Abgesang auf eine Saison

Ja, ich bekenne es: die Saison der Oberliga Nordrhein 2002/03 ist für mich gelaufen. Die letzten drei Spiele interessieren mich nur noch am Rande, obwohl es reizvolle Partien sind, der Tabellen-3. und der Tabellenführer und designierte Aufsteiger kommen noch zum Flinger Broich, es lockt zudem ein Auswärtsspiel in der Stadt mit der komischen Kirche, bei dem wir den Gegner durchaus noch Richtung Verbandsliga befördern können – es hätte also ein spannender Schlussspurt in dieser Saison werden können. Na und? Interessiert keine Sau mehr. Die Geschehnisse vom letzten Donnerstag und insbesondere von heute, da ich dies schreibe (Dienstag, 06.05.2003) sorgen dafür, dass es wohl bis Saisonende keine weiteren Gesprächsthemen geben wird. Aber der Reihe nach.

Zunächst mal: danke, mein Urlaub in Ägypten war prima. Viel Sonne, viel Meer, tatsächlich auch Kultur – alles drin in nur sieben Tagen. Und schön weitab vom Schuss. All denjenigen, die von dem Angebot der Reisebüros Gebrauch gemacht und eventuelle Ägypten-Reisen im April umgebucht hatten aufgrund der großen Massenvernichtungswaffen-Renovierung von Herrn Bush im Irak (hat nämlich bestimmt schon welche gefunden und muss jetzt noch die Stempel „Made in USA“ abkratzen), auf Kosten einiger tausend Zivilisten, die dämlich genug waren, da auch noch wohnen zu wollen, darf ich sagen: das gefährlichste Ereignis in meinem Urlaub war, als mir beim Beobachten von Wasserschildkröten in ihrem Element selbiges versehentlich in den Schnorchel geriet. Ansonsten nix. Achja, und noch ein Tipp: wer nach Ägypten möchte, sollte Hurghada meiden. Dann lieber zum Ballermann, sieht genau gleich aus, läuft auch dasselbe Volk rum, ist aber billiger. Fürchterliche Stadt, musste ich aber zum Glück nur am Abflugtag erleben.

So, nun aber zum Fußball. Durch diesen Urlaub und die diesbezügliche Nachbereitung gingen mir leider zwei Spiele der Fortuna durch, die aber dem Hörensagen nach so was von langweilig waren, dass ich nicht viel verpasst zu haben schien. Zunächst gab es ein 2:0 bei der A-Jugend von Fortuna Köln, oder wen dieser insolvente Verein, der sich von Termin zu Termin hangelt (jetzt sind wir schon bei Ende Mai gelandet), sonst noch so im Aufgebot hatte. Frank Mayer erzielte beide Treffer bereits in den ersten 10 Minuten, danach erfreute sich alles, inklusive Spieler, anscheinend am guten Wetter und war froh, als diese lästige Pflichtübung vorbei war. Bemerkenswert war noch, dass Fortuna Köln in der 2. Halbzeit den Ersatztorwart einwechselte – als Feldspieler, sie hatten keinen anderen mehr. So verabschiedet sich die Mannschaft, die in der Hinrunde ganz klar den schönsten Fußball spielte. Aber anscheinend gibt es in der nächsten Saison ein Wiedersehen, denn es scheinen wohl in Köln Investoren aufgespürt worden zu sein, die ein Überleben des Vereins sichern können. Erstmal abwarten, das haben schon andere gesagt.

Danach kam die SSVg Velbert zum Gastspiel an den Flinger Broich und gewann dank der Treffer der Ex-Fortunen Gensler und Lesniak 2:0. Das interessierte aber nun wirklich niemanden mehr, da es ja zwei Wochen später, am 1. Mai, gegen denselben Verein im ARAG-Pokal-Finale (Verbandspokal Niederrhein) um den Einzug in die 1. DFB-Pokal-Hauptrunde ging. Ich habe ja schon früher mal geschrieben, dass ich beim besten Willen nicht verstehe, wieso für ein solches Finale einer der beiden Finalteilnehmer Heimrecht zugelost bekommt. Nun, mittlerweile weiß ich es, der FVN macht das deshalb, weil er bei zwei unattraktiven Mannschaften auf neutralem Platz kein „Geisterspiel“ haben möchte. Ich bin sicher, nach dem 1. Mai 2003 werden sie ein solches Spiel im nächsten Jahr herbei sehnen.

