Aus die Maus

Ja, wie schnell doch so eine Saison in der Oberliga Nordrhein vorübergeht! Mir ist, als ob es gestern war, als ich aufgrund einiger örtlicher Verspätungen der Deutschen Bahn AG von Bonn nach Düsseldorf zweieinhalb Stunden brauchte, um dann völlig geschafft im Stadion mit ansehen zu müssen, wie sich zwei Reihen unter mir Pierre Littbarski über den 2:2-Ausgleich (damals noch) seiner Mini-Zebras am 1. Spieltag im Paul-Janes-Stadion freute. Nun, die Beförderungszeiten der Bahn haben sich seitdem nur unwesentlich geändert, aber die Saison ist vorbei! Ging mal wieder rasend schnell. Und es war viel los, so dass man gar nicht weiß, wo man mit einem Rückblick anfangen soll. Aber am besten mit dem Ende.

3:1, 0:1, 1:2. Das waren die letzten Ergebnisse der Fortuna. Ein sehr gutes Spiel gegen Adler Osterfeld, ein sehr schlechtes gegen Viktoria Köln und ein eigentlich recht flottes gegen den Meister und Aufsteiger Wuppertaler SV. Wobei Fortuna gestern vor 4.200 Zuschauern auch das letzte Wort auf dem Spielfeld hatte, wie es sich für eine große alte Dame gehört. Interims-Trainer Weidemann bewies ein goldenes Händchen und wechselte beim Stande von 1:1 in der 73. Minute Ümit Kocaman ein. Der war genau zwei Minuten auf dem Feld, als er mit einem blitzsauberen Eigentor für die Entscheidung sorgte. Was für ein Joker! Ein Abschluss, passend zur gesamten Saison – ein großes Missverständnis.

Nicht dass jemand meint, ich würde dem jungen Spieler, der normalerweise in der Verbandsliga-Mannschaft der Fortuna kickt, die Niederlage gestern ankreiden! Selbst wenn, es wäre egal, es ging ja um nix mehr (dazu gleich mehr). Nein, die anderen Spieler, durchaus in Spiellaune, hatten nach diesem Tor noch ein halbes Dutzend hochkarätige Chancen zum Ausgleich, aber was da teilweise mit dem Ball angestellt wurde, grenzt schon ans Unmögliche. Bezeichnend hier der Versuch von Torjäger Mayer, den Ball kurz vor Schluss freistehend aus 8m endlich mal über Zaun und Straße in die angrenzende Kleingartenkolonie zu pöhlen. Er scheiterte knapp, schade, das wäre der richtige Abschluss für diese Saison gewesen.

Denn auch das kann als Fazit bleiben: was diese Truppe an klarsten Torchancen alleine gestern wieder vergab, ließe einem die Haare zu Berge stehen, hätte man sich nicht längst daran gewöhnt. Zur Verdeutlichung hier mal kurz eine Schilderung des zwischenzeitlichen 1:0-Führungstreffers durch Tytarchuk: Freistoß in Höhe rechte Strafraumkante, Niestroj täuscht einen Gewaltschuss an und spielt die Kugel halbhoch so weit nach links in den Strafraum, dass sich jeder fragt, was er denn da gesehen haben mag, und plötzlich steht da der Tytarchuk und haut die Kugel aus 12m volley per Seitfallzieher rechts oben in den Winkel. Solche Tore macht Fortuna! Aber in der 2. Halbzeit den Ball aus 5m Entfernung mit der Pieke Richtung Eckfahne hauen…unglaublich, unwahrscheinlich, unerreicht!

Noch kurz etwas zum friedlichen Charakter dieses Spiels: es ist anscheinend unmöglich, dass eine größere Gruppe Düsseldorfer und Wuppertaler Fans irgendwo aufeinander trifft, ohne dass auf beiden Seiten Gestalten dabei sind, die ihr ganz persönliches Aufeinandertreffen zelebrieren, und zwar nicht auf der neben dem Stadion gelegenen Müllverbrennungsanlage, wo man alles ganz in Ruhe hätte „ausdiskutieren“ können, sondern mitten im Stadion. Dort waren einige Herren anzutreffen, die man während der gesamten Saison zuvor nur bei einem Spiel gesehen hatte. Ratet mal, bei welchem, es gibt aber keine Preise für die richtige Antwort. Wer nun was warum wieder mal Schuld war, ist müßig zu diskutieren, selbst bei den Tageszeitungen kommt es da anscheinend auf deren Erscheinungsort an, immerhin brachte mich das heute in den Genuss dreier verschiedener Ansichten zu diesem Thema. Ich stelle mir nur ungern vor, wie es gestern ausgesehen hätte, wenn es in dieser Partie noch um etwas gegangen wäre…

