummern kleiner. Ich bin gespannt, wie es in den nächsten Wochen weiter geht, da ist das letzte Wort sicherlich noch nicht gesprochen, auch wenn Fortuna Köln z.B. schon über 100.000 Euro an Spenden auftreiben konnte, ist es noch zu wenig. Anfang April ist Götterdämmerung und wenn es so kommt, wie oben beschrieben, dann ist diese Saison wirklich eine Farce. Obwohl: wenn der WSV dann Zweiter wird, stimmt wenigstens noch, was hinten rauskommt.

So, und jetzt schnell noch zur Auflösung, warum wir unserem nächsten Gegner am Mittwoch, Borussia Freialdenhoven, so dankbar für 1945 sind. Schuld daran sind ausgerechnet die Fans von Fortuna Köln, die bekanntermaßen in gigantischen Heerscharen bei jedem Auswärtsspiel ihrer Truppe über den Gastgeber herfallen. Nach dem Gastspiel in Freialdenhoven bewog dies den dortigen Pressesprecher zur Niederschrift des folgenden Briefes an die Geschäftsstelle der Kölner, den ich hier so einstelle, wie er veröffentlicht wurde, das heißt eventuelle bäuerliche Grammatik- und Rechtschreib-Gepflogenheiten sind bitte nicht mir anzulasten:

„Sehr geehrte Damen und Herren,
als Beobachter und als Funktionär (stv. Stadionsprecher) möchte ich hier und heute ein paar Worte an Sie richten:

– Wir haben nichs dagegen (im Gegensatz zum Schiedsrichter, der dies monierte), wenn Ihre sogenannten „Fans“ Feuerwerkskörper abbrennen,

– wir sind allerdings nicht gewohnt (dem Himmel sei Dank), dass ein oder zwei sog. „Fans“ – mit einem Megaphon bewaffnet – den übrigen Teil Ihrer Anhängerschaft durch provozierende (auf der Basis der untersten Schublade) Sprüche aufhetzen,

– wir hoffen nicht, dass Sie der Meinung sind, dass dies mittlerweile zum Fussball ganz normal dazugehört, wenn doch, darf ich wohl keine Antwort Ihrerseits erwarten.

Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie vorst. Zeilen auf Ihrer Internet Seite veröffentlichen würden.

Wir sind ein kleiner Dorfverein, der stolz ist auf das, was wir erreicht haben, wir müssen uns aber nicht Spiel für Spiel als „Bauertrampel“ beschimpfen lassen.

Ich darf, auch wenn es etwas weit hergeholt scheint, an 1945 erinnern, als die sog. „Bauerntrampel“ da waren, um in einer äußerst schlechten Zeit die Menschen aus der Stadt mit „Essen und Trinken“ zu versorgen. Wohl dem, der über ein gutes Gedächtnis verfügt. Fussball in der Oberliga und auch anderswo ist und sollte ein Vergnügen sein und nichts anderes.

Wir haben zwar eine geringe Anhängerschaft, aber diese wenigen Aufrechten sind uns beileibe lieber, als das, was Ihrerseits sich in Freialdenhoven präsentierte.

Ich erwarte sehr gespannt Ihre Reaktion binnen weniger Tage, bevor ich diese Zeilen dem KICKER Sportmagazin zu Verfügung stelle, was für Image sicher ein ausgezeichnetes Zeugnis darstellen würde..

MfG

Lothar Offermanns
Pressebeauftragter
SC Bor. Freialdenhoven“

Mittlerweile sind übrigens in der Geschäftsstelle von Fortuna Düsseldorf eigens dafür eingestellte Mitarbeiter damit beschäftigt, Beschwerdefaxe an die ca. 120 verschiedenen Vereine zu erstellen, gegen die wir in den letzten Jahren gespielt und deren Fans uns mit so Nettigkeiten wie „Ihr seid nur ein Karnevalsverein“, „Idioten von der Kö“ oder ähnlichen untersten Schubladen beglückt haben. Denn der Mann hat selbstverständlich Recht. Und deshalb reisen wir auch Mittwoch dorthin und haben artigen Dank für 1945 im Gepäck. Denn wir wissen, was Höflichkeit ist.

Leider konnte das Spiel ja nicht wie vorgesehen an einem Sonntag stattfinden, da wären noch mehr Danke-schön-Sager mitgereist. Und weil man in Freialdenhoven soviel Wert auf uns legt, hat man den Spielbeginn auch von 19.00 Uhr auf 20.00 Uhr verlegt, so dass, und ich darf wieder den verehrten Pressesprecher zitieren „mit einer nicht so großen Anzahl Fortuna-Fans zu rechnen ist.“ Da hat er wohl leider Recht, denn in Freialdenhoven ist momentan vielleicht nicht gerade Erntezeit, in Düsseldorf und Umgebung muss man unter der Woche aber trotzdem den Dank für 1945 abarbeiten. Ich habe sowieso den Eindruck, die hätten, wenn es denn möglich gewesen wäre, das Spiel am liebsten nachts um 1.30 Uhr in der Freialdenhovener Mehrzweckhalle angepfiffen, nachdem diese von den Resten der Rosenmontagsfeier gesäubert worden ist. Da hätte man nämlich nach dem Anpfiff die Türen von innen abschließen können.

Wir sagen also „Danke für 1945“. Aber was ist mit den Heerscharen von Lesern, die am Mittwoch nicht in dieser Hochburg des Aufpäppelns Ausgebombter erscheinen können, um ihren Dank auszudrücken? Denn schließlich richtete sich das Schreiben des Pressesprecher an einen Kölner Verein, der gefälligst mal „Danke“ sagen sollte. Und da Köln nicht gerade im Einzugsgebiet von Freialdenhoven liegt, keimt der Verdacht, dieses Schreiben richte sich an alle Großstädter dieses Landes, die sich auch beim Fußball gerne mal 50 Jahre zurückerinnern möchten.

Nun, es kann geholfen werden. Unter Telefon und Fax 02461-8911 nimmt Borussia Freialdenhoven gerne euren Dank für die geleisteten Dienste entgegen. Und wenn ihr mit dem Anruf bzw. Fax noch bis Donnerstag wartet, könnt ihr auch gleich zum 3:0-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf gratulieren. Denn was wir fußballerisch normalerweise so auf dem Dorf abliefern, ist ja bekannt. Auch unsere Mannschaft wird alles geben, um „Danke“ zu sagen.
Vielleicht gibt’s dafür ja auch eine Einladung zum diesjährigen Erntedankfest.

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