Ausgangslage war folgende: es waren insgesamt 6.000 Karten in Umlauf gegeben worden, 3.000 davon gingen an die Geschäftsstelle von Fortuna. Die waren knapp zwei Wochen vor dem Spiel ausverkauft. Die 3.000 in Velbert aber noch lange nicht. Deshalb machten sich die motorisierten oder buskundigen Fortunen auf den Weg nach dort und kauften ihre Tickets direkt vor Ort, so dass ich schätzen möchte, dass vor dem Spiel ca. 4.000 Fortuna-Fans im Besitz von nicht unterteilten Eintrittskarten waren. Dies war in Velbert und bei der Polizei auch bekannt.

Apropos Polizei: zuständig für die Sicherheit bei diesem Spiel war natürlich die Polizei des Kreises Mettmann, dem Velbert angehört. Aus dem Polizeipräsidium in Düsseldorf kam zwar das Angebot, den Kollegen helfend unter die Arme zu greifen, dies wurde jedoch abgelehnt. Klar, wer will schon dem Großen Bruder so etwas überlassen, der sowieso alles besser weiß? Auch hatten die Velberter im Traum nicht daran gedacht, ordentlich Polizei anzufordern, obwohl bekannt war, wie viele Fans anreisen würden sowie dass sowohl einige verwirrte Düsseldorfer als auch einige noch verwirrtere Velberter (die ja eindeutig eher der rechten
Minderheit dieses Landes zuzuordnen sind) am Tatort eintreffen würden, schließlich hatte man sich ja schon im Oktober nach einem völlig unwichtigen 0:0-Hinrunden-Gekicke liebevoll auf der Hauptstraße vor dem Stadion „umarmt“. Die Polizei wiederum, die das Spiel in ein anderes Stadion hätte verlegen können, drückte anscheinend bei der Besichtigung dieser Bruchbude beide Augen zu. Nur so kann ich mir erklären, was um circa 14.40 Uhr vor dem und im Gästeblock geschah.

Den Gästeblock (Gegengerade) erreichte man über einen einzigen steilen, abschüssigen asphaltierten Weg inmitten eines Wohngebietes, der in ein einziges geöffnetes Tor von der Breite meiner Wohnzimmertür mündete. Hier wurde versucht, Einzeleinlass mit Kartenabriss und Personenkontrolle durchzuführen. Der Block fasste allerdings, wohlwollend geschätzt, vielleicht 3.000 Personen. Eine halbe Stunde vor dem Spiel war er voll (und ich froh, dass sich endlich mal meine frühe Anreise gelohnt hatte). Nichtsdestotrotz warteten draußen noch mehrere hundert Fortuna-Fans mit Eintrittskarten, die selbstverständlich nicht zum Absingen der 1. Strophe der Nationalhymne im Velberter Block gezwungen werden wollten. Da dies bei Velberter Offiziellen oder der Polizei jedoch niemanden so recht interessierte, wurden die Leute weiter in den Block gepresst und es kam, was kommen musste: vorne gings nicht weiter, von hinten wurde geschoben, das Kassenhäuschen wurde als erstes aus dem Weg geräumt, dann der Zaun zum Eingang eingedrückt, Hillsborough ließ grüßen, es gab einige Verletzte, Polizei war nicht zu sehen, die Ordner suchten das Weite, mit der Folge, dass auch noch etliche Leute ohne Karten in den Block gelangen konnte.