Dies gilt bezüglich der ersten Halbzeit durchaus auch für das, was sich auf dem Rasen abspielte. Georg Kreß, der Meister-Trainer des WSV, hatte in einem Interview für die Stadionzeitung sinngemäß gesagt, dass es ein lockeres, attraktives Spiel für die Zuschauer werden solle, frei von taktischen Zwängen und permanentem Druck. Lieber Herr Kreß: bitte solche Aussagen nicht nur gegenüber der Stadionzeitung machen, sondern auch mal den eigenen Spielern mitteilen! Die traten, bespuckten, rempelten und schubsten in der ersten Halbzeit nämlich alles, was irgendwie rot-weiß aussah und auf dem oder in der Nähe des Platzes stand. Wenn ein Tavarez, der angeblich als Filigran-Techniker bekannt sein soll, nach 37 Minuten schon ausgewechselt werden muss, weil er gelb-rot gefährdet ist, sagt das doch schon einiges. Da die Fortunen munter dagegen hielten, gabs in der ersten halben Stunde schon mal pauschal sechs Gelbe, ich weiß nicht, ob das Saisonrekord ist, aber auf jeden Fall ein guter Schnitt und vom Schiri noch großmütig gehandhabt. Erst in der 2. Halbzeit beruhigten sich alle wieder, und es wurde ein munteres Spielchen. Na also, geht doch. Und jetzt sind wir sie erst mal für ein Jahr los, die Oberliga-Meister mit dem Zuschauerschnitt von 1.800, hingegen können sich die Organisatoren der Regionalliga Nord schon jetzt auf zwei richtig faire Spiele WSV gegen RWE einstellen, denn wenn schon der WSV meine Zielprognose vom 2. Platz unverschämterweise nicht einhält, so hat doch RWE jetzt die besten Chancen, Dritter in der Regionalliga Nord zu werden und wieder mal den Aufstieg zu verpassen. Das freut doch den neutralen Zuschauer!

Ich möchte aber noch kurz auf ein absolutes Saison-Highlight eingehen: 14.05.2003, Kreispokal-Halbfinale gegen BV 04 Düsseldorf, Landesliga. Der Kreispokal ist die Qualifikationsrunde zum Niederrheinpokal, dessen Sieger wiederum am DFB-Pokal teilnehmen darf, und nach dem verlorenen Endspiel gegen Velbert am 01.05.2003 wollten wir doch im nächsten Jahr diesen spannenden Wettbewerb nicht verpassen. Die ersten 3 des Kreispokal qualifizieren sich für den Niederrheinpokal, d.h., die Gewinner der beiden Halbfinals und der Sieger aus dem Spiel der Verlierer der Halbfinals. Alles klar? Okay. 450 Zuschauer sahen diesen packenden Pokalkrimi, in dem die Fortuna sang- und klanglos nach Verlängerung 2:4 gegen den zwei Klassen tieferen Verein verlor – im eigenen Stadion. Highlight war ein Herr vietnamesischer Abstammung, Tran Luyen, der sich nach zweimaliger Fortuna-Führung dachte: jetzt reichts aber, und kurzerhand 3 Tore zum Sieg schoss. War das 2:2 noch ganz klar irregulär, so verdient das 2:3 besondere Erwähnung, ein blitzsauberer Konter über zwei Stationen, dann der hohe Ball in den Strafraum auf Herrn Luyen, der das Ding volley aus der Luft nahm. Bei jedem Sonntags-Kick gegen Sportring Eller oder CfR Links hätte der die Kugel vom Aschenplatz runter in die Düssel geschossen, aber es war ja Pokal, es war gegen Fortuna, und gegen uns darf ja jeder mal in dieser Saison, deshalb war der Ball drin und Fortuna draußen, nachdem Luyen noch einen Elfer drauf gepackt hatte (sofort verpflichten! Der Mann kann Elfer schießen!). Eine ganz große Blamage, glücklicherweise fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Wieder eine Eintrittskarte, bei deren Betrachtung ich mich auch in den kommenden Jahren wieder entgeistert fragen werde, warum ich mir das angetan habe.