Aber damit ging der Spaß erst richtig los. Da alles in den Block nachdrängte, dieser jedoch voll war, wurde auf der linken Seite des Blocks der Zaun eingedrückt, damit die Leute auf die daneben liegende Stehtraverse gelangen konnten, die leider über keinerlei Absperrung zum Spielfeld verfügte, und hinter dem einen Tor praktischerweise genau im gegenüber liegenden Block der Velberter endete.

Tja, und wenn es nur bis hierhin gekommen wäre, hätte man sagen können: danke Polizei, danke SSVg Velbert, für dieses mir einmalige Erlebnis, zum ersten Mal in 25 Jahren Stadionbesuch im Stadion selbst leicht Angst bekommen zu haben. Dies war nämlich einzig und allein auf die mangelnde Organisation zurückzuführen, da die entscheidenden Fakten alle bereits mehrere Tage vor dem Spiel bekannt waren. Die einen (Polizei) hatten dieses Spiel gewaltig unterschätzt, die anderen (SSVg Velbert) wollten ein bisschen Geld sparen und deshalb nicht so viele von den einen im Stadion haben – Augen zu und durch! Kostenminimierung auf Kosten der Gesundheit der Zuschauer. Dass dabei „nur“ ein gebrochener Arm als schwerste mir bekannte Verletzung heraussprang, ist reiner Zufall, es waren auch vielen kleine Kinder dabei, von denen einige von anderen Fans unter den eingedrückten Zäunen weggezogen werden mussten.

Aber nun wollten einige Gestalten der Partie auch ihren Stempel aufdrücken. Sicherlich gereizt durch die Zusammenpferchung und die unglaublichen Verhältnisse im Block (ich sag nur: 7 Dixie-Klos für 4.000 Zuschauer!), aber auch, weil es wochenlang vorher ebenfalls schon angekündigt worden war und anscheinend niemanden interessiert hatte, begaben sich einige Mutanten, die schon immer mehr erlebnisorientiert als sportinteressiert waren, durch den zerlegten Zaun über die Stehtraverse zum Velberter Block, um dort mal einige Erinnerungen aufzufrischen, wobei allerlei Gegenstände in den Block hinein flogen. Polizei: Fehlanzeige. Die beeilte sich hinterher, auf ihrer eigenen Homepage das Verhalten der Velberter Fans als „besonnen“ zu loben. Da kann ich ja nur lachen. Erstens wäre ich auch ziemlich besonnen, wenn eine Horde Randalierer auf mich zustürmen würde, zweitens konnte selbst auf die Entfernung der ein oder andere Baseballschläger ausgemacht werden, der dort drüben in aller Ruhe ausgepackt wurde. Aha, bei uns Einzeleinlass mit Personenkontrolle, dort drüben handliches Schlagwerkzeug. Da es sich bei diesen Gestalten allerdings um Mitglieder diverser „Fanclubs“ handelte, haben sie die Sachen vielleicht ordnungsgemäß als „Arbeitsgerät“ angemeldet und so mit ins Stadion bekommen? Ich für meinen Teil hätte mir gewünscht, dass dort drüben auch mal ein Blocktor so leicht aufgeht, dann hätten sich nämlich die Richtigen gegenseitig ordentlich auf die Fresse hauen können. So musste die im Trimm-Trab herbei geeilte Polizei die Blockseite frei halten, was natürlich nicht ohne Provokationen von beiden Seiten abging.

Als die Mannschaften das Spielfeld betraten, schickte der Schiri diese postwendend wieder in die Kabine, da immer noch ca. 200 Leute auf der Stehtraverse zwischen den beiden Blöcken standen. Das Spiel begann mit einer Dreiviertelstunde Verspätung, weil die Velberter erst weitere Hundertschaften inklusive BGS herbei telefonieren mussten! Das nenne ich vorausschauende Planung, die Partie stand ja auch erst seit dem 01.03. fest! Dann der Hammer des Tages, gegen den wirklich alles verblasste, nämlich die Durchsage des Einsatzleiters der Polizei, nachdem die Verstärkung eingetroffen war: er sagte über Lautsprecher, dass das Spiel in zehn Minuten beginnen würde. Die Verspätung begründete er damit, Zitat: „Wir haben mit einem solchen Andrang nicht gerechnet!“ Klar, 6.000 Karten verkauft, aber weil Velbert so eine hässliche Stadt ist, kommen nur 3.000 – so rechne vielleicht ich als Ex-Nachbar dieses Schandflecks im Bergischen Land, aber dass die heimische Polizei anscheinend schon genauso kalkuliert, sollte den Stadtvätern dann doch zu denken geben. Für mich schon jetzt der Satz des Jahres, der aber merkwürdigerweise am nächsten Tag in keiner der regionalen Zeitungen auftauchte, bei denen war dann der komplette Fortuna-Anhang Schuld, also alle 4.000 Leute, die dumm genug waren, zu glauben, in diesem Stadion würde man Platz finden, da sie im Besitz der entsprechenden Eintrittskarten waren. Wobei ich eins ganz klar sagen möchte: diese knapp 50 Mann, die tatsächlich randalierten und das ganze wahrscheinlich mit Suff, „Fortuna!“, Provokationen, Emotionen und unglücklicher Kindheit erklären würden (wenn man sie denn festgenommen hätte), die kann man meiner Meinung nach ruhig mal eine Zeitlang wegsperren und den Schlüssel wegwerfen. Ich würde sie nicht vermissen. In die Zelle nebenan kämen bei mir aber dann auch einige Offizielle des Gastgebervereins, die unverdrossen nach dem Motto „Platz ist in der kleinsten Hütte“ 4.000 Leute in einen 3.000-Zuschauer-Block hinein pressen wollten, auch als sie sahen, dass es wirklich nicht mehr ging. Oder die Herrschaften des Verbandes, die sich trotz des Wissens, dass sich hier kein „Geisterspiel“ anbahnen würde, nicht von ihren Statuten abbringen ließen und das Spiel nicht an einen neutralen Ort zwangsverlegten. Das heißt, nein, in einer Gefängniszelle hätten diese Schlipsträger ja noch richtig viel Platz im Vergleich zu uns an diesem schönen 1. Mai. Da müssten wir dann schon auf 10-15 Personen aufstocken, damit das event feeling eines ARAG-Pokal-Endspiels auch diesen Herren zugänglich gemacht wird.

Ach ja, Fußball gespielt wurde auch noch, in der ersten Halbzeit aber fast nur als Nebensache, da neben allen anderen geschilderten Begleitumständen auch das Wetter mal wieder „echt bergisch“ war, vier dicke Schauern in der ersten Halbzeit, Platzregen mit Hagel (!), sorgten für weitere Verstimmung, zumal die Herrschaften, die vor mir residierten, alle diese praktischen Familienschirme dabei hatten. Einmal aufgeklappt und zack! konnte ich den Spielverlauf nur noch erahnen. Eingeschränkt wurde die Sicht zudem noch von circa 200 Damen und Herren der Grünen Fraktion, die an der Seitenauslinie längs unseres Blocks Aufstellung genommen hatten und auch nach Aufforderung nicht Platz nehmen wollten.