Letzteres galt übrigens auch für den Trainer von Rot-Weiß Lintorf, der Verlierer-Mannschaft des anderen Halbfinales. Der wollte schon mal den künftigen Gegner seiner Mannschaft ausspähen, schrieb zwei Stunden eifrig in sein Notizbuch alles über Taktik, System und zu beachtende Spieler von BV 04 Düsseldorf in sein Notizbuch, um dann anschließend alles in die Tonne zu kloppen, weil die peinlicherweise gewonnen hatten und sein Gegner somit Fortuna hieß. Ja, wir desillusionieren auch noch den bemühtesten Trainer, ganz gleich wie!

Eine Woche später waren unsere Pokalhelden aber wieder im Geschäft, das Verlierer-Spiel auf dem Lintorfer Kunstrasenplatz wurde 6:0 gewonnen und somit doch noch die Qualifikation für den Niederrheinpokal der nächsten Saison geschafft. Bemerkenswert bei diesem Spiel waren zwei Dinge: zum einen die Tatsache, dass Fortuna nach 23 Minuten bereits 5:0 führte, den Gegner also augenscheinlich Ernst genommen hatte, zum anderen das 6:0 durch Dirk Böcker – Foulelfmeter verwandelt! Wächst da ein hoffnungsvolles Elfmeter-Talent heran? Wir können es nur hoffen…

So, und nun ist die Saison zu Ende. Wie sehen die Fakten aus? Fortuna ist 8. geworden, mit 46 Punkten und 47:49 Toren. Meister und Aufsteiger wurde der Wuppertaler SV, der sich nach unserer Unterstützung beim 2:1 in Mönchengladbach den noch fehlenden letzten Punkt mit einem 1:1 in Freialdenhoven zusammenstolperte, was mich unser 0:0 an dortiger Heiliger Stätte im März doch schon wieder etwas entspannter betrachten lässt. Absteigen müssen neben dem insolventen Rheydter SV (hat wohl, wie es momentan aussieht, doch noch ein paar Kicker und Sponsoren gefunden und kann wohl für die Verbandsliga melden – viel Glück diesem kleinen Traditionsklub) lustigerweise die jeweiligen Amateurmannschaften des MSV Duisburg und des TSV Alemannia Aachen. Lustigerweise deswegen, weil sie sich im Laufe der Saison regelmäßig mit arg rekonvaleszenten Spielern aus dem Profikadern verstärken, den Abstieg aber trotzdem nicht verhindern konnten. Somit verbliebe es bei den kleinen Fohlen aus Mönchengladbach als einziger Amateurtruppe eines Profivereins in der Oberliga Nordrhein, wenn nicht Freitag Abend noch Bayer Leverkusens Amateure aus der Regionalliga Nord abgestiegen wäre. Bestimmt lustig, in der nächsten Saison ein Viertligaspiel in der BayArena.

Aber es gibt auch wieder Neues zu entdecken in der nächsten Saison: ich freu mich jetzt schon auf den Aufsteiger aus der Verbandsliga Mittelrhein: PSI Yurdumspor Köln, kein Witz! Der treue Fortuna-Fan kann somit bald als echter Groundhopper in Sachen Kölner Sportplätze gelten, ist Yurdumspor doch neben Fortuna Köln (darf nur an der Oberliga teilnehmen, wenn der Insolvenzantrag bis 11.06.2003 zurückgezogen wird) und Viktoria Köln der dritte Domstädter Ground, den wir in der nächsten Saison betreten dürfen. Ich glaube, die spielen in Chorweiler oder so…
Der zweite Aufsteiger kommt vom Niederrhein, heißt 1. FC Kleve, und hat sich am Karnevalsfreitag bei uns eine 0:5-Klatsche im Niederrheinpokal abgeholt, allerdings ohne zu enttäuschen. Die sind zu beachten, außerdem gibt es mal wieder ein „Hallo, wie geht’s, och schade, schon wieder vom Platz geflogen“-Wiedersehen mit Aleh Putsila (Oleg Poutilo), der sich vor lauter Wiedersehensfreude im Februar Mitte der 2. Halbzeit per Ellenbogencheck verabschiedete.