Immerhin, das was ich sehen konnte, sah nach einem guten Fußballspiel aus. Fortuna war die bessere Mannschaft, aber es kam, wie es kommen musste: erst traf Tytarchuk nur die Latte, dann köpfte Schön knapp vorbei, dann biggelte uns mit Andreas Gensler wieder mal ein Ex-Fortune mit dem Knie (!) den entscheidenden Treffer in der 51. Minute rein, dann blieb ein Schuss von Mayer im Matsch auf der Torlinie stecken, und dann war das Spiel aus, die SSVg Velbert zum ersten Mal in ihrer Geschichte im DFB-Pokal und wir standen, wie üblich, mit leeren Händen und pitschnass da…diesen 1. Mai konnte man durchaus mit dem Schlagwort „Tragödie“ abbuchen. Wobei an einem solchen Tag selbst noch das Siegtor Anlass zu reichlich Diskussionen gab: auf der rechten Angriffsseite der Velbert stießen zwei Spieler zusammen, der Schiri zeigte deutlich weiterspielen an, aber da es denn Assi auf dieser Seite in diesem Moment unter dem rechten Arm juckte, hob er sein Fähnchen, woraufhin der Schiri seine Entscheidung korrigierte und Freistoß gab. Und das, obwohl mindestens zehn Polizisten in unmittelbarer Nähe des Assis standen! Hätten die den nicht kurzerhand wegen Störung der öffentlichen Ordnung (denn das Spiel lief ja ordnungsgemäß weiter) einkassieren können? So kam es, wie es kommen musste, die anschließende Freistoßflanke verwertete Gensler mit einem der Körperteile, die man gemeinhin zum Fußballspielen nicht braucht, und das war’s dann.

Velbert hat nun den ARAG-Pokal sowie ein renovierungsbedürftiges Stadion, der DFB hoffentlich die Gewissheit, dass in diesem Gemäuer nie wieder ein solches „Großereignis“ ausgetragen werden darf. Was passiert da eigentlich, wenn in der 1. Runde Schalke kommt? Das war in allen Belangen ein Trauerspiel an diesem 1. Mai.

Erheiternd wirkt auf mich wenigstens noch die Stellungnahme eines Velberters in einer der zahlreich Internet-Foren, in denen über das Spiel immer noch diskutiert wird: der meinte nämlich, Fortuna Düsseldorf sollte aufgrund seiner rabiaten Fans (aller 4.000 wohlgemerkt!) endlich mal in die Kreisliga C strafversetzt werden. Wenn es danach ginge, wüsste ich von ihm gerne mal, wo er die treudeutschen Velberter Kampfgenossen und den dazu gehörigen Verein nach diversen Vorkommnissen in den letzten Jahren einordnen würde – Kreisliga F gibt’s in Nordrhein-Westfalen leider noch nicht.

Mit diesem Spiel war die Saison gelaufen, so denken viele. Alles in den letzten Wochen war nur auf dieses Spiel gerichtet, jetzt ist es verloren, die Saison kann abgepfiffen werden. Schön, dass Trainer und Mannschaft dies anders sahen und nur drei Tage später geradezu sensationell auf dem Bökelberg 2:1 gegen Gladbachs Amateure gewannen (Tore durch Hopp und Mayer), den Tabellen-2., der sich noch Hoffnungen auf den Aufstieg machte. Okay, so sensationell war es nicht, denn beide Teams zelebrierten bei schönstem Sommerwetter einen ebensolchen Fußball, aber es war nicht unverdient, in der 2. Halbzeit war Fortuna klar besser, Gladbach richtig schlecht. 1.500 Zuschauer sahen als kleinen Nebeneffekt, wie wir ausgerechnet den Wuppertaler SV wohl zum Meister und Aufsteiger machten, denn wenn die diesen Vorsprung jetzt noch vergeigen, dann sind sie wirklich reif für die Anmeldung zur Kreisliga. Auch das kleine Glücksgefühl, den WSV wieder mal als 2. der Abschlusstabelle begrüßen zu können, ist mir also nicht vergönnt! Ich weiß, man kann nicht alles haben im Leben, aber so wenig wie in dieser Saison sollte es wirklich nicht sein!

Dachte sich auch der Vorstand und griff heute Mittag zum probaten Mittel: Trainer Slavko Petrovic wurde drei Spieltage vor Saisonende entlassen. Das ist Fortuna! Da legt der Mann im Herbst eine Serie von 11 Spielen ohne Sieg hin – und bleibt im Amt. Da blamiert sich die Mannschaft bei den Unentschieden in Freialdenhoven und Ratingen spielerisch bis auf die Knochen – der Mann bleibt im Amt. Da verliert er das wichtigste Spiel des Jahres, in dem er zudem noch ziemlich merkwürdig auswechselt – der Mann bleibt im Amt. Aber dann gewinnt er beim Tabellen-2. – und wird gefeuert. Willi Entenmann und der 1. FC Nürnberg lassen grüßen, wieder mal großes Kino in Düsseldorf.