Und der Dritte im Bunde ist die SSG Bergisch Gladbach (Mittelrhein). Hm, die kannte ich eigentlich nur als die erste große Frauenfußball-Vereinsmannschaft in den 70ern, aber die Männer können es anscheinend auch. Absolutes Neuland also, ich freu mich drauf.

Und da Freialdenhoven und Düren auch drin geblieben sind, erwarten uns wieder einige beschauliche Fahrten aufs Land im nächsten Jahr.

Fortuna hat mit dieser Platzierung übrigens 29 Punkte Rückstand auf Meister Wuppertal. Eine niederschmetternde Bilanz, die der kluge Fortuna-Fan, erfahren mit den Platzierungen und Ergebnissen der letzten Jahre, natürlich andersrum liest: 17 Punkte Vorsprung auf Absteiger Aachen. Geht doch.

Erfreulich auch die 19 Tore von Frank Mayer, die in der Torjägerliste Platz 2 hinter den 22 Treffern von Holger Gaismayr (Borussia Wuppertal) bedeuten. Wenn ich allerdings bedenke, was der Mayer in der abgelaufenen Saison noch so alles verhauen hat…

Womit wir bereits bei der Kritik wären. Sicherlich war es eine enttäuschende Saison, die mehr schlechte als gute Spiele brachte, Wunderdinge hatte niemand erwartet, aber so richtig dolle war’s auch nicht. Immerhin wurde die Zielvorgabe eingehalten, die lautete Platz 5 bis 8. Was mit einem Trainer bei Fortuna geschieht, der die Zielvorgaben einhält, habe ich im letzten Kapitel schon geschrieben, er wird entlassen. Einen neuen gibt es noch nicht, aber es kursierten bereits beunruhigende Gerüchte. Dieter Brei solls richten, vor einigen Wochen beim Regionalligisten SC Verl während einer Pressekonferenz nach einem Spiel gefeuert („Bei uns im Vorstand gibt es ein Machtvakuum.“ – „Dann fülle ich dieses Vakuum jetzt mal aus. Du bist mit sofortiger Wirkung beurlaubt!“ – wo kann man eigentlich solche Schaumschläger wie dieses Vorstandsmitglied nominieren?). Erfahrung hätte er, ist er doch bereits in den 80er Jahren einmal als Trainer mit Fortuna abgestiegen. Eine für mich persönlich ganz ungemütliche Variante wird aus der Führung ins Spiel gebracht, dort kursierte nämlich der Name Stefan Engels. Ich störe mich nicht die Bohne daran, dass der mal als Spieler und Trainer beim 1. FC Köln sowie als Manager beim Wuppertaler SV versagt hat. Vielmehr stört mich, dass in diesem Zusammenhang der Ausspruch des Mannes für alle Fälle in der Vereinsführung, Thomas Allofs gefallen ist, „Der neue Trainer muss auch zu mir passen“, sowie das Wissen, dass Allofs und Engels gute Kumpels sind. Da hätten wir dann wieder mal die alten Seilschaften, die Fortuna seit Jahren los werden will und sich auf die eine oder andere Art anscheinend immer wieder einfängt. Wen interessiert es auch nur für fünf Cent, ob ein neuer Trainer zum sportlichen Direktor, oder was immer der Allofs jetzt bei Fortuna macht (ich weiß es wirklich nicht!), passt?