Man kann jetzt ellenlang hier darüber diskutieren, ob das gerechtfertigt ist oder nicht, ob es zum jetzigen Zeitpunkt überraschend kommt oder nicht. Ich werde es mir schenken, denn das Auftreten der Mannschaft, die Punktausbeute in dieser Saison, durchaus mit Steigerung im Jahr 2003 (Platz 5 der diesbezüglichen Tabelle zur Zeit), die Auswechselpolitik des Trainers oder die Tatsache, dass es nunmehr heißt, er könne mit den jungen Spielern nicht umgehen, das alles kann sich ja jeder so basteln wie er will. Ich für meinen Teil finde es schade, dass Fortuna anscheinend der Verein mit dem brüchigsten Geduldsfaden aller Zeiten ist. Ich finde es auch deprimierend, dass hier wieder mal diejenige Reißleine gezogen wurde, die fast alle sauber aus der Sache rauskommen lässt, weil nun wieder einzig und allein der Trainer Schuld ist. Aber so ist nun mal das „Geschäft“. „Hätte vielleicht mehr Elfmeter trainieren sollen“, wäre mein Abgangssatz. Und das soll es von mir zu diesem Thema dann auch gewesen sein.

Eingestellt wurde er von denselben Leuten, die ihn heute feuerten, weil er „das schlüssigste Konzept vorlegen konnte“. Konsolidierung und Platz 5-8 im ersten Jahr, Aufstieg im zweiten. Und nun? Fortuna ist 8. mit 43 Punkten, hat den besten Zuschauerschnitt der Liga, hat das Pokalfinale erreicht, der Mann hat alle Forderungen erfüllt. Das reicht aber hier nicht, weil nicht genug schöner Fußball gesichtet werden konnte (wobei sich niemand ernsthaft fragt, ob das mit dieser Mannschaft überhaupt möglich ist, es hat einfach so zu sein), wer sich schon einen Oberbürgermeister im Aufsichtsrat eines Viertligisten leistet, der muss in höheren Dimensionen denken. Also weg mit dem Mann, ungeachtet der Tatsache, dass ihm noch zwölf Monatsgehälter zustehen, da er dummerweise sein schlüssiges Konzept mit einem ebenso schlüssigen Zwei-Jahres-Vertrag untermauerte. Vorläufig übernimmt Uwe Weidemann, momentan Trainer der Verbandsliga-Mannschaft der Fortuna, das Traineramt, und dann darf man gespannt sein, wer als Nachfolger im Sommer aus dem Hut gezaubert wird.

Ich hoffe bloß, Aleks Ristic ist zu teuer. Denn wenn sie den hier noch mal anheuern, gehen für mich wirklich die Lichter aus.

So, jetzt noch die letzten Spiele gegen Adler Osterfeld, Viktoria Köln sowie die Aufstiegsfeier des WSV abbacken, dann kommt noch ein besonderer Termin: am 29.05.2003 stehen sich im Flinger Broich die jetzige Oberliga-Mannschaft und die der Saison 1993/94 (die damals den Aufstieg in die 2. und anschließend den Durchmarsch in die 1. Liga schaffte) gegenüber, zum sogenannten „Mythos-Spiel“. Die Partie dient einem guten Zweck, nämlich Fortuna Düsseldorf, soll also ein paar Euro in die leeren Kassen spülen. Wer von euch in der Nähe wohnt und Lust hat, unsere damalige Rentnerband mit so legendären Gestalten wie Vlatko Glavas, Petr Rada, Ralf Voigt und vielleicht sogar Georg Koch anzuschauen, ist herzlich eingeladen. Und da wir nicht die SSVg Velbert sind, gibt’s wohl auch keine Probleme beim Einlass.

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