Um den treuen Fortuna-Anhänger gänzlich in aller Öffentlichkeit lächerlich zu machen, tauchte in den letzten Wochen noch ein Name auf, der nun wirklich dem Fass den Boden ausschlägt, nämlich Jean-Marie „Einwürfe sind zum Reinfausten da“ Pfaff. Ich hätte das ganze ja für eine ordentliche Ente gehalten, wenn es da nicht schon ein Interview eines ortsansässigen Boulevard-Blättchens gegeben hätte, in dem Pfaff die üblichen Phrasen absonderte, „Fortuna ist ein großer Name“, „In Mannschaft und Umfeld steckt Potential“, „Die gehören nicht in die 4. Liga, eine reizvolle Aufgabe“ usw. Das klingt gefährlich, besonders das mit der reizvollen Aufgabe, noch gefährlicher ist allerdings, dass Herr Erwin, seines Zeichens Aufsichtsratsmitglied bei Fortuna, Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf und Dauergrinser in jede auch nur irgendwie erreichbare Kamera, bereits öffentlich gedroht hat, sich Pfaffs Telefonnummer zu besorgen. Denn was der Erwin in die Hand nimmt, das wird was! Nur meist anders, als er es sich gedacht hat, WM 2006 und Olympia 2012 lassen grüßen. Aber bitte nicht Pfaff! Ich fühle mich als Fortuna-Fan schon manchmal als Lachnummer. Ich habe aber keine Lust, auch noch zum Witz des Jahrhunderts zu werden.

Wie siehts mit neuen Spielern aus? Bisher haben wir deren drei verpflichtet, die Herren Stegmann und Lambertz aus der eigenen A-Jugend sowie Mirko Stark vom Wuppertaler SV. Schön und Stark in der Abwehr, jetzt brauchen wir nur noch Sexy im Mittelfeld, und wir wären weiterhin nicht die beste Mannschaft Deutschlands, aber mit Sicherheit die begehrteste. Ansonsten gibt es noch nichts zu vermelden, es ist ja auch noch gar nicht klar, was Fortuna an finanziellen Mitteln in der nächsten Saison zur Verfügung stehen wird.

Abgänger sind bisher Jan Tauer, Michael Hopp und Christoph Chylla, wobei ich letztere Entscheidung nicht wirklich nachvollziehen kann, okay, der hat den Fußball nicht erfunden, spielte aber in der Rückrunde wesentlich souveräner als zum Beispiel Herr Schön, der alle guten Leistungen aus der Hinrunde mit einigen Stehgeiger-Einlagen zunichte machte und sich so nicht nur optisch Stefan Effenberg anpasste. Außerdem ist der Chylla immer noch einer unserer besten Elfmeterschützen in den Liga-Spielen, 3 aus 5, für Fortuna eine beeindruckende Quote. Ist mir wirklich ein Rätsel, warum man diesen Mann rausschmeißt.

Tauer fing stark an, ließ dann aber auch stark nach und wurde hinterher vom Trainer nicht mehr allzu oft gebracht. Er wird mit dem KFC Uerdingen in Verbindung gebracht und wird dort, wenn es denn klappen sollte, wie jeder Ex-Fortune, richtig aufblühen und beim nächsten Spiel gegen uns sein Tor machen, wie in dieser Saison schon Destino (Ratingen, ein Treffer plus ein Eigentor aus alter Verbundenheit), Miletic (Mönchengladbach, 2 Treffer), Gensler (Velbert, 2 Treffer), Lesniak (Velbert), Ebersbach (Wuppertal), Kempers (Adler Osterfeld), und irgend jemanden habe ich bestimmt noch vergessen.

Nächste Saison könnte Michael Hopp noch dazu kommen, der in einem Interview verbal noch ein wenig nachtrat ob der zugegebenermaßen etwas merkwürdigen Art und Weise seiner Demission, offenbar wurde der Trainer von einem Vorstandsmitglied instruiert, ihn nicht mehr aufzustellen. Im selben Interview offenbarte Hopp, auf seine sportliche Zukunft angesprochen, es läge eine Anfrage von einem Regionalligisten vor. Hoppi, Tabelle lesen! Das Angebot kommt von der SpVgg Ratingen, nicht vom SSV Reutlingen. Kann man schon mal verwechseln. Andererseits: wenn der Hoppi zu den insolventen Ratingern geht, könnten wir doch endlich Giftzwerg Destino im Tausch dafür bekommen. Ja, ich gebe es zu, mein Wunschspieler aus der Kategorie „Wohl auch für Fortuna bezahlbar“, gemeinsam mit Josip Labas von Borussia Freialdenhoven, aber dazu müsste noch mal jemand aus dem Vorstand den Weg in diese Einöde finden, ohne sich zu verfahren.

Apropos Vorstand: da war in der letzten Zeit auch wieder Feuer unter dem Dach, ein Vorstandsmitglied steht aufgrund seiner eigenmächtigen Handlungsweise nicht nur im Falle Hopp arg in der Schusslinie, und das, so meine Meinung aus der Ferne, nicht ganz zu Unrecht. Schon mahnt der Mann für publikumswirksame Auftritte, der OB der Landeshauptstadt (siehe oben), öffentlich: „Der Mann ist untragbar!“, ohne jedoch entsprechende Konsequenzen durchzusetzen. Ein weiteres Vorstandsmitglied mahnt darauf zur Ruhe mit der einfältigsten aller Begründungen: „Dieser Mann hat soviel für den Verein getan…“ usw. Das sind kompetente Aussagen, die klingen für mich immer so nach unserem Ex-Bimbes-Kanzler: „Klar hab ich Schmiergeld genommen, aber ich war auch zufällig Kanzler, als die Mauer fiel, also lasst mich schön in Ruhe“ Ich bin sicher, da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen (also bei Fortuna, Deutschland schwerster Fall von illegaler Spendensammelsucht interessiert mich nicht weiter).

Alles in allem: enttäuschende Saison, Spieler, die nach gutem Beginn haufenweise Kredit verspielten, aber wenigstens ab und zu mal zeigten, dass sie es doch können (was mich persönlich eher zur Verzweifelung bringt, weil es eben so unregelmäßig geschieht), kein Trainer, einige Millionen Euro Schulden, Abgang mit Nachtreten, Uneinigkeiten und kleine Scharmützel in Vorstand und Aufsichtsrat, dazu Fans, die wirklich alles auf sich nehmen, gegnerischen Schatzmeistern Rekordeinnahmen bescheren, bei Heimspielen für den mit Abstand besten Zuschauerschnitt in der Oberliga Nordrhein sorgen, in der Öffentlichkeit allerdings durch einige ganz schlaue Vereins-Unterstützer immer wieder schlecht wegkommen (in Velbert und gegen Wuppertal vor allem) – wie nennt man so eine Saison bei Fortuna? Richtig: normal. Und welche Konsequenz erwächst aus dem derzeitigen, für meinen Geschmack ziemlich traurigen Zustand des Vereins? Genau: nächste Saison muss aufgestiegen werden! Da bin ich wirklich, wirklich mal gespannt…

Gab’s sonst noch was? Ach ja, mein heimlicher Zweitverein, der Hamburger SV, wurde Deutscher Meister! Zwar nur im 1:0- und 1:1-Spielen sowie laut Statistik im Wettbewerb der Bundesliga-Teams mit den meisten Fouls sowie beim Bereitstellen des Gelbe-Karten-Königs (Metzgermeister Hollerbach), aber immerhin: so was reicht in der Bundesliga ja schon, um im UEFA-Cup spielen zu können. Vielleicht ein Vorbild für die Fortuna in der nächsten Saison?
Richtiger Meister wurde natürlich Bayern. Na und? Interessiert doch keinen, die selbst am allerwenigsten. Und mich interessiert jetzt schon eher, wann es bei uns endlich wieder weitergeht.

Und daher verabschiede ich mich jetzt auch für diese Saison. Ab Mitte August werden wir wieder unterwegs sein zu atemberaubenden Auswärtsfahrten nach Düren, Freialdenhoven, Kleve, Bocholt, Ratingen, Velbert, Bonn (Heimspiel! Heimspiel!), und wie die Größen dieser Fußball-Republik noch so heißen. Wir werden wieder mitfiebern und hoffen, dass alles besser wird, wie immer in den letzten Jahren, und auch wenn nix besser werden sollte, wir werden trotzdem wiederkommen, denn, um mit den Worten unseres Noch-Hauptsponsors zu sprechen, es geht es ja sowieso um etwas ganz anderes, was der gemeine Bayern- oder BVB-Fan nie begreifen wird. Auch wenn ich mich an manchen Tagen selbst nicht verstehen kann, dass ich mir so etwas antue: aus jedem Dilemma kehren wir gestärkt und entschlossen wieder zurück. Wenn es danach geht, können wir alle im August vor Kraft kaum laufen.

„Was für ein Moloch ist unser aller Mutter, die Fortuna“ (frei nach Joachim Fernau)

Kommentare sind geschlossen.